Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern das Aufkommen von mobilen Medien, insbesondere das Mobiltelefon, zu Veränderungen in der individuellen und interpersonalen Kommunikation geführt hat.
In einem ersten Teil (Kapitel zwei) wird als Einstieg auf die äußeren Veränderungen eingegangen, welche die mobile Mediennutzung vorangetrieben haben und mit der Entwicklung der vermehrten Nutzung und den Veränderungen in der Kommunikation zusammenhängen. Dieses Kapitel hilft beim Verständnis, weshalb und wie sich Mobiltelefone im sozialen System durchsetzen. Diese Einleitungskapitel bilden die Basis für den Hauptteil der Arbeit (Kapitel drei). In diesem Kapitel wird auf diverse in der Forschung diskutierte Bereiche eingegangen, welche zu Veränderungen in der individuellen und interpersonalen Kommunikation herbeigeführt haben. Im vierten Kapitel werden die Befunde zusammengefasst und erlauben eine Beantwortung der im Anfang dieses Abschnittes erwähnten Forschungsfrage.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Fragestellung
2 Fokus auf die äusseren Veränderungen
2.1 Einführung und Verbreitung von Innovationen in einem sozialen System
2.2 Die Mobilisierung und mobile Mediennutzung
2.3 Reflexive Moderne
3 Rolle des Mobiltelefons auf ein Individuum
3.1 Von der Koordination des Alltags zur geteilten Aufmerksamkeit
3.2 Verlust der Sozialkompetenzen durch die Allgegenwärtigkeit
3.3 Kommunikationsoptionen und der Umgang im öffentlichen Raum
3.4 Fehlende Wahrnehmbarkeit und Verarmung der Kommunikation
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das Mobiltelefon als mobiles Medium die individuelle und interpersonale Kommunikation transformiert hat, eingebettet in die Basistheorie der Cultural Studies.
- Prozesse der Innovation und Adoptionsmechanismen in sozialen Systemen.
- Auswirkungen der ständigen Verfügbarkeit auf die Alltagsstruktur und Zeitwahrnehmung.
- Veränderungen sozialer Kompetenzen durch mediatisierte Kommunikation.
- Spannungsfeld zwischen privater Erreichbarkeit und öffentlicher Kommunikationsordnung.
- Kommunikative Verarmung durch den Verlust non-verbaler Ausdrucksmittel.
Auszug aus dem Buch
3.2 Verlust von Sozialkompetenzen durch die Allgegenwärtigkeit
Das Mobiltelefon ist im Alltag heute allgegenwärtig, was den Begriff „Interspace“ hervorgebracht hat. Mit Interspace ist der „Zwischen-Raum“ gemeint, welcher sich zwischen den Räumen Arbeitsplatz, Wohnung und sozialen Aktivitäten befindet. Es handelt sich allerdings nicht um eine Übergangszone zwischen zwei Ereignissen, sondern um einen soziomateriellen Raum (vgl. Hulme & Truch, 2006, 162). Der soziomaterielle Raum wird von Hulme und Truch als ein Raum beschrieben, „in dem sich sehr komplexe Prozesse abspielen, die in erster Linie mit Organisation und Verhandlungen zwischen den Grenzen der umgebenden Felder zu tun haben“ (Hulme & Truch, 2006, 162). Das Mobiltelefon ermöglicht in dieser Phase von einem Aktivitätsfeld in das Nächste, die Kommunikation mit nichtanwesenden Personen und gestaltet somit die Zeit des Unterwegsseins in eine aktive und produktive Zeit (vgl. Höflich, 2014, 40).
Die bereits erwähnte beschleunigte Alltagskultur (Kapitel 2.2 und 3.1) führt dazu, dass Stillstände und Wartezeiten als „tote Zeit“ angesehen werden – das Warten ist meist eine unliebsame Unterbrechung von individuellen Aktivitäten (vgl. Gasparini, 1995, 31). Mit dem Mobiltelefon können diese Zwischenzeiten mit Bedeutung respektive Unterhaltung gefüllt werden, häufig geht es aber besonders darum, Einsamkeit im öffentlichen Raum, das Alleinsein mit sich und seinen Gedanken, zu vermeiden (vgl. Heiden, 2003, 110; Katz, 2006, 200).
