Marian Heitger. Die Institution Schule zwischen Selbstbestimmung und Fremdbestimmung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffserklärung Schule

2. Heitgers Bildungsgedanken in Grundzügen

3. Einfluss des Lehrplans und die Unterscheidung in offiziellen und heimlichen Lehrplan unter den selbstbestimmenden Aspekt Heitgers

4. LehrerIn als Impulsgeber

5. Wirkung der interpersonalen und intrapersonalen Dialogform

6. Argumentationsvermögen als selbstbestimmenden Aspekt Heitgers

7. Integration vom selbstbestimmenden Aspekt Heitgers in die Institution Schule

8. Bewertung der Leistungs- und Zielorientiertheit unter den selbstbestimmenden Aspekt Heitgers

9. Auswirkung des Machtgefälles zwischen LehrerIn und SchülerIn auf die Selbstbestimmtheit

10. Allgemeinbildung unter den selbstbestimmenden Aspekt Heitgers

11.Vorbild als Festigung von selbstbestimmten Entscheidungen

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Denken Menschen an ihre Schulzeit zurück und wie sie in dieser Institution gelernt haben, so fällt den meisten Personen der Frontalunterricht ein, bei denen sie dem Lehrer zugehört und Anweisungen befolgt haben. Marian Heitger entwickelte einen anderen bildungstheoretischen Standpunkt zu der 'traditionell, klassischen' Umsetzung einer Lehr-Lernstätte, welchen ich nun im Folgenden in meiner Hausarbeit unter dem Thema „ Die Institution Schule und die Rolle des Lehrers zwischen Selbstbestimmung und Fremdbestimmung nach Marian Heitger“ ausführen werde.

Im Laufe meiner Arbeit werde ich Bezug nehmen auf mehrere selbstbestimmende Aspekte Heitgers, welche als Hinführung zur Selbstbestimmtheit von Schülern und Schülerinnen führen soll. Dazu gehe ich auf folgende Punkte ein:

1. Begriffserklärung Schule

Zu Beginn werde ich den Begriff Schule nach meiner Vorstellung erklären.

Die Institution Schule bedeutet für mich vor allem Frontalunterricht, Strukturiertheit und ein Stück weit Gehorsamkeit, dabei dominiert der Lehrer den Unterricht, leitet und wählt eigenständig Themen zur Bearbeitung aus. Hierbei steht der Aspekt der Fremdbestimmung im Vordergrund, da die Schüler und Schülerinnen kaum mitbestimmen können, wie und was sie lernen müssen und da der Erwerb von Wissen und nicht die Selbstbestimmtheit der SchülerInnen primär im Fokus steht.

2. Heitgers Bildungsgedanken in Grundzügen

Im Folgenden werde ich kurz einen groben Überblick von Heitgers Verständnis von Selbstbestimmung geben, dazu führe ich ein eigenes Beispiel an, welches den Inhalt der Selbstbestimmung in Bezug auf die Schule verdeutlichen soll und das als Einstieg in meine Hausarbeit dienen soll, um den Grundgeanken Heitgers darzustellen.

Heitger stellt in seiner weiterentwickelten Bildungstheorie, im Gegensatz zu Institution Schule den Fokus auf Selbstbestimmung. Dies bedeutet, Schüler und Schülerinnen aus eigenen Interesse Themen und Problematiken erkennen und auswählen sollen, welche sie für ihren Wissenserwerb benötigen. Für 'ihren Wissenserwerb' soll bedeuten, dass nach Heitger jeder Schüler und Schülerin selbst bestimmen kann was er begreifen möchte und wofür er sich interessiert. Desweiteren ist bei Heitger das Ziel die Selbstbestimmung der SchülerInnen. Beispielsweise interessiert sich Schüler oder Schülerin A mehr für Mechanik und Autos, Schüler oder Schülerin B mehr für die Natur und die Flora und Fauna. Hierzu ein Beispiel für eine Sachunterrichtsstunde. Schüler oder Schülerin B steht draußen auf einer Frühlingswiese und bemerkt, dass die Blätter des Baumes langsam wieder anfangen grün zu werden. Dieser Schüler oder die Schülerin fragt sich nun wieso dies so ist und warum die Blätter des Baumes nicht einfach immer grün sind, sondern im Herbst anfangen abzufallen um dann wieder, ein paar Monate später, grün zu werden. Mit dieser Frage geht er zu der Lehrerin oder sonst einer Person, welche ihm weiterhelfen kann und bittet um Hilfe, um dieses Phänomen zu verstehen. Die Lehrerin fragt nun weiter nach, was er denn in der Zeit draußen beobachten kann. Der Schüler oder die Schülerin kommt auf die Antwort, das Licht, die Sonne und die Temperaturen eine Rolle spielen. Die Lehrerin erklärt darauf den Sachverhalt der Fotosynthese. An diesem Beispiel ist erkennbar, dass die Frage des Schülers aus ihn selbst heraus entsteht und der Lehrer nur als Hilfesteller beziehungsweise Begleiter des Lernens für den Schüler fungiert. Hier steht dann der Aspekt der Selbstbestimmung im Vordergrund, da der Schüler oder die Schülerin zu einer Problematik mehr erfahren möchte und sich damit an den Lehrer wendet. Das Beispiel soll auf zeigen, dass nach Heitger der Wille nach Wissen aus einem Schüler und einer Schülerin selbst heraus enstehen soll und dieser nicht durch ein Lehrer fremdbestimmt wird, in dem die LehrerIn Sachverhalte nur vorgibt.

