In dieser Seminararbeit geht es um die Architektur des 19. Jahrhunderts in Hinblick auf den Historismus und den Neuerungen der Architektur der Moderne. Im Besonderen wird hier auf die neuen Materialien und Konstruktionen eingegangen, die durch die Moderne möglich wurden, und die dadurch neu entstandenen Bauaufgaben.
Die Architektur im 19. Jahrhundert erfuhr einen großen Wandel. Zum einen gab es den Historismus mit seiner in der Vergangenheit orientierten Tendenz und zum anderen kam es zu einer neuen Orientierung, einer Modernen. Das wurde nicht zuletzt durch das Fortschreiten der Industrialisierung möglich. Es kam zur Entwicklung neuer Konstruktionen, deren Entstehung Großteiles nur durch neu entwickelte Materialien, wie etwa Stahlbeton oder Gusseisen, möglich wurden. Diese neuen Konstruktionstechniken und Materialien kamen dann sowohl im traditionellen Monumentalbau als schließlich auch in neuen Bauaufgaben, wie Bahnhöfe, Brücken, Industrie- oder Ausstellungshallen, Gewächshäusern oder auch Hochhäusern zum Einsatz. Neben dem Beruf des Architekten kam dann auch der Beruf des Ingenieurs auf, der den Ingenieurbau mit sich brachte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Veränderung der Architektur im 19. Jh.
3. Das neue Material Eisen und seine Entwicklung
4. Verwendung der neuen Materialien und Konstruktionen
4.1 Bahnhöfe und Brücken
4.2 Gewächshäuser
4.3 Ausstellungshallen
5. Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den tiefgreifenden Wandel der Architektur im 19. Jahrhundert, der maßgeblich durch die industrielle Revolution und die Einführung neuer Baumaterialien wie Eisen, Stahl und Glas geprägt wurde. Im Fokus steht dabei die Auseinandersetzung zwischen der historisierenden Formensprache und den funktionalen Anforderungen moderner Ingenieursbauten.
- Die Auswirkungen der industriellen Revolution auf die architektonische Gestaltung und das Bauwesen.
- Die Entwicklung und Bedeutung von Eisen, Stahl und Glas als innovative Konstruktionsmaterialien.
- Der architektonische Konflikt zwischen historisierenden Traditionen und funktionalistischem Ingenieursbau.
- Anwendungsbeispiele für neue Baustrukturen in Bahnhöfen, Brücken, Gewächshäusern und Ausstellungshallen.
- Die Rolle der Vorfertigung und die Entstehung neuer technischer Berechnungsmethoden in der Baukonstruktion.
Auszug aus dem Buch
3. Das neue Material Eisen und seine Entwicklung
Die technischen Veränderungen durch die industrielle Revolution erschienen in der Architektur vor allem in der Form des Eisenbaus. Das neue architektonische Erscheinungsbild war maßgeblich an das neue Material gebunden. „Dem Eisen ist das Los zugefallen, einen Umsturz in der Architektur herbeizuführen und neue, originale, moderne Formen hervorzubringen, die wahrscheinlich auch einen neuen Stil erzeugen werden.“
Einige Architekten des 19. Jahrhunderts schrieben dem Eisen allerdings eine viel unwichtigere Bedeutung zu. Architekten wie John Ruskin (1819-1900), Gottfried Semper und Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) hielten das Eisen für untauglich eigene und vollwertige Stilformen zu entwickeln, wegen der dürftigen Massigkeit. Sie meinten, Bauwerke würden mit der Zuhilfenahme von Eisen nicht mehr Architektur sein.
Diese Klage galt für die gesamte Industriearchitektur. Nun standen funktionale Aspekte im Vordergrund und Ornamente und Stilformen historischer Vorbilder verwendeten die Architekten nur mehr an den Abschnitten, die der Öffentlichkeit sichtbar war, zum Beispiel an den Fassaden, wie es in der Bibliothek Sainte-Geneviève (Abb. 3, Abb. 4, Abb. 5 und Abb. 6) von Henri Labrouste (1801-1875) in Paris der Fall ist. Dieses Bauwerk entstand in den Jahren zwischen 1843 und 1851 und ist ein Schlüsselwerk für den Eisenskelettbau und dessen Entwicklung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den architektonischen Wandel des 19. Jahrhunderts zwischen Historismus und Moderne unter dem Einfluss der Industrialisierung.
2. Die Veränderung der Architektur im 19. Jh.: Dieses Kapitel beschreibt die gesellschaftlichen und technischen Umbrüche, die zur Architektur des Historismus und zum gleichzeitigen Aufstieg des Ingenieurbaus führten.
3. Das neue Material Eisen und seine Entwicklung: Der Abschnitt analysiert die Einführung von Eisen als zentrales Baumaterial und die daraus resultierende Revolution der Baukonstruktionen.
4. Verwendung der neuen Materialien und Konstruktionen: Hier wird die praktische Anwendung moderner Materialien in den Bereichen Bahnhöfe, Brücken, Gewächshäuser und Ausstellungshallen detailliert betrachtet.
5. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, wie durch neue Materialien und Methoden der Übergang der Architektur in die Moderne vollzogen wurde.
Schlüsselwörter
Architekturgeschichte, 19. Jahrhundert, Industrielle Revolution, Historismus, Ingenieursbau, Eisenbau, Stahlbeton, Glas, Bahnhöfe, Brückenbau, Gewächshäuser, Weltausstellung, Crystal Palace, Baukonstruktion, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den architektonischen Wandel im 19. Jahrhundert, der durch den Einsatz neuer Materialien wie Eisen und Glas sowie durch den Einfluss der industriellen Revolution geprägt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der Konflikt zwischen historisierender Architektur und technischem Fortschritt, die Entwicklung neuer Baustoffe und die Entstehung spezifischer Bautypen wie Bahnhöfe und Ausstellungshallen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie neue Materialien und Konstruktionsweisen das Verhältnis von Form und Funktion in der Architektur grundlegend verändert haben.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin verwendet eine deskriptive und analysierende Methode, gestützt durch Fachliteratur und historische Fallbeispiele bedeutender Bauwerke des 19. Jahrhunderts.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Eisen als Baumaterial sowie die Anwendung dieser Technik in Bahnhöfen, Brücken, Gewächshäusern und bei Weltausstellungsgebäuden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Architekturgeschichte, Historismus, Eisenbau, industrielle Revolution und Moderne charakterisiert.
Warum galt Eisen von vielen Architekten des 19. Jahrhunderts als ungeeignetes Material?
Architekten wie Semper oder Schinkel sahen im Eisen aufgrund seiner "dürftigen Massigkeit" eine mangelnde Fähigkeit, vollwertige und ästhetische Stilformen zu entwickeln.
Inwiefern stellt der Crystal Palace von Joseph Paxton eine Zäsur in der Baugeschichte dar?
Der Crystal Palace war ein Vorbote moderner Industriearchitektur, da er als weltweit erstes großes Gebäude konsequent auf die Vorfertigung von Einzelteilen aus Eisen und Glas setzte.
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- Anna Gallmetzer (Author), 2019, Neue Materialien und Konstruktionen in der Architektur des 19. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1042878