Sprache, Subjektkonstitution und Utopie in Christa Wolfs Erzählungen "Kein Ort. Nirgends" und "Kassandra".


Hausarbeit, 2001

19 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1. Die patriarchale Ordnung und die Entfremdung des Ichs
2.1. Die Strukturen abendländisch - männlichen Denkens
2.2. Die Figuren in „Kein Ort. Nirgends“
2.3. Die Figuren in „Kassandra“

3. „Um Haltung ringen“ - Die Ablehnung der patriarchalen Ordnung
3.1. „Ich kann die Welt in gut und böse nicht teilen“ - Heinrich von Kleist
3.2. „Was mich tötet, zu gebären“ - Karoline von Günderrode
3.3. „Was hat mich blind gemacht, das muß ich mich doch fragen“ - Kassandra

4. Sprache und Subjektkonstitution
4.1. „Das ich schreiben muß, steht mir fest“ - Kleist und Günderrode
4.2. „Mit meiner Stimme sprechen: das Äußerste“ - Kassandra

5. Utopie - ein neues Menschenbild und der Entwurf einer Gegenwelt
5.1.„Wir sind auf den ganzen Menschen aus“ - „Kein Ort. Nirgends“
5.2. Die Gemeinschaft am Idaberg -„Kassandra“

6. Fazit und Ausblick

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit sollen die Erzählungen „Kein Ort. Nirgends“ und „Kassandra“ von Christa Wolf hinsichtlich ihres utopischen Gehalts untersucht und analysiert werden. Einen Schwerpunkt wird hierbei die Funktion der Sprache und deren Bedeutung in Bezug auf Subjektkonstitution einnehmen.

Die Figuren Karoline von Günderrode und Kassandra weisen deutliche Parallelen auf. So wie Günderrode am Anfang der Geburt des Bürgertums steht, steht Kassandra am Anfang der Geburt des Patriarchats. Und dort, wohin Kleist und Günderrode aufbrechen, dort ist Kassandra angekommen - in Todesgegenden. Kassandra steht vor den Toren Mykenes, kurz vor ihrer Hinrichtung und rollt in einem atemlosen Monolog ihr Leben nochmals auf. Kleist und Günderrode gehen während ihres Dialogs am Ufer des Rheins spazieren, ein Ort, an dem Günderrode wie „an jedem Ort …, ohne zu zucken, ihren Leichnam liegen sehn“(KON,11) kann.

Günderrode geht an dem Widerspruch zwischen ihrer Sehnsucht nach einer erfüllten Liebe und den Vorgaben der Gesellschaft, die einer Frau nur eine beengte Existenz erlauben, zugrunde. Aus vergleichbaren Gründen geht Kassandra in den Tod. Und beiden Figuren ist Sprache ein Mittel zur Selbstfindung.

2. Die patriarchale Ordnung und die Entfremdung des Ichs

2.1.Die Strukturen abendländisch - männlichen Denkens

Ausgehend von der Zeit, in der Kassandra lebt, an der Schnittstelle zwischen Matriarchat und Patriarchat, möchte ich kurz die Entwicklung und Folgen dieser Denkstrukturen aufzeigen.

Der ursprüngliche Mythos, bei dem weibliche Erd- und Muttergottheiten im Mittelpunkt standen, vermittelte in seinem Nebeneinander verschiedenster (sich zum Teil logisch widersprechender) Mythen eine Denkform, die sich den Gesetzen der Vernunft entzog. Mit der Niederschrift dieser Mythen beginnt ein Prozeß der Verdrängung der weiblichen Gottheiten durch einen immer stärker hervortretenden Gott - Vater, die Polymythie weicht einem monomythischen, linearen Geschichtsbild mit der zwanghaften Einheit formaler Logik, aus dem Bericht wird die Lehre1. Die ursprünglich weiblichen Symbole (z.B. Doppelaxt, Schicksalswaage, Schlange) werden von den männlichen Gottheiten vereinnahmt, schließlich selbst die weibliche Gebärfähigkeit imitiert: Zeus gebiert die Athene - aus dem Kopf (!)2.

Die Betonung von rationalem, logischem Denken führt zu einer dualistischen Denkweise in Gegensätzen, deren erste Opposition Mann - Frau ist und der fast alle weiteren Oppositionen untergeordnet werden können. Die Trennung von erkennendem Subjekt und zu erkennendem Objekt hat die Nutzbarmachung des Objekts - meist im Namen des Fortschritts - zum Ziel. Daraus folgt eine Erhebung der Nützlichkeit zum alleinigen Maßstab, wozu alles meßbar, also quantifizierbar werden muß. Der Preis ist ein Verlust all jener Qualitäten, die sich nicht messen, zählen und berechnen lassen.

Im folgenden soll es darum gehen, eine kurze Beschreibung der Figuren zu geben, die sich den Konventionen einer patriarchalen Gesellschaftsordnung unterworfen haben und mit ihren Einstellungen und ihrem Verhalten entweder das patriarchale Prinzip verkörpern oder zur Aufrechterhaltung seiner Ordnung beitragen.

2.2. Die Figuren in „Kein Ort. Nirgends“

Die männlichen Teilnehmer der Teegesellschaft sind der Kaufmann Merten, in dessen Haus das Treffen stattfindet, der Rechtswissenschaftler Savigny, der Naturwissenschaftler Esenbeck, der Arzt Dr. Wedekind und der Dichter Clemens Brentano. Alle Figuren stehen mit ihren Berufsgruppen exemplarisch für das sich entwickelnde Bürgertum, außerdem fällt die Betonung der Berufe ins Auge - ein Zeichen dafür, daß zum ersten in einer arbeitsteiligen Gesellschaft eine Person ihre Identität primär aus der Arbeit bezieht, zum zweiten ein Verweis auf den (alleinigen) Maßstab der Funktionalität, der sogar dazu dient, den Wert eines Menschen zu bemessen. Für Merten, den seine grauen Augen als leblos ausweisen3, liegt die Größe seines Zeitalters darin, „daß es die niedern Leidenschaften gebändigt, die Vernunft an die Macht gehoben habe“(KON,97). Vernunft ist für den Kaufmann ein Synonym für Zweckrationalität und Gewinnmaximierung4.

Savigny, „der Mann, der sich sein Schicksal selber macht“ und „an nichts gefesselt als an ausführbare Pläne und Ziele“(KON,41) ist, vertritt vehement die Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft: die Trennung von Tat und Gedanke, von Ideal und Leben. Sein Frauenbild entspricht der patriarchalen Ordnung5. Die Verniedlichung „Günderrödchen“ weist aus, was sie für ihn ist: Objekt und Untergebene.

Nees von Esenbeck „spricht nicht, er doziert.“(KON,100) Ihn kennzeichnet eine euphorische Wissenschaftsgläubigkeit6, die jedoch dazu führt, daß alles vermeintlich Schwache dieser „Entfaltung der Wissenschaften“(KON,100) weichen muß.

Das Lieblingswort des Arztes Wedekind ist ‚gewiß‘. Ihm zufolge ist es „nicht gut, daß der Mensch zu tief in sich hineinblickt.“(KON,17) Ablenkung ist sein Heilmittel, daß man sich ins Gegebene zu schicken hat, seine Überzeugung. Die ‚preußischen Tugenden‘ Strenge, Pflichterfüllung, Selbstzucht, die er Kleist anpreist, sind gerade die, an denen sein Patient zu zerbrechen droht.

