Daphnis und Chloe - eine antike Liebesgeschichte


Hausarbeit, 2003

17 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Gliederung

1. Die Götterwelt der Griechen

2. Die Geschichte von Daphnis und Chloe

3. Interpretation oder: was sagt uns das über die Liebe?
Wie entsteht und entwickelt sich die Liebe?
Was begleitet die Liebe, welche Symbolik wird verwendet?
Wie ist das Verhältnis von Äußerlichkeit/Innerlichkeit?
Wer trifft Entscheidungen? Wie werden sie getroffen?
Gibt es eine Verbindung von Liebe und Tod?
Wie sehen sich die Liebenden? Wie sich selbst? Wie andere?
Wie stehen andere zu ihnen/wie sind sie eingebettet in sozialen Kontext?
Welche Rolle spielen sittlich-moralische Aspekte?
Welche Konflikte, Beschränkungen und Gefahren drohen der Liebe?
Wie werden Konflikte gelöst? Welche Rolle spielen die Götter?
Was sagt uns die Geschichte?

4. Die psychologische Sicht
Welches Verständnis von Liebe gibt es heute in der wissenschaftlichen Rezeption?
Was hat Longos Verständnis von Liebe mit unserem heutigen Verständnis zu tun?

5. Literaturverzeichnis

6. Bildverzeichnis

7. Musikverzeichnis

8. Anhang

1. Die Götterwelt der Griechen

Der Roman „Daphnis und Chloe“ von Longos entstand Vermutungen zufolge im 2.Jh.n.Chr. Um in diese uns fremde Welt eintauchen zu können bedarf es einiger Vorkenntnisse.

Die griechische Kultur kannte eine riesige Mythen- und Sagenwelt, in der Götter und Menschen beständig interagierten. Menschen konnten sich gelegentlich wie Götter verhalten, Götter hatten zuweilen menschlichen Schwächen. Die beiden Welten waren eng verwebt. Jeder Gott hatte ein bestimmtes Gebiet, in dem er vorrangig wirkte. Götter wurden verehrt und gewürdigt, die Menschen erwarteten dafür jedoch ebenso ihre Hilfe in verschiedenen Situationen ihres Lebens. Auch in „Daphnis und Chloe“ tauchen verschiedene Götter und Gottheiten auf und greifen an entscheidenden Punkten in die Geschichte ein.

Longos Roman hat einzig die Liebe zum Thema. Alles andere wird dem untergeordnet und hat schmückende oder ergänzende Funktion. Dies ist für unser Bild der griechischen Kultur, das bestimmt ist von Tragödie, Mythos und der Polis, dem demokratischen Stadtstaat, ungewöhnlich. Im ausgehenden Hellenismus zerfällt die Gesellschaftsform der Polis jedoch bereits. Das gesellschaftliche Pflichtgefühl tritt zurück und die Bürger kehren sich allmählich vom Öffentlichen ins Private. Persönliches Glück und damit die Liebe werden bedeutsamer. So war die Grundlage, Liebesromane zu lesen und zu verbreiten, gelegt. Dennoch bedurfte es zunächst einiger anderer Dichter, die die Liebe thematisierten, bevor Longos sie in solcher Ausschließlichkeit, Sinnlichkeit und Offenheit darlegen konnte wie er es hier getan hat.

Im Zentrum der Geschichte stehen Daphnis und Chloe, zwei Hirten die auf Lesbos, der drittgrößten Insel Griechenlands, leben.

Der Hirte steht im antiken griechischem Verständnis für Ursprüngliches und Lebendigkeit und stellt eine Urform menschlicher Existenz dar.

Daphnis bedeutet „Lorbeer“. Sein Vorbild, der mythische Daphnis, wurde als Säugling von Hermes und einer Nymphe in einem Lorbeerhain ausgesetzt und von den Nymphen erzogen. Auch er wurde ein Hirte und lebte im Gefolge einiger Götter.

Chloe heißt zunächst „junge Saat, junges Mädchen“; ist aber ebenfalls der Beiname der Erd- und Muttergöttin Demeter.

Wichtige Göttergestalten im Roman sind Eros, Pan und die Nymphen.

