Das Unheimliche und Phantastische im Werk H.P. Lovecrafts


Hausarbeit, 1994
20 Seiten, Note: 1

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Inhaltsverzeichnis

Seine eigene phantastischste Schöpfung

Seine übrige phantastische Schöpfung

Die tentakelbewehrten Protagonisten und der Yog-Sothoth- Mythenzyklus

Der Erzähler und die tentakellosen Protagonisten

Libelli habeant sua fatis

Die Schauplätze

Die Bedeutung des Bösen

Zusammenfassung und Abschlußbemerkung

Bibliographie

Seine eigene phantastischste Schöpfung

"Für mich liegt die Hauptschwierigkeit beim Schreiben einer Autobiographie darin, etwas von genügender Wichtigkeit aufzuspüren, das sich lohnt, festgehalten zu werden." H.P. Lovecraft

Am 20.VIII.1890 ließ sich Howard Phillips Lovecraft in Providence/Rhode Island als Kind seiner Eltern Sarah Susan Phillips (Susie) Lovecraft und Winfield Scott Lovecraft gebären. Lovecraft war ein frühreifes kränkliches Kind, das mit drei Jahren zu lesen begann und sich bald in den staubüberdeckten, uralten, grotesken und seit Generationen von keinem Menschenauge erblickten Folianten, die aus der Bibliothek seines Großvaters unters Dach verbannt worden waren, heimischer fühlte, als unter seinen Altersgenossen. Er las TausendundeineNacht, nannte sich Abdul Alhazred und spielte in seiner "orientalischen Ecke" Araber, ein Jahr später fascinierte ihn die klassische Mythologie: "Mit sieben oder acht Jahren war ich ein waschechter Heide, so berauscht von der Schönheit Griechenlands, daß ich einen halb ehrlichen Glauben an die alten Götter und Naturgeister entwickelte. Ich habe - es ist buchstäblich die Wahrheit - Altäre für Pan, Apollo und Athene errichtet, und ich habe bei Einbruch der Dunkelheit in Wald und Feld nach Dryaden und Satyren Ausschau gehalten ...

Wenn ein Christ mir erzählt, er habe die Realität seines Jesus oder Jahveh gespürt, so kann ich ihm erwidern, ich habe den behuften Pan und die Schwestern der hesperianischen Phaethusa gesehen."1Seine nachhaltigste Begeisterung entwickelte er für das georgianische 18. Jahr- hundert, dessen Sprachund Schreibgewohnheiten er tatsächlich lebenslang verinnerlichte. "Ich glaube, ich bin wahrscheinlich der einzig lebende Mensch, dem das alte Idiom des 18. Jahrhunderts tatsächlich die Muttersprache für Prosa und Lyrik ist ... Unterbewußt habe ich immer das Empfinden verspürt, daß alles nach dem 18. Jahrhundert unwirklich oder illusorisch ist - eine Art von groteskem Alptraum oder eine Karikatur. Die Menschen erscheinen mir mehr oder weniger wie ironische Schatten oder Phantome - als könnte ich sie (zusammen mit all ihren modernen Häusern, Erfindungen und Perspektiven) in einem Ätherhauch verschwinden lassen, einfach indem ich mich wachzwicke und ihnen zurufe: Ja verflixt, ihr seid ja nicht einmal geboren und werdet's auch nicht sein für die nächsten anderthalb Jahrhunderte! Gott schütze den König und seine Kolonie Rhode Island und die Pflanzung Providence!"2

Lovecraft hatte eine sehr starke Bindung zu seiner Mutter, während er seinen Vater kaum erlebte, da dieser drei Jahre nach der Geburt seines Sohnes nach einem Anfall geistiger Umnachtung in eine Anstalt eingeliefert wurde, wo er an den Folgen der Syphilis 1898 starb. Der kleine Howard wuchs wohlsituiert im Haus seines Großvaters mit seiner Mutter und ihren beiden Schwestern Lillian Phillips Clark und Annie Gamwell auf. Susie bemutterte ihren Sohn übermäßig, vermied aber gleichzeitig jeden körperlichen Kontakt mit ihm. Sie erzählte ihm, er sei so furchtbar häßlich, daß er besser nicht auf die Straße gehen sollte, damit ihn die Leute nicht verhöhnen. Darüberhinaus redete sie sich selbst und ihm ein, er sei kränkelnd und müsse auf seine schwache Gesundheit Rücksicht nehmen, was dazu führte, daß er sich sein Leben lang tatsächlich für häßlich und krank hielt.

Im Jahre 1898 begann Howards Schulzeit, die geprägt war von regelmäßigen langen Unterbrechungen, da Susie ihn wegen seiner "Nervosität" immer wieder zu Hause behielt. Während dieser Rekonvaleszenzen entdeckte er das Werk E.A. Poes und ein Interesse für Naturwissenschaft. Er laß Bücher über Chemie, Geographie und Astronomie und begann kleine handgeschriebene Zeitschriften zu diesen Themen "herauszugeben", die Scientific Gazette, die sich hauptsächlich mit Chemie befaßte, und das Rhode Island Journal of Astronomy. Beide erschienen unregelmäßig bis 1909. Seine lebenslange Begeisterung für Poe zeigte sich zum ersten Mal in seiner 1905 entstandenen Erzählung The Beast in the Cave. Ein Jahr später begann seine Korrespondenz über naturwissenschaftliche, vor allem astronomische Themen mit verschiedenen kleinen Zeitungen und veröffentlichte schon bald unentgeltlich Artikel im Pawtuxet Valley Gleaner und dem Providence Evening Tribune. 1907 verließ er die Schule endgültig ohne einen Abschluß erreicht zu haben. In den folgenden Jahren lebte er sehr zurückgezogen und schrieb Gedichte im Stil des 18. Jahrhunderts. An Arbeiten dachte der junge Lovecraft nicht, er hielt sich für einen Gentleman für den Gelderwerb unter seiner Würde war. Er schrieb aus reiner Leidenschaft. Diese Attitüde sollte ihm bald Schwierigkeiten bereiten, denn nachdem sein Großvater 1905 verstorben war, lebten die Lovecrafts von dessen begrenztem Nachlaß.

In dieser Zeit entwickelte Lovecraft sein materialistisch-pessimistisches Weltbild, dessen Grundlage die vollkommene Bedeutungslosigkeit des Menschen innerhalb einer gleichgültigen und ziellosen Unendlichkeit ist. "Hier sind wir - und jenseits gähnt das Universum. Sollte es tatsächlich einen zentralen Verwalter, ein Gefüge der Ordnung oder ein letztendliches Ziel geben, so können wir niemals hoffen, auch nur die winzigste Spur davon zu entdecken, da die ultimate Realität des Raumes offensichtlich ein komplexes Aufwühlen von Energie ist, von dem der menschliche Verstand nicht einmal ein annäherndes Bild zu machen vermag, und das uns durch die Larve lokal erscheinender Manifestationen berührt, die wir das sichtbare und materielle Universum nennen."3

Seine Entdeckung des Amateurjournalismus und damit der UAPA (United Amateur Press Association) im Jahre 1914, war für Lovecraft von zentraler Bedeutung. Die UAPA ist eine Vereinigung von Amateurschriftstellern und Schriftstellerinnen, die das Schreiben vornehmlich als Hobby betreiben. Viele von ihnen veröffentlichten ihre eigenen Zeitschriften in kleinen Auflagen, tauschten sie untereinander aus und korrespondierten miteinander, was Lovecrafts Vorstellungen von der schriftstellerischen Tätigkeit eines Gentlemans genau entsprach. Sein Beitritt zu dieser Vereinigung löste ihn aus seiner sieben Jahre dauernden Lethargie Er fand hier mehr oder weniger Gleichgesinnte mit denen er eine umfangreiche Korrespondenz unterhielt. Er hat Zeit seines Lebens schätzungsweise 100000 Briefe geschrieben, im Umfang von 4 - 70 Seiten. In diesen Briefen ließ sich Lovecraft zu allen erdenklichen Themen aus, und sie stellen mit Abstand das umfangreichste Werk dar, das er hinterlassen hat. Unter seinen Briefpartnern befanden sich Schriftsteller wie Arthur Machen, Robert E. Howard, Clark A. Smith und der unsägliche August Derleth.

