Berlusconi und Haider - ein Vergleich zweiser Populisten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
18 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Begriff und Kriterien des rechten Populismus
2.1 Begriffliches: (Rechts-) Populismus?
2.2 Historisches: Konjunkturen des Populismus?
2.3 Kriterien des Populismus

3. Die Populisten Berlusconi und Haider im Vergleich
3.1 Berlusconis Populismus
3.2 Haiders Populismus
3.3 Vergleichende Zusammenfassung

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Viele Jahre spielten Gruppierungen am extremen rechten Rand des Parteienspektrums in Westeuropa nur eine sehr geringe Rolle. Seit Mitte der achtziger Jahre hat sich die Situation grundlegend geändert: rechtspopulistische Parteien konnten beachtliche Wahlerfolge erzielen, ihren gewachsenen Stimmanteil im großen und ganzen bis heute halten (Betz 1998, 3) und müssen deshalb als ernst zu nehmende Akteure in der politischen Auseinandersetzung betrachtet werden.

In Italien trug der Erfolg der regionalistischen Lega Nord mit dazu bei, dass das Parteiensystem 1994 kollabierte. Zusammen mit dem Medienunternehmer Silvio Berlusconi und dessen Forza Italia schaffte die Lega für kurze Zeit den Sprung in die Regierung. Forza Italia selbst war 1994 zur stärksten Kraft in der italienischen Politik avanciert (Decker 2000, 14). Der Austritt der Lega aus dem Regierungsbündnis ließ das Kabinett Berlusconi schon nach acht Monaten scheitern. Aus den Wahlen 1996 ging das Mitte-Links-Bündnis ’Ulivo’ als Sieger hervor. 2001 gab es in Italien erneut einen Wechsel. Die Allianz aus Forza Italia, Alleanza Nazionale und Lega Nord errang unter Berlusconis Führung 42,6 % der Stimmen.

In Österreich gelang es der Freiheitlichen Partei Österreichs unter der unter der Ägide ihres 1986 gekürten Obmanns Jörg Haider, den Status einer Mittelpartei zu erreichen (Decker 2000, 14). Die FPÖ erreichte 1999 bei den Nationalratswahlen 26,9 % der Stimmen und ging Anfang 2000 mit der ÖVP eine Koalition ein (Lenk 2000, 226).

Die Ursachen für die Wahlerfolge Berlusconis und Haiders sind vielfältig. Neben den erfolgsbiographischen Gemeinsamkeiten fällt auf, dass beide Akteure von Sozialwissenschaftlern häufig unter dem Begriff populistisch oder rechtspopulistisch gefasst werden (Falkenberg 1997, 3). Dies weist auf eine definitorische Komplexität hin. Die vorliegende Arbeit geht den Fragen nach: Wer oder was ist (rechts-) populistisch? Was sind die originären Kriterien und Erfolgsursachen? Und letztlich: Gibt es zwischen Berlusconis und Haiders Populismus Übereinstimmungen? Diese Fragen geben eine kurzen Überblick über den Schwerpunkt dieser Arbeit.

Im ersten Teil werden nach einer einleitenden Begriffsbestimmung und einem kurzen historischen Kontext Kriterien des Populismus inhaltlich aufgefächert. Im zweiten Teil der Arbeit werden exemplarisch die Hauptakteure Berlusconi und Haider (was die Wahlresultate rechtspopulistischer Parteien in Europa betrifft) näher betrachtet. Die Arbeit endet mit einem Ausblick auf die Zukunftsfähigkeit des rechten Populismus.

2. Begriff und Kriterien des rechten Populismus

Der Populismus mag zwar eine disparate Erscheinung sein, doch schließt dies die Verständigung auf einen gemeinsamen Begriffskern nicht aus. Es besteht jedoch am Ausgangspunkt das Problem der Vereinnahmung des Begriffs durch Alltagssprache.

Ferner werden zahlreichen Einzelerscheinungen in ganz unterschiedlichen historischen und Systemkontexten unter dem Etikett populistisch gefasst. Damit können verschiedene Systembedingungen ihren Niederschlag in unterschiedlichen ideologischen Aus-richtungen des Populismus finden. Darüber hinaus stellt sich die Frage nach der organisatorischen und personellen Struktur, denn populistisch genannt werden können ganze Regime, Bewegungen, Parteien oder auch einzelne Personen (Decker 2000, 25 ff).

