Diese Facharbeit befasst sich auf zwölf Seiten mit der Frage, ob es sich bei den Nürnberger Prozessen um eine Form der Siegerjustiz handelte. Hierzu werden die Prozesse zunächst faktisch dargestellt und in den historischen Kontext eingeordnet. Anschließend werden zwei Angeklagte, Karl Dönitz und Hermann Göring, vorgestellt und ihr Prozess sowie ihr jeweiliges Urteil miteinander verglichen, wodurch eine Beurteilung der Fragestellung ermöglicht wird.
Am 20. November 1945 um 10.03 Uhr begann im Schwurgerichtssaal in Nürnberg der Prozess gegen 24 Angeklagte, welche als Hauptkriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs bezeichnet wurden und den Führungsstab des nationalsozialistischen Deutschlands gebildet hatten. Die vier vorgelesenen Anklagepunkte lauteten Verschwörung gegen den Weltfrieden, Planung und Vollstreckung eines Angriffskrieges, Durchführen von einer Vielzahl an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die französische und sowjetische Anklage sah die Todesstrafe für alle Angeklagten vor, England forderte individuelle Strafen, die amerikanischen Ankläger gaben keine klare Empfehlung ab.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Nürnberger Prozesse
Faktische Darstellung
Historische Einordnung
Kritik an den Prozessen
Fallbeispiele
Hermann Göring
Politischer Aufstieg in der NSDAP
Rolle in der NSDAP zur Zeit des Zweiten Weltkrieges
Die Anklage und der Prozess
Das Urteil
Karl Dönitz
Militärischer Aufstieg
Rolle im Zweiten Weltkrieg
Die Anklage und der Prozess
Das Urteil
Vergleich
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Nürnberger Prozesse, um zu klären, ob das Verfahren den Vorwurf einer sogenannten „Siegerjustiz“ rechtfertigt oder ob die Alliierten ein rechtsstaatliches, neutrales Verfahren nach objektiven Normen führten.
- Historische Kontextualisierung des Zweiten Weltkriegs und der NS-Diktatur
- Detaillierte Analyse der Nürnberger Prozesse inklusive Kritikpunkte
- Biografische Fallstudien zu Hermann Göring und Karl Dönitz
- Gegenüberstellung und Bewertung der Urteilsfindungen
- Einordnung der Prozesse als Grundstein des modernen Völkerrechts
Auszug aus dem Buch
Die Nürnberger Prozesse
Die Nürnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher fanden vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 im Justizpalast in Nürnberg statt. Zunächst sprachen sich die meisten Siegermächte für eine Massenexekution aus, so z. B. der britische Premierminister Winston Churchill, der die verbleibenden Angehörigen der NS-Führungsschicht als „vogelfrei“ erklären wollte, oder Josef Stalin, der ein sofortiges Hinrichten der seiner Schätzung nach 50.000 Befehlshaber forderte. Es gelang den USA jedoch, die übrigen Alliierten von einem Prozess unter Einhaltung rechtsstaatlicher Normen zu überzeugen. Dadurch sollte dem deutschen Volk veranschaulicht werden, wie eine Demokratie funktioniert.