Im folgenden Jahr gründete er seine Zeitschrift The Conservative die man "...stets als einen enthusiasthischen Vorkämpfer für totale Abstinenz und das Alkoholverbots (...) für einen gemäßigten, vernünftigen Militarismus im Gegensatz zu gefährlicher und unpatriotischer Friedenspredigerei, für den Pan-Saxonismus, die Vorherrschaft der englischen und verwandten Rassen über die minderen Völker der Menschheit, und für eine konstitutionelle oder repräsentative Regierung im Gegensatz zu den verderblichen und verächtlichen Ränken der Anarchie und des Sozialismus"4vorfinden sollte. Vor allem fand man im Conservative Lovecrafts Lyrik und ausufernde Essays über seine fragwürdigen Ansichten. Besonders seine häufigen rassistischen Äußerungen waren durch Oberflächlichkeit geprägt, und zeigen, wie wenig er, der Einsiedler, über das, was er las, reflektierten konnte. Viele Kritiker entschuldigen Lovecrafts rassistische Entblödungen mit dem herrschenden Geist seiner Zeit, was mehr als fragwürdig ist, da der Zeitgeist kaum eine Entschuldigung für Borniertheit ist. Der Conservative wurde 1923 eingestellt.

Als sich der kränkliche Herrenmensch Howard mit dem Kriegseintritt der USA 1917 freiwillig zum Militärdienst melden wollte, setzte seine hysterische Mutter alle Hebel in Bewegung, um ihn ausmustern zu lassen, was ihr auch gelang - "Meine Mutter droht, alles zu tun, was - legal oder nicht - in ihrer Macht steht, sollte ich nicht all die Krankheiten offenbaren, die mich für den Militärdienst untauglich machen."6- Lovecraft litt an Poikilothermie, eine Art Unfähigkeit, die Körpertemperatur gegenüber der Außentemperatur aufrecht zu erhalten, der Körper nimmt die Temperatur der Umgebung an, wie etwa ein Reptil. Damit war Lovecrafts Karriere als teutonischer Krieger so schnell zu Ende, wie sie begonnen hatte.

Im darauffolgenden Jahr veröffentlichte er zum ersten Mal ein Gedicht gegen Bezahlung: The Marshes of Ipswich im National Magazine. Zur gleichen Zeit übernahm er verschiedene Aufträge als Ghostwriter. Im Jahre 1919 verschlechterte sich der Geisteszustand von Susie Lovecraft so sehr, daß sie in eine psychiatrische Abteilung eingewiesen werden musste. Sie hatte Depressionen und hysterische Anfälle. Für Howard begann eine rege Schaffensphase. Auf einem Vortrag entdeckte er das Werk Lord Dunsanys, der neben Poe sein zweites prägendes Vorbild wird. Es entstehen Erzählungen im dunsanesken Stil wie The White Ship, The Cats of Ulthar, The Statement of Randolph Carter, in denen er auch seine eigenen Träume verarbeitet: "Oft habe ich mir die Frage gestellt, ob die Mehrheit der Menschen wohl jemals über die gelegentlich titanische Bedeutung von Träumen und die obskure Welt, zu der sie gehören, nachdenken mag.

Zwar sind unsere nächtlichen Visionen vielleicht in überwiegender Zahl nichts weiter als matte, phantastische Spiegelungen dessen, was wir im Wachen erlebt - im Widerspruch zu Freud mit seinem puerilen Symbolismus -, aber immer noch gibt es einen gewissen Rest, dessen unweltlicher und ätherischer Charakter keine gewöhnliche Deutung gestattet..."7 Das Jahr 1920 war geprägt von Lovecrafts Reisen zu Amateurjournalistentreffen, bei einem lernte er Sonia Haft Greene kennen. Zwischen beiden entwickelte sich ein reger Briefverkehr. 1921 verstarb Susie Lovecraft nach einer Gallenblasenoperation, ein schwerer Schlag für Lovecraft, der wieder für mehrere Wochen in Lethargie verfiel8, doch seine Tanten kümmerten sich wie seine Mutter um ihn, was jeden Kommentar erübrigt.

Die Gründung des professionellen pulp-Magzins Weird Tales im Jahre 1923 eröffnete Lovecraft ein neues Forum für seine Erzählungen. Weird Tales veröffentlichte Science Fiction und phantastischen Geschichten. Der Herausgeber wurde auf Lovecrafts Geschichten aufmerksam und schon bald drängten ihn seine Freunde, sich an Weird Tales zu wenden. Er tat dies mit folgendem Brief:

"Geehrter Herr, da ich die Gewohnheit habe, zu meiner eigenen Belustigung unheimliche, makabere und phantastische Erzählungen zu schreiben, sehe ich mich in letzter Zeit von fast einem Dutzend wohlmeinender Freunde gehetzt, auf daß ich mich entschließen möge, Ihrer neu gegründeten Zeitschrift einige dieser gothischen Schauergeschichten zur Verfügung zu stellen ... Die beiden ersten sind wahrscheinlich die besten; sollten sie Sie nicht zufrieden stellen, brauchen Sie den

Rest gar nicht zu lesen .. Ich vermag nicht zu sagen, ob diese Arbeiten für geeignet befunden werden können, denn ich kümmere mich nicht um die Erfordernisse kommerziellen Schreibens. Mein Trachten gilt dem Vergnügen, das es bereitet, gewisse bizarre Bilder, Situationen oder atmosphärische Effekte zu erzielen; der einzige Leser, den ich dabei im Sinn habe, bin ich selbst ... Sollten Sie sich durch ein Wunder bemüßigt sehen, meine Erzählungen zu veröffentlichen, habe ich nur eine einzige Bedingung zu stellen, nämlich, daß keinerlei Kürzungen vorgenommen werden dürfen. Kann die Geschichte nicht gedruckt werden, wie sie ist, und zwar bis zum letzten Semikolon und Komma, habe ich mich mit Anstand in die Zurückweisung zu fügen ... Aber wahrscheinlich besteht keine Gefahr, denn meine Manuskripte dürften von ihnen kaum in Erwägung gezogen werden..."9

Der Brief wurde zusammen mit fünf von Lovecrafts Stories mit der Bemerkung: "Trotz des obigen, oder gerade deshalb veröffentlichen wir einige Erzählungen von Mr. Lovecraft"10in Weird Tales abgedruckt.

Im März 1924 heiratete Sonia Greene Lovecraft.

Erstaunlich, daß Lovecraft an ihrer jüdischen Herkunft keinen Anstoß nahm. Für ihn war sie jetzt keine Jüdin mehr, sondern "Mrs. H.P. Lovecraft aus 589 Angell Street, Providence, Rhode Island"11, trotz der Tatsache, daß Lovecraft nach New York umzog, wo die beiden zusammenlebten. Den Familienunterhalt besorgte allein Sonia, sie besaß ein Hutgeschäft in Brooklyn, während Lovecraft gentlemanlike Zurückhaltung aus dem Geschäftsleben übte. Seine anfängliche Begeisterung für New York schlug schnell in Haß um. Er erging sich in endlosen Hetztiraden gegen das "...Durcheinander gegenständlicher und geistiger Fäulnis" aus dem "die Gotteslästerungen von hunderten von Dialekten gen Himmel (steigen). Scharen von Herumtreibern wanken schreiend und singend die Wege und Hauptstraßen entlang, gelegentlich löschen Hände verstohlen und unvermittelt das Licht und ziehen den Vorhang herunter, und dunkelhäutige, von Sünden zerfressene Gesichter verschwinden von Fenstern, wenn Besucher des Weges kommen."12

Lovecraft bemühte sich mit großem Eifer, keine Arbeit zu finden, und als Sonia Hutgeschäft Bankrott machte, war sie gezwungen, eine Stelle in Cincinnati anzunehmen. Lovecraft blieb allein in New York zurück. Seine Stimmung wurde zusehends schlechter, und obwohl er dort eine ganze Reihe Freunde hatte, spielte er mit dem Gedanken, nach Providence zurückzukehren. Sonia kehrte 1925 nach New York zurück, nur um schon bald nach Cleveland zu gehen, da sie dort mit Arbeit rechnen konnte. Währenddessen begann Lovecraft, einen recht banal geratenen Essay über phantastische Literatur zu schreiben, was acht Monate seiner Zeit in Anspruch nahm, um ihn in der Amateurzeitschrift The Recluse unentgeltlich zu veröffentlichen. Der Aufsatz wurde nach Lovecrafts Rückkehr in sein geliebtes Providence dort 1926 vollendet. "Mein Leben liegt nicht bei Menschen, sondern in Gegenden - und meine lokalen Zuneigungen sind nicht personal, sondern topographisch und architektural. Ich will nur so weit dogmatisch sein, daß ich sage: Neu- England muß ich haben, in irgendeiner Form. Providence ist ein Teil von mir - ich bin Providence."14Das verhaßt gewordene New Yorker Exil war vorüber. Sonia blieb aus finanziellen Gründen in New York, die Ehe wurde postalisch fortgesetzt und 1929 in gegenseitigem Einvernehmen geschieden. Von den fünf Jahren ihrer Verbindung lebten sie nur etwa ein Jahr zusammen. Das Zusammensein scheint nicht ganz einfach gewesen zu sein, da Lovecraft immer Distanz wahrte und er wohl eine platonische Verbindung vorgezogen hätte, obwohl er, wenn man seiner Frau Glauben schenken darf, seine ehelichen Pflichten durchaus erfüllt hatte.

