Die Pfingstwallfahrt von Csíksomlyó/Schomlenberg, Siebenbürgen. Eine ungarische Wallfahrt in Rumänien


Diplomarbeit, 2001
109 Seiten, Note: Sehr Gut

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Inhaltsverzeichnis

Zur Aussprache des Ungarischen

1. Einleitung
1.0. Vorbemerkungen danach
1.1. Zur Themenwahl
1.1.1. Absicht und Fragen
1.1.2. Technische Anmerkungen
1.2. Einige Tatsachen, die das Verständnis erleichtern sollen
1.2.1. Vom Wirtschaftswunder, Geld und Regierungsstil
1.2.2. Minderheitenpolitik
1.2.3. Sprache und Chauvinismus
1.2.4. Die Trianon-“Verschwörung“
1.2.5. Die Ungarn und ihre siebenbürgische Minderheit
1.3. Zur Bedeutung des ungarischen Wortes “búcsú”
1.4. Ein äußerst kurzer Abriß der Geschichte der Wallfahrt in Ungarn
1.4.1. Marienverehrung
1.4.1.1. Dogmen zur Gottesmutter
1.4.1.2. Marienfeiertage
1.4.1.3. Maria als Beschützerin
1.4.1.4. Marienverehrung im Barock
1.4.2. Pfingsten

2. Tschangos, Tschangonen, Chango, Csángók
2.1. Der Ursprung der moldauischen Csángó - Ungarn
2.1.1. Streit um die Abstammung der Csángós
2.2. Sprachgebrauch der Csángós
2.3. Über die Beziehung von Religionszugehörigkeit und ethnischer Identität bei den Csángós
2.3.1. Kantor und Identitätspfleger
2.3.1.1. Autodafés
2.4. Über die Situation der Csangó Minderheit
2.4.1. Die katholische Kirche und der Sprachgebrauch
2.4.1.1. Der ungarischstämmige Bischof schweigt
2.4.2. Kein muttersprachlicher Unterricht

3. Schomlenberg der Gnadenort
3.1. Die Franziskaner
3.2. Die Kirchen
3.2.1. Die Krypta
3.2.2. Die Kapellen
3.3. Die Gnadenstatue - Maria in der Sonne
3.3.1. Der Ursprung der Statue
3.3.1.1. Ungarische Altarbauschule?
3.3.1.2. Der Csángó-Volksmund meint
3.3.2. Legenden zur Schomlenberger Maria
3.3.2.1. Wundertaten der Gottesmutter
3.3.2.2. Wunder und Zeichen - einst
3.3.2.3. Wunder und Zeichen - jetzt

4. Der Ursprung der Pfingstwallfahrt
4.1. Der Kampf gegen János Zsigmond
4.2. “Uralter“ heidnischer Brauch

5. Die Pfingstwallfahrt
5.1. Einige Anmerkungen zur Pfingstwallfahrt zwischen 1946 und 1990
5.1.1. Gegenwallfahrt in der Moldau
5.2. Ablauf der Wallfahrt
5.2.1 Búcsúvezetõk - Leiter der Wallfahrt
5.2.1.1. Die Búcsúvezetõk der Moldauer Csángó-Ungarn
5.2.2. Die Moldauer Csángós in Csíksomlyó
5.2.3. Vorbereitung
5.2.3.1. Die Kleidung der Pilger
5.2.4. Teilnehmer, Csángós und andere
5.2.4.1. Schellen und Trommeln
5.2.4.2. Fahnen
5.2.4.2.1. Der Fahnengruß
5.2.4.3. Marsch und Jausenpause
Jausenpause
5.2.4.4. Übernachtung unterwegs
Die Csángós
Anreise und Verbot
5.2.4.5. Beichte unterwegs
5.2.4.6. Ankunft in Csíksomlyó - Die weiße Kirche mit den zwei Türmen
5.2.4.7. Übernachtung in Csíksomlyó
5.2.5. Freitag
5.2.5.1. Schlaf in der Kirche, Nächtliche Andacht
5.2.6. Samstag
5.2.6.1. Prozession
Offizielles Aus für die Prozession - Hochamt am Berg
5.2.6.2. Statt einer Gipsmaria ein paar Ästchen
5.2.7. Sonntag
5.2.7.1. Kreuzweg der Csángós am Pfingstsonntag morgen
5.2.7.2. Warten auf den Sonnenaufgang - Napvárás
5.2.7.2.1. Kräutersammlung
5.2.7.3. Ende der Wallfahrt, Heimweg

6. Résumé: Religion, Ethnizität, Schau - Schomlenberg heute

Danksagung

7. Wörterverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

9. Abbildungsverzeichnis

Zur Aussprache des Ungarischen

Die nicht erwähnten Mitlaute entsprechen dem Deutschen. Die Selbstlaute werden mit Ausnahme von a und e, wenn sie mit Accent aigu versehen sind, schlicht länger ausgesprochen.

a [ein Laut zwischen a und o, dem österreichischen dialektalen å entsprechend]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.0. Vorbemerkungen danach

Großes hatte ich mir vorgenommen, ich wollte eine interethnische Untersuchung zur Pfingstwallfahrt in Schomlenberg/Siebenbürgen durchführen, wollte ergründen, warum immer mehr Ungarischsprachige, die nicht alle gläubige Christen sind, dorthin strömen. Warum nehmen so viele die beschwerliche Anreise aus allen Ecken Rumäniens, Ungarns, Mitteleuropas, selbst aus Übersee auf sich? Warum ist dieser Wallfahrtsort, der in Siebenbürgen liegt, zum “nationalen“ ungarischen Wallfahrtsort aufgestiegen? Warum hat sich Schomlenberg solcherart ausgewachsen, wie ein in ungarischen Einflußbereich liegender Wallfahrtsort nie zuvor. Aachen, Mariazell und Tschenstochau hatten in viel christlicheren Jahrhunderten niemals diesen Stellenwert erlangen können. Welche Kraft bringt diese hunderttausende Menschen jedes Jahr zusammen?

Diese Frage führt zu Problemen nationaler Identität. Und dabei haben sich schon viel klügere Volkskundler “ihren Feitel abgebrochen“, wie man im Ungarischen sagt. Zuerst erschien mir die Idee sehr vielversprechend und leicht ausführbar, obwohl ich wußte, daß es sich dabei um ein sehr heikles Thema handelt. Die Zahl der Schriften, Studien zu diesem Thema ist sehr gering, und die wenigen Aufsätze schleichen eher um den heißen Brei herum oder beschränken sich auf die Analyse irgendwelcher Statistiken. Doch zu Beginn, nachdem ich mich erst ein halbes Jahr in Ungarn aufgehalten hatte, war ich mir dessen noch nicht bewußt. Damals erschien mir das ganze noch nicht als problematisch, wirkte doch noch der “Touristen-Effekt“ - ich hatte die ungarische Wirklichkeit, obwohl nur oberflächlich, doch als Außenstehender beobachten können.

Jetzt, fast vier Jahre später, weiß ich, daß solcherlei nationale Fragen wunde Punkte der ungarischen “Volksseele“ sind, wie für alle anderen, deren Landesgrenzen sich im Laufe der jüngeren Geschichte als “mobil“ erwiesen. Auch die Österreicher leiden bis zum heutigen Tag an einem Minderwertigkeitskomplex.

Heute weiß ich, daß, wenn ich ein glaubwürdiges Bild der ungarischen Identität(en), der Anziehungskraft der Schomlenberger Wallfahrt zeichnen wollte, über Jahre hinweg hunderte von Tiefeninterviews gemacht werden müßten, und solcherlei kann im Rahmen einer Diplomarbeit unmöglich verwirklicht werden.

Deswegen hab ich meine ursprünglichen Vorstellung insofern abgeändert, daß ich dem Leser die Schomlenberger Wallfahrt durch die Augen der ungarischsprachigen Csángó-Minderheit, die in der Moldau1 lebt, anhand von Beispielen näher zu bringen versuche.

Um die Csángós wird schon lange gestritten. Wer sind sie, wem “gehören“ sie, sind sie Ungarn oder Rumänen? Sie selbst bezeichnen sich ganz einfach als Csángós, die Ungarisch sprechen. Doch immer weniger beherrschen den altertümlichen ungarischen Dialekt. Dank der erdrückenden Romanisierungspolitik, die nach Ceauºescu nicht wirklich ein Ende gefunden hat. Warum ist diese Volksgruppe für beide Seiten so wichtig? Darauf kann man keine Antwort geben, vielleicht geht‘s nur ums Prinzip, - um eine lokale Fortsetzung der seit Jahrhunderten dauernden Eifersüchteleien zwischen Ungarn und Rumänen.

Das Verhältnis der Csángós zu ihrer Wallfahrt, der Schomlenberger, verrät vieles über ihre Mentalität, über ihren Glauben, und gibt vielleicht Antworten bezüglich ihrer Identität und verdient auf jeden Fall weitere Forschung.

1.1. Zur Themenwahl

Es gibt einen einfachen Grund für dieses für einen österreichischen Volkskundestudenten nicht alltägliche Thema einer Diplomarbeit. Seit ungefähr zehn Jahren verbindet mich ein Herzensbund mit Ungarn, dem Land, von dem einem Durchschnittsbürger nur Puszta, Gulasch und eventuell Szegediner Krautfleisch, dem fleißigen Kommerzsenderseher noch der angeblich fabelhafte Rotwein der Marke “Balaton” bekannt sind. Aber so einfach ist das ganze nicht. Weder essen die Ungarn nur scharfes Zeug, noch lieben sie die Zigeuner so, daß sie diese zu allen ihren Festen als Musiker einladen.

Eigentlich ist es ein Armutszeugnis, daß wir, trotz Jahrhunderte dauernder gemeinsamer Geschichte (um eine abgedroschene Phrase zu strapazieren), sehr wenig von unseren Nachbarn wissen, die uns nicht so fremd sind, wie man glauben möchte.

Ich begann schon am Anfang meines Studiums, Ungarisch zu lernen, und habe diese angeblich so schwierige Sprache soweit erlernt, daß es mir möglich ist, in ihr zu arbeiten. Meine Kenntnisse verbesserten sich laufend, ich besuchte Sommersprachkurse, im Jahr 1995/96 studierte ich am Lehrstuhl für Volkskunde der Universität Debrecen, 1997/98 in Budapest.

Im Jahr 1996 hätte sich das erste Mal die Gelegenheit ergeben, an einer Exkursion der Debreziner Volkskundler nach Schomlenberg/Siebenbürgen teilzunehmen, dem Ort, wo ein religiös - ethnisches Drama2 jedes Jahr zu Pfingsten viele Tausende Menschen ungarischer Abstammung bzw. Muttersprache anzieht.

Doch die in jenem Jahr noch strengen Visumvorschriften für Rumänien vereitelten meinen Plan. 1997 jedoch gelang es mir, in einem schrottreifen Autobus mit einigen Debreziner Studenten und einem halben ostungarischen Dorf, dessen Pfarrer die Fahrt organisierte, an die Grenze der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie zu gelangen. Die Teilnahme an dieser Wallfahrt hat meine schon vorher getroffene Entscheidung, über diese Wallfahrt zu arbeiten, bestärkt, und das bescheidene Ergebnis liegt hiermit vor.

Bálint Sándor, einer der großen ungarischen Volkskundler, schrieb im Jahre 1939, daß das Studium der Volksfrömmigkeit noch kaum begonnen habe.3 Volkslieder und Tänze wurden im Dutzend gesammelt, doch die Volksfrömmigkeitsforschung wurde vernachlässigt. Auch nach Bálints Äußerung erlebte diese keine Hochblüte, dem faschistischen Regime des 2. Weltkrieges folgte die kommunistische Diktatur, die zuerst die Beschäftigung mit solchen Themen nicht erlaubte, und die später in die staatlich subventionierte Volkskulturoffensive nicht wirklich paßten. Deshalb begann die Volksfrömmigkeitsforschung erst mit dem Zusammenbruch des Gulaschkommunismus wirklich und ist kein überackertes Gebiet wie im deutschsprachigen Raum.

Ein weiterer Grund für meine Themenwahl ist die Tatsache, daß zwar einige Literatur zu finden ist, verständlicherweise nur in ungarischer Sprache, es aber keine zusammenfassende allgemeine Übersicht über diese Wallfahrt in Csíksomlyó, deutsch: Schomlenberg, rumänisch: ªomleul Ciuc, in Siebenbürgen, ungarisch: Erdély, rumänisch: Ardeal gibt. Es gibt in allgemeinen Publikationen/Anmerkungen über diese Wallfahrt, jedoch existiert kein Buch, das sich wissenschaftlich ausschließlich mit Csíksomlyó und dazu in seiner ganzen Bandbreite, d.h. mit allen religiösen und ethnischen Aspekten befaßt und die besondere Rolle der Csángós,4 der in der Moldau lebenden Ungarischsprachigen untersucht.5

1.1.1. Absicht und Fragen

In der Einleitung versuche ich dem Leser Tatsachen, damit sind keine Tatsachen gemeint, die im Lexikon nachgelesen werden können, sondern solche, die in den Köpfen und Mündern der Ungarn sind, näherzubringen. Diese sollen ein Assoziationsfeld schaffen, das zum Erahnen besonders der ethnischen Aspekte dieser Wallfahrt von nutzen ist. Es ist in aller Kürze von ungarischer Sprache und Chauvinismus die Rede, dem Friedensvertrag von Trianon und der ungarischen Minderheit in Siebenbürgen.

Im folgenden Kapitel gebe ich einen Abriß der Geschichte der ungarischen Wallfahrt, die besonders in der Barockzeit ihre Hochblüte erlebte.

Anschließend bringe ich dem Leser die Csángós näher, die eine immer unbedeutendere Rolle innerhalb der Choreographie der Wallfahrt spielen, obwohl es unter anderem ihnen zu verdanken ist, daß diese während all der Jahre der kommunistischen Diktatur nicht in Vergessenheit geriet.

Im 3. Kapitel wird der Gnadenort Schomlenberg ausführlich behandelt. Es wird von den Franziskanern berichtet, die schon lange Zeit in Schomlenberg wirken und wesentlich zum Aufschwung der Marienwallfahrt beitrugen. Anschließend gebe ich eine kurze Übersicht zu den Kirchen und dem Kloster am Wallfahrtsort. Im folgenden behandle ich die Gnadenstatue, die Maria in der Sonne, deren Ursprung, Legenden und angebliche Wundertaten, die sich mit ihr verbinden. Im 4. und 5. Kapitel versuche ich den Grund der Entstehung der Wallfahrt zu erklären, die ich anschließend in allen Einzelheiten schildere.

So hoffe ich eine im deutschsprachigen Raum völlig unbekannte Wallfahrt und die Gruppe der moldauischen Csángós, ihren passiven Widerstand gegenüber den sie als ethnische Gruppe bedrohenden Rumänisierungsbestrebungen dem p.t. Leser etwas näherzubringen.

1.1.2. Technische Anmerkungen

Für diese Arbeit habe ich fast ausschließlich ungarische Literatur verwendet, weil dies einerseits keine allgemeine Untersuchung übers Wallfahrtswesen ist, bei der das Wälzen von Theorien von besonderem Belang gewesen wäre, andererseits für mich in Budapest deutschsprachige Literatur äußerst schwer aufzutreiben war. Die Texte, Zitate wurden durchwegs von mir ins Deutsche übertragen. Bei der fürs ungarische Wallfahrtswesen charakteristischen Terminologie war ich in der Zwickmühle, galt es doch zu entscheiden, ob die deutschen oder ungarischen Bezeichnungen verwendet werden sollen. Wenn es für die ungarischen Ausdrücke deutsche Entsprechungen gibt, wird der ungarische und der deutsche Terminus abwechselnd verwendet, nachdem er beim ersten Auftreten erklärt wurde. Wenn sich der p.t. Leser ob der Bedeutung des einen oder anderen Ausdruckes während des Lesens nicht mehr ganz sicher ist, kann er dieses in einem Wörterverzeichnis am Ende der Arbeit nachschlagen und mit der Aussprachehilfe vom Beginn der Arbeit auch richtig aussprechen. Die Arbeit illustrieren Karten, die alle von mir bearbeitet wurden, ein großer Teil der Photos wurde von mir aufgenommen. Näheres über den Ursprung der Karten ist im Verzeichnis am Ende der Arbeit zu finden.

1.2. Einige Tatsachen, die das Verständnis erleichtern sollen

Eine ungarische Wallfahrt im Herzen Rumäniens: manchem der in Mittelosteuropa nicht kundig ist, scheint dies eigenartig. Den Rumänen, die ähnlich den Slowaken, den Drang haben, die Kontinuität der Anwesenheit auf ihrem heutigen Staatsgebiet mit mitunter absurden Theorien zu beweisen, ist die “Massenzusammenrottung“ Ungarischsprachiger zu Pfingsten bis heute ein Dorn im Auge. Schon unter Ceauºescu ist es ihnen nicht gelungen, auch unter Androhung drakonischer Strafen nicht, diese Wallfahrt zu zerschlagen.

Der "Populärwissenschaftlichkeit" des folgenden Teiles bin ich mir bewußt, doch ist er für besseres Verstehen besonders der ethnischen Aspekte von Schomlenberg notwendig.

Diese journalistische Einführung in Tatsachen, die im Hinterkopf zu behalten sind, folgt dem Schlagwort vom “Volkskundler als Geschichtenerzähler“. Sie ist durch meine mehr als vierjährige Tätigkeit in Ungarn, meine Beobachtungen und Sprachkenntnisse möglich geworden. Die folgenden Seiten basieren auf Gehörtem, Gelesenem, Meinungen, doch glaube ich, daß es nur auf diese Art möglich ist, ein Stimmungsbild zu erzeugen und vermitteln.

1.2.1. Vom Wirtschaftswunder, Geld und Regierungsstil

Ungarn ist ein armes Land, auch wenn die Medien berichten, welche wirtschaftlichen Verbesserungen es nicht gäbe. Nach neuesten Daten wird bei anhaltendem vergleichbarem Wirtschaftswachstum bis ins Jahr 2004 das Wohlstandsniveau von 1989 erreicht.6 Die Regierung ist jedoch bemüht, um ihre Existenzberechtigung zu unterstreichen, schönzufärben, und genauso verlogen wie in vielen demokratischen Ländern.

Im letzten Jahr betrug die Inflation im Land um einiges mehr als 10 %, die Löhne wurden aber, wenn überhaupt, nur um wenige Prozente erhöht.

Deswegen wird in wohlweislicher Selbsttäuschung davon gesprochen, das die Löhne wachsen, die Relation zur Inflation wird aber außer acht gelassen. Viele alte Menschen bekommen eine Pension von nicht mehr als 20.000,-- Ft. (ca. 1000,-- öS).

Diese trifft man in U - Bahnstationen, den Vorübergehenden einen Plastikbecher entgegenstreckend. Meine 100,-- Ft., die ich in solch einen Becher warf, wurden mit “Úristen… Köszönöm!“ (Mein Gott … Danke!) quittiert.

Das Land verarmt, und nur jene wenigen Personen leben gut, die nicht immer auf ganz saubere Art zum schnellen Geld gekommen sind. Die Arbeitslosigkeit ist beachtlich, Menschen wurden in Massen entlassen, wurden doch fast alle Betriebe vom Staat an ausländische Unternehmen verkauft, die nach dem Ablauf der dreijährigen Verpflichtung, kein Personal abzubauen, dann so schnell wie möglich Tausende Leute hinausschmissen, ist doch heutzutage allein die Befriedigung der Aktionäre von Bedeutung.

Auch seine Autobahnen hatte der Staat ins Ausland verkauft. Diese wurden anschließend bemautet. In einem Land, in dem die Verkehrsinfrastruktur nicht mit der französischen zu vergleichen ist (wo sich die Kilometermaut schon vor vielen Jahren als Unsinn erwiesen hat und der Staat die Landstraßen ausbauen mußte, wäre doch sonst Frankreich im totalen Verkehrschaos versunken) und das Lohnniveau weit unter dem Westeuropas liegt, wurde umgerechnet 1,-- öS pro Kilometer verlangt.

Die Autobahnbetreiber sind bankrott gegangen, deswegen hat der Staat die Autobahnen wieder übernommen, hat zum österreichischen Dauerprovisorium, der Autobahnvignette gegriffen. Diese kostet für 300 km pro Jahr geringfügig mehr als die österreichische vor dem Beginn der Ausblutungsaktion der Blau-Schwarzen Regierung. Die Folge ist, daß die Autobahnen, obwohl sie um einiges billiger geworden sind, von kaum jemandem benützt werden. Statt dessen quälen sich tagtäglich Tausende Fahrzeuge durch Dörfer, in denen man die durchfahrenden Autos bis zur Einführung der Maut an einer Hand abzählen konnte.

Doch dies ist in einem Land, in dem sich innerhalb weniger Jahre die wildeste Form des Kapitalismus durchgesetzt hat, kein Wunder.

Die Regierung, zuerst sozialistisch, jetzt konservativ und genauso korrupt wie die vorhergende, wobei deren Parteiprogramme kaum mit den traditionellen politischen Richtungsbezeichnungen vereinbar sind, unterstützen, forcieren diese nicht gerade staatsbürgerfreundlichen Vorgangsweisen. Die Vereinigten Staaten dienen ihr dafür als Vorbild. Doch kann man in einem langsam gewachsenen, mitteleuropäischen Land mit völlig anderen - nicht nur politischen Traditionen - überseeische Methoden anwenden?

Im Jahr 1995 wurden an den Universitäten trotz heftigen Protestes (ich bin selbst zwei Tage vor dem Parlament in Budapest gesessen und nur knapp Prügeln entgangen, weil eine Menschenkette rund ums Parlament als Provokation empfunden wurde) Studiengebühren eingeführt, welche seit dem letzten Regierungswechsel 1998 nur mehr ab dem 2. Diplom gelten. 10.000 Ft. pro Semester sind dies, diese Summe erscheint gering, doch wenn man sich vor Augen hält, daß der durchschnittliche Monatslohn noch immer bei ca. 30.000 Ft. liegt…

Begründet wurde diese “Bildungsoffensive“ damit, daß es ja in den USA auch so ist.

Aus einem schlechten Kommunisten wird eben ein guter Kapitalist,7 der zwar von Demokratie keine Ahnung hat, obwohl er davon überzeugt ist, daß er sie hat; und das ungarische Volk geht in seiner Lethargie nicht auf die Straße (ich habe die Selbstbezeichnung “birkanép“ = ein Volk von Schafen - gehört und auch als Graffiti gelesen), und wenn sich doch jemand durchringt zu protestieren, wie im November 1997 die Pensionisten in Budapest, wird die Masse mit Schlagstöcken auseinandergetrieben (weil die Demonstration, als die Leute schon auf der Straße waren, verboten wurde), und im Fernsehen hört man kein Wort darüber.

Viele Menschen haben kaum zu essen, doch wenn sie aufmucken, werden sie - wie in der guten alten Zeit - verdroschen, neuerdings nach amerikanischem Muster auf Schadenersatz verklagt. Wo ist die angeblich so offensichtliche Entwicklung in Richtung westlicher Demokratie, die dem Staatsbürger auch das Recht auf Streik nicht abspricht?8

Zur 1998 neu inaugurierten konservativen Regierung unter der Leitung des 35jährigen Viktor Orbán sei noch erwähnt, daß dieser immer mehr die Züge eines kleinen Diktators annimmt. Er ist davon überzeugt, die Masse der Wahlberechtigten hinter sich zu haben (es waren aber überhaupt nur 50% dieser bei den Urnen), und behandelt diese wie dumme kleine Kinder.

Er tauschte in fast allen staatlichen Stellen das Personal gegen ihm treue, aber oft inkompetente Leute aus, versucht zahlreiche Beschlüsse der vorigen Regierung zu revidieren, und wollte in einem Anfall von fast hitlerischem Größenwahn das Budapester Volkskundemuseum aus dem dem Parlament gegenüberliegenden Gebäude delogieren und sein Bundeskanzleramt dorthin übersiedeln.

Der jüngste Streich von Premier Orbán und Kumpanen, der bekanntermaßen ein begeisterter Hobbyfußballer ist, war, den ungarischen Fußball in den nächsten zwei Jahren mit insgesamt 21 Mrd. Forint zu unterstützen - das Gesundheitswesen erhält im gleichen Zeitraum vom Staat 50 Mrd. Forint.

1.2.2. Minderheitenpolitik

Das komplizierte Verhältnis der Ungarn zu ihren Nachbarn und den bei ihnen ansässigen ungarischen Minderheiten, ihre Probleme mit der eigenen Identität, die uns Österreichern nicht völlig fremd sind, sind ein weiter bestimmender Aspekt des ungarischen Alltags.

In Ungarn geht es den Minderheiten gut, besser als in Österreich. Man kann sich glücklich schätzen, wenn man einer Minderheit angehört. “Katholischer als der Papst“ ist der ungarische Staat im Umgang mit seinen Minderheiten. Alle, auch Migrationsminderheiten wie die Griechen oder Armenier, haben einen gewählten Vertreter im Parlament, und erhalten im Vergleich zu den Summen, die fürs Gesundheitswesen ausgegeben werden, Unmengen zur Einrichtung einer ethnischen Infrastruktur. Diese Bevorzugung und massive Unterstützung schürt natürlich die Unruhe im Volk.

In Ungarn gibt es 13 (dreizehn!) offizielle Minderheiten.

1.2.3. Sprache und Chauvinismus

Platt formuliert und sich der Verallgemeinerung durchaus bewußt: Die Ungarn sind Chauvinisten. Und wären sie das nicht gewesen, wären sie schon lange von der ethnischen Karte verschwunden und ein deutschsprachiges Land. Hier ist nicht an die deutsche Besatzung im 2. Weltkrieg zu denken.

Seit der ungarischen Staatsgründung, die mit der Krönung des Heiligen István/Stephan im Jahre 1000 besiegelt wurde, bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war das Ungarische eine Sprache, die von den Bauern verwendet wurde, Staatssprache war Latein, und war man etwas besseres, parlierte man Deutsch. Viele ungarische Adelige lernten bis dahin ihre Sprache wohl eher von der Köchin als von der Amme oder den Eltern, weil es sich wenig schickte, Ungarisch zu sprechen. Im Jahr 1808 schrieb der Tübinger Cotta-Verlag einen Wettbewerb aus, in dessen Rahmen untersucht werden sollte, ob sich die ungarische Sprache überhaupt für höhere Verwaltungs-, Handels-, künstlerische und wissenschaftliche Zwecke eignete.9

Dieser Chauvinismus ist hauptsächlich ein sprachlicher, obwohl die Umgangssprache, durch die bis weit ins 19. Jahrhundert hinein sozusagen deutschsprachige Hauptstadt beeinflußt - der Einfluß des Deutschen war bis zum 2. Weltkrieg zu spüren -, von österreichischen Wörtern (vicc, vájling, slicc, smacc, ringlispíl, früstök10 ), die kein Ungar als fremd empfindet, strotzt. Für neuere Wörter wie Computer (számítógép) oder Videorecorder (képmagnó), die wir kritiklos aus dem Englischen übernommen haben, gibt es ungarische Ausdrücke, die so auch im alltäglichen Sprachgebrauch benützt werden. Bei der Grapefruit oder dem Shampoo war man nicht mehr konsequent. Im Duna TV11 gibt es in monatlichen Abständen ein Programm, das sich Nyelvörzõ12 nennt. In dieser Sendung wird laufend die Vielfältigkeit der ungarischen Sprache betont und richtige Betonung gelehrt.

In keinem mir bekannten Land werden so viele und ständig Gedichte rezitiert.Im Volksschulalter beginnend, müssen sich die Schüler laufend irgendwelchen Rezitationswettbewerben stellen, was mitunter kuriose Auswüchse zeitigt. Unlängst, zum Geburtstag des Komponisten der ungarischen Hymne, wurde ein Rezitationsbewerb ausgeschrieben. An die 150mal wurden die acht Strophen rezitiert!

Der Chauvinismus ist in seiner ungarischen Ausformung nicht bösartig, treibt er doch ganz amüsante Blüten. Man könnte ihn, im Gegensatz zum ausgrenzenden, als vereinnahmenden Chauvinismus bezeichnen.

Viele Werke der ungarischen Literatur wurden auf Latein oder Deutsch geschrieben, doch deren Autoren bekannten sich zum Ungarntum, deswegen werden sie auch im ungarischen Literaturunterricht behandelt.

Einfacher und mit der “Volksseele“ gesprochen: von der Nähmaschine bis zur Atombombe sind alle technischen Errungenschaften ungarische Erfindungen. Der erste Präsident der USA, George Washington, war Ungar (weil er angeblich eine ungarische Großmutter hatte), und auch Viktor Klima, unser ehemaliger Bundeskanzler, ist einer der ihren, hatte er doch ungarische Vorfahren!

Auch am eigenen Leib habe ich diese Art der Weltanschauung erfahren. Während einer Diskussion im Freundeskreis wurde mir der Mund verboten, als ich eine österreichische Sicht der Dinge einwerfen wollte, da ich ja schon zu ihnen gehörte...

1.2.4. Die Trianon-“Verschwörung“

Es ist unumgänglich zu wissen, was die bloße Erwähnung des Friedensvertrags von Trianon, bei dem Ungarn um 71% seiner Fläche von vor 1918 beschnitten wurde, für heftige Reaktionen auslösen kann, um zu verstehen, was bei der Wallfahrt von Schomlenberg in vielen Hinterköpfen abläuft.

Der genauso anerkannte wie umstrittene Historiker István Nemeskürty - für den anläßlich des ungarischen Millenniums13 ein eigenes Regierungsamt ins Leben gerufen wurde - und mit dieser Meinung ist er nicht allein, spricht in diesem Zusammenhang von einer Verschwörung Europas gegen Ungarn.14 Die ungarische Ethnie wurde durch diesen Friedensschluß auf heute acht Länder (Ungarn, Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Rumänien, Ukraine und Slowakei) aufgeteilt.

Nemeskürty meint weiters, daß die Grenzen die Ungarn zwar trennen würden, die gemeinsame Geschichte, die Tatsache, daß die Ungarn immer Sklaven eines anderen Volkes waren, und die gemeinsame Sprache sie jedoch vereine.15

1.2.5. Die Ungarn und ihre siebenbürgische Minderheit

Der Friedensvertrag hat es mit sich gebracht, daß heute allein in Siebenbürgen ca. 3 Millionen Ungarischsprachige leben, die, seit sie unter die Herrschaft des rumänischen Staates gerieten, - bis zum heutigen Tag - unter Repressalien zu leiden haben. In den 80er Jahren initiierte Ceauºescu eine Dorfschleifungsaktion, bei der ausschließlich deutsche und ungarische Dörfer “weggeräumt" und die Bewohner in die Stadt verpflanzt werden sollten, um eine rasche Rumänisierung zu gewährleisten.

Horthy hat im zweiten Weltkrieg mit Gutheißung der Deutschen seine Revisionspolitik wahr gemacht, und, sich auf den zweiten Wiener Schiedsspruch stützend, Siebenbürgen wieder dem Königreich angegliedert. Doch die Entscheidung der Siegermächte des ersten Weltkrieges, die nicht, wie man lange glaubte, aus ethnischer Unkenntnis der Alliierten geschah, sondern der wirtschaftliche Überlegungen - das heutige Gebiet Ostungarns, die Zone Debrecen, Großwardein, Klausenburg, Szeged, war eine der am schnellsten wachsenden Industrieregionen Europas - zu Grunde lagen, wurde auch nach dem zweiten Weltkrieg nicht widerrufen.