Die Siegermächte wollten außerdem zeigen, dass sie nicht dem gesamten Volk die Schuld am Krieg gaben und das gesamte Ausmaß der Grausamkeiten, die unter der Führung Hitlers geschehen waren, sollte offen und transparent dargelegt werden. Man einigte sich daraufhin auf die Personen, gegen die eine Anklage erhoben werden sollte. Darunter waren hochrangige Mitglieder der Wehrmacht, beispielsweise der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Karl Dönitz, einflussreiche Politiker, darunter unter anderem Rudolf Heß und Joachim von Ribbentrop, Funktionäre des Regimes, z. B. der Herausgeber der Zeitung „Der Stürmer“ Julius Streicher und wichtige Wirtschaftsakteure, beispielsweise Gustav Krupp. Insgesamt kamen die Alliierten auf 24 Angeklagte, von denen jedoch nur 21 erschienen. Robert Ley, Leiter der DAF, beging zuvor Selbstmord, Martin Bormann war bereits verstorben und Gustav Krupp war zu schwer erkrankt, um am Prozess teilnehmen zu können. Es war das erste Mal, dass ein solches Verfahren geführt wurde, dementsprechend wurden die Organisatoren vor mehrere Probleme gestellt. Zunächst mangelte es an Beweisen, zwischenzeitlich befürchtete man sogar, dass der Prozess aufgrund der geringen Anzahl an Beweismaterialien nicht stattfinden könne. Alliierte Fahnder suchten in ganz Deutschland nach verwertbarem Material. Als Beweismittel dienten vor allem verschiedenste Dokumente wie Reden, Briefe, Tagebucheinträge, Gesetze, Erklärungen, usw.. Es wurden auch Bilder und Zeugenaussagen aufgeführt, wobei diese letztendlich beim Prozess eine eher unbedeutende Rolle spielten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung nach der Legitimität der Nürnberger Prozesse als mögliches rechtsstaatliches Verfahren oder Siegerjustiz auf und erläutert den Aufbau der Arbeit.
Die Nürnberger Prozesse: Dieses Kapitel liefert eine faktische Darstellung der Prozesse, ordnet sie historisch ein und thematisiert die aufkommende Kritik.
Fallbeispiele: Das Kapitel bietet eine detaillierte Biografie von Hermann Göring und Karl Dönitz, beleuchtet deren Rolle im NS-Regime und analysiert ihre individuellen Anklagen sowie Urteile.
Vergleich: Es erfolgt eine Gegenüberstellung der beiden Fallbeispiele, wobei die Schwere der Schuld und die entsprechende Urteilsfindung kritisch bewertet werden.
Fazit: Das Fazit schließt die Arbeit mit der Schlussfolgerung, dass die Nürnberger Prozesse ein wegweisendes, rechtsstaatliches Verfahren darstellten, das den Grundstein für das moderne Völkerrecht legte.
Schlüsselwörter
Nürnberger Prozesse, Siegerjustiz, Zweiter Weltkrieg, Nationalsozialismus, Hermann Göring, Karl Dönitz, Völkerrecht, Kriegsverbrechen, NS-Führung, Rechtsstaatlichkeit, Justizpalast, Anklage, Urteile, Holocaust, Entnazifizierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den historischen Nürnberger Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs und deren rechtlicher Bewertung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die historische Einordnung der NS-Zeit, der Ablauf der Nürnberger Prozesse sowie eine kritische Analyse des Begriffs der "Siegerjustiz".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Alliierten ein neutrales, rechtsstaatliches Verfahren führten oder ob es sich lediglich um Racheakte der Siegermächte handelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-deskriptive Methode, bei der faktische Informationen, Dokumente und Fallbeispiele ausgewertet und einer vergleichenden Analyse unterzogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine faktische Prozessdarstellung, eine historische Einordnung, eine Kritik am Verfahren sowie eine detaillierte Untersuchung der Angeklagten Hermann Göring und Karl Dönitz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Völkerrecht, Siegerjustiz, Kriegsverbrechen, Nationalsozialismus und der Nürnberger Gerichtshof.
Warum stand der Vorwurf der Siegerjustiz im Raum?
Kritiker bemängelten, dass die Rechtsgrundlagen für die Anklagen erst nach den Vergehen geschaffen wurden und dass die Richter aus den Reihen der Siegermächte stammten.
Wie lautet das Fazit zur Rolle von Hermann Göring und Karl Dönitz?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Todesurteil gegen Göring aufgrund seiner maßgeblichen Rolle bei der Planung des Krieges angemessen war, während die zehnjährige Haftstrafe gegen Dönitz zwar milde erscheint, aber die Objektivität des rechtsstaatlichen Verfahrens unterstreicht.
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- Anonym (Author), 2021, Die Nürnberger Prozesse. Siegerjustiz oder Prozess nach demokratischen Werten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1043185