Hebephrenie - desorganisierter Typus der Schizophrenie


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
7 Seiten, Note: 15 Punkte

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Hebephrenie - desorganisierter Typus der Schizophrenie

- im ICD 10 : F20.1

- Begriff : - 1871 von Ernst Hecker geprägt

- in Pubertät auftretende Störung mit Depressivität, periodischer Erregung, gedanklicher Verwirrung, welche in ihrem Fortschreiten bis zum völligen psychischem Abbau führen kann

- Beginn : - in Pubertät bis frühem Erwachsenenalter

- Leistungsknick typisch

- In Vorstadien oft Beschäftigung mit Bereichen wie Religion, Philosophie, Esoterik, Parapsychologie in inadäquater Weise

- meist beim kontaktärmeren Patiententyp

- Entwicklung zu "hebephrener Form" auch bei späterem Krankheitsbeginn mit primär paranoid-halluzinatorischer Symptomatik möglich

- Symptome : - in reinster schizophrener Form, von Grundstörungen der Affektivität, Assoziation & Umweltverhalten geprägt

- gehen am häufigsten mit der präschizophrenen Persönlichkeitsstruktur einher, d. h. sie laufen am häufigsten auf Verformungen der

Persönlichkeitsstruktur hinaus

- affektive Störungen - läppische Gestimmtheit / Grundstimmung

- Affektindolenz (Gleichgültigkeit, Unempfindlichkeit, Trägheit, Verflachung) = flach & unangemessen wirkende Gefühle

- emotionale Reaktionen oft situationsunangemessen

- Grinsen, Grimassieren, Manierismen, Faxen, lautes Lachen ohne erkennbaren Grund

- Geziertheit, pathetische Ausdrücke & Mimik

- Kontaktstörungen - Rückzug aus sozialem Umfeld

- Beziehungslosigkeit

- Regression (= Abwehrmechanismus mit Zurücknehmen reifer & differenzierter psychischer Verhaltensweisen auf niedrigere Stufen zur Entlastung in als unerträglich empfundener Situation)

- auch / gelegentliche Enthemmung

- Denkstörung - formal, evt. sehr stark ausgeprägt

- abschweifend, abgerissen, zerfahren

- konfus, inkohärent (unzusammenhängend)

- Realitätskontakt extrem verarmt

- tiefe Verwirrung

- Stimmen hören / Wahngedanken / Halluzinationen müssen nicht im Vordergrund stehen

- charakteristisches Verhalten der Patienten

- nicht krankheitseinsichtig (z. B. "ich brauch doch keine Therapie..."Hr. S.)

- gewöhnlich aktiv, Handeln jedoch ohne Plan & Ziel, getrieben, zappelig, ungehalten ( z. B. dauernd nach dem Brenntermin fragen - Hr. S. )

- fordernd, ungeduldig = bei Nichterfüllung leicht dysphorisch (=bedrückter, gereizter Stimmung)

- äußeres Erscheinungsbild & soziale Umgangsformen verfallen, unverständliche Sprache (z. B. Nuscheln bei Herrn S.)

- primitives, enthemmtes & unorganisiertes Verhalten möglich, kann bizarr wirken (z. B. Kaffeeweißerpulver aus dem Glas in seinen Mund schütten, weil es so gut schmeckt - Hr. S.)

- Freude an albernem Unfug einerseits, andererseits Altklugheit & Trieb zur Beschäftigung mit höchsten Problemen ( "man müsste mit 40 noch mal Zähne kriegen", Polschmelzung Hr. S.)

- negativistisches Treiben im Vordergrund, evt. gewalttätig

- charakteristisch : rascher Wandel zwischen psychotisch-unangepasstem Verhalten (unfreundlich, unverschämt & distanzlos) & normal- angepasstem Verhalten (höflich, einsichtig & hilfsbereit) mit heiter- läppischer Grundstimmung

- unberechenbar

- Diagnostische Merkmale der Hebephrenen Schizophrenie nach American Psychiatric

Assocciation

essentielle Merkmale : - erfüllt die Kriterien der Schizophrenie

- ausgeprägte Zerfahrenheit

- flacher, inadäquater o. läppischer Affekt

- fragmentarischer Wahn (bruchstückenhaft, z.B. Hr. S. : er habe irgendwo 6 Kinder) o. Halluzinationen zusätzliche Merkmale : - Grimassieren, Manierismus

- extreme soziale Beeinträchtigung

- medikamentöse Therapie - durch wenige Monate Pharmakotherapie Remissionen

(Zurückgehen von Krankheitserscheinungen) möglich

- hilfreich : Behandlung mit sedierenden Phenothiazin- o.