Die so besiegelte Isolation Mitteleuropas und der rumänische Einfluß, der zu einer Balkanisierung Siebenbürgens geführt hat, ist der Grund dafür, daß Siebenbürgen heute zu den rückständigsten Regionen Europas gehört.16

Diese Rückständigkeit half, einen ursprünglicheren Umgang mit Traditionen zu bewahren. So wurde Siebenbürgen zum romantischen Land der klaren Quellen, Bodenständigkeit, Ursprünglichkeit für große Teile der ungarischen Intelligenz.

Das gemeine Volk jedoch hat vor langer Zeit mit dem siebenbürgischen Mythos abgeschlossen.17 In seinen Augen sind die Siebenbürger-Ungarn Rumänen, und es versteht manche Aussagen von Politikern, die meinen, das Mutterland müsse sich mehr um die ungarischen Minderheiten außerhalb seiner Grenzen kümmern, nicht.

Diesem Unverständnis begegnet wiederum die Intelligenz mit Unverständnis, die Siebenbürgen noch immer als einen Teil Ungarns betrachtet und dorthin fährt, um den echten Ungarn zu finden, den ursprünglichen Volkstanz, die ursprüngliche Volksmusik, um in ihren Bergen zu wandern, an der 1000jährigen Grenze des ungarischen Reiches zu stehen.18

Die Idee des Nationalstaates, “jedem Volk seinen Staat“, die Sinnhaftigkeit dieser Idee sei dahingestellt, hat sich bis heute, wenn man den Kaukasus nicht zum unmittelbaren europäischen Kulturkreis zählt, nur für die Albaner und die Ungarn nicht richtig verwirklicht.

Die Idee eines keimenden Aufstands für Unabhängigkeit scheint wohl den im Juni 1998 durchgeführten Manövern der rumänischen Armee auf siebenbürgischem Gebiet, im Széklerland,19 zugrunde gelegen sein. Ganz nach dem Muster des Kosovo wurde folgendes Szenario probiert: Die Städte im Széklerland (= ungarische Städte) leisten bewaffneten Widerstand und müssen erobert werden.20

Auf diese Art wurde der ungarischen Minderheit wiederum klargemacht, wie sehr sie von den offiziellen rumänischen Stellen geliebt wird.

Die derzeitige ungarische Regierung, die (viel mehr noch als die Bevölkerung) dem EU Beitritt entgegenfiebert, ist schon mit zahlreichen Ideen, was mit den ungarischen Minderheiten nach dem “Anschluß an Europa“21 geschehen soll, an die Öffentlichkeit getreten, ist doch jedes östliche Nachbarland Ungarns gegenüber der EU visumpflichtig. Es wurde davon gesprochen, allen Ungarn außerhalb der Grenzen der Republik die ungarische Staatsbürgerschaft zu verleihen. Dieser Vorschlag wurde verworfen und jetzt ist nur mehr von einem unbefristeten, nur für die Republik Ungarn geltenden Visum die Rede.

Der größte Teil des einfachen Volkes steht diesen Problemen genauso blauäugig gegenüber wie die EU-Bürokraten. Nur im ersten Fall ist es Gleichgültigkeit und Dummheit, im zweiten Fall Unkenntnis und Dummheit.

In Schomlenberg versammeln sich zu Pfingsten einerseits jene, die den siebenbürgischen “Landsleuten“ demonstrieren wollen, daß es in der Republik noch Menschen gibt, die sie nicht vergessen haben, andererseits Menschen, die schlichtweg neugierig sind und nach Spektakeln suchen.

Siebenbürgen könnte sich zu einem ernsthaften zwischenstaatlichen Problem auswachsen. Die ungarischen Minderheit wird nicht, wie die deutsche, einfach verschwinden. Denn die Republik Ungarn hat weder das Verlangen noch das Geld, ihre Minderheiten, “heim ins Reich“ zu holen.

1.3. Zur Bedeutung des ungarischen Wortes “búcsú”

Dieses aus dem Alttürkischen stammende Wort hat im Ungarischen verschiedene Bedeutungen.22 Es bedeutet einerseits Sündenerlaß, Abschied, Wallfahrt, andererseits Getümmel. So wird auch das jährliche Kirchweihfest, das Fest zu Ehren des Schutzheiligen einer Kirchengemeinde, genannt.

Im Deutschen werden zur Unterscheidung von Kirchweih und Wallfahrt eben diese Wörter verwendet, im Ungarischen nur das Wort “búcsú“. Deswegen wurde das ungarische Wort zuerst vom Volksmund, da Mißverständnisse auf der Hand lagen, durch Adjektive näher bestimmt. Die Kirchweih wurde zum “templombúcsú“ [templom = Kirche] bzw. “torkosbúcsú“ [torkos = naschhaft], die Wallfahrt zum “szentesbúcsú“ [szentes = heilig].

Die Volkskundler übernahmen diese Unterscheidungen erst viel später - in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts! -, sie sprachen lange Zeit nur vom “búcsú“, dadurch entstand heillose Verwirrung in Büchern und Datensammlungen.23

Interessant ist, daß das Wort búcsú, das eine religiöse Art der Zusammenkunft vieler Menschen beschreibt, ursprünglich nur auf die gegenteilige Handlung, den Abschied, verwies.

Noch im 14. Jahrhundert war diesem Wort nur die Bedeutung “Erlaß, Gelöbnis“ eigen, vom Ende des 15. Jahrhunderts an auch die Bedeutung “Verweis, Vertreibung; Pilgerei zum Zweck des Sündenerlasses.“ Mit dieser Bedeutung lebte das Wort búcsú nur im Gebiet der heutigen ungarischen Republik. In Siebenbürgen verbreitete sich diese Bedeutung erst Ende des 17. Jahrhunderts. Dieser bedeutungsmäßige Widerspruch ist nur schwer zu erklären.24

Das deutsche Wort “Wallfahrt“ steht mit dem mittelhochdeutschen “wallen“ = wandern, pilgern bzw. dem althochdeutschen “wallon“ = wandern, umherschweifen in Zusammenhang.25

1.4. Ein äußerst kurzer Abriß der Geschichte der Wallfahrt in Ungarn

“Der Idee der Wallfahrt liegt die an sich heidnische Vorstellung zugrunde, die Gottheit weile oder manifestiere sich an einem bestimmten Ort. Heilige Quellen, die schon in heidnischer Zeit Wunder wirkten, können ebenso zum Ziel einer Wallfahrt werden wie das Grab eines Heiligen oder der Ort seiner Erscheinung.“26

Abraham a Sancta Clara formulierte das folgendermaßen:

“Es ist zwar allenthalben gut beten…Gleichwohl aber hat Gott ihme und seinen Heiligen entliche Ort sonderlich erkiesen.“27

Die Wallfahrt gehört zu den bis heute bei fast allen Religionen zu findenden Umzügen aus religiösem Anlaß. Dazu kommt, wie erwähnt, die Auffassung, daß Gottheiten sich an bestimmten Orten besonders gern offenbaren und den um Hilfe bittenden Personen eher helfen, da diese näher bei den Gottheiten sind, außerdem der Gottheit die Verehrung an solchen Orten besonders lieb ist.28

Die Wallfahrt impliziert die Bitte um Hilfe Gottes bzw. den Dank für erhaltene Erleichterungen, die Gott zugesprochen werden.

Die Wallfahrt war nie nur von religiöser Bedeutung. Die Jugend schloß Bekanntschaften, Eltern hielten nach einem Mann für ihre Tochter, Burschen nach Mädchen Ausschau, für Verwandte und Bekannte bedeute sie einen fixen Treffpunkt im Jahreskreis.29 In jüngerer Vergangenheit, in den 60er Jahren, nützten viele slowakische Ungarn die Wallfahrt von Gyûd bei Nyitra (Slowakei), um sich mit ihren in den 40er Jahren im Rahmen des Bevölkerungsaustausches ausgesiedelten Verwandten zu treffen. Die Aussiedler kamen dazu organisiert unter dem Vorwand eines Ausfluges mit Bussen angereist.30 Individualreisen zwischen der Slowakei und Ungarn waren bis in die 70er Jahre kein leichtes Unterfangen.

In Wundern liegt der Ursprung fast jeder Wallfahrt. Diese müssen jedoch zuerst von der Kirche untersucht und anerkannt werden. Durch diese Anerkennung erhielt ein Wallfahrtsort einen besonderen Stellenwert im religiösen Leben.31

Heute geschehen solche Ernennungen kaum mehr und wenn, dann erst nach eingehender Überprüfung, Zeugenbefragung. Im Barock, besonders nach der Türkenbefreiung, war dies anders, wurden doch bis zum Beginn des 19.

Jahrhunderts zahlreiche neue Wallfahrtsorte durch die Initiative von Orden und Adeligen geradezu geschaffen.

Adelige stifteten Gnadenbilder, Statuen, die möglichst auf eigenem Lehen untergebracht waren. Dorthin geziemte es sich zu pilgern. So hielten die Adeligen ihre Leibeigenen zusammen, banden sie durch ihren Glauben an die Scholle.32 Als Erinnerung an ein geschichtliches Ereignis wird die Wallfahrt in Csíksomlyó abgehalten. An diesem Wallfahrtsort geschahen die Wunder erst später. Mit dieser wiederkehrenden Zelebrierung eines Sieges, der das Ende eines realen Konfliktes bildete, ist Csíksomlyó im ungarischen Sprachraum einzigartig.

Die Wallfahrt ist im Leben der römisch- und griechisch-katholischen Gläubigen in Ungarn seit vielen Jahrhunderten eine der wichtigsten und herausragendsten Äußerungen.

Zwei Arten sind klar voneinander zu unterscheiden:

dedicatio ecclesiae: templombúcsú, der Kirtag peregrinatio: szentbúcsú, die Reise an einen bestimmten Gnadenort, Wallfahrtsort33

Sowohl der Kirtag als auch die Wallfahrt erfüllen in der Volksfrömmigkeit eine wichtige Funktion. Natürlich ist die religiöse Komponente am wichtigsten, aber nebenbei bietet die Wallfahrt Möglichkeit zur Zusammenkunft, zum Warentausch, zur Kommunikation, zum Kennenlernen von anderen (Jugendlichen) - (Mädchenmarkt). Bei den protestantischen Ungarn ist all dies weitgehend unbekannt.34

Im speziellen Fall der Schomlenberger Wallfahrt pilgern aber von Jahr zu Jahr immer mehr protestantische Székler gemeinsam mit den Katholiken zur “Maria in der Sonne“. Untersuchung über die Beteiligung der Protestanten an der Pfingstwallfahrt gibt es jedoch keine.35

Die christliche Wallfahrt (indulgentia) war ursprünglich mit dem teilweisen oder vollständigen Sündenerlaß, durch eine für bestimmte Zeit und Dauer verordnete Buße verbunden.

Die Kirche stellte für die Erlangung des Ablasses strenge Bedingungen auf und bestimmte auch die Art und Weise. Sie versah bestimmte Orte mit der Möglichkeit der Erlangung des Ablasses bzw. irgendwelchen Gegenständen (Kreuz, Altar, Bild). Durch wallen an einen solchen Ort konnte man folglich Ablaß erhalten.36

Die christliche Wallfahrt kann nach Raum, Zeit bzw. Zeitalter kategorisiert werden.

Als ihren direkten Vorgänger kann man die Pilgerei der Juden betrachten. Schon von Beginn des Christentums an suchten die Gläubigen Palästina, das Heilige Land, die Wirkungsstätten Jesu und seiner Jünger auf.

Zu bedeutenden Wallfahrtsorten wurden die apostolischen Fürstentümer, die Gräber Peters und Pauls in Rom, das Grab des älteren Jakob im spanischen Compostella. Im Laufe der Zeit wurden auch die Gräber der Märtyrer bzw. Orte, wo Reliquien aufbewahrt wurden, zu Kultstätten. Erst im Mittelalter erscheinen unabhängig von den Reliquien Gnadenbilder, Gnadenstatuen, und besonders die Marienverehrung erblühte. Diese verschiedenen Arten von Wallfahrtsorten leben bis zum heutigen Tag nebeneinander.37

Die Wallfahrt durchlief besonders im Mittelalter bedeutende Wandlungen, die bis zum heutigen Tag andauern. Mit der fortschreitenden Entwicklung der feudalen Gesellschaft, dem Anwachsen der Produktion und der Bevölkerung, dem Entstehen von Städten, wurde aus dem früher einsamen Pilger eine Masse von Menschen,38 die sich seit dem 18. Jahrhundert hauptsächlich aus den Reihen der Bauernschaft rekrutierte.39

In der Geschichte der ungarischen Wallfahrt sind genau diese Entwicklungsstufen zu beobachten. Ins heilige Land, nach Rom, Aachen, Tours, Compostella wuchs der ungarischen Pilgerstrom stetig, doch auch an die Gnadenorte des ungarischen Königshauses Árpád.40

In großer Zahl pilgerten auch nicht ungarische Gläubige an diese Gnadenorte. Bis zum heutigen Tag pilgern die Ungarn regelmäßig nach Mariazell, Loretto oder Tschenstochau.41

Bis zum 15. Jahrhundert hatte sich auch in Ungarn ein relativ dichtes, gleichmäßig Netzwerk von Wallfahrtsorten herausgebildet, welches durch die türkischen Eroberungen und die Reformation fast völlig zerstört wurde.42

Vom 17. Jahrhundert an wurden zahlreiche im Mittelalter bestehende Wallfahrtsorte, an denen Reliquien verwahrt, Heilige verehrt wurden, als Marienwallfahrtsorte neu belebt. Die meisten noch heute bestehenden Wallfahrtsorte sind jedoch ein Resultat der katholischen Restauration, der Gegenreformation im Laufe des 17. - 18. Jahrhunderts, sie sind im Zeichen des Regnum Marianum und des Barock entstanden. Die Verehrung der Gottesmutter versprach zu jener Zeit Schutz vor den Türken.43

Viele der Wallfahrtsorte, die sich im 18. Jahrhundert herausbildeten, stehen im Zusammenhang mit den durch die Türkenherrschaft entvölkerten Landesteilen, besonders der Tiefebene und des Délvidék44, und deren Wiederbesiedelung. Die dort angesiedelten vorwiegend deutschen, katholischen Volksgruppen brachten die Tradition bzw. ein Gnadenbild eines Wallfahrtsortes ihrer früheren Heimat mit, und diese Tradition lebte auch in ihrer neueren Heimat weiter. So entstanden einige bis zum heutigen Tage bestehende Wallfahrtsorte.45 Diese Gnadenorte zogen im Zeichen des Marienkults Ungarn und Deutsche sowie andere katholische ethnische Gruppen an (Bosniaken, unierte Rumänen, Slowaken). In höchstem Maße wurden die Wallfahrten von den Franziskanern und Jesuiten gefördert.46 Sie wachten über die Ordnung bei den Wallfahrten, nahmen den Pilgern die Beichte ab, und nicht selten betrieben sie sogar “Propaganda“ für ihren Wallfahrtsort, indem sie Legendensammlungen und Gesangsbücher druckten.47

Die Glaubensstrukturen des Mittelalters manifestieren sich bis heute in der geographischen Anordnung der Gnadenorte. Die meisten ungarischen Wallfahrtsorte liegen im katholischen Westungarn, in Nordungarn (heute zum Teil im Burgenland und in der Slowakei). In der ungarischen Tiefebene, den ostungarischen Provinzen und Siebenbürgen, Gebieten, die zum größten Teil protestantisch sind, können kaum Gnadenorte gefunden werden.

Das ungarische Wallfahrtswesen, das im 18. Jahrhundert seine Hochblüte erlebte, wurde nicht nur durch die Erlässe Josef II., sondern auch durch den Rationalismus und schließlich die Zerteilung des Landes durch den Trianoner Friedensvertrag in seinen Grundfesten erschüttert. Besonders der Friedensvertrag bewirkte eine starke Verkleinerung der Einzugsgebiete der Wallfahrten. Seit dem Fall des eisernen Vorhangs, der durchaus auch zwischen den “sozialistischen“ Ländern bestand, haben sich die Einzugsgebiete der Wallfahrtsorte wieder vergrößert, doch sind in der Wallfahrt starke touristische Elemente zu beobachten.48

1.4.1. Marienverehrung

Maria ist als Mutter Jesu die Vermittlerin zwischen Mensch und Gott.49 In der frühen christlichen Kirche war sie ein “Vorbild des Glaubens“, in der Ostkirche betrieb man bereits im 3. Jh. die Marienverehrung, im Westen fand diese erst im 6. Jh. in der Volksfrömmigkeit ihren Anfang.50 Im späten Mittelalter trugen besonders Orden wie die Franziskaner, Zisterzienser, Dominikaner, später die Jesuiten und Piaristen zur Verbreitung der Marienverehrung bei.51

1.4.1.1. Dogmen zur Gottesmutter

In Verbindung mit der Gottesmutter hat die katholische Kirche vier Dogmen aufgestellt. Im Jahr 431 n. Chr. das von der Gottesmutterschaft, 649 n. Chr. von der Jungfräulichkeit Mariä auch nach der Geburt, 1854 n. Chr. von der unbefleckten Empfängnis, d.h., daß sie frei von Erbsünde sei, schließlich 1950 das Dogma von der Aufnahme Marias in den Himmel mit Leib und Seele.52 Die Ostkirche erkennt nur das Dogma der Gottesmutterschaft an. Die Kirchen der Reformation leugnen bzw. distanzieren sich von der Gottesmutterschaft und Jungfräulichkeit Marias nicht, lehnen die Verehrung Marias aber als nicht biblisch ab.53

1.4.1.2. Marienfeiertage

Schon im 14. Jh. wurden Maria zu Ehren Feiertage eingeführt, die bis zum heutigen Tag von der Kirche begangen werden.54 Diese sind Mariä Heimsuchung (2. Juli) bzw. Mariä Empfängnis (8. Dez.). Im 15. Jh. wurde der Siebenschmerzentag (15. September) und Maria Schnee (5. August) eingeführt. Gemeinsam mit den seit dem 7. Jh. bestehenden Marienfeiertagen Mariä Himmelfahrt (15. Aug.) und Mariä Geburt (8. Sept.) bilden diese Tage bis heute den Anlaß zu Marienwallfahrten in ganz Europa. Dazu kommen noch weitere Tage (Maria Lichtmeß, Maria Namen usf.), die zumindest regional auch wallfahrtsmäßig begangen werden.

1.4.1.3. Maria als Beschützerin

Mit dem Konzil von Trient, welches von 1545-63 stattfand, wurde das Mittelalter abgeschlossen und die katholische Restauration, die Gegenreformation, denn die katholische Kirche hatte unter dem starken Protestantismus und den Türken zu leiden, eingeleitet.55 Die Marien- und die Heiligenverehrung wurde auf diesem Konzil aufgewertet, gefördert, um sich auf diese Weise von den Protestanten abzugrenzen, um “Anstoß zur Aktivierung marianischer Frömmigkeit und vormals nie erreichter Volkstümlichkeit“56 zu geben.

In diesem Zusammenhang kam Maria sogar die Rolle als Beschützerin der Katholischen Liga in der Seeschlacht 1571 bei Lepanto gegen die Türken, 1620 bei der Schlacht am weißen Berg bei Prag im Rahmen des 30jährigen Krieges, zu. Friedrich III. versprach, ganz in der Tradition des Adels als Betreiber der Bekehrung des Volkes, durch die Stiftung von sakraler Kunst, im Rahmen der Bedrängnis Wiens durch die Schweden 1647, die Errichtung einer Mariensäule, wenn die Gottesmutter seine Länder schütze.57 Auf die Schutzfunktion Marias, besonders gegenüber den Türken (den Heiden), wurde durch eine Bibelstelle (Offb. 12:1) geschlossen.58

“Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“

Mit anderen Worten und ein bißchen Phantasie: Maria zerstampft den türkischen Halbmond.

Auch zur Schutzpatronin ganzer Reiche wurde Maria erkoren. Schon der Heilige Stephan von Ungarn stellte sein Land unter die Obhut der Gottesmutter, sie wurde zur “Königin, Patronin und Mutter aller Ungarn“59 erwählt, er schaffte das Regnum Marianum. Bis zum heutigen Tagen stehen Mexiko und Polen unter ihrem Schutz.

Maria hat laut Überlieferung diese Schutzfunktion auch bei den Széklern in Siebenbürgen erfüllt. Einerseits half sie bei den Mongolenstürmen, andererseits bei der Erhaltung des katholischen Glaubens in Siebenbürgen. Diese Schutzfunktion Marias trug wesentlich zum Aufblühen der Schomlenberger Wallfahrt bei.

1.4.1.4. Marienverehrung im Barock

Besonders die Vorstellung der unbefleckten Empfängnis (immaculata conceptio), von der sich die Maria vom Siege und die Maria als Braut des Heiligen Geistes ableiten lassen,60 erlebte im Barock einen wahrhaften Aufschwung. Ferdinand II. (1617-37), der durch seine radikalen Rekatholisierungsversuche den 30jährigen Krieg auslöste, wollte das einfache Volk durch die Kunst bekehren, umerziehen, deswegen entstanden zu jener Zeit zahlreiche Bildstöcke und -säulen, Marienwallfahrten wurden wiederbelebt.61

Diese wurden einerseits von der Kirche, Ordensgemeinschaften initiiert, andererseits durch Adelige, die Marienbilder stifteten. Im Széklerland war die katholische Tradition durch die Reformation nie wirklich gefährdet. Sie erhielt dadurch nur neuen Aufschwung.

Als Beispiel für den Einsatz von Adeligen bei der Rekatholisierung sei der Wallfahrtsort Mariazell erwähnt. Dieser wurde vom Herzog Paul Esterházy in großem Maße gefördert. Esterházy stiftete den westungarischen und ostösterreichischen Wallfahrtsorten Gnadenbilder, Statuen und trug dadurch bedeutend zum Aufschwung der Marienverehrung bei.62 Er wallfahrtete angeblich selbst 58 mal nach Mariazell.63 In der Barockzeit erlebte die Marien- und Heiligenverehrung ihre Hochblüte, die mit Fortschreiten der Aufklärung, mit den Reformen Joseph II. endete. Er schränkte die kirchliche Macht ein, verabschiedete das Toleranzpatent und gab sich dem Geist der wiedergeborenen klassischen Antike hin.64 Doch derlei Geistesströmungen drangen auf siebenbürgisches Gebiet kaum vor.

1.4.2. Pfingsten

Das deutsche Pfingsten stammt vom griechisch “Pentekoste“ (fünfzigster) ab, in den christlichen Kirchen das Fest der Herabkunft des Hl. Geistes. Das Pfingstfest - 50 Tage nach Ostern - ist seit 130 n. Chr. bezeugt und geht auf das jüdische Wochenfest (Schwu‘out) zurück.65 Der Hl. Geist wird in der christlichen Ikonographie als Taube dargestellt. Die Gläubigen glauben ihn in der aufgehenden Sonne zu erblicken.

Auch die Csángós, von denen im folgenden Kapitel die Rede ist, sind überzeugt, wenn sie reinen Herzens sind, in der aufgehenden Sonne des Pfingstsonntags zu erblicken.

2. Tschangos, Tschangonen, Chango, Csángók

Mit mitunter eigenartigen Namen ist die in der Moldau ansässige Gruppe Ungarischsprachiger belegt worden, wenn man in die Verlegenheit kam, ungarische volkskundliche Texte, die diese erwähnten, zu übersetzen, denn wirklich geschrieben wurde über sie in einer westlichen Sprache noch nicht. Da mich die verdeutschten oder verenglischten Schreibweisen der Csángók (das “k“ ist die ungarische Pluralendung), allesamt an schlechte Spaghettiwestern mit Franco Nero erinnern (der übrigens im furchtbar schlechten und furchtbar teuren und furchtbar monumentalen hurrapatriotischen Film “Honfoglalás“ - “Die Landnahme“ den ungarischen Heerführer Árpád mimte), in denen andauernd geschossen, aber nie nachgeladen wird, habe ich mich in meiner Arbeit dazu entschlossen, die ungarische Einzahlform zu benützen und sie mit einem Plural -s zu versehen. Sollte irgendwo doch die ungarische Pluralform “Csángók“ zu finden sein, möge man mir das nachsehen.

Das Wort Csángó ist ein Sammelbegriff für die ungarischsprachigen Gruppen in und um Siebenbürgen, die sich von den Széklern in erster Linie durch den Dialekt und Traditionen unterscheiden. Es ist das Partizip Präsens eines ausgestorbenen Verbs mit der Bedeutung “abwandern“, “sich trennen“. Unter den Csángós versteht man in erster Linie die Moldauer Csángós.

Die ungarische Volksgruppe, die sich aus der Gruppe der Székler herausgelöst und im Gyimes Tal, entlang des Tatros-Flusses niedergelassen hat, wird als Gyimeser Csángós bezeichnet. Die Ungarn, die rund um Kronstadt/Braºov leben, werden als Hétfalusi Csángók (Siebendörfer Csángós) bezeichnet.

Das Wort Csángó ist von sehr abwertender Natur, und war auch nie von denselben als Eigenbezeichnung, sondern stets von den Széklern als Fremdbezeichnung verwendet worden.

Wenn in dieser Arbeit das Wort Csángó vorkommt, sind damit - wie auch im allgemeinen ungarischen Sprachgebrauch - die Ungarischsprachigen der Moldau, die Moldauer Csángós gemeint.

2.1. Der Ursprung der moldauischen Csángó - Ungarn

Seit dem 18. Jahrhundert interessiert sich die Wissenschaft immer einmal mehr, einmal weniger für den Ursprung der Csángós. Obwohl durch die Volkskunde, Sprachwissenschaft, die Geschichtsschreibung, sogar die Archäologen diesbezüglich Theorien geschmiedet wurden, ist man bei der Beantwortung grundsätzlicher Fragen noch zu keinen wirklichen Ergebnissen gekommen.66

Tatsache ist, daß die ungarischsprachige Bevölkerung der Moldau aus zwei Teilen besteht. Aus jenen, die sich im Tatros und Tázló - Tal ansiedelten, den “Széklerungarn“, und der Gruppe, die sich nordöstlich, am Mittellauf des Szeret- Flusses, am Unterlauf des Moldova und Beszterce - Flusses ansiedelten, den “Csángóungarn“.67

Ihre Bräuche und Dialekte unterscheiden sich, deswegen ist es selbstverständlich, daß sich die Ursprungsgeschichte der beiden Gruppen unterscheidet. Gunda meint, die “Ergebnisse“ der Altertumswissenschaft beachtend, daß “die in der Umgebung von Bákó und Románvásár lebenden Ungarn die Nachkommen jener Ungarn sind, die bei der Landnahme außerhalb der Karpaten blieben. Diese leben seit der Landnahme ohne Unterbrechung im Moldau-Gebiet.“68

Diese Ansicht entspricht der romantisch verklärenden Richtung der ungarischen Volkskunde und ist sehr unwahrscheinlich.

Lajos Benkõ ist von Gundas Argumentation nicht überzeugt, er vertritt, sich auf die Sprachwissenschaft stützend, einen anderen Standpunkt.

Er nimmt dazu die Eigenbezeichnung “Csángó“ zu Hilfe, die vom ungarischen Verb csáng, das “herumstreifen“ bedeutet, abzuleiten ist. Deswegen meint er, daß sich diese Volksgruppe von ihrem ursprünglichen Wohnort entfernte, umsiedelte. Weiters ist er der Überzeugung, daß die geographischen Namen im Csángó Gebiet ungarischen Ursprungs sind, aber aus dem Fehlen der ältesten ungarischen Namenstypen, den Namen der landnehmenden Stämme, Namen, die auf -i enden, schließt er darauf, daß die Csángós frühestens Ende des 13. Jahrhunderts im heutigen Gebiet seßhaft geworden waren.69

Der Dialekt der Csángós zeigt gewissen Parallelen zum Dialekt der Mezõség (Gebiet um Klausenburg/Siebenbürgen), deswegen kann mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, daß sich die Csángós aus den dort siedelnden ungarischsprachigen Gruppen herausgelöst haben, meint Benkõ weiters.70

Géza Ferenczi glaubt, daß die Csangós Grenzwächter waren, die nach Abschluß der ungarischen Besetzung Siebenbürgens gegen Ende des 11. Jahrhundert die Grenzburgen, den Grenzstreifen bewachten, durch die Einwanderung der Székler aber immer weiter nach Osten, in die Karpaten und darüber hinaus gedrängt wurden.71

Der Sage nach kamen sie mit Attila in die Moldau, doch könnte sie auch ganz einfach die magyarisierte Urbevölkerung sein.72 Doch das soll uns nicht weiter kümmern.

Die Székler und mit ihnen die Csángós sind laut ungarischer Mythologie folgendermaßen am östlichen Rand des Karpatenbeckens seßhaft geworden.

“Mit schwindenden Truppen zog sich Csaba zurück, um mit seinen asiatischen Verwandten gemeinsam zurückzukehren, und das verlorene Land zurückzuerobern. Er nimmt das heilige Schwert Attilas mit sich, um es in den Wogen des Meeres, das die östlichen Steppen umspült, sauber zu waschen, damit es seine Zauberkraft zurückerhält. An der äußersten Grenze Siebenbürgens läßt er die Székler zurück um zu wachen, und daß sie ihm helfen, wenn er zurückkehrt. Beim Abschied opfern die Ziehenden dem Feuer, dem Wasser, der Luft und der Erde und danach schwören sie, daß sie bei drohender Gefahr selbst vom Ende der Welt zurückkehren, um Hilfe zu leisten. Die Truppen Csabas hatten kaum den Fuß der schneebedeckten Karpaten erreicht, da erhoben sich schon die Völker gegen die Handvoll Székler. Da erschrak die Erde, die Kronen der Bäume begannen zu zittern und gaben so Nachricht von der Gefahr, die die Brüder der ziehenden Heerscharen bedrohte. Ein Teil der Truppen kehrte um und zermalmte die überraschten Feinde zu Staub. Ein Jahr verging, und die Bewohner der Täler beneideten die Székler um ihre Ruhe und bedrohten sie wieder mit ihren Heerscharen. Der Bach floß schreiend in den Strom, der Strom ins Meer, und dieses brachte wieder die Nachricht den sich entfernenden Heerscharen. Die Hilfe kam nicht zu spät, und die Székler wurden wieder gerettet. Nach drei Jahren wurden die Székler von neuen Völkern umgeben und zwischen ihnen entbrannte ein Kampf auf Leben und Tod. Der Wind erreichte die sich in Griechenland befindlichen Ziehenden nicht mehr. Doch sich mit den Stürmen der Steppe vereinend, fand er die Heerscharen doch, weit im Südosten. Csabas Volk kehrte zum dritten Mal zurück und verhalf seinen Brüdern zum Sieg. Danach vergingen viele Jahre. Aus Samen wuchsen Nußbäume zu greisen Stämmen heran, die Söhne alterten und ihre Enkel wurden zu tapferen, waffentragenden Männern. Ihr Fleiß zauberte aus dem Urwald kleine Siedlungen hervor, der lange Aufenthalt machte den Wachposten zur süßen Heimat. Es gab keinen, der sich traute, das Land der Székler, das unter deren eigener starker Hand und der eines unbekannten Heeres stand, zu bedrohen. Doch schließlich brach doch der alte Haß der Nachbarn, gegen die Székler, die in ihrer Sprache und in ihrem Brauch einzigartig waren, hervor. Unzählige Völker erhoben sich, um die Székler auszurotten. Und sie begannen deren felsige Heimat von allen Seiten zu bedrängen. Glorreich focht der Székler, doch langsam ermattete er im Angesicht der übermächtigen Kräfte. Die Hilfe ist weit, vielleicht wurden sie auch vergessen. Die Brüder, von denen sie sich seinerzeit trennten, träumten schon lange im Schoß der Erde. Doch der Stern der Székler schlummert nicht. Sich an die Opfer, an den Schwur erinnernd, bringt er die Nachricht von der Bedrohung mit wehenden Fahnen in die himmlischen Hallen. Herunten steht die letzte Schlacht bevor, eine Handvoll Székler steht dem übermächtigen Feind gegenüber, das Schlagen von Rössern und das Getöse von Waffen erklingt und strahlende Truppen ziehen am Himmel auf. Die glorreichen Schlachtbrüder, die dreimal zu Hilfe geeilt, kommen jetzt ein viertes Mal. Als stumme Geister reiten sie in langen Reihen über den sternenübersäten Himmel, um ihren Brüdern zur Hilfe zu eilen und steigen dort herab, wo das blaue Himmelsgewölbe die schneebedeckten Spitzen der Székler Berge umarmt.

