Der fluvialtile Formenschatz an Rhein und Mosel (Exkursionsbericht)


Hausarbeit, 2001
9 Seiten

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Inhalt

1. Das Rheinische Schiefergebirge - landschafltiche Einordnung

2. Klima und Gewässer

3. Die geologische Genese

4. Boden und Vegetation

5. Geschichte und Stadtwesen

Quellenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Das Tal der in weiten Schleifen fließenden Mosel zählt zu den bedeutendsten Weinbaugebieten in Deutschland.1

EXKURSION

Martin Runkel

MATR. Nr.: 1452764

SoSe 2001

Ergänzung zur Vorlesung : „EINFÜHRUNG IN DIE PHYSIOGEOGRAPHIE II“ VAK-Nr.:08-035

Veranstalter: Prof. Dr. rer.nat. B. ZOLITSCHKA

1.DAS RHEINISCHE SCHIEFERGEBIRGE - LANDSCHAFTLICHE EINORDNUNG

Das Rheinische Schiefergebirge mit Eifel, Hunsrück, Westerwald und Taunus befindet sich größ- tenteils im 1946 gegründeten Bundesland Rheinland-Pfalz und nimmt den wesentlichen Teil des- sen Fläche ein. Der gesamte Raum ist sowohl von Hochflächen, als auch von tiefeingeschnittenen Tälern geprägt, die einen Faltenrumpf aus paläozoischen Tonschiefern, Grauwacken und Quarzi- ten bilden, dessen Sättel und Mulden von Südwesten nach Nordosten verlaufen. Naturräumlich wird das Gebiet in erster Linie durch die Flüsse Mosel, Rhein, Lahn und Nahe gegliedert.

Die Mosel, die hier die Eifel im Nordwesten und den Hunsrück im Südosten trennt, entspringt in den südlichen Vogesen und durchquert das Gebiet in zahlreichen Mäandern, bevor sie nach 545 Kilometer Lauflänge bei Koblenz in den Rhein fließt. Dieser letzte Abschnitt zählt zum berühm- testen Weinanbaugebiet Deutschlands, der mit seinen Talhängen optimale Vorraussetzungen für den Rebenanbau bietet. Durch das mäandrierende braided river system, in dem die Mosel in nordöstliche Richtung fließt, entsteht eine Vielzahl von Prall- und Gleithängen, an denen Wein- und Obstanbau - vor allem an den südexponierten Hängen - betrieben wird. Die zur glazialen Zeit gebildeten Haupt- und Niederterrassen werden aufgrund der sehr nährstoffreichen Parabrau- nerden bevorzugt landwirtschaftlich genutzt. In das aufgeschotterte Sohlental der Mosel münden vereinzelt kleine Flüsse, die sich aufgrund der enormen Reliefenergie als Kerbtäler eingeschnitten haben. Die während der Saale-Eiszeit eingeschnittenen Mittelterrassen sind heute nur noch an den Einmündungen materialführender Flüsse vorhanden. Im übrigen Verlauf sind sie durch fluviale Seitenerosion abgetragen worden. Auf den Resten der Mittelterrassen wurden häufig Burgen ge- baut, da sie optimale Standorte für Zollbarrieren im mittelalterlich zersplitterten Deutschland dar- stellten. Heute werden sie in erster Linie als Hotels oder Ausflugslokale genutzt. Die Hänge stel- len wegen der wärmeaufnehmenden dunklen Schiefer einen günstigen Standort für Pflanzen des mediterranen Raums dar, so daß neben dem Wein Walnüsse und Esskastanien angebaut werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Entnommen aus: DER GROSSE KOSMOS 3D-GLOBUS

2. KLIMA UND GEWÄSSER

Das Klima der Gegend steht unter dem Einfluss gemäßigter, feuchtmilder atlantischer Luftströ- mungen, wobei die Maritimität in den Höhenlagen wesentlich stärker zu Geltung kommt als in den Niederungen. Daraus ergeben sich enorme kleinräumige Unterschiede innerhalb des sommer- feuchten und wintermilden Klimas. Gunstgebiete des Rebbaus sind hier vor allem die sommerli- cher Einstrahlung ausgesetzten, windgeschützten Tieflagen. Die Niederschläge liegen im Jah- resmittel bei 450 bis 600 mm und können in trockenen Jahren so gering sein, dass landwirtschaft- liche Erträge nur auf den Lößböden gesichert sind, die infolge ihres Porenvolumens eine optimale Wasserkapazität haben.

