Die historische Dietrichepik: Dietrichs Flucht


Seminararbeit, 2000

24 Seiten, Note: 1


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INHALTSVERZEICHNIS

Vorbemerkung

Die historische Dietrichepik

Dietrichs Flucht
Genealogie
Erster Krieg gegen Ermrich
Erster Aufenthalt bei Etzel
Zweiter Krieg gegen Ermrich
Zweiter Aufenthalt bei Etzel
Dritter Krieg gegen Ermrich
Dritter Aufenthalt bei Etzel

Theoderich der Große und Dietrich von Bern
Abstammung
Chronologie
Erziehung
Leistungen
Charakter

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

VORBEMERKUNG

Der Ostgotenkönig Theoderich der Große lebt als Dietrich von Bern in der Sage wei- ter: ob im Hildebrandslied, im Nibelungenlied oder in den Dietrichepen des 13. Jahr- hunderts. Freilich hat sich das Bild Theoderichs/Dietrichs durch die mündliche Wei- tergabe von Generation zu Generation gewandelt, doch gewisse historische Fakten wie die verlustreichen Kämpfe der Ostgoten bei der Eroberung Italiens klingen in den Heldensagen nach.1 Wir wollen mit dieser Arbeit zunächst die historische Dietrichepik insgesamt charakterisieren, dann ein Hauptwerk der historischen Dietrichepik, Diet- richs Flucht, näher vorstellen und schließlich dieses Werk dahingehend untersuchen, wo sich noch Spuren einer historischen Wirklichkeit finden und wo Heldensage und historische Fakten auseinander gehen.

DIE HISTORISCHE DIETRICHEPIK

Zur historischen Dietrichepik zählen wir „Alpharts Tod“, „Dietrichs Flucht“ und „Rabenschlacht“ sowie das Fragment „Dietrich und Wenzelan“.2 Als „historisch“ gelten diese Epen deshalb, weil ihre Handlung, im Gegensatz zu der in den aventiurenhaften Dietrichepen, weitgehend in der Realität angesiedelt ist, wenngleich diese Handlungsrealität keineswegs mit der historischen Tatsächlichkeit übereinstimmen muss.3 Schon im Mittelalter war klar, dass die Geschichten um Dietrich von Bern nichts mit der historischen Person Theoderichs zu tun haben. Otto von Freising stellt fest, dass Dietrich kein Zeitgenosse Attilas oder Ermanarichs war:

quod autem rursum narrant eum Hermanarico Attilaeque contemporaneum fuisse, omnino stare non potest, dum Attilam longe post Hermanaricum constet exercuisse tyrannidem istumque post mortem Attilae octennem a patre obsidem Leoni augusto traditum4

Dieser Anachronismus hat „im Rahmen der Sagenbildung nichts Befremdliches. Die Synchronisierung von Ereignissen, die zu verschiedenen Zeiten geschehen sind, und von Personen, die zu verschiedenen Zeiten gelebt haben, ist ein typischer Zug der Umformung von Historie in heroische Überlieferung.“5

„Dietrichs Flucht“ und „Rabenschlacht“ gelten als Hauptwerke der historischen Diet- richepik. Sie entstanden beide im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts, wahrscheinlich in Österreich.6 Beide Epen schließen inhaltlich aneinander an, weshalb sie wohl auch immer gemeinsam tradiert wurden.7 Wir kennen vier Handschriften, die „Dietrichs Flucht“ und „Rabenschlacht“ zur Gänze enthalten, darunter eine im „Ambraser Hel- denbuch“.8 In „Dietrichs Flucht“ tritt uns in Vers 8000 ein „Heinrich der Vogler“ als Autor entgegen, das Werk selbst wird in Vers 10103 als dietze buoch von Berne ge- nannt9. Weder ist es gelungen, den Dichternamen zu identifizieren, noch wagt man zu behaupten, „Buch von Bern“ sei der Titel des Werkes oder gar der Gesamttitel für „Dietrichs Flucht“ und „Rabenschlacht“.10 Die heute gebräuchlichen Titel stammen von Friedrich Heinrich von der Hagen.11

Das in Reimpaaren abgefasste, 10152 Verse lange Epos „Dietrichs Flucht“ erzählt, wie Dietrich durch seinen Onkel Ermrich gezwungen wird, sein Land aufzugeben und ins Exil zu gehen. Mit Hilfe hunnischer Heere besiegt Dietrich seinen Onkel zwei Mal, kehrt aber immer wieder an Etzels Hof zurück. Eine ältere Form des Epos hat sicher- lich nur von einer Schlacht berichtet. Dietrich kann seinen Sieg nicht ausnützen und geht, um seine von Ermrich gefangen genommenen Gefolgsleute zu retten, ins Exil.12 Dies ist die Ausgangssituation für die 1140 Strophen starke „Rabenschlacht“: Dietrich kehrt mit einem Hunnenheer - darunter befinden sich auch die Söhne Etzels, für die Dietrich besondere huote versprochen hat - nach Italien zurück. Die Etzelsöhne wer- den in der Nähe Rabens von Witige getötet. Die anschließende Schlacht um Raben endet mit der Flucht Ermrichs. Dietrich wird nach Fürsprache Rüdegers trotz des To- des der Etzelsöhne wieder am Hunnenhof aufgenommen.13 Damit befindet sich Diet- rich wieder am Hunnenhof, wodurch die Situation, die der zweite Teil des Nibelungenliedes erfordert, erreicht ist.14

