Sehbehinderte und Angst


Skript, 2001

13 Seiten


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Das Thema dieser Arbeit " Sehbehinderung und Angst" wurde von der Edith-Stein-Schule für Sehbehinderte in Unterschleißheim angeregt.

Die Idee dabei war die Frage, ob Sehbehinderte im Unterschied zu Normalsichtigen mehr zur Ängstlichkeit neigen bzw. andere Ängste haben.

Angst entsteht fast immer dann, wenn wir uns in einer Situation befinden, der wir nicht oder noch nicht gewachsen sind.

Daher kann man sich vorstellen, das Menschen mit einer Behinderung, sehr viel häufiger in eine Situation geraten, die sie nicht bewältigen können.

- Aber folgt daraus auch, das Behinderte deshalb ängstlicher als Nichtbehinderte sein müssen?

Um eine genaue Antwort auf die Frage zu bekommen, hat man an der Edith Stein Schule das Angstpotential der Sehbehinderten mit dem AFS, dem "Angstfragebogen für Schüler" untersucht ( siehe Anhang).

Die vorliegende Wissenschaftliche Arbeit gliedert sich in drei Teile:

1. Darstellung von gängigen für die Untersuchung relevanten Angsttheorien aus der Psychoanalyse, der Lehntheorie und der Kognitionspsychologie.
2. Das Problem der Sehbehinderung und ihre Folgen und Auswirkungen.
3. Erläuterungen zur Untersuchung an der Edith-Stein-Schule und Diskussion der Ergebnisse.

1. Angst in der Theorie und Forschung

1.1 Was macht Angst aus, wogegen ist sie gerichtet ?

Bevor hier die Untersuchung im einzelnen geschildert wird, wird der Begriff Angst erst einmal näher definiert: Angst

- objektlos
- Bestimmungsstücke der Gefahr unbekannt
- Vermeidensmotiv blockiert
- Handlungsmöglichkeiten nicht vorhanden oder blockiert

Mit dem Begriff Angst haben sich auch die verschieden psychologischen Richtungen beschäftigt, die Psychoanalyse, Verhaltens- bzw. Lerntheorie und die Kognitionspsychologie. Ich denke alle Theorien zur Angst im einzelnen aufzuführen ist nicht notwendig. Ich würde lieber einige Gemeinsamkeiten, bzw. übergeordnete Gesichtspunkte aufgreifen, die im Zusammenhang mit den theoretischen Grundlagen des Angstfragebogens stehen.

1.2 Aspekte der Angst

Zu nennen währen hier die psychologischen, kognitiven, situativen und personellen Aspekte.

- Die psychologischen Aspekte

bestehen in der Reaktion des Individuums auf eine wahrgenommene Bedrohung. So äußert sich Angst in Beschleunigung des Herzschlags und der Atemfrequenz, Erhöhung des Blutdrucks, Schweißausbruch, Zittern, Erröten oder Erblassen und einer fahrigen Unruhe. Diese allgemeine Aktivierung des Körpers erfolgt als Einleitung einer Flucht oder sonstigen Reaktion zur Aufmerksamkeit, um weitere Informationen über die Situation zu gewinnen. (Im AFS Beziehen sich die Fragen 2.26.34.41.42 auf den psychologischen Aspekt der Angst!)

- Außer den psychologischen Aspekten hat Angst auch kognitive Aspekte.

So werden Erregungszustände des Körpers erst durch die kognitive Deutung als Emotionen erkannt. Die kognitiven Aspekte stehen im Zusammenhang mit der Einschätzung von Situationen. Angst entsteht wenn sich eine Unstimmigkeit zwischen einer kognitiven Struktur und der erlebten Realität ergibt.

In den psychoanalytischen Theorien beinhaltet der kognitive Aspekt die Wahrnehmung der Reaktionen des Körpers auf ein Gefahrensignal durch das eigene Ich.

(Im AFS erscheint der Aspekt nicht ganz losgelöst von den psychologischen Erscheinungen; annähernd könnte man die Fragen 34 und 41 unter diesen Aspekt fassen.)

- An dritter Stelle kommen situative Aspekte hinzu.