Die Verwendung des Mobiltelefons besonders in diesen Zwischenräumen, passt zum Bedürfnis, eventuelle traumatische Erfahrungen in fremden Umgebungen, wie beispielweise eine Auseinandersetzung mit einem Dritten in der Öffentlichkeit, zu mildern, indem man in engem Kontakt zu seiner Familie und Freunden bleibt. Das Mobiltelefon wird aufgrund der Verfügbarkeit eines permanenten Kommunikationskanals auch als „Nabelschnur“ gesehen, weil Eltern und Kinder konstant miteinander in Verbindung bleiben können (vgl. Ling, 2004, 48). Dies kann zu einer Art „kindlicher“ Abhängigkeit führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Fragestellung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas ein und verankert die Forschungsfrage theoretisch in den Cultural Studies.
2 Fokus auf die äusseren Veränderungen: Dieses Kapitel erläutert, wie Innovationen in soziale Systeme diffundieren und die mobile Mediennutzung sowie die Reflexive Moderne den Kontext für Medienveränderungen bilden.
3 Rolle des Mobiltelefons auf ein Individuum: Der Hauptteil analysiert, wie Mobiltelefone die Koordination des Alltags, Sozialkompetenzen, Kommunikationsstrategien im öffentlichen Raum und die Qualität der zwischenmenschlichen Kommunikation beeinflussen.
4 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die Befunde und verdeutlicht das ambivalente Potenzial mobiler Medien zwischen Verbindung und kommunikativer Verarmung.
Schlüsselwörter
Mobiltelefon, mobiles Medium, interpersonale Kommunikation, Alltagskoordination, Mikrokoordination, Hyperkoordination, Reflexive Moderne, soziale Identität, Mediennutzung, Kommunikationsoptionen, Inattentional Blindness, kommunikative Verarmung, Cultural Studies, soziale Kompetenzen, Mediatisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Mobiltelefonen auf die Art und Weise, wie Menschen individuell und miteinander kommunizieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Dazu gehören die Dynamik der Innovationsverbreitung, die Veränderung der Alltagsstruktur durch mobile Medien sowie die Auswirkungen auf soziale Kompetenzen und zwischenmenschliche Beziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu beantworten, inwiefern die Etablierung mobiler Medien zu einer Transformation individueller und interpersonalen Kommunikationsmuster geführt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoriegeleiteten Ansatz basierend auf den Cultural Studies, um mediale Aneignungs- und Wirkungsprozesse zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil fokussiert auf die Rolle des Mobiltelefons für das Individuum, unterteilt in Themen wie Alltags-Koordination, den Umgang mit Öffentlichkeit und die Folgen einer „kommunikativen Verarmung“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders über Begriffe wie „Mikrokoordination“, „Interspace“, „kommunikative Verarmung“ und „Mediatisierung“ definieren.
Was versteht die Autorin unter der „Nabelschnur“-Funktion?
Dies beschreibt die ständige Verfügbarkeit des Mobiltelefons als permanenten Kommunikationskanal, der Eltern und Kinder oder Freunde in Verbindung hält und so eine Art abhängige Sicherheit vermittelt.
Warum kann das Mobiltelefon die Sozialkompetenzen beeinflussen?
Weil das Gerät in öffentlichen Räumen als Ausweg aus sozialen Begegnungen genutzt wird, wodurch Individuen seltener üben, sich auf fremde Gesprächssituationen einzulassen.
- Arbeit zitieren
- Selma Ramos (Autor:in), 2021, Das Aufkommen des Mobiltelefons als mobiles Medium. Wie hat sich individuelle und interpersonalen Kommunikation verändert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1042600