Anfang der dreißiger Jahre verlor er sein Vertrauen in den republikanischen Konservativismus und sympathisierte offen mit dem Faschismus, obwohl er auch dieser Ideologie nicht voll zustimmen konnte: "Ich werde mich als eine Art Kreuzung zwischen einem Faschisten und einem nichtbolschewistischen Sozialisten der alten Art bezeichnen müssen."15Auch dieses Bekenntnis ist ähnlich oberflächlich wie seine früheren Überzeugungen und hat wenig mit den aktuellen Geschehnissen seiner Zeit zu tun.

In den letzten Jahren seines Lebens resignierte Lovecraft, kam aber gleichzeitig zu politisch und vor allem literarisch reiferen Erkenntnissen: "Ich habe Poe-Stücke und Dunsany-Stücke - aber ach! wo sind meine Lovecraft-Stücke? Nur in einigen meiner realistischer angelegten Prosarbeiten finden sich - und das erst jetzt - Anzeichen einer Entwicklung meines eigenen Stils..."16womit er sicher Recht hatte - aber zu spät Im Januar des Jahres 1936 zog sich Lovecraft eine schwere "Grippe" zu, und bekam Verdauungsstörungen, wollte aber keinen Arzt aufsuchen. Im selben Jahr wurde sein einziges zu Lebzeiten gedrucktes Buch veröffentlicht: Shadow over Innsmouth, in einer Auflage von 400 Exemplaren, von denen nur 200 gebunden und 150 verkauft wurden, bevor der Verleger Crawford den finanziellen Zusammenbruch erlitt.

Lovecrafts Gesundheit verschlechterte sich rapide und im Februar 1937 wurde er bettlägerig. Ein im März konsultierter Arzt diagnostizierte Dickdarmkrebs. Für eine Operation war es schon zu spät, er verstarb am 15.III.1937 im Jane-Brown-Memorial-Hospital in Providence.

Seine übrige phantastische Schöpfung

"Ich bleibe abstrakt, unberührt, neutral, gleichmütig, objektiv, unpersönlich, universal und zeitlos ... Sehen Sie, ich bin eine Art Bastard aus Vergangenheit und Zukunft - archaisch in meinem persönlichen Geschmack, in meinen Emotionen und Interessen, in philosophischer Hinsicht indessen so sehr wissenschaftlicher Realist, daß ich keinen intellektuellen Standpunkt außer dem allerfortgeschrittensten ertragen kann."

"Auf unheimliche Erzählungen habe ich mich deswegen verlegt, weil sie meiner Neigung am ehesten entsprechen - einer meiner stärksten und nachhaltigsten Wünsche ist es, die Illusion wenigstens vorübergehend einmal zu erreichen, daß die ärgerlichen Beschränkungen von Zeit, Raum und Naturgesetz, die uns ständig einkerkern und unsere Wißbegier über die unendlichen kosmischen Räume jenseits unseres Blickfeldes und unserer analytischen Fähigkeiten zunichte macht, aufgehoben oder gesprengt sind."

H.P. Lovecraft

Im Folgenden soll versucht werden, den Aufbau von H.P. Lovecrafts Erzählungen darzustellen. Durch seine begrenzte Auswahl an Motiven ergibt sich zwangsläufig eine im Prinzip einfache Struktur seiner ausschließlich im Milieu des Phantastischen angesiedelten Erzählungen. Anhand einer Untersuchung seiner Schauplätze, seiner zum Teil tentakelbewehrten Protagonisten und seiner Beglaubigungsstrategien des Übernatürlichen soll dies belegt werden.

Die tentakelbewehrten Protagonisten und der Yog-Sothoth-Mythenzyklus

"Man glaube auch nur nicht, ..., der Mensch sei der älteste oder der letzte der Weltbeherrscher, oder Leben und Substanz könnten aus sich heraus bestehen. Die Alten waren, die Alten sind und die Alten werden sein. Nicht in den Räumen,. die uns bekannt sind, sondern zwischen ihnen gehen sie gelassen und unbeirrt umher, ohne Dimension und für unsere Augen unsichtbar. Yog-Sothoth kennt das Tor. Yog-Sothoth ist das Tor. Yog-Sothoth ist Schlüssel und Wächter des Tores. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, alles ist Yog-Sothoth. Er weiß, so einst die Alten herausbrachen und wo Sie wieder herausbrechen werden Unsichtbar und üble Gerüche verbreitend wandern Sie an verlassenen Orten umher, wo die Worte ausgesprochen und die Riten in Ihre Zeiten herübergerufen wurden Sie beugen Wälder und zermalmen Städte, wenn auch weder Wald noch Stadt die Hand wahrnimmt, die zuschlägt. Kadath in der kalten Einöde hat Sie gekannt, und welcher Mensch kennt Kadath? Die Eiswüsten im Süden und die versunkenen Inseln des Ozeans besitzen Steine, in die Ihr Siegel eingegraben ist, wer aber hat je die tiefe eisige Stadt oder den versiegelten Turm erblickt, der mit Seetang und Entenmuscheln geschmückt ist? Der Große Cthulhu ist Ihr Vetter, doch kann er Sie nur schemenhaft erkennen. Iä! Shub-Niggurath! An Ihrem Geruch sollt ihr Sie erkennen. Ihre Hand ist an eurer Kehle, und doch seht ihr Sie nicht; und Ihre Wohnung ist selbst hinter eurer behüteten Türschwelle. Yog-Sothoth ist der Schlüsse zu dem Tor, an dem sich die beiden Sphären begegnen. Der Mensch herrscht nun, wo Sie einst herrschten; Sie werden bald herrschen, wo der Mensch jetzt herrscht."17

Wichtig für das Verständnis von Lovecrafts Werk und dessen Struktur ist eine Erläuterung des von ihm geschaffenen Mythos, der vielen seiner Erzählungen zu Grunde liegt. Der für diese künstlichen Legenden geprägte Ausdruck Cthulhu-Mythos stammt von August Derleth, Lovecrafts Nachlassverwalter, und wird ihrem vollen Umfang nicht gerecht. Lovecraft selbst hat seiner Mythologie niemals einen Namen gegeben, der amerikanische Literaturprofessor Dirk W. Mosig prägt in seinem Aufsatz H.P. Lovecraft: Mythenschöpfer18 den Ausdruck Yog-Sothoth- Mythenzyklus, der zutreffender scheint.

Das obige Zitat aus dem verbotenen Necronomicon des verrückten Arabers Abdul Alhazred ist Programm für Lovecrafts Mythos, der besagt, daß die Erde vor Jahrmillionen von mehreren intelligenten außerirdischen Zivilisationen besiedelt wurde, deren mächtigste, die Großen Alten, nur während bestimmter Sternenkonstellationen auf diesem Planeten existieren können. Die Macht dieser völlig fremdartigen Wesen ist so groß, daß die uns bekannte Evolution und die menschliche Zivilisation zu völliger Bedeutungslosigkeit herabsinken, ganz Lovecrafts persönlichem Weltbild entsprechend. Angesichts dieser Unausgewogenheit der Machtverhältnisse verwundert es nicht, daß Menschen die Großen Alten, über die sie aus vormenschlichen Quellen Kenntnis haben, als Götter verehren. Aus Außerirdischen, die man eher mit Science Fiction assoziieren würde, werden so die mythologischen Wesen einer phantastischen Erzählung. Läßt Lovecraft sie tatsächlich auftreten, was selten vorkommt, fällt die Beschreibung der Alten vage aus, vor allem aus stilistischen Gründen, da eine detaillierte Darstellung wabbelnder tentakelbewehrter frutti di mare eher albern als gruselig wirkt. "Der Nachdruck sollte primär auf raffinierte Andeutung gelegt werden - kaum wahrnehmbare Andeutungen und ein Hauch sparsamer assoziativer Einzelheiten, die Stimmungsschatierungen ausdrücken und eine vage Illusion der seltsamen Wirklichkeit des Unwirklichen aufbauen."19