Brentano versucht, sich als Literat den gegebenen Verhältnissen anzupassen. Diese Anpassung an die Normen und Konventionen der Gesellschaft hat Konsequenzen in bezug auf seinen Charakter, er ist selbstgefällig, eifersüchtig und besitzergreifend7.

Der Ort der Frauen ist das Sofa, dort sitzen Paula und Charlotte Servière - „die Zwillinge, die jedermann in einem Atemzuge nennt“(KON,44), ein Hinweis auf ihre Austauschbarkeit und ihre nebensächliche Rolle - und die Couchette, auf der Gunda Brentano und Lisette von Esenbeck Platz genommen haben. „Frauen, die im Rahmen bleiben“(KON,21) und in ihrer wartenden Haltung ganz der vorgegebenen Frauenrolle entsprechen, im Gegensatz zu ihren Männern, die sich ungezwungen im Raum bewegen.

Zwei Frauen, Sophie Mereau und Lisette von Esenbeck, können ihre Situation als Frau reflektieren. Lisette formuliert den Zusammenhang zwischen bürgerlicher Gesellschaft und Unterwerfung der Frau: „Wahr ist aber auch, daß die bürgerlichen Verhältnisse eine Frau unglücklich machen müssen. Die niedergehaltenen Leidenschaften…“(KON,90) Sophie Mereau, die ihren Mann Clemens durchschaut, ist eine Frau zwischen Anpassung und Widerstand, die aber darum weiß, wie wenig Möglichkeiten ihr - als Mutter - die Gesellschaft jenseits des Weges der Anpassung läßt.

2.3. Die Figuren in „Kassandra“

Eumelos, der Aufsteiger in der troianischen Gesellschaft, verkörpert mit seiner Emotionslosigkeit den Machttyp der neuen Zeit. Er ist die personifizierte Zweckrationalität, mit seinem berechnenden Verstand opfert er alles und jeden seinem Machtstreben. Er besitzt keine humanitären Werte, seine Gleichgültigkeit und die Überzeugung, daß der Zweck jedes Mittel heilige, ermöglichen dieser gesichtslosen Figur eine grenzenlose Anpassungsfähigkeit: „Der überlebte nämlich … Wohin wir immer kämen, dieser wär schon da.“(K,142)

Die Unfähigkeit des troianischen Königs Priamos, politische Zusammenhänge zu erfassen, macht ihn zwar „nicht zum idealen König, doch war er der Mann der idealen Königin“(K,16)

- Hekabe. Unter dem Einfluß von Eumelos wird er Hekabe und ihren (politischen) Ratschlägen gegenüber immer unzugänglicher, für andere jedoch immer beherrschbarer. Priamos wird so zur Marionette Eumelos, da ihm der politische Überblick und die menschliche Stärke fehlen, Eumelos zu durchschauen. Dieser benutzt Priamos, um seine eigene Machtposition zu stärken und seine Interessen durchzusetzen.

Hekabe zeichnet sich durch einen klaren Verstand und große Menschenkenntnis aus, sie ist eine kluge und nüchtern denkende Königin, aber auch eine verständnisvolle mütterliche Frau. Gegen die fortschreitende Beschneidung ihrer Macht und ihrer Möglichkeit zu politischer Einflußnahme wehrt sie sich nicht - da ihr patriarchale Denkstrukturen fremd sind, kann sie die stattfindende Entwicklung auch nicht in ihrer vollen Bedeutung erfassen.

Polyxena, die schöne Schwester Kassandras, leidet ebenso wie diese selbst an der Unvereinbarkeit ihrer Gefühle: Die Treue und Liebe zu Troia und den Ihren stehen dem Wissen um die Schuld des Königshofes am Krieg entgegen. Der Kriegsapparat, der sie auf ein Sexualobjekt reduziert, das „benutzt“(K,132), als „Lockvogel verwendet“(K,131) wird, ist verantwortlich für den Selbstzerstörungstrieb und den Masochismus Polyxenas8.

Der Priester Panthoos kennt nur einen Grund für jede Handlung oder ihre Unterlassung: „Eigenliebe.“(K,14) Sein Eigennutz als Überlebensstrategie9 hat zur Folge, daß er die Instrumentalisierung der appollinischen Religion zur Sicherung des männlichen Vernichtungsapparates zuläßt, obwohl er um den bevorstehenden Untergang Troias weiß - er nimmt die Vernichtung und Versklavung der troianischen Bevölkerung also bewußt in Kauf10.

Achill „das Vieh“ ist der Kriegsheld der Griechen. Ihn kennzeichnen eine ungeheure Brutalität, die Negierung aller moralischen Regeln und Gesetze und eine pervertierte Sexualität - er schändet den toten Körper Penthesileas und zieht auch sonst aus Situationen, in denen Menschen ihm ausgeliefert, seine Opfer sind, Lust. Achills ängstliche, fast panische Besorgnis um das, was andere in ihm sehen, offenbart seine tiefe Unsicherheit und Schwäche. In dieser Figur manifestiert sich die äußerste Form der Selbstentfremdung, die in menschlicher Unzulänglichkeit, Inhumanität und emotionaler Verkümmerung ihren Ausdruck findet.

Agamemnon, der Griechenkönig, erinnert in entschärfter Form an Achill. Er wird beherrscht von seiner Angst und leidet an Minderwertigkeitskomplexen bezüglich seiner Impotenz. Beides führt zu einer „ausgesuchten Grausamkeit“(K,12), die letztendlich nichts weiter ist als auf andere projizierter Selbsthaß.

3. „Um Haltung ringen“ - die Ablehnung der patriarchalen Ordnung

3.1. „Ich kann die Welt in gut und böse nicht teilen“ - Heinrich von Kleist

Die Figur des Kleist ist im wesentlichen gekennzeichnet durch ihre Zerrissenheit und einer dieser entsprechenden Ambivalenz. Kleist wird entworfen als Gegenfigur11 zu Savigny, der mit seinem „männlichen Kopf“ „für alles ein Entweder - Oder“(KON,101) hat. Und so ist es Savigny, der „das Gesetz der Gesetze“(KON,63) formuliert: „Daß man die Philosophie nicht beim Wort nehmen, das Leben am Ideal nicht messen soll“(KON,63). Genau diese Trennung jedoch zerreißt Kleist, die Spaltung von Geist und Tat - auf der, wird sie gesellschaftlich praktiziert, die Machtlosigkeit von Dichtung beruht.

Die Werte der Französischen Revolution sind in dieser Gesellschaft zu leeren Worthüllen verkommen, die nur dazu dienen, das neu entstandene Bürgertum in seinen Grundfesten zu bestätigen. Dem hier geltenden Rollenverständnis und dem alleinigen Maßstab zielgerichteter Zweckrationalität kann Kleist nicht entsprechen. „Jemand fühlt, ob nun zu Recht oder zu Unrecht, den Zwang in sich, einer Bestimmung zu folgen; seine Vermögensverhältnisse gestatten es ihm nicht, im Ausland zu leben und frei seinen Intentionen nachzugehn, noch auch in seinem Vaterland zu existieren, ohne ein Amt anzunehmen. Dieses Amt aber, zu dessen Erlangung er sich unerträglich erniedrigen müßte, würde in jedem Sinn seiner Bestimmung zuwiderlaufen.“(KON,80) Mit diesen Worten formuliert Kleist seine Situation, er sieht sich vor die Wahl gestellt: „Ein Amt oder die Literatur. Erniedrigung und ein bescheidenes Auskommen, oder die blanke Armut und ein ungebrochnes Selbstgefühl.“(KON,88) Alternativen, die er nicht annehmen kann, da sie entweder eine psychische oder eine physische Bedrohung darstellen.