Eine Charakterisierung beider Heldenepen wollen wir auf einige wenige Gesichts- punkte beschränken: Besonders „Dietrichs Flucht“ durchzieht der Gedanke vom Ge- gensatz zwischen Treue und Untreue. Diesen hervorzuheben, arbeitet der Verfasser „in primitiver Schwarzweißmanier“.15 Dietrich, seine Getreuen, Etzel, Helche und alle hunnischen Helfer erweisen sich ihren Freunden gegenüber stets als treu. Witige und besonders Ermrich sind die Verkörperung der Untreue; die Gestalt Ermrichs wird „in geradezu dämonische Bösartigkeit gesteigert“, dessen Gräueltaten unmotiviert, of- fenbar aus angeborener Bösartigkeit heraus geschehen.16 Immer wieder haftet an Ermrich der Vorwurf der Untreue:

herre got, nû clage ich,

daz er ie einen tac genas,

wand er der ungetriuwist was

der ie von muoter ward geborn.17

Ein weiteres Charakteristikum der „historischen Dietrichepik“ ist der Hang zur Über- treibung: Dies beginnt mit der hyperbolischen Zahlenfüllung in der Vorgeschichte, wenn von Lebensalter und Kinderzahlen der Vorfahren Dietrichs berichtet wird, und erstreckt sich bis zu den Riesenzahlen der Heeresgrößen und der Gefallenen.18 Den Höhepunkt der Hyperbolik erkennen wir in der „Rabenschlacht“, wo Alpher dem Diet- rich Bericht erstattet:

Dar nâch sach ich rîten

Vil manic schare breit.

Bî den selben zîten

Ahte manic recke gemeit:

Eilf hundert tûsent oder mêre

Die hât Ermrich: daz wizzet, künic hêre.19

Es passt zum Stil der Übertreibung, dass diese außerordentlich großen Heere zum größten Teil vernichtet werden20 und immer wieder Reservetruppen heranrücken, damit die Schlachtenschilderungen fortgeführt werden können.

Eine weitere Eigenart dieser Dichtungen sind die maßlosen Affektäußerungen, denen sich besonders Dietrich überlässt. Er kennt bei seinen Schmerzausbrüchen nicht die ritterlich-höfischen Tugenden von zuht und mäze.21 In „Dietrichs Flucht“ beweint er den toten Alphart mit folgenden Gesten: er vie sich selber in daz hâr ... Alpharten kuste er an den munt. 22 Dabei führt er eine Klagerede, die sich über 26 Verse er- streckt. Den Höhepunkt erreichen die Klagen in der „Rabenschlacht“, als Dietrich die Wunden der Etzelsöhne sieht:

dem Bernaere was sô leide,

alsô man mir hât geseit,

daz im ûz beiden ougen

daz bluot ran, des bin ich âne lougen.23

In der Beurteilung beider Epen schneidet die „Rabenschlacht“ besser ab als „Dietrichs Flucht“. Sie ist insgesamt die geschlossenere Dichtung, während „Dietrichs Flucht“ ein nicht hinreichend durchgeformtes „Konglomerat“ darstellt, in dem innere Wider- sprüche Auskunft über das Vermögen des Autors und das Niveau des Werkes ge- ben.24 So wird etwa die Tatsache, dass Alphart zwei Mal von verschiedenen Gegnern erschlagen wird, als Beispiel für die nachlässige Arbeitsweise des Verfassers ange- führt.25 In neuerer Zeit „hat man gelernt, Erzählweise und Erzählintention der Auto- ren besser zu verstehen“: Die Hyperbolik darf nicht mit dem Maßstab einer klassizis- tischen Ästhetik gemessen werden, sondern sie muss in der Tradition der „volks- sprachlich-mündlichen“ als auch der „lateinisch-gelehrten, rhetorikbezogenen Dich- tung“ gesehen werden.26

DIETRICHS FLUCHT

Der Aufbau von Dietrichs Flucht lässt sich folgendermaßen verdeutlichen:

1) Genealogie (V. 1-2336)
2) Erster Krieg gegen Ermrich (V. 2537-4532)
3) Erster Aufenthalt bei Etzel (V. 4533-5614)
4) Zweiter Krieg gegen Ermrich (V. 5615-7218)
5) Zweiter Aufenthalt bei Etzel (V. 7219-8060)
6) Dritter Krieg gegen Ermrich (V. 8061-10111)
7) Dritter Aufenthalt bei Etzel (V. 10112-10152)

Wir erkennen, dass nach der sehr ausführlichen Beschreibung der Genealogie diese Teile, die von Dietrichs Herrschaft in Bern und seinen Kriegen gegen Ermrich in Italien berichten, mit jenen seiner Aufenthalte an Etzels Hof abwechseln. Ursprünglich hat es wohl nur die Schilderung einer einzigen Schlacht, nämlich der Rabenschlacht, mit daran anschließendem Exil bei Etzel gegeben, die mehrfach beschriebenen erfolgreichen Rückeroberungsunternehmen mit jeweiliger Rückkehr Dietrichs ins Exil sind lediglich „Aufschwellungsdoppelungen“.27

Die Genealogie

Die Genealogie nimmt etwa ein Viertel des gesamten Werkes ein. Sie soll die Dich- tung stofflich ausweiten und bereichern.28 Offensichtlich werden andere Sagenkreise, so z.B. die Wolfdietrichsage, durch eine Serie von Brautwerbungsgeschichten im Werk untergebracht. Am breitesten ausgeführt und gleichsam als Modell für die fol- genden, nur mehr kurz beschriebenen Brautwerbungen ist die Werbungsgeschichte des Ahnherrn Dietrichs, König Dietwarts (V. 1-1883).29 Die Abschnitte über die nach- folgenden Könige fallen recht kurz aus, so dass sich folgende Genealogie zeichnen lässt:30

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Zuge der Brautwerbung König Dietwarts wird zum einzigen Mal in der „historischen“ Dietrichepik von einem Drachenkampf berichtet:

Nû merket waz ich iu sage.

si heten niwan aht tage

gevaren ûf dem breiten sé,

dô kom ein sturm, der tet in wé

und sluoc si leider alzehant

ûz in ein einlant.

in der zit dô lief dort her

ein wurm ungehiuwer,

dem vuor wildes viuwer

ûz ze sinem munde,

swenne er blasen begunde.

einer vür den andern dann

begunde loufen an daz tier.

Zwâre nû geloubet ir,

der wâren drizic schiere tôt.

