Neben den bereits an anderer Stelle genauer betrachteten Gruppen der USPD-Vorstandsmitglieder und der USPD-Mitglieder werden jetzt in Ergänzung die Reichstagsabgeordneten der USPD genauer betrachtet. Während der Zeit des Ersten Weltkrieges waren sie fast das einzige ‚Aushängeschild‘ der USPD. Eigene Parteizeitungen gab es noch nicht, auch wenn manche Zeitungen der Opposition innerhalb der Sozialdemokratie erkennbar näherstanden, viele Veröffentlichungen wurden durch die Zensur verhindert oder verboten – bis auf die Reden der Reichstagsabgeordneten, die in der Presse ohne Zensureingriff veröffentlicht werden konnten. Insofern prägte diese Gruppe das frühe Bild der USPD an wesentlicher Stelle.
Die Mitglieder des 1917 gewählten Vorstandes waren z.T. auch gewählte Mitglieder des Reichstages. Jedes zweite Vorstandsmitglied war auch in den Reichstag gewählt worden. Quantitativ war damit der Reichstag der Ort, in dem sich die USPD von 1917 bis 1922 am deutlichsten präsentiert hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Fotos (fast) aller USPD Reichstagsabgeordneten
2 Die USPD-Reichstagsabgeordneten
3 Zur Sozialstruktur der USPD-Reichstagsabgeordneten
4 Die Führung der USPD
5 Die USPD-Abgeordnete im Reichstag (1917/1918)
6 Die USPD-Abgeordneten in der deutschen Nationalversammlung (1919/1920)
7 Die Reichstagsabgeordneten der USPD (1920-1922)
8 Der Märzputsch 1921: Debatte im Reichstag
9 Gegen die Reaktion
10 Auf dem Wege zur gemeinsamen Arbeit: SPD und USPD im Reichstag
11 Bilanz der USPD-Reichstagsarbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das parlamentarische Wirken der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) in der Gründungsphase der Weimarer Republik. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Analyse der Reichstagsabgeordneten, deren Rollenverständnis zwischen parlamentarischer Arbeit und außerparlamentarischem Aktivismus sowie deren Einfluss auf die Außendarstellung der jungen Partei.
- Sozialstruktur und demografische Zusammensetzung der USPD-Parlamentarier
- Die Rolle der Redner im Reichstag als Sprachrohr der Partei
- Das Verhältnis der USPD zur SPD und zur aufkommenden KPD
- Analyse parlamentarischer Auseinandersetzungen, etwa zum Versailler Vertrag oder dem Märzputsch 1921
- Entwicklung und Wandel der USPD-Politik zwischen 1917 und 1922
Auszug aus dem Buch
5. Die USPD-Abgeordnete im Reichstag (1917/1918)
Die in die Reichstage (und in die Nationalversammlung) gewählten oder übergetretenen USPD-Mitglieder sind durch ihre Reden im Reichstag in der Öffentlichkeit und in den USPD-Zeitungen präsent und wirkten an wichtiger Stelle für das Bild der USPD: sowohl als Werbung für weiterer Mitglieder, wie auch ‚in der Sache‘, in Anträgen, Gesetzesvorschlägen, Ablehnung von Gesetzesanträge anderer Parteien, Zwischenrufe usw. Vielfach wurden diese Beiträge in den USPD-Zeitungen im Originallänge – damit von jeder Zensur ausgeschlossen - abgedruckt oder auch als Broschüre veröffentlicht, so dass sie damit als Multiplikatoren für die USPD wahrnehmbar wurden. Ein immer wiederkehrendes Motiv war die Frage: (Nur-)Parlamentarier und/oder (Nur-) Rätevertreter und damit Antiparlamentarier, d.h. welchen Stellenwert hatte die parlamentarische Arbeit neben/statt/in Ergänzung zur außerparlamentarischen Arbeit in Räten, in Gewerkschaften.
Während des Belagerungszustandes im Ersten Weltkrieg mussten Texte zur Veröffentlichung in Zeitungen oder Zeitschriften vorab den staatlichen und/oder militärischen Vorzensurstellen vorgelegt werden. Dies wurde von der USPD extensiv dadurch umgangen, dass USPD-Parlamentarier die veränderten oder gestrichenen Textstellen vor dem Reichstag in Reden einbauten. Dann konnten diese Reichstagsreden kommentarlos in Zeitungen abgedruckt werden, da Reden im Reichstag durch Zensureingriffen nicht verändert oder gestrichen werden durften.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Fotos (fast) aller USPD Reichstagsabgeordneten: Bietet einen dokumentarischen Überblick der USPD-Reichstagsabgeordneten in Bildform.