Ganz Rheinland-Pfalz gehört zum Stromgebiet des Rheins, der ein Gesamteinzugsgebiet von 141 000 km² hat. Der rheinland-pfälzische Teil des Mosellaufes misst 232 km. Sie fließt in zahlreichen Mäandern durch die Senke zwischen Hunsrück und Eifel und mündet in Koblenz in den Rhein. Ihr Einzugsgebiet umfasst 29 000 km². Da sie für das lothringische Industriegebiet eine wichtige Verkehrsanbindung darstellt, wurde sie in den sechziger Jahren des letzten Jahrhundert auf der Strecke zwischen Metz und Koblenz mit 14 Staustufen ausgebaut und ist seitdem auch für große Schiffe befahrbar (s.Abb.3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Entnommen aus: Luftbildatlas Rheinland-Pfalz, S. 14

3. DIE GEOLOGISCHE GENESE

Geformt wird das Rheinische Schiefergebirge von den ältesten Steinen, die in Deutschland aus dem Devon (vor 410-360 Mio. Jahre) stammen. Tonschiefer, der heute als begehrtes Baumaterial gilt, Grauwacken und Quarzite sind zu dieser Zeit intensiv gefaltet und später abgetragen worden, als sich durch plattentektonische Bewegungen Afrikas und Europas Spannungen im mitteleuropä- ischen Raum ergaben. Rot- und Spateisensteine sowie Blei-, Zink- und einige Silbererze drangen während der Faltungsvorgänge von magmatischen Tiefenkörpern in die Spalten dieser devoni- schen Schichtung ein. Die daraus hervorgegangenen Erzgänge wurden schon früh erkannt und genutzt, trotzdem ist der Abbau wegen des zu geringen Erzgehaltes in jüngster Zeit eingestellt worden.

Während des nachfolgenden Karbons (vor 360-290 Mio. Jahren) wurden die devonisch abgela- gerten Gesteine aufgefaltet und im anschließenden Perm (Rotliegendes [vor 290 - 270 Mio. Jah- ren]) wieder vollständig abgetragen. Diese hämatithaltigen Gesteine befinden sich heute als gro- be, ungerundete Konglomerate im südlichen Hunsrück. Im Tertiär (vor 66 - 2,5 Mio. Jahren) wurde das Rheinische Schiefergebirge wieder gehoben, wobei es zu Randverwerfungen kam.

Dieser Zeitraum wird auch als die pfälzische Phase der varistischen Faltungsära bezeichnet, in der ein ca. 500 km breiter Faltengürtel vom französischen Faltenplateau über West- und Mittel- deutschland bis in die Sudeten und nach Polen entstand.

Im anschließenden Mesozoikum (vor 270 - 66 Mio. Jahren) wurde der Sockel des Gebirges vom Meer umspült und es flossen bereits frei mäandrierende Flüsse, die sich bei anschließender Ge- birgshebung erodierend tiefer schalteten, wodurch sich die Talmäander von Rhein und Mosel bil- deten. Unter noch teilweise terrestrischen Bedingungen lagerten sich Buntsandsteine ab, denen das Muschelkalkmeer und das Keupermeer folgten. Deren Ablagerungen lassen sich heute in der Trierer Senke finden. Durch pleistozäne Klimaschwankungen in den drei mitteleuropäischen Kaltzeiten kam es zu verstärkt chemischer Verwitterung, der Solifluktionsvorgänge folgten und die Aufschotterung der Täler vorantrieben. Die materialbedingte Seitenerosion der Flüsse wurde in den zwischenliegenden Warmzeiten durch vegetationsbedingt verminderten Abtrag verringert, so dass die Fließenergie für die Tiefenerosion zur Verfügung stand und eine konzentrierte Ein- schneidung möglich wurde. Die sich wiederholden Klimawechsel formten Haupt-, Mittel- und Niederterrassen.

In der Rückzugsphase des Meeres kam es partiell zur Bildung einzelner Salzseen, in denen sich Tone ablagern konnten.

Die Einschneidung des Rheines während der Hebungsphase wurde dadurch ermöglicht, dass sich der aus den Alpen kommende Fluss vor dem Mainzer Becken enorm verschmälert und dadurch ausreichende Energie zu Querung der Gebirgsschwelle in einem antezedenten Durchbruchstal hatte.