Thioxanthenpräparaten (Laevopromazin o. Chlorprothixen), ermöglichen therapeutische Zugangsmöglichkeiten = keine Antidepressiva wegen Gefahr der Symptomprovokation

- besondere Problematik

- therapeutische Eingriffe bereits bei ersten Anzeichen einer beginnenden

Psychose angezeigt, um Persönlichkeitsverfall & damit verbundene soziale

Beeinträchtigungen (wie : Zerbrechen von Beziehungen zu Familie &

Freunden, Verlust von Arbeitsstelle, Wohnraum, Abrutschen in Kriminalität o. Drogenszene) zu vermeiden

- Beurteilung von Verhaltensänderungen & damit diagnostizieren der Hebephrenie bei Kindern & Jugendlichen besonders schwer, da die Persönlichkeit sich noch in der Entwicklung befindet = auffälliges Verhalten (wie Unzugänglichkeit, Ungezogenheit, Exzentrik...) muss nicht gleich auf eine beginnende Psychose hinweisen, kann sich auch im "normalen" Rahmen der Entwicklung bewegen

- Anzeichen für eine sich ausbildende psychische Störung bei Kindern & Jugendlichen können sein : - Stimmungslabilität

- Rückzug aus dem familiären Leben

- Apathie

- Interessenverlust

- Klagen über unerklärliche Schmerzen, Schwäche o. Körperveränderungen = Diese Auffälligkeiten sind alarmierend, auf keinen Fall zu bagatellisieren! Jugendliche, welche diese Verhaltensänderungen zeigen, sollten intensiv beobachtet werden!

- Bei Erwachsenen sind erste Anzeichen besser einzuschätzen, da ihre Persönlichkeit gereift ist & charakteristische Züge angenommen hat, so dass Veränderungen eher auffallen können.

Hier können verdächtig sein : - bisher nicht beobachtete Reizbarkeit

- Aggressivität

- Klagen über Angstzustände & Depressionen

- Nachlassen der Leistungsfähigkeit

- Entschlussunfähigkeit

- Vernachlässigung des Äußeren

- Abbruch der sozialen Kontakte / zunehmende Isolation

- auch eine erkannte psychische Störung beim jungen Patienten muss nicht gleich als

Schizophrenie einleuchten = dem können jahrelange Depressionen o. Angstzustände vorhergehen, bei Mädchen & jungen Frauen stehen gelegentlich erhebliche Störungen im Essverhalten, wie Magersucht (Nahrungsverweigerung)& Bulimie (Ess-Brech-Sucht), im Vordergrund

- Prognose - allgemein ungünstig / mit Schizophrenia simplex schlechteste Prognose

- rasch fortschreitende Veränderungen der Persönlichkeit

- nur geringe "Gesundung" zwischen einzelnen Episoden, falls überhaupt noch klar zu unterscheiden

- schlechtere Prognose, je jünger der Patient bei Krankheitsbeginn ist, also bei Ausbruch in der Kindheit o. in der frühen Pubertät

- Chancen für komplette Remission größer bei höherer Akutheit & bei Auslösung durch ein äußeres Belastungsereignis

- gut = großes Selbsthilfepotential, günstiges soziales Netz, ökologische Nische (= reizarme Umgebung)

- Der hebephrene Patient in der Therapie

akute Symptome : - Angst, Spannung, Verwirrung, Unruhe

-Wahn, Halluzinationen

chronische Symptome : - Affektverflachung, Apathie, Verlangsamung, Einengung Basisstörungen : - kognitive, psychomotorische & affektive Beeinträchtigung