2 Die USPD-Reichstagsabgeordneten: Analysiert quantitativ die Zusammensetzung der USPD-Fraktion und deren Bedeutung für die öffentliche Wahrnehmung der Partei.
3 Zur Sozialstruktur der USPD-Reichstagsabgeordneten: Untersucht das Alter, Geschlecht sowie die berufliche Qualifizierung der Parlamentarier und deren Wandel über die Zeit.
4 Die Führung der USPD: Betrachtet die personelle Überschneidung von Parteivorstand und Reichstagsmandaten sowie das Wirken der Führungsriege.
5 Die USPD-Abgeordnete im Reichstag (1917/1918): Erläutert die Rolle der Reden im Reichstag während des Ersten Weltkriegs und Strategien zur Umgehung der Zensur.
6 Die USPD-Abgeordneten in der deutschen Nationalversammlung (1919/1920): Analysiert die Rolle der USPD als Fraktion innerhalb der neu entstehenden Verfassungsdebatten.
7 Die Reichstagsabgeordneten der USPD (1920-1922): Beleuchtet die Oppositionsrolle und die schwierigen politischen Abgrenzungen nach der Wahl 1920.
8 Der Märzputsch 1921: Debatte im Reichstag: Dokumentiert die parlamentarische Auseinandersetzung um den März-Aufstand der KPD und die staatliche Reaktion.
9 Gegen die Reaktion: Thematisiert den Kampf der USPD-Abgeordneten gegen rechte Tendenzen, Monarchisten und Attentate.
10 Auf dem Wege zur gemeinsamen Arbeit: SPD und USPD im Reichstag: Zeichnet die Annäherung der USPD an die SPD infolge des Rathenau-Mordes nach.
11 Bilanz der USPD-Reichstagsarbeit: Fasst das politische Wirken und die Entwicklung der USPD-Abgeordneten bis zur Vereinigung 1922 zusammen.
Schlüsselwörter
USPD, Reichstag, Weimarer Republik, Parlamentarismus, Sozialdemokratie, Klassenkampf, 1917-1922, Arbeiterschaft, Gewerkschaften, Räte, Märzputsch, Rathenau, Koalition, Parteigeschichte, Zensur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das parlamentarische Gesicht der USPD zwischen 1917 und 1922, indem sie die Zusammensetzung und das Wirken ihrer Reichstagsabgeordneten untersucht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die soziale Herkunft der Abgeordneten, die Bedeutung parlamentarischer Reden zur Umgehung der Kriegszensur und die politische Positionierung der Partei zwischen SPD und KPD.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das 'parlamentarische Bild' der USPD herauszuarbeiten und zu zeigen, wie die Abgeordneten die Partei in der Öffentlichkeit wirksam präsentierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine quantitative Analyse von Daten (Alter, Beruf, Geschlecht, Abstimmungsverhalten) kombiniert mit einer qualitativen Auswertung von Redeprotokollen aus dem Reichstag.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch nach Legislaturperioden, beleuchtet spezifische Krisen wie den Märzputsch 1921 und analysiert die sich wandelnde Beziehung zur SPD.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind USPD, Reichstag, parlamentarische Oppositionsarbeit, Weimarer Republik, Arbeiterschaft und das Verhältnis zwischen parlamentarischem und außerparlamentarischem Kampf.
Wie unterscheidet sich die Sozialstruktur der Abgeordneten von den einfachen Mitgliedern?
Die Arbeit stellt fest, dass Abgeordnete im Vergleich zur Mitgliedschaft oft eine stärkere Qualifizierung als Redakteure oder Parteiangestellte durchlaufen hatten und tendenziell weniger direkt aus der Arbeiterschaft kamen.
Warum war der Reichstag für die USPD als Sprachrohr so wichtig?
Da viele Zeitungen zensiert oder verboten wurden, boten Reichstagsreden einen rechtlich geschützten Raum, um politische Inhalte ungefiltert zu verbreiten, was die USPD extensiv nutzte.
- Arbeit zitieren
- Dr. Hartfrid Krause (Autor:in), 2021, Das parlamentarische Gesicht der USPD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1042175