Körperbemalung in der Pädagogik. Körperfarbe zur Förderung des Körperbildes von übergewichtigen weiblichen Jugendlichen


Hausarbeit, 2021

22 Seiten, Note: 1,7


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Übergewicht und Adipositas
2.1. Definition und Klassifikation
2.2 Epidemiologie von Übergewicht und Adipositas
2.3. Diagnose und Folgeerkrankungen
2.4. Ursachen und Risikofaktoren
2.5 Essstörung und aufrechterhaltende Faktoren
2.6 Behandlung von Übergewicht und Adipositas
2.7 Stigmatisierung, Diskriminierung und ihre Folgen
2.7.1 Stigmatisierung und Diskriminierung von adipösen Kindern und Jugendlichen
2.8 Zwischenfazit Adipositas

3.Körperbild und Adipositas
3.1 Definition und Entstehung des Körperbildes
3.2 Körperzufriedenheit und das Geschlechterverhältnis bei Übergewicht und Adipositas
3.3 Körperbild bei weiblichen Jugendlichen
3.4 Resümee Körperbild und Adipositas

4. Verwendung von Körperfarbe aufbauend auf der Stärkenorientierung zur Förderung des Körperbildes von übergewichtigen/ adipösen weiblichen Jugendlichen
4.1. Körperbemalung als präventive und therapeutische Methode
4.2 Stärkenorientierung
4.3 Verwendung von Körperfarbe zur Prävention des positiven Körperbildes bei weiblichen Jugendlichen
4.4 Ausblick für die praktische Umsetzung

5. Abschließendes Fazit

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Übergewichtige und Adipöse stoßen in der westlichen Gesellschaft im Vergleich zu Personen mit einer körperlichen Beeinträchtigung wenig bis gar nicht auf Empathie (vgl. Ardelt- Gattinger, E.; Steger, N.; Ring-Dimitriou, S.: 2019: 30). Die Lebensqualität von betroffenen leidet oftmals sehr, schon im Frühkindlichen Alter zeigen sich gewichtsbezogene Diskriminierungen als häufig (vgl. Ardelt- Gattinger, E.; Steger, N.; Ring-Dimitriou, S.: 2019: 30f), Kinder und Jugendliche, die betroffen sind, werden bedeutend öfter gehänselt und gemobbt (vgl. Kerstan-Schulz, M.: 2015: 307). Dem propagierten Schönheitsideal von Personen, die schlank, sportlich und gesund sind, entsprechen sie nicht. Darauf folgt häufig eine Stigmatisierung aus dem sozialen Umfeld (Gleichaltrige, Erwachsene, Familie, Arzt etc.), daneben wird die Selbst- Stigmatisierung deutlich (vgl .Kerstan-Schulz, M.: 2015: 307). Die Konsequenzen für die betroffenen Menschen schlagen sich vielschichtig nieder, so weisen sich beispielsweise Auswirkungen in Partnerwahl, Beruf oder sozialen Netzwerken auf (vgl. Ardelt- Gattinger, E.; Steger, N.; Ring-Dimitriou, S.: 2019: 30f), ferner zeigt sich, dass Übergewicht als gesundheitlicher Risikofaktor, der sich sowohl auf der körperlichen Ebene als auch der psychischen Ebene verdeutlicht (vgl. Who). Der Leidensdruck wird als hoch beschrieben, Dieser wirkt auf das Selbstwertgefühl in Verbindung mit dem Körperbild. Die Phase der Jugend stellt sich für die Persönlichkeitsentwicklung als elementar dar, so zeigt sich, dass Jugendliche vor einer enormen Herausforderung stehen, ihr Körperbild vom Kind zu einem Erwachsenen zu entwickeln, die körperlichen Veränderungen, die Rollenerwartung und das Bedürfnis, sich „attraktiv“ zu fühlen, gewinnen in diesem Lebensabschnitt an Bedeutung. Dabei zählt sowohl eine wirklichkeitsnahe Selbsteinschätzung als auch ein positives Selbstwertgefühl als wichtige Ressource für einen gelingenden Abschluss dieses Entwicklungsschrittes (vgl. Schuch, S.: 2019: 8). Adipöse Jugendliche zeigen zusätzliche Problematiken für die Entstehung eines optimalen Körperbildes auf, entsprechend kann die Frage formuliert werden: Wie können adipöse Jugendliche bei diesem Entwicklungsschritt präventiv unterstützt werden? Im ersten Kapitel dieser Arbeit werden grundlegende Informationen zum Übergewicht und Adipositas dargelegt, wie die Definition, Klassifikation und die Epidemiologie des Übergewichtes. Die Ursachen als auch Folgen sollen aufgezeigt werden. Weiter wird ein besonderer Blick auf die Stigmatisierung undDiskriminierung von Übergewicht und Adipositas gesetzt, um die psychosozialen Auswirkungen zu verdeutlichen. Dies geschieht im Kontext der Fragestellung: welche Relevanz zeigt Präventionsarbeit für Adipöse und Übergewichtige? In der Körperbemalung als Methode der Präventionsarbeit können Parallelen zum Körperbild aufgezeigt werden (vgl. Marwedel: 2019: 9), entsprechend liegt es nahe, diese in diesem Kontext zu nutzen, um ein positives Körperbild zu stärken. Im zweiten Kapitel wird das Körperbild, der Entwicklungsschritt der Jugend in Bezug aufs Körperbild sowie das Geschlechtsverhältnis der Problematik beleuchtet. Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll entsprechend die Fragestellung diskutiert werden: Kann Körperfarbe in Verbindung mit Stärkenorientierung als präventives Angebot für ein positives Körperbild bei (weiblichen) Jugendlichen verwandt werden? Im dritten Kapitel wird diese Fragestellung diskutiert und zuvor die Methode der Körperbemalung als auch die der Stärkenorientierung vorgestellt. Darauf aufbauend wird ein Ausblick in die Praxis dargelegt.

2. Übergewicht und Adipositas

Folgend der Leitfrage, inwiefern Körperfarbe sinnvoll in diesem Kontext angewandt werden kann, wird die Frage geklärt, ob eine Präventivarbeit bei Adipositas erkrankten von Wichtigkeit ist. Im Folgenden werden verschiedene Aspekte beleuchtet, die für die Arbeit mit Übergewichtigen von Bedeutung sind, wie die Definition und Klassifizierung, die Epidemiologie als auch die Ursachen und Folgen werden erläutert.

2.1. Definition und Klassifikation

Übergewicht als auch Adipositas beschreibt den erhöhten Fettanteil im Bezug auf die Gesamtkörpermasse (vgl. Moß, A.; Lennerz, B.; Wabitsch, M.: 2018: 283). Die WHO legte erstmals 1997 einen weltweit einheitlichen Grenzwert vor, zur Klassifizierung von Übergewicht und Adipositas (vgl. Schrob, F.; Helmert, U.: 2011: 32). Dieser wird ermittelt in dem der Wert des Körpergewichts durch den Wert der Körpergröße zum Quadrad geteilt wird. Nach der WHO (2000) sind Personen mit einem BMI von 18,5 - 24,9 normal-gewichtig; Übergewicht besteht bei einem

BMI- Wert von 25 - 29,9; bei Adipositas Grad I liegt der Wert zwischen 30- 34,9; bei Grad II der Adipositas zeigt sich der BMI im Rahmen der Werte 35- 39,9; alles über einem BMI von 40 wird als Adipositas Grad III gewertet (vgl. Humer E. C.: 2019: 3). Die Wahl des Wertes wurde mit Epidemiologischen Studien begründet, laut den sich ab einem BMI von 25 das Risiko an Folgeerkrankungen zu erkranken erhöhen solle (vgl. Schrob F.; Helmert U.: 2011: 32f). Taillenumfang oder Taille-Hüft-Relation zeigen sich wesentlich bedeutsamer in der Bestimmung von Risiken für metabolische Komplikation (vgl. Wirth, A. 2015: 358). Anhand des Referenzsystems von Kromeyer- Hauschild für Kinder und Jugendliche und dem Grenzwert für Erwachsene der WHO, wurde für die Altersklasse ab 3 Jahren bis 25 Jahren die Unter- und Übergewichts Prävalenzen berechnet (vgl. Helmert, U.; Schorb, F.; Fecht, C.; Zwick, M.: 2011: 55).