Eine allgemeine körperliche Erregung kann nicht ohne weiteres als Angst gedeutet werden, wenn nicht bestimmte Hinweise dazu gegeben sind. In der Lerntheorie sind dies Reize, auf die das Individuum reagiert; die Kognitionspsychologen sprechen von einer Mehrdeutigkeit der Situation oder von der Blockierung des Furcht- bzw. Vermeidensmotiv, d.h. eine Situation wird als bedrohlich empfunden, ohne dass im Moment eine angemessene Handlung möglich wäre.

In der Psychoanalyse, ist nicht so sehr von äußeren Situationen die Rede als vielmehr von inneren, etwa wenn die Verdrängung eines taburisierten Triebes nicht vollständig gelungen ist und das Ich daraufhin Angst freisetzt.

Sitative Aspekte meint demnach nicht nur Reize und Situationen aus der Umwelt des Menschen, sondern auch von innen kommende Reize, gewissermaßen eine innere Situation.

( Der AFS beinhaltet in den Fragen 7.12.34.41 diesen situativen Aspekt.)

- Die personellen Aspekte äußern

sich z.B. in Ängstlichkeit als überdauerndes Persönlichkeitsmerkmal und beeinflussen somit das aktuelle Angsterleben. Nach FREUD sind die Ängstlichen die Neurotischen; in der Lerntheorie zählt dazu die Lerngeschichte, also die Häufigkeit und Intensität, mit der angstauslösende Reize kennengelernt wurden, und unter kognitionspsychologischen Gesichtspunkten könnte man die Erregbarkeit und einen allgemeinen Bewertungsstil zu den personellen Faktoren rechnen, ebenso auch die Handlungskompetenzen, über die eine Person verfügt, um mit einer bestimmten Situation fertig zu werden.

(Im AFS sind die personellen Anteile nicht direkt aus den Fragen ableitbar, Lediglich läßt eine erhöhter Anteil Werte in der Skala "Manifeste Angst" auf eine höhere Angstbereitschaft schließen)

Zusammenfassend läßt sich sagen das alle 4 Aspekte von Angst im engen Zusammenhang miteinander stehen und sich gegenseitig bedingen.

So ist es etwa von der Angstgeschichte eines Menschen abhängig, ob und wie stark er auf eine bedrohliche Situation reagiert, bzw. ob er eine gegebene Situation überhaupt als bedrohlich bewertet. Jede neue Erfahrung einer Bedrohung schlägt sich wiederum nieder in der Angstgeschichte und bestimmt die Höhe der Erregung und die Art der Kognitionen, die künftig mit entsprechenden reizen verbunden sein werden.

1.3 Erscheinungsformen von Angst

In den bisherigen Ausführungen ging es um das Grundverständnis von Angst und deren Bestimmungsstücken.

Zum weiteren Verständnis des AFS werden in der WA die Erscheinungsformen von Angst aufgeführt.

- Im Angstfragebogen werden die allgemeine oder auch manifeste Angst, die Prüfungsangst, die Soziale Angst und als zusätzlicher Aspekt die Zukunftsangst untersucht.

Allgemeine (manifeste) Angst

Unter dem Begriff "allgemeine Angst" sind vor allem die physiologischen Prozesse zu verstehen und ihr bewußtes Erleben.

So finden sich auch im AFS Items, die sich auf die körperlichen Zustände bei Angst beziehen: Herzklopfen (Nr.2)

allgemeine Nervosität (Nr.11.26) Unruhe(Nr.8.11.42)

schwitzende und zitternde Hände (Nr.42) etc.

Das alles sind Vorgänge die im allgemeinen Verständnis mit Angst oder jedenfalls großer Erregung verbunden werden.

Andere Angstinhalte von allgemeiner Angst währen auch: sich Sorgen machen (Nr. 8.49)

abends nicht einschlafen können Angst vor drohenden Gefahren

Prüfungsangst

Der Bereich der Prüfungsangst ist etwas umfassender.

Die Untersuchungen zur Prüfungsangst begründen sich in der Psychoanalyse. Prüfungsangst entsteht durch Einschätzungs- und Bewertungssituationen, die vom Kind als bedrohlich erlebt werden.

Hier kommen auch soziale Gesichtspunkte mit ins Spiel. Denn der Grund für das erleben einer Bewertungssituation als bedrohlich ist die ambivalente Beziehung zu der Beurteilerperson, also meist einem Erwachsenen.