Da Populismus einen Kontext verwandter Politikstile und –inhalte bezeichnet gilt es gesellschaftliche Entstehungshintergründe zu betrachten. Die Ursachen für Wahlerfolge rechter Populisten liegen nach Falkenberg (1997, 4) in den veränderten gesell-schaftlichen Rahmenbedingungen, die beispielsweise durch die Begriffe ökonomische Globalisierung, informatisierte Dienstleistungsgesellschaft und Individualisierung gekennzeichnet sind (Beck 1998). Dieser Erklärungsversuch nimmt Bezug auf Krisenphänomene sozialer und ökonomischer Art, die gewissermaßen den Anstoß für rechtspopulistische Politik geben. Ein anderer Grund ist möglicherweise die zunehmende Einflussnahme moderner Massenmedien auf das politische Geschehen, die den Erfolg von Politik mitunter in Abhängigkeit von der marktgerechten Vermittlung ihrer Inhalte setzt (Decker 2002, 1184).

2.1 Begriffliches: (Rechts) Populismus?

Der Begriff Populismus (lat. populus = Volk) entbehrt bis heute einer allgemein-gültigen Definition und wird in der europaweiten Diskussion unscharf und mit einer negativen Konnotation verwendet (Bundestag 2002, 1). Vermehrt in der Auseinander-setzung von Parteien und politischen Akteuren eingesetzt, dient der Begriff häufig der Abqualifizierung des politischen Gegners. Diesem wird Populismus vorgeworfen, wenn Wählerstimmen scheinbar mit einfachen, massenwirksamen Formeln und Methoden sowie durch entsprechende Stimmungsmache gewonnen werden sollen (Nohlen 2001, 405).

Der Begriff Populismus bezieht sich also auf zwei voneinander unterschiedliche Phänomene. Auf der einen Seite bezeichnet er einen Stil: eine anbiedernde Anrede des Volkes, die unter Ausschaltung vermittelnder und repräsentativer Instanzen eine direkte Beziehung zwischen dem politischen Führer und den Massen herzustellen sucht. Als in diesem Sinne populistische könnten Politiker jeder Richtung gekennzeichnet werden (Decker 2002, 1185).

Auf der anderen Seite hat sich in den westeuropäischen Demokratien in den letzen Jahren ein bestimmter Typus politischer Parteien und Bewegungen profiliert, für die sich die Bezeichnung rechtspopulistische durchgesetzt hat. Dieser Rechtspopulismus hat sich zwischen den traditionellen demokratischen Konservatismus und dem offen anti-demokratischen Rechtsradikalismus geschoben und tendiert dazu sich einer Beschreibung in den etablierten Mustern parteipolitischer Zuordnung zu entziehen (Betz 1998, 3). Zum Teil ist die Verbindung zur traditionellen radikalen Rechten noch dominant (Gianfranco Finis Alleanza Nazionale), zum Teil wird diese Verbindung zumindest in der Öffentlichkeit negiert (Silvio Berlusconis Forza Italia) (Bolaffi 2002, 11). Auf jeden Fall ist der rechte Populismus zu einer dauerhaften politischen Realität in Europa geworden. In Italien hat er die Regierungsmacht erobert, in Österreich ist er im Bündnis mit traditionellen konservativen Parteien an die Regierung gelangt.

2.2 Historisches: Konjunkturen des Populismus?

Der Begriff war im politologischen Diskurs unterschiedlichen Deutungen und Definitionsansätzen unterworfen. Erst in den 1970er Jahren gelingt es diesem Terminus zum Schlüsselbegriff für zwei gegensätzliche Lager zu werden. Entsprechend dem eigenen Bild wenden neokonservative US-amerikanische Sozialwissenschaftler das Attribut populistisch auf die Konzepte der neuen sozialen Protestbewegungen, wie die der Studentenbewegung, der Ökologiebewegung und Frauenbewegung an. Die neokonservative Ansicht von Populismus ist ein eindeutiger Vorwurf in die Richtung, dass all die genannten Bewegungen antimodernistisch und irrational argumentieren würden, somit also regressiv wären. Dubiel (1986, 38 ff) spricht hierbei vom Linkspopulismus.

Britische neomarxistische Sozialwissenschaftler wie Laclau argumentieren auf der Basis des Hegemoniebegriffs von Gramsci. Sie versuchten zu ergründen, weshalb die konser-vative, antiwohlfahrtsstaatliche Politik Thatchers auch bei unmittelbar Betroffenen auf große Akzeptanz stößt. Eine Erklärung finden sie in der Wahlkampftaktik Thatchers, ihres Erachtens Ausdruck eines rechten bzw. autoritären Populismus (Falkenberg 1997, 7).

[...]

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Details

Titel
Berlusconi und Haider - ein Vergleich zweiser Populisten
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Das System Berlusconi. Ein italienischer Sonderweg oder eine europäische Perspektive?
Note
gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V10437
ISBN (eBook)
9783638168595
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berlusconi, Haider, Vergleich, Populisten, System, Sonderweg, Perspektive
Arbeit zitieren
Martin Würfel (Autor), 2003, Berlusconi und Haider - ein Vergleich zweiser Populisten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10437

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