Der Erzähler und die tentakellosen Protagonisten

Um es gleich auf den Punkt zu bringen - Ziel von Lovecrafts Erzählungen ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Realistisches und Phantastisches glaubwürdig miteinander verschmolzen werden. Häufig verwendet er dazu einen retrospektiv berichtenden Ich-Erzähler, der sein Garn in scheinbarer Unversehrtheit spinnt, wobei von Anfang an klar ist, daß sich etwas Schreckliches ereignet hat : "Nach zweiundzwanzig Jahren alptraumhaften Schreckens, vor dem Schlimmsten nur durch den verzweifelten Versuch bewahrt, bestimmte Wahrnehmungen auf mythische Ursprünge zurückzuführen, bin ich nicht willens, mich für die Wahrheit dessen zu verbürgen, was ich in der Nacht vom 17. auf den 18. Juli 1935 in West-Australien gefunden zu haben glaube. Es gibt Anhaltspunkte für die Hoffnung, daß mein Erlebnis ganz oder teilweise ein Hirngespinst war - wofür tatsächlich Ursachen genug vorhanden gewesen wären. Und doch war es so schauderhaft real, daß mir bisweilen jede Hoffnung vergeblich scheint. "20Die Erwartung des Leser, daß der Autor diese Unversehrtheit des Erzählers bis zum Ende aufrecht erhält, wird immer gebrochen. Spätestens das pointierte Ende macht klar, daß der Erzähler bereits tot ist oder demnächst von uns gehen wird oder dem Wahnsinn verfällt. Daraus wird klar, daß es praktisch keine Distanz zwischen Erzähler und Erzähltem gibt. Oft ist der Erzähler Lovecrafts gleichzeitig Protagonist oder zumindest von den Geschehnissen betroffen21. So beginnt Delapore, der Ich- Erzähler in Die Ratten im Gemäuer seinen autobiographischen Bericht mit der sachlichen Äußerung: "Als am 16. Juni 1923 der letzte Arbeiter sein Werk beendet hatte, übersiedelte ich nach Exham Priory. Die Restaurierung dieses verlassenen Steinhaufens war eine außerordentliche Leistung gewesen, (...); dennoch, weil es der alte Sitz meiner Vorfahren war, scheute ich keine Ausgaben."22und endet nach schrecklichen Entdeckungen über seine Vorfahren auf Exham Priory mit den Worten:" ...Nein, nein, ich sage euch, ich bin nicht der höllische Schweinehirt dieser Zwielichtgrotte! ... Gotts Blut, du Hundsfott, ich will dir Mores beibringen ... Magna Mater! Magna Mater! ... Atys ... Dia ad aghaidh's ad aodann ... agus bás dunach ort! Dhonas´s dholas ort agus leat-sa! ... Ungl ... ungl ... rrlh ... chchch ..."23Wie fast immer in Lovecrafts Erzählungen bildet hier der Schluß gleichzeitig den Höhepunkt, auf den der Fortgang der Handlung hinarbeitet, unterstützt durch den Tatbestand, daß nur in einigen wenigen Erzählungen parallele Handlungsstränge vorhanden sind, die die Zielstrebigkeit des plots brechen könnten.

Die Charakterisierung der Protagonisten folgt einem einfachen Schema: Sie alle sind mehr oder weniger idealisierte Lovecraft-Synkretismen: hochgebildete, kränkliche, an okkulten Über- lieferungen interessierte24, einzelgängerische Neuengländer, die keinerlei Hang zur Impulsivität zeigen. Darüberhinaus haben einige Figuren Eigenschaften, die Lovecraft selbst gerne besessen hätte, wie zum Beispiel finanzielle Unabhängigkeit, einen akademischen Grad oder eine Militärlaufbahn, kulminiert in der Figur des Randolph Carter in Die Traumsuche nach dem Unbekannten Kadath25. Charaktere wie Dr. Armitage in Das Grauen von Dunwich, Dr. Willet in Der Fall Charles Dexter Ward oder der namenlose Erzähler in Pickmans Modell oder die Dichter Blake in Das leuchtende Trapezoeder und Derby in Das Ding auf der Schwelle, die getreu dem Zauberlehrling-Motiv, die Geister, die sie rufen nicht mehr loswerden, und ihnen schließlich zum Opfer fallen. Es läßt sich eine dritte Gruppe Protagonisten ausmachen, die ohne eigenes Zutun den Mächten des Yog-Sothoth- Mythenzyklus hilflos ausgeliefert sind, wie Prof. Peaslee in Der Schatten aus der Zeit, der Seemann Johansen aus Cthulhus Ruf und die Familie Gardener in Die Farbe aus dem All. Lovecrafts Charakterisierungen verharren im Stereotyp: "Ihre Verhaltensweisen werden zwar psychologisch motiviert, aber von einer psychologischen Auslotung kann nicht gesprochen werden. Das Interesse konzentriert sich nicht auf die Wahrnehmung und Reaktion des Protagonisten, sondern auf das, worauf er reagiert. Das Schwergewicht verschiebt sich vom Anthropozentrischen zum Dämonozentrischen."26

Libelli habeant sua Fatis

Lovecrafts begrenzte Auswahl an Motiven wird auch in der Auswahl des zeitlichen Rahmens und des Schauplatzes seiner Erzählungen deutlich. Mit Ausnahme von acht in seiner dunsanesken Traumwelt angesiedelten Kurzgeschichten wurzelt Lovecrafts gesamtes Erzählwerk in seiner Gegenwart. Der Erzählverlauf wird mit einer genauen Datierung fixiert, was die angestrebte Glaubwürdigkeit unterstreichen soll. Die Erzählungen sollen den Anschein erwecken, keine Kunstwerke im Sinne des l'art-pour-l'art zu sein, wie es oft bei Poe der Fall ist, sondern geben sich als nicht-literarische Dokumente aus, sind Warnungen, Erklärungen oder Rechtfertigungen. Die zeitliche Einbindung des Geschilderten, und damit seine Glaubwürdigkeit, wird wie bei Bram Stokers Dracula durch Montage von fiktiven Zeitungsberichten, Tagebucheinträgen und Briefen unterstützt. Die Montage von fiktiven und realen Texten setzt Lovecraft auf der Ebene des Mythos fort, indem er verbotene Bücher erfindet und mit existierenden okkulten Schriften vermischt und somit einen nachvollziehbaren Quellennachweis für die Existenz des Unmöglichen liefert. In Der Fall Charles Dexter Ward beispielsweise berichtet ein Besucher über die Bibliothek des Hexenmeisters Joseph Curwen: "Diese bizarre Sammlung umfaßte neben einer langen Reihe von Standardwerken, um die Mr. Merrit seinen Gastgeber trotz seiner Beunruhigung beneidete, nahezu alle der Menschheit bekannten Kabbalisten, Dämonologen und Magier und stellte einen wahren Wissensschatz auf den gebieten der Alchimie und Astrologie dar. Hermes Trismegistus in Mesnards Ausgabe, die Turba Philosophorum, Gebers Liber Investigationis und Artephous' Stein der Weisheit - keines dieser Werke fehlte; und dicht neben ihnen standen der kabbalistischen Zohar, Peter Jamms mehrbändige Ausgabe des Albertus Magnus, Raymond Lullys Ars Magna et Ultima in Zetsners Ausgabe, Roger Bacons Thesaurus Chemicus, Fludds Clavis Alchimiae, Trithemius' De Lapide Philosophico. Mittelalterliche Juden und Araber waren zahlreich vertreten, und Mr. Merrit wurde blaß, als er einen schönen mit der auffälligen Aufschrift Qanoon-é-Islam herausnahm und feststellen musste, daß es sich in Wahrheit um das verbotene Necronomicon des verrückten Arabers Abdul Alhazred handelte, über das er die Leute einige Jahre zuvor so monströse Dinge hatte flüstern hören, nach der Aufdeckung namenloser Riten in dem sonderbaren kleinen Fischerdorf Kingsport in der Provinz Massachusettes-Bay."27Mit Ausnahme des Necronomicons existieren alle Werke, von denen Mr. Merrit erzählt, wirklich. Für seine neben dem Großen Cthulhu berühmteste Schöpfung schuf Lovecraft eine eigene Genealogie des Necronomicons. So soll besagter Araber es im 8. Jahrhundert in Damaskus niedergeschrieben haben, im 10. Jahrhundert wurde es ins Griechische und im 13. Jahrhundert von Olas Wormius ins Lateinische übersetzt. Die englische Übersetzung habe der (tatsächliche) elisabethanische Alchimist Dr. John Dee im 16. Jahrhundert angefertigt. Obwohl Wormius erst im 17. Jahrhundert hätte übersetzen können, weil er zu dieser Zeit, und nicht im 13. Jahrhundert lebte, wirkte Lovecrafts Pseudo-Bibliographie so überzeugend, das einige Leser die Buchläden auf der Suche nach dem Necronomicon einrannten. Die Technik des fiktiven verbotenen Buches, dessen Lektüre für seine Leser verderbenbringend ist, hat Lovecraft von Robert Chambers übernommen, der dieses Stilmittel mit The King in Yellow erstmals anwandte, obwohl Lovecraft augenzwinkernd behauptet. "Aus den Gerüchten über dieses Buch (das Necronomicon) ... soll Robert W. Chambers den Einfall für seinen frühen Roman The King in Yellow bezogen haben."28Wie dem auch sei, in fast allen Geschichten ist das Necronomicon wichtigstes Nachschlagewerk zur Analyse des Unbekannten. Weitere fiktive Bücher sind von Juntzts Unaussprechliche Kulte und die von vormenschlichen Zivilisationen stammenden Pnakotischen Manuskripte und das Liber Ivonis oder Book of Eibon. Diese Tradition wird von Lovecrafts Epigonen fortgesetzt. Dieselbe Beglaubigungsstrategie vom Verschwimmen von Realität und Fiktion kann man auch in der Auswahl und Gestaltung der Schauplätze der Erzählungen beobachten. Dies führt zu einer folgenschweren Überschrift:

Die Schauplätze

Viele phantastische Erzählungen leben allein von der Örtlichkeit in der sie angesiedelt sind. Die klassischen gothischen Schauerromane haben die Charakteristik dieser Schauplätze für die nachfolgenden Generationen geprägt. Verfallene Schlösser und Burgen, englische Landhäuser, Friedhöfe und gotische Kathedralen sind zum Synonym für die Atmosphäre einer phantastischen Erzählung geworden. "... Gerade auf diesem Gebiet sind mit konkreten Genres oder Untergattungen nicht nur entsprechende Erwartungen des Lesers verbunden, die der Autor zu erfüllen trachten sollte, sondern auch ein streng begrenztes Instrumentarium von literarischen Mitteln und Methoden, das ihm bei dieser Arbeit zur Verfügung steht."29Zwar beruft sich Lovecraft auf diese Tradition, schreibt auch einige Gothics30, erweitert aber im Großen und Ganzen das in Spuk und Teufelspakt verhaftete Genre. Es findet eine Gewichtsverschiebung vom Metaphysischen zum Außerirdischen statt.

Im Prinzip lassen sich in Lovecrafts Erzählungen drei verschiedene Arten von Schauplätzen ausmachen. Zum einen Neu-England, dann die in entlegenen Gebieten der Erde befindlichen Überreste vormenschlicher Zivilisationen, schließlich die dunsaneske Traumwelt. Die meisten seiner Geschichten spielen natürlich in Lovecrafts Heimat Neu-England, das allerdings etwas verändert ist. Nicht nur, daß Lovecraft hier, wie gesagt, die Technik der Montage von Realität und Fiktion anwendet, indem er Boston, Providence und Salem erdachte Orte wie Arkham, Innsmouth und Dunwich als Schauplatz zugesellt, auch ist ganz Neu-England mit Übernatürlichem geradezu überbevölkert. Sowohl die realen wie die fiktiven Orte lassen sich mit den Worten "Verfall", "uralt" (was in Neu-England bestenfalls dreihundert Jahre bedeuten kann. Für einen Europäer erscheint das ein wenig dürftig) und von "bizarren Überlieferungen geprägt" charakterisieren. Die Ausschließlichkeit der Schilderung des Seltsamen und Ungewöhnlichen ergeben ein verzerrtes Bild von Neu-England, das Lovecraft für seine Zwecke nutzt. Auch die Natur ist seinen Bedürfnissen gemäß dargestellt: "Der Reisende, der durch Massachusettes kommt und an dem Kreuzweg unterhalb der Aylesbury-Ranges die falsche Abzweigung einschlägt, gerät in eine merkwürdige verlassene Gegend. Das Gelände steigt an, und die mit wilden Rosen bewachsenen Steinwälle am Rand der staubigen gewundenen Landstraße rücken immer näher zusammen. Die Bäume in den dichten Waldgürteln erscheinen übernatürlich hoch, und die verhext wirkenden Sträucher, Büsche und Gräser wuchern in einer Üppigkeit, wie man sie nur höchst selten in von Menschen besiedelten Gegenden findet. Gleichzeitig aber sieht man kaum bebaute Felder, und die wenigen scheinen unfruchtbar und dürr zu sein; einzelne verstreute Gebäude sind alle gleichermaßen von Alter, Schmutz und Verfall gekennzeichnet Wenn die Straße noch mehr ansteigt und die Berge über den dichten Wäldern in den Blick kommen, verstärkt sich das ungute Gefühl. Die Gipfel sind zu rund und symmetrisch, als das sie beruhigend und natürlich wirken könnten, und dann und wann zeichnen sich am Himmel mit überdeutlicher Klarheit die sonderbaren Umrisse der großen Felssäulen ab, von denen die meisten gekrönt sind. Schluchten und Felsspalten von gefährlicher Tiefe durchschneiden den Weg, und die rohgezimmerten Holzstege scheinen von nur fragwürdiger Sicherheit. Senkt sich die Straße wieder, so gelangt man in eine weite Sumpflandschaft, gegen die man instinktiv Widerwillen empfindet; der man beinah mit Furcht begegnet, wenn gegen Abend Ziegenmelker - dem Auge verborgen - schreien und Feuerfliegen in ganz unnatürlichen Schwärmen hervorschwirren, um zu den heiseren, seltsam eindringlichen Rhythmen der hohlknarrenden Ochsenfrösche zu tanzen."31Die gesamte Umwelt, die Lovecraft schildert, hat einen düsteren, pathologischen Charakter. Es ist nicht mehr das einzelne Spukhaus oder die Burgruine als Schauplatz des Phantastischen, diese Topoi werden zwar beibehalten, aber ins Unendliche vergrößert. Ganze Städte und Landschaften sind vom Phantastischen infiltriert. Daraus folgt, daß nicht mehr nur Einzelne, sondern größere Gruppen oder sogar die ganze Menschheit in das Unheimliche einbezogen werden und ihm zum Opfer fallen können.

Die Relikte vormenschlicher Zivilisationen, die Grundlage einiger Erzählungen Lovecrafts bilden, fügen sich nahtlos in diese verzerrte Normalität ein. Immer handelt es sich um ganze Städte, die seit Jahrmillionen von ihren nichtmenschlichen (Tentakel, bewährt) Bewohnern verlassen sind, die aber in den verbotenen Büchern wie dem Necronomicon Erwähnung finden. Während Lovecraft in der Menschheitsgeschichte nur das Bizarre selektiert, wird er in der Beschreibung der vormenschlichen Zivilisationen zum Chronisten. Man findet eine detaillierte Beschreibung von Soziologie und Geschichte der Älteren Rassen. Auch hier sind die Dimension ins Ungeheure verzerrt: "Wir mußten uns an solch normale Dinge klammern, als wir unsere Blicke über dieses grenzenlose, vom Sturm verwüstete Tafelland schweifen ließen, und das beinahe endlose Labyrinth kolossaler, regelmäßiger und geometrisch eurhythmischer Gesteinsmassen sahen, ... Hier, auf einem unermeßlich alten Tafelland, in vollen 20000 Fuß Höhe und einem Klima, das seit einem nicht weniger als 50000 Jahre zurückliegenden, vormenschlichen Zeitalter für alles Leben todbringend sein mußte, erstreckte sich bis fast an den Horizont ein Gewirr regelmäßig geformter Steine, daß nur die verzweifelte Furcht, den Verstand zu verlieren, auf etwas anderes als einen bewußten, künstlichen Ursprung zurückzuführen vermochte Die Gestalt der Bauwerke war im allgemeinen konisch, pyramiden- oder terrassenförmig; es gab aber auch zahlreiche regelmäßige Zylinder, Quader, Gruppen von Quadern und andere rechteckig begrenzte Gebilde, außerdem merkwürdig verstreute winklige Gebäude, deren fünfeckiger Grundriß entfernt an moderne Befestigungsanlagen erinnerte. Die Erbauer hatten reichen Gebrauch von dem Prinzip des Bogens gemacht, und in der Glanzzeit der Stadt hat es wahrscheinlich auch Kuppeln gegeben ... Denn dies konnte keine gewöhnliche Stadt sein. Es mußte der ursprüngliche Kern und Mittelpunkt eines archaischen und unfaßbaren Kapitels der Erdgeschichte gewesen sein. Was davon nach außen gedrungen war, war im Chaos der Zuckungen der Erdkruste untergegangen, lange bevor irgendeine bekannte Menschenrasse das Affenstadium hinter sich gelassen hatte - um nur noch als vage Erinnerung in den dunkelsten und verzerrtesten Mythen weiterzuleben. Hier breitete sich eine paläogene Metropole vor unseren Augen aus, im Vergleich zu der die legendären Städte Atlantis und Lemuria, Commorium und Uzuldaroum und Olathoe im Lande Lomar Erscheinungen von heute sind - noch nicht einmal solche von gestern; eine Metropole, vergleichbar mit solchen sagenumwobenen, vormenschlichen Lästerungen wie Valusia, R'lyeh, Ib im Lande Mnar und der namenlosen Stadt in Arabia Deserta."32Die Nichtigkeit, die die Menschheit in Lovecrafts pessimistischen Universum einnimmt, wird den Protagonisten hier besonders deutlich.