2.2 Epidemiologie von Übergewicht und Adipositas

Die WHO bezeichnet seit dem Jahr 1997 Adipositas als Epidemie (nach: vgl. Schrob F.; Helmert U.: 2011:31; WHO 1997 und 2000). In Deutschland zeigen sich etwa die Hälfte (53%) der Frauen und zwei Drittel (67%) der Männer als übergewichtig und adipös (vgl. RKI). Die WHO weist darauf hin, dass sich in der Zeit zwischen 1980 und 2008 die Zahlen an übergewichtigen Personen im Raum Europa beinah verdoppelt haben (vgl. Who). Im Jahr 2013 waren rund 15 % der Kinder und Jugendlichen im alter zwischen 3 Jahren und 17 Jahren übergewichtig und 6,3 % adipös (vgl. Hartmann A.S.; Hilbert A.: 2013: 533). Im Bericht des RKI zu den Querschnittergebnissen aus dem KIGGS Welle 2 und Trends aus dem Jahr 2018, wird beschrieben das 15,4% der Kinder und jugendlichen Übergewicht und 5,9% Adipositas aufweisen (vgl. Schienkiewitz A.; Brettschneider AK.; Damerow S.; Schaffrath Rosario A.: 2018: 16). Mit diesem Ergebnis wird aufgezeigt, dass in Deutschland die Prävalenzen bei Kindern und Jugendlichen nicht weiter angestiegen sind, sich jedoch nach wie vor auf einem hohen Niveau befinden (vgl. Schienkiewitz A.; Brettschneider AK.; Damerow S.; Schaffrath Rosario A.: 2018: 20).

2.3. Diagnose und Folgeerkrankungen

Mit der einteilig in adipös (BMI über <30) wird diese als eigenständiges chronisches Krankheitsbild klassifiziert und ist im ICD-10 im Kapitel E zu finden (vgl. Humer E. C.: 2019 :4). Psychogene Essattacken, die zur Adipositas führen, zeigen einen engen Zusammenhang mit der Essstörung nach ICD 10: F50.4 : Essattacken bei anderen psychischen Störungen / übermäßiges Essen als Reaktion auf Krisen oder Belastungssituationen auf (vgl. Humer E. C.: 2019 :4). In neurophysiologischen Studien konnte ein eindeutiger Zusammenhang von Adipositas und Sucht aufgezeigt werden (vgl. Ardelt- Gattinger, E.; Steger, N.; Ring-Dimitriou, S.: 2019: 30f). Wie im Teil zuvor beschrieben, steigen Gefahren für bestimmte Folgeerkrankung, gleicherweise als metabolisches Syndrom bekannt mit einem erhöhten Gewicht. Diese zeigen sich in Form von einem 3-Fach gesteigerten Risiko für Diabetes, Bluthochdruck, koronare Herzerkrankungen als auch Störungen des Körperapparats (nach: vgl. Humer E. C.: 2019 :3; WHO: 2000). Hinzukommend verdoppelt sich die Gefahr an einer Depression oder einer Angststörung zu erkranken (nach: vgl. Humer E. C.: 2019 :3; WHO: 2000).

2.4. Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen und Risikofaktoren von Übergewicht und Adipositas veranschaulichen sich als komplexes Konstrukt, das mehrdimensional zu betrachten sind, da es nicht alleinig auf biologische Faktoren oder psychologische Faktoren zurückzuführen ist, vielmehr belegen sich weitere Faktoren, wie die sozioökonomischen und soziokulturellen Bedingungen oder gesellschaftliche Veränderungen, die entscheidend dazu beitragen (vgl. Kiess, W.: 2015: 404). Als zentrale Rollen für die Entwicklung einer Adipositas können genetische Faktoren vorgebracht werden gleichermaßen eine ungesunde krankheitsfördernde Ernährungsweise als auch Bewegungsarmut dargelegt werden (vgl. Kiess, W.: 2015: 404). Übergewicht zeigt sich zusätzlich bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien deutlich häufiger als bei Kindern, deren Eltern eine bessere sozioökonomische Stellung genießen (vgl. Kiess, W.: 2015: 404f). Die Wohnumgebung, beispielsweise die Entfernung zum nächsten Park oder Spielplatz, der Zugang zu gesunden Lebensmitteln oder ob Sportmöglichkeiten im Wohnumfeld vorhanden sind, wirken auf die sozioökonomischen Faktoren ein (vgl. Kiess, W.: 2015: 404f). Weitere Risikofaktoren werden mit der Ethnizität; der früh kindlichen Prägung; biologischen Faktoren (hormoneller Haushalt, bestimmter Syndrome, Medikamente oder Handicaps); psychologischen Aspekten (Resilienz, Abhängigkeit, Impulskontrolle, geringeres Selbstwert etc.) und persönlichen Gesichtspunkten (Familienstruktur, Nachbarn und Freunde, Freizeitverhalten) assoziiert (vgl. Kiess, W.: 2015: 404). Zusätzlich zeigen sich gesellschaftliche Faktoren wie die Industrialisierung und Globalisierung zusammen mit der Modernisierung und Urbanisierung als begünstigende Bestandteil der Entwicklung von Adipositas (vgl. Kiess, W.: 2015: 406). Die Veränderung der Freizeitgestaltungsmöglichkeiten im Gebiet der elektronischen Medien wie z. B. Spielekonsolen, im Internet surfen, Smartphones, etc. sind eine Erscheinung der letzten 50 Jahre und fördern einen bewegungsarmen Lebensstil bei einer extensiven Nutzung (vgl. Zwick, M.: 2011: 76). Ferner trägt die Digitalisierung in vielen Bereichen des Arbeitslebens zu einer sitzenden und ruhenden Lebensweise bei (vgl. Kiess, W.: 2015: 406), dies wird gehäuft in der Corona Pandemie aufgezeigt: viele ArbeiterInnen arbeiteten im „Home Office“, der Arbeitsweg fällt weg und somit die damit verbundene Bewegung. Dies hat sich v.a. im letzten Jahrhundert entwickelt, zuvor waren mehr Tätigkeiten mit Bewegung und körperliche Kraft verbunden, so auch häufig die Art der Fortbewegung / dem Fortbewegungsmittel (vgl. Zwick, M.: 2011: 76). Das veränderte Nahrungsangebot, sozusagen das Überangebot mit der entsprechenden Werbung, regt zum Konsum an, so ist beispielsweise der Verbrauch von Limonaden, der Zuckerkonsum als auch der Fleischkonsum in den letzten 50 Jahren deutlich gestiegen (vgl. Zwick, M.: 2011: 76). Insbesondere in den modernen Industrie- und Überflussgesellschaften lässt sich Adipositas verstärkt als auftretendes Phänomen feststellen, in gewisser Weise müssen die einzelnen Individuen dem Überfluss trotzen, um < trotzdem> schlank zu bleiben (vgl. Zwick, M.: 2011: 76). Im Gedanken der Risikogesellschaft nach Beck (1986) zeigt sich an dieser Stelle, den einzelnen Individuen wird vermittel, dieses Risiko (hier für Übergewicht und Adipositas) selbst zu tragen bzw. zu entscheiden, ob sie dies wollen, obgleich die Entscheidung /Ursache wirklich an Ihnen liegt (vgl. Beck: 1886: 67ff). Die starke Präsenz von Schönheitsidealen in sämtlichen Medien und Bereichen des Lebens, zusammen mit dem hohen Bedeutungsmaß dafür, führen zu Unverständnis und Schuldzuweisungen dem adipösen Menschen gegenüber, folgend entsteht schnell eine gewichtsbezogene Diskriminierung (vgl. Hilbert, A.: 2015: 420).