Dô der künic diese nôt

An sinen liben liuten sach,

er sprach „owê und immer ach!“

er zucte ûf einen scharfen gêr

und lief den starken wurm an

und traf in, als er sich versan,

in zuo dem halse und in den lîp.31

Die Schilderung dieses Kampfes ist wohl im Interesse und nach dem Geschmack des zeitgenössischen Publikums geschehen. Abgesehen von diesem Drachenkampf, mu- tet die Genealogie mit ihren biblischen Altersangaben und übertriebenen Kinderzah- len der Könige märchenhaft an. Mag diese Übertreibung zum einen eine Folge der oral poetry, der mündlichen Überlieferung des Stoffes sein, welche nahe an unsere Handschrift gereicht hat, mag auch eine epische Notwendigkeit bestanden haben, durch übertriebene Altersangaben lange Zeiträume mit nur wenigen Herrscherfiguren zu überbrücken,32 gewiss dient die märchenhafte Ausgestaltung der Genealogie auch dazu, bewusst ein Gegenstück zur Zeit Dietrichs von Bern zu schaffen. Die Gegen- wart des Dichters gehört in die durch Ermrich gezeichnete Zeit, während die Vorzeit einen Paradieszustand, die Utopie der höfischen Welt, darstellt.33 König Dietwart wird ausdrücklich mit König Artus verglichen: er lebte rehte als Artûs 34 und wie Dietwart der rîche/lebte so vürstliche/als Artûs ie gelebete.35 Das Böse existiert zwar in diesem goldenen Zeitalter, symbolisiert durch den Drachen, doch es wird überwunden. Mit dem Eintritt Ermrichs in die Geschichte endet diese utopische Idealität der Vorzeit:

untriuwe ist von im in diu rîch/leider allerêrste bekommen.36 Anders als König Diet- wart kämpft Dietrich vergeblich gegen Ermrich an. Mag er noch so oft siegen, Erm- rich entkommt jedes Mal, und Dietrich findet sich als elender Held im Exil wieder.

Erster Krieg gegen Ermrich

Das Auftreten Ermrichs ist die Bruchstelle zwischen Vergangenheit und Gegenwart, in der die Dietrichsgeschichte spielt.37 Die Personen des Epos bieten dem Verfasser die Möglichkeit, sein Hauptthema, den Kontrast von triuwe und untriuwe, durchzuspie- len. Auf der einen Seite stehen als „Exempla verräterischen Fehlverhaltens“ Ermrich, der Mordpläne gegen Dietrich schmiedet, um sich dessen Herrschaftsbereiches zu bemächtigen, Sibeche, der böse Ratgeber Ermrichs, und Witige, der die Getreuen Dietrichs gefangen nimmt, so dass der vor Mailand errungene Sieg Dietrichs nicht ausgenützt werden kann. Von Ermrich erpresst, tritt Dietrich die Herrschaft ab und geht ins Exil. Er und seine Getreuen sehen auf der anderen Seite in der Treue das höchste Gut.

Erster Aufenthalt bei Etzel

Dietrich und seine Getreuen werden freundlich am Hunnenhof Etzels aufgenommen. Doch fällt auf, dass der Hunnenkönig kaum in Erscheinung tritt, wohingegen seine Fau Helche sich in besonderem Maße Dietrichs annimmt. Sie schickt Rüdeger sogar mit Geld zu Dietrich, um seine êre wiederherzustellen: herre von Bern, dir hât gesant/mîn vrou Helche ditze guot./du troeste, helt, dînen muot. 38 Die materielle Unterstützung durch den Hunnenhof ist für Dietrich die Voraussetzung für die Wiedererlangung seiner materiellen Machtmittel, d.h. seines Landbesitzes und Geldes. Als ellender Held ohne Land und Geld ist Dietrich arm.39

Das enge freundschaftliche Verhältnis zwischen Helche und Dietrich am Hunnenhof mag beim Publikum Assoziationen zum prekären Verhältnis Guenievres zu manchen Artusrittern hervorgerufen haben. Deshalb wird Helche zur Mutterfigur umstilisiert, die der Trost aller Vertriebenen ist: daz was uns ein hôher trôst:/wand immer tugent hât erlôst/vil manegen ellenden man. 40 Deshalb kann Helche während des Gesprächs mit Dietrich in die Du-Anrede verfallen, Rüdeger weist sogleich darauf hin, dass es sich beim Verhältnis Helches zu Dietrich um ein mütterliches handelt: „dir sol daz niht zorn sîn,/daz ich dir dû spriche:/dar an ich niht zerbriche/dehein mîn êre noch mîn zuht,/wan dû hâst her zuo mir vluht.“/Rüedeger der tugenthaft/sprach mit tugentlîcher craft/“diu muoter ... 41

Der Hunnenhof ist ein Abglanz jener höfischen Idealwelt, die in der Genealogie geschildert wird. Höfische Feste werden gefeiert, doch in der durch Ermrich verdorbenen Welt sehen wir Dietrich allein, sein Schicksal beklagend:42

her Dietrich was ze hofe brâht.

nû wart ouch ezzens dâ gedâht.

ez was nû komen dar an,

daz der tac was zergân.

Etzel und her Dietrich

die sâzen ensamt hêrlich.

vor den tischen hôrt man singen,

ûf durch den palas clingen:

maneger kurzewile was dâ vil,

maneger hande seitspil

man dâ hôrte über al den sal.

si wâren dâ vrô über al

ân allein her Dietrich,

der gehabt sich trûreclich.43

Zweiter Krieg gegen Ermrich

Durch die Hilfe der Hunnen kann Dietrich nach Italien zurückkehren und gegen Ermrich ziehen. Maßlose Übertreibung kennzeichnen die Schlachtschilderungen in „Dietrichs Flucht“: riesige Heere, unzählige Tote, Kataloge von Hilfstruppen, die nach und nach herangeführt werden. Die Schilderung der Schlacht von Mailand und die Nennung der Verluste Ermrichs zeigen, dass die blutrünstigen Kämpfe nach dem Geschmack des zeitgenössischen Publikums waren:

daz velt und daz breite wal

daz ran mit bluote über al.

si vâhten grimmiclîche

beidenthalp gelîche.

dâ was wan ach unde nôt.

daz ê was grüen, dô wart ez rôt

von maneges mannes bluote.

