Das deutsche Schulsystem gliedert sich in drei Stufen, die Primärstufe, die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II. Darüber hinaus gibt es allerdings wenig einheitliche Regelungen, denn die Bildungshoheit liegt bei den Ländern. Man findet die unterschiedlichsten Schulformen; jedoch haben alle eines gemeinsam: Es gibt einen Unterrichtsablauf, der von dem oder der Lehrer*in bestimmt wird. Außerdem gibt es fremdbestimmte Leistungsbeurteilungen, wenn auch an manchen Schulen keine Noten (wohl aber Beurteilungen) vergeben werden (z. B. Waldorfschule).
Das Paradigma, dass es Lernvorgaben und Bewertungen für die Jugendlichen geben müsse, scheint genauso tief
verankert zu sein wie die Annahme, dass von alleine - ohne Stundenpläne - nicht viel passiert in der Schule.
An einer Demokratischen Schule verhält es sich anders: dort werden Unterrichtskurse nur als eine von vielen verschiedenen Lernmöglichkeiten gesehen. Schüler*innen einer Demokratischen Schule entscheiden selbst, was und wie sie lernen, und
machen ihre Umgangsregeln selbst nach dem Grundsatz: Ein Mensch - eine Stimme. Über diese Schulen soll die folgende Arbeit handeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte
3. Merkmale und Struktur
4. Pädagogische Überlegungen
5. Rechtliche Grundlagen
6. Demokratische Schulen und Inklusion
7. Evaluationen und Studien
8. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Demokratischen Schule, um zu ergründen, wie ein Bildungssystem gestaltet sein kann, in dem Schüler*innen eigenverantwortlich und partizipativ lernen können, und welche Auswirkungen dies auf ihre Entwicklung und Kompetenzen hat.
- Historische Entwicklung demokratischer Bildungsansätze
- Strukturmerkmale und Selbstverwaltung in Demokratischen Schulen
- Pädagogische Grundhaltungen und Inklusionspotentiale
- Rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland
- Empirische Befunde zu Lern- und Sozialkompetenzen
Auszug aus dem Buch
3. Merkmale und Struktur
Es gibt einige Schnittmengen zwischen Demokratischen Schulen und der reformpädagogischen Bewegung des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Grenzen zwischen Demokratischen Schulen und Reformschulen nach Maria Montessori, Rudolf Steiner, Celestine Freinet oder Peter Peterson schwimmen teilweise. Allerdings gibt es auch Auffassungen darüber, was unter einer Demokratischen Schule zu verstehen ist bzw. „unterschiedliche Interpretationen“ der Idee. Es gibt noch keine einheitliche „Theorie der Demokratischen Schule“. (Graner in unerzogen Magazin 2/2020). Innerhalb der verschiedenen Schultypen der freien Alternativschulen nach ihrer Selbstdefinition (vgl. Bundesverband Freier Alternativschulen e.V.) machen konstitutionell-basisdemokratische Konzepte nach Randoll et.al. nur 10 - 15% aus (Randoll et.al. 2017: 5 und Abbildung 1).
Die EUDEC definiert als drei Kennzeichen Demokratischer Schulen:
1. die Schüler*innen können selbst über ihren Tagesablauf entscheiden, insbesondere wie, was, wann und mit wem sie lernen;
2. sie haben eine gleichberechtigte Teilhabe in den Entscheidungen, die das Organisatorische der Institution betreffen, insbesondere ob und ggf. welche Regeln und Sanktionen notwendig sind
3. sie genießen jede Freiheit solange sie niemand anderen in seiner oder ihrer Freiheit einschränken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das bestehende deutsche Schulsystem dem Konzept der Demokratischen Schule gegenüber, in dem Schüler*innen ihre Lernprozesse und Umgangsregeln eigenständig bestimmen.
2. Geschichte: Dieses Kapitel zeichnet die historischen Wurzeln von Selbstbestimmung in der Pädagogik nach, von frühen Reformansätzen über Leo Tolstoi bis hin zur Entstehung der Summerhill School und Sudbury Valley School.
3. Merkmale und Struktur: Hier werden die definitorischen Grundlagen und die wesentlichen organisatorischen Kennzeichen demokratischer Schulen erläutert, wie sie etwa durch die EUDEC beschrieben werden.
4. Pädagogische Überlegungen: Dieses Kapitel beleuchtet die pädagogische Grundhaltung, die auf Selbstbestimmung, Inklusion und gegenseitigem Respekt basiert, und diskutiert die Rolle von Partizipation für die Kompetenzentwicklung.
5. Rechtliche Grundlagen: Es wird analysiert, wie Demokratische Schulen in das deutsche Schulrecht, insbesondere in das Konzept der „Ersatzschule“, eingeordnet werden und welche Herausforderungen bei der Genehmigung entstehen.
6. Demokratische Schulen und Inklusion: Dieses Kapitel setzt das Prinzip der Selbstbestimmung in Bezug zur inklusiven Bildung und diskutiert, inwieweit Demokratische Schulen Anforderungen an Diversität und sonderpädagogischen Förderbedarf gerecht werden.
7. Evaluationen und Studien: Eine Übersicht über vorhandene empirische Studien zur Wirksamkeit demokratischer Ansätze auf die Entwicklung von Sozial- und Lernkompetenzen der Schüler*innen.
8. Schluss: Der Schluss bilanziert die Bedeutung demokratischer Bildung im Kontext einer sich wandelnden Welt und des zunehmenden Bedarfs an Selbstkompetenz und Partizipationsfähigkeit.
Schlüsselwörter
Demokratische Schule, Selbstbestimmung, Partizipation, Schulreform, Inklusion, Ersatzschule, Lernautonomie, Bildungsgeschichte, Schulentwicklung, freie Alternativschulen, Kompetenzentwicklung, Sozialkompetenz, Summerhill, Sudbury Valley, Partizipationsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der Demokratischen Schule als Alternative zum Regelschulwesen, mit Fokus auf deren Struktur, Geschichte und pädagogische Wirkungsweise.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Themenfeldern zählen die historische Genese der Selbstverwaltung, die praktische Umsetzung demokratischer Partizipation, rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland sowie die wissenschaftliche Evaluation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Modell der Demokratischen Schule fundiert darzustellen und zu hinterfragen, wie sich die Freiheit der Lernenden auf deren Bildungsweg auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Studium von Reformkonzepten sowie der Auswertung empirischer Studien zur Wirksamkeit demokratischer Erziehung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Erläuterung der Strukturmerkmale, pädagogische sowie rechtliche Analysen und einen Vergleich mit inklusiven Ansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Demokratische Schule, Selbstbestimmung, Partizipation, Lernautonomie und inklusive Bildung.
Wie werden Demokratische Schulen rechtlich in Deutschland eingeordnet?
Sie werden in der Regel als sogenannte „Ersatzschulen“ genehmigt, müssen jedoch die staatlichen Vorgaben der Bundesländer erfüllen, was oft zu Konflikten in der pädagogischen Umsetzung führt.
Welche Rolle spielt die Partizipation bei der Inklusion in diesen Schulen?
Die Partizipation fördert ein gleichberechtigtes Miteinander, das als Basis für inklusive Prozesse dient, wenngleich die Umsetzung in der Praxis stark von der Ausstattung und dem schulinternen Klima abhängt.
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- David Berger (Author), 2020, Demokratische Schulen. Geschichte, Aufbau und rechtliche Grundlagen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1043948