2.5 Essstörung und aufrechterhaltende Faktoren

Wie beschrieben, zeichnet sich die Erkrankung durch multidimensionale Ursachen und Aspekte aus, die zum Kernsymptom, der Adipositas werden (vgl. Humer E. C.: 2019 :6). Hier zeigt sich der Übergang zu einer Essstörung fließend. Personen, die darunter leiden, fangen an zahlreiche Diätversuche zu unternehmen, machen sich starke Sorgen über Ihr Körperbild und Gewicht. Durch die Akzeptanz des dünnen Schönheitsideals wird die Bedeutung dieses Ideals überschätzt (vgl. Ardelt- Gattinger, E.; Steger, N.; Ring-Dimitriou, S.: 2019: 33). Dies kann als vorklinisches Symptom einer Essstörung verstanden werden und ist als „PWS“ (Preoccupied with Weight and Shape) definiert (vgl. Ardelt- Gattinger, E.; Steger, N.; Ring-Dimitriou, S.: 2019: 33). Häufig zählen zu den auslösenden Umständen einer Essstörung kritische oder traumatische Lebensereignisse, auch strenge Diäten oder das Körperbild als Maßstab der Selbstbewertung manifestieren sich als bedeutende Rollen (vgl. Humer E. C.: 2019: 7f). Darüber hinaus zeigen sich wesentliche Faktoren, vor allem auf der psychischen Ebene, zur Aufrechterhaltung der Adipositas, insbesondere in Kombination mit einem gestörten Essverhalten (vgl. Humer E. C.: 2019: 8ff). Es ist zu sehen, dass gezügeltes Essverhalten, das bedeutet starre Regeln im Bezug auf Nahrungsmittel (Menge und Auswahl), schwierig einzuhalten sind und folgend zu Versagensängsten führen und wiederum zum kompletten Kontrollverlust gegenüber des Essens beitragen (vgl. Humer E. C.: 2019: 8f). Aus den Essanfällen resultieren zudem starke negative Emotionen wie Angst, Depression und Stress (vgl. Humer E. C.: 2019: 7f). Ein weiterer Faktor wird mit der Stressbewältigung und Emotionsregulation beschrieben, so wird zum Beispiel von Personen mit einer Essstörung der Tag als belastender und Stressreicher wahrgenommen (vgl. Humer E. C.: 2019: 9). Der letzte Aspekt gestaltet sich aus den Denkmustern, die negativ auf die Handlungskompetenz wirken, hier wäre ein Beispiel die Selbstbewertung nach dem Essen von „verbotenen“ Lebensmitteln oder insgesamt die starke Fixierung auf Nahrungsmittel, Figur und Gewicht (vgl. Humer E. C.: 2019: 9f).

2.6 Behandlung von Übergewicht und Adipositas

Die meisten Programme zielen primär auf die Gewichtsreduktion ab und werden in Form von Ernährungsberatung und Bewegungsanimation geleistet (vgl. Humer E. C.: 2019: 12). Studien legen dar, adipöse Menschen, die sich bewusst ernähren und sich ausreichend sportlich betätigen, weisen sich als gesünder aus als Personen mit normalen bzw. Übergewicht, die dies nicht taten (vgl. Ardelt- Gattinger, E.; Steger, N.; Ring-Dimitriou, S.: 2019: 32). Die hohe Komorbidität von Adipositas auf die psychische Verfassung als auch auf ein gestörtes Essverhalten zeigen deutliche das Zusammenspiel der physischen und psychisch Ebenen auf, daraus folgend sollte in vielen Fällen psychotherapeutische Unterstützung herangezogen werden (vgl. Humer E. C.: 2019: 12). Es steht also fest, dass viele Übergewichtige stark an Ihrem Gewicht und Erscheinungsbild leiden, häufig ist es geprägt durch Mangel an Selbstwert, was in Verbindung mit dem negativen Körperbild steht. Hier könnte Körperfarbe als Mittel zur Stärkung des positiven Körperbildes beitragen. Dabei ist festzuhalten, dass nicht jeder adipöse Mensch psychisch krank ist, jedoch zeigt sich die Prävalenz hoch. Die deutsche Adipositas Gesellschaft fordert folgende drei Säulen: 1. Ernährungsberatung, 2. Bewegungstherapie, 3. Verhaltenstherapie/ Psychotherapie zur Behandlung einer Adipositas (vgl. Humer E. C.: 2019: 12). Zeigen diese konventionellen Maßnahmen nicht ausreichend Wirkung, gibt es Möglichkeiten von chirurgischen-Eingriffen z.B. in Form eines Magenbandes oder einem Bypass (vgl. Ardelt- Gattinger, E.; Steger, N.; Ring-Dimitriou, S.: 2019: 32).

2.7 Stigmatisierung, Diskriminierung und ihre Folgen

Der soziale Druck, die Stigmatisierung und die Diskriminierung von adipösen Personen finden nicht nur in der Öffentlichkeit und im Gesundheitswesen statt (vgl. Adam, O.: 2006), sondern gehen über das Schul-/ Berufsleben bis in die nahestehenden Beziehungen wie Familie, Freunde oder Partnerschaft hinein ( vgl. Hilbert, A.: 2015: 420). Zumeist spielt sich diese Diskriminierung auf allen eben des Lebens ab und ist gesellschaftlich das meistverbreitete und akzeptierte Stigmata (vgl. Hilbert, A.: 2015: 420). So zeigt sich, je stärker die Adipositas ausgeprägt ist, desto häufiger werden die Personen aufgrund Ihres Gewichtes diskriminiert (vgl. Hilbert, A.: 2015: 420). Ironischerweise selbst wenn (ehemals) adipöse Personen ihr Normalgewicht erreichen, werden sie häufig dieses Stigma nicht los (vgl. Hilbert, A.: 2015: 420). Insgesamt werden Ihnen negative Attribute, wie beispielsweise, sie seinen faul, undiszipliniert, hässlich oder emotional gestört, zugeschrieben und sie werden aufgrund Ihres Gewichtes abgewertet (vgl. Hilbert, A.: 2015: 420). Dies hat eine starke Auswirkung auf das psychosoziale Wohlbefinden der Person, die sich in einem geringeren Selbstwert, depressiver Störungen und suizidalem Verhalten, Unzufriedenheit mit dem Körper als auch gestörtem Essverhalten widerspiegeln können (vgl. Hartmann A.S.; Hilbert A.: 2013: 532). Ferner zeigen sich negative Auswirkungen auf den Bildungserfolg als auch auf das Einkommensniveau (nach: vgl. Hoffmann, S.; Warschburger, P.: 2015: 498; Reilly et al. 2003).

2.7.1 Stigmatisierung und Diskriminierung von adipösen Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche mit Übergewicht und Adipositas erfahren früh die gewichtsbezogene Stigmatisierung, schon Kinder ab 3 Jahren weisen teils diskriminierende Verhaltensweisen gegenüber gleichaltrigen mit einem erhöhten Gewicht auf (vgl. Hartmann A.S.; Hilbert A.: 2013: 532). Warschburger (2015) beschreibt die Lebensqualität von Kindern mit zu viel Gewicht als schlechter bzw. identisch der Lebensqualität von Kindern mit einer Krebserkrankung (vgl. Ardelt- Gattinger, E.; Steger, N.; Ring-Dimitriou, S.: 2019: 30). Beispielsweise werden Kinder mit Adipositas von anderen Kindern als Spielkameraden abgelehnt, deutlich häufiger gehänselt als auch beschimpft (vgl. Hartmann A.S.; Hilbert A.: 2013: 532). Ihnen werden Stigmata wie, sie seinen unkontrollierter, fauler, unbegabter und insbesondere willensschwächer auferlegt, was in keiner Studien nachgewiesen werden konnte, demgegenüber zeigten sich die Auswirkungen von Ausgrenzung und Reduzierung auf das Körpergewicht deutlich (vgl. Ardelt- Gattinger, E.; Steger, N.; Ring-Dimitriou, S.: 2019: 30). Selbst Lehrkräfte zeigen stigmatisierende Haltungen gegenüber stark übergewichtigen SchülerInnen (vgl. Hilbert, A.: 2015: 421). Zuzüglich spielen Eltern eine entscheidende Rolle für die Vermittlung negativer, auf das Gewicht bezogene Körperbilder und sind obendrein häufig die Quelle der gewichtsbezogenen Kritik gegenüber ihren eigenen Kindern (Hilbert, A.: 2015: 421). Demgegenüber stehen Eltern von adipösen Kindern oftmals selbst unter hohem Druck, da andere Eltern, Pädagogen und Ärzte Ihnen das Gefühl vermitteln, sie hätten versagt (vgl .Kerstan-Schulz, M.: 2015: 307). Es zeigen sich Hinweise, dass unabhängig von Bildungsstand, Familiengröße und Einkommen der Familie v.a. adipöse Mädchen weniger finanzielle Unterstützung bei der Ausbildung erhalten (vgl. Hartmann A.S.; Hilbert A.: 2013: 532). Die Umwelt reagiert sehr un- empathisch und verständnislos, dies trägt dazu bei, dass adipöse Personen sich selber die „Schuld“ für diese körperliche Gegebenheit zusprechen (vgl. Ardelt- Gattinger, E.; Steger, N.; Ring-Dimitriou, S.: 2019: 30). Aus Erfahrungen der Adipositas Beratungsstelle der DRK skizziert sich, dass vor allem weibliche Jugendliche sich schämen (vgl. (vgl. Kerstan-Schulz,, M.: 2015: 307). Kinder und Jugendliche mit einer Adipositas Erkrankung weisen, großteils selbst stigmatisierende Einstellungen im Bezug auf Übergewicht auf (vgl. Hartmann A.S.; Hilbert A.: 2013: 532). Entsprechend entwickelt sich ein Selbststigma, welches sich in Form von einem negativen Selbstwertgefühl, einem negativen Körperbild, depressiven Symptomen als auch Stress und Angst äußert (vgl. Hartmann A.S.; Hilbert A.: 2013: 532) Isolation und sozialer Rückzug gekoppelt mit Frustessen sind häufige Folgen, die einen Teufelskreis entstehen lassen, der sich stetig wiederholt und mit großem psychischen Leid der Personen einhergeht (vgl. Kerstan-Schulz, M.: 2015: 309).