Dô sturben helde guote.

daz bluot durch diu hersnier spranc.

in die köphe dô erclanc

vil manic biterlîcher slac.

sich cluben die helme unz in den nac.

im wart erslagen dâ zehant

drizic tûsent sîner man.

daz bluot ûf der heide ran,

daz man dort unde hie

in dem bluote unz an diu knie

muost vil dicke und ofte waten.44

Nach dem Sieg über Ermrich setzt Dietrich Witige als Markgraf von Raben ein und kehrt an den Hunnenhof zurück.

Zweiter Aufenthalt bei Etzel

Helche will ihren Schützling Dietrich verheiraten, doch dieser zögert zunächst. Wir erkennen hier einen Charakterzug Dietrichs, der ihn schon im Nibelungenlied kenn- zeichnet: der Held, der zweifelt und sich nicht zum Handeln entschließen kann. Als er schließlich zustimmt und Hochzeit gefeiert wird, erreicht ihn die Meldung vom Verrat Witiges und vom Verlust Rabens. Zu einem neuen Kriegszug gegen Ermrich wird ge- rüstet:

Dô diu hirât ergie

(nû hoeret starkiu maere hie),

dô komen boten geriten

sprach der bote ûz erkorn:

„Raben habt ir wider verlorn:

daz hat Witige hingegeben

und dar zuo al der liute leben,

beidiu wip unde kint,

alle die in der stat sint,

die hat Ermrich erhangen

und lützel ieman gevangen.45

Ein bemerkenswerter Exkurs zur Zeitgeschichte begegnet in diesem Abschnitt. Heinrich der Vogler spricht im Stil eines Fürstenspiegels:

Den hôhen vürsten daz wol stât

daz man die liute liep hât

mit helfe und mit guote

und mit willigem muote.

sô sint ouch in die liute holt

und dienen willeclîch den solt.46

Wahrscheinlich ergeht diese Mahnung an Herzog Albrecht I. von Österreich, der von den Landherren, die willeclîch dienen wollen, an seine Herrscherpflichten erinnert wird.47

Dritter Krieg gegen Ermrich

Die Schlacht bei Bologna fordert zahlreiche Opfer, auch unter den Getreuen Diet- richs. Immer wieder werden Reservertruppen herangeführt, damit die Schlacht überhaupt fortgesetzt werden kann. Ausführliche Kataloge, in denen Dietrichs und Ermrichs Verbündete aufgelistet sind, geben vielleicht Aufschluss über die große Verbreitung des Stoffes in der gesamten damals bekannten Welt.

Die Verbündeten Dietrichs

daz was von Stîre Dietleip.

des warens vrô, als man seit,

und lobeten in mit schalle

ze houptherren alle.

Hie bî im beleip her Paltram,

Nuodunc unde Sintram,

Îrinc unde Bloedelin,

Helphrîch unde Erewîn,

und Hornboge von Pôlân,

her Îsolt und her Îmîân,

Hûnolt unde Sigebant,

Walther der wîgant,

Gotel der marcman,

von Ôstervranken Herman,

Dancwart unde Hagene,

von den wol zimt ze sagene,

si wâren zwêne degene

in strîte vil bewegene.

Die Verbündeten Ermrichs

daz was der starke Liudegast,

dem an sterke niht gebrast,

und Liudegêr der unverzagt,

von dem man grôze manheit sagt.

dâ was Rûmolt der starke

und Diezolt von Tenemarke,

von Norwege Hiuzolt,

von Gruonlande Diepolt,

Fridunc von Zaeringen,

Walther von Kerlingen,

Sturmgêr von Engellant,

Sigemâr von Brâbant,

Tûsunc von Normandîe

und sîner bruoder drie,

Marchunc von Hessen,

die ouch ze strîte wol wessen,

und von den bergen Ladiner,

der hete dâ ein starkez her,

Râmunc von Îslande,

des ellen man wol bekande,

Môrolt von Arle

und sîn bruoder Karle

(den guoten Karle mein ich niht,

von dem man saget manec geschiht)

Gunthére von Rîne

Gernôt der bruoder sîne48

Auch kann der Verfasser durch solche Kataloge allgemein bekannte Sagenkreise in das Epos einschalten, wenn er etwa König Gunther oder Hagen an der Schlacht teilnehmen lässt. Schließlich finden wir Dietrich erneut im Elend, wenn er zunächst die toten Getreuen beweint, Freund und Feind bestatten heißt, die Verhältnisse in Italien ordnet und ein weiteres Mal zum Hunnenhof aufbricht.

Dritter Aufenthalt bei Etzel

Dietrich klagt am Hunnenhof über seine Verluste und steht trotz mehrfacher Siege als Geschlagener da. Mit folgenden Versen endet das Epos von „Dietrichs Flucht“:

si clagten in ir muote

die edelen recken guote

und swer ûf dem wale dâ verschiet

hie mit endet sich das lîet.49

THEODERICH DER GROSSE UND DIETRICH VON BERN

Wir wollen im dritten Teil unserer Arbeit „Dietrichs Flucht“ dahingehend analysieren, inwiefern sich zum einen Züge der historischen Person Theoderichs oder seiner Zeit an der Sagenfigur Dietrich nachweisen lassen, und wie sich zum anderen das Bild Theoderichs gewandelt hat. Um ein möglichst authentisches Bild des historischen Theoderich zu erhalten, müssen wir die ältesten Quellen, die über die Ostgoten be- richten, heranziehen. Erheblichen Quellenwert besitzt die Gotengeschichte des Ior- danes. Im Jahre 551 vollendet, auf einem verlorenen Werk Cassiodors basierend, ist sie die älteste Geschichte eines germanischen Stammes überhaupt.50