33Um dies noch einmal zu verdeutlichen: "Ganz golden und lieblich glänzte sie im Sonnenuntergang, mit Mauern, Tempeln und Kolonnaden und Bogenbrücken aus geädertem Marmor, Fontänen prismatischen Sprühregens in silbernen Bassins auf weiten Plätzen und inmitten duftender Gärten und breiten Straßen, die zwischen köstlichen Bäumen, blütenüberladenen Urnen und glühenden Reihen elfenbeinerner Statuen verlief, während an schroffen Nordhängen Zeilen roter Dächer und alter, spitzer Giebel emporklommen und kleine grasüberwucherte Pflastersträßchen beherbergten. Sie war ein Fieber der Götter, eine Fanfare himmlischer Trompeten und ein Geschmetter unvergänglicher Zimbeln."

34

Die Bedeutung des Bösen

Im Werk H.P. Lovecrafts stoßen wir auf eine in der phantastischen Literatur ganz seltene Erscheinungsform des Bösen. Die erwähnte Verlagerung der Perspektive ins Dämonozentrische führt zu einer neuen Art der Bedrohung: sie ist vom Individuellen ins Kollektive gesteigert und somit total. Die verzerrte Welt Lovecrafts ist vom Phantastischen und Unheimlichen derart unterminiert, daß aus dieser Totalität kein Entkommen möglich ist. Dies erweist sich als besonders verhängnisvoll, wenn man erkennt, daß das Böse keinen Gegenpol hat. Der überkommene Dualismus wird in diesem Universum bedeutungslos, da Gott und Teufel nicht mehr streiten und der Schauplatz eines Menschen Herz ist, denn die Menschheit verschwindet in der kosmischen Perspektive der Älteren Mächte in vollkommener Nichtigkeit. Jegliche Vorstellung vor allem individuellen Heils wirkt in dieser Konstruktion geradezu absurd. Protagonist und auch Leser sind gefangen in einer Welt ohne Trost. Das Zynische dabei ist, daß das, was dem Menschen wegen seiner Übermächtigkeit als böse erscheint, als objektiv böse gar nicht gewertet werden kann. "Die Alten Wesen waren, sind und werden sein. Sie sind keine bloßen Symbole der Macht des Bösen, obwohl sie sich als dem Menschen feind erweisen können, auf dieselbe Weise, wie der Mensch den Ameisen feind ist, wenn sie ihm in die Quere kommen.

Die Alten Wesen stehen über und jenseits der Menschheit - sie transzendieren den Menschen und kümmern sich nicht stärker um ihn als dieser sich um die Ameisen."35Diese Gleichgültigkeit manifestiert sich in der Unpersönlichkeit der Bedrohung und schlägt sich in der, wenn auch aus stilistischen Gründen, gewollt vagen Beschreibung der Älteren Wesen nieder. Sie bleiben "... das schleimgrüne, klebrige Gezücht der Sterne ..."36Gleichgültigkeit und Sinnlosigkeit übertragen sich, gemäß Lovecrafts Weltbild, auch auf die universelle Ebene: Das Zentrum des Kosmos ist "der hirnlose Dämonen-Sultan Azathoth", "... und die Anderen Götter grunzten, als sie zum Klang dünner Flöten in der schwarzen, ultimaten Leere hirnlos rollten und taumelten ..."37. Dennoch wird diese unpersönliche Bedrohung aus der subjektiven Perspektive des Erzählers als böse gewertet, da sich Lovecraft bewußt ist, daß das Prinzip des Bösen für den Aufbau einer Horror-Erzählung notwendig ist.

Bedenkt man Lovecrafts Xenophobie, ist es nicht verwunderlich, wenn das Böse von außerhalb kommt, auch hier wieder - seiner Methode entsprechend - ins Unermeßliche gesteigert. Das Böse ist nicht polnischer Herkunft oder jüdischer Konfession, sondern außerirdisch, aber eben doch fremd. Dennoch findet sein alltäglicher Rassismus Platz in der Schilderung der menschlichen Handlanger des Bösen: "Von den dunkelhäutigen Kultteufeln spricht der Maat nur mit äußerstem Ekel. Irgendeine Scheußlichkeit war um sie, die ihre Vernichtung fast zur Pflicht machte, ..."38

Ähnliche Stellen findet man zuhauf.

Mit den überkommenen Formen des Bösen, die von einem Dualismus bedingt sind, und eine Sinngebung irgendeiner Art voraussetzen, hat Lovecraft endgültig gebrochen, trotzdem ist es ideologisch manifestiert. Das Böse ist bei ihm Ausdruck des Nihilismus, und kann somit nur subjektiv als böse gewertet werden. Daß die Schilderung der irdischen Manifestationen seines unpersönlichen Grauens von seinen pathologischen Ängsten und zum Teil auch banalen Abneigungen, wie zum Beispiel gegen Meeresfrüchte, geprägt sind, steht außer Frage.

Zusammenfassung und Abschlußbemerkung

Wie zu zeigen versucht wurde, ist das Unheimliche und Phantastische im Werk H.P. Lovecrafts wie folgt zusammenzufassen: das Grauen ist unpersönlich und entspringt Lovecrafts pessimistisch-materialistischem Weltbild. Die Unmöglichkeit des Phantastischen aus dem das Grauen entspringt, wird mit Hilfe von folgenden Stilmitteln glaubwürdig gemacht: Realität und Fiktion werden zu einem homogenen Ganzen montiert, wobei die Fiktion eine eigene Genealogie besitzt, in der wiederum Dichtung und Wahrheit vermischt ist. Der Protagonist spielt hierbei die Rolle des Augenzeugen, dem es zukommt, dem Leser durch das Anzweifeln der eigenen Wahrnehmung des Phantastischen eine scheinbare Objektivität des Berichts vorzugaukeln. Der Schwerpunkt der Erzählstrategie Lovecrafts liegt im Versuch eine größtmögliche atmosphärische Dichte zu erreichen. Dies geschieht durch eine detaillierte, zum Teil ausschweifende Schilderung der montierten Bilder, bewußt auf Kosten der Handlung und der psychologischen Auslotung der Charaktere, die angesichts der Totalität des Phantastischen in den Hintergrund treten. Lassen wir Lovecraft das Wort: "Atmosphäre ist die Hauptsache, denn das letztendliche Kriterium der Authentizität ist nicht das Knüpfen eines Handlungsfadens, sondern die Schaffung einer bestimmten Empfindung."39

Die zum Teil lächerlich wirkende Maniriertheit des Stils, vor allem seiner frühen Werke, hat Lovecraft kritiklos von seinen beiden großen Vorbildern E.A. Poe und Lord Dunsany übernommen, ohne deren Sicherheit im Umgang mit Arabesken erreichen zu können. "Dann kam aus der gleichen, furchtbaren Richtung ein verderblicher Stoß widerwärtiger, eiskalter Luft, worauf genau neben mir, auf jenem anstößig gespaltenen Grab von Mensch und Monster ein gellendes Kreischen erscholl. Im nächsten Moment wurde ich von den teuflischen Dreschflegeln einer unsichtbaren Wesenheit titanischer Größe aber undefinierbarer Natur von meiner gruseligen Bank gestoßen und glatt auf der wurzeldurchkrallten Krume dieses verabscheuungswürdigen Friedhofs hingestreckt, während aus dem Grab ein derart erstickter Tumult aus Keuchen und Schwirren quoll, das meine Phantasie das von keinem Lichtstrahl erhellte Düster mit Miltonschen Legionen der mißgestalteten Verdammten bevölkerte. Nun kam ein verdorrender, beinkalter Windstrudel, und dann das Geprassel loser Ziegelsteine und Mörtelbrocken; doch ehe ich noch die Bedeutung dessen erfahren konnte, hatte mich eine barmherzige Ohnmacht umfangen." Das ist keine atmosphärische Dichte mehr, sondern wirkt schlicht albern. Von seiner Adjektivitis hat sich Lovecraft auch in späteren Jahren nie ganz befreien können. Hier liegt einer der meistgenannten Kritikpunkte an Lovecrafts Oeuvre.