Es gibt keine Sterblichen, die vor den Unsterblichen bestehen könnten. Furcht nimmt Besitz vom Meer der Feinde, und diese laufen auseinander, ohne nach hinten zu sehen.“73

Dem ist doch nichts mehr hinzuzufügen, oder…?

2.1.1. Streit um die Abstammung der Csángós

Seit der Romantik ist man von der Idee besessen, daß nationale Zugehörigkeit etwas mit Muttersprache zu tun hat, und hat unter dem Deckmantel derselben viel Leid verursacht und Blut vergossen.

Die rumänische Geschichtswissenschaft versucht ebenfalls seit der Romantik zu beweisen, daß das “rumänische Volk” direkt von den Römern abstammt und hat, um dies zu untermauern, zahlreiche mitunter haarsträubende Theorien entwickelt. Alle auf rumänischem Staatsgebiet lebenden Anderssprachigen, deren Herkunft nicht mit absoluter Sicherheit bestimmt werden kann, sind laut rumänisch-nationalistischer Wissenschaftsauffassung magyarisierte, slawisierte, turkisierte usf. “Urrumänen“.

Diese Argument wird durchaus auch gegen die Moldauer Csángós verwendet, wenn sich diese für, um nur ein Beispiel von vielen zu erwähnen, muttersprachlichen Unterricht einsetzen.

Rumänische Sprachwissenschaftler versuchen das ursprüngliche Rumänisch-Sein der Csángós unter anderem folgendermaßen zu beweisen:

Die Csángós verwenden, um den Schwager zu bezeichnen, das Wort “lér“.74 Dieses stammt vom Lateinischen “levir“ ab, wird deswegen von rumänischen Sprachwissenschaftlern als “rumänisches Urwort“ bezeichnet, und somit ist der Schluß auf eine magyarisierte rumänische Urbevölkerung nicht mehr weit.

Das Wörtchen “lér“ kommt nicht nur in älterer ungarischer Literatur, sondern auch in republiksungarischen Dialekten bis heute vor...75

2.2. Sprachgebrauch der Csángós

Ca. 60.000 Moldauer Csángós beherrschen die ungarische Sprache noch. Nachdem in der Moldau ca. 250.000 Römisch-Katholische76 leben, und zurecht davon ausgegangen werden kann, daß der größte Teil dieser von Csángó-Abstammung ist, hat das Ungarische noch vor 100 Jahren eine viel bedeutendere Rolle gespielt als heute.77

Die Sprache der Csángós hat ihre altertümlichen Züge erhalten, befindet sich in dem Zustand, in dem sich das Ungarische befand, als sich die Csángós von den Széklern trennten. Seitdem lebten sie in sprachlicher Isolation, liegen ihre Dörfer doch relativ weit vom geschlossen ungarischen Sprachgebiet, den Széklern entfernt. Der wesentliche Unterschied zwischen dem Gemeinungarischen, das auch mit geringer dialektaler Färbung von den siebenbürgischen Ungarn gesprochen wird, und dem Csángó- Ungarischen wurde in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts künstlich noch vergrößert, erneuerten doch damals mitunter große Poeten und Schriftsteller das Ungarische.78 Die meisten Neuerungen wurden langsam in die Alltagssprache übernommen und verbreiteten sich mit wachsender Mobilität von der Stadt aufs Land, was dazu führte, daß heute Ungarischsprachige, die nicht aus dem bäuerlichen Milieu stammen, kaum mehr dialektale Färbung in ihrer Sprache tragen. Das Csángó-Sprachgebiet hat diese Neuerungen nicht nur wegen seines Inseldaseins, sondern auch wegen des Mangels an örtlicher Intelligentia und muttersprachlicher Schulbildung nicht mitgemacht.

Die ca. 60.000 Ungarischsprecher in der Moldau befinden sich somit in ähnlicher Situation wie die burgenländischen Ungarn, die in ihrer Sprachstruktur, in der Grammatik - bis auf die durch die Spracherneuerung eingeführten Mitlautassimilationen- durchaus des Ungarischen mächtig, aber, um es einfach zu formulieren, im Vokabular sehr stark von ihrer Umgebung beeinflußt sind. Wie die burgenländischen Ungarn sich Wörter aus dem Deutschen für nicht mit dem täglichen Leben und dem bäuerlichen Milieu in Zusammenhang stehende Konversation und neue Erfindungen, abstrakte Sachverhalte entlehnten, Dialektsprecher sich hochsprachlicher Idiomatik bedienen, entlehnten sich die Csángós diese Wörter aus dem Rumänischen.

Die Zahl der von den Csángós benützten rumänischen Wörtern ist von Dorf zu Dorf verschieden, hängt auch von der Zahl der in einer Siedlung des Ungarischen Mächtigen ab.

Heute kann man in der Moldau nicht mehr davon sprechen, daß sich der rumänische Einfluß auf das eine oder andere Gebiet des Csángó-Lebens beschränken würde, heute ist die Sprache der Csángós in ihrer gesamten Bandbreite vom Rumänischen durchdrungen, wie im Laufe der letzten dreißig Jahre im Rahmen der nicht immer einfachen Erhebungen zu einem “Atlas des Csángó-Ungarischen Dialekts“ festgestellt wurde.79

Die Bildungssprache der Csángós ist das Rumänische, das sie auch benützen, wenn sie sich nicht in familiärer Umgebung bewegen. Einsprachige, die nur Ungarisch sprechen, gibt es kaum mehr, wenn sie nicht schon völlig verschwunden sind. Die rumänische Einsprachigkeit greift immer mehr um sich, in den noch ungarischsprachigen Dörfern ist immer öfter eine Art Mischsprachigkeit, Halbsprachigkeit anzutreffen, was bedeutet, daß viele der Csángós weder das Ungarische noch das Rumänische in allen Feinheiten beherrschen. Viele sind auch nicht mehr imstande, zu bestimmen, welche von ihnen benützte Ausdrücke, Formulierungen ungarischer oder rumänischer Herkunft sind.80 Der nächste Schritt ist die vollkommene Rumänisierung.

2.3. Über die Beziehung von Religionszugehörigkeit und ethnischer Identität bei den Csángós

Geht man von der wahrscheinlichsten Ursprungstheorie der Csángós aus, nämlich daß sie irgendwann im oder nach dem 13. Jahrhundert aus welchem Grund auch immer aus dem Karpatenbecken auswanderten, ist es klar, daß sie kein “ungarisches Nationalbewußtsein“81, - neutraler formuliert - Identitätsbewußtsein mit sich nahmen. Die Ereignisse, die zur Formung eines ungarischen Identitätsbewußtseins führten, beginnend mit der Schlacht bei Belgrad gegen die Türken 1456 bis zur Revolution gegen die österreichische Oberherrschaft 1848, waren für diese Gruppe nicht von Belang.

Die Moldauer Ungarn hatten nie eine eigene weltliche Intellegentia, die ungarisch erzogen worden und so in ungarischem Bewußtsein aufgewachsen wäre, keinen Adel, nicht einmal Handwerker.82 Muttersprachlichen Schulunterricht hat es, mit Ausnahme kürzester Zeit, nie gegeben.83

Deswegen konnte das ethnische Bewußtsein nur von der geistlichen Intellegentia - die dieser Aufgabe nicht wirklich gewachsen war - gefördert werden. Die moldauischen Ungarn waren im Gegensatz zu ihrer Umgebung katholischen Glaubens, und das führte so weit, das fast nur endogame Ehen geschlossen wurden.84

Das Beharren auf dem katholischen Glauben beschreibt eine Tagbuchaufzeichnung von Mihály Bay, einem katholischen Priester, der durch die Moldau reiste, aus dem Jahre 1706:

“Die Leute in Csöbörcs sind so stark in ihrem Glauben, daß sie eher dazu bereit sind, obwohl ein orthodoxer Pfarrer im Dorfe wohnt, ihre Kinder ungetauft zu begraben, als sie durch den walachischen Pfarrer taufen zu lassen.“85

Bei den Moldauer Csángós tritt somit die eigenartige Tatsache ein, die auch in der interethnischen Forschung noch nicht wirklich Beachtung gefunden hat, nämlich daß sich eine ethnische Gruppe über ihre Glaubenszugehörigkeit definiert bzw. nur so definiert werden kann.86

Selbst die Csángós rund um Románvásár, obwohl sie sprachlich schon völlig assimiliert sind, bezeichnen sich, nach ihrer ethnischen Zugehörigkeit gefragt, nicht als Rumänen, sondern als Katholiken. Dies ist die extreme Form des Csángó- Identitätsbewußtsein, sie wissen nicht, welcher Ethnizität sie zugehörig sind, sondern nur welcher sie nicht zugehörig sind.

Die Csángós, die rund um Bákó leben, sind sich ihrer ethnischen Zugehörigkeit schon eher bewußt. In zahlreiche Briefen an den Papst forderten und fordern sie, bitten um ungarischsprachige Priester, so wie die Bevölkerung von Lészped im Jahre 1960:

“…wir bitten nicht um Gold, Diamanten oder edle Steine…denn diese könnt Ihr uns nicht geben. Wir bitten nur um eine kleine Sache, die Ihr uns sehr leicht geben könntet, ohne jede Kosten…limba maternã Maghiarã în bisercia…unsere ungarische Muttersprache in der Kirche.“87

Doch diese geistliche Intellegentia mit ungarischem ethnischen Bewußtsein hat es nie gegeben, die Indoktrination in der Priesterschmiede von Iaºi ist wohl zu überwältigend, und so konnte dieses katholische Anderssein die Moldauer Ungarn vor einer langsamen Assimilation nicht wirklich bewahren.

Ein weiterer Faktor, der verhinderte, daß sich ein Identitätsbewußtsein entfalten konnte, war die seit mehr als 100 Jahren präsente Propaganda der rumänischen Behörden und der mit ihnen kooperierenden katholischen Instanzen in der Moldau, die den Csángós klar zu machen versuchten, daß sie KEINE Ungarn sind, und daß das von ihnen gesprochene Idiom nicht Ungarisch ist, sondern ein “entarteter Schatten“88 desselben.

“Entartete Sachen“ hat es seinerzeit auch im deutschsprachigen Raum viele gegeben.

2.3.1. Kantor und Identitätspfleger

Neben dem Pfarrer vertrat einzig und allein der Kantor, der in den meisten moldauisch ungarischen Dörfern “deák“89 genannt wird, einen gewissen ethnischen Spiritus. Die Aufgaben der Kantoren in der Moldau waren um einiges umfassender als der Kantoren im übrigen ungarischen Siedlungsgebiet.90

Das Gebiet Moldau war vom Beginn des 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Missionsgebiet, in das die Hl. Kongregation für Mission nie genügend Priester zu schicken imstande war. Dieser Priestermangel wurde durch die Einrichtung eines katholischen Bistums Iaºi 1884 und die Eröffnung eines Priesterseminars zwei Jahre später nur wenig gelindert. Auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Priestermangel noch akut.91

Jeder Pfarrer hatte mehr als ein Dutzend Filialkirchen zu betreuen, so spielte der “deák“ in der Pflege des Seelenlebens der Gläubigen eine wichtige Rolle. Der “deák“ war fast immer im betreuten Dorf geboren und aufgewachsen, verfügte so über die notwendige Ortskenntnis und wußte um die lokalen religiösen Traditionen Bescheid. Er rief die Dorfbewohner sonntags zum Rosenkranzbeten, stimmte die dem Kirchenjahr entsprechenden ungarischen Kirchenlieder an, gab den Kindern in ungarischer Sprache Religionsunterricht, führte Begräbnisse durch und leitete diverse Wallfahrten.92

Neben den italienischen, bosnischen, kroatischen und später rumänischen Priestern, die die lokale Sprache, das Ungarische nicht beherrschten bzw. nicht beherrschen wollten, sprach der “deák“ zur Bevölkerung, diese war ihm deswegen innig verbunden.

Das Ende der Institution des “deák“ begann zwischen den zwei Weltkriegen als Folge einer verstärkten nationalistischen rumänischen Staats- und Kirchenpolitik. Die im Priesterseminar Iaºi ausgebildeten Pfarren “entließen“ die in den Dörfern der Moldauer Ungarn tätigen “deáks“, wenn sie nicht bereit waren, ausschließlich in rumänischer Sprache vorzusingen, vorzubeten und die Kinder zu unterrichten.93

Der zweite Wiener Schiedsspruch 1940 verschlechterte die Lage der Csángós radikal. Per Dekret wurde das ungarische Wort, wurden ungarische Lieder in der Kirche verboten und jahrhundertealte Tradition konnte nur mehr im familiären Kreis fortgeführt werden. Nach dem Krieg verbesserte sich die Lage einigermaßen, doch wurde das Ungarische - Ende der 50er Jahre - unter dem Druck des kommunistischen Regimes wiederum verboten. Heute ist sowohl die Sprache der Messen als auch die Verwaltungssprache der katholischen Diözese Iaºi - die aus vielen bis heute großteils ungarischsprachigen Gemeinden besteht - ausschließlich Rumänisch. Die “deáks“, insofern sie noch leben oder Nachfolger ausbilden konnten, führten und führen ihre Tätigkeit im familiären Kreise fort.94

2.3.1.1. Autodafés

Bei ihrer nicht nur sprachpflegerischen Tätigkeit stützten sich die “deáks“ besonders auf verschiedene Liederbücher. Das bekannteste ist das Cantionale Catholicum, das zwischen 1800 und 1806 vier Auflagen erreichte und bis in die 50er Jahre von zahlreichen “deáks“ besessen wurde. Später wurden diese Bücher vom jeweiligen Pfarrer “eingezogen“, in Lujzikalagor soll sogar ein öffentliches Autodafé stattgefunden haben, bei dem man alle ungarischsprachigen Bücher, die am Dachboden der dortigen Kirche bzw. im Pfarrhof gefunden wurden, verbrannte.95

Bis zum Regimewechsel 1989 wurden auch von der Securitate immer wieder ungarischsprachige Bücher konfisziert.

2.4. Über die Situation der Csangó Minderheit

Wer könnte über die heutige Situation der Csángó Minderheit besser berichten als Antal Csicsó, der stellvertretende Vorsitzende des Verbands der moldauischen Csángó-Ungarn.96

In den meisten Dörfern der Csangós, selbst dort, wo die Alten den ungarischen Dialekt noch sprechen, sind die Grabaufschriften rumänisch. Auch die Namen der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Verstorbenen sind vor langer Zeit romanisiert worden. So wurde z.B. aus János Gál - Gal Ianoº, aus Mária Kovácsi Covaci Maria.

In Szabófalva/Sabaoni sprechen nur mehr wenige Ungarisch. Manche bedauern es. Und der Hauptgrund für dieses Vergessen trägt die katholische Kirche. Daß man nicht einmal vor dem Haus Ungarisch spricht, ist eine Folge des Verbots durch die Pfarrer. Schon seit letztem Jahrhundert wird von der Kirche gegen den Gebrauch des Csángó-Ungarischen gekämpft. Dabei erklingen auch heute noch so im Geiste durch und durch mittelalterliche Sätze wie “Ungureasca-i limbã dracului!“ (Ungarisch ist die Sprache des Teufels!).97

Die Menschen werden manipuliert, wie etwa im zweiten Weltkrieg in unseren Breiten. Und nicht nur unter braunem Einfluß hieß es von Seiten der katholischen Kirche, daß die Juden Christus ans Kreuz schlagen ließen.

Noch in den 60er Jahren wurde die Kreuze am Friedhof ausgetauscht, erinnert man sich. Einige Leute haben monatelang daran gearbeitet, nicht die Aufschriften, sondern einfach die Namen ins Rumänische umzuschreiben. Selbst den Namen János wollte man in Ion verändern, was aber wegen der Proteste der Angehörigen nicht gelang.

Doch zerbricht man sich den Kopf über den Verlust der Sprache nicht wirklich.

Man begreift die Sprache als ein Mittel der Kommunikation, wie es bis zur Entstehung des Nationalismus auch in unseren Breiten üblich war. Wenn man mit einer bestimmten Sprache sein Leben nicht mehr wirklich bestreiten kann, dann tauscht man sie ohne irgendwelche Vorbehalte gegen eine andere.

Zu hart ist der Überlebenskampf, zu schwierig ihre wirtschaftliche Lage, zu gering sind die Einnahmen aus der Landwirtschaft, um sich mit ethnischer Identität befassen zu können oder zu wollen. In Szabófalva antworten alle, die ihn noch beherrschen, im altertümlichen ungarischen Dialekt. Nur der römisch katholische Pfarrer ist nicht bereit, auch nur ein ungarisches Wort seinem Mund zu “entlassen“. Auf der theologischen Fakultät in Jászvásár hat man ihm nicht christliche Nächstenliebe gelehrt, sondern etwas völlig anderes.

Antal Csicsó, Vizeobmann des Verbands der moldauischen Csángó-Ungarn, der seinen Sitz in Bákó hat, weiß von den Versuchen der rumänischen Autoritäten zu berichten:

“In der Diözese Moldau, die von Jászvásár [Iaºi] aus geleitet wird, sind 252.000 Katholiken registriert. Davon sind 200-220.000 ungarischer Abstammung, doch die vier Csángó Dialekte werden nur mehr von 62.000 Personen beherrscht. Davon bekennt sich ungefähr die Hälfte als Ungarn, die ihre Sprache behalten will.“98

“In der Moldau gab es schon ab 1227 eine katholische Diözese.“ - meint Csicsó weiters.

2.4.1. Die katholische Kirche und der Sprachgebrauch

“Ab dem 16. - 17. Jahrhundert waren [in der Moldau] polnische, doch hauptsächlich italienische und bosnische Pfarrer tätig, manchmal kamen auch die Franziskaner aus Siebenbürgen herüber. Letztere sprachen Ungarisch, die anderen fanden nur sehr schwer Kontakt zu den Einheimischen. Alle hielten ihre Messen in Lateinisch.

Natürlich fiel es den Italienern viel leichter, Rumänisch als Ungarisch zu lernen, auch sprachen sie lieber Rumänisch mit ihrer Gemeinde, von der die meisten aber nicht wirklich Rumänisch sprachen. Jenen, die sie nicht verstanden, erteilten sie bei der Beichte die Absolution “im allgemeinen“.

In Jászvásár wurden um 1810 einige Rundbriefe bezüglich des Sprachgebrauchs verfaßt. Schon der erste verbat die Verwendung von “nicht moldauischer“ Sprache, verbat also das Ungarische. Dieser erste Rundbrief wurde danach alle 10 bis 15 Jahre erneuert. Jedwede ungarischsprachige Äußerung wurde verboten.

“Durchaus interessant ist, daß in den “streitbareren“ Csángó Dörfern für ungefähr 25 Jahre die Nutzung des Ungarischen in der Kirche erlaubt war. […] Man erlaubte, während der Messe ungarische Lieder zu singen. Heute ist jedoch - wie ich gehört habe - der Gebrauch des ungarischen Wortes innerhalb des Kirchgartens streng verboten, die Pfarrer gehen sogar soweit, den Menschen zu verbieten, Zuhause Ungarisch zu sprechen.“

2.4.1.1. Der ungarischstämmige Bischof schweigt

Vergeblich bat man den katholischen Bischof von Iaºi/Jászvásár, Petru Gherghel (Péter Gergely), der auch Csángó-ungarischer Abstammung ist, die ungarische Liturgie zu erlauben. Und dies nicht nur einmal. Man bat ihn 1991, 1996, im Februar und im Mai 1998…

Auf diese Eingaben antwortete der Bischof mit einer einzigen Ausnahme nicht. Das eine Mal war seine Antwort ein bestimmtes “Nein“.

“Der Diener der katholischen Kirche in Iaºi - so wie seit zwei Jahrhunderten jeder seiner Vorgänger - ist danach bestrebt, daß die Csángós so rasch wie möglich im großen rumänischen Meer aufgehen.“ - meint Csicsó verständlicherweise aufgebracht.

“Ich habe viel überlegt, wie man diese Situation ändern könnte. Seit mindestens 200 Jahren wird unsere Sprache, der wichtigste Teil unserer Kultur, verboten. Eigentlich auch alle anderen ungarischen Äußerungen. Deswegen bin ich der Meinung, daß der Bischof aus Jászvásár sein moralisches Recht verloren hat, unser geistiger Führer, überhaupt unser Führer zu sein. Er hat sich gegen uns gewendet. Manche der Csángós möchten zur Erzdiözese Gyulafehérvár/Alba Iulia gehören. In dieser Richtung gab es schon unzählige Versuche, doch ist solcherlei durch die momentanen Kirchengesetze nicht möglich. […]

Nur der kleinste Teil unserer Arbeit ist kulturellen Charakters.[…] Leider haben wir nicht genug Geld. […]“

Das alte Lied nicht nur in Mittel- und Osteuropa…

2.4.2. Kein muttersprachlicher Unterricht

Um den muttersprachlichen Unterricht tobt ein besonderer “Kampf“. Seit Jahren setzen sich die Csángós dafür ein, daß in Klézse und in einigen anderen Dörfern wöchentlich zumindest eine Stunde Unterricht in Ungarisch gehalten wird.

“In Klézse sind die Menschen streitbarer, doch auch ihnen ist es nicht gelungen, obwohl 5000 der 5500 Csángós Ungarisch sprechen. […] Es wurden genügend Bittgesuche gesammelt, es hatten sich genügend Kinder gemeldet und auch ein Lehrer wäre vorhanden gewesen. […] In Bukarest, im Unterrichtsministerium erreichten wir, daß der Schulinspektor unserer Region angewiesen wurde, sich der Sache anzunehmen. Doch dieser fand stets irgendeine Ausrede, daß aus dem ungarischen Unterricht nichts wurde. Einmal meinte er, die Eltern müßten die Bittschreiben persönlich bei ihm abliefern, nachdem ich sie eingesammelt und aufs Schulinspektorat getragen hatte. Also brachten die Eltern ihre Bittschreiben aufs Inspektorat. Dort wurde ihnen mitgeteilt, daß man die Schreiben nicht übernimmt.

Stundenlang wurde gestritten, einige Eltern zogen ab, die hartnäckigeren versuchte man einzuschüchtern.“99

Unter der “rumänisch-ungarischen“ Koalitionsregierung in Bukarest hat sich an der Lage der Csángós aber nicht wirklich etwas geändert. Bei den Parlamentswahlen Ende November 2000 wurde die “Partei für Großrumänien“ zweitstärkste Partei. Das ist kein gutes Omen...

3. Schomlenberg der Gnadenort

Die sich an den südwestlichen Abhang des Schomlenberges schmiegende Ortschaft wurde unter dem Namen Sumbov 1333 bzw. Sumlov 1334 im die Siedlungsverhältnisse des ersten Drittels des 14. Jh. beschreibenden päpstlichen Zehentverzeichnis erwähnt. Es ist wahrscheinlich, daß, gemäß der Tradition der ungarischen Ortsnamengebung, sich der Name des Berges auf die Ortschaft übertragen hat. Laut einem der Deutungsversuche stammt der Name des 1035 Meter hohen Berges vom heute vergessenen ungarischen Verb “somlik“ ab, was soviel wie “die Umgebung überragend, hervorstechen“ bedeutet.100

Die heutige Siedlung hat sich aus zwei Gemeinden, Csobotfalva und Várdotfalva, und einem Dorfteil, dem Kloster, der Wallfahrtskirche und deren Umgebung entwickelt.

Zur Kirchengemeinde Schomlenberg, Sankt Peter - Peter und Paul sind die Schutzpatrone der Diözese, gehört heute auch noch Csomortán, bis 1751 weiters Csíkszereda und bis 1908 auch Csíktapolca.

3.1. Die Franziskaner

Als die Woiwodenschaft Moldau im Jahr 1510 wieder unter ungarische Herrschaft kam, bauten die ungarischen Franziskaner in Bákó ein Kloster, das im 16.

Jahrhundert eng mit dem zwei Tagesreisen entfernten Kloster in Schomlenberg zusammenarbeitete. Doch 1574 wurde das Kloster im Krieg gegen die Türken niedergebrannt, und nur ein Mönch blieb dort. Ein paar Jahre später versuchten die Franziskaner das Kloster zurückzubekommen, doch als 1611 der damalige Moldauer Bischof ins Kloster einzog, wurden sie schließlich völlig verdrängt.101

Die Franziskaner, die nach dem Tatarensturm 1241/42102 an die Stelle der Karmeliter traten, kümmerten sich seit dem 14. Jahrhundert um die Wallfahrt bzw. die Marienverehrung im Komitat Csík.

In einem Brief von Papst Eugen V. aus dem Jahre 1352 vertraute dieser bosnischen Franziskanern die geistliche Betreuung des Széklerlandes (terra Ciculi) an. Im Jahr 1535 hatte die Schomlenberger Enklave 18 Mitglieder, und sie allein blieb über die Zeit der Reformation bestehen, da laut eines Gesetzes des siebenbürgischen Fürsten aus dem Jahre 1588 anderswo keine “päpstlichen Pfaffen“ wirken durften.103

Im folgenden erlebte das Schomlenberger Kloster großen Aufschwung. Es etablierte sich als “östlichster Wachposten des Katholizismus“. Das Kloster wurde restauriert, auch das geistige Leben schwang sich in bis dahin nicht gesehene Höhen, bis im Jahr 1661 durch einen neuen Tatareneinfall, dies alles zunichte gemacht wurde. Bei diesem Tatareneinfall wurden zahlreiche Ordensbrüder ermordet bzw. verschleppt.104

Im Jahr 1691 wurden die Ordensbrüder abermals von den Tataren verjagt, zuletzt wurde dieser Landstrich im Jahr 1694 verwüstet. Im Jahr 1705 zerstörte General Graven das Kloster neuerdings, weil die Franziskaner gegen die österreichische Oberherrschaft auftraten.105 Wegen dieser gemeinsam ertragenen Katastrophen werden die Franziskaner von der Bevölkerung des Komitats Csík bis zum heutigen Tage als ihre Brüder bezeichnet.106 Weil die diversen Atrozitäten am Kloster irreparablen Schaden anrichteten, wurde dieses zwischen 1757 - 1779 völlig neu aufgebaut.107

Im Jahr 1783 zählte das Kloster 19 Presbyter und 9 Laienbrüder. Die Franziskaner waren nicht nur für das Seelenheil der Csíker/Székler Bevölkerung zuständig, sondern erzielten auch auf dem Gebiet der Volksbildung durch Jahrhunderte beachtenswerte Ergebnisse.108

Im Jahr 1626 riefen sie eine Volksschule ins Leben, 1667 eröffnen sie eine Mittelschule, in der Grammatik, Syntax, Poetik und Rhetorik unterrichtet wurde. In der Schomlenberger Mittelschule wirkten Lehrer von solch literarischer Bedeutung, daß diese auch heute noch in den ungarischen Literaturgeschichten zu finden sind.

Im Jahr 1857 wurde die Mittelschule zu einem Gymnasium aufgewertet.109

Die Schomlenberger Franziskaner haben weiters auf dem Gebiet des Buchdrucks Pionierarbeit geleistet. Ab dem Jahr 1675 hatten sie die erste funktionierende Druckerei, in der im Laufe der Zeit 131 Bücher gedruckt wurden.110

3.2. Die Kirchen

Zwischen 1442 und 1448 errichteten die Franziskaner ein Kloster in gotischem Stil und die dazugehörige Kirche mit der finanziellen Unterstützung von János Hunyadi. Der König “aus göttlichen Gnaden“ dankte für seinen Sieg und stiftete die Kriegsbeute der 1442 bei Marosszentimre aufgeriebenen Horden für den Kirchenbau in vier Orten Siebenbürgens: in Schomlenberg, Szentimre, im benachbarten Tövis, und für den Umbau des Domportals in Gyulafehérvár.111

An das gotische Gebäudeensemble erinnert heute nur mehr wenig. Im heutigen Kloster ist davon ein Portal und ein Kellerfenster zu sehen.

Die errichtete Kirche wurde 1448 Mariä Heimsuchung geweiht. An diesem Tag, dem 2. Juli, findet auch heute noch ein großes Kirchweihfest bzw. eine Wallfahrt statt. Anstelle des mehrmals erweiterten und restaurierten Gebäudeensembles wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts, zwischen 1733 und 1779, das heute noch bestehende Kloster und die Barockkirche erbaut. Die früheren Gebäude waren von mächtigen Steinmauern umgeben, hinter die sich die örtliche Bevölkerung vor den im 17. Jahrhundert häufigen östlichen Einfällen flüchteten. Dieser Mauern widerstanden den 1661 einfallenden türkisch-tatarischen Horden nicht mehr. Die Heiden brannten die Gebäude nieder, brachte viele Menschen um und verschleppten andere in die Sklaverei. Vier Franziskanerbrüder wurden ebenfalls Opfer in den Zeiten des Angriffs, vier weitere wurden verschleppt. Laut Chronik sind die damaligen Verluste Csíksomlyós mit 10-15.000 Mann zu beziffern.112

3.2.1. Die Krypta

Die ersten Aufzeichnungen zur Krypta stammen aus dem Jahr 1686. Damals wurde Mikes Kelemen, Verwalter von Háromszék, in der kleinen Krypta unterhalb der Sankt Michaelskapelle begraben. Die eigentliche Krypta wurde 1732 gebaut und 1838 erweitert. Diese diente in erster Linie als Ruhestätte für Franziskaner Ordensbrüder.