Ein epigenetisches Durchbruchstal lässt sich an der Nahe bei Bad Kreuznach ausmachen, wo der Fluss innerhalb eines Sohlentals frei mäandriert und sich bis zum verwitterungsresistenten Ge- stein einschnitt. Das dabei freigelegte effusiv-vulkanische Pyrolit, einer Mischung aus Dunit und Basalt, formt am 327 m hohen Roten Fels die steilste Felswand nördlich der Alpen.

Im zentralen Hunsrück lassen sich weitere Stufenformationen ausmachen. Der hier vertretene Taunusquarzit, der im Karbon gefaltet wurde, ist anschliessend metamorph überformt worden, so dass nur noch der verwitterungsresistente Quarzit stehenblieb. Unterhalb dieser Härtlingsflächen entwickelten sich die nur noch rudimentär vorhandenen Rumpfflächen, die sich im semiariden Klima des Tertiärs bei stark flächigem Abfluss durch physikalische Verwitterungsprodukte bilde- ten. Nach der anschliessenden Hebung des Gebirges wurden diese als Pedimente in den Tälern abgelagert, und machen die heutigen Trogflächen aus. Erst nach der massiven Hebung des Schie- fergebirges im Quartär konnten die Flüsse tiefenerosiv wirksam werden und durch kaltzeitliche Einflüsse die Terrassen herauspräparieren.

Vom Erbeskopf, der höchsten Erhebung des Hunsrück (817 m), der im Zentrum eines solchen Härtlingsrückens steht, lässt sich die Abfolge dieser Höhenniveaus mit dem vorgelagerten devonischen Schiefer sehr gut nachvollziehen.

Zahlreiche, von der Mosel geformte Umlauftäler lassen sich im westlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges ausmachen, die sich als ehemalige Talmäander des Flusses eintieften. Nachdem sich der mäandrierende Fluss an anderer Stelle erosiv einen neuen Durchbruch bahnte, fiel das alte Flussbett mit der Zeit trocken. Am heutigen Niveau dieser ehemaligen Talmäander lässt sich nachvollziehen zu welcher Zeit der Durchbruch geschaffen wurde, da mit der Umlegung die tiefenerosive Wirkung aussetzte. Trotzdem lässt sich der ehemalige Verlauf der Mosel, vor allem in der Gegend von Trier, nicht eindeutig feststellen, da lothringische Sedimente, die nur aus der Mosel stammen können, zumeist erodiert worden sind.

In der Gegend von Schweich (s. Abb.2) in der Wittlicher Senke befindet sich das Durchbruchstal der Mosel, dem die Moseleifel vorgelagert ist. Dieser tektonische Graben, der bis in die Trierer Talweite hineinreicht, ist vorwiegend mit rotliegenden Sedimenten aufgefüllt, die sich hier nach der Gebirgshebung ablagerten. Die daraus resultierende Talbreite wurde schon von den Römern als siedlungstechnischer Gunststandort erkannt, woraufhin Trier dort gegründet wurde. Der frei mäandrierdende Moselverlauf lässt sich heute an zumeist besiedelten Prall- und Gleithängen erkennen, die bei Hochwasser immer noch überflutet werden können.

Eine weitere Umlaufbeckenregion läßt sich an der westlichen Nahtstelle zwischen dem Schiefer- gebirge und der Trierer Talweite ausmachen. Durch den frei mäandrierenden Flußverlauf wurden an den Prallhängen Buntsandsteine freigelegt, die heute zumeist forstwirtschaftlich genutzt wer- den. Als die Mosel bei Konz (s. Abb. 2) in der unteren Mittelterrassenzeit ein Durchbruchstal schuf, wurde das Umlauftal um die Stadt Kommlingen trockengelegt, nachdem sich durch Sedimentzufuhren einmündender Flüsse eine Talscheide bildete. Die rückschreitende Denundation hat in der gesamten Region zur Ausbildung von sog. Riedeln geführt, die sich durch die fluviale Zerschneidung der Terrassen ausbildeten.