2.8 Zwischenfazit Adipositas

Insgesamt beschreibt Übergewicht und Adipositas einen erhöhten Fettanteil des Körpers, der durch ungünstige Ernährung und Bewegungsmangel begünstigt wird. Ab der Überschreitung zu Adipositas zeigt sich das Risiko an Folgeerkrankungen als auch an psychischen Erkrankungen stark erhöht. Die begünstigenden Faktoren zur Entstehung einer Adipositas Erkrankung sind vielfältig und sollten multidimensional beleuchtet werden. Hier zählen gesellschaftliche, biologische, sozioökonomische als auch Persönlichkeitsmerkmale. Zusätzlich wirken Faktoren auf das Bestehenbleiben einer Adipositas ein, die mit zu bedenken sind. Das psychosoziale Wohlbefinden, der Betroffenen leidet häufig sehr, die starke Stigmatisierung dieses Körpermerkmals und die daraus folgende Diskriminierung zeigt sich als weitverbreitet. Zusätzlich findet sie meist auf allen Ebenen der Gesellschaft statt, so weisen teils engste Familienmitglieder oder Freunde und Partnerschaften solch diskriminierenden Verhaltensweise auf. Ferner ist das Selbst-Stigma bedeutend, die betroffenen verurteilen sich selbst, schreiben sich die gesellschaftlichen Stigmata, z.B. Hässlichkeit, Faulheit und Willensschwäche selbst zu. Das populäre Schönheitsideal rückt für viele in den Mittelpunkt des Lebens, obgleich dieses gesundheitsfördernder und Folgeerkrankung minimierender ist. Entsprechend kann geschlussfolgert werden, dass präventive Maßnahmen für wichtig zu erachten sind, der Einfluss auf das Wohlbefinden und die Komorbidität zur psychischen Erkrankung als auch die starke Diskriminierung machen dies deutlich. Die Rolle des eigenen Körperbildes zeigt sich als entscheidender Faktor für das Wohlbefinden. So wirkt sich dieses gewaltig auf die Körperzufriedenheit der Selbstwahrnehmung, das Selbstwertgefühl aber auch auf das Körpergefühl aus. Der Einsatz der Körperfarbe könnte in diesem Kontext wertvoll sein, als Teil des Gesamtprozesses genutzt werden, um neue Erfahrungen für das Körperempfinden und Körpergefühl zu entwickeln, die als positiv eingestuft werden.

Aus diesem Grund werden im folgenden Teil genauer das Körperbild, die Entwicklung dessen, das Geschlechterverhältnis im Bezug auf diese Problematik als auch die Phase der Jugend in diesem Zusammenhang detaillierter beschrieben.

3.Körperbild und Adipositas

Das gesellschaftlich vertretende Schönheitsideal, welches in jeglichen Medien (YouTube, Instagram, TikTok, etc.; Werbung; Film, etc.; Als auch Fotofilter) der heutigen Zeit repräsentiert wird, zeigt größtenteils Frauen die schlank und Männer die muskulös sind, die immer zu „attraktiv“ wirken, in nahezu jedem Zustand. Fotobearbeitungsprogramme die Gesichter makellos aussehen lassen, zeigen sich bei Jugendlichen als beliebt. Diese Faktoren können insbesondere bei Jugendlichen, die nicht in dieses Ideal passen, zu Diskrepanzen zwischen dem Wunsch- und dem Ist- Zustand führen, mit Auswirkungen auf das eigene Körperbild,- Körpergefühl, -Körperwahrnehmung. Dabei zeigt sich ein positives Selbstbild und Körperbild als wichtige Ressource für die Entwicklungsschritte der Adoleszenz. Wie zuvor dargelegt, bei übergewichtigen und adipösen Jugendlichen zeigt sich diese Entwicklung deutlich schwerer, häufig wird Ihnen früh vermittelt, dass ihr Körperbild unpassend ist, entsprechend ist die Gefahr hoch ein negatives Körperbild zu entwickeln. Aus diesem Grund wird nun das Körperbild und die Bedeutung der Jugendphase genauer betrachtet.

3.1 Definition und Entstehung des Körperbildes

Das Körperbild beschreibt das subjektive innere Bild, welches Menschen von Ihrem eigenen Körper haben (vgl. Schuch, S.: 2019: 10). Dieses Bild setzt sich aus unterschiedlichen Ebenen zusammen, wie wir uns selbst wahrnehmen, wie wir uns fühlen bzw. der Körper sich anfühlt, die Kognition gegenüber des eigenen Körpers als auch wie wir uns Verhalten im Umgang mit dem eigenen Körper (vgl. Stronski, S.M.: 2018: 26). Die Summe der Sinneswahrnehmungen, die Personen über den Lauf ihres Lebens sammeln, lassen ein Körperbild entstehen, welches als eine Art Landkarte im neuronalen Gedächtnis einspeichert wird (vgl. Ezhova, Y.: 2018: 51). Diese Wahrnehmung des Körpers und das Erleben werden durch Bewegung, Spiele und reale Sinneserfahrungen geschult und sie gelten als bedeutend für die positive Körperbild Entwicklung (vgl. Stronski, S.M.: 2018: 26). Für die Identität, das Selbstkonzept sowie das Selbstwertgefühl zeigt sich das Körperbild als wichtiger Bestandteil (vgl. Schuch, S.: 2019: 5). Ein positives Körperbild zeichnet sich durch die generelle Wertschätzung des Körpers mitsamt seiner Fähigkeiten aus. Nach Forrester-Knauss (2014); Ricciardelli und Yager (2016) zeigen sich folgende Merkmale: Zufriedenheit mit dem eigenen Körper, folgend ein positives Selbstwertgefühl; realistische Einschätzung des Körperideals/ Ablehnung unrealistischer Körperideals; Verhaltensweisen zur Gesunderhaltung des Körpers(vgl. Stronski, S.M.: 2018: 26). Ein negatives Körperbild kann in ein geringes Selbstwertgefühl, die negative Bewertung des eigenen Körpers oder auch bestimmter Körperteile im Zusammenhang mit Masse, Gewicht und Form widerspiegeln. Dies entsteht in Folge der Diskrepanz zwischen akzeptierten Körperidealen und dem eigenen wahrgenommenen Körper (vgl. Stronski, S.M.: 2018: 26). Aufgrund der körperlichen Veränderungen in der Adoleszenz als auch die Entwicklungsaufgabe der Identitätsbildung in diesem Zeitraum zeigt sich die Körperbildentwicklung als besonders wichtig in dieser Phase (vgl. Stronski, S.M.: 2018: 26).