- leicht verunsichert & überfordert

- schnell Aufgabe, Ausweichen o. Rückzug

- unkritische Eigenbeurteilung, Entscheidungsschwierigkeiten

- häufige Pausen, niedriges Arbeitstempo

- Beispiel für entsetzliche Auswirkungen des Sozialisationsverlustes & des Rückzugs aus der geordneten Realität in eine psychotische Umwelt

- zwischenmenschliches Verhalten scheint nicht mehr an üblichen gesellschaftlichen Konventionen orientiert zu sein = Feinheiten zivilisierten Lebens gehen oft völlig ab

- seitens Pat. Beschäftigung mit normalerweise wenig beachteten Details des Alltagslebens = Anschein möglich, dass er auch vom Therapeuten keine Notiz nimmt

-Kontaktaufnahme oft schwer durch bizarres Verhalten & immerwährende Zurückhaltung = evt. Gefühl der eigenen therapeutischen Ohnmacht

- sozial nicht völlig unbeeinflussbar

- durch geduldige Arbeit in Einzelbeziehung & therapeutischer Gruppe können

Veränderungen erreicht werden = von scheinbar unzugänglich chronisch krank zu symptomfrei & umgänglich

- geringe Hilfsmöglichkeiten auf keinen Fall außer Acht lassen!

- Ergotherapie bei hebephrenen Patienten :

Basis = therapeutische Gemeinschaft mit verbal-, handlungs- & körperorientierten Gruppenangeboten

Ziel - Erweiterung der Handlungsfähigkeit (z. B. Kontaktaufnahme, Strukturierung)

- frühe Selbsthilfe = verunsichernde Situationen vermeiden,

Kompensationsmechanismen entwickeln, Anpassung, Ausgleich durch besondere Anstrengungen beachten - automatische Vermeidungsreaktionen in bewusste Schutzmechanismen umwandeln

Methoden : - zu Beginn kompetenzzentrierte Einzeltherapie (Einzelarbeit in offener Werkgruppe) & kompetenzzentrierte Gruppenarbeit

- später Gruppenarbeit mit ausdruckszentrierten & interaktionellen Anteilen, kompetenzzentrierte Projektarbeit als Vorbereitung für die Arbeitsrehabilitation

Therapeutische Grundsätze in akuten Zuständen :

- Vereinfachung, Klarheit, Eindeutigkeit

- Kontinuität, Vereinheitlichung

- optimale Stimulation

- gemeinsame Zielsetzung auf Arbeitsweise

- übersichtlicher Arbeitsplatz

- klare Infos & Anweisungen

- schrittweises Vorgehen

- einfache Beziehung, Feedback auf Konkretes beziehen

- eigenes Verhalten & Vorgehen erklären

- klare Grenzen & Regeln, Vereinbarungen treffen (Bedürfnisse & Wünsche mit einbeziehen)

- Nähe- Distanzbedürfnis beachten

- eher geschlossene Aufgaben

- weniger gefühlsbetonte Themen

- eher "männliche" Materialien & Techniken

- Zusammenfassung : - hebephrene Patienten sind meist sehr jung

- sie zeigen Symptome der Schizophrenie in reinster Form = Störungen in Affekt, Denken & Kontakt

- ihr Verhalten ist ablehnend, planlos, getrieben, fordernd, evt. Gewalttätig, unberechenbar mit läppischer Grundstimmung

- ungünstige Prognose = oft Verformungen der Persönlichkeitsstruktur

- Therapie schwierig durch mangelnde Krankheitseinsicht sozialen Rückzug, kognitive, psychomotorische & affektive Beeinträchtigungen

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Details

Titel
Hebephrenie - desorganisierter Typus der Schizophrenie
Note
15 Punkte
Autor
Jahr
2001
Seiten
7
Katalognummer
V104458
Dateigröße
351 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hebephrenie, Typus, Schizophrenie
Arbeit zitieren
Philipp Seifert (Autor), 2001, Hebephrenie - desorganisierter Typus der Schizophrenie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104458

Kommentare

  • Gast am 7.6.2014

    eine sehr informative, ausführliche und knappe Zusammenfassung!

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