Neben vielen bedeutenden Ordensmitgliedern ruht hier auch Leonárd Losteiner (1744-1826), der Geschichtsschreiber des Klosters, der auch beim Bau der bis heute existierenden Kirche eine wichtige Rolle spielte. Die letzte Bestattung fand hier 1982 statt, als Abt János P. Écsy zur letzten Ruhe gebettet wurde.113

3.2.2. Die Kapellen

Die älteste und künstlerisch wertvollste der drei auf dem Schomlenberg stehenden Kapellen ist die Salvator (Erlöser) Kapelle.

Zu ihrer Erbauung gibt es keine verläßlichen Aufzeichnungen. Laut Losteiner wurde sie zur Erinnerung an den Sieg der Ungarn über der die Türken bei Belgrad 1456 gebaut.

“Capistranus und der große Hunyadi gewannen am Tag der Wandlung des Erlösers, dem 8. August, nachdem sie Ihn zur Hilfe gerufen haben, die Schlacht [gegen die Türken].“114

Die einschiffige Kapelle mit quadratischem Chor ist in der 2. Hälfte des 15.

Jahrhunderts entstanden. 1680 wurde sie mit der Unterstützung von Mikes Kelemen und Kanzler Sámuel Kálnoki erweitert.

3.3. Die Gnadenstatue - Maria in der Sonne

Die aus Lindenholz geschnitzte, 2,27m hohe Statue stellt die Jungfrau Maria dar, die das Jesuskind im Arm hält. Sie wird von Sonnenstrahlen umgeben, um ihren Kopf windet sich ein Kranz aus 12 Sternen. Unter ihren Füßen die Erde, darauf die Mondsichel, deren mittlerer Teil sich zu einen menschlichen Kopf ausbildet. Marias Körper wird von einem langen, sich anschmiegenden Kleid bedeckt, das an ihren Hüften von einem Gürtel zusammengehalten wird. Darüber breitet sich in weiten Falten ein Mantel. In ihrer Rechten hält sie ein Zepter, in ihrer Linken das nackte Jesuskind. Sie lächelt, ihr offenes Haar reicht über die Schultern. Auf dem Kopf Marias und des Kindes sitzt eine Krone in der Art einer Tiara. Das Jesuskind erhebt seine rechte Hand zum Segen und in der linken hält es eine Rose.115

Die Maria in der Sonne, mit der wir es hier zu tun haben, ist ein nach der Vision der Apokalypse (Offb. 12,1) entstandener ikonographischer Typ.

3.3.1. Der Ursprung der Statue

Die Schöpfer geistlicher Kunst sind auch in Siebenbürgen oftmals unbekannt. So verhält es sich auch mit der Schomlenberger Maria. Sie ist sozusagen die Wächterin der westlichen - christlichen Kultur an deren äußerster östlicher Grenze.116

Kurz vor der Reformation erlebten die Bildhauerei und die Altarbauerei in den Orten des Komitats Csík großen Aufschwung. Bemerkenswert ist, daß die bedeutendsten Figuren innerhalb von nur 30 Jahren entstanden.

Der Beginn dieser “künstlerischen Hochkonjunktur“ ist Mitte des 15. Jahrhunderts anzusetzen, aus dem noch Marienstatuen erhalten sind.117

3.3.1.1. Ungarische Altarbauschule?

Der Ursprung der Schomlenberger Maria ist unbekannt.

Es wird spekuliert, daß die Statue aus Mitteleuropa nach Schomlenberg gebracht wurde, da sie stark an die Werke Dürers und Veit Stoß‘118 erinnert.119

Doch wenn die Statue nicht aus Deutschland stammt, was sehr wahrscheinlich ist, woher ist sie dann gekommen?

Es gab in Kaschau (heute: Košice, Slowakei), aber auch in Siebenbürgen selbst, in Hermannstadt und Kronstadt, bekannte Altarbauwerkstätten, die den ganzen siebenbürgischen Landstrich versorgten. Die dort tätigen Altarbaumeister hatten durchwegs in deutschen oder polnischen Werkstätten gelernt und waren nach Siebenbürgen gekommen, weil dort Bedarf nach ihrer Arbeit bestand. Laut Losteiner, dem Geschichtenschreiber des Schomlenberger Klosters im 18. Jahrhundert, der sich lange mit der Frage des Ursprungs der Statue beschäftigte, wurde sie laut Überlieferung aus Fogaras, Hermannstadt, Gyulafehérvár oder Szászsebes nach Schomlenberg gebracht.120

Jolán Balogh meinte im Jahre 1943 jedoch, daß die Schomlenberger Maria nicht aus siebenbürgisch-sächsischer Hand stammen kann, da ihr “ruhiger Aufbau, ihre zurückhaltende, disziplinierte Formgebung“121 sich wesentlich von den sächsischen Schnitzarbeiten unterscheidet. Er spricht von einer Csíker-ungarischen Altarbauschule, die sich im Gegenteil zu den Sachsen konservativ verhielt, und sich den “komplizierten, unruhigen Kompositionen der Spätgotik“ nicht anschloß.122

Seine Theorie der Existenz bedeutender ungarischer Altarbauschulen unterstreicht er durch die 1532 erneuerte Zunftordnung der in Kronstadt ansässigen sächsischen Maler, Schnitzer und Tischler, also all derer, die sich mit dem Altarbau beschäftigten:

“In die Werkstatt darf kein ungarischer Lehrling aufgenommen werden. Genausowenig darf in unsere Zunft ein ungarischer Meister aufgenommen werden. Die Ungarn und Deutschen müssen in Frieden nebeneinander leben.“123

Es gab also ungarische Meister auch in Kronstadt, ungarische Burschen lernten in Kronstädter Werkstätten, und wahrscheinlich war ihre Zahl so groß, daß die Sachsen nicht aus ethnischen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen ihre Interessen schützten.124

Die Altäre, Statuen des Komitats Csík und der Moldau sind mit Sicherheit in einer ungarischen Altarbauwerkstatt, die sich in Verbindung mit dem Franziskanerkloster in Schomlenberg entwickelte, entstanden, meint Balogh.125

3.3.1.2. Der Csángó-Volksmund meint…

Noch im Jahr 1939 wurde behauptet, daß die Marienstatue aus der Moldau, genauer gesagt aus Bákó, nach Schomlenberg kam, diese Idee wird vom Bistum Iaºi126 und rumänischen Stellen noch immer vertreten.127 Diese Beharrlichkeit ist nicht zuletzt auf den schwelenden Haß zwischen den Ungarn und Rumänen und die geglaubte Superiorität der Rumänen zurückzuführen.

Im Dorf Barát, das bei Bákó liegt und in dem die Statue angeblich gefunden wurde, wird bis zum heutigen Tag zu Pfingsten eine “Gegenwallfahrt“ zur Schomlenberger abgehalten.128

Vom volkskundlichen Standpunkt aus kann die Moldauer Abstammungstheorie durchaus in Betracht gezogen werden, gibt es doch in der Moldau mehrere Legenden zur Auffindung der Statue, im Széklerland jedoch keine einzige!129

“Im Herbst sind sie Kukuruzklauben gegangen. Und ein neunjähriges Mädchen hat eine weiße Lilie zwischen den Maiskolben gesehen. Ihr Vater hat Kukuruz geerntet, und die Tochter zupfte die Blume aus, um sie mit nach Hause zu nehmen. Und dabei stieß sie auf die Krone der Statue. Wie sie die Krone so ergriff, fing sie zu graben an. Sie rief ihren Vater, dann haben sie den Pfarrer gerufen und haben die Maria hinausgebracht in die Kirche von Barát.

Dann ist ein großer Krieg gekommen. Gegen die Türken. Da mußten sie die Statue verstecken. Nicht, daß die Türken sie zerstückeln, zerhauen. Da haben sie sie auf einen Wagen geladen, hinaus nach Schomlenberg gebracht und im Wald vergraben.“130

“Die Bákóer gehen deswegen hinaus nach Schomlenberg, weil das dort ein heiliger Ort ist. Die Alten haben gesagt, daß sie die Schomlenberger Jungfrau Maria von da, vom Barát - Berg hinausgebracht haben. Von da, von in der Nähe von Bákó. […] Vor langer Zeit, ich weiß nicht vor wie vielen Jahren, sind die Türken gekommen. Auf dem Barát - Berg war ein Kircherl. Auch ich hab es noch gesehen, wie ich ein kleines Kind war, und dort war die Jungfrau Maria. Aber wie die Türken gekommen sind, haben sie sie den Ungarn gegeben. Die Statue. Wenn sie die nicht mitgenommen hätten, hätten sie die Türken zerhaut. Die Glocken, die auch heute noch dort sind, haben sie in eine große Grube gehaut. Aber seitdem haben sie die Grube schon zugeschüttet. Die zwei Glocken sind auch heute noch dort am Barát - Berg, irgendwo zwischen den Weinstöcken. Und die Schomlenberger Jungfrau, wie gesagt, haben sie nach Ungarn gebracht.131 Von da haben sie zwei Soldaten an die Grenze gebracht. Ungarische Soldaten. Die haben sich abgewechselt. Einmal haben sie die zwei getragen, dann die zwei und so weiter. Und wie sie dorthin gekommen sind, wo heute die Kirche steht [in Schomlenberg], haben sie sie nicht mehr weitertragen können. Vier Soldaten haben es probiert. Nicht möglich. Dann haben sie ein paar Ochsen vorgespannt, zwei paar Ochsen, drei paar, sechs paar Ochsen, sie hat sich nicht von der Stelle gerührt. Dann haben sie sie dort gelassen und sind zum König gegangen, und haben dort gesagt - ich weiß nicht, wer zu der Zeit König war - was nicht passiert ist. Und dann hat der König gesagt: Laßt sie dort, weil dort ist ein heiliger Platz. Der Platz für die heilige Jungfrau Maria. Dort ist sie geblieben, und drauf haben sie die Kirche gebaut.“132

Diese Legende gibt es auch in einer anderen Version:

“Die Alten haben uns erzählt, wie die Türken gekommen sind, haben sie die Jungfrau auf dem Barát - Berg in den Teich geschmissen. Und dann haben sie die ungarischen Soldaten geraubt und nach Ungarn gebracht. Als sie an den Fuß des Schomlenberges kamen, hat sich die Maria dort niedergelassen. […] Bis dahin haben sie die Statue so leicht getragen wie einen Sack Heu. […] Dann ist der Pfarrer gekommen und hat gesagt: > Hier ist ihre Wohnung!< Und dann haben sie eine Kirche dorthin gebaut.“133

Die Auffindungslegenden bzw. das nur bis zu einem bestimmten Ort Transportierenkönnen der Statue sind Motive, die in weiten Teilen Europas mit Gnadenstatuen in Verbindung stehen.134

Interessant ist auch der Sprachgebrauch der Moldauer Ungarn, der Csángós, wenn sie über die Wallfahrt nach Schomlenberg sprechen. “Gehen wir der Jungfrau nach!“, “Suchen wir die Jungfrau!“135, sagen sie in Verbindung mit Schomlenberger Wallfahrten.

Die Treue der Csángós zur Schomlenberger Maria, 1744 pilgerten z.B. mehr als 5000 nach Schomlenberg, was bei der damaligen Bevölkerungsdichte eine bedeutende Zahl war, bestärken die Vermutung, daß die Statue aus der Moldau stammt.136

In den Annalen des Klosters von Schomlenberg wurde die Staue das erste Mal 1661 erwähnt, als, nach dem Tatareneinfall, aus Anlaß der Restaurierung der Kirche, deren verbliebenes Inventar schriftlich festgehalten wurde.137

Aus dieser Zeit stammt auch die Tatarenlegende, die im folgenden Kapitel näher behandelt wird.

Laut Lajos Veres, dem Geschichtsschreiber des Klosters, wurde die Schomlenberger Maria schon vor der Schlacht zu Mohács138 im Jahre 1526 verehrt.

Aufgrund der Aufzeichnungen und Überlieferungen ist es demzufolge unmöglich, auf das Alter und somit den Künstler, der diese Statue schuf, zu schließen. Darum können nur aus dem Stil, der äußeren Form der Statue, Rückschlüsse auf den Erschaffer gezogen werden.

Die charakteristischen Eigenheiten der Statue: rundes, nicht ovales Gesicht, sie lächelt, hat offenes, gewelltes Haar, lange Finger; auch die Körperhaltung des Jesuskindes verrät einiges.

Durch den Vergleich mit anderen Marienstatuen, deren Entstehungszeit bekannt ist, wurde die Schomlenberger Statue Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts gefertigt.139

Allgemein anerkannt ist, laut Boros Fortunát, die Tatsache, daß die Schomlenberger Maria ein Werk der ungarischen Schule von Veit Stoß ist. Gehen wir davon aus, daß sie in Siebenbürgen gefertigt wurde, hat sie wohl ein Schüler von Veit Stoß geschnitzt. Nehmen wir hingegen an, daß die Franziskaner sie aus der Moldau mit nach Schomlenberg brachten, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß sie in Kronstadt gefertigt wurde, und nicht das Werk eines der Schüler von Veit Stoß ist, sondern sie dieser selbst im Jahre 1523 gefertigt hat. Stoß arbeitete in den Jahren 1521-1523 in Kronstadt, was durch Aufzeichnungen in Rechnungsbüchern der Stadt belegt werden kann.140

Die Forschungen haben auch bezüglich der Frage, für wen die Statue hergestellt wurde, kein wirkliches Ergebnis gebracht. Man weiß nicht, ob sie direkt für die Franziskaner gefertigt oder von einem Sachsen in Auftrag gegeben wurde und später durch Verkauf - die Deutschsprachigen entledigten sich vieler bildlicher religiöser Darstellungen, nachdem sie zum Protestantismus übergetreten waren - nach Schomlenberg kam.141

Eine weitere, aber eher unwahrscheinliche Variante ist, daß ein franziskanischer Ordensbruder, die Franziskaner waren selbst bei der Einrichtung ihrer Kirchen und Klöster künstlerisch-gestalterisch tätig, die Schomlenberger Maria gefertigt hat.

Nach 200 Jahren minutiöser Forschung ist es bis zum heutigen Tage jedenfalls nicht gelungen, den Schöpfer der Schomlenberger “Maria in der Sonne“ zu bestimmen.

3.3.2. Legenden zur Schomlenberger Maria

Eine Legende, die sowohl in der Moldau als auch im Széklerland bekannt ist, ist die Geschichte von der Verletzung, die der Statue beigefügt wurde. Ähnliche Legenden vom verletzten Gnadenbild gibt es in ganz Europa.

Die Tataren, die das Széklerland überrannten und verwüsteten, brachen auch in die Schomlenberger Kirche ein. Mit Axt und Lanze versuchten sie die Statue zu zerstören. Doch die gegen die Statue gerichteten Hände erlahmten, vertrockneten und fielen ab.142

Die Kerben im Gesicht der Marienstatue wurden, so sagt der Volksmund, durch eine Lanze bzw. durch Peitschenhiebe verursacht.

Nach einer Moldauer Legende wurden die Verletzungen der Statue nicht von den Tataren beigebracht, sondern von den Ungarn, als sie diese, wie im letzten Kapitel beschrieben, aus dem Teich am Barát - Berg fischten.

“Aber das Gesicht der Maria hat einen Schnitt bekommen. Weil die Soldaten, als sie sie mit ihren Waffen aus dem Teich holten, auf der Waffe war eine Klinge, wie sie sie damit herausgezogen haben, haben sie ein Zeichen auf ihr Gesicht gemacht. Das Bajonett hat etwas abgespalten. Und seitdem haben sie es ein paar Mal picken wollen. Aber es hat nichts genutzt.“143

Im Jahr 1906 versuchte angeblich ein Lehrer die Kratzer aus dem Gesicht der Statue zu entfernen, doch, trotzdem er die Stelle vorher mit Fleckbenzin abgewaschen hatte, blieb die von ihm aufgetragene Farbe nicht haften.144

Der Volksmund meint, die Statue würde bei nahendem Unheil ihre Gesichtszüge verändern und so die Gläubigen warnen.

Vor dem Angriff Ali Paschas 1661 wurde die Kirche Tag und Nacht von drei Sternen beleuchtet und einen Dieb, der im Jahre 1669 ihre Krone stehlen wollte, verscheuchte sie kurzerhand durch ein strahlendes Leuchten ihres Gesichtes.145 Dazu im folgenden Kapitel genaueres.

3.3.2.1. Wundertaten der Gottesmutter

In den Augen der Gläubigen ist eines der Wunder der Schomlenberger Maria schlichtweg die Tatsache, daß die Statue die Wirren der Jahrhunderte überstanden hat, war doch das Széklerland immer eine Zone kriegerischer Auseinandersetzungen.

Herausgegriffen sei der Einfall der Tataren im Jahre 1694. Im Februar brachen die Tataren aus der Moldau ins Komitat Csík ein und verwüsteten ein Dorf nach dem anderen. Sie rückten vom Norden aus vor. Im Süden des Komitats sammelten sich die Männer, in Schomlenberg verblieben nur die Mönche, Alten, Frauen und die Studenten des Gymnasiums. Ein Teil der Frauen schlüpfte in Männerkleider und zog gemeinsam mit den älteren Studenten unter Trommel- und Flötenklang, mit Dreschflegel und Hauen ausgerüstet, auf die Hänge des kleinen Schomlenberges. Dort stellte sich die Gruppe in Schlachtordnung auf. Die jüngeren Studenten schlugen bei Ankunft der tatarischen Vorhut solchen Lärm vom Turm der Kirche herab und aus dem Hof des Klosters heraus, daß diese eine ganze Armee vermutete, die Tataren Schomlenberg umgingen und weiter nach Süden zog. Dort erwartete sie bereits die versammelte männliche Bevölkerung Süd-Csíks, die sie vernichtend schlug. All dies wäre ohne die Hilfe der Schomlenberger Maria nicht möglich gewesen, ist man bis zum heutigen Tag überzeugt.146

Als Wunder wird bezeichnet, daß alles in der Kirche durch den Ruß der zahlreichen Kerzen geschwärzt wird, einzig und allein das Gesicht der Marienstatue nicht. Die Heiligenstatuen der Kirche müßten ständig geputzt werden, die Gnadenstaue nie. Als 1758 wiederum ein Tatareneinbruch drohte, wurde die Statue in einer Nische der Kirche eingemauert und verblieb dort 4-5 Wochen. Als sie wieder hervorgeholt wurde, konnte man keinerlei Schmutz auf ihrem Gesicht feststellen.147

3.3.2.2. Wunder und Zeichen - einst

Ein Pfarrer soll mit eigenen Augen gesehen haben, wie die Statue ihre Gesichtszüge veränderte. Sie ist laut Volksmund imstande zu lachen, Freude oder Trauer auszudrücken. Durch ihren Gesichtsausdruck lassen sich nahende Gefahren erahnen.

Angeblich veränderte sich auch die Farbe ihres Gesichts, als sie, wie im vorigen Kapitel berichtet, von einem Tataren geschlagen wurde. Ihr Gesicht wurde bläulich. In der Nacht strahlte sie schon mehrmals.148

Die größte Zahl belegter Wunder ereignete sich im 17. und 18 Jahrhundert.

Im Jahre 1746 wurde das erste Mal ein kirchlicher Ausschuß eingesetzt, der die Wunder der Gnadenstatue untersuchten und einige davon für wahr befand. Weitere Untersuchungen fanden 1779 und 1798 unter dem Siebenbürger Bischof Ignác Batthyány‚ statt, die der Schomlenberger Maria endgültig ihre lange bezweifelte Wundertätigkeit bestätigten.149

Die Wundertätigkeit wurde von der Kirche selbst lange bezweifelt. Beim Befragen der Zeugen stießen die untersuchenden Kirchenmänner aber immer wieder auf Ereignisse, die “auch nach vielen Überlegungen“151 nur durch “göttliches Wohlwollen“152 erklärt werden können.

Das erste Wunder, von dem Aufzeichnungen erhalten geblieben sind, ereignete sich im Jahre 1669, am Vorabend des 15. August, Maria Himmelfahrt. Der Franziskanernovize Johann Rimaszombati kam am 4. August jenes Jahres ins Schomlenberger Kloster. Durch Geldgier in Versuchung geführt stahl er Perlen aus der Krone der Statue und ein mit Perlen besetztes Schultertuch. Als er an besagtem Tag vor der Statue betete, begann die Statue in gleißendem Licht zu erstrahlen. Der Novize erschrak, versuchte wegzulaufen, stolperte, fiel hin und konnte sich erst wieder erheben, als das strahlende Licht verblaßte.153

Leonard Losteiner, der Geschichtsschreiber der Franziskaner, berichtet davon, wie angezeigt wurde, daß einer der Ordensbrüder sterben würde. Ein Engel an der Südseite des Altars legte die Krone, die er in der Hand trug, ab und ließ seinen Kopf hängen. Dies geschah 1711. Bald darauf starb Pater Zacharias Didák.154

Im Jahr 1691 starb der polnische Pater Albert Ogrzákovitz in Schomlenberg. Michael Balásffy hielt zwanzig Jahre später die Umstände seines Todes in der Klosterchronik fest.155

Pater Albert bat, daß Gott ihm ein Vorzeichen seines Todes schicken möge, so daß er sich auf seinen Tod vorbereiten könne. Als er schon krank war, sah er während eines Gebetes, wie die Krönungsengel der Marienstatue die Krone aufs Haupt setzten und sich entfernten. Somit wußte er, daß die Stunde seines Todes nahte. Balásffy fügte der Aufzeichnung bei, daß die älteren Ordensbrüder berichteten, daß es schon öfter vorgekommen sei, daß Maria durch Engel gekrönt wurde, und kurz darauf starb stets ein Mitglied der Ordensgemeinschaft.156

Aus dem Jahre 1746 wird berichtet, daß sich am Stephanitag, dem 26. Dezember, die Blume in der Hand des Jesuskindes, das Maria im Arm hält, in eine Kerze verwandelte und während der ganzen Messe brannte.157

Natürlich wird die Gottesmutter auch mit zahlreichen Krankenheilungen in Verbindung gebracht, was zahlreiche Votivgaben unterstreichen.

Gläubige erhielten, nachdem sie geopfert, gebeichtet und vor der Gnadenmaria gebetet hatten, ihr Augenlicht zurück, wurden von ihren Schmerzen, tödlichen Krankheiten oder Lähmungen befreit.158

Auch von einer Auferstehung wird in der Klosterchronik berichtet.

“Andreas Zsombori zeichnete im Jahre 1753 folgenden Vorfall auf. Im Juni des Jahres 1749 hielt sich Susanne Boros, die Gemahlin von Michael Szentiványi mit ihren Enkeln im königlichen Bad nahe Lövéte auf. Der siebenjährige Thomas verstarb plötzlich, einige Tage nach der Ankunft. Ratlos und hoffnungslos stand die Großmutter inmitten des Waldes. Man bat sie, nach Lövéte zu fahren und für den Buben einen Sarg zu holen. Sie ging zum toten Jungen ins Haus, um zu beten. Sie nahm aus ihrem Gebetbuch ein Bild der Schomlenberger Maria, legte es auf den Körper ihres Enkels und begann die hl. Maria anzurufen. Drei Stunden später erwachte das Kind zur großen Verwunderung der Betenden.“159

Die letzte Wunderheilung ereignete sich im Jahre 1931. Den Sohn der Familie Muresescu vermochten selbst die berühmtesten Ärzte nicht zu heilen, ja sie konnten nicht einmal feststellen, woran der Junge litt. Ein Tuch, mit dem man die Füße der Statue berührt hatte, brachte ihm umgehend Heilung.160

3.3.2.3. Wunder und Zeichen - jetzt

Der Glaube an die Wundertätigkeit ist bei den Széklern und Csángós bis zum heutigen Tag lebendig. So erzählen die Mitglieder einer Familie aus dem moldauischen Dorf Lujzikalagor:

“Ich weiß, daß die Jungfrau mir geholfen hat. Weil ich war im Krieg in Rußland, viertausend Kilometer von hier. Sie haben mich nicht gefangen, auch nicht erschossen. Wer hat mir geholfen? Die Schomlenberger Maria! Weil vorher bin ich dreimal wallfahrten gewesen, 1937, `38 und `39. Und im September `39 haben sie mich eingezogen. Und `43 bin ich aus Rußland heimgekommen.“161

“Mein Kind, der Augustin, hatte eine Krankheit. Epilepsie. Und er war auch im Krankenhaus, aber die konnten nichts machen. Sie haben ihm Medikamente gegeben. Ich hab ihn nach Schomlenberg gebracht, und dort hat ihn die Jungfrau geheilt. Einmal hat er dann noch so eine Krise gehabt, und dann nichts mehr.“162

“Einmal sollten wir in der Früh zur Wallfahrt aufbrechen, aber mein Mann ist krank geworden. Am Abend hab ich ihm Medizin gegeben, sehr krank war er! Na, wie kann ich ihn so krank alleine lassen? Er hat gesagt, ich soll ruhig alleine gehen, aber wie! Wie schön die Wallfahrt ist. Und dann hab ich die ganze Nacht zur heiligen Maria gebetet. Bis zum Morgen hab ich gebetet. Und dann auf einmal, am Morgen, um vier, ist er aufgesprungen und hat gesagt, >Ich bin gesund. Ich geh wallfahrten!< Und er ist gegangen. Die Jungfrau Maria hat ihm so geholfen, daß ihm nichts mehr weh tat, daß er keine Probleme gehabt hat.“163

4. Der Ursprung der Pfingstwallfahrt

In einem 1444 von Papst Eugen IV. verfaßten Brief ist zu lesen, daß “sich zu Mariä Heimsuchung in Schomlenberg immer vielerlei Volk versammelt um der Heiligen Mutter Gottes zu huldigen.“164 Folglich war die Wallfahrt nach Schomlenberg im späten Mittelalter von großer Bedeutung. Papst Eugen IV. versprach jenen Gläubigen siebenjährigen Ablaß, die in Schomlenberg beichten, die Kirche besuchen, opfern und Geld für den Kirchenbau stiften. Er wandelte den Wallfahrtsort von einer dedicatio ecclesiae in eine peregrinatio um.165

Dies ist der einzige verläßliche Anhaltspunkt, auf den man in Verbindung mit der Schomlenberger Wallfahrt stößt. Die Frage des Ursprungs der Csíksomlyóer Wallfahrt, die Tatsache, warum Csíksomlyó überhaupt zum Gnadenort wurde, vermochte weder die Geschichtswissenschaft noch die Volkskunde bis zum heutigen Tage befriedigend zu klären.

Die Wallfahrt am 2. Juli findet bis zum heutigen Tag statt. Sie wird aber in viel kleinerem Rahmen als die Pfingstwallfahrt begangen. Die Székler gehen und gingen auch an diesem Tag wallfahrten, doch ist der Sieg über die Horden von János Zsigmond von viel größerer symbolischer Bedeutung als der Marienfeiertag, sodaß sich der “Massenansturm“ auf Schomlenberg auf das Pfingstwochenende verlagerte. Mit der Wallfahrt zu Pfingsten wird schließlich der Sieg der katholischen Scharen von Széklern über die Unitarierhorden von János Zsigmond, die erfolgreiche Verteidigung des eigenen Glaubens Jahr für Jahr gefeiert.

4.1. Der Kampf gegen János Zsigmond

Es ist nicht sicher, ob die Csíker, Gyergyóer und Háromszékler im Jahre 1567 oder 1559 die Truppen von János Zsigmond, dem Fürsten Siebenbürgens, der die Székler zwangsunitarisieren wollte, besiegten. Es gibt Stimmen, die behaupten, daß es gar kein wirkliches Scharmützel gab.166

Die Pfingstwallfahrt bewahrt die Erinnerung an den Sieg über János Zsigmond. Diese Art der Wallfahrt, die Erinnerung an einen Sieg des katholischen Volkes über die “Heiden“, ist im ungarischen Sprachraum nur in Siebenbürgen bekannt.167

Das Komitat Csík ist das einzige Gebiet des ungarischen Sprachraumes, in das die Reformation nicht einmal für kurze Zeit eindrang.168

János Zsigmond versuchte seine Reformation der Csíker Bevölkerung zuerst durch eine Ausweisung der Franziskaner zu erreichen, diese verließen das Komitat Csík aber nicht. Darum beschloß der siebenbürgische Herrscher seine Absichten mit Gewalt durchzusetzen. Die Pfarrer des Komitats Csík riefen das Volk, als sie davon erfuhren, dazu auf, nach Schomlenberg zu ziehen und den Heiligen Geist und die Jungfrau Maria um Hilfe zu bitten, sodaß sie ihren Glauben erhalten bliebe.

Währenddessen versprach János Zsigmond seinen Heerscharen Recht auf freie Beute und befahl, Graf Mikes nach Hofmarkt/Székelyudvarhely zu holen und ihn zu exekutieren, weil er in sieben Csíker Gemeinden die von ihm geschickten Prediger exekutieren hatte lassen.

Dies ist laut einer im Jahr 1919 im Hermannstädter Archiv aufgefundenen und inzwischen wieder verschwundenen Handschrift aus dem Jahr 1560-62 wie folgt abgelaufen. Die Aufzeichnungen wurden von Pater Fabritius, dem Hofpfaffen von Königin Isabella, verfaßt. János Zsigmond sandte an Graf Mikes, Obergespan, folgenden Erlaß:

Hochwohlgeborener Graf Obergespan!

Mit diesem Brief sende ich neun frische Setzlinge von feiner Art. Ich veranlasse und befehle aufgrund der fürstlichen Gesetze, daß diese in den neun bevölkerungsreichsten Gemeinden des Komitats Csík eingepflanzt würden. Bemühen Sie sich verantwortungsvoll, daß sich der neue christliche Glaube in Siebenbürgen verbreite! Über das Ergebnis erwarte ich Bericht!

