Diese Seminararbeit erklärt am Beispiel der Ersatzfreiheitsstrafe, inwieweit soziale Ungleichheit eine Ungleichheit in der Rechtswirklichkeit von Strafe nach sich zieht.
Dabei werden in einem ersten Schritt die beiden Schlüsselbegriffe der sozialen Ungerechtigkeit und Rechtswirklichkeit näher beleuchtet, insbesondere deren theoretische Grundlagen. Im Anschluss konzentriert sich diese Arbeit dann darauf, inwieweit sich soziale Ungleichheit auf die Rechtswirklichkeit auswirkt. Zur Untersuchung werden dabei vergangene Forschungen, Daten des Statistischen Bundesamtes, und ein Fallbeispiel herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Theoretische Grundlagen
I. Soziale Ungleichheit
1. Begriffsbestimmung
2. Dimensionen
3. Determinanten und Ursachen
4. Folgen der sozialen Ungleichheit
II. Rechtswirklichkeit von Strafe
1. Begriff der Rechtswirklichkeit
2. Strafen-System
a. Geldstrafe
b. Ersatzfreiheitsstrafe
C. Auswirkungen der sozialen Ungleichheit auf die Ersatzfreiheitsstrafe
I. Empirische Erfassung der Ersatzfreiheitsstrafe
1. Betroffene Bevölkerungsschichten
2. Typische Straftaten
II. Beispiel: Geldstrafe und Ersatzfreiheitsstrafe im Vergleich
1. Allgemeines
2. Auswirkungen auf die Lebensbedingungen bei Tilgung
3. Auswirkungen auf die Lebensbedingungen bei Umwandlung in eine EFS
4. Folgen der Ersatzfreiheitsstrafe für den Staat
5. Stellungnahme
D. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen sozialer Ungleichheit und der Rechtswirklichkeit von Strafe, wobei der Fokus gezielt auf der Ersatzfreiheitsstrafe liegt. Die zentrale Forschungsfrage analysiert, inwieweit soziale Benachteiligung zu einer ungleichen Belastung im Strafvollzug führt und inwieweit das System der Geld- und Ersatzfreiheitsstrafe bestehende Ungleichheiten eher zementiert als abbaut.
- Analyse der Begriffe "Soziale Ungleichheit" und "Rechtswirklichkeit"
- Empirische Untersuchung der Ersatzfreiheitsstrafe (EFS)
- Vergleich zwischen Geldstrafe und EFS anhand von Fallbeispielen
- Untersuchung der sozialen Folgen für Betroffene und ökonomischer Folgen für den Staat
Auszug aus dem Buch
II. Beispiel: Geldstrafe und Ersatzfreiheitsstrafe im Vergleich
Jede Person, die hin und wieder die öffentlichen Nahverkehrsmittel nutzt kennt die Situation, wenn die zunächst unscheinbar gekleideten Frauen und Männer durch die Gänge den Satz: „Die Fahrausweise bitte!“ rufen. Plötzlich verändert sich die gesamte Situation: Die Menschen schrecken hoch, Gespräche werden beendet, jede*r fängt an in seinen Taschen nach dem Fahrschein zu suchen. Besonders beklemmend ist das Gefühl, wenn einem selbst bewusst wird, dass man über keine gültige Fahrkarte verfügt – aus welchen Gründen auch immer. Für viele, ein unangenehmer Moment, sodass einige weiter verzweifelt in der Tasche nach dem nicht vorhandenen Fahrschein ‚suchen‘ oder sich andere Ausreden einfallen lassen, warum sie nicht im Besitz eines gültigen Tickets sind. Es liegt aber nicht nur am Stress, oder den Blicken, die auf einen gerichtet sind, sondern vor allem an dem Umstand, dass das Portemonnaie spätestens in 14 Tagen, um 60 Euro leichter werden wird. Besonders gravierend ist die Situation für Personen, die mehrmals infolge ohne Fahrausweis vorgefunden wurden und nun mit einer Anzeige rechnen müssen. Anhand des vorliegenden Beispiels werden die unterschiedlichen Auswirkungen auf die Lebensbedingungen bei Zahlung der Geldstrafe und bei der Umwandlung in die Ersatzfreiheitsstrafe dargestellt und im Anschluss die Folgen für den Staat beleuchtet.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Einführung in die Thematik der sozialen Ungleichheit im Kontext des Strafrechts und Formulierung der Forschungsfrage.
B. Theoretische Grundlagen: Erörterung der Konzepte soziale Ungleichheit und Rechtswirklichkeit sowie die Darstellung der strafrechtlichen Sanktionssysteme Geldstrafe und Ersatzfreiheitsstrafe.
C. Auswirkungen der sozialen Ungleichheit auf die Ersatzfreiheitsstrafe: Empirische Untersuchung der EFS-Verbüßenden sowie Analyse der Auswirkungen des Strafsystems auf die Lebensbedingungen und ökonomische Aspekte für den Staat.
D. Fazit: Zusammenfassende Darstellung der Diskrepanz zwischen theoretischem Anspruch der Geldstrafe und der sozialen Wirklichkeit der EFS.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Ersatzfreiheitsstrafe, Geldstrafe, Rechtswirklichkeit, Strafvollzug, Armut, Stigmatisierung, Strafrecht, Rechtssoziologie, Strafvollstreckung, Lebensbedingungen, soziale Benachteiligung, Bagatelldelikte, Resozialisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle zwischen sozioökonomischer Ungleichheit und dem deutschen Strafrecht, speziell unter dem Aspekt der Ersatzfreiheitsstrafe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition und Dimensionen sozialer Ungleichheit, das Verständnis von Rechtswirklichkeit sowie die praktische Anwendung der Geld- und Ersatzfreiheitsstrafe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, wie soziale Ungleichheit die Rechtswirklichkeit von Strafen beeinflusst und welche Konsequenzen dies insbesondere für finanziell benachteiligte Gruppen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtssoziologische Analyse, die auf der Auswertung bestehender Forschungsliteratur, Daten des Statistischen Bundesamtes und einem Fallbeispiel zum "Schwarzfahren" basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine empirische Analyse der Ersatzfreiheitsstrafe und eine detaillierte Gegenüberstellung der Auswirkungen von Geldstrafen und deren Ersatz bei verschiedenen Bevölkerungsschichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind soziale Ungleichheit, Ersatzfreiheitsstrafe, Rechtswirklichkeit, Armut und Strafvollzug.
Warum wird das Beispiel des "Schwarzfahrens" gewählt?
Es dient als praxisnahes Fallbeispiel, um die unterschiedlichen Konsequenzen einer Geldstrafe für Menschen mit und ohne finanzielle Rücklagen und die resultierende Ungerechtigkeit der Ersatzfreiheitsstrafe zu verdeutlichen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Ersatzfreiheitsstrafe?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Ersatzfreiheitsstrafe oft nicht ressourceneffizient ist und bestehende soziale Ungleichheiten verschärft, anstatt den angestrebten Zweck der Strafvollstreckung bei Mittellosigkeit sinnvoll zu erfüllen.
- Arbeit zitieren
- Valeria Krötz (Autor:in), 2021, Auswirkungen der sozialen Ungleichheit auf die Rechtswirklichkeit von Strafe. Das Beispiel der Ersatzfreiheitsstrafe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1042556