Ambivalent bedeutet hier, das die Beurteilerperson eine positive Bedeutung für das Kind hat und von ihm als Autoritätsperson anerkannt wird und die Beurteilung durch diese Person von dem Kind ernst genommen wird. Anderseits werden durch die ständige Bewertung in dem Kind auch feindselige Gefühle geweckt, da es sich durch die ständige Bewertung bedroht sieht.

Solche Beurteilungssituationen erlebt das Kind nicht erst in der Schule, sondern bereits vom Kleinkindalter an zu Hause in der Familie.

So sind die Eltern die ersten und wichtigsten Beurteiler kindlichen Verhaltens. Hier wird bereits der Grundstein gelegt für die Höhe und Intensität späterer Prüfungsängstlichkeit. Das Kind macht mit der Zeit die Bewertungen der Eltern zur Selbstbewertungen und übernimmt deren Bewertungsstil und Maßstab.

Im schlimmsten Fall ist die Prüfungsangst verbunden damit, das das Kind bei versagen körperliche Verletzung erwartet (weil es oft geschlagen wurde). Diese Kinder entwickeln daraus oft Schuldgefühle gegenüber den Personen bis hin zu einem Abhängigkeitsbedürfnis. Es unternimmt alles um den prüfenden und bewertenden Erwachsenen zu gefallen und seine Gunst zu erlangen. In diesem Fall wird die Prüfungsangst zu einem Signal, die eine Art Vermeidungsverhalten bewirkt um das Kind vor seiner Selbstüberschätzung und körperlichen Folgen zu schützen.

In der familiären Umgebung und in der Schule lassen sich einige Gemeinsamkeiten feststellen:

Auch und gerade in der Schule wird das Kind mit Personen konfrontiert, die es einerseits als Autoritätspersonen anerkennt und denen es auch positive Gefühle entgegenbringt ( vor allem in den ersten Klassen), die es andererseits ständig nach seinen Leistungen und seinem Verhalten einschätzen und beurteilen. Solche Erlebnisse aktivieren wieder frühere Erfahrungen, die das Kind in der Familie gemacht hat, und die damit verbundenen Emotionen und Reaktionen, d.h. es überträgt seine feindseligen Gefühle und ebenso die Schuldgefühle auf den Lehrer.

Damit wird auch die Wahrnehmung des Kindes erheblich eingeschränkt, denn das prüfungsängstliche Kind achtet nur noch auf mögliche bedrohliche Reize, etwa die Mimik des Lehrers, und nicht mehr so sehr auf aufgabenrelevante Reize. Das Kind überlegt nur noch welche Absichten der Prüfer verfolgt und versucht einen möglichst guten Eindruck zu machen.

Dadurch kann es die Situation aber nicht mehr objektiv-sachlich einschätzen, da nicht mehr die Aufgabe und die erforderliche Lösungsstrategie im Vordergrund steht, sondern die Beziehung des Prüfers zum Kind.

Nur bei einer guten Strukturierung der Aufgabe besteht dann noch eine Lösungswahrscheinlichkeit.

Dadurch wird die Leistung des Kindes einerseits abhängig vom Maß der Strukturiertheit der Aufgabe, andererseits von der Prüferpersönlichkeit.

Soziale Angst

Als soziale Angst kann man alle jene Ängste bezeichnen, die in der Interaktion von Personen auftreten. Darunter fallen:

Angst vor der Bewertung durch andere bzw. Angst vor Kritik an der eigenen Person, Angst vor dem Auffallen und im Zusammenhang damit Angst, von anderen abgelehnt zu werden und Angst, von der sozialen Norm abzuweichen. Solche Ängste beruhen meistens auf einem negativen Selbstwertgefühl.

Zukunftsangst

Einen Ganz eigenen Aspekt stellt die Zukunftsangst dar. Hier ist die Angst gemeint, die sich auf die Gestaltung der Zukunft einer Person und ihre Befürchtungen darüber bezieht.

Meistens betreffen Zukunftsängste die Berufswahl oder die Schullaufbahn. Z. B. die Angst vorm Sitzenbleiben, aber auch vor allen Arten von Naturkatastrophen, Unfällen, Unglück etc. sofern sie als Bedrohung der eigenen Person angesehen werden.