3.2 Körperzufriedenheit und das Geschlechterverhältnis bei Übergewicht und Adipositas

In der Studie von Hoffmann und Warschburger (2015) zu der Körperzufriedenheit von Kindern und Jugendlichen mit Adipositas wird deutlich, bei 91,9% der Übergewichtigen ist die Wunschfigur mindestens zwei Körpersilhouetten schlanker als die selbst eingeschätzte Figur (vgl. Hoffmann, S.; Warburger, P.: 2015: 500f). In dieser Studie zeigte sich entgegengesetzt zur Studie von Edwards 2010 und Sarafazi 2014, dass Jungen öfter als Mädchen ihren Gewichtsstatus richtig einschätzen (vgl. Hoffmann, S.; Warburger, P.: 2015: 502). Demgegenüber wählten Mädchen (66,8%) häufiger als Jungen (46,2%) eine untergewichtige Silhouette als Wunschfigur, dennoch, wird deutlich auch fast die Hälfte der Jungen wählten eine untergewichtige wunschfigur (vgl. Hoffmann, S.; Warburger, P.: 2015: 500f). Gleichwohl gab es keinen signifikanten Unterschied der Geschlechter bezüglich der Körperunzufriedenheit (vgl. Hoffmann, S.; Warburger, P.: 2015: 500f). Ferner ist anzumerken, dass 76,7% der Kinder und Jugendlichen ihre Körperform dennoch schlanker einschätzen als sie objektiv eingestuft wird (vgl. Hoffmann, S.; Warburger, P.: 2015: 501). In viel Literatur wird von v.a. Mädchen berichtet, die unter solchen Problematiken leiden, dies kann damit begründet werden, dass zum Beispiel Jungen eher auf die Wahrnehmung und Beurteilung der körperlichen Fähigkeiten wie Kraft und Sportlichkeit sozialisiert sind (vgl. Stronski, S.M.: 2018: 27). Entsprechend erfolgt auf der funktionalen Ebene des Körpers eine bessere Bewertung, welche mit einem gesunden Körperbild assoziiert wird (vgl. Stronski, S.M.: 2018: 27). Dabei ist festzuhalten, auch bei Jungen können diese Problematiken auftreten, die sich negativ aufs Körperbild auswirken. Dennoch wird der Fokus auf die weiblichen Personen in der Jugendphase gelegt, da sich bemerkbar macht, das Mädchen in der westlichen Gesellschaft häufig so sozialisiert sind, dass sie bemerken, dass ihr äußeres Erscheinungsbild bewertet wird (vgl. Stronski, S.M.: 2018: 26). Dies kann zu Diskrepanzen zwischen dem Ist und Soll Zustand führen, mit der möglichen Folge eines negativen Körperbildes (vgl. Stronski, S.M.: 2018: 27). Dabei spielen die Peergroup und die Vorbildspersonen eine wichtige Rolle (vgl. Schuch, S.: 2019: 11).

3.3 Körperbild bei weiblichen Jugendlichen

In der Entwicklungsperiode der Jugend gewinnt das Körperbild an Bedeutung, die Jugendlichen entwickeln sich körperlich, sozial und geistig weiter und die Phase des Lebens ist geprägt durch Veränderungen (vgl. Schuch, S.: 2019: 8). Die Identitätsbildung ist ein entscheidender Meilenstein, den sie bewältigen müssen, in der eine realistische Selbsteinschätzung und ein positives Selbstwertgefühl als wichtige Ressource gilt (vgl. Schuch, S.: 2019: 8). Mit zunehmendem Alter wächst das Interesse an der Wirkung auf Andere, die „Attraktivität“ gewinnt an Relevanz (vgl. Schuch, S.: 2019: 8). Dies gestaltet sich für übergewichtige/ adipöse deutlich schwieriger. Die Adoleszenz ist der Übergang von der Kindheit als Mädchen ins Erwachsenenalter als Frau, hier zeigen sich die Körperbedeutung eng verknüpft mit der Weiblichkeitsvorstellung als auch der psychosexuellen Entwicklung (vgl. Grnsee, C.: 2008: 163f). Gelechterrollenerwartungen, Vorbilder, das präsente Schönheitsideal können Verunsicherung und Ängste schüren, nicht in das normative Bild zu passen, welches beitragen kann, dass der Körper als „Abweichung“ wahrgenommen wird (vgl. Gransee, C.: 2008: 163f). Beispielsweise zeigt sich, dass gut sitzende, modisch altersgerechte Kleidung selten zu finden ist, entsprechend muss auf nicht passende erwachsenen Klamotten ausgewichen werden (vgl. Kerstan-Schulz, M.: 2015: 309). Daraus ergibt sich, dass neben dem äußeren Merkmal Übergewicht häufig der Faktor der unpassenden Kleidung entscheidend die Außenwirkung und das Erscheinungsbild prägen. Aus Folge des negativen Selbstbildes zeigen Mädchen Prävalenzen „sich gehen zu lassen“ quasi der Resignation dem Gewicht und Aussehen gegenüber (vgl. Kerstan-Schulz, M.: 2015: 309f). Der Körper wird als fremdbestimmt und negativ wahrgenommen (vgl. Gransee, C.: 2008: 163f), entsprechend kann kein positives Körperbild als Ausgangspunkt für eine positive Selbstwahrnehmung entstehen (vgl. Kerstan-Schulz, M.: 2015: 309f). Ferner zeigt sich bei übergewichtigen Jugendlichen v.a. bei Mädchen, dass sie bezüglich Ihres Körpers negative Emotionen als auch Einstellungen aufweisen (vgl. Hoffmann, S.; Warschburger, P.: 2015: 498).

3.4 Resümee Körperbild und Adipositas

Das Körperbild kann in vier Ebenen geteilt werden, in Wahrnehmen, Emotion, Kognition und Verhalten, dieser ergeben das Körperbild, welches Individuen von sich selbst haben. Die Sinneserfahrung, die im Laufe des Lebens gesammelt werde, lassen sich als eine Art Landkarte des Körperbildes beschreiben, die im Gedächtnis gespeichert wird. Gerade bei adipösen Mädchen zeigt sich die Prävalenz hoch ein negatives Körperbild zu entwickeln, da häufig die Perzeption des Körpers leidet (Kapitel 3.2) folgend verzerrt sich die Wahrnehmung von Betroffenen auf die realistische Einschätzung bezüglich Ihrer Körpermasse. Das Körpergefühl beschreibt sich bei übergewichtigen und adipösen Mädchen häufig als negativ, entsprechend werden keine positiven Körpererfahrungen zur Bildung des Körperbildes gemacht. Zusätzlich fehlt es teils an Sinneserfahrung durch beispielsweise Bewegung, also auch die Abgrenzung vom Leib und dem Außen, um den Körper zu „spüren“. Das präsentierte und gesellschaftlich vertretene Schönheitsideal kann dazu beitragen, dass Betroffene Personen eine starke Diskrepanz zwischen dem Wunschaussehen und der tatsächlichen Aussehen entsteht, demgemäß sinkt die Körperzufriedenheit. Folgend wird der Körper als negativ wahrgenommen und häufig wird auf der Kognitionsebene der gesamte Körper als schlecht bewertet. Als letzter Multiplikator gestaltet sich das Verhalten im Umgang mit dem eigenen Körper, welches bei Bewegungsmangel, als auch ungünstiger Ernährung, als nicht bewältigt gilt. Übergewichtige und adipöse Mädchen fühlen sich zum Teil nicht selbstbestimmt. Zusammenfassend können sich auf allen Ebenen Schwierigkeiten bei der Entwicklung eines positiven Körperbildes entwickeln. Die Phase der Jugend zeigt sich zusätzlich als kritischer Übergang, der Entwicklungsschritt der Identitätsbildung als auch die gesamten Veränderungen im geistigen und körperlichen Bereich stellen für Jugendliche eine Herausforderung dar. Dies lässt darauf schließen, dass eine präventive Unterstützung für sinnvoll zu erachten ist. Mädchen zeigen beispielsweise durch ihre Sozialisation häufig höhere Prävalenzen auf, ein negatives Körperbild zu entwickeln, dennoch ist festzuhalten, dass diese Problematik auch bei Jungen auftritt, da insbesondere bei der Körperzufriedenheit keine signifikanten Unterscheide zwischen den Geschlechtern festzustellen sind. Entsprechend ist denkbar, mit beiden Geschlechtern präventiv zu arbeiten, dennoch weißt ein höherer Teil des weiblichen Geschlechtes, die stark gesellschaftlich geprägte Problematik auf.

4. V erwendung von Körperfarbe aufbauend auf der Stärkenorientierung zur Förderung des Körperbildes von übergewichtigen/ adipösen weiblichen Jugendlichen

Die Phase der Jugend zeigt sich als ein Zeitfenster, welches mit einem Risiko für eine positive Entwickelung des Körperbildes als auch der Identitätsentwicklung assoziiert werden kann. Das Übergewicht kann weiter dazu beitragen, dass sich diese Problematik verschärft. Entsprechend sollten präventive Programme für weibliche Jugendliche entwickelt werden. Zusätzlich wird deutlich, ein negatives Körperbild spiegelt sich in einem niedrigen Selbstwertgefühl, welches häufig mit einer ablehnenden Bewertung des Körpers und seiner Fähigkeiten einhergeht. Hier stellt sich die Frage, ist in dieser Präventionsarbeit eine Stärkenorientierung sinnvoll, um Stärken aufzudecken und fokussieren zu können? Kann Körperfarbe als Methode zur Stärkung des positiven Körperbildes verwendet werden? Auf Grundlage dieser Fragen wird im nächsten Kapitel die Körperbemalung als präventive als auch therapeutische Methode näher erläutert und anschließend die Stärkenorientierung vorgestellt. Im Fokus des dritten Abschnittes findet der Diskurs der Hauptfragestellung statt. Folgend wird ein kleiner Ausblick für die Praxis gegeben.