Datum

János Zsigmond

gewählter König169

Der Csíkzsögöder Graf Mikes handelte folgendermaßen:

Der Graf empfing die Missionare in Schomlenberg mit ungewöhnlich großer Hochachtung. Er brachte sie nach Csíkzsögöd an seinen Hof und gab ihnen Quartier. Der Reihe nach ließ er sich von ihnen die Lehren des neuen Glaubens vortragen, als er alle gehört hatte, brachte er sie nacheinander in die vorbestimmten Gemeinden. Er begann in Gyergyóalfalu. Vor der Kirche ließ er eine Grube ausheben, die so tief war, daß sie einen Menschen aufnahm, und nur sein Kopf und die Arme herausragten. In diese stellte er einen Prediger hinein, bedeckte ihm mit Erde und bleute den Gläubigen ein, daß sie standhaft bei ihrem Glauben bleiben und die Irrlehre nicht aufs Gebiet des Komitats vorlassen sollten. Die Setzlinge wurden ausreichend gegossen. Als auf diese Art alle neun verpflanzt waren, ließ er János Zsigmond berichten, daß er selbst die Pflanzen in die vorgesehenen Gemeinden verbracht hat, und obwohl sie reichlich gegossen wurden, schlug keine der neun Wurzeln, sie erfroren, weil im Komitat Csík doch das Klima sehr kalt sei.170

Daraufhin ließ sich János Zsigmond von seinen Beratern überreden, die schon zum Unitarismus bekehrte Bevölkerung von Homoród und Fehér-Nyikó unter Versprechen der freien Beute zu versammeln, sie zu einer großen Heerschar zu vereinen, Graf Mikes zu Pfingsten nach Hofmarkt zu holen und ihn dort auf die qualvollste Weise zu exekutieren. So geschah es auch. Der gewählte König rekrutierte in den zwei unitarischen Gemeinden mehr als 2000 Männer. Pater Fabritius verständigte davon, auf geheimem Wege, die römisch-katholischen Pfarrer des Komitats Csík und Háromszék, die daraufhin mit den Gläubigen unter kirchlichen Fahnen nach Schomlenberg zogen.171

Davon bekam ein Hofmarkter Franziskaner Kenntnis und verständigte die Csíker Bevölkerung, die daraufhin zu den Waffen griff. Und während die Frauen in Schomlenberg beteten, zogen die Männer auf den Tolvajos-Berg, westlich von Schomlenberg, wo sie die Bäume entlang der nach Hofmarkt führenden Straße ansägten und verbargen sich sodann an der Pferdetränke. Die Heerscharen von János Zsigmond ritten nichts ahnend auf den Tolvajos-Berg, um von dort den Angriff auf Csík zu starten. Daraufhin stießen die Csíker die Bäume um und machten alle nieder, die zwischen den Ästen gefangen waren, woraufhin die restlichen Söldner flüchteten. Die Csíker eilten nach diesem erfolgreichen Widerstand zu ihren Familien, die in Schomlenberg beteten, und aus Dank für die Hilfe der Hl. Maria, trugen sie die Statue dieser um den kleinen Schomlenberg.172

Ursprünglich wurde dieses Sieges nicht in der Kirche, sondern bei der Salvator- Kapelle gedacht.173

4.2. “Uralter“ heidnischer Brauch

Uralt ist nur der Asbach und heidnische Deutungen waren besonders in der reichsdeutschen Zeit beliebt. Bezüglich der Entwicklung des Wallfahrtsortes Schomlenberg, der Pfingstwallfahrt, existiert seit den 80er Jahren eine Theorie, die die Wurzeln in heidnischer Zeit zu finden glaubt. Diese Theorie wurde vom Schomlenberger Franziskanermönch Árpád Lukács Daczó aufgebracht und ist das Liebkind der magyarischen Volkstümler, denen es auch schon gelungen ist, die direkte Abstammung der ungarischen Sprache vom Assyrischen, “glaubwürdig zu beweisen“ usf.

Die Theorie Daczós baut auf einem Stichwort auf., der volkstümlichen Bezeichnung für die Schomlenberger Marienstatue: “babba Mária“.174

Laut Daczó “wurde Csíksomlyó deswegen zum Marienwallfahrtsort, weil schon unsere Ahnen dort ein Heiligtum ihrer Göttin, ihrer Mondgöttin, der Babba hatten. So rein war ihre Verehrung, daß nach unserem Übertritt zum Christentum wir ohne weiteres diese Verehrung auf Maria übertragen konnten, und seitdem wird die Jungfrau Maria dort als Babba Maria verehrt!“175

Er spinnt seine Theorie noch weiter, er meint, daß von den Urmagyaren die Sonne als Gottheit verehrt wurde, zu der sich beim Aufkommen des Polytheismus auch die Sonne gesellte. Nachdem die Sonne männlich und der Mond weiblich ist, und Jesus der ist, der die Dunkelheit besiegte, schließt Daczó auf einen Zusammenhang zwischen Christentum und heidnischem Kult, zwischen Sonne und Mond, Jesus und Maria.176

So sehr diese Ursprungstheorie für die Wallfahrt auch an den Haaren herbeigezogen ist, wozu auch noch die Tatsache beiträgt, daß über die ungarische vorchristliche Götterwelt nichts Stichhaltiges bekannt ist, bietet sie zumindest für den Brauch der Csángós, auf dem Schomlenberg auf den Sonnenaufgang zu warten, eine mögliche Erklärung.177

5. Die Pfingstwallfahrt

5.1. Einige Anmerkungen zur Pfingstwallfahrt zwischen 1946 und 1990

“Seit 1567 pilgerten jedes Jahr zu Pfingsten die katholischen Ungarn des Széklerlandes und Csángó-Gebietes nach Csíksomlyó. Die Zahl der Pilger betrug stets einige zehntausend, 1946 jedoch, an der letzten großen Pfingstwallfahrt, nahmen mehr als 120.000 teil.“178

Dies ist für die erste Wallfahrt nach dem 2. Weltkrieg nicht überraschend, wollte man sich doch bedanken, daß man den Krieg gut überstanden hatte, oder man betete für die noch nicht heimgekehrten Ehemänner, Söhne und Brüder.179

Die Moldauer Csángós kamen organisiert des letzte Mal 1948 nach Schomlenberg. Der Magyar Népi Szövetség (Ungarischer Volksbund) organisierte Sonderzüge für die Moldauer Csángós und bezahlte den Pilgern außerdem die Hälfte der Fahrtkosten. Ein Jahr später schafften es nur mehr wenige Moldauer Csángós an den Wallfahrtsort. Die rumänischen Behörden verlangten Ausnahmegenehmigungen für die Zugreise, und wer über eine solche nicht verfügte, wurde von der Polizei zum Verlassen des Zuges gezwungen. Jene, die sich zu Fuß aufmachten, wurden, wenn sie von der patrouillierenden Miliz erwischt wurden, mit Stöcken verdroschen. In der Gyergyó-Region wurden 1949 einfach keine Zugbillets nach Csíksomlyó verkauft. Trotzdem erschienen zur letzten vollwertigen Pfingstwallfahrt mehr als 80.000 Menschen.180

Zur letzten Wallfahrt 1949 ereignete sich eine Geschichte, die seitdem zu den “Legenden der Székler“ gehört.181 Der Bischof Áron Marton182 war auf Firmungsreise im Széklerland. Als er sich im Gyimes-Tal befand, verbreitete sich das Gerücht, daß der Staat den Bischof arretieren will. Daraufhin setzten die Gyimeser Csángós den Bischof auf ein weißes Roß, und die stärksten Burschen bildeten einen Ring um den Bischof. Und um diesem Ring wurden zehn weitere Ringe gebildet. Unterwegs wollte ihn die Securitate verhaften, doch die Geheimagenten trauten sich ob der Masse Menschen, die den Bischof beschützte, nichts zu unternehmen. Weiters ist zu hören, daß sogar Schüsse gefallen wären. Doch der Bischof erreichte wohlbehalten - auf dem Schimmel - Csíksomlyó. “Die Csángós hatten ihm das Leben gerettet.“ - heißt es stets am Schluß dieser Geschichte.183 Nicht viel später wurde der Bischof jedoch in Arrest genommen und saß mehrere Jahre im Gefängnis.

1949 war die Wallfahrt bereits verboten, danach fand bis 1990 keine geordnete, organisierte Wallfahrt mehr statt. Über die Zahl und Herkunft der Teilnehmer während dieser 40 Jahre kann keine wirkliche Aussage gemacht werden. Die Gyimeser Csángós versuchten auch nach dem Verbot jedes Jahr, wenn auch nicht mehr zu Fuß, sondern mit dem Zug, zu Pfingsten nach Schomlenberg zu kommen. Sie schritten auch stets die Route der Prozession ab.184 Die Kirchenmänner und Studenten waren aber bei dieser improvisierten Prozession nicht vertreten. Erst ab 1990 gingen sie wieder zu Fuß.

Die Moldauer Csángós nahmen von da an nur mehr in kleinen Gruppen in Privatinitiative an der Wallfahrt teil. Ab Ende der 50er Jahre stieg die Zahl der teilnehmenden Moldauer Csángós wieder langsam an, in den 70er-80er Jahren nahmen aus den größeren Csángó-Dörfern mitunter Gruppen von mehreren hundert Personen teil, doch wird ihr Anteil seitdem von Jahr zu Jahr geringer, was einerseits an der Gegenpropaganda der Moldauer Priester, andererseits an der schnell voranschreitenden Assimilation der Ungarischsprachigen liegt.185

Im Jahr 1990 fand seit 1949 wieder die erste vollständige, öffentliche und freie Schomlenberger Wallfahrt statt. Unter “vollständig“ ist das Vorhandensein auch

solcher Elemente der Wallfahrt zu verstehen, die früher im geheimen durchgeführt wurden, weil sie vom kommunistischen Regime verboten waren. 1990 wurde versucht, Elemente wiederzubeleben, an die sich einerseits die Kirchenmänner, andererseits die Wallfahrer - nicht immer in übereinstimmender Weise - erinnerten. Dadurch, daß die Wallfahrt plötzlich wieder an Öffentlichkeit gewann, in Zeitungen, im Radio, im Fernsehen, wenn auch im ersten Moment nicht ausführlich behandelt wurde, aber zumindest Erwähnung fand, wurde sie einem großen Kreis zugänglich gemacht.

Neben ihrer religiösen erhielt die Wallfahrt so etwas wie eine ethnische, auch eine Show-Komponente. Das Kollektiv der katholischen Ungarn konnte und kann sich mit Hilfe der Medien, hier ist im besonderen das Duna TV zu erwähnen, ganz Rumänien, der ganzen Welt präsentieren, und so sowohl sein ungarisches, als auch sein katholisches Identitätsbewußtsein stärken.

Diese Möglichkeit des öffentlichen und freien Wallfahrtens nach Schomlenberg belebte bzw. aktualisierte Traditionen, die sich bis 1990 keiner Kontinuität erfreuten. So spielten die Experten, Volkskundler und Kirchenmänner, die über schriftliche Quellen verfügten, in der “Neuinitialisierung der Kontinuität bis 1949“ eine nicht zu übersehende Rolle.186 Eine weitere bedeutende Rolle spielten die älteren Teilnehmer, die bei der letzten freien Wallfahrt 1949 aktiv beteiligt waren. Die fehlende Übereinstimmung dieser wiederbelebten Kontinuitäten hatte beim Ablauf der Wallfahrt einige Verwirrung zur Folge.

Laut Mohay war die Wallfahrt 1990 nicht einfach die Wiederbelebung alter Bräuche, sondern ein kompliziertes Ensemble von Weitergabe/Überlieferung und des (Neu)- Erlernens.187

Die 1990er Wallfahrt lief zum großen Teil noch die früheren Traditionen zitierend ab, in den dem folgenden Jahren faßten langsam aber stetig jene Veränderungen Fuß, die das heutige Zerrbild, die Bedeutungsentleerung, eine fast völlige Umdeutung der Wallfahrt zur Folge hatten. Diese Veränderungen finden im Kapitel der chronologischen Beschreibung des Ablaufs der Wallfahrt genauere Beachtung.

5.1.1. Gegenwallfahrt in der Moldau

In der Moldau, im Dorf Barát findet zu Pfingsten eine vom Bistum Iaºi initiierte Gegenwal lfahrt zu Csíksomlyó statt. Dabei argumentiert die Moldauer katholische Kirche, die, wie schon beschrieben, den Csángós die Verbindung zu den Ungarischsprachigen austreiben will, damit, daß die Gnadenstatue laut Legende188 aus der Moldau stammt, in der Nähe von Barát gefunden wurde, und deswegen die Pfingstwallfahrt in Barát mehr Berechtigung hat.

Bei der Baráter Wallfahrt sind jedes Jahr 3-4000 Menschen anwesend, die durchwegs aus den umliegenden Dörfern dorthin pilgern. Die Gegenwallfahrt ist somit von rein lokaler Bedeutung.189 Diese Rechnung der Moldauer katholischen Kirche ist nicht aufgegangen. Die größte Zahl der gläubigen Csángós pilgert zu Pfingsten weiterhin nach Schomlenberg.190

Daran wird sich bis zur völligen Romanisierung der Csángós auch kaum etwas ändern.

Der rumänische Staat versucht weiters, durch die Veranstaltung eines Folklorefestivals zum Pfingstwochenende Teilnehmer von der Wallfahrt abzuziehen. In Csíkzsögöd versammeln sich verschiedenste Volkstanzgruppen, Laienschauspielgruppen und andere “agitierende Künstlerbrigarden“,191 was bislang aber den Stellenwert der Wallfahrt nach Schomlenberg kaum schmälert.

5.2. Ablauf der Wallfahrt

Der Entfernung entsprechend brechen einige Keresztalja (=Pilgergruppe) schon 1-4 Tage vor dem Pfingstsamstag, dem Tag, an dem die Schomlenberger Wallfahrt stattfindet, auf. Die Anzahl der Teilnehmer wird durch die Größe der Gemeinde und deren Entfernung zu Schomlenberg bestimmt. Es gibt Pilgergruppen, die nur aus 35 Leuten bestehen, es gibt Pilgergruppen, die 700-900, sogar 1000 Leute zählen. Die Anzahl der Fußpilger wird durch Gläubige, die mit dem Zug, mit dem Bus oder mit dem Auto anreisen, vervielfacht.192

Die Wallfahrt besteht im wesentlichen aus drei Teilen:

Der Unzug bzw. Marsch an den Gnadenort, die Wallfahrt selbst bzw. die am Gnadenort verbrachte Zeit und die Heimkehr. Der erste und letzte Teil hat den Charakter eines Opfers, einer Selbstkasteiung, der zweite Teil hat den Charakter einer Belohnung.193

5.2.1 Búcsúvezetõk- Leiter der Wallfahrt

Während der Dauer der194 Wallfahrt war die Leitung des Gesangs, des Gebetes, die Aufrechterhaltung der Ordnung die Aufgabe des Búcsúvezetõs, da aus vielen Dörfern die Pfarrer, wegen des langen Weges oder ihres fortgeschrittenen Alters, ihres schwächlichen Gesundheitszustandes, die Pilgergruppe nicht begleiten konnten.195

Der Búcsúvezetõ war im allgemeinen ein Mann im mittleren Alter, der jedes Jahr das Keresztalja196 (=Pilgergruppe) führte. In vielen Dörfern hatten die Frauen eine eigene Führerin, die die Gebete und Lieder anstimmte. Die Búcsúvezetõ stammen meistens aus den Reihen des Kirchengemeinderates.197

Bei meiner Teilnahme 1997 bin ich einem Pferdewagen begegnet, in dessen unmittelbarem Umkreis ein Kassettenrecorder die Aufgabe des Anstimmens der Gesänge übernahm.

Sie müssen in den Marienliedern und Gebeten sattelfest, mit guter Stimme versehen sein und kümmern sich weiters um die Organisation der Fußwallfahrt, d.h. sie tragen Sorge um Quartier, gegebenenfalls Rast, oder treiben die Gruppe an, daß sie rechtzeitig Schomlenberg erreicht.

Während der mitunter ein paar Tage dauernden Wallfahrt ist es die Aufgabe des Búcsúvezetõ, die Pilger zu führen, zu lenken und organisatorische Aufgaben zu übernehmen. Schon im Rahmen der Vorbereitung der Wallfahrt kommt ihm eine bedeutende Rolle zu. Nicht in geringem Maße hängt der Erfolg der Wallfahrt von seiner Person ab. Er muß Ordnung halten können, umsichtig sein, er muß all die Lieder und Gebete kennen, die die Pilger während des Marsches anstimmen (könnten).198

Selten kommt es vor, daß der Búcsúvezetõ und der Énekesember199 verschiedene Personen sind. Durch langjährige Erfahrung kennt der Búcsúvezetõ die Marschrute am besten, genauso die Stellen, wo man trinken kann, rasten oder übernachten, deshalb muß er auch den täglichen “Marschplan“ zusammenstellen. Er verwaltet das gemeinsame Geld der Wallfahrergruppe, er muß auch in verschiedenen Belangen, z.B. Meßlesung, urgieren, und das Programm seiner Gruppe bestimmen. Er bestraft die Unruhestifter, er bestimmt die Ordnung der Buße, und die Personen, die durch ihr Verhalten die Gruppe stören, kann er aus der Wallfahrt ausschließen.200

“Die, die gegen die gebotene Disziplin verstießen, die den Zug störten, wurden damit bestraft, daß man ihnen mit einer kleinen Schaufel aus Holz auf die Handflächen schlug. Dies wurde palágázás genannt. So ein Schlag wurde auch denen versetzt, die darum im Namen Gottes baten. Denen wurde kräftig auf die Hände geschlagen, und es gehörte sich, dafür zu danken: Vergelt‘s Gott!“201

Unter den Búcsúvezetõ gibt es einige, die für ihre Tätigkeiten eine kleine Summe Geldes bekommen, die meisten machen ihre Arbeit aber ohne jede Gegenleistung.202

Zum Búcsúvezetõ, Énekesember, wird man langsam, durch langjährige Erfahrung; meist ist es notwendig, daß man schon vom Kindesalter an gemeinsam mit den Erwachsenen an verschiedene Wallfahrtsorte pilgert, um im Laufe der Jahre alle wichtigen Umstände kennenzulernen und das notwendige Wissen zu erwerben. Dieser Wissenserwerb wurde dadurch erleichtert, daß die Wallfahrer richtiggehende Vereine gründeten und durch Jahrzehnte hindurch Aufzeichnungen über ihre Wege führten.203

Viele Búcsúvezetõ wählten sich einen Schüler aus, den sie in den Fertigkeiten des Führens einer Wallfahrt unterrichteten und der spätestens bei deren Tod an deren Stelle trat.204

Ab Mitte des letzten Jahrhunderts kamen zu den handgeschriebenen Liedersammlungen, die von den Búcsúvezetõk laufend erweitert wurden, wenn sie ein neues Lied, einen neuen Text zu gewohnter Melodie hörten, auch kleine gedruckte Heftchen, welche die wichtigsten Lieder enthielten und in Schomlenberg für einige Kreuzer erstanden werden konnten.

Beachtenswert ist das aus dem letzten Jahrhundert stammende schriftliche Erinnerungsstück, das die Volkskundlerin Zsuzsanna Erdély entdeckte und das eine Aufstellung der Verpflichtungen des Búcsúvezetõ unter dem Titel “Des Wallfahrers Wegweiser. Die Verpflichtungen des Führers“ beinhaltet.205

Früher verwendeten die Búcsúvezetõk beim Abgehen des Kreuzweges in Schomlenberg das besonders im letzten Jahrhundert verbreitete Gebetbuch namens “Rózsáskert“ (= Rosengarten), doch da die darin enthaltenen Texte zu lang waren, und dadurch die Csángógruppen aufeinander warten mußten - sozusagen ein Stau am Kreuzweg entstand -, wurde dieses zuerst vom “Csíksomlyói Kalauz“ (=Schomlenberger Führer), später von einem in den 1970er Jahren erschienenen Betbuch verdrängt.206

5.2.1.1. Die Búcsúvezetõk der Moldauer Csángó-Ungarn

In Verbindung mit den Csángós über Búcsúvezetõk zu reden ist nicht nur eine volkskundliche, sondern in erster Linie eine politische Sache.

Denn die Búcsúvezetõk sind “mit schuld“ daran, daß es bis zum heutigen Tag nicht völlig gelungen ist, die Ungarischsprachigen auf der anderen Seite der Karpaten zu romanisieren. Sie hüten in ihren handgeschriebenen Heften, die über Generationen weitergegeben wurden, archaische Formen der Volksfrömmigkeit.207

In ihren Dörfern sind sie nicht nur mit der Organisation und Leitung von Wallfahrten, sondern auch mit der Veranstaltung von Totenwachen oder einfachen Betstunden betraut.208

Das Ceauºescu-Regime war sich dessen durchaus bewußt und versuchte unter Mithilfe der katholischen Kirchenmänner der Moldau dieses “Manko“ zu beheben, Hausdurchsuchungen wurden durchgeführt, Bet- und Liederbücher beschlagnahmt, ja sogar öffentlich verbrannt, Búcsúvezetõk verschleppt und eingesperrt.209

Die Csángós hatten zumindest während der letzten 50 Jahre “offiziell“ keinen Búcsúvezetõ in ihren Pilgergruppen. Sie reisten in kleinen Gruppen nach Schomlenberg und gruppierten sich um einige für sie geeignet erscheinende Búcsúvezetõ, die im folgenden die Gebete und Lieder der Pilger führten. Diese handelten ohne Zustimmung ihrer daheim gebliebenen Pfarrer, denn diese mißbilligten den Besuch der Schomlenberger Wallfahrt.210

Darum war in der Moldau der inoffizielle Búcsúvezetõ auch dafür zuständig, gegebenenfalls Busse unter der Vorwand des Ausfluges zu bestellen und so die ortsansässigen Pfarrer und die Behörden auszutricksen.211

Damit setzte er sich großem Risiko aus, denn - wie erwähnt - nicht nur die katholische Kirche der Moldau hatte den Besuch der Schomlenberger Wallfahrt verboten, sondern auch der Staat, der diesen Wallfahrtsbesuch als Aufbegehren gegen die harte Assimilationspolitik, die gegen die in der Moldau lebenden Ungarischsprachigen betrieben wurde, auffaßte.212 Die Búcsúvezetõk und auch die einfachen Gläubigen wurden, nachdem sie in den “Untergrund“ gegangen waren, der Spionage, des Landesverrats, des Devisenschmuggels angeklagt, die Búcsúvezetõk wurden von allen Seiten schikaniert, ihre Häuser wurden durchsucht und ungarische Bücher, Schriftstücke und Briefe konfisziert. Und die Pfarrer in der Moldau predigten, daß die Székler “sich mit dem Teufel verbrüdernde Götzenanbeter“213 seien, und verboten ihren Schäfchen auch nur irgendwelche Verbindung mit ihnen aufrechtzuerhalten.

5.2.2. Die Moldauer Csángós in Csíksomlyó

Die Schomlenberger Wallfahrt hat nicht zuletzt wegen der relativen geographischen Nähe zum Siedlungsgebiet der Moldauer Csángós, der geistigen Bindung zum dortigen Franziskanerkloster - die Mönche betreuten lange Zeit die Csángós - immer schon ein bedeutende Rolle in deren religiösen Leben gespielt. Seit wann sie aktiv und regelmäßig nach Schomlenberg wallfahrten, konnte noch nicht befriedigend geklärt werden.214

Die Treue der Csángós zur Schomlenberger Maria, 1744 pilgerten wie aber schon erwähnt mehr als 5000 nach Schomlenberg, was bei der damaligen Bevölkerungsdichte eine bedeutende Zahl war, bestärken die Vermutung, daß die Statue aus der Moldau stammt.215

Ein weiterer Grund für die “Beliebheit“ der Pfingstwallfahrt und auch der kleiner Marienwallfahrten (so z.B. am 8. September) ist die Tatsache, daß die Csángós dort ohne sich vor Repressalien fürchten zu müssen in ihrer Muttersprache singen, beten und beichten dürfen.216

Doch für sie ist die Wallfahrt nur dann “vollkommen“217, wenn sich in Schomlenberg eine Person findet, ein Búcsúvezetõ, der ihre Lieder kennt und bei der Prozession, beim Abgehen des Kreuzweges und zur Vigilie die Leitung der Gruppe übernimmt. Nur mehr drei Moldauer-Csángó Búcsúvezetõk218 gibt es, den von ihnen geleiteten Gruppen schließen sich die zahlreichen Csángós an, die aus den vielen Dörfern stammen, die keinen Wallfahrtsführer mehr haben.219

Die Moldauer Csángós reisen nicht mehr organisiert zur Wallfahrt an. In kleinen Gruppen suchen sie entweder per Zug oder Autobus Schomlenberg auf.220 Vorher hören sie sich aber um, ob zumindest einer der drei Csángó-Wallfahrtsführer anwesend sein wird. Davon hängt auch ab, wie viele sich auf den Weg machen. Ist ein Führer anwesend, ist die Zahl der Teilnehmer um vieles größer.

Immer wieder ist es vorgekommen, daß einer der drei fehlte, dann schlossen sich die Csángós einer der anderen zwei Csángógruppen oder gar einer Széklergruppe an. Auch ist es schon vorgekommen, daß Csángógruppen in Eigeninitiative den Kreuzweg absolvierten, dabei waren aber nur mehr rumänische Lieder zu vernehmen.221

5.2.3. Vorbereitung

Die Vorbereitung auf die Wallfahrt beinhaltete bei den Moldauer Csángós die Vorbereitung von Proviant für die mehrtägige Reise; aus diesem Anlaß wurde in manchen Dörfern am Donnerstag vor Pfingsten auch ein “Festtags-Germkuchen” gebacken. Bis zum Aufbruch am Freitag wurde gefastet. Die Teilnehmer bereiten sich auch heute noch durch Gebet, seelische Einkehr vor. Einige beichten noch zuhause, weil sie die Beichte nicht mehr auf Ungarisch ablegen können.222

5.2.3.1. Die Kleidung der Pilger

Die Wallfahrer tragen weder Festtags- noch Wochentagsgewand. Ihre Kleidung liegt irgendwie dazwischen. Eher ärmlich aber praktisch, leicht. Im geflickten, abgewetzten Wochentagsgewand wäre es eine Schande gewesen aufzubrechen, um die Festtagskleidung wäre schade gewesen.223

“Mit außergewöhnlicher Sorgfalt achten sie auf ihre Füße, denn die erledigen die wirkliche Arbeit.

Wenn diese während des Marsches den Dienst aufgeben… Ein gutes Schuhwerk: Stiefel, Halbschuhe, doch auf dem Weg, wahrscheinlich auch der Schonung wegen, ziehen sie viele aus und ziehen pampó an, aus grobem Stoff gefertigte Socken, die oft mit Leder besohlt sind, die in Hausarbeit gefertigt werden und von den Mädchen mit farbigen Bändern verziert werden. Diese sind wirklich leichte und zum Anlaß passende Fußkleider, doch nur solchen zu empfehlen, die sich schon vorher daran gewöhnt haben, barfuß zu gehen.“224

Viele Pilger, hauptsächlich Frauen und Mädchen haben den 3-Tages Marsch barfuß zurückgelegt. Die meisten Pilger nehmen auch einen Regenschirm mit, der sie gegen sie Sonne schützt und auch als Stock verwendet werden kann. Auch ein Trinkhäferl, welches an einem Knopf oder am Rucksack baumelt, gehört zur Ausrüstung. Ein Jausenpaket, Körbe, Koffer, in denen die Feiertagsgarderoben der jungen Mädchen sind, werden auf den begleitenden Pferdewägen transportiert, diese nehmen auch jene auf, die beim Gehen ermüden.225

5.2.4. Teilnehmer, Csángós und andere

Neben der traditionellen Marienverehrung bindet die Csángós die Liebe zur heute schon fast völlig verlorenen ungarischen Muttersprache an Schomlenberg. Die älteren Generationen können noch ungarisch beten, kennen einige Lieder, die zur Fastenzeit, im Advent, zu Weihnachten, zur Totenwache gesungen werden und Maria loben, da es in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts noch üblich war, daß neben dem Pfarrer, der auf Latein die Messe las, der Kantor ungarisch sang, an einigen Orten erklangen sogar ungarische Predigten. In den letzten Jahrzehnten wurde die ungarische Sprache aus den Moldauer Kirchen völlig verbannt, obwohl viele von den Alten in ihrer Kindheit zuerst ungarisch beten lernten, und bis heute die Beichte nicht auf Rumänisch ablegen können.226

Besonders seit Beginn der 90er Jahre hat sich die Teilnehmerzahl vervielfacht und die Csángós sind nur mehr wenige unter vielen. Es ist besonders in Kreisen der “Ungarntümler“ zur Mode geworden, aus allen Teilen der Welt zur Pfingstwallfahrt anzureisen, was sich seit 1992 in Teilnehmerzahlen zwischen 300.000 und 500.000! Menschen äußert.227

Daß auch Ungarn aus dem Burgenland organisiert anreisen, wie in der ungarischen Fachliteratur zu lesen ist, ist schlichtweg eine falsche Vermutung. Laut dem Pfarrer von Unterwart, Dr. Ferenc Iréneusz Galambos OSB, haben die burgenländisch- ungarischen Katholiken zu Pfingsten keine Zeit, weil zu diesem Zeitpunkt die Firmungen stattfinden.228

5.2.4. Anreise - Fußmarsch

Im allgemeinen kann man sagen, daß vor 1949 die Pilger selbst aus den entferntesten Dörfern, die zum Einzugsgebiet der Schomlenberger Wallfahrt gehörten, das sich auf das Széklerland und die Moldau beschränkte, zu Fuß nach Csíksomlyó pilgerten, was bedeutet, daß manche Pilger eine Woche unterwegs waren.

Die Moldauer Csángós sind das letzte Mal in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg zu Fuß über die Berge nach Schomlenberg gekommen. Die Gruppen bestanden durchschnittlich aus 8 -10 Leuten, die, falls es im Dorf einen gab, von einem Búcsúvezetõ angeführt wurden. Sie brachen am Donnerstag am frühen Morgen auf und erreichten Schomlenberg Freitag nachmittags.229

Jene Pilgergruppen, die aus den am weitest entfernten Dörfern nach Schomlenberg marschierten, erreichten den Wallfahrtsort zuerst, am Donnerstag (wie das in Folge näher beschriebene Mikházer Kereszt230 ) oder Freitag und sie waren auch die ersten, die wieder nach Hause aufbrachen.231

Obwohl die Moldauer Csangós nicht mehr zu Fuß nach Schomlenberg kommen - die Gyimeser Csángós sehr wohl -, erscheint es mir von Belang, diesen Anmarsch, da er zum Ganzen der Wallfahrt gehört, eine Vorbereitung, Buße, eine seelische Reinigung darstellt, in meiner Arbeit genauer zu behandeln.

Im folgenden werde ich anhand der Beschreibung des Anmarsches der Mikházer Pilgergruppe, die im Jahr 1946 vom Franziskaner Papp Asztrik begleitet wurde, und dessen Handschrift als Buch vorliegt, dem p.t. Leser einen Eindruck davon vermitteln, wie sich die per pedes Reise, die vor dem 2. Weltkrieg auch bei den Moldauer Csángós sehr ähnlich ablief, gestaltete.

Und so absurd es auch klingen mag, derlei Aufzeichnungen, derer es relativ wenige gibt (und nur die Beschreibung von Asztrik Papp ist auch publiziert worden), werden als “beispielgebend“ betrachtet und trugen und tragen deswegen zu traditionsnaher “Wiederbelebung“ der Wallfahrt bei.

An der Art der Anreise, d.h. dem Fußmarsch, hat sich seit 1946 nicht viel geändert. Im Széklerland ist es noch nicht unmodern geworden, katholisch zu sein, deshalb werden die Älteren auch von zahlreichen Jugendlichen, d.h. Pfadfindern usf. begleitet. Ein Unterschied zu früher besteht darin, daß die Älteren, die wegen ihrer Gebrechlichkeit nicht mehr am langen Marsch teilnehmen konnten und auf keinem Pferdewagen Platz finden, heute mit dem Zug anreisen. Zu Zeiten Ceauºescus war es aber schwierig, wenn nicht unmöglich, eine Zugkarte am Pfingstsamstag nach Schomlenberg zu kaufen, nicht, weil die Züge überfüllt gewesen wären, sondern, weil laut Order von oben, keine Fahrkarten nach Schomlenberg verkauft wurden.232 Im Széklerland ist die Zahl der Marschierer im Vergleich zu vor dem kommunistischen Regime nicht zurückgegangen, sie ist eher gewachsen. Viele jener, die organisierterweise aus dem Ausland nach Csíksomlyó kommen, tun es den

Einheimischen gleich und pilgern mit ihnen aus nahegelegenen Dörfern zu Fuß an den Wallfahrtsort.