Von Arthur Machen übernimmt Lovecraft die Motive der vormenschlichen Kulturen und der philosophischen Einordnung des Phantastischen, wobei Machen seine Theorien über das Böse expliziter formuliert. Seine Geschichten werden durch eine Behauptung eingeleitet, die mit der folgenden Schilderung eines phantastischen Erlebnisses bestätigt wird.

Trotzalledem sind Dunsany und Machen heute in Vergessenheit geraten, während Lovecraft geradezu Kultstatus erlangt hat, obwohl zu seinen Lebzeiten nur eine Erzählung, Schatten über Innsmouth41in Buchform erschien. Erst zwei Jahre nach Lovecrafts Tod gründete sein Nachlaßverwalter August Derleth den ausschließlich auf weird fiction spezialisierten Verlag Arkham House, der 1939 als seine erste Publikation The Outsider and Others,42die neben einiger der besten Geschichten Lovecrafts den Aufsatz Supernatural Horror in Literature enthielt. Arkham House veröffentlicht heute noch phantastische Erzählungen von Lovecrafts Epigonen wie Ramsey Campell oder Brian Lumley (bisher ohne deutsche Übersetzung). Lovecrafts endgültiger posthumer Durchbruch kam mit der Horror-Welle in den USA Ende der sechziger Jahre. War zu Anfang des Jahrzehnts Roger Cormans filmische Bearbeitung des Fall Charles Dexter Ward (deutsch: Die Folterkammer des Hexenmeisters (sic.!)) aufgrund der Absatzstrategie der Produzenten noch E.A. Poe zugeschrieben, gibt es seit etwa 1970 eine Vielzahl von phantastischen Filmen, die sich mehr oder (meistens) weniger an Lovecrafts Werk anlehnen, oder zumindest Namen wie Cthulhu, Necronomicon und Arkham als Zugpferd benutzen.

Innerhalb des phantastischen Genres hat Lovecrafts Yog-Sothoth-Mythenzyklus eine eigene Dynamik entwickelt. Neben Epigonen-Romanen und Filmen existieren auch Comics und Fantasy-Spiele mit dem Mythos als Grundlage. Lovecrafts programmatische Verwischung von Realität und Fiktion ist durchaus auf fruchtbaren Boden gefallen - eine Unmenge von hirnverwischten Hobby-Hexenmeistern versucht aus Pseudo-Necronomicon-Nachdrucken den großen Cthulhu heraufzubeschwören. Aber auch Umberto Eco, der in seinem Roman Das Foucaultsche Pendel genau diese Herrschaften ironisch darstellt, erwähnt in diesem Zusammenhang Lovecrafts Mythos.

Abschließend läßt sich sagen, daß das Oeuvre Lovecrafts einen Übergang von der phantastischen Literatur des 19. Jahrhunderts zu der des 20. bildet. Seine Charaktere sind Figuren, die wie Lovecraft selbst in ihrer Zeit deplaziert wirken und eher in die viktorianische Ära passen. Das Sujet der dunsanesken Traum-Erzählungen ist ebenso in die Vorstellungswelt der Dekadenz einzuordnen. Im Kontrast dazu stehen seine eindeutigen Science-Fiction-Motive, wie etwa die Beschreibung der Kultur, Wissenschaft und Technik der vor-, parallel- und nach- menschlichen Zivilisationen und die Verwendung von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und technischen Errungenschaften."... davon rührt vielleicht die Überzeugung, bei Lovecraft hätte man es mit keiner typischen Konstellation der Weird Fiction zu tun; davon gelangt man zu der Überzeugung, seine Geschichten drehten sich um das in der SF so populäre Motiv des Weltuntergangs ... Nichts dergleichen. Die Erzählungen H.P. Lovecrafts stellen eine ontologisch typische Weird Fiction dar, mit der üblichen Verteilung der Zeichen und einer charakteristischen Zweispaltung der Dinge. Nur sind die elementaren Ladungen unendlich vergrößert, die elementaren Parteien viel mächtiger, ist das Übernatürliche mit viel stärkeren Farben gezeichnet, als es sonst der Fall ist. Der Kampf zwischen dem Alltäglichen und dem Wunderbaren geht hier um das Heil der ganzen Menschheit - nicht um die Seelenruhe des Einzelnen -, er ist aber da. Und gerade das ist der entscheidende Faktor, der innerhalb der phantastischen Literatur das Wesen der Weird Fiction bestimmt."43

Bibliographie

Primärquellen

Dunsany, Lord Edward John Morton Drax Plunkett, Das Fenster zur anderen Welt, Frankfurt 1971

Eco, Umberto, Das Foucaultsche Pendel, München 1989

Lovecraft, Howard Phillips, Berge des Wahnsinns, Frankfurt 1990 ders., Cthulhu - Geistergeschichten, Frankfurt 1972

enthält: Pickmanns Modell, Die Ratten im Gemäuer, Die Musik des Erich Zann, Der leuchtende Trapezoeder, Das Grauen von Dunwich, Cthulhus Ruf

ders., Das Ding auf der Schwelle, Frankfurt 1969

enthält: Das Ding auf der Schwelle, Der Außenseiter, Die Farbe aus dem All, Träume im Hexenhaus, Der Schatten aus der Zeit

ders., Der Fall Charles Dexter Ward, Frankfurt 1990

ders., In der Gruft, Frankfurt 1982

enthält: In der Gruft, Kühle Luft, Der Schreckliche Alte Mann, Die Aussage des Randolph Carter, Polaris, Jenseits der Mauer des Schlafes, Das Verderben, das über Sarnath kam, Vom Jenseits, Der Baum, Das Mond-Moor, Die Anderen Götter, Iranons Suche, Hypnos, Das Unnennbare, Der boshafte Geistliche, Das Tier in der Höhle, Der Alchimist, Das Grab, Gefangen bei den Pharaonen, In den Mauern von Eryx

ders., Die Katzen von Ulthar, Frankfurt 1981

enthält: Die Katzen von Ulthar, Das weiße Schiff, Celephais, Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath, Der Silberschlüssel, Durch die Tore des Silberschlüssels ders., Stadt ohne Namen, Frankfurt 1981

enthält: Stadt ohne Namen, Dagon, Der Hund, Das Fest, Das merkwürdig hochgelegene Haus im Nebel, Grauen in Red Hook, Das Bild im Haus, Herbert West - der Wiedererwecker, Der Tempel, Er, Die lauernde Furcht, Arthur Jermyn, Nyarlathotep, Das gemiedene Haus Arthur Machen, Die leuchtende Pyramide, Frankfurt 1969

Sekundärliteratur

Alpers, Hans Joachim, hsg., H.P. Lovecraft - der Poet des Grauens, Meitingen 1983 de Camp, L. Sprague, Lovecraft, eine Biographie, Frankfurt 1989 Kirde, Kalju, H.P. Lovecraft - Azathoth, Frankfurt 1987

Lovecraft, Howard Phillips, Unheimlicher Horror - Das übernatürliche Grauen in der Literatur - Ein Essay, Frankfurt 1987

Praz, Mario, Liebe, Tod und Tapir - Die schwarze Romantik, München 1970 Rottensteiner, Franz, hsg., Der Einsiedler von Providence, Frankfurt 1992 ders., Über H.P. Lovecraft, Frankfurt 1984

[...]