Abstammung

Nach Iordanes siedeln die Ostgoten unter König Walamer in Pannonien:

Ergo ut ad gentem, unde agimus, revertamur, id est Osthrogotarum, qui in Pannonia sub rege Valamir eiusque germani Thiudimer et Videmir morabantur, diversa loca, consilia tamen unita.51

Als die Hunnen Walamer angreifen, wehrt dieser sie ohne die Hilfe seiner Brüder ab und sendet einen Boten zu Thiudimer. Diesem wird gerade zu dieser Zeit ein Sohn geboren:

Eo namque tempore ad fratris Thiudimeri gaudii nuntium dirrexit, sed eo mox die nuntius veniens feliciorem in domo Thiudimer repperit gaudium. Ipso si quidem die Theodoricus eius filius, quamvis de Erelieva concubina, bonae tamen spei puerolus natus erat.52

Theoderich ist also in Pannonien, das zum Herrschaftsgebiet des oströmischen Rei- ches gehörte, geboren. Sein Vater hieß Thiudimer, seine Mutter Erelieva war eine Konkubine. Ganz anders verhält es sich in der historischen Dietrichdichtung: Danach ist Dietrich von Bern im nördlichen Italien als Sohn des dortigen Herrschers gebo- ren:53

Dietmar der guote

gwan bî der selben vrouen kint,

die wurden biderbe und küene sint.

Wer der eine waere?

Daz ist der Bernaere54

Iordanes verweist auf einen Makel bei der Geburt: quamvis de Erelieva concubina. Diese Vorstellung einer nicht makellosen Abstammung bleibt an Dietrich haften.55 Auch in „Dietrichs Flucht“ lebt die Erinnerung fort, dass die Ostgoten ursprünglich aus Pannonien eingewandert sind. So wird die Ahnenreihe von Dietwart zu Dietrich von Bern unterbrochen, als Wolfdietrich die Witwe König Otnîts heiratet, so dass die Wurzeln Dietrichs im Osten liegen:

in der zît was komen her

von Kriechen in Roemisch lant

ein reck mit ellenthafter hant,

küene starc und lobelîch:

der hiez Wolf her Dietrich.56

Chronologie

Mit eo namque tempore ist bei Iordanes wohl das Jahr 454 gemeint, als sich König Walamer von der hunnischen Oberherrschaft löste. Noch 451 hatten die Ostgoten auf Seiten der Hunnen gegen Römer und Westgoten gekämpft.57 Wenn nun die Geburt Theoderichs jedenfalls nach dem Jahr 450 angesetzt werden muss, so ist klar, dass die Chronologie in „Dietrichs Flucht“ keine Rolle spielt. Offensichtlich werden Ereig- nisse aus der Geschichte der Goten - mögen sie lange vor oder nach der Herrschaft Theoderichs stattgefunden haben - auf die Sagenfigur Dietrich projiziert. Nicht Odo- akar ist in Dietrichs Flucht der Gegner, sonder Dietrichs Onkel Ermrich. Tatsächlich gab es einen Gotenkönig Hermenericus, dessen in Südrussland gebildeter Staat um 375 unter dem Ansturm der Hunnen zerbrach.58 Auch der Aufenthalt bei Etzel/Attila passt nicht in die Chronologie. Vielleicht aber leben die Erinnerungen an die Nieder- lage Hermenericus´gegen die Hunnen einerseits und die an das Bündnis zwischen Ostgoten und Hunnen andererseits im Epos weiter. Schließlich besiegt in der Sage Dietrich, mit einem hunnischen Heer verbündet, seinen Onkel Ermrich.

Erziehung

Nach Iordanes wird Theoderich infolge von Auseinandersetzungen zwischen dem oströmischen Reich und den Ostgoten als Geisel nach Byzanz geschickt, wo ihn Kaiser Zeno aufnimmt und erziehen lässt:

pacisque obsidem ab eis, quem supra rettulimus, Theodoricum, infantulum Thiudimeris accipit; qui iam septem annorum incrementa conscendens octavum intraverat annum datus igitur Theodoricus obses a Gothis ducitur ad urbem Constantinopolitanam Leoni principi, et, quia puerolus elegans erat, meruit gratiam imperialem habere.59

Aspar, der Heermeister des oströmischen Kaisers, nimmt sich des jungen Theoderich als väterlicher Freund an. In „Dietrichs Flucht“ lebt dieses historische „Urbild“ als Hildebrand weiter:60

Nû ist der künic Dietmar tôt,

nû hebet sich jâmer unde nôt

in al Roemisch lande

mit wuoste und mit brande.

Dietheren unde Dietrich

die zôch ein herzoge rîch,

Hildebrant der alde,

der küene und der balde,

der sît nôt und arebeit

durch sîne lieben herren leit.61

Leistungen

Die historische Dietrichdichtung kennt nur die Leistungen des jugendlichen Dietrich, der gerade an die Macht gekommen, um den Bestand seiner Herrschaft kämpft. Die großen innenpolitischen Leistungen Theoderichs, die Italien eine lange Periode des Friedens bescherten, finden in „Dietrichs Flucht“ und „Rabenschlacht“ keinen Nieder- schlag.62 Was erfahren wir vom jungen Theoderich in Iordanes´Gotengeschichte? Da gibt es zunächst ein Zeugnis jugendlichen Draufgängertums: Theoderich kehrt 18- jährig von Byzanz zu den Ostgoten zurück, schart 6000 Männer um sich und über- fällt, ohne dass sein Vater davon wüsste, die Sarmaten jenseits der Donau:

inde quoque victor ad proprias sedes, id est Pannonias revertens Theodoricum filium suum, quem Constantinopolim obsidem dederat, a Leone imperatore remissum cum magnis muneribus gratanter excepit. Qui Theodoricus iam a- dulescentiae annos contingens expleta pueritia, decem et octo annos peragens, ascitis certis ex satellitibus et ex populo amatores sibi clientesque consocians, paene sex milia viros, cum quibus inconscio patre emenso Danubio super Babai Sarmatorum rege discurrit.63