2. Sehbehinderung und ihre Konsequenzen

Im nächsten Abschnitt der Arbeit wird speziell auf die einzelnen Sehbehinderungen und ihre Konsequenzen eingegangen.

Als erstes wird hier versucht Sehbehinderung allgemein zu definieren.

Dabei kann man sagen, dass es beinahe leichter ist zu sagen, was Sehbehinderung nicht ist, als genau festzustellen was sie eigentlich ist.!

Eine Abgrenzung der Sehbehinderung von Blindheit bzw. Normalsichtigkeit ist fast nicht möglich, da Sehbehinderung meist ein sehr differenziertes Erscheinungsbild aufweist und sich in den verschieden Lebensbereichen unterschiedlich auswirkt.

Man kann eigentlich sagen die Sehbehinderung gibt es nicht.

Vielmehr ist jede Art von Sehbehinderung ein Komplex verschiedener Störungen und Augenleiden, die in ihrem Zusammenwirken jeweils die individuelle Situation einer Sehbeeinträchtigung ausmachen.

2.1 Zur Bedeutung des Sehens

Im Bezug zur Angst ist auch wichtig noch mal zu verdeutlichen was sehen für uns Menschen bedeutet.

- Welche Sinne haben wir, welcher erscheint euch am wichtigsten, und warum?

Augen und Ohren bezeichnet man als die Tore zur Welt, sie sind die Schlüssel zu Kultur. Beide haben gemeinsam, und das grenzt sie von den anderen Sinnen ab: Beide ermöglichen die Wahrnehmung von entfernten Dingen, Personen; Ereignissen. Tasten und schmecken bedürfen erst einer gewissen Nähe der Dinge, damit sie Informationen über die selben geben können.

Auch das Ohr kann nur relativ beschränkt über unsere Umwelt informieren. Geräusche erregen wohl unsere Aufmerksamkeit, aber erst durch den Blick können wir das gehörte genau einordnen.

Zudem gibt es viele Dinge die sichtbar, aber nicht hörbar sind.

Damit ist das Auge dasjenige Organ, worüber eine grundlegende Strukturierung und Ordnung der Umwelt erfolgt und wodurch wir auch eine genaue Vorstellung von der Welt erhalten.

2.2 Psychologische Aspekte von Sehbehinderung

Ist nun dieser Sinn in seiner Funktion stark eingeschränkt, ergeben sich wie wir bereits wissen, schwerwiegende Folgen einmal in der Gesamtwahrnehmung und für das Verhalten der betroffenen Personen und für deren Interaktionen.

Hier werden die Folgen für drei Bereiche dargestellt:

- Für den Bereich der Fähigkeiten und Fertigkeiten
- den Bereich der sozialen Interaktion
- und den Bereich des Selbstwertgefühls oder Selbstkonzeptes

2.3 Fähigkeiten und Fertigkeiten

Das erlernen von Fähigkeiten und Fertigkeiten ist bei einem Sehbehinderten oft beeinträchtigt durch die verzögerte Reaktionszeit. Der Blickkontakt zu den Bezugspersonen ist erschwert, so kann er sich seiner Umwelt nie ganz sicher sein (Gestik, Mimik, Beziehungsaufbau). Oft besitzen Sehbehinderte nur begrenzte Bewegungsmuster die nicht auf alle Situationen anwendbar sind.

Das Kind lebt ständig in einem in einem engen, undeutlichen, schwer zu deuten den Sehraum. Dies kann sich auf die Intelligenzentwicklung und auf das Lernen auswirken, da beide von Bewegung und handelnden Umgang mit den Dingen beeinflußt werden. Probleme und Gefahren ergeben sich auch im Straßenverkehr, wo Gefahren und Hindernisse oft nicht rechtzeitig erkannt werden.

2.4 Die soziale Interaktion

Ich finde der Bereich der Sozialen Interaktion läßt sich am besten mit den folgenden Sätzen verdeutlichen!