Früher ruhten sich jene, die durch Blasen an den Füßen nicht mehr weiterkommen konnten, auf den Pferdewägen aus, die am Ende der jeweiligen Pilgergruppe den Proviant transportierten.233 Heutzutage erledigt die Aufgabe, die Fußmaroden aufzusammeln, der Malteser Hilfsdienst, der die jeweiligen Pilgergruppen begleitet und außerdem Tee und Trinkwasser verteilt.

Während des Marsches bietet sich auch die Möglichkeit der Beichte (genaueres im Kapitel 5.2.4.5).

In jeder Gemeinde, aus der eine Pilgergruppe zu Fuß nach Schomlenberg aufbricht, gibt es, abhängig von der Entfernung zum Wallfahrtsort, einen fixen Termin, einen fixen Tag, sogar eine fixe Stunde, zu der Richtung Schomlenberg aufgebrochen wird. In Mikház, das relativ weit vom Schomlenberg entfernt ist, war dies der Dienstag vor dem Pfingstsamstag. Im Laufe des Dienstagvormittags versammelte sich das Volk nicht nur aus Mikház, sondern auch aus den umliegenden Dörfern und besuchte die Messe, derer mehrere am Vormittag gehalten wurden. Zu Mittag gingen die

Einheimischen nach Hause essen, die, die nicht aus dem Dorf stammen, ließen sich zum Jausnen im Kirchhof nieder.

“Am Nachmittag, zwischen ein und zwei Uhr erklingt in den Straßen des Dorfes die übliche Trommel. Das Keresztalja zieht mit ihrem Trommler234 durch die Straßen und wird von schreienden Kindern begleitet. Auf diese Art werden die Pilger zum Sammeln gerufen. Inzwischen beobachten die Menschen die Wolken. Denn laut Erfahrung bricht das Mikházer Keresztalja selten ohne Regen auf. Auch die Gemeinden, die die Pilgergruppe durchqueren wird, rechnen damit. “Möge das Mikházer Kereszt doch kommen, damit es endlich regnet!“ Auch in jenem Jahr 1946, an dem ich die Pilger begleitete, beginnt es am Tag des Aufbruchs nach langer Trockenzeit zu regnen.“235

Zum Aufbruch versammeln sich alle, nicht nur die Pilger, sondern die gesamte Bevölkerung des Ortes vor der Kirche. Singend zieht die Menschenmenge bis an die Grenze des Dorfes. Dies ist auch in Gyimesfelsõlok - bei den Gyimeser Csángós - auch heute noch der Fall, und auch wenn nicht alle bis zum Dorfende marschieren, so ist doch das ganze Dorf, fast ohne Ausnahme, auf den Beinen und verabschiedet die Marschierer am Gartentor stehend. In Gyimesfelsõlok geschieht dies am Pfingstsamstag um 5 Uhr in der Früh.

“Am Ende des Dorfes werden die Pilger verabschiedet, da sie eine ganze Woche fernbleiben werden. Mit dem Ausruf “Aufbruch!“ beginnt der lange Marsch. Das Mikházer Kereszt hat bis zur ersten Übernachtung 25 km zurückzulegen.“236

Genauso läuft dies bei den Gyimeser Csángós auch heute noch ab.

Zu Beginn des Marsches bildet sich die Gehordnung heraus. Von vorn nach hinten: Kinder, Männer, Mädchen, Frauen. An der Spitze der Pfarrer, der das Kreuz in Händen trägt, dahinter der Kantor oder der Elõénekes (=Vorsänger). Diese Reihenfolge wird besonders beim Durchqueren von Dörfern eingehalten.237

Allgemeine Marschordnung der Pilgerzüge nach Schomlenberg238

5.2.4.1. Schellen und Trommeln

Sie ersetzen die Kirchenglocken. Die Schellen sind verhältnismäßig groß, haben einen Griff aus Holz und werden mit der Öffnung nach oben gehalten und im Takt geschlagen. Dies wird vor dem Aufbruch der Pilger geprobt. Sie werden, wenn durch Felder und Wälder gezogen wird, nicht angeschlagen, so wie die Fahnen beim Marsch durchs Gelände zusammengerollt sind. Innerhalb von Dörfern wechseln sie sich mit dem Gesang ab. Eine Strophe Gesang, eine Strophe Geläut. Die Glocken dienen auch dazu, daß am Wallfahrtsort die Pilger ihre eigene Gruppe wiederfinden, sie brauchen nur dem charakteristischen Klang nachgehen. Die Trommel wird ausschließlich von den Wallfahrern aus Mikháza verwendet.239

5.2.4.2. Fahnen

Fahnen, meist solche, die dem jeweiligen Kirchenpatron geweiht sind, werden von allen Pilgergruppen mitgeführt. Dabei können sowohl Männer als auch Frauen, Mädchen und Kinder eine Fahne tragen. Alle Gruppen, die nach Schomlenberg marschieren, tragen zumindest eine große Fahne mit, die an einem Gestell befestigt ist und von drei Männern getragen wird. Durch dieses Gestell ist die Fahne ausgebreitet und ganz zu sehen. Die großen Fahnen werden bei Wind, Regen und wenn durch unbewohntes Gebiet gezogen wird, ausgehängt und zusammengerollt. Wenn sich der Zug einer Siedlung nähert, wird diese wieder zusammengestellt, genauso wie die Marschordnung eingenommen wird.240

Die Frauen tragen einfache Fahnen. Die vorherrschende Farbe der Fahnen ist rot, selten blau oder grün. Die Bilder auf den Fahnen sind sehr verschieden. Auf der großen, von den Männern getragenen Fahne ist meistens der Schutzheilige der Kirchengemeinde zu sehen, auf den anderen die Hl. Dreifaltigkeit, Jesus, Maria, Engel oder Heilige, in letzter Zeit auch christliche Symbole, Monogramme, die auf die Fahnen gemalt oder gestickt wurden. Dazu ein Spruch, eine Jahreszahl, der Name der Gemeinde, der die Fahne gehört.

Die Fahnen werden im Heimatort der Pilger in der Kirche aufbewahrt. Dabei stehen die Fahnen, wie es in den meisten Gemeinden üblich ist, in der in der Kirche noch immer eine starke patriarchale Sitzordnung vorherrscht, auf der Männer bzw. Frauenseite.241

Die Fahne tragen zu dürfen ist eine Auszeichnung. Den unbescholtesten Mitgliedern der Kirchengemeinde wird die Fahne anvertraut, jenen, die durch ihre gläubige Lebensweise verdienen, die Fahne berühren zu dürfen und die außerdem über die entsprechende Kraft verfügen, da die Fahne zu tragen auf dem langen Weg keine leichte Aufgabe ist. Die Fahne befindet sich stets an der Spitze der jeweiligen Gruppe. Wenige Gruppen haben mehrere große Fahnen, manche Pilgergruppen ziehen sogar mit 20 Fahnen auf, unter denen auch mitunter die ungarische Trikolore zu sehen ist.

5.2.4.2.1. Der Fahnengruß

“Das erste Dorf, das der Pilgerzug durchwandert, ist Nyárádremete. Der Pilgerzug zieht mit Liedern, Schellen und Trommelklang durch dieses Dorf. Die Glocken der Kirche erwarten die Pilger schon von weither, und sie begleiten die Pilger auch auf dem Weg aus dem Dorf. Dies ist deswegen von Bedeutung, denn an manchen Orten herrscht der Glaube, daß, wenn die Glocken nicht geläutet werden, der Hagel die Ernte vernichten wird.“242

“Der Zug schlängelt sich in Richtung Kirche. Auf dem Weg kehrt der Zug in jede Kirche ein, betet, singt, der begleitende Pfarrer erteilt den Segen. Vor den Kirchen wird der Zug vom Pfarrer und den Einheimischen erwartet, wird dies verabsäumt, wirft dies kein gutes Licht auf das Dorf. Vor jeder Kirche, vor jeder Kapelle, vor jedem Kreuzstöckl, das entlang des Weges steht, wird symbolisch gegrüßt, die Fahnen begrüßen die Kirche, die Fahnen werden dreimal bis zur Erde geneigt. Die Fahne grüßt stellvertretend für den ganzen Pilgerzug. Nach dem Fahnengruß, bevor sie in die Kirche einkehren, umrunden sie diese von links beginnend. Manche Pilgerzüge machen dies dreimal. Diese dreifache Umrundung hat symbolische Bedeutung, so wie im Alten Testament.

Vor den Kreuzstöckeln hält der Zug an, singt Lieder und betet und die Mädchen schmücken sie mit Blumen, die sie am Straßenrand gepflückt haben.“243

Derlei ist heutzutage nur mehr selten zu sehen. Die Gyimeser Csángós beschränken sich auf wenige Kapellen, da sie, wenn sie Schomlenberg rechtzeitig zur Prozession erreichen wollen, wenig Zeit haben.

5.2.4.3. Marsch und Jausenpause

“Die Bräuche der frommen Vorfahren leiten und bestimmen jede Bewegung, jede Tat des Keresztalja. Bei Nyárádremete, wo die Gruppe die Nyárádbrücke überschreitet, wird der begleitende Pfarrer darauf aufmerksam gemacht, daß es hier eine Pause einzulegen gilt. […] zwei Männer zählen die Leute der Gruppe. […] und es wird schlußgefolgert, inwiefern sich der Glaubenszustand der Gemeinde verbessert oder verschlechtert hat.“244

“Die Pilger wissen von ihren Vorfahren, wo man den Weg abkürzen muß, zwischen welchen Sträuchern durchgegangen werden muß, welche Hänge erklommen werden müssen, um am schnellsten zum Wallfahrtsort zu kommen. An der Nyárád wird nur 5 Minuten Pause gemacht, und der Zug zieht weiter, Lieder, Gebete und Rosenkränze wechseln einander ab. Die Pilger meinen: Zuhause vernachlässigen wir das ganze ohnehin zur Genüge, auf dem Weg nutzen wir doch die Zeit! Drei Tage lang ständiges Gebet, ständiger Gesang. Die Aufmerksamkeit der Menschen wird dadurch von den Anstrengungen des Weges abgelenkt. Und es gibt auch bestimmte Gebete für bestimmte Abschnitte des Weges und ältere Teilnehmer machen öfters den Búcsúvezetõ darauf aufmerksam, daß hier bis jetzt immer dieses und jenes Gebet gesprochen wurde.“

Jausenpause

“Nach mehr als der Hälfte des Weges lassen sich die Pilger nieder. Die Jausenpakete werden von den Pferdewägen genommen und es wird geschmaust. Vorherrschende Kost ist der Speck und der Topfen. Die gekochten Eier, die gebratenen Hendl werden jetzt verzehrt, weil sie später in der Hitze verderben würden. Hier wird getratscht, gespielt und gescherzt, die Menschen bieten einander von ihrem Essen an. Doch es gibt auch einige, die mit ihrem Zeug weit von der Gruppe entfernt Platz genommen haben. Das sind jene, die sich für ihre Armut schämen. Von dem, was ihnen angeboten wird, akzeptieren sie nichts, keinen Bissen. Und warum akzeptieren sie nichts? Die Eigenheit der Székler ist die Verpflichtung zurückzuzahlen. Wenn ein Székler von jemandem etwas bekommt, bedankt er sich nicht vielmals. Er sagt höchstens mit einem mageren, kalten “Vergelt‘s Gott“ Dank. Aber dies bleibt auch oft aus. Der ehrliche Székler mag nicht in der Schuld eines anderen stehen.

Während des Essens wird erzählt, daß am Tolvajos Brunnen ein Mann umgebracht wurde, einzig und allein wegen eines Häuptel Zwiebels. Mir wird Zwiebel angeboten, denn das ist hier so Brauch.“245

Auch die Gyimeser Csángós legen nach ungefähr der Hälfte der Strecke, um ca. 8 Uhr, eine Jausenpause ein.

Diese dauert ca. 20 Minuten. Danach wird schon in gemächlicherem Tempo weitergegangen, bis dahin sind die Csángós für die Verhältnisse eines urbanen Menschen gerannt. Doch ist um acht die Wiese erreicht, wo die Gyimeser Csángós immer pausieren, weiß man, daß man es bis kurz nach 11 leicht nach Schomlenberg (noch ca. 20 km) schafft.

5.2.4.4. Übernachtung unterwegs

“Sovata, den Ort, an dem die Pilger ihre ersten Nacht verbringen, erreichen sie am späten Abend. Nach einer weiteren Andacht in der Kirche, löst sich das Keresztalja auf. An dieser abendlichen Andacht nehmen auch die Gläubigen der Gemeinde teil. Schon deswegen, weil auch aus Sovata morgen eine Pilgergruppe aufbrechen wird. Nachdem sie aus der Kirche kommen, kehren sie bei jenen Familien ein, wo sie schon die letzten Jahre übernachteten. Und die Ansässigen freuen sich auf ihre altbekannten Gäste und auch auf ein, zwei neue, die sie zu sich nach Hause nehmen können.“246

“Niemand rechnet mit Komfort. In Stadeln, auf Heuböden schlafen die Männer, in den Häusern auf dem Boden, auf ausgebreitetem Stroh, auf Strohsäcken schlafen die Frauen. Quartier wird überall gerne gegeben.

Die Pilger treffen in den Dörfern durchwegs auf Sympathie. Und sogar in protestantischen Dörfern warten alte Weibchen mit einem Kübel Wasser, den sie vor dem Gartentor auf einen Sessel gestellt haben. Obwohl der Weg erschöpfend ist, können manche auch in der dritten Nacht schwer einschlafen. Die sonnige Natur der Székler, die es während des Tages zu ersticken gilt, lebt am Abend auf.“247

Die Unterbringung der durchziehenden Pilger geschieht auch heute noch auf ähnliche Weise. Der größte Teil unserer Gruppe, wir erreichten Gyimesfelsõlok schon am Mittwoch, - wir also auch als durchziehende Pilger bezeichnet werden können -, wurde auch bei Familien im Dorf untergebracht. Jene, die den Dörflern schon aus früheren Jahren bekannt waren, wurden gleich nach Ankunft des Busses nach Hause mitgenommen. Der Rest der Gruppe wartete, und laut Auskunft unseres “Búcsúvezetõs“, des Pfarrers Zoltán Dénes, war die Aufnahmebereitschaft der Dorfbevölkerung 1997 schon um einiges geringer als noch ein Jahr zuvor. Der Grund dafür war nicht zu erschließen, kann aber ganz einfach bei fehlenden Aufnahmekapazitäten liegen. Seit der “Wiederbelebung“ der Schomlenberger Wallfahrt 1990 waren von Jahr zu Jahr mehr Menschen nach Gyimesfelsõlok gekommen, um die 42 km zum Wallfahrtsort zu Fuß mit den Einheimischen gemeinsam zurückzulegen. Mir als “Gast aus Österreich“ wurde angeboten, im Pfarrhof - sozusagen unter Gottes direkter Obhut - zu übernachten. Ich erklärte mich jedoch mit meinen Studienkollegen solidarisch und verbrachte zwei Nächte in der aufgelassenen gynäkologischen Abteilung des örtlichen Krankenhauses.

Die Csángós

Da sich die Entfernung zwischen den Moldauer Dörfer jenseits der Karpaten nicht in einem Tag zurücklegen ließen, suchte man nach Unterkunft, die fast immer vom Búcsúvezetõ im vorhinein organisiert wurde.

“[…] 37 bin ich das erste mal gegangen [nach Csíksomlyó]. Und dann 1938 und 39. Zu Fuß. Wir sind entlang des Csobányos-Bach gegangen. Dort steht ein Sägewerk. Dort haben wir am Donnerstag geschlafen, und am nächsten Tag, am Freitag, erreichten wir [Csík]Somlyó. Zwei Tage waren wir unterwegs.“248

Die Vigilie, die Nacht zum Sonntag, verbringt der größte Teil der Moldauer Ungarn betend und schlafend in der Kirche.249

Anreise und Verbot

Per pedes reiste man auch noch nach dem zweiten Weltkrieg nach Csíksomlyó, doch der “kommunistische Terror“250 wirkte sich auf die Zahl der Wallfahrer aus.

“Dann 1949 gingen wir nicht mehr nach Somlyó. War nicht erlaubt. Um nach Siebenbürgen hinüber reisen zu können, brauchte man eine spezielle Erlaubnis! Wer keine hatte, der durfte nicht fahren. Aus dem Zug haben sie sie dann aber aussteigen lassen. Und die marschierten, die hat die Miliz aufgehalten und mit Stöcken verdroschen.“251

In der zweiten Hälfte der 50er Jahre bekommt die Wallfahrt der Moldauer Ungarn wieder neuen Schwung, einige gehen wieder zu Fuß, doch das sind meist jene, die aus den Csíksomlyó näheren Dörfern stammen, die entlang des Tatros-Baches liegen.252

Zu Zeiten der Diktatur fand die Pfingstsamstagsprozession auf den kleinen Schomlenberg nur sehr rudimentär statt.253

5.2.4.5. Beichte unterwegs

Der Besuch der Wallfahrt ist untrennbar mit der Beichte verbunden. Normalerweise beichteten die Pilger zuhause, bevor sie die Reise oder den Fußmarsch nach Schomlenberg antraten. Wenn es ihnen in ihrem Heimatort jedoch nicht mehr möglich war zu beichten, dann taten sie dies spätestens in Schomlenberg. Bei den marschierenden Wallfahrergruppen war es üblich - neben der Beichtmöglichkeit in den Unterkünften, wo man unterwegs übernachtete -, daß der begleitende Pfarrer sich von der Gruppe absetzte, und jene, die die Beichte absolvieren wollten, es ihm gleich taten, beichteten und nach erteilter Absolution wieder zur Gruppe aufschlossen.254 Während der Pfarrer mit der Beichte beschäftigt war, wurde die Leitung des Gesanges und Gebets von anderen übernommen.255

“Am folgenden Morgen, um drei Uhr früh, wird die Gesellschaft durch Trommelklang aufgeweckt. Nach einem gemeinsamen Morgengebet brechen wir singend auf. Am Ende des Dorfes wird der begleitende Pfarrer von den älteren Pilgern darauf aufmerksam gemacht, daß hier mit der Beichte zu beginnen sei. Der Pfarrer bleibt zurück, und so, während des Marsches sich mal dem einen, mal dem andern anschließend, nimmt er der ganzen Gruppe die Beichte ab. In jeder Kirche, die auf ihrem Weg liegt, hören sie eine Messe, im Gerner frühstücken sie, am Abend erreichen sie Kadicsfalva, das sind ungefähr 40 km, die Strecke für diesen Tag.“256

5.2.4.6. Ankunft in Csíksomlyó - Die weiße Kirche mit den zwei Türmen

Am dritten Tag geht’s über Máréfalva, Oláhfalu in Richtung Hargita. Auf dem Tolvajos Berg, Donnerstag nachmittag, ungefähr um fünf, erreicht der Zug auf der Hargita jenen Punkt, von dem zum ersten Mal die weiße, zweitürmige Kirche von Schomlenberg zu sehen ist. Wenn die Pilger das erste Mal die Kirche von Schomlenberg sehen, wird folgendes Marienlied angestimmt: Édesanyánk, Hozzád jöttunk257 […] Manche küssen den Boden.258

Seinerzeit, in den 40er Jahren, lebte noch der Brauch des Erwartens der Wallfahrergruppen. Von den Kirchtürmen aus wurde nach den Gruppen Ausschau gehalten. Jede sich nähernde Pilgergruppe wurde von dreimal dreifachem Glockenschlag begrüßt. Das erste Mal, als man sie erblickte, das zweite Mal, als sie die Dorfgrenze, das dritte Mal, als sie den Kirchplatz erreichte. Dort wurde jede einzelne von einem Franziskaner begrüßt, der ihnen Unterkünfte zuwies und ihnen Anweisung zum Ablauf der Wallfahrt gab. In den letzten Jahrzehnten wurde diese Art des Empfanges nicht mehr praktiziert.259

5.2.4.7. Übernachtung in Csíksomlyó

Die Übernachtung in Schomlenberg war ebenfalls durch die Tradition geregelt. Jedes Dorf hatte seine angestammte Unterkunft, kehrte Jahr für Jahr bei gleichen Familie ein, wo sie im Stall, in der Scheune, in leeren Zimmern schliefen. Die Unterkunftgeber akzeptierten für die Übernachtung kein Geld. Die Gruppen zeigten sich meist mit kleinen Geschenken erkenntlich, die Moldauer Csángós, die auch Weinbau betrieben, beschenkten die Unterkunftgeber nicht selten mit Wein. Vor 1948 konnte man auch im heutigen Krankenhaus übernachten.260 Nachdem heute fast alle Teilnehmer erst am Samstag ankommen und (mit Ausnahme der Moldauer Csángós, die den Sonnenaufgang am Sonntagmorgen am Schomlenberg erwarten - und die Nacht in Andacht in der Gnadenkirche verbringen) am selben Tag wieder abreisen, hat sich der Brauch des Unterkunftgebens eigentlich völlig aufgehört.

5.2.5. Freitag

Der Freitag war stets der Tag der Ankunft, der Besinnung, der Beichte. Die Wallfahrer, die am Freitag Csíksomlyó erreichten (jene, die den weitesten Weg zurückzulegen hatten), bereiteten sich seelisch auf das am Samstag stattfindende “Hauptereignis“, die Prozession vor. Jene, die noch keine Beichte abgelegt hatten, taten dies jetzt. Im allgemeinen war am Freitag jeder Winkel des Klosters, der Hof, die Kirche, die Gänge, die Zellen der Mönche voller Reumütiger, die ihr Gewissen erleichtern wollten.

Die Moldauer Csángós beichteten stets in Schomlenberg, sofort nach ihrer Ankunft.261

5.2.5.1. Schlaf in der Kirche, Nächtliche Andacht

Bis zum heutigen Tag hält sich der Brauch des Schlafs in der Kirche. Dies ist einerseits durch den Mangel an Unterkünften zu erklären, andererseits hoffen die Gläubigen dadurch auf Heilung. Es werden Decken ausgebreitet, in jedem Winkel der Kirche, im Chor, auf der Apsis, überall sind Pilger anzutreffen, die dösen, schlafen (dazu auch die Schuhe ablegen), essen, am Sonntag nachmittag gleicht die Kirche einer Müllhalde. Der Mittelgang bleibt stets frei, in ihm tummeln sich die Menschen, die die Gnadenstatue berühren wollen, ein Schneuztuch, den Hut usf. an ihrem Fuß reiben wollen - denn den Gegenständen wird dadurch heilende, schützende Kraft verliehen. Vom Freitag bis zum Sonntag ist die Wallfahrtskirche ständig zum Bersten gefüllt, und von den Anwesenden werden abwechselnd Rosenkränze gebetet und Marienlieder gesungen.

5.2.6. Samstag

Am Pfingstsamstag wird ganz Csíksomlyó von den Teilnehmern der Wallfahrt in Besitz genommen. Waren am Freitag noch nur die Kirche und das Kloster die Orte des Geschehens, so ist am Vormittag des Samstags bereits der Kirchgarten voller Leute, und auch in den umliegenden Straßen tummeln sich unzählige Pilger.

Seit der Wiederbelebung der Wallfahrt 1990 hat sich diese von drei Tagen (Freitag, Samstag, Sonntag) praktisch auf den Samstag verengt. Kaum einer der Pilger kommt vor Samstag morgen an. Die meisten kommen mit Bus, Auto oder Eisenbahn, auch jene Dörfer, die per pedes pilgern, erreichen Schomlenberg heute, nicht mehr vor dem Samstag.

Jede Gruppe hatte ihren angestammten Platz im Kirchgarten oder außerhalb, wo sie sich niederließ, wo die Fahnen abgestellt wurden, wo man sich traf, wenn man sich in den Massen verloren hatte, wohin man zurückkehrte, wenn man die Gnadenstatue besucht hatte. Jene, die schon am Freitag angekommen waren, sammelten sich stets bei einem der Häuser, wo sie übernachtet hatten, dort waren auch die Fahnen abgestellt. Bei der ersten Wallfahrt nach dem Niedergang des kommunistischen Regimes 1990 sorgte diese Gewohnheit, von der die “Veranstalter“ keine Ahnung mehr hatten, auf der aber von den älteren Teilnehmer bestanden wurde, für einige Verwirrung. Die Pilgergruppen suchten ihre alten “Standplätze“ auf, und handelten den Plänen der Franziskaner zuwider.262

5.2.6.1. Prozession

Der Höhepunkt der Pfingstwallfahrt war die Prozession, die stets nach dem Hochamt am Samstag nachmittag stattfand.263 An dieser nahmen schon vor dem Krieg einige zehntausend Menschen teil. Im Jahr 1990 waren es nach vorsichtigen Schätzungen mehr als hunderttausend.264

Die Prozession, an der die Pilgergruppen mit ihren Fahnen aufmarschieren, nahm ursprünglich am Hauptaltar ihren Ausgang, zog auf den kleinen Schomlenberg und kehrte wieder zur Kirche zurück. Sie dauerte ungefähr drei Stunden. Die Gebete und Lieder folgten einer fixen Ordnung. Die Prozession wurde mit allgemein bekannten Marienliedern begonnen, mit der Lorettoer Litanei fortgesetzt, die man bei der Salvator Kapelle beendete, wo das Lied “Egészen szép vagy Mária“265 angestimmt wurde. Auf dem Rückweg zur Kirche wurde die Litanei “Namen Jesu“ gebetet, schließlich die Maria Antiphone und beim Einzug in die Kirche das Te Deum gesungen.266

Die Marschreihenfolge267 der Gruppen bei der Prozession hat ihren Ursprung in der Geschichte der Entstehung der Wallfahrt. Die Spitze der Prozession bildet die Gruppe aus Gyergyóalfalu, weil laut Überlieferung der ortsansässige Pfarrer namens István 1567 den Widerstand der Székler gegen János Zsigmond organisierte. Der Gruppe folgen die Pilger der übrigen Dörfer der Region Gyergyó, diese wurden von den Felcsíker Dörfern gefolgt. In der Mitte des Zuges befand sich der “Kordon“, die Schüler des Schomlenberger Franziskanergymnasiums, die das Labarum, das im Volksmund Labórium heißt, das höchste Symbol der Wallfahrt, trugen. Dieses 36 kg schwere aus Eisenplatten gefertigte, mit Stoff überzogene bienenkorbförmige Feldzeichen erinnert an die Fahnen, die die römischen Truppen im Kampf bei sich trugen.

Der Laborifer, der bravste und tüchtigste Schüler des Gymnasiums, er wurde von seinen Mitschülern auserwählt, durfte das Labarum während der Prozession tragen. Zur Sicherheit wurde auch stets ein Sublaborifer bestimmt, falls den Laborifer während des drei Stunden Zuges die Kräfte verließen. Der Labarumträger war von acht Facigern268 umgeben, die ebenfalls unter den besten Schülern des Gymnasiums ausgewählt wurden und gute Sänger sein mußten, da sie innerhalb der Prozession, das “Zentrum“ des Gesanges bildeten, wo die Lieder in der traditionellen Reihenfolge angestimmt wurden. Links und rechts schritten weitere Schüler, vor der Gruppe zogen die Novizen, dahinter die Lehrer und Franziskanermönche. Hinter der Klostergruppe folgten die restlichen Pilgergruppen: zuerst jene aus Alcsík und Kászon, aus Udvarhelyszék, die Dörfer entlang des Nyárád- und Maros-Flusses, aus Felsõ-Háromszék und zum Schluß die Gyimeser und die Moldauer Csángós.269

Die Dörfer wetteiferten regelrecht um den Platz innerhalb des Prozessionszuges, denn neben der Tradition war auch die Größe der Gruppe ausschlaggebend. Innerhalb einer Region gingen die größeren Dörfer im allgemeinen voran, dabei kam es vor, daß sich kleinere Dörfer den größeren Nachbardörfern anschlossen, nur um an “vornehmerer“ Stelle mitziehen zu können. Diese Streitereien endeten noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nicht selten in einer Massenschlägerei, bei der auch die Fahnenstangen eingesetzt und mitunter abgebrochen wurden. Dieserlei profanem Verhalten wurde dadurch ein Ende gesetzt, daß die Franziskanerbrüder eine genaue Marschordnung festlegten und die streitbaren Dörfer vor der Prozession weit voneinander entfernt hielten.270

Offizielles Aus für die Prozession - Hochamt am Berg

Im Jahre 1990 und 1991 versuchte man den Überlieferungen bezüglich der Prozession so gut als möglich zu folgen, die Prozessionsordnung einzuhalten, wobei man sich schon damals klar war, daß wegen der großen Teilnehmerzahl Änderungen vorgenommen werden müssen. Die Prozessionsordnung wurde damals rund um die Kirche ausgehängt und auch im lokalen Radio bekanntgegeben.

1992 verlängerte man die Route der Prozession um fast zwei Kilometer, baute Kurven ein, um ein Chaos zu verhindern, das Chaos, daß die Abmarschierenden mit den schon wieder beim der Kirche ankommenden Prozessionsteilnehmer zusammentreffen.

Weil das Chaos aber nicht ausblieb, entschloß man sich 1993, nachdem die Teilnehmer eigentlich niemals im Laufe der Geschichte in der Kirche Platz gefunden haben, und die Pilger auch auf dem Kirchplatz und im Kirchgarten nicht mehr Platz hatten, das Hochamt im Sattel zwischen dem kleinen und großen Schomlenberg zu zelebrieren.

Zu diesem Zweck wurde eine “Freilichtbühne“ errichtet, von der aus, mit Lautsprechern verstärkt, die Messe gelesen wurde. 1993 zogen die Pilgergruppen in einer noch irgendwie an die früheren Prozessionen erinnernden Form auf der alten Prozessionsroute auf den Berg, hörten die Messe und zogen am vorgesehen Weg wieder vom Berg herunter.271

1994, auf der Wallfahrt mit der bisher größten Teilnehmerzahl, auch laut offizieller rumänischer Stellen haben daran mindestens 400.000 Menschen teilgenommen, zogen nur mehr wenige Gruppen, darunter die Gyimeser und Moldauer Csángós, die bis heute zu jenen gehören, die am stärksten an der Tradition festhalten, auf der alten Route in geschlossener Formation auf den Berg.272 Seit 1995 ist keinerlei gewollte oder ungewollte Ordnung mehr im Aufmarsch der Pilgergruppen zu erkennen. Jeder geht dort auf den Berg, wo er kann, viele der Teilnehmer benehmen sich auch während der Messe auf profane Weise, selbst die Csángós rennen zur Messe auf den Berg, nur mehr die Teilnehmer des Klosters, die Pfarrer und Schüler benützen die traditionelle Marschroute.

Die Messe findet also seit 1993 wegen der unvorstellbaren Menschenmassen im Sattel zwischen den beiden Bergen zwischen Mittag und zwei Uhr Nachmittag statt. Fast alle Pilger kommen inzwischen erst am Samstagmorgen mit dem Autobus an, vertreiben sich den Vormittag entweder mit Gebet oder Jahrmarktsvergnügungen, derer es viele gibt, rennen auf den Berg, hören die Messe, während der sie sich auf mitunter unpassende Weise benehmen, ich habe Leute jausnen und kartenspielen gesehen, nach Ende der Messe rennen sie, wobei auch dabei die Marschordnung nicht mehr eingehalten wird, wie das noch 1995 der Fall war,273 vom Berg herunter, setzen sich in ihren Autobus und fahren wieder nach Hause.