Hier schließt sich der Kreis zu Savignys Gesetz: „Er muß sich Zwang antun, und für geheilt wird er gelten, wenn er die Kunst beherrscht. Wie aber soll eine Heilung dessen stattfinden, der das Gesetz verrückt, ehe er sich ihm unterwirft?“(KON,15)

Die Ambivalenz in Kleists Charakter manifestiert sich in drei Bereichen. Zunächst ist da sein „Widerwillen gegen Zwitterhaftes“(KON,25) zu nennen, dem er nicht auf den Grund geht und der seiner Ablehnung des dualistischen Weltbildes12 komplementär gegenüber steht. Später wiederum formuliert Kleist im Zusammenhang mit Reflexionen über seine Schwester: „Er nicht ganz Mann, sie nicht ganz Frau“(KON,119) und bekennt Günderrode gegenüber, es sei ihm unerträglich, „daß die Natur den Menschen in Mann und Frau aufgespalten hat“(KON,132)13.

Auch sein Frauenbild entspricht patriarchalem Gedankengut, welches sich in einer Hierarchisierung der Geschlechter, einer Vorstellung von einem bestimmten weiblichen Naturell und der Beanspruchung des größeren Leidensdrucks für sich selbst wiederfinden läßt.

Schließlich ist Kleists Verhältnis zu seinen Mitmenschen insofern ambivalent, als er diese mit ihren Konventionen, Normen und Vorgaben, ihrem beschnittenen Gedankengut zutiefst verachtet, sogar haßt, aber trotzdem auf sie und ihre Bewertungen fixiert bleibt: „Es zerreißt ihn, daß er denen nichts gilt. Das Werk ist nicht geschrieben, mit dem er auch diesen hier einst Schläge versetzen wird, daß sie in die Knie gehn sollen.“(KON,42)

3.2. „Was mich tötet, zu gebären“ - Karoline von Günderrode

Auch Günderrode wird durch ihre Zerrissenheit gekennzeichnet, eine Möglichkeit zur Einheit sieht sie in der Liebe: „Sie zerreißt sich in drei Personen, darunter einen Mann. Liebe, wenn sie unbedingt ist, kann die drei getrennten Personen zusammenschmelzen.“(KON,148) Eine erfüllte Liebe kann nur auf der Basis von gegenseitiger Akzeptanz und Achtung errichtet werden, diese Ansprüche jedoch werden einer Frau in dieser Gesellschaft nicht zugestanden. Sowohl Savigny, den sie liebt, als auch Brentano, den sie verehrt, weisen Günderrode wiederholt in die Schranken eines patriarchalen, auf Unterordnung gegründeten Frauenbilds.

Diese Bevormundungen und die Demütigungen, welche die beiden Männer Günderrode zufügen14, stehen in einem deutlichen Widerspruch zu Günderrodes Liebe bzw. Verehrung. Und hier wird auch die Problematik der Figur Günderrode deutlich, auch sie hat patriarchale Denkstrukturen zumindest partiell verinnerlicht. Den Anmaßungen der Männer, die ihr das Recht auf Selbstbestimmtheit und freie Entwicklung absprechen, begegnet sie mit Rückzug auf sich selbst, was zu permanenter strenger Selbstkontrolle und der Verdrängung von aggressiven Impulsen15 führt: „Mir ist es selbst oft merkwürdig, daß ich nicht hassen kann, daß ich Beleidigungen, die man mir antut, vergesse, niemals aber ein Unrecht, das ich jemandem zugefügt habe.“(KON,33) Aggressionen und spontane Gefühlsäußerungen werden von einer streng zensierenden Gewissensinstanz zurückgedrängt; auf das einzige Mal, an dem Günderrode ihren Gefühlen freien Lauf läßt, reagiert sie mit heftigen Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen16.

Günderrode leidet darunter, „daß wir nicht damit rechnen können, gekannt zu werden.“(KON,35) Ihre Verschlossenheit, „sie beherrscht die Kunst der Verstellung“(KON,60), trägt jedoch genau dazu bei. So bedingen sich auch bei Günderrode die patriarchalen Strukturen, die sie ablehnt, unter denen sie leidet und gerade dieses Leid an ihnen gegenseitig. Die Mittel, die sie als Selbstschutz wählt, entspringen patriarchalem Gedankengut und unterstützen wiederum dessen Strukturen, da sie auf Selbstbeschneidung und Zurückhaltung basieren - diese Eigenschaften aber verlangt das patriarchale Rollenbild gerade von Frauen.

Günderrode ist gefangen in einem Teufelskreis. In ihrer Sehnsucht nach Liebe und der darauf begründeten Angst, „als die Spröde, Zimperliche, Unweibliche dazustehen“(KON,28) versucht sie den Männern, die „durch den Gang der Geschäfte … in Stücke zerteilt [sind], die kaum miteinander zusammenhängen“(KON,118) entgegenzukommen. Dies führt zu Selbstentfremdung und Verstellung, auf dessen Basis wiederum ein wirkliches gegenseitiges Kennen und Verstehen, Freundschaft und nicht zuletzt auch erfüllte Liebe gar nicht möglich sein können.

Die partielle Internalisierung des bürgerlichen Rollenverständnisses provoziert Spaltung und innere Kämpfe. Daß Günderrode diese Vorgänge durchschaut, darauf verweisen Aussagen wie: „Ich glaube, wir fragen falsch, wenn wir uns dem Schicksal gegenüberstellen, anstatt zu sehn, daß wir mit ihm eins sind; daß wir, was mit uns geschieht, insgeheim herausfordern.“(KON,133) oder die Einsicht, daß sich auch in ihr „Mann und Frau einander feindlich gegenüberstehn.“(KON,132)

3.3. „Was hat mich blind gemacht, das muß ich mich doch fragen“ - Kassandra

Die Figur der Kassandra durchläuft einen Prozeß der Selbstfindung, welcher eng verknüpft ist mit einem allmählichen Loslösen von patrarchalen Denkstrukturen und den Menschen, die in diesen Strukturen gefangen bleiben bzw. diese verkörpern.

Kassandras frühe Kindheit steht noch unter dem Zeichen einer matriarchalen Gesellschaftsordnung17, obwohl bereits in dieser Zeit die Anfänge des Umbruchs zu suchen sind: „… die Bewegungen des Mädchens, das ich war, Wunsch- und Sehnsuchtsbild, die junge helle Gestalt im lichten Gelände, heiter, freimütig, hoffnungsvoll, sich selbst und anderen vertrauend, verdienend, was man ihr zuerkannte, frei, ach, frei. In Wirklichkeit: gefesselt. Gelenkt, geleitet und zum Ziel gestoßen, das andre setzten. Demütigend …: Alle wußten es.“(K, 26) Diese Demütigungen, die ihr widerfahren18, haben zur Folge, daß Kassandra Schutzmechanismen aufbaut, die wie bei Kleist und Günderrode patriarchalen Denkstrukturen entspringen und zur Selbstentfremdung führen.