Eros ist der Gott der Liebe, Sohn von Aphrodite und dem Kriegsgott Ares. Er wird seit hellenistischer Zeit als geflügelter Bogenschütze dargestellt.

Pan ist der griechische Gott des Waldes und der Weiden sowie der Schutzgott der Hirten und Herden. Er ist ein Mischwesen aus Mensch und Ziegenbock. In der griechischen Sage verschmähte die Nymphe Syrinx die Liebe Pans, da er weder ganz Mensch noch ganz Tier war. Auf der Flucht vor ihm wurde sie in Schilfrohr verwandelt. Pan fertigte aus dem Rohr mit Hilfe von Wachs die nach der Syrinx benannte Hirtenflöte. Wir kennen sie heute als Panflöte. Nymphen sind Naturgottheiten, vergleichbar unsere Elfen oder Elben, die Meere, Quellen, Bäche und Wälder bewohnen.

2. Die Geschichte von Daphnis und Chloe

Longos erzählt auf metaphorische, idyllische, aber auch naive Weise die Liebesgeschichte von Daphnis und Chloe. Süßlichkeit und Sinnlichkeit der Darstellung wechselt dabei mit einfacher Erzählung. Die zarte Bildhaftigkeit der Sprache lässt ein Gefühl der Harmonie und Ruhe aufkommen. Es wird eine perfekte Liebe von den Göttern Eros, Pan und den Nymphen initiiert.

Zwei Kinder werden zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten ausgesetzt. Sie sind mit Schmuck bestückt, was auf eine bessere Herkunft schließen lässt.

Der Junge wird von Lamon, einem Ziegenhirten, aufgenommen und Daphnis genannt.

Zwei Jahre später wird das Mädchen von Dryas, einem Schafhirten, gefunden. Er nimmt sie mit und nennt sie Chloe. Beide wachsen als Sklaven eines Gutsbesitzers auf und übernehmen später die Herde ihrer Eltern. Sie verlieben sich ineinander als Chloe dreizehn, Daphnis fünfzehn Jahre alt ist. Ihre Liebe scheint so vollkommen, dass sie nie in Zweifel gerät. Bei Gefahr der Trennung helfen ihnen die Götter oder andere Figuren. Sie sind Passive ihrer Liebe und müssen nicht für sie kämpfen. Das einzige tatsächliche Problem stellt ihre Heirat dar, da sie Sklaven sind. Am Ende des Romans werden ihre reichen leiblichen Eltern jedoch gefunden und sie können nun heiraten, da sie aus der gleichen sozialen Schicht kommen. Daphnis und Chloe bekommen zwei Kinder und bleiben trotz ihres Standes Hirten.

Der Roman ist in vier Bücher unterteilt, die jeweils dem gleichen Aufbau folgen. Zunächst wird ein Ereignis aus Daphnis Leben und Erleben geschildert, dann eines aus Chloes. Schließlich sieht man beide zusammen. Meist wurde dann ein Problem gelöst oder ein neuer Entwicklungsschritt vollendet. Diese Symmetrie im Aufbau verstärkt den Eindruck von Struktur und Harmonie, den Longos Sprache nahe legt. Zudem werden mythische Sagen in die Geschichte eingebaut, die Daphnis und Chloes Schicksal widerspiegeln. Dieser Parallelismus unterstützt ebenfalls die Ordnung und Klarheit des Romans.

Das zweite und vierte Buch spielt jeweils im Herbst. Er ist als Zeit der Reife entscheidend. Buch zwei handelt demzufolge auch von der Bedeutung des Eros und ist als Einweisung in die Liebeskunst zu verstehen. Buch vier bildet den Höhepunkt der Geschichte. Es wird geheiratet und Daphnis und Chloe verbringen die Hochzeitsnacht gemeinsam.