4.1. Körperbemalung als präventive und therapeutische Methode

„Bodypainting“ stellt sich in erster Linie als eine Art Kunstform dar, die beispielsweise in Film, Fernsehen als auch Werbung oder Fotografie vertreten ist (vgl. Marwedel: 2019: 7). Bei genauer Betrachtung wirft diese Kunstform noch eine zweite Facette, die Wirkung auf das Erleben des Modells (vgl. Marwedel: 2019: 7). Der taktile Reiz über den Pinsel, der körperliche Kontakt und die intensive körperliche Nähe während des Malprozesses können den Lernerfolg und das Wahrnehmungsvermögen, das Selbstwertgefühl und die zwischenmenschliche Beziehung stärken (vgl. Marwedel: 2019: 8). Zumeist wird von Bemalten berichtet, den Kontakt von Haut und Pinsel als „angenehm“ und „entspannend“ zu empfinden, wobei sich das Schamgefühl gegenüber KünstlerIn/ FotografIn/ Öffentlichkeit während, sowie nach die/der Bemalung von eher von geringfügiger Bedeutung zeigt (vgl. Marwedel: 2019: 8f). Die Farbe wirkt wie eine Art Schutz, ähnlich wie eine Maske oder Verkleidung, nur viel passgenauer auf der Haut, so können Bemalte intensiv in die Rolle schlüpfen und sich mit dieser identifizieren (vgl. Marwedel: 2019: 9). Die Methode des Bodypaintings kann beispielsweise an einzelnen Körperteilen wie den Händen, Füßen, Gesicht etc., aber auch am gesamten Körper erfolgen, dabei ist die/der Bemalte hauptsächlich in der passiven Position, während der kreative und aktive Prozesse von Außenstehenden vollzogen wird (vgl. Marwedel: 2019: 9). Ferner können Möglichkeiten vorgewiesen werden, die/den Bemalten aktiv in den Prozess ein zubinden, indem sie z.B. Körperabdrücke/ Körperumrisse ausmalen (vgl. Marwedel: 2019: 44). Der Übergang vom Künstlerischen ins Therapeutische gestaltet sich fließend, ebenso Teilbereiche von Therapeutischen und Pädagogischen - Interventionen weisen nur begrenzte Abgrenzungsmerkmale auf (vgl. Marwedel: 2019: 10). Festzuhalten ist bei Vorliegen bzw. diagnostizierten psychischen Störung/ Krankheit nach dem ICD 10, ist eine Behandlungs- / Heilerlaubnis notwendig, entsprechend muss eine therapeutische Ausbildung absolviert worden sein, um in therapeutischen Bereichen zu arbeiten (vgl. Marwedel: 2019: 31ff). Nichtsdestoweniger zeigen sich nicht therapeutische Interventionen, also Kunst als Dienstleistung (keine Therapie), als teils „therapeutisch“ für das subjektive Empfinden (vgl. Marwedel: 2019: 34).

4.2 Stärkenorientierung

Einhergehend mit einem unsicheren Körperbild, werden Fähigkeiten des Körpers nicht mehr realistisch eingeschätzt und sich häufig auf die negativ beurteilten Körperteile/ Formen etc. konzentriert. Hier könnte die Stärkenorientierung eine erleichternde Wirkung auf weibliche Jugendliche haben. Durch die Stärkenperspektive werden Stärken in den Mittelpunkt gestellt und nicht ausschließliche die Defizite betrachtet (vgl. Ehlers; Müller; Schuster: 2017: 17). Die Stärkenorientierung in der Sozialen Arbeit prägten in den USA Dennis Saleebey, Ann Weick, Charles Rapp und Rick Goscha sowie weitere KollegInnen der University of Kansas in den 1980/90er- Jahren (vgl. Ehlers; Müller; Schuster: 2017: 16). Der grobe Gedanke ist, dass jeder Mensch Stärken und Fähigkeiten (d.h ihr Können und Wollen, Interessen und Leidenschaften) besitzt, diese nur fokussiert und aktiviert werden müssen um den Hilfeprozess bestmöglich zu gestalten (vgl. Ehlers; Müller; Schuster: 2017: 15ff), dabei gilt die Person als Experte ihrer Lebenswelt (vgl. Ehlers; Müller; Schuster: 2017: 35). Ein weiterer Faktor gestaltet sich auf einer engen und positiv gestalteten Beziehung, die gegengezeichnet ist durch Kongruenz (Echtheit); Akzeptanz, Anteilnahme und Wertschätzung: einfühlsames Verstehen des Professionellen (vgl. Ehlers; Müller; Schuster: 2017: 16), daraus kann sich ergeben, dass der Professionelle zu einer erwachsenen Bezugsperson wird, welches positiv beitragen kann bei der Entwicklung der Identität (vgl. Schuch, S.: 2019: 9). Durch Fragetechniken wie offene Fragen, zirkuläre Fragen, Skalierungsfragen, Wunderfrage etc. können Stärken und Fähigkeiten identifiziert werden, da die Antworten die Sichtweise und die wahrgenommene Lebenswelt der Person widerspiegeln (vgl. Ehlers: Müller; Schuster: 2017: 35). Dabei zeigt sich, dass die Fragen zum Teil eine Entlastung seitens der Personen bewirken, da Kraftquellen aufgezeigt werden, die vorher nicht präsent waren. Durch den Blickwinkel der Stärken kann teils eine neue Definition der Situation erfolgen und die Personen können möglichst selbstbestimmt und eigenständig die Lebenssituation bewältigen (vgl. Ehlers; Müller; Schuster: 2017: 26). Die Selbstbestimmung und Verantwortungsübernahme kann zusätzlich zur Bildung der positiven Identität bei jungen Menschen beitragen (vgl. Schuch, S.: 2019: 9). Die zuvor darlegten Aspekte lassen darauf schließen, dass die Verwendung für die Präventionsarbeit sinnvoll erscheint, insbesondere bei weiblichen Jugendlichen, die unter Übergewicht oder Adipositas leiden, da die Prävalenz zur negativ Bewertung des eigenen Körpers, seinen Fähigkeiten und Stärken deutlich wird. Der Fokus der Stärken bietet den Betroffenen die Chance, sich selbst und ihre Stärken wahrzunehmen, daraus folgend steht nicht das Defizit des Übergewichtes im Mittelpunkt und die Personen können Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl erlangen durch die positive Stärkung.

4.3 Verwendung von Körperfarbe zur Prävention des positiven Körperbildes bei weiblichen Jugendlichen

Im Kapitel des Körperbildes und der Phase der Jugend wird deutlich, die Prävalenz bei einer Adipositas Erkrankung ein negatives Körperbild zu entwickeln generiert sich als eher hoch. Die Methode der Körperbemalung eignet sich besonders bei Personen, die unter Selbstzweifeln als auch an einem unsicheren Körperbild leiden, die infolge von Einstellungen zum Körper oder aus Defiziten entstehen (vgl. Marwedel: 2019: 55). Die Wahrnehmung des eigenen Körpers spielt für die Bildung des Körperbildes eine wichtige Rolle. Hier könnte Körperfarbe dazu beitragen, dass adipöse Jugendliche sich mittels der Körperfarbe selber positiv wahrnehmen und ein Bild von sich selbst haben, welches Ihnen gefällt, dies kann wiederum ein positives Selbstwertgefühl vermitteln (vgl. Marwedel: 2019: 55).