Schon früh zeichnet sich bei Kassandra eine Fixierung auf ihren Vater ab19, von dem sie sich geliebt und gebraucht fühlt, im Gegensatz zu ihrer Mutter20. Während das Verhältnis zur Mutter ambivalenter Natur ist, bilden Vater und Tochter eine symbiotische Einheit, da jeder das Verlangen nach Nähe und Verständnis beim anderen stillt. Diese Fixierung geht Hand in Hand mit einem unreflektierten Vertrauen, ein Hinterfragen der Vaterfigur käme einem Verrat gleich21.

Die Desillusionierung Kassandras wird zum einen durch ihre eigene Veränderung, derer es jedoch ständig neuer Impulse von außen bedarf, und zum anderen durch die Veränderung ihres Vaters unter dem Einfluß Eumelos vorangetrieben. Ihr Wunsch, das Priesteramt und die Sehergabe zu erlangen, ist zunächst der Versuch, sich der Wirklichkeit zu entziehen, der Konfrontation aus dem Weg zu gehen, da Kassandra sonst unverweigerlich alles, woran sie glaubt, in Frage stellen müßte. Die Schamgefühle, die Kassandra angesichts der ekstatischen Frauen des Kybele-Kults empfindet - deren entfesselte Körper an Kassandras Anfälle erinnern - zeigen, wie weit Kassandras Entfremdung von ihren matriarchalen Ursprüngen fortgeschritten ist22. Das Unbeherrschte wird entsprechend patriarchaler Denkmuster negativ besetzt, Kassandra zieht sich zurück: „Was ging vor. Wo lebte ich denn. Wie viele Wirklichkeiten gab es in Troia noch außer der meinen, die ich doch für die einzige gehalten hatte… Und wer ließ nun zu, daß der Boden, auf dem ich so sicher gegangen war, erschüttert wurde… Da wich ich zurück. Entzog mich … den Berührungen der wirklichen Leute. Brauchte und erlangte Unnahbarkeit. Wurde Priesterin.“(K,23)

Mit dem Eintritt ins Priesteramt ist Kassandra am äußersten Punkt der Selbstentfremdung angelangt: „Meine Erinnerung an diese Zeit ist blaß, ich hatte keine Gefühle … Ich spielte die Priesterin. Ich dachte, Erwachsensein bestehe aus diesem Spiel: sich selbst verlieren … Ich weiß noch, wie mein Leben mir entwich.“(K,30) Kassandras Leben ist an diesem Punkt ausschließlich fremdbestimmt23.

Kassandras „Hang nach Übereinstimmung mit den Herrschenden“ und ihre „Gier nach Erkenntnis“(K,67) sind die beiden Pole, zwischen denen sie sich bewegt. Immer dann, wenn ihr Ich zwischen diesen Pole nicht mehr vermitteln kann, treten Kassandras Anfälle auf. Der Auseinandersetzung mit ihrem Erkenntnisdrang und den damit verknüpften Wahrheiten kann sich Kassandra in dem Moment nicht mehr entziehen, in dem die von ihren Verdrängungsmechanismen ausgehende Bedrohung existentiell wird24. Mit der Unterstützung von Anchises und Arisbe, die allmählich zu Kassandras neuen Bezugspersonen werden, gelingt ihr die langsame Loslösung von ihrem Elternhaus und den damit verbundenen patriarchalen Werte- und Denkstrukturen. Ausdruck dieser Wandlung ist Kassandras Traum von der falschen Frage.: „Was hieß denn das: Die Sonne strahlte heller als der Mond. War denn der Mond zum Hellerstrahlen überhaupt bestimmt? … So war ich, wenn ich Arisbe recht verstand, berechtigt, ja vielleicht verpflichtet, sie zurückzuweisen. Ein Ring, der äußerste, der mich umschlossen hatte, zersprang … Ein Atemholen war es, ein Lockern der Gelenke, ein Aufblühn des Fleisches.“(K,93)

4. Sprache und Subjektkonstitution

4.1.„Daß ich schreiben muß, steht mir fest“ - Kleist und Günderrode

Kleist kann „wahres Leben nur fühlen, indem man schreibt“(KON,24). Seine Sprachstörung, sein Stottern, steht in engem Zusammenhang mit der Ablehnung, welche die Gesellschaft ihm, seinen Überzeugungen und seinem Werk entgegenbringt. Psychische Konstitution und sprachliche Ausdrucksfähigkeit bedingen sich gegenseitig: Nach seinem Zusammenbruch glaubt Kleist aufgrund seiner Erfahrung, „daß Worte die Seele nicht malen können, … niemals mehr schreiben zu dürfen“(KON,49), sein Scheitern am ‚Guiscard‘ wiederum stürzt ihn in eine Existenzkrise25. Schreiben ist für Kleist einerseits die Verbindung zum „wahren Leben“, andererseits aber auch Mittel zur Selbsterkenntnis: „Man versteht nicht, was man nicht mit anderen teilt.“(KON,125) Günderrode erkennt das Problem, welches mit der engen Verknüpfung von Identität und Werk einhergeht: „Sein Werk ist der einzige Punkt, mit sich eins zu werden; er darf es um eines Menschen willen nicht aufgeben.“(KON,148)

Kleists bereits angesprochener Ehrgeiz erklärt sich zum Teil aus dieser Problematik; dieser Ehrgeiz ist in seiner Absolutheit jedoch auch Ausdruck dafür, wie sehr Kleist dem patriarchalen Denkmuster verhaftet bleibt. Der Erfolg, den er heiß ersehnt, ist Mittel, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sich für die Demütigungen und Verletzungen, welche die Gesellschaft ihm zufügen, zu rächen. In seinem Ehrgeiz verfällt Kleist in das männliche, dualistische Gesetz des Entweder - Oder, was aus seiner Sicht zu der Notwendigkeit führt, „alles zu erreichen oder alles für nichts zu halten."(KON,135) Daraus wiederum resultiert Kleists Selbstzerstörungstrieb.

Auch für Günderrode ist Schreiben eng verbunden mit Selbsterkenntnis: „Clemens, … warum wollen Sie mir nicht zugestehn, daß ich in der Poesie wie in einem Spiegel mich zu sammeln, mich selber zu sehen, durch mich hindurch und über mich hinaus zu gehn suche.“(KON,45) Anders als Kleist ist Günderrode vom Urteil der Anderen zwar tief zu treffen, aber nicht abhängig. Dichtung ist bei ihr vielmehr Kompensation all jener Sehnsüchte, die ihr im wahren Leben unerfüllt bleiben: „Gedichte sind Balsam auf Unstillbares im Leben.“(KON,81) Diese Aussage erinnert an Günderrodes Traum, in dem die ihr von anderen - Savigny - zugefügte Wunde mit einer lindernden Brühe geschlossen wird26. In das Drama, welches sie gerade schreibt, denkt sie sich „so lebhaft hinein, … daß mir mein eignes Leben fremd wird … ich liebe diesen Fehler, wenn es einer ist. Er hält mich oft schadlos für die ganze Welt. Und er hilft mir glauben an die Notwendigkeit aller Dinge, auch an die meiner eignen Natur.“(KON,77)

Als Kriterium für die Literatur gilt Günderrode die Identität von Wahrheit und Gefühl: „Aber alles, was wir aussprechen, muß wahr sein, weil wir es empfinden: Da haben Sie mein poetisches Bekenntnis.“(KON,45) Dieses Bekenntnis gilt auch in seiner Umkehrung, jede Erkenntnis, wie radikal sie - und ihre Konsequenz - auch sein mag, hat ein Recht darauf, formuliert zu werden. Damit ist wiederum der Bogen zu Savignys Gesetz geschlagen:

„… aber ist es uns nicht geboten, innezuhalten, eh sich solche Sätze in uns bilden!