Auf dem Umlaufberg lassen sich eindeutige Schichtstufen ausmachen. Während die oberen Hö- henterrassen nur noch rudimentär vorhanden sind, werden die fluvial aufgeschotterten Hauptter- rassen zumeist forstwirtschaftlich genutzt. Der erhöhte oberirdische Abfluß, der durch den ver- dichteten devonischen Schiefer und die starke Reliefenergie hervorgerufen wird, trägt zur enor- men Denundation bei, die zusätzlich durch die Entwaldung sowie landwirtschaftliche Tätigkeiten verstärkt wird.

Dass dieser Mäander von der Mosel geschaffen wurde und nicht von der Saar, die an dieser Stelle in die Mosel mündet, läß sich anhand von lothringer Sedimenten belegen, die sich im Konzer Tälchen nachweisen lassen. Heute nutzt die Saar an dieser Stelle das von der Mosel vorgeformte Tal. Daraus läßt sich schließen, dass die Saarmündung zur Mittelterrassenzeit weiter im Süden lag.

Südlich davon läßt sich ein weiteres Umlauftal der Saar ausmachen, das heute nur durch eine Schleuse Wasser führt, da man den Saarverlauf auf der Strecke von Schoden nach Hamm über ei- nen Kanal, der zumeist durch ein bereits vorgeformtes Saartal fließt, verkürzt hat. Ohne diesen anthropogenen Eingriff hätte sich der Durchbruch der Saar nahe der Stadt Wawern aufgrund feh- lender Fließenergie nicht ergeben, da die Saar flußaufwärts bei Schoden bereits einen weiteren Durchbruch geschaffen hatte. Die Trennung von Altarm und künstlichem Durchbruch läßt sich heute auf dem Ayler Kupp an deutlich ausgeprägten Prall- und Gleithängen erkennen, die sich zur Mittelterrassenzeit bildeten. Der Kanal ermöglicht es heute auch großen Schiffen, die Saar zu be- fahren.

Im Bitburger Gutland nahe der Luxemburger Grenze herrschen Buntsandsteine, Muschelkalke und Keuper vor, letztere konnten sich während der mesozoischen Meerestransgressionen abla- gern. Auf den Plateauflächen herrschen optimale Bedingungen für die landwirtschaftliche Nut- zung. Der auch als Lias bezeichnete Sandstein wurde im Jura vor ca. zwei Millionen Jahren abge- lagert und ermöglicht aufgrund seiner enormen Porösität optimale Infiltration. Über der unter- gründigen verdichteten Keuperschicht, die als Wasserstauer fungiert, kommt es daher zu verstärk- ter Gesteinsdenundation, die in der Luxemburger Schweiz nahe Berdorf dazu geführt hat, dass sich ganze Sandsteinfelsen aus den Schichtstufen lösten und sich nach einer Rutschung wieder anlehnten. Darunter konnten sich teilweise betretbare Hohlräume bilden. Vor allem während der letzten Eiszeit wurden solche Prozesse durch die physikalische Verwitterung begünstigt. Block- schutthalden an den Füssen der Felsen zeugen von den daraufhin einsetzenden gravitativen Pro- zessen, die auch auf tektonische Störungen zurückgeführt werden können.

An den teilweise auch zum Klettern geeigneten Wänden dieses Felsgesteins lassen sich anhand von Wabeneinschlüssen Prozesse der Loch(Waben-)verwitterung erkennen, die dadurch zustande kommen, dass es durch unterschiedliche Verdunstungsintensitäten zu partiell stärkerer Wasserab- fuhr, Oxidationsverkrustungen und Salzausblühungen kommt. An beschatteten Stellen fehlen die- se Bindemittel, so daß der Sandstein an diesen Stellen herauspräpariert wird, da sie im Gegensatz zu den örtlichen Gesteinsverfestigungen für die Verwitterung besser angreifbar sind.

Neben dem relativ kompakten Flussschotter, der sich im gesamten fluvial geprägten Gebiet abla- gern konnte, kam es durch die vorherrschenden Westwinde zur Akkumulation von kalkreichem Löß, der als feiner Staub aus den trockenliegenden Flussniederungen ausgeweht wurde und im Windschatten der Gebirge zu Bildung der Lößdecken führte, die vor allem am Mittelrheinischen Becken und in den heute höher gelegenen Flächen des Inlandes anzutreffen sind. In den Flusster- rassen sorgte die Lößauflage dafür, dass die älteren Böden wieder fossil wurden.