1Nach L. Sprague de Camp, Lovecraft, eine Biographie, Frankfurt 1989, p. 21

2op. cit., p. 23

3H.P. Lovecraft an F. B. Long, in: Hans Joachim Alpers hsg., H.P. Lovecraft - der Poet des Grauens, Meitingen 1983, p. 124

4de Camp, Lovecraft..., p. 80

5"...werden wir jemals solche Weiber sein, daß wir das unmännliche Zirpen eines Schlichters dem lustvollen Schlachtruf eines blauäugigen, blondbärtigen Kriegers vorziehen? Die einzige gesunde Macht der Welt ist die Macht eines behaarten, muskulösen rechten Armes! Ich bin nordisch von Natur - eine kreideweißer, massiger teutonischer Schlächter aus den Wäldern Skandinaviens oder Norddeutschlands... - ein Sohn des Donners und der arktischen Winde, ein Bruder des Frosts und der Morgenröte - ich bin einer, der das Blut der Feinde trinkt aus frisch gehau'nem Schädel." op. cit., p. 92

6op cit., p. 93

7H.P. Lovecraft, Jenseits der Mauer des Schlafes, in: In der Gruft, Frankfurt 1982, p. 43, siehe auch H.P. Lovecraft, Azathoth, Frankfurt 1989, p. 296ff: Lovecraft erzählt einen seiner Träume: "Nun also - in meinem Traum wurde ich, während ich in vertrauter ländlicher Gegend spazieren ging, plötzlich von einem Schwarm schnell aus dem Himmel herabschießender Insekten angegriffen. Sie waren winzig und stromlinienförmig und schienen im Stande zu sein, meine Schädeldecke zu durchdringen und ins Gehirn einzudringen, als wäre ihre Substanz nicht völlig materiell. Kaum waren sie in meinen Kopf eingedrungen, schienen meine Identität und Lage höchst zweifelhaft zu werden. Ich erinnerte mich an außerirdische und unglaubliche Szenen - Klippen und Felsnadeln, die von violetten Sonnen erhellt werden, phantastische Säulen aus zyklopischem Mauerwerk, vielfarbige Pilzvegetation, halb formlose Gestalten, die über grenzenlose Ebenen scharwenzelten, bizarre Reihen von Wasserfallstaffeln, oben offene Steinzylinder, zu denen Strickleitern hinaufführten, wie die Weberleinen von Schiffen, labyrinthische Korridore und geometrisch mit Fresken ausgemalte Räume, merkwürdige Gärten mit unerkennbaren Pflanzen, in Roben gekleidete amorphe Wesen, die mit einem nicht vokalen Pfeifen sprachen - und unzählige Vorfälle unbestimmter Natur und unnützlichen Wirkungen. Ich wußte überhaupt nicht, wo genau ich war - es gab jedoch die bedrückende Empfindung unendlicher Ferne und völliger Fremdartigkeit im Vergleich zur Erde und zum Menschengeschlecht. Zu keinem Zeitpunkt geschah wirklich etwas - und ich merkte, daß ich vor dem tatsächlichen Erwachen beträchtliche Zeit geträumt hatte. Nach dem Aufstehen machte ich in meinem schwarzen Buch ... eine Notiz von dem Traum, und eines Tages verwende ich vielleicht diesen Traum ... unverfälscht in einer Geschichte

8"Psychologisch fühle ich eine immens angewachsene Ziellosigkeit und die Unfähigkeit, mich für die Dinge zu interessieren, ein Phänomen, das teils dem Umstand zuzuschreiben ist, daß mein überwiegendes Interesse an den Dingen darin bestand, sie mit meiner Mutter zu erörtern und mich ihrer Ansichten und ihrer Billigung zu versichern ... Ich verachte mich selbst, weil ich weiterlebe, ohne die geringste gültige Ausrede für die Fortsetzung einer so kläglich Farce angeben zu können ... früher oder später werde ich vernünftig genug sein, die nötigen Schritte zu unternehmen, um zu einem Schlaf von barmherziger Dauer zu gelangen." op. cit. 118

9op. cit., p. 134

10ibd. op. cit., p. 151

12H.P. Lovecraft, Das Grauen in Red Hook, in: Stadt ohne Namen, Frankfurt 1973, p. 66

13Supernatural Horror in Literature, deutsch: Unheimlicher Horror - Das über- natürliche Grauen in der Literatur, Frankfurt 1987

14de Camp, Lovecraft..., p. 185

15op. cit., p. 266

16op. cit., p. 216

17H.P. Lovecraft, Das Grauen von Dunwich, in: Cthulhu - Geistergeschichten, Frankfurt, 1972, p. 148 - 149

18Dirk W. Mosig, H.P. Lovecraft: Mythenschöpfer, in: Über H.P. Lovecraft, Franz Rottensteiner hsg., Frankfurt 1984, Zitat p. 148: "Und obwohl Cthulhu in dem Necronomicon, das in Das Grauen von Dunwich angeführt wird, lediglich als Cousin der Alten Wesen beschrieben wird und vielleicht auch einer der schwächsten und unwichtigsten der hauptsächlichen Wesen ist, die im Yog-Sothoth-Mythenzyklus vorkommen - davon abgesehen, daß er in allernächster Umgebung existiert -, tat er es Derleth so sehr an, daß er Lovecrafts Pseudomythologie den besonders unpassenden Spitznamen Cthulhu-Mythos gab und unzählige pseudo-cthulhuoide Pastichen schrieb ..."

19H.P. Lovecraft, Anmerkungen zum Schreiben unheimlicher Erzählungen, in: Azathoth, ibd., p. 259

20H.P. Lovecraft, Der Schatten aus der Zeit, in: Das Ding auf der Schwelle, Frankfurt 1969, p. 131

21So zum Beispiel in Das Ding auf der Schwelle, Pickmans Modell oder Cthulhus Ruf H.P. Lovecraft, Die Ratten im Gemäuer, in: Cthulhu - Geistergeschichten, Frankfurt 1972, p. 39

23ibd., p. 71

24Sogar eine normalerweise nüchterne und prosaische Figur wie ein Polizist fügt sich bei Lovecraft in dieses Schema: Thomas F. Malone: "Bei Malone war der Sinn für die verborgenen Geheimnisse, die es gibt, stets gegenwärtig. In der Jugend hatte er die verborgene Schönheit und Verzückung der Dinge empfunden und war Dichter geworden ... Er hatte nicht umsonst Abhandlungen wie Miß Murrays Witch Cults in Western Europe gelesen, und er wußte, daß bis in die letzte Zeit unter den Bauern und dem heimlichen Volk ein schreckliches und geheimes System von Versammlungen und Orgien überlebt hatte ...," aus: Lovecraft, Grauen..., ibd., p. 64 - 67

25H.P. Lovecraft, Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath, in: Die Katzen von Ulthar, Frankfurt 1980

26Michael Kosler, Anmerkungen zur Erzählkunst Howard Phillips Lovecrafts, in: Über H.P. Lovecraft, Franz Rottensteiner hsg., Frankfurt 1984

27H.P. Lovecraft, Der Fall Charles Dexter Ward, Frankfurt 1990, p. 31 ff,

28H.P. Lovecraft, Geschichte und Chronologie des Necronomicons, in: Azathoth, ebd.

29Marek Wydmuch, Der erschrockene Erzähler, in: Über H.P. Lovecraft, ibd., p. 118

30So zum Beispiel Der Außenseiter, Die Aussage des Randolph Carter, Der Hund, Das Fest, Der Alchimist, Die Ratten im Gemäuer

31H.P. Lovecraft, Das Grauen von Dunwich, in: Cthulhu..., ibd., p. 125 ff.

32H.P. Lovecraft, Berge des Wahnsinns, Frankfurt 1990, p. 80 ff.

33Gilles Menegaldo, Die Stadt im Werk H.P. Lovecrafts, in: Über H.P. Lovecraft, ibd. p. 226

34H.P. Lovecraft, Die Traumsuche..., ibd., p 25

35Dirk. W. Mosig, H.P. Lovecraft: Mythenschöpfer, ibd., p146

36H.P. Lovecraft, Cthulhus Ruf, ibd., p. 236

37H.P. Lovecraft, Die Traumsuche..., ibd., p. 133 ff.

38H.P. Lovecraft, Cthulhus Ruf..., ibd. p. 232

39H.P. Lovecraft, Unheimlicher Horror: das übernatürliche Grauen in der Literatur; ein Essay, Frankfurt 1987, p. 11

40H.P. Lovecraft, Das Unnennbare, in: In der Gruft, ibd., p. 115

41H.P. Lovecraft, The Shadow over Innsmouth, Everett 1936

42H.P. Lovecraft, The Outsider and Others, Sauk City 1939

43Marek Wydmuch, Der erschrockene Erzähler, ibd., p. 124

20 von 20 Seiten

Details

Titel
Das Unheimliche und Phantastische im Werk H.P. Lovecrafts
Note
1
Autor
Jahr
1994
Seiten
20
Katalognummer
V104465
Dateigröße
955 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unheimliche, Phantastische, Werk, Lovecrafts
Arbeit zitieren
Dirk Puehl (Autor), 1994, Das Unheimliche und Phantastische im Werk H.P. Lovecrafts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104465

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