Ja, sagt die Frau. Das ist uns geboten.

Und?

Und wir müssen das Gebot übertreten.“ (KON,123)

Schon in der Einleitung der Erzählung taucht dieses Motiv auf: „Aber nur Größe rechtfertigt die Verfehlung gegen das Gesetz und versöhnt den Schuldigen mit sich selbst.“(KON,6) Und Savigny formuliert, was demjenigen droht, der es wagt, sich dem Gesetz der Trennung von Leben und Ideal zu widersetzen: „Wer dagegen aufsteht, muß zum Verbrecher werden. Oder zum Wahnsinnigen.“(KON,63) Genau dies geschieht den Protagonisten. Kleist bewegt sich zeitweise tatsächlich am Rande des Wahnsinns27 und beide werden später mit ihrem Selbstmord zu ‚Verbrechern an sich selbst‘. „Kein andrer wird das Urteil an ihm vollstrecken als er [Kleist] selbst. Die Hand, die schuldig werden mußte, vollzieht die Strafe.“(KON,38)

4.2.„Mit meiner Stimme sprechen: das Äußerste“ - Kassandra

Kassandras Anfälle und die aus ihr sprechende Stimme werden von der patriarchalen Palastwelt als wahnsinnig klassifiziert. Entsprechend ihrer anfänglichen Identifizierung mit patriarchalen Denkstrukturen weigert sich Kassandra, diese Stimme als ihre eigene anzuerkennen: „Die Stimme, die das sagte, war mir fremd, und natürlich weiß ich heute, … es war kein Zufall, daß diese fremde Stimme, die mir schon oft in der Kehle gesteckt hatte, in seiner [Aineias] Gegenwart zum ersten Mal aus mir sprach.“(K,42) Wie bereits angesprochen sind ihre Anfälle Ausdruck des unterdrückten Widerstands gegen ihre „Gier nach Erkenntnis“ und den daraus resultierenden Wahrheiten und Konsequenzen - die Loslösung von allem, was ihr lieb ist, worüber sie sich zu dieser Zeit identifiziert.

In dem Maße, in dem sich Kassandra auf den Prozeß der Selbstfindung einläßt und die „fremde“ Stimme als die eigene anerkennt, nehmen ihre Anfälle an Häufigkeit und Intensität ab, später, bei den Frauen am Idaberg, hören sie ganz auf. Die drei Elemente Körper, Stimme und (Selbst-) Erkenntnis sind in der Erzählung untrennbar miteinander verwoben28. So beschreibt Kassandra ihre Sehergabe als eine Art körperlicher Erfahrung29, die eine andere Art zu sehen ermöglicht als das rein rationale Denken. „Wie jedem anderen Menschen gab mir mein Körper Zeichen; anders als andre war ich nicht imstande, die Zeichen zu übergehn.“(K,62) Die Sprache des Körpers wird zum Medium für all das, was in Worten nicht zu erfassen ist: „Ich hatte das Gefühl, mit meinem Körper jene Stelle abzudecken, durch die, für mich nur spürbar, andre Wirklichkeiten in unsre Welt der festen Körper einsickerten. Die die fünf Sinne, auf die wir uns verständigt haben, nicht erfassen, weshalb wir sie verleugnen müssen. Worte. Alles, was ich von jener Erfahrung mitzuteilen suchte, war und ist Umschreibung. Für das, was aus mir sprach, haben wir keinen Namen.“(K,111f.)

5. Utopie - ein neues Menschenbild und der Entwurf einer Gegenwelt

5.1.„Wir sind auf den ganzen Menschen aus und können ihn nicht finden“ - „Kein Ort. Nirgends“

Zur wirklichen Begegnung zwischen Kleist und Günderrode kommt es erst, als sich die Teegesellschaft nach draußen begibt. Der Salon steht mit seiner Enge für die einengenden bürgerlichen Wert- und Normvorstellungen, dem entspricht die Verborgenheit der Gedanken, die nur gedanklich formulierte Anteilnahme von Kleist und Günderrode. Die freie Natur in ihrer „unbedingten Richtigkeit“(KON,8) und ihrer Weite dagegen bietet Raum für den Versuch, ein offenes Gespräch zu führen.

Kleist und Günderrode entfernen sich von der Gruppe und gehen den Rhein entlang flußaufwärts, also gegen den Strom (!) spazieren. Ausgehend von ihren Erfahrungen der Zerrissenheit entwerfen die beiden im Gespräch ein neues Menschenbild, eine Gesellschaftsordnung, die sich nicht auf zweckorientierter Rationalität, hierarchischen Strukturen und einem dualistischen Wertesystem gründet.

„Manchmal … ist es mir unerträglich, daß die Natur den Menschen in Mann und Frau aufgespalten hat.

Das meinen Sie nicht, Kleist. Sie meinen, daß in ihnen selbst Mann und Frau einander feindlich gegenüberstehn.

Wie auch in mir.“ (KON,132)

Kleist legt den geschlechtlichen Antagonismus als eine Art Mißgriff der Natur aus. Dagegen verlegt Günderrode ihn in das Innere des Subjekts, wodurch seine Aufhebbarkeit möglich wird. Die Sehnsucht nach der Vereinigung der beiden gespaltenen Ich-Anteile hat Günderrode zuvor schon einmal formuliert: „Wir sind auf den ganzen Menschen aus und können ihn nicht finden.“(KON,118)

Das Gespräch, in dessen Verlauf es zu einer immer größeren Offenheit zwischen den beiden Protagonisten kommt, findet seinen Höhepunkt in einem gegenseitigen Erkennen.

„Sie bleiben stehn, drehn sich einander zu. Jeder sieht den Himmel über dem Kopf des andern. Das blasse spätnachmittagliche Blau, keine Wolkenzüge. Sie mustern sich unverhohlen. Nackte Blicke. Preisgabe, versuchsweise. Das Lächeln, zuerst bei ihr, dann bei ihm, spöttisch. Nehmen wir es als Spiel, auch wenn es Ernst ist. Du weißt es, ich weiß es auch. Komm nicht zu nah. Bleib nicht zu fern. Verbirg dich. Enthülle dich. Vergiß, was du weißt. Behalt es. Maskierungen fallen ab, Verkrustungen, Schorf, Polituren. Die blanke Haut. Unverstellte Züge. Mein Gesicht, das wäre es. Dies das deine. Bis auf den Grund verschieden. Von Grund her einander ähnlich. Frau. Mann. Unbrauchbare Wörter. Wir, jeder gefangen in seinem Geschlecht. Die Berührung, nach der es uns so un- endlich verlangt, es gibt sie nicht. Sie wurde mit uns entleibt. Wir müßten sie erfinden.“

(KON, 136f.)