In der Dietrichepik scheint uns das Bild Dietrichs ein zwiespältiges zu sein: Einerseits ist er ein Mann von großer Tapferkeit, „als Held wie kein anderer geachtet und im Kampf gefürchtet“.64 Er zeichnet sich in der Schlacht von Mailand aus: die tôten vaste âne zal/vielen von des Bernaers hant.65 Andererseits ist er, anders als der Theoderich des Iordanes, ein Held, der nicht von sich aus handelt, sich im Hintergrund hält, andere um Rat fragt, teils uninformiert ist und immer wieder mit dem Schicksal hadert. Vor der Schlacht von Mailand berichtet ein Bote von der Truppenstärke Ermrichs, wodurch er Dietrich erschüttert:

leit wart dem Bernaere.

Hildebrand der maere

der trôste sînen herren.

„umb disen grôzen werren

sult ir, künic, niht verzagen.66

Als Truppen gegen Bern reiten, gerät Dietrich in Sorge, nicht wissend, dass es sich um Verbündete handelt.

dô wart dem herren Dietrich

gesaget niuwiu maere,

daz ein her komen waere

vür die stat ze Berne.

daz hôrte er vil ungerne:

wand im hete niemen kunt getân

daz es waeren sîne man.67

Die Entscheidungen vor der Schlacht fallen erst nach Rücksprache mit Hildebrand:

Dô sprach der recke Hildebrant

„ich râte iu, küniec von Roemisch lant,

dô sprach mit gewalte

Hildebrant der alte

„ich râte iu, lieber herre mîn,68

Auch hält sich Dietrich im Hintergrund, wenn es darum geht, Ermrich auszukundschaften (V. 3161ff) oder sich in der Schlacht selbst hervorzutun; andere Helden glänzen, wie Wolfhart oder Rienolt (V: 3329ff).

Dennoch siegt Dietrich über Ermrich bei Mailand, später bei Ravenna und Bologna. Die Vorstellung vom Italiensieger geht bis auf Theoderich zurück, der, König geworden, gegen Odoakar zieht:

Quem ille ad campos Veronenses occurrens magno strage delevit castraque soluta finibus Italiae cum potiore audacia intrat, transactoque Pado amne ad Ravennam regiam urbem castra componit tertio miliario ab urbe locus, qui appellatur Pineta.69

Es folgt die Schilderung der Rabenschlacht.

Charakter

Viele Quellen des Mittelalters verurteilen den Arianer Theoderich wegen seiner Stel- lung zur katholischen Kirche und wegen seines Vorgehens gegen ihre Würdenträger wie Boethius oder Papst Johannes. Deshalb charakterisiert ihn Otto von Freising als barbarischen Tyrannen:

Itaque Theodoricus Romanorum potitus imperio haut memor ab augusto suscepti mandati fasque nefasque barbarice commiscens ac cives diversis iniuriis contumeliose afficiens imperium vertit in tyrannidem.70

Auch bei Iordanes findet sich eine Stelle, die auf Theoderichs rücksichtsloses Vorge- hen auf dem Weg zur Macht schließen lässt. Als Odoakar nach der Rabenschlacht den Ostgotenkönig um ein Übereinkommen, die Machtaufteilung betreffend, bittet, wird ihm ein solches zugestanden. Dann aber tötet Theoderich seinen Gegner entge- gen der Vereinbarung: cui et primum concedens Theodoricus postmodum ab hac luce privavit. 71

Wie anders erleben wir den Sagenhelden Dietrich von Bern in den historischen Dietrichepen, die „seine Freundestreue und seine Verbundenheit mit seinen Mannes“ allzu sehr hervorheben. Seine Menschlichkeit und Fairness - Zeichen eines ritterlichen Verhaltenskodexes - führen so weit, dass er nach der Schlacht auch seine Feinde begraben lässt (V. 10050).72

Dietrich besitzt weiters Scham und Zurückhaltung: Er lehnt ab, die Leute zu bestim- men, die ihm ins Exil folgen sollen (V. 4132ff), in seiner Verbannung verbirgt er sich in einem Wirtshaus (V. 4686f), er verbirgt an Etzels Hof seinen Kummer (V. 5279ff). Auch zeigt er sich dankbar seinen Wohltätern gegenüber (V. 5125ff, 5399ff, 7873ff) und milde gegen den verräterischen Witige, den er mit Raben belehnt und beschenkt (V. 7161ff).73

Schließlich erkennen wir Dietrichs Hang zu hemmungslosen Klagen als einen weite- ren dominierenden Charakterzug in der historischen Dietrichepik.74 Vergleicht man dahingehend den Helden mit seinem historischen Vorbild, so scheint diese Wandlung der Person unerklärlich. Theoderich war erfolgreich in seinen Unternehmungen und errichtete ein mächtiges Reich, das über seinen Tod hinaus Bestand hatte. Wie kommt es also zum Bild des glücklosen, klagenden Helden in der Fremde, der von sich sagt: als ein unsaelic man,/der nie freude gewan. ?75 Offensichtlich wurde das Schicksal des gesamten Volkes - der Ostgotenstaat zerfiel etwa eine Generation nach Theoderichs Tod - in der Person seines Helden verdichtet. Die Erinnerung an den Untergang der Ostgoten lebt im glücklosen Sagenhelden fort.76