Der Erzählplot umfasst insgesamt mehrere Jahrzehnte, von der Aussetzung der beiden bis zur Erziehung ihrer eigenen Kinder. Die Kerngeschichte jedoch, vom Verlieben der beiden bis zur Heirat, vollzieht sich in lediglich anderthalb Jahren und nimmt den größten Raum der Erzählung ein. Wichtig ist ebenfalls, dass Daphnis und Chloe nichts von der Liebe wissen. Durch ihre Unwissenheit können sie anfangs ihre Gefühle nicht einordnen und lernen erst im Verlauf der Geschichte, was Liebe ist und wie sie mit ihr umgehen können.

3. Die Interpretation

Wie entsteht und entwickelt sich die Liebe?

Die Grundlage der Liebe bildet die stimmige und harmonische Freundschaft von Daphnis und Chloe. Sie sind zusammen aufgewachsen und kennen sich gut. Es handelt sich nicht um Liebe auf den ersten Blick wie in den meisten griechischen Romanen.

Ihre Liebe füreinander entzündet sich an der Körperlichkeit bzw. an der Wahrnehmung der Körperlichkeit des anderen und der eigenen Physiologie. Sie sind die Indikatoren der Liebe. Chloe sieht Daphnis nackt beim Baden und verliebt sich daraufhin in ihn. Daphnis Liebe wird durch Chloes Kuss nach einem Wettstreit entfacht. Dies ist das erste Registrieren einer Veränderung, eines Stückchen Bewusstseins bezüglich der Liebe. Diese Betonung des Physischen durchzieht den gesamten Roman. Es folgt die Bewunderung für die Schönheit des anderen. Daphnis und Chloe sehen sich nun „mit anderen Augen“ als zuvor.

Die Entwicklung ihrer Liebe verläuft gesund und ruhig, sie hatten bereits als Kinder die Möglichkeit sich gut kennen zu lernen und viel Zeit miteinander zu verbringen. Vermutlich wählte Longos deshalb das Land als Ort der Handlung. In städtischen Verhältnissen wäre diese Geschichte kaum denkbar gewesen.

Wie bereits erwähnt vollziehen sich ihre Entwicklungsschritte dabei weitgehend gleichzeitig.

Der Roman beschreibt somit in gewisser Modellhaftigkeit die Entwicklung von erotischer Unreife oder Nicht-Wissen zu erotischer Reife und Bewusstsein. Chloes und Daphnis völlige Unwissenheit in allen Dingen der Liebe gibt dem Erzähler die Möglichkeit die Entwicklung der Liebe ganz von Beginn an darzustellen. Dabei greift die Belehrung durch die Figuren Philetas (er erklärt den beiden das Wirken und die Macht des Eros) und Lycainion (sie verführt Daphnis) in den natürlichen instinktiven und gedanklich noch nicht eingeordneten Vorgang der Liebe ein und unterscheidet sich dadurch vom Instinkt der Tiere. Ohne diese Belehrung wissen Daphnis und Chloe nichts mit ihren Sehnsüchten und ihrem Begehren anzufangen. Sie bezeichnen die Liebe anfangs daher auch als eine unbekannte Krankheit. Diese Unreife in der Liebe ist vor allem deshalb so hervorstechend, weil Daphnis und Chloe in ihrer sonstigen Entwicklung von Beginn an „fertig“ zu sein scheinen. Ihre Charaktere sind eher statisch, eine geistig-seelische Entwicklung wird nur in Bezug auf die Liebe erkennbar. Doch das Seelische der Liebe ist meist zurückgedrängt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Daphnis und Chloe - eine antike Liebesgeschichte
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Psychologie und Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Liebe und Leid - Interpersonale Beziehungen
Note
sehr gut
Autoren
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V10430
ISBN (eBook)
9783638168564
Dateigröße
3627 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schneidet die drei Fachbereiche Psychologie, Soziologie, Germanistik an (Dozent war Soziologe). Im Anhang sind Bilder im Querformat. Kommentar des Dozenten: als herausragende Leistung mit besonderer Anerkennung akzeptiert. 3,3 MB
Schlagworte
Daphnis, Chloe, Liebesgeschichte, Liebe, Leid, Interpersonale, Beziehungen
Arbeit zitieren
Fanny Jimenez (Autor:in)Josephine Klaembt (Autor:in), 2003, Daphnis und Chloe - eine antike Liebesgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10430

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