In dieser Textstelle wird die Symbiose von ‚Mann‘ und ‚Frau‘ versuchsweise vollzogen. Zum einen ist nicht mehr zu unterscheiden, wer denn hier spricht, eine solche Trennung (!) wäre auch nicht berechtigt, zum anderen fallen mit den „Maskierungen“ auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die zwar „bis auf den Grund“ vorhanden zu sein scheinen, aber auf dem Grund selbst nicht existieren. „Von Grund her“ ist die Trennung Mann - Frau ein Irrtum, ein Lügengebäude patriarchaler Denkstrukturen, auf dem sich diese konstituieren.

Letztendlich scheitert diese Symbiose allerdings, da das Verhaftetsein in den zugeschriebenen Geschlechterrollen zu stark zu sein scheint. „Entleibt“ wurde, indem die Vernunft an die Macht gehoben wurde, der positive sinnliche Bezug zum Körper und damit auch die „Berührung, nach der es uns so unendlich verlangt“, die Einheit des Ichs.

5.2. Die Gemeinschaft am Idaberg - „Kassandra“

Die Gemeinschaft der Menschen am Idaberg wird als „Neben-, ja Gegenwelt, die, anders als die steinerne Palast- und Stadtwelt, pflanzenhaft wuchs und wucherte, üppig, unbekümmert“(K,52) zur Stadt Troia entworfen. Der Mensch steht hier im Mittelpunkt, im deutlichen Gegensatz zu Troia, wo Menschen im fortschreitenden Verlauf des Krieges immer mehr funktionalisiert werden. „Da unsre Zeit begrenzt war, konnten wir sie nicht vergeuden mit Nebensachen. Also gingen wir, spielerisch, als wär uns alle Zeit der Welt gegeben, auf die Hauptsache zu, auf uns.“(K,139) Das Ziel der Erkenntnis ist das eigene Ich. Das rein rationale, abstrahierende Denken kann jedoch eine solche Erkenntnis niemals leisten, da sein Dualismus von erkennendem Subjekt und zu erkennendem Objekt, welcher notwendig die Distanz zwischen beiden fordert, zur Spaltung des Ichs und damit wiederum zur Selbstentfremdung führen muß. Die Menschen am Skamander erproben eine neue Denkweise, die auf die Einheit von Geist und Körper, Verstand und Gefühl bzw. Sinne zielt.

Traditionelle Strukturen, gesellschaftliche Hierarchien werden aufgehoben, Einordnungen in Freie und Unfreie, in Mitglieder des einfachen Volks und die des Herrscherhauses verlieren hier jegliche Bedeutung. Dem entspricht die Aufhebung familiärer, biologischer Zuordnungen. Arisbe, die Anchises die „große Mutter“ nennt, erfüllt mit ihrem Humor, ihrer Weisheit und ihrer Lebenslust innerhalb der Gemeinschaft genau diese Funktion, ebenso kann Anchises als der ‚große Vater‘ gelten, auch wenn er so nicht explizit betitelt wird. Das Prinzip der Wahl - Elternschaft gilt ebenso für Kassandras Kinder, die von Eurypylos gezeugt wurden: „Als die Zwillinge geboren wurden … hatten sie viele Mütter. Und Aineias war ihr Vater.“(K,139f.)

„Wir sangen viel …Redeten viel, abends am Feuer in Arisbes Höhle, in der die Wandfigur der Göttin wie lebendig war …Wir hörten nicht auf zu lernen. Jede gab der anderen von ihrem ganz besonderen Wissen ab. Ich lernte Töpfe machen, Tongefäße. Ich erfand ein Muster, mit dem ich sie bemalte, schwarz und rot. Wir erzählten uns unsre Träume, viele staunten, wieviel sie uns verraten. Oft aber, eigentlich am meisten, redeten wir über die, die nach uns kämen … Wir zerbrachen uns die Köpfe, wie wir ihnen eine Botschaft hinterlassen könnten, doch wir waren der Schrift nicht mächtig. Wir ritzten Tiere, Menschen, uns, in Felsenhöhlen … Wir drückten unsre Hände nebeneinander in den weichen Ton. Das nannten wir, und lachten dabei, uns verewigen. Es wurde daraus ein Be- rührungsfest, bei dem wir, wie von selbst, die andere, die anderen berührten und kennenlernten.“(K,139)

Durch das Ausleben ihrer kreativen Fähigkeiten und durch außersprachliche Verständigung neben sprachlichem Austausch wird die gesuchte Einheit von Körper und Geist, von Sinne und Denken geschaffen. Gegenseitiges Erkennen findet in einer Einheit von Sprechen und Berühren statt; Fähigkeiten sind nicht mehr Maßstab für den Wert eines Menschen, sondern Möglichkeiten, die ohne Neid geteilt werden.

Die Farben Rot und Schwarz sind Symbolfarben für Leben und Tod, von diesen Farben träumt Kassandra auch: „Farben sah ich. Rot und Schwarz, Leben und Tod. Sie durchdrangen einander, kämpften nicht miteinander, wie ich es, sogar im Traum, erwartet hätte. Andauernd ihre Gestalt verändernd, ergaben sie andauernd neue Muster, die unglaublich schön sein konnten.“(K,130) Selbst die Trennung von Leben und Tod wird, entsprechend den uralten Mythen der Erd- und Muttergottheiten, in denen Geburt, Leben und Tod Teile des ewigen Kreislaufs sind, aufgehoben.

Anchises lehrt die Menschen am Idaberg, „wie man mit beiden Beinen auf der Erde träumt.“(K,141) Beides ist wichtig, den Realitätsbezug nicht zu verlieren, aber darüber auch nicht das Träumen zu verlernen. Ein Traum, der den Bezug zur Realität beibehält, orientiert sich nicht an den Grenzen seiner Realisierbarkeit, sondern vorrangig an der eigenen Intensität. Damit wird eine Hoffnung propagiert, die zum Handeln drängt und sich nicht vor vermeintlich unüberbrückbaren Schwierigkeiten aufgibt30.

6. Fazit und Ausblick

Alle Figuren in den behandelten Erzählungen - Kleist, Günderrode und Kassandra eingeschlossen - weisen psychische Deformierungen auf, die sich, wie gezeigt, auf ihren patriarchalen Lebenszusammenhang und den damit verbundenen dualistischen Denkstrukturen und Wertigkeiten, welche die Figuren zumindest partiell verinnerlicht haben, zurückführen lassen. Ein Denken in Gegensätzen und Subjekt-Objekt-Strukturen führt zu (Selbst) Entfremdung und innere Zerrissenheit. In beiden Erzählungen wird eine Denkweise propagiert, die auf Vereinigung des Getrennten abzielt und die Körperlichkeit wieder in ihre Rechte setzt. Es geht nicht darum, neue Wertigkeiten zwischen Geist und Körper, Verstand und Gefühl/Sinne zu schaffen, welche die körperliche Ebene bevorzugen - dies hätte ja das gleiche Muster zur Folge -, sondern vielmehr um eine Aufhebung solcher Wertungen und damit ein gleichberechtigtes Nebeneinander und vor allem Zusammenspiel dieser Pole. Die reine, unreflektierte Sinnlichkeit wirkt ebenso zerstörerisch wie die reine, abstrahierende Rationalität31.