1996 wurde aus Anlaß des ungarischen Millecentenariums274 ein ständiges Altargerüst gebaut. Der

Platz vor diesem ist in Sektoren eingeteilt, die man mit Absperrbändern und Tafeln, auf denen die siebenbürgischen Regionen aufgeführt sind, kennzeichnet.

1993-95 wurde ein großes Heiligenbild für die Zeit der Messe auf den Berg gebracht, seit 1996 ziert ein Kopie der Gnadenstatue das Altargerüst während der Messe.

Seit 1990 wird für die Tage der Wallfahrt auf der Aussichtswarte auf dem großen Schomlenberg die ungarische Trikolore gehißt und seit 1994 ist stets ein Mitglied der Familie Habsburg auf der Wallfahrt dabei.

5.2.6.2. Statt einer Gipsmaria ein paar Ästchen

In den letzten Jahren hat sich der Devotionalienhandel in Schomlenberg enorm ausgebreitet. Es wird allerlei Heiliges und weniger Heiliges, von der Gipsgußmadonna bis zum Schnitzelklopfer - den ich mir gekauft habe - während der Wallfahrt vertrieben. Ursprünglich war aber der Birkenast als Mitbringsel unter den Széklern von alleiniger Bedeutung.

Die Legende besagt, daß die Székler, die die protestantische Armee so vernichtend schlugen, nach ihrem Sieg mit grünen Ästen zu ihren Familien zurückkehrten. Eine sprachgeschichtliche Tatsache ist, daß spätestens ab 1630 der “grüne Ast“ auch im Ungarischen mit Erfolg und Glück in Zusammenhang steht.275

Die Vegetation, ihr Absterben und ihre Wiedergeburt spielten in der Volksfrömmigkeit, im Aberglauben stets eine bedeutende Rolle. Die Birke ist einer dem am frühesten ausschlagenden Bäume und ist deswegen in weiten Teilen Europas ein Symbol des Lebens. Auch bei den Ungarn war sie stets ein wichtiges Requisit zur Heilung und zur Vertreibung des Bösen.276

Von der Wallfahrt wurden stets Birkenäste mit nach Hause genommen. Diese stammten von den Bäumen am kleinen Schomlenberg und wurden von den Teilnehmern selbst, meist während der Prozession, geschnitten. Diese Äste rieben sie im allgemeinen am Fuß der Gnadenstatue oder am Altar der Salvator-Kapelle, dadurch verstärkte sich ihre Heil- und Schutzkraft. Zuhause verteilten die Wallfahrer Äste des “heiligen“ Buschens an jene Familienmitglieder, die nicht an der Wallfahrt teilnehmen konnten. In den Hauptbalken des Hauses wurde ein Ast gesteckt, dieser schützte vor Unglück und Feuer, bei Sturm, extremem Wetter wurde ein kleines Stück vom mitgebrachten Ast ins Feuer geworfen, was vor Schaden schützen sollte.277

Nachdem die Birkenpopulation am kleinen Schomlenberg in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen ist, werden heute auch Äste von Linden geschnitten, Gräser und Himmelschlüssel gebrockt, weil alles vom Schomlenberg als “heilig“ betrachtet wird bzw. verdienen sich die allgegenwärtigen Zigeuner278 mit dem Verkauf von Birkenzweigen vom großen Schomlenberg ein paar Lei.279

Für die Székler und die von ihnen “abstammenden“ Gyimeser Csángós sind die Äste unumgänglich, sie nennen sie búcsúág (=Wallfahrtsast), die Moldauer Csángós nehmen im Gegensatz zu den Széklern nur selten Äste mit nach Hause.280

5.2.7. Sonntag

5.2.7.1. Kreuzweg der Csángós am Pfingstsonntag morgen.

Die meisten, die zur Pfingstwallfahrt nach Schomlenberg kommen, bemühen sich, auch den Kreuzweg abzugehen. Dies galt früher besonders für jene, die von weiter entfernt kamen und zwei bis drei Tage am Gnadenort verbrachten. Sie absolvierten die Kalvaria auch mehrere Male. Die Csángós aus der Moldau, die traditionell schon am Freitag Schomlenberg erreichten, verbrachten den ersten Tag mit der Beichte, Opferung und Meßbesuch, besuchten die Marienstatue und suchten anschließend ihre Unterkunft auf.

Unter den Csángós ist der Glaube verbreitet, daß man mit einer sündigen Seele nicht auf den “heiligen Berg“ steigen kann, wo “die Jungfrau ihre Wunderzeichen zeigt“.281

“Es war ein Bub. […] Er ging zum großen Kreuz, wo der Kreuzweg beginnt und wollte weitergehen, doch er kam nicht voran. Als ob eine unsichtbare Hand ihn zurückhalten würde. […] Da haben die Leute gesagt: Quäl dich nicht weiter, geh zurück und beichte! - Und der Bursch ging zurück und beichtete, opferte, dann ging er ohne Mühe auf den Berg.“282

Am Samstag in aller Frühe absolvierten sie in Gruppen den Kreuzweg, der auf den kleinen Schomlenberg bis zur Erlöser - Kapelle führt. Viele von ihnen absolvierten den Kreuzweg auch nach dem Hochamt am Vormittag des Pfingstsamstags, besonders zu jener Zeit als die große Prozession um 2 Uhr Nachmittag nicht stattfinden konnte. Die Csángós, die sich in Schomlenberg befinden, wissen genau, wann welche Gruppe welcher Búcsúvezetõ den Kreuzweg hinaufführt.283

Für die Moldauer Pilgergruppen war es charakteristisch, daß sie nach der Andacht am Kreuzweg der Route der samstäglichen Prozession folgten, und den kleinen Schomlenberg umrundeten. Dann warteten sie auf den Sonnenaufgang.284

Am Pfingstsonntag treffen sich die Gläubigen um ungefähr halb vier morgens am Beginn des Kreuzweges, bei einem Steinkreuz, das 1868 aufgestellt wurde. Beim Versammeln wird der Rosenkranz gebetet, auch Székler mischen sich unter die Moldauer Csángós, bevor unter Singen von Marienliedern der Kreuzweg begonnen wird. Es kann sein, daß eine dieser Gruppen mitunter aus 100 -150 Personen besteht.285

Manche Csángó-Gruppen (z.B. jene, die von der Wallfahrtsleiterin Ilona Jancsi geführt wird) absolvieren den Kreuzweg am Pfingstsamstag und -sonntag. Am Samstag brechen sie zwischen 6 und 7 Uhr auf, um zur Frühmesse zurück zu sein, am Sonntag brechen sie viel früher auf, um bei Sonnenaufgang an der Szenvedõ Jézus Kapelle (=Kapelle zu den Leiden Christi) zu sein, wo sie mit Gesang die aufgehende Sonne begrüßen.286

5.2.7.2. Warten auf den Sonnenaufgang - Napvárás

Welchen Ursprung dieser seltsam anmutende Brauch hat, ist völlig unbekannt. Der Schomlenberger Franziskanermönch Árpád Lukács Daczó meint in ihm ein Überbleibsel eines heidnischen Sonnenkultes zu sehen.287

Ursprünglich brachen die Csángógruppen, die zum Warten auf den Sonnenaufgang auf den Berg stiegen, von der Kirche auf. Während des ganzen Aufstiegs wurde gesungen. In den 80er Jahren ließ man von diesem Brauch ab, man sang erst in unbewohntem Gebiet, um in der frühen Stunde keinen zu stören288 - heißt es zumindest offiziell.

Es erklingen Lieder aus dem Csíksomlyói Kalauz und dem Cantionale Catholicum, wobei der Búcsúvezetõ und die Pilger abwechselnd singen.289

Doch selbst beim Aufstieg erklingen immer seltener die seit Jahrhunderten überlieferten Lieder. Einerseits trägt der Mangel an Búcsúvezetõk, die fortschreitende Assimilation der Moldauer Csángós, andererseits die Beobachtung des “Spektakels“ durch Fernsehteams, Fotographen, Touristen und unsensible Volkskundler zu einem langsamen Sterben dieses Brauches bei.290

Auf den Sonnenaufgang warten die Moldauer Csángós, nur sie, denn bei ihnen ist es seit Jahrhunderten üblich, hinter der Kapelle der Leiden Christi.

Nach Ansicht der Csángós erblicken diejenigen mit reiner Seele den Heiligen Geist in Form einer Taube oder andere “wunderbare heilige Dinge“291 in der aufgehenden Sonne des Pfingstsonntag. Sünder sehen entweder gar nichts oder Schreckgespinste.292

Nach dem Sonnenaufgang kehrt die Gruppe der Lujzikalagorer, die teilweise schon Rumänisch singt, in die Salvator Kapelle ein, wo sie auf Knien den Altar umrunden.293

Der traditionelle Ablauf der Andacht, des Wartens auf den Sonnenaufgang ist heute nur mehr ein mattes Abbild des ursprünglichen. Mit den letzten Búcsúvezetõk wird auch dieser Brauch völlig verschwinden.294

5.2.7.2.1. Kräutersammlung

Beim Warten auf dem Sonnenaufgang werden von den Frauen auch Kräuter gesammelt. Diesen Kräutern werden besondere Heilkräfte zugesprochen. Um sicher zu gehen, werden aber auch die Füße der Marienstatue damit berührt und gesegnet. Gepflückt werden vor allem ein fünfblättriges Gras, daß dem Klee ähnelt und von den Csángós “Jézus tenyere“ (=Jesus Handfläche) genannt wird, das gegen Herzschmerzen hilft. Den Wurzeln einer violetten Blume namens “szponcs/szponsz“ wird magische Kraft zugesprochen. Sie wird dem Kranken ins Ohr gesteckt, auf daß sie das “Schlechte“, welches seine Krankheit bewirkt, herausziehe. Auch Fichtentriebe werden gebrockt, aus denen Tee und Hustensaft gekocht wird, weiters Anemone, Frauenmantel, Leberblume, Kuhschelle, Himmelschlüssel usf.295

Über ein Dutzend verschiedene Gräser und Blumen werden von den Moldauer Csángós gesammelt, aus denen sie Tee oder Bäder nicht nur für ihre daheim gebliebenen Kranken zubereiten.296

Diese werden besonders am Pfingstsonntag von jenen gebrockt, die den Sonnenaufgang erwarten.

5.2.7.3. Ende der Wallfahrt, Heimweg

Ein genaues Ende der Wallfahrt kann und konnte man nicht bestimmen. Die Pilgergruppen aus den Schomlenberg nahen Orten marschierten meist noch am Samstag, nach der Prozession, nach Hause. Dabei wurde eine gelockerte Marschordnung eingehalten, es wurde nicht mehr an jeder Kapelle halt gemacht und auch nicht mehr ausführlich gebetet. Man berichtete einander von den Erlebnissen während der Wallfahrt, wen man getroffen, wen man kennengelernt hatte. Jene, die von weiter her kamen, setzten sich am Abend in den Zug oder verbrachten noch eine Nacht in den ihnen zugewiesenen Quartieren und brachen am folgenden Morgen auf. Vor allem die Moldauer Csángós verließen Schomlenberg erst am Pfingstsonntag mittag. Sie marschierten dann zügig nach Hause.

Den marschierenden Pilgergruppen kamen im allgemeinen die Daheimgebliebenen entgegen, empfingen die Wallfahrer an der Grenze des Dorfes.

Heute, zu Zeiten der Massenveranstaltung, reisen die meisten nach dem Hochamt am Berg ab. Nach Ende der Messe rennen sie vom Berg herunter, setzen sich in ihre Autobusse und fahren nach Hause. Nur mehr wenige sind auch noch am Samstag abend in Schomlenberg.

6. Résumé: Religion, Ethnizität, Schau - Schomlenberg heute

“Die einfachen Gläubigen begrüßten, im Gegensatz zu einem Teil der Kirchenmänner, freudig die Vertreter des nationalen Radikalismus aus dem Mutterland”297 - läßt die Wochenzeitung “Magyar Fórum”, das Parteiorgan der weit rechts stehenden Parlamentspartei MIÉP, seine Leser im Bericht über die Schomlenberger Wallfahrt 2000 wissen. Weiters meinen die ungarische Vertreter der Ewig-Gestrigen auch, daß die “Marien-Statue zu einem Nationalsymbol des katholischen Ungarntums”298 geworden ist.

Im wesentlichen hat der Schreiber des Artikels recht.

Doch nicht die Statue an sich, denn die religiösen Aspekte der Wallfahrt sind heutzutage zweitrangig geworden, sondern die Massenzusammenrottung von Ungarischsprachigen, unter denen auch viele Nicht-Katholiken sind, die Tatsache, daß in manchen Jahren mehr als ein halbe Million Menschen nach Csíksomlyó zieht, denn vom Pilgern im wahrsten Sinne des Wortes kann man nicht mehr wirklich sprechen, dieses alljährliche Ritual entwickelte sich durch seinen medialen Aufstieg und seine mediale Präsenz zu einem Symbol für die Ungarischsprachigen Rumäniens.

Einen Zeitpunkt kann man für diese Wende vom Religiösen zum “Ethnischen“ nicht festsetzen, einen Zeitraum jedoch sehr wohl.

Die Pfingstwallfahrt hat sich im Laufe von Jahrzehnten in ihrer Bedeutung gewandelt. Daran haben die Moldauer und Gyimeser Csángós keinen geringen Anteil gehabt, waren sie doch die einzigen, die sich auch während der Jahre der kommunistischen Diktatur immer irgendwie organisiert oder zumindest untereinander abgesprochen nach Schomlenberg wagten. So wie es in den 1940er Jahren und davor fast ausschließlich religiöse Beweggründe waren, die die Katholiken marschieren ließen, haben sich im Laufe der Jahrzehnte kommunistischer Unterdrückung diese Beweggründe langsam gewandelt. Aus der bloßen Suche nach Seelenheil und Ablaß ist eine Trotzreaktion geworden, ein dem österreichischen Waldheim-Syndrom gleiches “Jetzt erst recht“.

Derlei Reaktion ist als eine Form des passiven Widerstandes, - und sie ist in einem System, in dem ganze Ortschaften anderer als rumänischer ethnischer Zugehörigkeit geschleift und selbst in kleinen Dörfern massenweise Rumänen seßhaft gemacht wurden, um die Rumänisierung möglichst schnell voranzutreiben -, durchaus verständlich.

Interessant ist die Tatsache, daß, obwohl die Csángós diese Umdeutung der Wallfahrt - das Gegenteil wäre das völlige Verschwinden gewesen - initiierten und vorantrieben, dies bei ihnen niemals bewußt geschah - ist doch bei den Moldauer Csángós das ungarische Identitätsbewußtsein nur sehr rudimentär ausgeprägt -, und sie neben religiösen Fanatikern wohl die einzigen sind, deren Pilgerei immer noch vom Religiösen bestimmt ist.

Diese mitunter tiefe Religiosität von Gemeinschaften, nicht Einzelpersonen, ist für uns Menschen des ausgehenden 20. Jahrhunderts schwer verständlich. Wenn man aber weiß, daß die Siedlungsgebiete der Csángós neben dem bosnischen Bergland und den Regionen des Kaukasus zu den rückständigsten Gebieten Europas zählen, ist diese Tatsache gar nicht mehr absurd.

Für den Rest der Teilnehmer - die wenigen Ungarntümler ausgenommen - ist die Wallfahrt sowohl der religiösen als auch der ethnischen Bedeutung entleert.

Stets wird betont, daß die Csíksomlyóer Wallfahrt ein Fest der Zusammengehörigkeit der Ungarn ist, auf dem sie zeigen, daß man auch in der Republik die Brüder nicht vergessen hat, doch wage ich zu behaupten, daß sie für die meisten Teilnehmer, die von weit her kommen, eine Schau, eine moderne Veranstaltung darstellt. So trägt sie in gewissem Sinne besondere Aspekte einer Wallfahrt, den Ausbruch aus dem Alltag, die Reise, das Kennenlernen von neuem, das Treffen anderer oder Verwandter, immer noch in sich.

Es ist in Ungarn schick geworden gläubig, wenn nichts Besseres zu finden ist, auch katholisch zu sein oder ans “Ungarntum“ zu glauben, über den Friedensvertrag von Trianon zu raunzen, Leibchen mit Aufschriften wie “Magyar vagyok, nem turista“ (Ich bin Ungar, kein Tourist) zu tragen, über die Juden zu schimpfen - und außerdem oder gerade deswegen an der “größten Wallfahrt des Ungarntums“ teilzunehmen. Richtige Werbung für eine Teilnahme an der Schomlenberger Wallfahrt wird nicht gemacht. Die “Werbung“ beschränkt sich hauptsächlich auf Mundpropaganda.

In Budapest tauchen jedes Jahr gleich nach Ostern vor diversen Reisebüros und auch an der Universität Plakate auf, die Pauschalbusreisen zur Schomlenberger Wallfahrt anpreisen. Diese gar nicht teuren Angebote, die meist mit Besichtigungen von Klausenburg oder den sächsischen Städten Schäßburg oder Sächsich Reen oder einem Badetag in Tuschnad noch attraktiver gemacht werden - und deswegen stark an Ausflugsfahrten mit Werbeveranstaltungen für Tuchenten usf. erinnern (wobei ich im Laufe meiner Erkundigungen nicht feststellen konnte, ob es sich nicht wirklich um solcherlei handelt), diese Angebote werden gerne in Anspruch genommen. Im modernen ungarischen Menschen (dabei unterscheidet er sich in keiner Beziehung vom “westeuropäischen“) - der noch weiß, daß auch in Siebenbürgen Ungarn leben, (was gar nicht mehr so selbstverständlich ist) - lebt die perverse Überzeugung, daß die siebenbürgische Landschaft und die Armut der Menschen ein Gefühl der wohligen, rührenden, romantischen Idylle weckt.

Fast alle dieser Wallfahrtstouristen sind sich der immer noch existenten Diskriminierung der Ungarischsprachigen durch die offiziellen rumänischen Stellen nicht wirklich bewußt.

Durch die gestiegene Mobilität, der Ort ist - im Vergleich zu früher - schnell zu erreichen, und das sich Nicht-Mehr-Zeit-Lassen-Können hat sich die Wallfahrt auf einen Tag, den Pfingstsamstag, reduziert.

Für die Veränderungen des religiösen Rituals, das nur mehr von wenigen mit Überzeugung durchgeführt wird, sind sehr profane Gründe verantwortlich. Wegen der Teilnehmermassen können manche Handlungen nur mehr in verkürzter Form durchgeführt werden. Die Csángós beten am Kreuzweg kürzere Gebete, weil sonst ein “Stau“ entstehen würde, das Hochamt wird am Berg zelebriert, weil selbst im Kirchgarten die Menschenmassen nicht mehr Platz finden usf.

Als eine Demonstration ethnischer Identität wird Csíksomlyó von den Intellektuellen und Ungarisch-Nationalen gerne gesehen, das ist es aber nur oberflächlich. Aus einer Form des passiven Widerstandes zu einer Zeit, als schon das Gläubigsein, vom Ungarnsein in Rumänien gar nicht zu sprechen, einen zum Menschen zweiter Klasse degradierte, ist ein national interpretiertes Spektakel geworden. Mit dem Ende des Ceauºescu-Regimes, dem Anbruch lang ersehnter Freiheit, der zuerst nur zögernd Glauben geschenkt wurde, ist die Teilnehmerzahl explosionsartig angestiegen.

Zu Beginn der 90er Jahre sicher noch eine ethnische Demonstration, ist die Wallfahrt heute ein weitgehend bedeutungsleeres, stark kommerzialisiertes Spektakel, das via Satellit in Fernsehen und Radio übertragen wird, ähnlich dem Neujahrskonzert eine Woche später auf Videokassette im TV-Shop erworben werden kann. Die Familie Habsburg ist aus schleierhaften Gründen immer durch irgendein Mitglied vertreten, die ungarische Trikolore ist schon bald öfter zu sehen als Kirchenfahnen, die rund um die Kirche Wohnenden verkaufen Kracherl und Wurstsemmerl in ihren Hauseinfahrten und verdienen damit einige Monatsgehälter. Busse voller Taschendiebe reisen zum Pfingstwochenende an.

Es bleibt zu hoffen, daß die Schomlenberger Wallfahrt trotz ihrer Pervertierung, Sinnentleertheit ihre Signalwirkung beibehält, die hoffentlich früher oder später ihr Scherflein zur Gleichberechtigung der Minderheiten in Rumänien beitragen wird.

Danksagung

Recht herzlichen Dank möcht ich meinen Eltern aussprechen, die geduldig meine langen Studentenjahre zum größten Teil finanziert haben, obwohl sie lange Zeit auf ein sichtbares Ergebnis warten mußten, ao. Univ. Prof. Dr. Olaf Bockhorn für seine Geduld bei der Beantwortung meiner mitunter einfältigen Fragen, Dr. Béla Rásky, der mir mit ermunternden Worten zur Seite gestanden ist, den Mitgliedern der Familie Tankó aus Gyimesfelsõlok, die mich mit “Szeszes Pálinka“ (reinem Alkohol, der mit einer Essenz und Wasser abgeschmeckt ist) abgefüllt, mir Hendl-Pörkölt mit Erdäpfelpüree serviert haben und dann von Ufosichtungen im Gyimes-Tal erzählten, weiters Zoltán Dénes, Pfarrer von Újiráz und “Búcsúvezetõ“, Dr. Vilmos Tánczos, der mir gut zugesprochen hat, Maria Tóth, die mich in die Geheimnisse der burgenländischen Ungarn einführte, dem Ministerium für Ungarisches Kulturelles Erbe, das unwissentlich meine Arbeit mit vielen Photokopien unterstützte, meinen Debreziner Studienkollegen für den ständigen befruchtenden Gedankenaustausch und zuletzt Timea Türk, ohne die diese Arbeit weder einen Anfang, noch einen Mittelteil, noch ein Ende gefunden hätte.

7. Wörterverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

8. Literaturverzeichnis

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9. Abbildungsverzeichnis

Seite 8a:

Karte vom Autor zusammengestellt.

Seite 16a:

Pándy, Lajos: Köztes-Európa 1763-1993. Térképgyûjtemény. Budapest 1997, S. 541. Vom Autor bearbeitet.

Seite 17a:

Pándy, Lajos: Köztes-Európa 1763-1993. Térképgyûjtemény. Budapest 1997, S. 197. Vom Autor bearbeitet.

Seite 17b-d:

Népszabadság, 20. März 1999, S. 28. Vom Autor bearbeitet.

Seite 19a:

Pándy, Lajos: Köztes-Európa 1763-1993. Térképgyûjtemény. Budapest 1997, S. 185. Vom Autor bearbeitet.

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Pándy, Lajos: Köztes-Európa 1763-1993. Térképgyûjtemény. Budapest 1997, S. 189. Vom Autor bearbeitet.

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Pándy, Lajos: Köztes-Európa 1763-1993. Térképgyûjtemény. Budapest 1997, S. 193. Vom Autor bearbeitet.

Seite 34a:

Viga, Gyula (Hg.): Néprajzi Látóhatár. A Györffy István Néprajzi Egyesület Folyóirata. 3. Jg., Nr. 1/2, Debrecen 1994, S. 3. Vom Autor bearbeitet.

Seite 49a:

Asztalos, Ildikó (Hg.): Hazajöttünk. Pünkösd Csíksomlyón. Kolozsvár 1992, S. 78. Vom Autor bearbeitet.

Seite 51a: von oben nach unten:

1) Bálint, Sándor; Barna, Gábor: Búcsújáró Magyarok. A magyarországi búcsújárás története és néprajza. Budapest 1994, S 160ff.

2) Székely, László: Csíki áhítat. A csíki székelyek vallási néprajza. Budapest 1995, S. 514.

3-4) clmc.topnet.ro/somlyo.htm, 6. Juli 1998.

5) Székely, László: Csíki áhítat. A csíki székelyek vallási néprajza. Budapest 1995, S. 524.

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Hoppe, Alfred: Des Österreichers Wallfahrtsorte. Wien o.J., S. 399.

Seite 78a:

Asztalos, Ildikó (Hg.): Hazajöttünk. Pünkösd Csíksomlyón. Kolozsvár 1992, S. 60f. Vom Autor bearbeitet.

Seite 81a:

Photographien des Autors.

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Photographien des Autors.

Seite 87a:

1) Photographie des Autors.
2) Ansichtskarte aus Csíksomlyó.

Seite 89a: von oben nach unten:

1-2) clmc.topnet.ro/somlyo.htm, 6. Juli 1998.

3) Tánczos, Vilmos: Gyöngyökkel Gyökereztél. Gyimesi és moldvai archaikus népi imádságok. Csíkszereda 1996, S. 65.

4) Mohay Tamás: Térszervezõdés a csíksomlyói pünkösdi búcsún. Sonderdruck. Budapest 1996, S. 37.

Seite 90a: von oben nach unten:

1)Tánczos, Vilmos: Gyöngyökkel Gyökereztél. Gyimesi és moldvai archaikus népi imádságok. Csíkszereda 1996, S. 133.
2) Tánczos, Vilmos: Gyöngyökkel Gyökereztél. Gyimesi és moldvai archaikus népi imádságok. Csíkszereda 1996, S. 115.
3) Mohay Tamás: Térszervezõdés a csíksomlyói pünkösdi búcsún. Sonderdruck. Budapest 1996, S. 39.
4) Mohay Tamás: Térszervezõdés a csíksomlyói pünkösdi búcsún. Sonderdruck. Budapest 1996, S. 41.

Seite 91a: von oben nach unten:

1-2) Photographien des Autors.

3) Székely, László: Csíki áhítat. A csíki székelyek vallási néprajza. Budapest 1995, S. 514.

4) Photographie vom Autor

5) Bálint, Sándor; Barna, Gábor: Búcsújáró Magyarok. A magyarországi búcsújárás története és néprajza. Budapest 1994, S. 248.

Seite 92a:

1-2) Székely, László: Csíki áhítat. A csíki székelyek vallási néprajza. Budapest 1995, S. 517.

Seite 93a: von oben nach unten:

1-3) Photographien des Autors.

4) Mohay Tamás: Térszervezõdés a csíksomlyói pünkösdi búcsún. Sonderdruck. Budapest 1996, S. 45.

5) Mohay Tamás: Térszervezõdés a csíksomlyói pünkösdi búcsún. Sonderdruck. Budapest 1996, S. 44.

Seite 93b:

Photographien des Autors.

Seite 99a: von oben nach unten:

1, 4) Photographie des Autors.

2) clmc.topnet.ro/somlyo.htm, 6. Juli 1998.

3) Bálint, Sándor; Barna, Gábor: Búcsújáró Magyarok. A magyarországi búcsújárás története és néprajza. Budapest 1994, S 160ff.

[...]


1 Die Moldau ist eine historische Landschaft im Nordosten Rumäniens, zwischen Bessarabien und Siebenbürgen. Sie wurde 1352/53 als Grenzmark des ungarischen Königreichs gegründet, kam 1504 unter türkische Herrschaft und wurde 1862 mit der Walachei zum Fürstentum Rumänien vereinigt. (Die Region Moldau ist nicht mit der ehemaligen Sowjetrepublik Moldau, der heutigen Republik Moldawien zu verwechseln!)

2 Tánczos, Vilmos : Búcsú Csíksomlyón. Egy rituális dráma katarzisa. In: Keletnek megnyílt kapuja. Néprajzi esszék. Kolozsvár 1996, S.42f. (In Folge: Tánczos: Kapu)

3 Bálint, Sándor: Adatok a magyar búcsújárás néprajzához. In: Ethnographia 50. Budapest 1939, S. 193.

4 Csángós ist die Bezeichnung für drei Gruppen Ungarischsprachiger. Im Gyimes Tal leben die Gyimeser Csángós, in der Nähe von Kronstadt/Braºov die Hétfalusi Csángós und in der Region Moldau die Moldauer Csángós. In dieser Arbeit sind, wenn nicht anders bestimmt, wenn ich die Bezeichnung “Csángó“ benütze, durchwegs die Moldauer Csángós gemeint. Näheres zum Ursprung dieser Volksgruppe in Kapitel 2.

5 K. Lengyel, Zsolt: Hozzászólás a csíksomlyói búcsú kérdéséhez. In: Mûvelõdés, 40. Jg. (1991), Nr 2/3, S. 14. (In Folge: K. Lengyel: Hozzászolás)

6 Kossuth Rádió, Déli Krónika (Mittagsjournal) vom 15. Juni 1998.

7 Anlehnend an die ungarische Redewendung: “Kommunista kutyából nem lesz demokrata szalonna.” (=Ein kommunistischer Hund hat keinen demokratischen Speck).

8 Im Jänner 1999 hat ein Teil des Personal der MÁV (Ungarischen Staatlichen Eisenbahnen) gestreikt, um nicht nur eine schon erwähnte pro forma Lohnerhöhung zu erhalten. Während des Streiks ist der Personaldirektor an Herzinfarkt gestorben und zahlreiche Betriebe und Nachbarländer haben die MÁV auf Schadenersatz geklagt, den der Staat wiederum vom Personal eintreiben wird.

9 Nemeskürty, István: Mi Magyarok. A magyar történelem az igaz krónika rendje szerint. Budapest: Akadémiai Kiadó 1993, 2. Auflage, S. 7f. (in Folge: Nemeskürty).

10 Witz, Weidling, Schmatz (=Kuß), Ringelspiel, Frühstück

11 Donau TV, staatliches Satellitenprogramm, eingerichtet zu Beginn der 90er Jahre zur “geistigen Versorgung” ungarischer Minderheiten in den Nachbarstaaten.

12 Sprachwächter

13 Mit viel Pomp und noch mehr unsinnigen Verordnungen (die Stephanskrone wurde per Verfassungsgesetz vom Nationalmuseum ins Parlament überstellt, jedes öffentliche Gebäude muß ständig beflaggt sein - und der Verschmutzungsgrad der Fahnen wird von eigenen Kontrolloren überwacht usf.) wird noch bis zum 20. August 2001 die Tatsache gefeiert, daß der (hl.) Stephan/István im Jahre 1000 sein Land unter die geistige Obhut der katholischen Kirche stellte.

14 Nemeskürty, S. 430ff.

15 Nemeskürty, S. 430ff. Ganz im Gegensatz zum deutschsprachigen Raum: Karl Kraus meinte einst: “Was Deutschland und Österreich trennt, ist die gemeinsame Sprache.”