Bis in die Erdgegenwart (Holozän) dauern die tektonischen und vulkanischen Erscheinungen an und sorgen für die Genese obstruktiver Seen und die Entstehung von Altläufen der Flüsse, in de- ren abflusslosen Wannen es zu Moorbildungen kommt. Auch an den feuchten Nordseiten lassen sich Hangbrüche auf den Verebnungsflächen ausmachen, auf denen sich die Feuchtigkeit sam- melt und die anschliessende Vernässung dazu führt, dass Bäume keinen ausreichenden Halt mehr haben.

Weitere Abtragungsvorgänge sind vor allem auf anthropogene Einflüsse zurückzuführen. Hierzu zählt vor allem die landwirtschaftliche Nutzung der Hänge.

4. BÖDEN UND VEGETATION

Der Boden dieses Gebietes ist stark vom Relief und dem Gestein beeinflusst und für den Acker- bau wenig ertragreich. In den höheren Mittelgebirgslagen haben sich auf den Grauwacken, Quar- ziten, Sandsteinen und Tonschiefern flachgründige und steinige „Ranker“ gebildet. Die tieferlie- genden Hanglagen dagegen, in denen die Bodenbildung weiter vorangeschritten ist, sind vorwie- gend von basenarmen Braunerden geprägt, die aufgrund des großen Porenvolumens und der schlecht mineralisierbaren Mischwaldvegetation anfällig für die Podsolierung sind. Auf den Hochflächen des Hunsrücks dagegen herrschen aufgrund von Bodenwasserstauungen vor allem Pseudogleye vor.

Auf den Kalksteinen im Südwesten in der Gegend von Trier treten flachgründige Humuskarbonatböden, sog. Rendzinen auf, die zwar nährstoffreich sind, aber infolge des darunterlagernden Kalkgesteins ein geringes Wasserspeichervermögen haben. Sie dienen vor allem den artenreichen Buchenwäldern als Standort. Unter hinreichend trockenen Bedingungen konnten sich auf den kalkreichen Lößen des Hügellandes Tschernoseme und bei oberflächlicher Entkalkung Luvisole bilden, die einen landwirtschaftlichen Nutzwert haben.

Auf den Weinbergen sind in erster Linie Rigosole anzutreffen, die nach Tiefpflügen (rigolen) in 5 - 7 Metern Tiefe eine Schieferton-Schuttmasse entstehen lassen, in der die Rankengewächse einerseits durch die wärmespeichernde dunkle Gesteinsfarbe und andererseits durch die verbesserte Wasserinfiltration optimale Wachstumsbedingungen haben. Gleichzeitig werden denundative Rutschungsvorgänge vermindert.

Nicht zuletzt im Zusammenhang damit erscheint es problematisch, dass durch die Realerbteilung viele Weinbauparzellen heute zu klein geworden sind, um sie rentabel bewirtschaften zu können, so daß es auch nach einer Arrondierung vereinzelt zu Brachen kommt.

5. GESCHICHTE UND STADTWESEN

Vom Neolithikum (3000-1200 v. Chr.) an waren die klimatischen und bodenmäßigen Gunst- standorte des Gebietes kontinuierlich besiedelt. Erste Funde menschlichen Daseins sind in Gestalt von Werkzeugen, die dem „homo heidelbergensis“ zugeschrieben werden, in die Altsteinzeit zu- rückdatiert. Um die Wende zum zweiten Jahrtausend siedelten hier die Kelten als von Norden her die Germanen und von Süden die Römer eindrangen. In die Zeit als ganz Rheinland-Pfalz den römischen Provinzen Gallia Belgica, Germania Superior und Germania Inferior angehörte, fällt auch die Gründung der ältesten mitteleuropäischen Stadt Trier (Augusta Treverorum) durch den römischen Kaiser Augustus 16 v. Chr. Dieser hatte die strategische und naturräumliche Gunstlage des Gebietes erkannt und genutzt. Weitere römische Einflüsse lassen sich in der direkten Umge- bung der Stadt ausmachen. So diente ein Tempel nahe der Stadt Tawern den Römern als Gebets- stätte. An dieser Stelle dankten Sie dem Gott Merkur für das Überstehen der oft gefährlichen Rei- se von Rom über Trier nach Köln, auf einer der wichtigsten römischen Handelsrouten.