Häufig fehlen übergewichtigen und adipösen grundlegende Körpererfahrungen in Bereichen des Wahrnehmens und der Koordination. Die Schulung dieser kann beispielsweise durch Entspannungsübungen, Sinneserfahrung wie Tasten und Fühlen und das Beschreiben eigener Körperzustände erfolgen (vgl. Kerstan-Schulz, M.: 2015: 312). Mit dem Pinsel wird die Farbe durch beruhigende und streichelnde Bewegungen auf die Haut aufgetragen, dieser Berührungen können positive und entspannende Emotionen auslösen, wie das Gefühl von Sicherheit, Wärme und Nähe (vgl. Marwedel: 2019: 58). Einhergehend mit Diskriminierungen als auch dem präsenten Schönheitsideal weisen übergewichtigen adipösen Jugendliche teils Vermeidungsverhalten auf, die Folgen beschreibt sich in sozialer Isolation, welches wiederum auf das psychische Leiden Auswirkungen hat (vgl. Kerstan-Schulz, M.: 2015: 309). Die Körperbemalung bietet die Möglichkeit, die Gefühle von Nähe, Wärme und Sicherheit zur transportieren, die Betroffene häufig durch die Gesellschaft nicht vermittelt bekommen, da sie eher die Rückmeldung der Umwelt erhalten, sie seien „unpassend“ z.B. unattraktiv, fett, undiszipliniert etc..(vgl. Ardelt- Gattinger, E.; Steger, N.; Ring-Dimitriou, S.: 2019: 30). Dies kann eine starke Verunsicherung hervorrufen, im Rahmen der Körperbemalung kann es zum pausieren dieses Verunsicherung kommen und das Empfindenden von Sicherheit entsteht für den Prozess des Malens. Weiter wird deutlich, den Jugendlichen wird der Raum geboten das Gefühl der Körpergrenze wahrzunehmen, die Berührungen auf der Haut können bezwecken, dass der Körper als Ganzes wahrgenommen wird (vgl. Marwedel: 2019: 55). Die Farbe zeigt zusätzlich Auswirkungen auf die Emotion, die unbewusste Reaktionen auslösen und auf das Wohlbefinden Einfluss haben (vgl. Marwedel: 2019: 69). Die Betrachtungsweise als „Kunstwerk“ wirft die Möglichkeit auf, unerwünschte Körpermakel aus einer anderen Perspektive positiv zu definieren (vgl. Marwedel: 2019: 56). Dieser neue Blickwinkel auf sich selbst könnte bei Mädchen mit Adipositas beisteuern, das Wohlbefinden zu erhöhen und die Zufriedenheit mit sich selbst und dem eigenen Körper (die Kognition) zu verbessern (vgl. Marwedel: 2019: 56), da durch die starken Stigmatisierung und Diskriminierung der adipösen Jugendlichen häufig bei Ihnen ein negatives Wohlbefinden resultiert (vgl. Hartmann A.S.; Hilbert A.: 2013: 532). Dies wirkt sich auf die Lebensqualität der Menschen aus, wie im Kapitel 2.5.1 beschrieben, stellt sich die Lebensqualität von adipösen Jugendlichen als etwa ähnlich wie die von krebskranken Kindern da, das bedeutet, die Betroffenen zeigen starke Einbußen in diesem Bereich. Das Schlüpfen und Verwandeln in eine Rolle z.B. auf der Bühne oder vor der Kamera, kann dazu beitragen an Selbstbewusstsein zu gewinnen, was sich nachhaltig auf das Bewusstsein und Emotionen der Identität auswirkt (vgl. Marwedel: 2019: 64). Insbesondere bei Übergewichtigen bzw. bei Essstörungen zeigt sich ein Vermeidungsverhalten gegenüber des Körpers (z.B. Abhängen der Spiegel, nicht mehr Berühren des Körpers (Vocks, S.; Bauer, A.: 2015: 306). Hier könnte Körperfarbe als auch das Schlüpfen in Rollen helfen dieses Vermeidungsverhalten abzulegen. So sieht Canetti (1994) die Verwandlung als Chance der „Schwachen“ an „Lebensqualität für sich zu gewinnen“ (nach: vgl. Marwedel: 2019: 64; Canetti: 1994: 130). Daraus kann geschlossen werden, dass Körperbemalung bei adipösen Mädchen mit einer Verwandlung in eine andere Rolle durch ein Rollenspiel als auch ein Fotoshooting dazu beitragen kann, die Lebensqualität zu verbessern.

Ferner beschrieben etwa die Hälfte der bemalten Personen, dass sie sich mit der Körperbemalung anders als gewöhnlich verhielten und gaben an, dass sich dies auswirkte auf Verhaltensweisen wie einem selbstbewussteren Auftreten, mehr Selbstsicherheit, stärkere Ausstrahlung, einer veränderten Körperhaltung, anpassen der Gestik und Mimik an das dargestellte Bild, Freiheitsgefühl, intuitives und spontanes Handeln, Offenheit, ein veränderter Gang und mehr Eleganz hatte (vgl. Marwedel: 2019: 56). Diese Verhaltensveränderungen könnten adipöse Jugendliche unterstützen, ein Erfolgserlebnis zu erfahren, auf Grundlage der zuvor benannten Verhaltensweisen kann durch Motivation, positive Verstärkung und Ermutigung der Erfolg beispielsweise in einer sozialen Interaktion verbessert werden (vgl. Kerstan-Schulz, M.: 2015: 305). An diesem Punkt könnte zur positiven Verstärkung die Stärkenorientierung hinzugezogen werden, einschließlich des Beziehungskonzeptes. Aufbauend kann die Körperbemalung ebenso die zwischenmenschlichen Beziehungen stärken (vgl. Marwedel: 2019: 8). Schätzungsweise fühlen sich Jugendliche aufgrund des Rückzuges aus den Sozialsystemen einsam und allein, der Faktor, dass diese Diskriminierung auf allen Ebenen der Gesellschaft stattfindet, lässt schließen, dass häufig Ihre Bedürfnisse nicht ernst genommen werden und dass Sie weniger Wertschätzung erfahren. Im Rahmen dieser Methode könnten diese konkret benannt als auch durch Nachfrage des Malers/ Künstlers in den Fokus gerückt werden. Aufgrund der langen Dauer von großen/ Ganzkörper- Bildern, der Intimsphäre und den persönlichen Grenzen sollte sich die malende Person stetig rückversichern ob der/dem Bemalten etwas fehlt (vgl. Marwedel: 2019: 30), demgemäß könnte dieses als eine niederschwellige Auseinandersetzung mit dem Körpergefühl und den Bedürfnissen dienen.

Insgesamt zeigen sich in der Methode des Bodypaintings und des Körperbildes viele Parallelen auf (vgl. Marwedel: 2019: 9), beides kann in die vier Ebenen von Wahrnehmen, Fühlen, Denken und Verhalten kategorisiert werden und entsprechend kann auf Diesen gearbeiteten werden. Zusätzlich wird die Möglichkeit geboten, Impulse im Verhalten, Denken, Handeln als auch das Finden von Lösungsstrategien neu zu erfahren (vgl. Marwedel: 2019: 56). Hinzukommend könnten durch Beispielbilder von Körperbemalung als Methode positive Identifikationsmodelle geschaffen werden, indem unterschiedlichste Menschen mit Körperbemalung dargestellt werden. Dies kann wiederum positiv auf die Identitätsentwicklung der Jugendlichen wirken (vgl. Schuch, S.: 2019: 9). Zu beachten ist, dass Menschen mit einer diagnostizierten Essstörung bzw. Störungen des Körperbildes (körperdysmorphe) grundlegend für diese Methode infrage kommen, jedoch fällt dies in den therapeutischen Bereich und eine entsprechende Ausbildung ist nötig (vgl. Marwedel: 2019: 33). Grundsätzlich sollten die Grenzen der Personen immer im Fokus stehen und individuell entschieden werden, ob die Teilnehme, geeignet und sinnvoll erscheint. Da alle Menschen unterschiedliche Biografien mit diversen Erfahrungen besitzen, sollte eine Art von Anamnese stattfinden als auch die Rahmenbedienungen dieser Methode genau besprochen werden (vgl. Marwedel: 2019: 45).

Zusammenfassend lässt sich annehmen, dass Körperbemalung als Methode der Prävention in Verbindung mit der Stärkenorientierung beitragen kann ein Positives Körperbild zu erhalten, also auch diesen im Gesamten zu stärken. Das Wohlbefinden und Lebensqualität kann womöglich mit dieser Methode gesteigert werden und das Selbstbewusstsein, das Körpergefühl, die Körperwahrnehmung als auch das Verhalten verändern. Die positive Ausrichtung der Stärkeorientierung und der Körperbemalung, deuten daraufhin, dass Betroffene positiv gestärkt werden, um für diesen Entwicklungsabschnitt genügend Ressourcen aufzubauen und diesen entsprechend positiv abschließen zu können.

