Die ontogenetische Entwicklung des Wissens (Piaget)


Ausarbeitung, 2001

13 Seiten, Note: 1.3


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Gliederung:

1. Einleitung

2. Begriffsklärung

3. Piagets Theorie der Strukturgenese
3.1. Schemata - Strukturen - Inhalte
3.1.1. Schemata
3.1.2. Strukturen
3.2. Assimilation - Akkommodation - Kreisreaktion
3.3. Äquilibration
3.4. Interiorisierung

4. Ontogenese des Wissens
4.1. Strukturen als kognitive Repräsentation der Umwelt
4.2. Prozeß der Wissensgenese auf Grundlage der Strukturgenes
4.3. Einordnung des strukturgenetischen Wissens

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Ontogenese des Wissens auf der Grundlage der Theorie der Strukturgenese von Piaget. Piaget lebte von 1896 bis 1980 und war nicht nur ein berühmter schweizer Psychologe, sondern auch einer der führenden Entwicklungstheoretiker seiner Zeit. Besondere Verdienste hatte er bei der Erforschung des Verhaltens von Kindern.

Im Folgenden soll nun der Frage nachgegangen werden, was Wissen im Sinne der Strukturgenese ist und nach welchen Regeln es sich entwickelt. Zunächst wird auf die Strukturgenese selbst eingegangen, um dann mit ihr die Ontogenese des Wissens zu erläutern. Dabei geht es stets um die Entwicklung des Wissen eines Individuums.

2. Begriffsklärung

Zu Beginn sollen zunächst die Begriffe Ontogenese, Entwicklung und Wissen kurz im Hinblick auf Entwicklungstheorien definiert und in Bezug zum Thema gestetzt werden.

Die Ontogenese ist nach Definition die Entwicklung des Individuums von der Eizelle bis zu seinem geschlechtsreifen Zustand (vgl. Duden "Fremdwörterbuch"). Als ein zentrales Forschungsobjekt von psychologischen Entwicklungstheorien geht es dabei um die Frage, wie aus befruchteten Eizellen erwachsene Persönlichkeiten mit bestimmten Fähigkeiten, Einstellungen, Verhaltensweisen usw. entstehen und in welcher Weise und nach welchen Gesetzen die heranwachsenden Personen sich in der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt ständig weiter verändern. (vgl. Seiler S.99) Ontogenese ist also die Entwicklung des Menschen, seiner Fähigkeiten, Einstellungen, Verhaltensweisen und Erfahrungen von der Geburt bis zum Alter eines Teenagers.

Der Begriff der Entwicklung bezeichnet im engeren Sinne einen kontinuierlichen Prozeß von Veränderung. Im Rahmen der psychologischen Entwicklungstheorien geht es dabei um den Aufbau, die Erweiterung und Umgestaltung vor allem geistiger Fähigkeiten und Handlungskompetenzen, möglicherweise aber auch um deren Verminderung und Umschichtung. Kurz: es geht um die Veränderung der gesamten menschlichen Persönlichkeit. (vgl. Seiler S.99)

"Wissen ist der Inbegriff von (in erster Linie rationalen) Kenntnissen. Man katagorisiert Wissen nach seinen jeweiligen Funktionen. Es gibt unter anderem

Leistungswissen, das der äußeren Daseinsgestaltung dient und Bildungswissen, das die Persönlichkeit formt und den geistigen Horizont erweitert. ..." (Brockhaus S. 411) Man könnte Wissen einfacher als eine Sammlung von Informationen, Erfahrungen, Vorstellungen und Begriffen definieren.

Die ontogenetische Entwicklung des Wissens ist also ein kontinuierlicher Prozeß von Veränderung eines Menschen im Kindesalter bezüglich seiner Erfahrungen, Vorstellungen und Begriffen und den daraus resultierenden geistigen Fähigkeiten und Handlungskompetenzen.

3. Piagets Theorie der Strukturgenese

3.1. Schemata - Strukturen - Inhalte

3.1.1. Schemata

Einer der grundlegendsten Begriffe Piagets ist der des Schemas. Schemata sind im Allgemeinen Aktivitäten oder auch Handlungsmuster, mit denen man auf eine typische Weise, eine bestimmte Klasse von Umweltgegebenheiten handhabt. Diese Umweltgegebenheiten bezeichnet Piaget als Inhalte. Schemata sind für Piaget die Grundelemente (menschlichen) Verhaltens. Ein gutes Beispiel ist das Wurf-Schema, also das Handlungsmuster etwas zu werfen. Es ist eine einfache und teilweise typische Weise, mit einem Gegenstand umzugehen. Solche Gegenstände können dabei sehr verschieden sein, müssen aber der Klasse der werfbaren Gegenstände angehören. Das trifft beispielsweise auf Tennisbälle, Steine oder Blumenvasen zu. (vgl. Flammer 120) Anfaßbare Gegenstände sind dabei aber als nur eine Form von Umweltgegebenheiten zu sehen. Viel öfter ist die Rede von nicht greifbaren Dingen oder Situationen.