Sowohl in „Kein Ort. Nirgends“ als auch in „Kassandra" drücken die Figuren ihre Hoffnung aus, „Spätere würden sie brauchen“(KON,143), welche das, „was wir versäumt, nachholen würden, was wir falsch gemacht, verbessern.“(K,138). „Begreifen, daß wir ein Entwurf sind - vielleicht, um verworfen, vielleicht, um wieder aufgegriffen zu werden“(KON,149). Diese Sätze lassen sich eindeutig auf die Gegenwart des Rezipienten beziehen und verweisen damit über das Werk hinaus - eine Aufforderung, die eigene Realität kritisch zu durchleuchten.

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Wolf, Christa: Kassandra. 5. Aufl., München 1997.

Wolf, Christa: Kein Ort. Nirgends. 4. Aufl., München 1997.

Sekundärliteratur

Cramer, Sibylle: Eine unendliche Geschichte des Widerstands („Kein Ort. Nirgends“, „Kassandra“). In: Sauer, Klaus (Hg.): Christa Wolf. Materialienbuch. 2. Aufl., Darmstadt, Neuwied 1983.

De Bruyn, Günter: „Sie, Kleist, nehmen das Leben gefährlich ernst“. In: Drescher, Angela (Hg.): Christa Wolf. Ein Arbeitsbuch. Berlin, Weimar 1989.

Engler, Jürgen: Herrschaft der Analogie. Christa Wolf, „Kein Ort, Nirgends“. In: Drescher, Angela (Hg.): Christa Wolf. Ein Arbeitsbuch. Berlin, Weimar 1989.

Firsching, Annette: Kontinuität und Wandel im Werk von Christa Wolf. Würzburg 1996 (= Würzburger Beiträge zur deutschen Philologie 16).

Greiner, Bernhard: „Mit der Erzählung geh ich in den Tod“: Kontinuität und Wandel des Erzählens im Schaffen von Christa Wolf. In: Drescher, Angela (Hg.): Christa Wolf. Ein Arbeitsbuch. Berlin, Weimar 1989.

Goettner-Abendroth, Heide: Die Göttin und ihr Heros. Die matriarchalen Religionen in Mythos, Märchen und Dichtung. München 1980.

Gutjahr, Ortrud: „Erinnerte Zukunft“. Gedächtnisrekonstruktion und Subjektkonstitution im Werk Christa Wolfs. In: Mauser, Wolfram (Hg.): Erinnerte Zukunft. Elf Studien zum Werk Christa Wolfs. Würzburg 1985.

Hilzinger, Sonja: Christa Wolf. Stuttgart 1986 (= Metzler Realien zur Literatur)

Hilzinger, Sonja: Weibliches Schreiben als eine Ästhetik des Widerstands. Über Christa Wolfs „Kassandra“-Projekt. In: Drescher, Angela (Hg.): Christa Wolf. Ein Arbeitsbuch. Berlin, Weimar 1989.

Hirdina, Karin: Begegnung zwischen den Zeiten. Christa Wolf, „Kein Ort. Nirgends“. In: Drescher, Angela (Hg.): Christa Wolf. Ein Arbeitsbuch. Berlin, Weimar 1989.

Jäger, Manfred: Die Grenzen des Sagbaren. Sprachzweifel im Werk von Christa Wolf. In: Sauer, Klaus (Hg.): Christa Wolf. Materialienbuch. 2. Aufl., Darmstadt, Neuwied 1983.

Kunert, Günter: Zweige vom selben Stamm. In: Sauer, Klaus (Hg.): Christa Wolf.

Materialienbuch. 2. Aufl., Darmstadt, Neuwied 1983.

Legg, Suzanne: Zwischen Echos leben. Christa Wolfs Prosa im Licht weiblicher Ästhetikdebatten. Essen 1998 (= Literatur: Männlichkeit / Weiblichkeit, Bd. 5).

Maisch, Christine: Ein schmaler Streifen Zukunft. Christa Wolfs Erzählung „Kassandra“. Würzburg 1986.

Mauser, Helmtrud: Zwischen Träumen und Wurfspeeren. „Kassandra“ und die Suche nach einem neuen Selbstbild. In: Mauser, Wolfram (Hg.): Erinnerte Zukunft. Elf Studien zum Werk Christa Wolfs. Würzburg 1985.

Quernheim, Mechthild: Das moralische Ich. Kritische Studien zur Subjektwerdung in der Erzählprosa Christa Wolfs. Würzburg 1990 (= Epistemata: Reihe Literaturwissenschaft, Bd. 46).

Renner, Rolf Günter: Mythische Psychologie und psychologischer Mythos. Zu Christa Wolfs „Kassandra“. In: Mauser, Wolfram (Hg.): Erinnerte Zukunft. Elf Studien zum Werk Christa Wolfs. Würzburg 1985.

Roebling, Irmgard: „Hier spricht keiner meine Sprache, der nicht mit mir stirbt.“ Zum Ort der Sprachreflexion in Christa Wolfs „Kassandra“. In: Mauser, Wolfram (Hg.): Erinnerte Zukunft. Elf Studien zum Werk Christa Wolfs. Würzburg 1985.

Risse, Stefanie: Wahrnehmen und Erkennen in Christa Wolfs „Kassandra“. Pfaffenweiler 1986 (= Reihe Sprach- und Literaturwissenschaft, Bd. 10).

Weigel, Sigrid: „Blut ist im Schuh“. Die Bedeutung der Körper in Christa Wolfs Prosa. In: Vanhelleputte, Michael (Hg.): Christa Wolf in feministischer Sicht. Frankfurt a. M., Berlin, Bern u.a. 1992 (= Europäische Hochschulschriften: Reihe 1, Deutsche Sprache und Literatur, Bd.1301).

[...]


1 Vgl. Risse, Stephanie: Wahrnehmen und Erkennen in Christa Wolfs Erzählung „Kassandra“. Pfaffenweiler 1986. S.7f. (Kurztitel: Risse)

2 Vgl. Goettner-Abendroth, Heide: Die Göttin und ihr Heros. Die matriarchalen Religionen in Mythos, Märchen und Dichtung. München 1980.

3 Vgl. KON, S.98

4 Diese Grundsätze gelten ihm auch für die Literatur, die sich den Regeln von Angebot und Nachfrage zu unterwerfen und sich grundsätzlich einem konservativen Ästhetikbegriff zu unterstellen habe. Seine Bevorzugung von „Ritterstücken“ (KON, 27) zeigt, wozu ein solcher Ästhetikbegriff führt: Trivialliteratur.

5 Die Frau, die er sich vorstellt, muß „das rechte Verhältnis von Selbständigkeit und Hingabe“ (KON, 73) gefunden haben, sie soll „nicht zu weich sein und zu wehmütig und zu sehnsüchtig“, das Bild einer Frau, die sich ins Gegebene (Unterordnung unter den Mann) zu schicken weiß.