4.4 Ausblick für die praktische Umsetzung

Im Rahmen eines Präventionsprogramms könnte für übergewichtige/ adipöse weibliche Jugendliche ein einmal wöchentliches Treffen stattfinden, welches sich über 10 Termine erstreckt. Der Ablauf sollte langsam gestaltet werden, damit Vertrauen aufgebaut werden kann, entsprechend könnte mit einer Selbstbemalung Einheit gestartet werden (etwa über 3 Termine). Die Jugendlichen bekommen den Raum, sich auszutauschen und kennenzulernen. Nach der Anfangsphase werden Themen wie zum Beispiel Schüchternheit oder auch zu Veränderungen in der Pubertät thematisiert, diese werden auf wertschätzende und respektvolle Art und Weise besprochen. Anschließend findet ein Rollenspiel mit den gestalteten Bildern statt. Im Zweiten Schritt könnten die Mädchen sich in Partnerarbeiten gegenseitig nacheinander bemalen, angefangen bei positiv bewerteten Körperteilen über etwa drei Sitzungen hinweg zu den negativ Bewerteten. Dabei könnten die Mädchen mit der Stärkenorientierung unterstützt werden, Frage zu Stärken, wie Wunderfrage, Skalierungsfragen sollen motivierend wirken und die einzelnen Stärken der Mädchen in den Mittelpunkt rücken. Im dritten Abschnitt des Projekts könnte ein Körperumriss der Teilnehmerinnen gezeichnet werden, um die eigene Einschätzung der Körperform zu stärken. Folgend können die weiblichen Jugendlichen die Körperumrisse bemalen und gestalten, dabei haben sie die Möglichkeit, symbolisch Ihre Stärken auf Ihren Umriss darzustellen. Im letzten Abschnitt werden die Mädchen, entsprechend Ihres gestalteten Umriss bemalt und dieses wird per Fotoshooting festgehalten. Wenn die einzelnen Mädchen zu lassen können, sich von der kompletten Gruppe (alle Teilnehmenden) bemalen zulassen, sollte dies fokussiert werden, um den Mädchen die Wertschätzung aller zukommen zu lassen, die sie häufig in der Gesellschaft nicht erfahren. Als Abschluss findet ein Abschiedstreffen statt, dort können die Fotos aus dem Fotoshooting gezeigt werden und jedes Mädchen erhält ein Bild von sich als Abschiedsgeschenk. Weitere Projekte sind denkbar wie, beispielsweise Eltern – Jugend- Kurs oder auch Eltern - Kind -Kurse.

5. Abschließendes Fazit

Es zeigt sich das prekäre Verhältnis des Körperbildes und Übergewicht/ Adipositas auf. Dabei leiden Betroffene stark und es können deutliche Abnahmen in der psychosozialen Gesundheit und der Lebensqualität bewirkt werden. Insbesondere Kinder und Jugendliche bekommen dieses Merkmal häufig wieder gespiegelt und erfahren Ausgrenzung. Die Ursachen als auch aufrechterhaltende Faktoren müssen mehr dimensional betrachtet werden. Dies weist sich als eher weniger bekanntes Wissen in der Gesellschaft aus-, Übergewicht/ Adipositas zeigt sich als das weiteverbreitetste Stigmata und Diskriminierungsgrund, v.a. bei Kindern und Jugendlichen werden fatale Folgen wie ein negatives Körperbild, Depression, Angststörungen, Suizidgedanken, als auch einer Essstörung deutlich. Häufig erfahren sie auf allen Ebenen, dass sie nicht „-ins Bild passen“. Darauf folgt das Selbststigma, welches starke Auswirkung auf das Selbstwertgefühl hat, welches wiederum dem Körperbild schaden kann. Daraus ergibt sich eine hohe Gefahr für übergewichtige Jugendliche ein ungünstiges Körperbild zu entwickeln, aus diesem Grund sollten dieser Zielgruppe Päventive-programme zur Unterstützung ermöglicht werden. Die Jugend stellt für die Entwicklung der Identität mit allen Veränderungen einen wichtigen Entwicklungsschritt dar, in der das Selbstwertgefühl und die gute Selbsteinschätzung als bedeutsame Ressource fungiert. Zusätzlich wird klar, Mädchen leiden deutlich häufiger durch z.B. Gesellschaftsrollen an dieser Problematik. Entsprechend liegt nahe, dieses für weibliche Jugendliche zu gestalten. Die Methode der Körperbemalung wirft Parallelen zum Körperbild auf, die entsprechend genutzt werden können. Die hohe Komorbidität zu psychischen Leiden führt die Relevanz der Präventionsarbeit vor. Bei einem Bestehen solcher Komorbiditäten muss jedoch vom therapeutischen Rahmen abgrenzt werden, da hierzu eine gesonderte therapeutische Ausbildung benötigt wird. Die Stärkenorientierung scheint zur Fokussierung der Stärken nützlich, als auch die Wichtigkeit der Beziehungsarbeit von diesem Konzept weisen Ähnlichkeiten zu dem der Körperbemalung auf, diese können förderlich sein, um den Jugendlichen die volle Wertschätzung zu gewähren, die sie häufig aufgrund Ihrer Stigmata nicht bekommen. Die Körperbemalung zeigt viele positive Eigenschaften, für das Wahrnehmen, Fühlen, Denken und Verhalten gegenüber dem eigenen Körper. Dies legt nahe, dass betroffene adipöse Jugendliche damit unterstützt und gestärkt werden könnten. Insgesamt liegt der Fokus der Methode stark auf dem Körperbild, entsprechend sollten weitere Angebote wie Ernährungsberatung als auch Bewegungsmöglichkeiten hinzugezogen werden, da es an der Hauptproblematik des Übergewichtes/der Adipositas nur teils etwas verändert. Allerdings zeigt sich das Körperbild als deutlicher Teil der Problematik, welches starke Auswirkung auf die Eigenwahrnehmung und das psychosoziale Wohlbefinden aufzeigt. Offen bleibt die Frage, wie kann präventiv gegen Stigmatisierung und Diskriminierung vorgegangen werden? Die starken Auswirkungen sind sichtbar, dennoch bleiben solche Verhaltensweisen gegenüber Adipösen. Die Folgekosten von Adipositas beschreiben sich als hoch für die Gesellschaft, diese werden teils als Diskriminierende Grundlage verwandt, dabei zeigen sich v.a. psychische Leiden in einem engen Zusammenhang mit Stigmatisierungen und dem Erfahren von Ausgrenzung. Hier zeigen sich gesellschaftliche Bedingungen als wesentlicher begünstigender Faktor zur Entwicklung dessen, beispielsweise können Industrialisierung, Modernisierung, Digitalisierung, Überflussgesellschaften gleicherweise die persönlichen ökonomischen Gegebenheiten, den gesellschaftlichen Einfluss aufzeigen. Folglich kann dieses Problemkonstrukt als gesellschaftliches Problem gewertet werden. Die betroffenen Personen bekommen häufig aufgrund ihres Stigmata nicht die gleichen Chancen in Beruf, Einkommen, Freundeskreis etc.. Soziale Arbeit soll Menschen befähigen schwierige Lebensphasen zu bewältigen und Ihnen bei einen menschenwürdiges Leben, in dem es Ihnen wohlergeht zu unterstützen. Programme zu Prävention des Körperbildes, um übergewichtige und adipöse zu stärken, können als Aufgabe der Sozialen Arbeit verstanden werden. Die Thematik zeigt sich auf allen Ebenen der Gesellschaft, entsprechend sollte nicht nur lediglich auf der Mikro-Ebene (z.b. Projekt Körperbemalung) gearbeitet werden, sondern das gesamtgesellschaftliche Bild sollte kritisch betrachtet werden, um die Förderung eines authentischen Körperbildes zu bewirken. Hier kann beispielsweise das Projekt Body positivity genannt werden.

* **Die Suche nach (kleinen) Zitaten zeigte sich schwierig, da das gesamtgesellschaftliche Bild häufig dargestellt wird. Entsprechend habe ich mich für den Songtext entschieden, diese weist auf meine Ansicht der Problematik hin. ***

Literaturverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Titel
Körperbemalung in der Pädagogik. Körperfarbe zur Förderung des Körperbildes von übergewichtigen weiblichen Jugendlichen
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Veranstaltung
Körperbemalung in der Pädagogik
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
22
Katalognummer
V1042535
ISBN (eBook)
9783346463012
ISBN (Buch)
9783346463029
Sprache
Deutsch
Schlagworte
adoleszenz Adipositas, Körpermalfarbe, stärkung Körperbild
Arbeit zitieren
Freya Wieczorek (Autor:in), 2021, Körperbemalung in der Pädagogik. Körperfarbe zur Förderung des Körperbildes von übergewichtigen weiblichen Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1042535

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