16 Tánczos: Kitántorgott…Magyarországra. Egy társutazás margójára. In: Tánczos: Kapu, S. 19, 32.

17 Tánczos Vilmos, seines Zeichens Volkskundler, gebürtiger Siebenbürger, unterrichtet an der Klausenburger Universität. In seinem Essayband “Keletnek megnyílt kapuja” schreibt er davon, wie “liebevoll” ihm die Budapester begegnen, wenn sich herausstellt, daß er aus Siebenbürgen stammt.“Während meines einwöchigen Budapestaufenthalts verleugnete ich meine siebenbürgische Zugehörigkeit nicht, wenn sie jemanden interessierte, doch in der Öffentlichkeit […] betonte ich mein Siebenbürgersein nicht. […] Ich erinnere mich, daß ich vor dem Parlament herumstand, als mich eine fesche junge Dame mit einem Fragebogen in der Hand ansprach. Wie ich meine Freizeit verbringe, was ich im Sommer machen werde […] Durch eine Kreuzfrage stellte sich heraus, daß ich von “jenseits der Grenze” bin. Das Lächeln der bis dahin so freundlichen Dame gefror ihr im Gesicht: - Warum haben Sie nicht sofort gesagt, daß Sie kein Ungar sind! […] In den Augen der meisten Republiksungarn sind wir unabhängig von Sprache, Hautfarbe, Geburtsort alle Rumänen. Tánczos: Kitántorgott…Magyarországra. Egy társutazás margójára. In: Tánczos: Kapu, S. 29f.

18 Die “1000 jährige ungarische Grenze” verläuft in den östlichen Karpaten.

19 Széklerland (ung. Székelyföld), das Gebiet im Südosten Siebenbürgens, das von den Széklern (ung. Székely) bewohnt wird. Über den Ursprung der Székler wurden in den letzten 200 Jahren zahlreiche Vermutungen angestellt. Sie wurden mit den verschiedensten Völkern, den Hunnen, Gepiden, Awaren, Bulgaren, Chasaren, Petschenegen, Kumanen, Jazygen usf., in Verbindung gebracht. Die nationalistische rumänische Geschichtsschreibung ist der Überzeugung, daß es sich bei den Széklern um magyarisierte Rumänen handelt. Die Székler waren jedoch aller Wahrscheinlichkeit ein Turkstamm, der mit den Ungarn gemeinsam zur Landnahmezeit (um 896) ins Karpatenbecken kam. In Chroniken scheinen sie zuerst 1116, dann 1146 auf, als sie bei der Schlacht an der Leitha den Magyaren beistanden. Sie wurden in der Zeit der Árpáden-Könige als Grenzwächter eingesetzt, waren im Mittelalter wahrscheinlich schon magyarisiert. Bis zum heutigen Tag bekennen sie sich als Székler, die Ungarisch sprechen. Bis ins 17. Jahrhundert war bei ihnen eine Runenschrift türkischen Ursprungs gebräuchlich. Wegen ihrer Grenzwächtertätigkeit genossen sie zahlreiche Sonderrechte, waren frei, im 18 Jh. wurden sie vom damaligen siebenbürgischen Wahlkönig János Zsigmond unterjocht (seine Umtriebe spielten auch in der Geschichte der Csíksomlyóer Wallfahrt eine wichtigen Rolle), deswegen flohen viele von ihnen in die Bukowina, ins Gyimes-Tal und die Moldau-Region.

20 Kossuth Rádió, Mittagsjournal, 24. Juni 1998.

21 Die offizielle Meinung der Regierung.

22 Türkisch: boša = sich entleeren, befreien; boš = leer; uigurisch: bošug = Befreiung, Enthebung, Erlaubnis. Vgl. A magyar nyelv történeti-etimológiai szótára. 1. Band. A-Gy. Budapest: Akadémiai Kiadó 1967.

23 Dömötör Tékla (Hg.): Magyar Néprajz VII. Népszokás. Néphit. Vallásosság. Budapest 1982, S. 366. (in Folge: Néprajz VII).

24 K. Lengyel: Hozzászólas, S. 14.

25 Das deutsche Wörterbuch. München: Knaur 1985, S. 1058.

26 Ulrike Müller-Kaspar: Handbuch des Aberglaubens. Band 3. Wien: Tosa 1996, S. 867. (In Folge: Müller-Kaspar: Aberglaube)

27 Zit. n. Assmann, Dieter: Heiligenverehrung und Wallfahrten als besonder Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit. In: Volksfrömmigkeit in OÖ. Linz 1985. S. 12. (In Folge: Assmann)

28 Néprajz VII, S. 370.

29 K. Lengyel: Hozzászólások, S. 14.

30 Néprajz VII, S. 376.

31 Néprajz VII, S. 370.

32 Galavics, Géza: Fõúri búcsújárás a XVII. században. (In Folge: Galavics) In: Közelítések. Hofer Tamás 60. születésnapja alkalmából. Debrecen 1992, S. 69.

33 Néprajz VII, S. 366- 371.

34 Néprajz VII, S. 389; Barna, Gábor: Kérdõív a búcsújárás néprajzi kutatásához. Budapest 1985, S.3. (In Folge: Barna: Kérdõív)

35 Fodor, Sándor: Édesanyánk, hozzád jöttünk… In: Asztalos, Ildikó (Hg.): Hazajöttünk.Pünkösd Csíksomlyón. Kolozsvár 1992, S. 5. (In Folge: Aztalos)

36 Barna: Kérdõív, S.4. Néprajz VII, S. 371.

37 Barna: Kérdõív, S.4.

38 Barna: Kérdõív, S.4.

39 Néprajz VII, S. 378.

40 Dem Königshause Árpád entstammen der hl. István, László, Margit, Imre, Gellért.

41 Barna: Kérdõív, S.4.

42 Bálint, Sándor; Barna, Gábor: Búcsújáró magyarok. A magyarországi búcsújárás története és néprajza. Budapest 1994, S. 78ff. (In Folge: Bálint-Barna)

43 Boros, Fortunát OFM: Csíksomlyó a kegyhely. Csíkszereda 1994, S. 53. (In Folge: Boros); Barna: Kérdõív, S.5.

44 Délvidék: Südungarn, das heute zu Rumänien/Serbien gehört.

45 Hajós, Máriabesnyõ, Botajk, Máriaradna

46 Barna: Kérdõív, S.5.

47 Néprajz VII, S. 375.

48 Fodor, Sandor: Utószó In: Papp, Asztrik: A csíksomlyói pünkösdi búcsú. Szeged 1995, S. 78f.

49 Barna, Gábor: Mária-tisztelet és Búcsújárás. In: Honsimeret 19 Jg., Nr.4 1991, S.8f. (In Folge: Barna: Mária-tisztelet)

50 Harenberg, S. 1908.

51 Barna: Mária-tisztelet, S. 8.

52 Harenberg, S. 1908.

53 Harenberg, S. 1908.

54 Barna: Mária-tisztelet, S. 8.

55 ebenda.

56 Kirschbaum, Engelbert (Hg.): Lexikon der christlichen Ikonographie. Dritter Band. Allgemeine Ikonographie Laban-Ruth. Mit 270 Abbildungen. Rom, Freiburg, Basel, Wien: Herder 1971, S. 199. (In Folge: Kirschbaum)

57 Kapner, Gerhardt: Freiplastik in Wien. Wien, München: Jugend und Volk 61973. (=Wiener Schriften. Heft 31.), S. 12. (In Folge: Kapner)

58 Vgl. Barna: Mária-tisztelet, S. 8f. Kirschbaum, S. 199.

59 Barna: Mária-tisztelet, S. 8f.

60 Kirschbaum, S199.

61 Kapner, S. 11f.

62 Tüskés, Gábor; Knapp, Éva: Elõzetes körkép a barokk kori búcsújárásról. In: Közelítések. Hofer Tamás 60. születésnapja alkalmából. Debrecen 1992, S. 80.

63 Galavics, S. 66f.

64 Vgl. Kapner, S.21f.; Barna: Mária-tisztelet, S. 9.

65 Harenberg, S. 2346.

66 Zsupos, Zoltán: A moldvai csángó-magyarok eredetérõl. In: Viga, Gyula (Hg.): Néprajzi Látóhatár. A Györffy István Néprajzi Egyesület Folyóirata. 3. Jg., Nr. 1/2, Debrecen 1994, S 53. (In Folge: Néprajzi Látóhatár 3)

67 Gunda, Béla: A moldvai magyarok eredete. Magyar Nyelv LXXXIV. Budapest 1988, S. 13. (In Folge: Gunda)

68 Gunda, S. 23.

69 Benkõ, Loránd: A moldvai csángók eredete és települése a nyelvtudomány szemszögébõl. In: Magyar Nyelv LXXXV. S. 275-286. (In Folge: Benkõ)

70 Benkõ, S. 403.

71 Ferenczi, Géza: Újabb adalékok a moldvai csángók kérdéséhez. Bukarest 1990, 629ff.

72 Zsupos, Zoltán: A moldvai csángó-magyarok eredetérõl. In: Néprajzi Látóhatár 3, S 57ff.

73 Ipolyi, Arnold: Magyar Mythologia. Budapest 1854. Zit. n. Hankó, Vilmos: Székelyföld. Budapest: Lampel 1896, S. 1-3. (Nachdruck)

74 In der ungarischen Standardsprache hat sich als Bezeichnung des Schwagers das Wort sógor eingebürgert, das leicht als österreichisch-dialektale Form des Wortes Schwager erkannt werden kann.

75 Murádin, László: A kétnyelvûség sajátos megnyilvánulása a moldvai csángómagyarok nyelvi tudatában. In: Néprajzi Látóhatár 3, S. 309.

76 Laut anderer Angaben gibt es in der Moldau ca. 300.000 Römisch-Katholische, von denen 80- 120.000 Ungarisch sprechen. Vgl. Magyar, Zoltán: Vallás és Identitás, S. 75f. In: Néprajzi Látóhatár 3. Diese Diskrepanz ist dadurch zu erklären, daß man sich bei Volkszählungen nicht traute, die Frage nach der Muttersprache wahrheitsgetreu zu beantworten, oder keine Möglichkeit dazu bestand. Auch im Burgenland wird die Zahl der Kroaten, seitdem keine versteckte Assimilationspolitik der SPÖ mehr betrieben wird, immer größer.

77 Murádin, László: A kétnyelvûség sajátos megnyilvánulása a moldvai csángómagyarok nyelvi tudatában. In: Néprajzi Látóhatár 3, S. 307. (In Folge: Murádin)

78 Der Unterschied zwischen der mittelalterlichen und der modernen Sprache ist im Ungarischen bei weitem nicht so groß wie im Deutschen. Nachdem es keine Lautverschiebung gegeben hat, sind mittelalterliche Texte auch für den Menschen des 20. Jahrhunderts fast zur Gänze verständlich. Eine Zäsur zwischen altertümlichem und modernem Ungarisch bildet einzig und allein die Spracherneuerung des 19. Jahrhunderts. Damals wurden grammatische Anpassungen vorgenommen (ökör-vel (mit dem Ochsen) wurde zu ökör-rel), wohl auch um die Sprache wohlklingender zu gestalten. Auch für bis dahin aus dem Lateinischen oder Deutschen entlehnte Wörter wurden ungarische Entsprechungen erfunden. Dabei wurde oft übers Ziel hinausgeschossen. Als Kuriosum sei das Känguruh erwähnt. Für dieses wurde das Wort ugrány erfunden, was soviel heißt wie “hüpfendes Ding“. Die Ungarn bezeichnen das australische Beuteltier aber bis heute als kenguru.

79 Murádin In: S. 307ff.

80 Murádin In: S. 308.

81 Halász, Péter: A moldvai csángók magyarságtudatáról. In: Mûvelõdés 41:5 (1992), S. 11. (In Folge: Halász)

82 Halász, S. 11.

83 1949-50 bestanden für kurze Zeit einige Schulen mit ungarischer Unterrichtssprache, die von der Magyar Népi Szövetség (Ungarischer Volksbund) initiiert wurden. Nach der kommunistischen Machtübernahme wurden diese zugesperrt.

84 Tánczos, Vilmos: A moldvai magyarok búcsúvezetõi, S. 149, 161 (In Folge: Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk) In: S. Lakovits, Emõke (Hg.): Népi Vallásosság a Kárpát-medencében II. VeszprémDebrecen 1997, S. 148-167.

85 Zit. n. Halász, S. 11.

86 Halász, S. 11.

87 Zit. n. Halász, S. 11.

88 Halász, S. 11.

89 ~der dem Lateinischen Mächtige, studierter Mensch

90 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 149.

91 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 149.

92 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 149.

93 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 150.

94 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 150.

95 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 162.

96 Diesem Kapitel liegt ein Artikel aus der Népszabadság vom 24. Juli 1999 mit dem Titel “Csángóföldi Jelentés” von Zoltán Tibori Szabó zugrunde. Népszabadság, 24. 7. 1999, S. 24.

97 Domokos, Pál Péter: A moldvai magyarság. Budapest 1987, S. 260 (In Folge: Domokos)

98 Népszabadság, 24. Juli 1999, S. 24.

99 Népszabadság, 24. Juli 1999, S. 24.

100 clmc.topnet.ro/somlyo.htm, 6. Juli 1998.

101 Tánczos, Vilmos: Adatok a csíksomlyói kegyhely búcsújáró hagyomainainak ismeretéhez, S. 140. (In Folge: Tánczos: Hagyományok) In: S. Lakovits, Emõke (Hg.): Népi Vallásosság a Kárpát- medencében I. Veszprém 1991, S. 136-158.

102 richtiger: Mongolensturm.

103 Székely, László: Csíki áhítat. A csíki székelyek vallási néprajza. Budapest 1995, S. 185. (In Folge: Székely)

104 Boros, S. 19.

105 Boros, S. 20.

106 Székely, S. 184.

107 Boros, S. 21ff.

108 Székely, S. 185f.

109 Boros, S. 105 - 113.

110 Boros, S. 114 - 119. Székely, S. 185f.

111 clmc.topnet.ro/somlyo.htm, 6. Juli 1998.

112 clmc.topnet.ro/somlyo.htm, 6. Juli 1998.

113 clmc.topnet.ro/somlyo.htm, 6. Juli 1998

114 clmc.topnet.ro/somlyo.htm, 6. Juli 1998

115 Bálint-Barna, S. 327. Boros, S. 53. Székely, S. 183.

116 Boros, S. 48.

117 Boros, S. 55ff.

118 Veit Stoß (ca. 1448 - 1533) war ein deutscher Bildhauer, Kupferstecher und Maler der Spätgotik. Er fertigte Altäre und Statuen u. a. in Krakau, Nürnberg und Bamberg.

119 Boros, S. 50. Székely, S. 184.

120 Boros, S. 54f.

121 Balogh, Jolán: Az erdélyi renaissance, S. 33. (In Folge: Balogh) In: Asztalos, S. 32-34.

122 Balogh, S. 32.

123 Balogh, S. 34.

124 Balogh, S. 34.

125 Balogh, S. 34.

126 Hauptstadt der Region Moldau

127 Tánczos: Hagyományok 137.

128 Borbély, Éva: Fényes vót, úgy rebegett. Csíkfalusi búcsújárók Csíksomlyón S. 61. (In Folge: Borbély) In: Magyar Néprajzszakos Hallgatók Kiadványai I. Kolozsvár 1994, S 59-62.

129 Tánczos: Hagyományok, S. 137.

130 János Andor, Bogdánfalva. Zit. n.: Tánczos: Hagyományok, S. 138.

131 Hier ist die “1000 jährige ungarischen Grenze” gemeint, die in den östlichen Karpaten verläuft.

132 Antal Csernik, Lujzikalagor. Zit. n.: Tánczos: Hagyományok, S. 138f.

133 Mihály Fikó, Lujzikalagor. Zit. n.: Tánczos: Hagyományok, S. 139.

134 Assmann, S. 12.

135 Elek Gegõ: S. 71f. Zit. n.: Tánczos: Hagyományok, S. 140f.

136 Tánczos: Hagyományok, S. 140f.

137 Székely S. 183. Boros S. 55.

138 Die Schlacht zu Mohács besiegelte das Schicksal Ungarns für die folgenden beinah 200 Jahre.

Nach der Niederlage des Heeres wurden 2/3 des Ungarischen Königreichs von den Osmanen besetzt.

139 Boros S. 55.

140 Boros, S. 58.

141 Fodor, Sándor: Édesanyánk, hozzád jöttünk…, S. 8. (In Folge: Fodor: Édesanyánk) In: Asztalos, Ildikó (Hg.): Hazajöttünk.Pünkösd Csíksomlyón. Kolozsvár 1992, S. 5-8.

142 Bálint-Barna, S. 265. Székely, S. 183.

143 Mihály Fikó, Lujzikalagor. Zit. n.: Tánczos: Hagyományok, S. 139f.

144 Székely, S. 184. Vgl. Bálint-Barna, S. 265. Boros, S. 74.

145 Székely, S. 184. Diese Legende wurde im Buch “Csillagkoszorú” =Sternenkranz = von Pater Bonaventura geschrieben, der dabei anwesend gewesen sein soll. Siehe auch Boros, S. 71.

146 Boros, S. 62f.

147 Boros, S. 64.

148 Boros, S. 67

149 Tánczos: Hagyományok, S. 141.

150 Boros, S. 63f.

151 Nach einer Erklärung des siebenbürgischen bischöflichen Stuhles vom 6. April 1781. Zit. nach: Boros, S. 66.

152 Nach einer Erklärung des siebenbürgischen bischöflichen Stuhles vom 6. April 1781. Zit. nach: Boros, S. 66.

153 Székely, S. 184; Boros, S. 71.

154 Losteiner: Historia Chronologia … 556 Zit. n.: Boros, S. 69.

155 Zit. n.: Boros, S. 70f.

156 bis zum Neubau der Kirche 1804 wurde die Krone der Gottesmutter von 2 Engeln gehalten.

157 Losteiner: Historia Chronologia … 556 Zit. n.: Boros, S. 69f.

158 Boros, S. 72ff.

159 Losteiner: chronologia S. 559 zit. n. Boros, S. 73.

160 Historia Domus III. k. 108. l. zit. n.: Boros, S. 74

161 János Csernik, Lujzikalagor. Zit. n. Tánczos: Hagyományok, S. 142.

162 Antal Csernik, Lujzikalagor. Zit. n. Tánczos: Hagyományok, S. 142.

163 Antalné Csernik, Lujzikalagor. Zit. n. Tánczos: Hagyományok, S. 142.

164 Székely, S. 186.

165 Tánczos: Hagyományok S. 137.

166 Boldizsár, Dénes: A csíksomlyó pünkösd szombati búcsú eredete, S. 29. (In Folge: Boldizsár) In: Asztalos, S. 29-31. Tánczos: Hagyományok, S 141.

167 Szendrey, Ákos: Adatok a magyar búcsújárás néprajzához, S. 87ff. In: Ethnographia 51. Budapest 1940, S. 87 - 90.

168 Tánczos: Hagyományok, S. 136.

169 Boldizsár, S. 30.

170 Boldizsár, S. 30.

171 Boldizsár, S. 30.

172 Székely, S. 187.

173 K. Lengyel, S. 14.

174 Mohay Tamás: Hagyomány és Hagyományteremtés a csíksomlyói búcsún, S. 130. (In Folge: Mohay: Hagyomány) In: S. Lakovits, Emõke (Hg.): Népi Vallásosság a Kárpát-medencében II. Veszprém-Debrecen 1997, S. 130-147.

175 Daczó, Árpád Lukács OFM: Napkelte-Nézés Csíksomlyón, S. 168. (In Folge: Daczó) In: S.

Lakovits, Emõke (Hg.): Népi Vallásosság a Kárpát-medencében II. Veszprém-Debrecen 1997, S. 168- 174.

176 Daczó, S. 169ff.

177 Daczó, S. 169.

178 Tánczos, Vilmos: A csíksomlyói kegyhely története. Sepsiszentgyörgy 1990, S. 10.

179 Asztrik Papp erzählt von seiner Teilnahme an der Wallfahrt 1946 folgendes: In der Nacht zum Pfingstsonntag nimmt er mit einer Csángógruppe an der Absolvierung des Kreuzweges teil. “Links von mir hält eine junge Frau eine Kerze in Händen. Diese trägt sie von Station zu Station und achtet voller Sorge darauf, wie jener Kreuzritter aus der Legende, daß sie nicht erlischt. […] Ich frage sie: Warum? […] Wegen meines Mannes, der seit zwei Jahren in Gefangenschaft ist. Wenn sie nicht erlischt…”, Papp, Asztrik OFM: A csíksomlyói pünkösdi búcsú. Szeged 1995, S 42. (In Folge: Papp)

180 Tánczos: Hagyományok, S. 144.

181 Die italienische Tageszeitung Osservatore Romano schrieb in ihrer Ausgabe vom 1. Juli 1949: “Der Bischof Áron hat auf seinem weißen Roß in die Legenden der Székler Einzug gehalten.” Zit. n. Tankó, Gyula: Gyimesiek Csíksomlyón, a pünkösdi búcsún, S. 94. (In Folge: Tankó) In: Honismeret 20. Jg, Nr. 2, 1992, S. 92-94.

182 Schon am Pfingstsonntag 1946 hielt Bischof Áron Marton eine feurige Rede in Csíksomlyó, in der er sich für ein friedliches Zusammenleben der Ungarn und Rumänen in Siebenbürgen einsetzte und gegen die Unterdrückung der Ungarn durch die offiziellen rumänischen Stellen wetterte. In: Asztalos, S. 10-13.

183 Mohay: Hagyomány, S. 134.

184 Tankó, S. 94.

185 Tánczos: Hagyományok, S. 144.

186 Eine wichtige Quelle bei der Wiederbelebung der Wallfahrt in ihrer “ursprünglichen” Form spielte das Buch “Édes hazámnak akartam szolgálni” von Domokos Pál Péter aus den 40er Jahren, das ich für meine Arbeit leider nicht auftreiben konnte.

187 Mohay: Hagyomány, S. 133.

188 siehe Kapitel: Legenden zur Schomlenberger Maria

189 Magyar, Zoltán: Vallás és etnikum kapcsolata egy moldvai csángó faluban, S. 84. (In Folge: Magyar) In: Néprajzi Látóhatár 3, S. 75-88.

190 Borbély, S. 61f.

191 K. Lengyel, S. 14.

192 Papp, S. 3f.

193 Papp, S. 3f.

194 Der Búcsúvezetõ (=Wallfahrsführer) wird auch als énekes ember (=Liedermensch), keresztvezetõ (=Kreuzführer), csoportvezetõ (=Gruppenführer), imavezetõ (=Gebetsführer), elõimádó (=Vorbeter), mondó ember (=betender Mensch) bezeichnet.

195 Bálint-Barna, S. 248.

196 ~die unter einem Kreuz Marschierenden

197 Tánczos: Hagyományok, S. 147f.

198 Bálint-Barna, S. 248.

199 Der Búcsúvezetõ ist normalerweise für Gebet und Lieder zuständig. In einer Pilgergruppe, in der “Gewaltentrennung“ von Énekesember und Búcsúvezetõ herrscht, stimmt der Búcsúvezetõ die Gebete, der Énekesember die Lieder an.

200 Tánczos: Hagyományok, S. 148.

201 Réthi György, Pfarrer aus Kézdiszentlélek, 1990. Zit. n. Tánczos: Hagyományok, S. 148.

202 Bálint-Barna, S. 248.

203 Bálint-Barna, S. 248.

204 Tánczos, Vilmos: A moldvai magyarok búcsúvezetõi, S. 161f. (In Folge: Moldvai Búcsúvezetõk) In: S. Lakovits, Emõke (Hg.): Népi Vallásosság a Kárpát-medencében II. Veszprém-Debrecen 1997, S. 148-167. Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 161f.

205 Bálint-Barna, S. 315.

206 Tánczos, Vilmos: A moldvai csángók pünkösdi hajnali keresztútjárása a Kis-Somlyó hegyen, S 41. In: Asztalos, S. 40 - 45. Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 158.

207 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 148 ff.

208 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 150.

209 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 149.

210 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 149.

211 Tánczos: Hagyományok, S. 148.

212 Tánczos, Vilmos: Gyöngyökkel Gyökereztél. Gyimesi és moldvai archaikus népi imádságok. Csíkszereda 1996, S. 17.

213 Gewährsperson, die nicht genannt werden will. Zit. n. Tánczos: Hagyományok, S. 141.

214 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 163.

215 Tánczos: Hagyományok, S. 140f.

216 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 151.

217 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 151.

218 Mihály Fikó (*1923) aus Lujzikalagor, János Andor (*1914) aus Bogdánfalva, Istvánné Jancsi, geb. Ilona Elek (*1921) aus Szitás.

219 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 151f.

220 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 151.

221 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 152-154.

222 Borbély, S. 60.

223 Papp, S. 8.

224 Papp, S. 8f.

225 Papp, S. 9.

226 Tánczos: Hagyományok, S. 142.

227 Die wirkliche Teilnehmerzahl liegt irgendwo zwischen den beiden Zahlen, wobei sie eher gegen

den oberen Wert tendiert. Die Ungarntümler neigen dazu, die Zahlen zu übertreiben, die rumänischen Behörden spielen sie herunter.

228 Ferenc Iréneusz Galambos, Gespräch vom 26. August 2000.

229 Tánczos: Hagyományok, S. 143.

230 Die Mikházer Pilgergruppe war jene Gruppe, die von allen Teilnehmern den weitesten Fußmarsch zurückzulegen hatte. Ihr Anmarsch wurde vom Franziskaner Papp Asztrik detailliert beschrieben.

231 Tánczos: Hagyományok, S. 148.

232 Tánczos: Hagyományok, S. 148.

233 Tánczos: Hagyományok S. 144f.

234 Die Trommel als Begleitung des Pilgerzuges ist einzig und allein in der Mikházer Pilgergruppe zu finden. Alle anderen tragen Schellen mit.

235 Papp, S. 5.

236 Papp, S. 5.

237 Tánczos: Hagyományok, S. 146f.

238 nach: Tánczos: Hagyományok, S. 146f. Bálint-Barna, S. 191ff.

239 Papp, S. 8.

240 Tánczos: Hagyományok, S. 145.

241 Papp, S. 7.

242 Papp, S. 6f.

243 Papp, S. 7.

244 Papp, S. 11f.

245 Papp, S. 12.

246 Papp, S. 12f.

247 Papp, S. 13.

248 Csernik János, Lujzikalagor. Zit. nach: Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 152.

249 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 160.

250 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 152.

251 Andor János, Bogdánfalva. Zit. nach: Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 152.

252 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 152.

253 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 157.

254 Nur von der Gruppe, die aus Csíkszentgyörgy per pedes anreiste, ist diese Beichte während des Marsches auch schriftlich dokumentiert.

255 Tánczos: Hagyományok, S. 149.

256 Papp, S. 15.

257 Mutter, wir sind zu dir gekommen

258 Papp, S. 15.

259 Tánczos: Hagyományok, S. 148.

260 Tánczos: Hagyományok, S. 150.

261 Tánczos: Hagyományok, S. 149.

262 Tánczos: Hagyományok, S. 149.

263 Die Prozession fand im allgemeinen um 14 Uhr, in den 40er Jahren noch um 15 Uhr, vor langer Zeit - genau ist dies nicht mehr zu erurieren - am Samstag vormittag statt.

264 Tánczos: Hagyományok, S. 150.

265 Du bist sehr schön, Maria

266 Tánczos: Hagyományok, S. 150.

267 Die traditionelle Reihenfolge der Ortschaften war im Detail: Gyergyó-Region: Alfalu, Csomafalva, Gyergyószentmiklós, Tekerõpatak, Szárhegy, Ditró, Remete, Újfalu, Kilyénfalva; Felcsík-Region: Karcfalva, Dánfalva, Jenõfalva (Nagyboldogasszony), Szentdomokos, Szenttamás, Madaras, Rákos, Mádéfalva, Csicsó, Szentmihályi-Ajnád, Szépvíz, Szentmiklós, Borzsova, Delne, Pálfalva, Szentpéter, Taploca, Szereda, Zsögöd, Bukarest, Brassó/Kronstadt und Umgebung; Alcsík-Region: Szentgyörgy, Menaság, Studenten des Gymnasiums, Labarum, Priester, Kászon, Szentmárton, Kozmás, Lázárfalva, Tusnád, Csatószeg, Szentsimon, Szentimre, Szentkirály, Mindszent, Szentlélek, Fitód; Udvarhely-Region: Zetelaka, Lövéte, Oláhfalu, Korond, Farkaslaka, Oroszhegy, Szentkirály, Máréfalva, Szentlélek, Lengyelfalva, Galambfalva, Keményfalva, Fenyéd, Kadicsfalva, Udvarhely; Marosszék-Region; Mikháza; Háromszék-Region (die letzten drei machten sich die Reihenfolge untereinander aus); Gyimeser und Moldauer Csángós. Vgl. Székely, S. 194.

268 Fackelträger

269 Tánczos: Hagyományok, S. 151.

270 Tánczos: Hagyományok, S. 151. Papp, S. 38.

271 Mohay, Tamás: Térszervezõdés a csíksomlyói pünkösdi búcsún. Sonderdruck, o.O. 1996, S. 41 ff. (Mohay: Térszervezõdés)

272 Mohay: Térszervezõdés, S. 41 ff.

273 Fodor: Utószó, S. 78. In: Papp.

274 …des 1100jährigen Jubiläums der ungarischen Landnahme, die angeblich 896 stattfand.

275 K. Lengyel, S. 14. Vgl. die deutsche Redewendung “auf einen grünen Zweig kommen”.

276 Vgl. Müller-Kaspar: Aberglaube, S. 109.

277 Tankó, S. 93.

278 Das Wort Zigeuner ist nicht diskriminierend zu verstehen. Ich gebrauche den Begriff, weil er umfassend ist, d.h. Róma, Oláh usf. einschließt und zumindest in Ostmitteleuropa von diesen als Selbstbezeichnung verwendet wird.

279 Kakas, Zoltán: Viszünk egy-egy ágacskát emlékbe. In: Asztalos, S. 62ff (In Folge: Kakas); Mohay: Hagyomány, S. 137f.

280 Tánczos, Vilmos: A moldvai csángók pünkösdi hajnali keresztútjárása a Kis-Somlyó hegyen, S. 44. (In Folge: Tánczos: Csángók keresztútjárása) In: Asztalos, S. 40 - 45.

281 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 154.

282 Csernik Antal, Lujzikalagor. Zit. nach: Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 154.

283 Tánczos: Csángók keresztútjárása, S. 40.

284 Tánczos: Csángók keresztútjárása, S. 41ff.

285 Tánczos: Csángók keresztútjárása, S. 41.

286 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 157.

287 Daczó, S. 168-173.

288 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 157.

289 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 157.

290 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 158.

291 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 157.

292 Tánczos: Csángók keresztútjárása, S. 43.

293 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 158.

294 Tánczos: Moldvai Búcsúvezetõk, S. 160.

295 Kakas, S. 63.

296 Tánczos: Csángók keresztútjárása, S. 44. Papp, S. 43.

297 Magyar Fórum, 12. Jg., Nr. 24, 15. Juli 2000, S. 16.

298 ebenda.

109 von 109 Seiten

Details

Titel
Die Pfingstwallfahrt von Csíksomlyó/Schomlenberg, Siebenbürgen. Eine ungarische Wallfahrt in Rumänien
Hochschule
Universität Wien
Note
Sehr Gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
109
Katalognummer
V104370
Dateigröße
775 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pfingstwallfahrt, Csíksomlyó/Schomlenberg, Siebenbürgen, Eine, Wallfahrt, Rumänien
Arbeit zitieren
Prinz, Clemens (Autor), 2001, Die Pfingstwallfahrt von Csíksomlyó/Schomlenberg, Siebenbürgen. Eine ungarische Wallfahrt in Rumänien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104370

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