1. Ein junger Mann mit einer Sehbehinderung steigt etwas rasch aus der Straßenbahn aus und rempelt dabei eine Frau mit einem Kinderwagen an. Eine ältere Passantin schimpft über die Rücksichtslosigkeit der Jugend.
2. Eine sehbehinderte Frau ist vor kurzem auf der Etage eingezogen und wird von allen Nachbarn für ziemlich hochnäsig gehalten, weil sie beim Einkaufen niemanden grüßt. Die Mitbewohner des Hauses gewinnen den Eindruck, sie seien ihr nicht fein genug.
3. Ein Schüler will mit einen Sportkameraden am Abend nie Fußball spielen, weil er in der Dämmerung den Ball nicht mehr sieht. Die Kameraden halten ihn für ein Muttersöhnchen, weil er immer so schnell nach Hause geht.
4. Ein Jugendlicher, der schon im Berufsleben steht, kann wegen seiner verminderten Sehschärfe als einziger seiner Clique keinen Mopedführerschein machen.

Die Beispiele zeigen deutlich die Problematik denen sich sehbehinderte Menschen gegenüber sehen. Läßt man den Hinweis über die Sehbehinderung in den Sätzen weg , bekommt man die Situation wie sie den anderen Menschen erscheinen muß.

Sehbehinderte werden oft für rücksichtslos, hochmütig, scheu, unaufrichtig, manchmal sogar für geistig behindert gehalten.

Blinde haben es in dieser Hinsicht gewissermaßen leichter, Der Langstock und die Armbinde sind doch unverkennbare Schlüsselreize, die eine mehr oder minder angemessene Reaktion bei den Sehenden auslösen und doch erkennen lassen , mit wem sie es hier zu tun haben.

3. Untersuchung bei Sehbehinderten Schülern

Nach dem bisher das Problem der Angst unter allgemeinen sowie unter sehbehindertenspezifischen Gesichtspunkten beschrieben wurden, will ich nun die Untersuchung an den sehbehinderten Schülern in der Edith Stein Schule darstellen.

Aus den vorher genannten Aspekten ergaben sich für den Test bestimmte Fragestellungen aus denen folgende Hypothesen abgeleitet wurden.:

H 1: Sehbehinderte haben mehr Ängste als Normalsehende

H 2: Zwischen dem Visus und dem gemessenen Angstwert besteht ein negativer statistischer Zusammenhang

H 3: Sehbehinderte mit niedriger Intelligenz erleben mehr Angst als Sehbehinderte mit hoher Intelligenz.

H 4: Sehbehinderte mit bestimmten Augendiagnosen haben höheren Angstwerte als Normalsehende

H 5: Sehbehinderte Kinder und Jugendliche weisen in verschiedenen Altersbereichen unterschiedliche Ausprägungen von Angst auf.

H 6: Sehbehinderte Mädchen unterscheiden sich von sehbehinderten Jungen hinsichtlich der Art und Ausprägung ihrer Ängste.

H 7: Zwischen Visus und Angst bzw. zwischen Intelligenz und Angst besteht ein Zusammenhang.

3.1 Planung der Untersuchung und methodisches Vorgehen

Die vorliegende Untersuchung war vor allem ein Anliegen der Schulleitung der Edith-Stein- Schule für Sehbehinderte um die pädagogische und psychologische Betreuung der sehbehinderten Kinder auf der Grundlage der erhobenen Daten auszubauen und intensivieren zu können.

Für die Überprüfung der Fragestellungen wurde ein Test gesucht, der möglichst verschiedene Aspekte der Angst erfaßt wie sie für den Fall von Sehbehinderten angesprochen wurden, also Leistungs und Prüfungsangst, allgemeine Angst und Soziale Angst. Im Vergleich zu verschieden anderen Test schien der Angstfragebogen am geeignetsten.

Der Angstfragebogen von Wieczerkowski und anderen ist ein Fragebogen zur Erfassung von Schulängsten im Alter von 9 bis 17 Jahren.

Die 50 Aussagen sind vier Kategorien zugeordnet:

- Prüfungsangst
- Allgemeine Angst
- Schulunlust
- Soziale Erwünschtheit

Für die Untersuchung an Hand der aufgestellten Hypothesen, wurden die Daten des Angstfragebogens mit den Ergebnissen eines vorher durchgeführten Intelligenztestes und mit den augenärztlichen Diagnosen aus den Schulakten verglichen.

Allerdings konnte, um die Daten vergleichen zu können, der Test nicht anonym durchgeführt werden.