Abschließend bemerken wir, dass sich nicht nur die Sagenfigur Dietrich auf ein reales historisches Vorbild zurückführen lässt, sondern dass auch andere Sagenfiguren an Personen oder Ereignisse der Geschichte der Völkerwanderungszeit erinnern. Über Hildebrand, Ermrich und Etzel haben wir schon gesprochen. Gerade die Rolle Erm- richs als Vertreiber wird verständlich, bedenkt man, dass der alte König zum „Inbe- griff des Verwandtenfeinds“ geworden ist. Er ließ nach verschiedenen Traditionen Sohn und Frau bzw. seinen Neffen töten.77 Die vor der Rabenschlacht getöteten Et- zelsöhne erinnern gewiss an Ernac und Ellac, die Söhne Attilas, die 454 in der Schlacht am Nedao gegen Goten und Gepiden den Tod fanden.78 Der verräterische Witige hat sein historisches Vorbild vielleicht im Ostgoten Vidigoja oder in König Viti- gis. Auch Tufa, der mehrmals zwischen Odoakar und Theoderich die Fronten wech- selte, kommt in Frage.79 Ähnliches gilt für den bösen Ratgeber Sibeche, der vielleicht an einen Sabinianus erinnert. Dieser überfiel die Ostgoten während laufender Frie- densverhandlungen.80

In Anbetracht all dieser Zusammenhänge sehen wir, dass sich viele Züge der Diet- richsage historisch erklären lassen, selbst wenn in der Sage eine Umdrehung der Geschichte stattgefunden hat. Die heroische Überlieferung stellt somit eine „spezifische Form von Geschichtswissen“ dar. Sie ist „in ihrer blutigen Düsterheit als Produkt der Abarbeitung kollektiver Traumata [zu] verstehen, die das grauenvolle Geschehen der Völkerwanderungszeit bei den Betroffenen hervorrufen musste.“81

Zusammenfassung

Zunächst haben wir festgestellt, dass der Begriff „historisches Epos“ in der Dietrich- epik nichts mit geschichtlicher Tatsächlichkeit zu tun hat. Vielmehr dient der Begriff zur Unterscheidung von den aventiurenhaften Epen rund um Dietrich. Die Hauptwer- ke der historischen Dietrichepik sind „Dietrichs Flucht“ und „Rabenschlacht“. Der Ge- gensatz zwischen Treue und Untreue, die maßlosen Übertreibungen und hemmungs- losen Klagen Dietrichs charakterisieren diese beiden Epen.

„Dietrichs Flucht“ handelt von den Siegen Dietrichs über seinen Onkel Ermrich und den anschließenden Aufenthalten im Exil am Hofe Etzels. Breiten Raum nimmt die Genealogie des Epos ein. Die wiederholten Siege und Aufenthalte im Exil sind Aufschwellungsdoppelungen. Ursprünglich gab es nur die Erzählung von einer Schlacht mit anschließendem Exil.

Manche Ereignisse aus der Völkerwanderungszeit, die das Volk der Ostgoten betref- fen, wurden in seinem Helden Theoderich/Dietrich verdichtet. So entspricht der Un- tergang der Ostgoten etwa eine Generation nach dem Tod des Theoderich dem Bild des klagenden, glücklosen Sagenhelden. Vergleiche zwischen dem Theoderich, den Iordanes schildert, und dem Sagenhelden Dietrich zeigen teils Unterschiede zwi- schen den Personen (Leistungen, Charakter), teils Gemeinsamkeiten (Abstammung, Erziehung).

LITERATURVERZEICHNIS

Quellen:

Otto von Freising: Ottonis Episcopi Frisingensis chronica sive historia de duabus civi- tatibus. Editio altera, recognovit Adolfus Hofmeister. Hannover und Leipzig, 1912

Iordanes: De origine actibusque Getarum. In : Iordanis Romana et Getica. Recensuit Theodorus Mommsen. Berlin 1882 (Monumenta Germaniae Historica: Auctorum Antiquissimorum Tomus V) S. 53-138

Martin, Ernst (Hrsg.): Deutsches Heldenbuch II. Berlin 1866

Sekundärliteratur:

Fuhrmann, Manfred: Iordanes. In: Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike. Band 2. München 1979 (Deutscher Taschenbuch Verlag), Sp. 1439

Haug, Walter: Hyperbolik und Zeremonialität. Zu Struktur und Welt von Dietrichs Flucht und Rabenschlacht. In Deutsche Heldenepik in Tirol. Hrsg. V. Egon Küheba- cher. Bozen 1979 (=Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstituts 7), S. 116-134

Heinzle, Joachim: Einführung in die mittelhochdeutsche Dietrichepik. Berlin 1999 (De-Gruyter-Studienbuch)

Hoffmann, Werner: Mittelhochdeutsche Heldendichtung. Berlin 1974 (Grundlagen der Germanistik 14)

Lippold, Adolf: Ostgoten. In: Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike. Band 4. München 1979 (Deutscher Taschenbuch Verlag) Sp.373-374

Masser, Achim: Von Theoderich dem Großen zu Dietrich von Bern. Die Wandlung der historischen Person zum Sagenhelden. In: Der Schlern 58 (1984), S. 635-645

Premerstein, Richard von: Dietrichs Flucht und Rabenschlacht. Eine Untersuchung über die äußere und innere Entwicklung der Sagenstoffe. Gießen 1957

Schupp, Volker: Heldenepik als Problem der Literaturgeschichtsschreibung. Überle- gungen am Beispiel des „Buches von Bern“. In: Deutsche Heldenepik in Tirol. Hrsg. V. Egon Kühebacher. Bozen 1979 (=Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstituts 7), S. 68-96

Wisniewski, Roswitha: Mittelalterliche Dietrichsdichtung. Stuttgart 1986

[...]