6 die schon durch die Distanz des Lesers, der in der Zeit lebt, in die sich der Wissenschaftler wünscht, ad absurdum geführt wird, da die „Entfaltung der Wissenschaften“ längst nicht zu den „paradiesischen Zuständigkeiten“ (KON, 100) geführt hat, die sich jener ausmalt

7 Auch sein Frauenbild ist patriarchalisch, zum einen weist Günderrode, die „es sich herausnehme, in einem für ihr Geschlecht ungewöhnlichen Maße gerecht zu sein“ (KON, 34), wiederholt in ihre Schranken - sprich: der unterwürfigen Rolle einer Frau dieser Gesellschaft -, zum anderen hat er versucht, sie zu überwältigen, was immer auch das heißen mag! (vgl. KON, 34)

8 Dieser Selbstzerstörungstrieb erreicht seinen Höhepunkt, als sie sich öffentlich Achill anbietet - Achill, der Inbegriff aller kriegerischen Destruktivität!

9 „Er, der Grieche, bangte nicht um Troia, nur um sein Leben.“ (K, 26)

10 Sein qualvoller Tod führt die Absurdität seines Verhaltens vor Augen - seine Legitimierung des troianischen Machtapparats, der sich unverweigerlich gegen ihn, den Griechen (!) richten muß. Die Überlebensstrategie Eigennutz versagt.

11 „Ausgeschlossen, es nicht zu bemerken, wenn das eigne Gegenbild einem gegenübertritt.“(KON, 41)

12 „Ich kann die Welt in gut und böse nicht teilen; nicht in zwei Zweige der Vernunft, nicht in gesund und krank. Wenn ich die Welt teilen wollte, müßt ich die Axt an mich selber legen, mein Inneres spalten“ (KON, 106)

13 M. Quernheim schreibt dazu: „Diese Befangenheit in traditionellen Vorstellungen gründet wie auch bei den anderen Männern in der Angst, sich selbst im anderen Geschlecht erkennen zu müssen und auf diese Weise die eigene defizitäre Existenz zu erfahren.“ Quernheim, Mechthild: Das moralische Ich. Kritische Studien zur Subjektwerdung in der Erzählprosa Christa Wolfs. Würzburg 1990 (= Epistemata: Reihe Literaturwissenschaft, Bd. 46), S.213. [Kurztitel: Quernheim]

14 Vgl. KON, S.28, S.33f., S.73, S.94

15 Sonja Hilzinger schreibt hierzu: „Wolf rekurriert … in einer nicht unproblematischen Weise auf ein aggressionsfreies, humanitäres weibliches Wesen, das all jene Sozialisationseigenschaften versammelt, die in jahrhundertelanger patriarchaler Herrschaft den Frauen anerzogen wurden.“ Hilzinger, Sonja: Weibliches Schreiben als eine Ästhetik des Widerstands. Über Christa Wolfs „Kassandra“-Projekt. In: Drescher, Angela (Hg.): Christa Wolf. Ein Arbeitsbuch. Berlin, Weimar 1989. S.112

16 Vgl. KON, S.74

17 Vgl. K, S.16

18 Hierzu sei genannt: 1. Der Initiationsritus im Tempelhof, bei dem Kassandra erlebt, daß sie als Frau zum Objekt gemacht wird - und zum ersten Mal mit der neuen Ordnung konfrontiert wird, die sich über die Verfügbarkeit der Frau konstituiert. (vgl. Quernheim, S.298)Quernheim liest in der Tatsache, daß Kassandra nicht Wut oder Haß angesichts dieses Erlebnisses, sondern Scham empfindet, einen Hinweis darauf, wie sehr Kassandra bereits männliche Normen verinnerlicht hat. (ebd.) 2. Der Suizid ihres Halbbruders Aisakos, die Lüge über seine Reinkarnation und die Erfahrung, daß zum einen ihre Anfälle als Ausdruck von Wahnsinn abgewertet werden, zum anderen ihre Trauer - die sich in einem ersten Anfall äußert - am Königshof keine Berechtigung zu erhalten scheint.

19 „Den ich als Kind über alle Menschen liebte. Der es nicht ganz genau nahm mit der Wirklichkeit … in Pantasiewelten leben konnte.“ (K, 16)

20 „Hekabe die Mutter hat mich früh erkannt und sich nicht weiter um mich gekümmert. Dieses Kind braucht mich nicht, hat sie gesagt. Dafür hab ich sie bewundert und gehaßt.“(K, 14)

21 Firsching schreibt hierzu: „Die Liebe zum Vater bindet sie in eine Loyalität und ein Wir, das eine Abgrenzung nicht erlaubt.“ (Firsching, Annette: Kontinuität und Wandel im Werk von Christa Wolf. Würzburg 1996 (= Würzburger Beiträge zur deutschen Philologie 16), S.199. [Kurztitel: Firsching]

22 Hiervon zeugt auch die Rücksichtslosigkeit Kassandras ihrer Schwester Polyxena bei der Bewerbung um das Priesteramt gegenüber, im patriarchalen Denkmuster wird die Schwester zur Rivalin, deren Bedürfnisstruktur nicht mehr wahrgenommen werden kann.

23 Vgl. K, S.30

24 Vgl. K, S.65f.

25 Vgl. KON, S.16

26 Vgl. KON, S.9f.

27 Der Wahnsinn ist auch in dem Namen Hölderlins, der mehrfach genannt wird, unterschwellig präsent.

28 Auch in KON findet sich diese Verbindung von Körper und Seele, die innere Zerrissenheit von Kleist und Günderrode spiegelt sich in ihren körperlichen Gebrechen (Kleists Schwächeanfälle, Günderrodes Atemprobleme und Kopfschmerzen) wider. Vgl. auch KON, S.123: „Zugleich spüren sie ein Bedauern, ein Mitleid mit der unterdrückten Sprache ihrer Körper.“

29 Vgl. K, S. 63

30 In KON formuliert Karoline von Günderrode vergleichbar: „Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt."“(KON,147)

31 Als Beispiele seien genannt: 1. Die entfesselten, ekstatischen Frauen töten in ihrer Trauer um Penthesilea den Apollonpriester Panthoos, der mit dem Vorfall zunächst nichts zu tun hatte (vgl. K,126f.): „Ein Zug zu keinem Ort, den es auf Erden gibt: dem Wahnsinn zu … Menschenunähnlich, wie die Leiche war, wurden ihre Begleiterinnen.“ 2. Der Verstand ist Voraussetzung für Humanität. Positiv wird dies in der Abschaffung des Knabenopfers ausgedrückt (vgl. K,38) 3. Die Folgen, die eine Überbetonung des rationalen, abstrahierenden Denkens mit sich bringt, wurden in dieser Arbeit bereits aufgezeigt. Darüber hinaus wird das Knabenopfer an dieser Stelle in dem Tod von Kassandras Bruder Troilos in veränderter Form wieder eingeführt (vgl. K,78f.).

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Sprache, Subjektkonstitution und Utopie in Christa Wolfs Erzählungen "Kein Ort. Nirgends" und "Kassandra".
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V104377
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache, Subjektkonstitution, Utopie, Christa, Wolfs, Erzählungen, Kein, Nirgends, Kassandra
Arbeit zitieren
Inga Schröder (Autor), 2001, Sprache, Subjektkonstitution und Utopie in Christa Wolfs Erzählungen "Kein Ort. Nirgends" und "Kassandra"., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104377

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