(Was wiederum gewisse Ängste bei den Schülern auslöst haben wird.)

2.2 Auswertung

- Visus und Angst

Hypothese 2 kann nicht bestätigt werden!

- Intelligenz und Angst

Hier ließ sich die Hypothese bestätigen , das heißt je höher der IQ, desto weniger Angst wird empfunden. Der Intelligente (sehbehinderte) Schüler fühlt sich offenbar den schulischen Anforderungen gewachsen.

- Augenerkrankung und Angst

Auch bei der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe von Augendiagnosen scheint keinen Einfluß zu haben auf die Ausprägung und Höhe von Ängsten.

- Jungen und Mädchen im Vergleich

Auch das Geschlecht scheint keine Rolle zu spielen.

- Vergleich der Altersgruppen

Keine signifikanten Unterschiede.

- Vergleich der Ergebnisse von Heim-, Tages und Externen Schülern

Sehr Interessant ist aber das Ergebnis der Wertvergleiche von Externen, Heim- und Tagesheimschülern.

Hier wurde ein signifikanter Unterschied bei der Skala " soziale Erwünschtheit" festgestellt. Die Mittelwerte zeigen einen deutlichen Anstieg von Heimgruppenschülern über Tagesheimschülern bis hin zu den externen, die den Höchsten Mittelwert aufweisen. Was sich auf die unterschiedlichen sozialen Umfelder der jeweiligen Schüler zurückführen läßt.

- Und nun?

Um auf die erste Fragestellung zurückzukommen, ob Sehbehinderte mehr Angst als Normalsehende haben, so läßt sich dies nicht bestätigen.

Offenbar ist Sehbehinderung kein Faktor der wesentlich zu einer Erhöhung der Angst bzw. zur vermehrten Angstneigung beiträgt.

Eine Erklärung dafür wäre:

Sehbehinderte Schüler haben tatsächlich nicht mehr Angst als ihre normalsehenden Altersgenossen.

Hier wird angenommen, dass es sich hier in diesem Fall auch auf die Gute Betreuung in der Edith Stein Schule zurückführen läßt.

Vielleicht würde eine Befragung in Form eines Interviews auch andere Ergebnisse bringen oder auch ein Vergleich mit mobil betreuten Schülern an Regelschulen wäre Interessant.

Eine weitere Überlegung wäre, dass die Schüler den Fragebogen nicht ehrlich ausgefüllt haben, da dieser nicht anonym gewertet wurde.

Einige Schüler haben aufgrund dessen die Beantwortung des Fragebogens sogar verweigert bzw. alles verneint, was wiederum auf eine gewisse Angst schließen läßt. Offensichtlich ist die Beziehung zwischen Angst und Sehbehinderung doch wesentlich komplexer als es die vorliegenden Fragestellungen zu erfassen erlaubten.

Hier wird das Ergebnis alles in allem doch positiv gewertet:

- Wer sehbehindert ist muß nicht allein schon aufgrund dieser Tatsache mehr Ängste haben bzw. ängstlicher sein als Normalsehende.

Anhang

AFS

1 Ich habe Angst davor, dass überraschend eine Klassenarbeit geschrieben wird.

2 Ich habe öfter starkes Herzklopfen.

3 Manchmal wünschte, dass mich keiner kennt.

4 Ich sage immer die Wahrheit.

5 Manchmal muß ich mich sehr zusammen nehmen, dass mir keiner etwas anmerkt.

6 Ich bin doch recht froh, dass ich noch zur Schule gehen kann.

7 Wenn ich aufgerufen werde und nach vorne kommen muß, habe ich immer Angst, dass ich etwas Falsches sage.

8 Oft kann ich abends lange nicht einschlafen, weil ich mir soviele Gedanken machen muß.

9 Ich verhalte mich immer freundlich und zuvorkommend.

10 Schon der Gedanke an die Schule macht mich morgens oft mißmutig. 11 Ich werde oft ganz nervös.

12 Nach einer Klassenarbeit habe ich immer wieder das Gefühl, dass ich doch wider so vieles falsch gemacht habe, was ich vorher konnte.

13 Ich bin immer nett zu anderen.

14 Ich muß häufig daran denken, was alles noch geschehen könnte.

15 wenn eine Klassenarbeit geschrieben wird, vergesse ich oft Dinge, die ich vorher gut gelernt habe.