Anschließend an das Beispiel werde ich nun meine Position zu dem Überbegriff Selbstbestimmung in Verbindung mit der Institution Schule offen legen.

Diese Überlegung von Heitger finde ich sehr gut, da die Schüler und Schülerinnen durch Selbstbestimmung einen weiteren Blick für Sachverhalte und Phänomene bekommen. Dagegen wird in einer 'klassischen' Unterrichtsstunde Fotosynthese einfach von der Lehrkraft vorgegeben und behandelt, ohne groß auf die Relevanz für die Schüler und Schülerinnen einzugehen, sowie selbst Verantwortung für das zu Lernenden und ihr Wissen zu übernehmen. Jedoch finde ich es nicht gut, wenn SchülerInnen diese Freiheit zur Selbstbestimmung ausnutzen, damit sie nichts lernen und/oder wissen müssen.

3. Einfluss des Lehrplans und die Unterscheidung in offiziellen und heimlichen Lehrplan unter den selbstbestimmenden Aspekt Heitgers

Im Anschluss an dem Überblick über Heitgers Bildungstheorie, welche Selbstbestimmung als Ziel des Unterrichtens sieht, werde ich den Einfluss des Lehrplans anfügen. Zunächst stelle ich allgemein meine Vorstellung zu einem Lehrplan vor. Anschließend werde ich zwischen offiziellen und heimlichen Lehrplan unterscheiden, dies soll aufzeigen, inwiefern Selbstbestimmung und Fremdbestimmung durch einen Lehrplan herbeigeführt werden kann. Da der Lehrplan den Lehrern und somit auch den Schülern und den Schülerinnen vorgibt was sie Lernen sollen, dies jedoch nicht zu den Vorstellungen Heitgers in Bezug auf die Selbstbestimmung passt, erachte ich diesen Aspekt als wichtig.

Nach Heitger sollten dann die SchülerInnen nicht in einen anderen Bereich des Wissens gezwungen werden, zum Beispiel nur weil es im Lehrplan steht. In meinem Verständnis ist die curriculare Vorgabe des jeweiligen Kultusministeriums der Länder für das Planen und die Gestaltung einer Lehr - Lernsequenz nur dann sinnvoll, wenn es auch auf die Interessen und Spezifika der einzelnen SchülerInnen zugeschnitten ist. Derzeit werden Lehrpläne jedoch für die Allgemeinheit der SchülerInnen entworfen. Ws gibt wenig Platz für Anregungen und Ideen von seiten der SchülerInnen oder LehrerInnen, da jeder Lehrpunkt in einem bestimmten Zeitfenster abzuarbeiten ist. Aus diesem Grund bleibt meist die Chance von Selbstbestimmtheit für die SchülerInnen verwehrt. Die Schule bietet den SchülerInnen somit keinen Raum Erfahrungen mit selbstbestimmten Entscheidungen und Neigungen zu machen.

Nun folgt der heimliche und offizielle Lehrplan:

Ein offizieller Lehrplan ist dieser, welcher vorgegeben und vorhanden ist, sich auf Lehr- und Lernprozesse beschränkt, für jeden Lehrer zugänglich ist und von diesem auch umzusetzen gilt. Dieser Lehrplan enthält Aufgaben und Anweisungen für den Lehrer, wie er seinen Unterricht gestalten soll und welche Themen behandelt werden sollen. Dies zeigt den Aspekt der Fremdbestimmung, da der offizielle Lehrplan Themen vorgibt und es somit keine Entscheidungsfreiheit von Seiten der Lehrer und SchülerInnen für die Auswahl von Inhalten gibt.

Dagegen ist ein heimlicher Lehrplan dieser, welcher nicht für jeden Lehrer gleich ist, da er nicht fest geschrieben ist und von jedem Lehrer unbewusst oder auch bewusst entworfen wird. Dieser Lehrplan enthält dann die subjektiven Vorstellungen eines Lehrers, in wie weit er die SchülerInnen begleiten möchte, fördern oder helfen möchte und in welcher Art und Weise gelehrt wird, im Allgemeinen was dieser unter seinen Lehrauftrag versteht. Der Lehrer verfolgt mit seinen 'heimlichen' Lehrplan Ziele, welche er selbst als wichtig für einen Schüler oder Schülerin erachtet. Dabei besteht keine Eingrenzung oder Beschränkung, welche Ziele verfolgt werden. Der heimliche Lehrplan verfolgt durch die gegebene Entscheidungsfreiheit einen Grad an Selbstbestimmung für die Schüler, da der Lehrer nicht gezwungen ist den SchülerInnen als vorgeben zu müssen.