3.1.2. Strukturen

Mit einzelnen Schemata kann ein Individuum jedoch außer wirre Aktivität nicht viel zustande bringen. Erst durch eine organisierte Verbindungen von Schemata wird ein befriedigender Austausch mit der Umwelt möglich, gerade auch bei komplexeren Zusammenhängen (Situationen, Gegenständen). Piaget spricht dabei von sogenannten Strukturen. Ein Beispiel für eine Struktur ist die Koordination der Schemata 'zuhören', 'fragen', 'mitteilen', 'antworten', 'nachdenken', die eine Konversation ermöglicht. (vgl. Flammer S.118/119) Strukturen sind also Systeme bestehend aus diversen Handlungsschemata als Elemente und den Beziehung

zwischen diesen. Sie selbst stehen ebenfalls in Wechselwirkung miteinander, verbinden sich zu noch komplexeren Systemen und verändern sich ständig. (vgl. Seiler S.105) Sie sind die organisierte Verbindungen von Schemata, welche wiederum nach Piaget die Grundelemente des Verhaltens sind. Aus diesem Grund sind sie die Grundlage komplexeren menschlichen Verhaltens und ihre Entwicklung ist die Entwicklung eben dessen. Oder: Die strukturgenetische Sicht auf das menschliche Verhalten setzt es mit den Schemata und ihrer Koordination, den Strukturen, gleich. Diese treiben durch ihre Aktivität den Entwicklungsprozeß voran und sind gleichzeitig Ursprung, Träger und Ergebnis dieser Entwicklung. (vgl. Seiler S.109)

3.2. Assimilation - Akkommodation - Kreisreaktion

Die generelle Funktion des Verhaltens und somit der Schemata und Strukturen, ist die gegenseitige Anpassung (Piaget sagt: Adaptation) zwischen Organismus und Welt. Diese Adaptation wird durch zwei komplementären Mechanismen, der Assimilation und der Akkommodation, getragen.

"Assimilation bedeutet die subjektgeleitete Angleichung der Umweltgegeben- heiten an die Handlungsmöglichkeiten [(Schemata)] des Subjektes." (Flammer S.117) Ein Beispiel ist, wenn ein Kleinkind ein Wurzelstück als Stuhl verwendet:

Es trifft auf einen neuen Gegenstand, das Wurzelstück. Es weiß nicht was das ist und was man damit macht. Ihm stehen aber bereits eine Anzahl von mehr oder weniger relevanten Schemata und Strukturen zur Verfügung (z.B. 'draufstellen', 'nach der Mutter rufen', 'drüberspringen', 'weinen', 'draufsetzen', usw.) Mit Hilfe dieser verschiedenen Handlungsmöglichkeiten wird es nun versuchen, mit diesem neuen Gegenstand umzugehen. Dabei wird es diese Schemata auf den Gegenstand anwenden, versuchen ihn auf diese Weise in irgendeines dieser Schemata 'zu pressen', ihn zu assimilieren. Bringt nun eines dieser Schemata eine gewisse Befriedigung (Erfolg, Nutzen), so wird der Gegenstand der Klasse 'zugeordnet', auf die dieses Schema gewöhnlicherweise angewendet wird. Kommt es also wieder an ein Wurzelstück, wird es sich vermutlich zunächst wieder draufsetzen. Der Gegenstand 'Wurzelstück' ist damit vom Handlungsschema 'Sitzen' assimiliert worden.

13 von 13 Seiten

Details

Titel
Die ontogenetische Entwicklung des Wissens (Piaget)
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Veranstaltung
Blockseminar: Wissensproduktion in sozialen Systemen
Note
1.3
Autor
Jahr
2001
Seiten
13
Katalognummer
V104408
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Piaget, Wissen, Strukturgenese, Ontogenese, kognitiv
Arbeit zitieren
Thomas Fourier (Autor:in), 2001, Die ontogenetische Entwicklung des Wissens (Piaget), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104408

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