16 Es wäre schön, wenn ich nicht mehr zur Schule zu gehen brauchte.

17 Das meiste, was man in der Schule lernen muß, kann man im späteren Leben doch nicht gebrauchen.

18 Ich gebe immer sofort zu, wenn ich Etwas nicht genau weiß.

19 Ich habe oft Angst, dass ich bei anderen einen schlechten Eindruck mache. 20 Oft möchte ich am liebsten ganz für mich alleine sein.

21 Ich gehe gern zur Schule.

22 Manchmal ist mir so, als ob die anderen in meiner Klasse alles viel besser können als ich. 23 Ich mache mir oft Sorgen, ob ich auch versetzt werde.

24 Ich bin nie schlecht gelaunt.

25 Wenn mein Name fällt, habe ich sofort ein beklemmendes Gefühl. 26 Manchmal ist mir ganz wirr im Kopf.

27 Oft muß ich daran denken, dass mir etwas zustoßen könnte.

28 Ich bin immer sehr artig.

29 Oft bin ich im Unterricht schlecht gelaunt.

30 wenn wir eine Klassenarbeit schreiben, weiß ich meistens schon von Anfang an, dass ich es doch nicht gut machen werde.

31 Es gibt in der schule eigentlich nur wenige Dinge, die einem wirklich Spaß machen.

32 Ich glaube ich könnte in der Schule mehr leisten, wenn ich nicht so viel Angst vor Prüfungen und arbeiten hätte.

33 Ich habe noch nie eine Ausrede gebraucht.

34 Schon wenn die Klassenarbeitshefte verteilt werden, bekomme ich starkes Herzklopfen. 35 Wenn der Lehrer jemand nach vorn zur Tafel rufen will, denke ich meistens: Hoffentlich nimmt er nicht mich.

36 Manchmal wünschte ich mir, dass ich mir nicht soviel Sorgen über Klassenarbeiten machte.

37 Ich habe noch nie gelogen.

38 Ich habe sehr oft Angst, dass ich nicht das richtige tue.

39 Manchmal fühle ich mich wie verlassen, auch wenn ich mit anderen zusammen bin.

40 Wenn ein Klassenarbeit geschrieben wird mache ich oft Fehler, weil ich zuviel Angst habe.

41 Wenn geprüft wird, bekomme ich jedesmal ein komisches Gefühl im Bauch. 42 Ich bin manchmal so aufgeregt, dass mein Hände zittern.

43 Ich bin zu allen stets freundlich.

44 Vor Klassenarbeiten bin immer aufgeregt.

45 Ich möchte eigentlich anders sein, als ich mich gebe.

46 Es ist doch schön, wieder zur Schule gehen zu können, auch wenn die Ferien noch so angenehm waren.

47 Ich habe bei Prüfungen immer Angst, dass ich schlechte Zensuren bekomme. 48 Ich bin noch nie auf einen anderen neidisch gewesen.

49 Ich mache mir zu viele Sorgen.

50 Meistens ist es etwas ungerecht, dass gerade ich ausgeschimpft werde.

13 von 13 Seiten

Details

Titel
Sehbehinderte und Angst
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Veranstaltung
Sehbehindertenspezifische Fragestellungen
Autor
Jahr
2001
Seiten
13
Katalognummer
V104227
ISBN (eBook)
9783640025824
Dateigröße
374 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zusammenfassung und Referat einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema Angst bei Sehbehinderten. Habe Sehbehinderte Kinder mehr Ängste als Nichtbehinderte Kinder untersucht an Hand des Angstfragebogens für Schüler.
Schlagworte
Sehbehinderte, Angst, Sehbehindertenspezifische, Fragestellungen
Arbeit zitieren
Melanie Habers (Autor:in), 2001, Sehbehinderte und Angst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104227

Kommentare

  • Gast am 23.10.2001

    Bewertung.

    Hallo,

    das Thema ist sehr interessant aufbereitet von Dir finde ich. Da mich dieses Thema sehr interessiert habe ich einige wichtige Punkte aus deiner Arbeit benutzen können.

    Ich hoffe du hattest nicht allzu viel Arbeit damit.

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Titel: Sehbehinderte und Angst



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