Schülerinnen und Schüler profetieren von dem heimlichen Lehrplan, da der Lehrer oder die Lehrerin einen Spielraum haben, in welcher Art und Weise sie unterrichten. Somit haben die SchülerInnen die Chance miteintscheiden zu können welche Bereiche und Themen sie erlernen möchten. Sie können durch diese Möglichkeit selbstbestimmt Entscheidungen treffen.

Bei einem offizellen Lehrplan hat der Lehrer oder die Lehrerin keinen Spielraum, welche Themen im Unterricht behandelt werden und aus diesem Grund haben auch die SchülerInnen nicht die Chance die Auswahl von Themen selbst bestimmen zu können. Hier wird ein Zusammenhang zwischen Lehrer und SchülerInnen deutlich, denn besteht die Möglichkeit bei den Lehrern selbstbestimmen zu können und den Unterricht selbst gestalten zu können, so wird es den Schülern auch einfacherer bei dem Unterricht mit wirken zu können um somit das Treffen von selbstbestimmten Entscheidungen im Unterricht zu erlernen und damit Erfahrungen zu machen. Der offizielle Lehrplan unterstreicht die Fremdbestimmung, da der Lernstoff für die Kinder vorgegeben ist und das Ziel der Selbstbestimmung nicht im Vordergrund steht, sondern das Erlernen von vorgegebenen Sachverhalten.

Der heimliche Lehrplan unterstreicht dagegen die Selbstbestimmung, da die Lehrkraft einen Spielraum hat die Kinder entscheiden zu lassen über Themen, in welchen sie Wissen erlangen möchten und die Lehrkraft Zeit hat Neugier und Wissenslust entwickeln und selbst von den SchülerInnen konstruieren zu lassen.

Somit unterstützt der offizielle Lehrplan die Fremdbestimmung und der heimliche Lehrplan die Selbstbestimmung in einer Schule.

4. LehrerIn als Impulsgeber

Meiner Meinung nach ist auf jeden Fall ein Impulsgeber notwendig, der auf bestimmte Sachverhalte hinweist, welche die Schüler nicht sehen oder noch nicht kennen, jedoch ohne alles dabei vorgeben zu müssen. Dazu äußert sich Heitger wie folgt: „ Lehren ist Appell an die Vernunft, verbunden mit dem Angebot, bei Schwierigkeiten zu helfen, Scheinargumente zu entlarven, Fehlurteile zu vermeiden. Das Lehren ist grundsätzlich verpflichtet, sich an die zu entfaltende Vernunft des Lernenden zu wenden. Diese Form der Interaktion steht unter dem Prinzip des Dialogischen.“ ( Böhm/ Ladenthin 2004, S. 25).

Im Folgenden werde ich Heitgers Position interpretieren.

Heitger drückt dabei aus, dass auch dem LehrerInnen Eingriffe vorbehalten sind, falls ein Schüler oder eine Schülerin selbst keine Neugier oder keine Neigung gegenüber einem Gebiet entwickeln konnte und deshalb sich aufgrund der vorherrschenden Freiheit, dank der selbst bestimmenden Aspekte, sich jeglicher Wissensaufnahme und Bildung entziehen kann. Die Lehrperson stellt dann den Impulsgeber dar. Dieser versucht den Zögling für ein Thema zu begeistern, in dem er Anregungen in Form von Fragen, Deutungen oder dem Aufzeigen von Phänomenen gibt. Der Lehrer oder die Lehrerin besitzt einen vorausschauenden Blick, da er die Notwendigkeit des Wissens begriffen hat und weiß, dass man für das Leben Kenntnisse braucht. Aus diesem Grund ist meiner Meinung nach der Lehrer in der Lage den Impulsgeber für den Schüler oder die Schülerin darzustellen. Allerdings in was und wie präzise dieses Wissen ist, kann und sollte ein Mensch selbstständig entscheiden können. Zusammenfassend für diesen Absatz lässt sich sagen, dass auch nach Heitger die Lehrperson für ein richtungsweisendes Denken bei dem Schüler oder der Schülerin sorgt. Hierbei wird ersichtlich, dass sich Selbstbestimmung und Fremdbestimmung gut ergänzen können und beide Aspekte auch in der Schule sinnvoll zu einander passen. Bei diesen Absatz sollte gezeigt werden, dass Selbstbestimmung zwar bedeutet das der Schüler oder die Schülerin selbst entscheiden kann was und wie er lernen möchte, jedoch auch ein gewisser Grad von Fremdbestimmung, wie hier den Lehrer oder die Lehrerin als Impusgeber wahrzunehmen, auf die Selbstbestimmung positiv einwirken kann, in dem er den Schüler oder der Schülerin einen neuen Blickwinkel auf Sachverhalte aufzeigt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Marian Heitger. Die Institution Schule zwischen Selbstbestimmung und Fremdbestimmung
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V1042582
ISBN (eBook)
9783346463913
ISBN (Buch)
9783346463920
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marian Heitgar, Insitution Schule, Selbstbestimmung, Fremdbestimmung, selbstbestimmende Aspekte, heimlicher Lehrplan
Arbeit zitieren
Franziska Lax (Autor:in), 2017, Marian Heitger. Die Institution Schule zwischen Selbstbestimmung und Fremdbestimmung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1042582

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