Wieviel Energie können wir einsparen?


Ausarbeitung, 2001
4 Seiten

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Wieviel Energie können wir einsparen ?

von Joachim Grawe (email: joachim.grawe@energie-fakten.de)

Hier die Fakten (vereinfachte Kurzfassung)

Energiesparen ist eine – heute unbestrittene

– Notwendigkeit. Im 20. Jahrhundert wurden dabei schon große Erfolge erzielt. Die Energie-Intensität der deutschen Volkswirtschaft (Energieverbrauch je 1000 $ Sozialprodukt) ist in den letzten 25 Jahren um den Rekordwert von 36 % zu- rückgegangen. International ist Deutsch- land in der Effizienz des Energieeinsatzes führend. Die Sicherung der Versorgung und der Klimaschutz erfordern aber weitere Anstrengungen sowohl bei der Bereitstellung wie bei der Nutzung von Energie.

Verhaltensänderungen der Verbraucher, technische Verbesserungen bei Gebäuden, Maschinen und Geräten, u. a. durch Mikro- elektronik, und Wechsel zu besseren Ver- fahren sind die Wege zu mehr Energie- sparen. Dazu kommt der Verzicht auf unnötige Energiedienstleistungen. Preisan- hebungen haben bei Strom und – eingeschränkt – auch bei Benzin nur begrenzte Wirkungen.

Die oft genannten technischen Spar- potentiale besagen wenig. Es kommt auf die ökonomisch-ökologisch realisierbaren Potentiale an. Spezifische Einsparwerte, etwa je Produkteinheit in der Industrie, führen nicht unbedingt zu absoluten Ver- brauchssenkungen. Steigende Produktion (oder in anderen Bereichen die Bevorzu- gung größerer Autos oder mehr Kleinhaus- halte mit eigenem Grundbedarf) kann die spezifischen Rückgänge überkompen- sieren. Letztlich lassen sich fundierte Aus-

sagen darüber, wieviel Energie bis 2010 oder 2020 voraussichtlich wirklich einge- spart wird, nicht machen.

Unerläßlich ist die Unterscheidung zwi- schen Raum- und Prozeßwärme, Treibstoffen (Straßen- und Luftverkehr) und Strom. Auf Raum- und Prozeßwärme entfällt mit mehr als 60 % der bei weitem größte Anteil am Endenergieverbrauch. Bei den privaten Haushalten ist dieser noch weit höher. Der Stromverbrauch wird trotz aller Sparerfolge weiter zunehmen. Hier gilt der Satz: „Immer weniger Strom je Anwendung, aber immer mehr Anwen- dungen von Strom“. Vielfach ermöglicht erst der (geringe Mehr-) Einsatz von Strom die Verringerung des Verbrauchs an Brennstoffen für die Wärmeerzeugung. Man spricht dann von „Ökowatts“ als Pendant zu den „Negawatts“ (Stromein- sparungen).

Der von E.-U. von Weizsäcker als Ziel vorgeschlagene „Faktor 4“ in der Ver- besserung der Energie-Produktivität (vier- fach bessere Energieausnutzung) würde 46 Jahre lang jährlich zweieinhalbmal so hohe Sparerfolge bedingen wie im langjährigen Durchschnitt (gut 1 % pro Jahr). Das ist wenig realistisch. Nicht einfach „weg- sparen“ läßt sich der Atomstrom. Er deckt immerhin die Hälfte unseres Grundlast- bedarfs.

Hier die Fakten (fachspezifische Langfassung):

Energiesparen verringert den Energie- verbrauch durch Verzicht auf Energie- Dienstleistungen (z. B. Brötchen holen mit dem Fahrrad statt dem Auto) oder bessere Ausnutzung der eingesetzten Energie, also höhere Energie-Produktivität, d. h. die gleiche Energie-Dienstleistung wird mit weniger Aufwand an (Primär-) Energie erbracht. Ein geringerer Verbrauch des gleichen Energieträgers bewirkt geringere Inanspruchnahme der Ressourcen, weniger Umweltbelastung, höhere Versorgungs- sicherheit, reduzierte Abhängigkeit von Importen und niedrigere Kosten (sofern nicht hohe Investitionen erforderlich sind). Die Energieanwendung ist „rationell“, wenn nicht nur die Energie, sondern alle Produktionsfaktoren (auch z. B. Kapital) optimal eingesetzt werden.

Im 20. Jahrhundert wurden bei der Ener- gie-Effizienz gewaltige Fortschritte erzielt. Die ersten elektrischen Glühlampen („Birnen“) hatten eine Lichtausbeute von weniger als 10 Lumen (lm) je Watt (W) Leistung. Moderne Kompakt-Leuchtstoff- lampen (KLL) bringen es auf 80 lm/W, Natriumdampf-Hochdrucklampen sogar auf 150 lm/W. Die ersten Dampfkraft- werke vor hundert Jahren brauchten 11 kg Steinkohle zur Erzeugung von 1 kWh Strom. Heute werden nur noch gut 300 g benötigt. Ein modernes Niedrigenergiehaus kommt mit weniger als 7 l je m² Heizöl im Jahr aus. Ein Nachkriegs-Altbau ver- schlingt das Dreifache und oft noch mehr. Hocheffiziente Heizungen mit Brennwert- kessel erreichen heute eine Energieaus- nutzung von über 90 %. Viele elektrische Haushaltsgeräte benötigen nur noch halb

so viel Strom wie ihre Vorgänger. Die heutigen PKW und Flugzeuge verbrauchen je kW Leistung deutlich weniger Treibstoff als früher. Solche energiesparenden Anla- gen, Fahrzeuge und Geräte müssen aber noch weiter verbreitet werden.

Die beiden Ölpreiskrisen der 1970er Jahre brachten entscheidende Anstöße. Der Kehrwert zur Energie-Produktivität, die Energie-Intensität (Energieaufwand je 1000 $ reales Brutto-Inlandsprodukt), ist in den letzten 25 Jahren um den Rekordwert von 36 % zurückgegangen, diejenige der Industrie hat sich seit 1960 sogar mehr als halbiert. Dazu haben allerdings der Strukturwandel weg von der Grundstoffin- dustrie hin zu Dienstleistungen und der in- dustrielle Einbruch in Ostdeutschland beigetragen.

Dennoch leistet insgesamt erst gut 1/3 Drittel der in unserer Volkswirtschaft ein- gesetzten Energie nützliche Arbeit. 2/3 gehen verloren, teils bei der Umwandlung von Primärenergien wie z. B. Kohle in Strom in Kraftwerken oder Rohöl in Benzin in Raffinerien, vor allem aber bei der Nutzung durch die Verbraucher (in erster Linie Raumheizung und Autos). Im internationalen Vergleich erreicht Deutschland damit jedoch eine hohe Energie-Produktivität: Sowohl beim spezifischen Primärenergie - wie beim spezifischen Stromverbrauch sind wir - von Irland abgesehen - führend. Der Durchschnitt der Industrieländer liegt um 15 % höher. Nirgendwo verbraucht die Industrie weniger Energie je Produktein- heit als hierzulande, und nirgendwo ist der Kraftwerkspark effizienter.

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Details

Titel
Wieviel Energie können wir einsparen?
Autor
Jahr
2001
Seiten
4
Katalognummer
V104398
Dateigröße
337 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rationell, rationelle Energie, Energie, Grawe, Joachim Grawe, sparen, einsparen, Energie sparen, Einsparung
Arbeit zitieren
Joachim Grawe (Autor), 2001, Wieviel Energie können wir einsparen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104398

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