1 Masser: Von Theoderich zu Dietrich, S. 638

2 Wisniewski: Dietrichsdichtung, S. 125

3 Wisniewski: Dietrichsdichtung, S. 125

4 Otto von Freising: Chronica, V, III

5 Heinzle: Einführung, S. 5

6 Hoffmann: Heldendichtung, S. 162

7 Wisniewski: Dietrichdichtung, S. 134

8 Hoffmann: Heldendichtung, S. 161

9 Alle Textstellen aus „Dietrichs Flucht“ werden durch Verweis auf Verse, Textstellen aus Rabenschlacht durch Verweis auf Strophen angegeben. Als Textgrundlage diente: Martin: Deutsches Heldenbuch, S.55-326. Diese Ausgabe ist äußerst revisionsbedürftig, weshalb an der Universität Bremen bis April 2001 eine neue Edition des Epos vorliegen soll. Folgendes Urteil über Martins Ausgabe begründet die Neuedition: „Bislang mußten 'Dietrichs Flucht' und 'Rabenschlacht' in einer Ausgabe gelesen werden, die Ernst Martin 1866 im 'Deutschen Heldenbuch' veröffentlichte. Der Herausgeber griff dabei großzügig in den Text ein, ohne seine Eingriffe zu belegen, oder "verbesserte" nach Gutdünken, wenn ihm eine Textstelle verderbt erschien - Editionsprinzipien, die überholt sind. Im Falle von 'Dietrichs Flucht', mit deren Neuedition das Bremer DFG-Projekt im April 1999 startete, beging Mar- tin eine editorische "Sünde": Weitgehend unbeachtet ließ er den Text der Handschrift P, so daß deren besonderer Charakter - sie stellt eine Kurzfassung dar - nicht zu erkennen ist. Bei den Kürzungen in P handelt es sich um bewußte Eingriffe eines Bearbeiters, die u.a. dem Ideal der brevitas (Kürze) verpflichtet sind. Neben Wiederho- lungen, redundanter Information und formelhaften Wendungen tilgte der Bearbeiter mit Vorliebe auch auktoriale Bemerkungen des Erzählers.“ Zitiert nach: http://www.fb10.unibremen.de/germanistik/mediaevistik/dfgprojekt.htm (29.12.2000)

10 Wisniewski: Dietrichsdichtung, S. 134

11 Hoffmann: Heldendichtung, S. 161

12 Hoffmann: Heldendichtung, S. 164

13 Wisniewski: Dietrichsdichtung, S. 139f

14 Hoffmann: Heldendichtung, S. 162f

15 Hoffmann: Heldendichtung, S. 164

16 Wisniewski: Dietrichsdichtung, S. 137f

17 Vers 2412ff

18 Schupp: Heldenepik, S. 78

19 Strophe 269

20 Hoffmann: Heldendichtung, S. 166

21 Hoffmann: Heldendichtung, S 167

22 Vers 9907 und 9930

23 Strophe 904

24 Hoffmann: Heldendichtung, S. 170f

25 Vers 9526ff und 9700 und Hoffmann : Heldenepik, S. 170

26 Heinzle: Einführung, S. 80f

27 Wisniewski: Dietrichsdichtung, S. 137 und Hoffmann: Heldendichtung, S. 163

28 Hoffmann: Heldendichtung, S. 163

29 Haug: Hyperbolik, S. 118

30 Die Vorfahren Dietrichs haben in der Regel Dutzende von Kindern, von denen jeweils nur einer, der Thronfolger am Leben bleibt. Nur nach dem Tod König Ameluncs zerfällt das Reich in drei Teile. Vgl. dazu: Wisniewski: Dietrichsdichtung, S. 134f

31 Vers 1533ff

32 Schupp: Heldenepik, S. 79

33 Haug: Hyperbolik, S. 121

34 Vers 106

35 Vers 129ff

36 Vers 3508f

37 Haug: Hyperbolik, S. 120

38 Vers 5120ff

39 Haug: Hyperbolik, S. 124f

40 Haug: Hyperbolik, S. 128 und Vers 5053ff

41 Vers 5040ff

42 Haug: Hyperbolik, S. 125f

43 Vers 5315ff

44 Vers 6513ff und 6590ff

45 Vers 7683ff und 7711ff

46 Vers 7949ff

47 Schupp: Heldenepik, S. 85ff

48 Vers 8585ff und 8629ff

49 Vers 10149ff

50 Fuhrmann: Iordanes, Spalte 1439

51 Iordanes: De origine actibusque Getarum, LII

52 Iordanes: De origine actibusque Getarum, LII

53 Wisniewski: Dietrichsdichtung, S. 34

54 Vers 2480ff

55 Wisniewski: Dietrichsdichtung, S. 34f

56 Vers 2258ff

57 Lippold: Ostgoten, Spalte 373

58 Lippold: Ostgoten, Spalte 373

59 Iordanes: De origine actibusque Getarum, LII

60 Wisniewski: Dietrichsdichtung, S. 41. Weitere mögliche historische Vorbilder für Hildebrand führt Wisniewski auf S. 46 an.

61 Vers 2533ff

62 Wisniewski, Dietrichsdichtung, S. 38

63 Iordanes: De origine actibusque Getarum, LII

64 Masser: Von Theoderich zu Dietrich, S. 641

65 Vers 3470f

66 Vers 2973ff

67 Vers 2990ff

68 Vers 3139f und 3153ff

69 Iordanes: De origine actibusque Getarum, LVII

70 Otto von Freising, Chronica, V,I

71 Iordanes: De origine actibusque Getarum, LVII

72 Wisniewski, Dietrichsdichtung, S. 40f

73 Premerstein: Dietrichs Flucht, S. 178f

74 Wisniewski, Dietrichsdichtung, S. 40

75 Vers 4269f

76 Masser: Von Theoderich zu Dietrich, S. 641

77 Heinzle: Einführung, S. 5

78 Wisniewski: Dietrichsdichtung, S. 45

79 Wisniewski: Dietrichsdichtung, S. 46

80 Wisniewski: Dietrichsdichtung, S. 42

81 Heinzle: Einführung, S. 6f

24 von 24 Seiten

Details

Titel
Die historische Dietrichepik: Dietrichs Flucht
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Veranstaltung
Seminar - von Theoderich zu Dietrich von Bern
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
24
Katalognummer
V104373
ISBN (eBook)
9783640027170
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dietrichepik, Dietrichs, Flucht, Seminar, Theoderich, Dietrich, Bern
Arbeit zitieren
Reinhold Embacher (Autor:in), 2000, Die historische Dietrichepik: Dietrichs Flucht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104373

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