Die Ursprünge unseres heutigen Städtewesens lassen sich noch heute an verschiedenen Bau- denkmälern nachvollziehen, wie auch an dem sehr geometrischen Grundriss dieser Römerstadt. Zu den wohl wichtigsten historischen Hinterlassenschaften zählt die Porta Nigra (Abb.4), die als das am besten erhaltene Stadttor der Antike gilt. Dieses Rudiment der ehemals 6,4 km langen Stadtmauer, ist nach der Zerstörung der Stadt durch die Franken (275 n. Chr.) eines der wenigen Zeugnisse die, neben der Palastaula, den Kaiserthermen und einer frühchristlichen Doppelbasili- ka, deren Kernbau den heutigen Dom bildet, noch heute aus der Römerzeit erhalten sind. Das Wasser bezog man über ein Aquädukt aus dem Hunsrück, bevor die Nutzung des Grundwas- sers möglich wurde - eine weitere römische Innovation dieser Zeit.

Auch nach dem Ende der Römerherrschaft und der endgültigen Besetzung der Stadt durch die Franken (um 470 n. Chr.) wurden die meisten dieser Monumente weitergenutzt. Eine tiefgreifen- de Umgestaltung erfuhr die Stadt nach dem Normannenüberfall 882, wobei das Stadtgebiet um die Hälfte verkleinert wurde. Der Verlauf der im 13.Jahrhundert errichteten Stadtmauer, die in er- ster Linie die Dominanz der geistlichen Herrschaft sichern sollte, lässt sich noch heute an dem Alleenring nachvollziehen, der die Innenstadt umgibt. Die sowohl geistliche als auch weltliche Macht der Stadt lässt sich noch heute an der Bischofskirche und dem Residenzschloss nachvollziehen, in denen Erzbischöfe und Fürsten der Stadt seit dem 10. Jahrhundert residierten.

Als die Stadt 1815 unter preußische Herrschaft kam und 1860 Anschluss an das Eisenbahnnetz erhielt, wurde sie zum Sitz der Bezirksregierung ernannt und entwickelte sich zu einem wirtschaftlichen Zentrum. Weder diese Neuerungen noch die Zerstörungen durch den zweiten Weltkrieg vermochten der Stadt ihren typisch römischen Charakter zu entziehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4: Eines der bedeutendsten antiken Bauwerke nördlich der Alpen ist die Porta Nigra in Trier, die Ende des 2. Jahrhunderts als Teil der römischen Befestigungsanlagen errichtet wurde.2

QUELLENVERZEICHNIS

LITERATUR:

Liedtke, H./Marcinek, J.: „Physische Geographie Deutschlands”, Grundzüge der geomorpholo- gischen Entwicklung S.324ff, Justus Perthes Verlag Gotha GmbH, zweite durchgesehene Auflage 1995

Sperling, W./Strunk, E.: „Luftbildatlas Rheinland-Pfalz“, Landeskundliche Einleitung S.9ff, Karl Wachholz Verlag, erste Auflage 1970, Neumünster

O.A.: „ADAC Freizeitatlas: Rheinland-Pfalz, Saarland“, ADAC-Verlag, München 2001

O.A.: „HB Bildatlas: Die Mosel“, HB-Verlag, Ostfildern, dritte aktualisierte Auflage 2000

Zolitschka, B.: „Fluviatiler Formenschatz an Rhein und Mosel“, Uni Bremen, 2001, Skript zur Exkursion

MULTIMEDIA:

Encarta 2001, Enzyklopädie (Microsoft) o.O.2000, Stichworte: „Mosel”, „Trier”, „Luxemburg”, „Rheinland-Pfalz”

Der grosse Kosmos 3D-Globus, Systhema in der United soft Media Verlags GmbH, München 2001,

[...]


1 "Mosel."Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2001. © 1993-2000 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

2 "Porta Nigra."Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2001. © 1993-2000 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

9 von 9 Seiten

Details

Titel
Der fluvialtile Formenschatz an Rhein und Mosel (Exkursionsbericht)
Hochschule
Universität Bremen
Autor
Jahr
2001
Seiten
9
Katalognummer
V104369
Dateigröße
705 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Formenschatz, Rhein, Mosel
Arbeit zitieren
Martin Runkel (Autor), 2001, Der fluvialtile Formenschatz an Rhein und Mosel (Exkursionsbericht), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104369

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