Diese Arbeit soll die Feminisierung der Bezeichnung "l’ambassadeur" untersuchen und plausibel darstellen. Hierfür werden zunächst die in der französischen Grammatik etablierten Strukturen des Genus/Sexus-Konflikts sowie des Generischen Maskulinums erläutert und mit der zentralen Fragestellung in Bezug gebracht. Daraufhin folgt eine ausführliche Untersuchung des Gegenstands Feminisierung, wobei neben dem geschichtlichen Hintergrund vor allem die Gegenüberstellung der Argumente von Feminisierungsbefürwortern und -gegnern eine zentrale Rolle spielt.
Anschließend soll aufgezeigt werden, ob und wie sich die feminisierte Bezeichnung "l’ambassadrice" aktuell durchsetzt, wobei auf einige Zeitungsartikel und Online-Wörterbücher eingegangen wird. Zuletzt wird die Arbeit ein knappes Resümee des Inhalts liefern, wobei dem Leser die Inhalte noch einmal knapp geschildert werden und ein Ausblick die Informationen darlegt, welche Tendenzen sich in den Folgejahren wohl abzeichnen werden und mit welchem Tempo die Feminisierung voranschreiten wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vorherrschende Grammatik
2.1 Genus und Sexus im Konflikt
2.2 Generisches Maskulinum
2.2.1 Allgemeines
2.2.2 Anwendung auf das Amt des Botschafters
3 Die Feminisierung von l'ambassadeur
3.1 Geschichtlicher Hintergrund
3.2 Argumentation der Unterstützer*innen
3.3 Argumentation der Gegner*innen
3.4 Untersuchung von l'ambassaderice in französischsprachigen Publikationen
4 Fazit und Ausblick
5 Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Feminisierungsprozess der Amtsbezeichnung l'ambassadeur im Französischen und analysiert dabei das Spannungsfeld zwischen sprachwissenschaftlichen Strukturen und gesellschaftlichen Anforderungen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der Begriff l'ambassaderice gegen das traditionelle generische Maskulinum durchsetzt und welche Argumentationslinien diesen sprachlichen Wandel begleiten.
- Analyse des Genus-Sexus-Konflikts im französischen Sprachsystem
- Untersuchung der Rolle des generischen Maskulinums in Amtsbezeichnungen
- Darstellung der historischen Hintergründe der Geschlechterrollen im Berufsleben
- Gegenüberstellung der Positionen von Befürwortern und Kritikern der Feminisierung
- Empirische Betrachtung der Verwendungspraxis in aktuellen Medien und Online-Wörterbüchern
Auszug aus dem Buch
3.1 Geschichtlicher Hintergrund
Nachdem wir zuletzt ausführlich auf komplexe sprachliche Strukturen eingegangen sind und nun herleiten können, wie zumindest aus linguistischer Sicht die Bezeichnung l'ambassadeur das Äquivalent für ‘der Botschafter’ und ‘die Botschafterin’ darstellen kann und konnte, soll nun konkret auf den Prozess der Feminisierung dieses Begriffs eingegangen werden. Aus diesem Grund wird der folgende Abschnitt offenlegen, vor welchen gesellschaftlichen und geschichtlichen Hintergründen derart einseitige Ausdrücke entstehen konnten. Hierbei wird vor allem auf die Rolle der Frau innerhalb der Bevölkerung Bezug genommen.
Wie bereits in der Einleitung angeführt, bildet mit Anne-Marie Descôtes erstmals eine Frau die Spitze der französischen Niederlassung in Berlin, womit eine lange Ära von ausschließlich männlichen Diplomaten in Deutschland ihr Ende findet. Hier wird bewusst von Deutschland gesprochen, da sowohl Botschafter zur Zeit des Deutschen Reiches als auch jene seit der Ausrufung der Bundesrepublik Deutschland 1949 ihren Weg in das Verzeichnis finden (vgl. Benz 2008). Um die Ursache hierfür erfassen zu können, muss man das Rad der Zeit bis ins Mittelalter zurückdrehen und die Stellungen von Mann und Frau innerhalb der Gesellschaft untersuchen (vgl. Schafroth 1998: 157). Schafroth führt an, „[...] daß seit dem Mittelalter die am Arbeitsleben teilhabende Frau die Regel war und erst im bürgerlichen 19. Jahrhundert die Regel wurde“ (1998: 158, zitiert nach Klapisch-Zuber (Hg.) 1990, 305ff). Es ist allerdings wichtig, die Ergänzung anzuführen, dass die Tätigkeiten, denen Frauen nachgingen, stets von niedrigem Prestige waren. Zu nennen wären hier beispielsweise Arbeiten als Handwerkerin, intrafamiliäre Arbeitskraft oder Lohnempfängerin für das „[...] städtische Milieu [...]“ (Schafroth 1998: 158), während auf dem Land wahrliche „Knochenjobs“ wie „[...] schwerste Feldarbeiten, Hausarbeiten, auch das Bierbrauen, Brotbacken, Pflanzen und Verarbeiten von Flachs und Hanf [...]“ (ebd.) von Frauen ausgeübt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Verwendung maskuliner Amtsbezeichnungen für Frauen ein und stellt die Forschungsfrage zur Feminisierung des Begriffs l'ambassadeur.
2 Vorherrschende Grammatik: Dieses Kapitel erläutert die linguistischen Grundlagen des französischen Genussystems, insbesondere den Konflikt zwischen grammatikalischem Genus und biologischem Sexus.
3 Die Feminisierung von l'ambassadeur: Der Hauptteil analysiert die historischen Gründe für die fehlende weibliche Form, die Argumente beider Parteien im Diskurs sowie die reale Verwendung in aktuellen Medien.
4 Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert die Ergebnisse der Untersuchung und bewertet den aktuellen Stand sowie die zukünftigen Tendenzen der Feminisierung von Amtsbezeichnungen.
5 Bibliographie: Dieses Kapitel listet sämtliche für die Arbeit herangezogenen Quellen und Literaturverweise auf.
Schlüsselwörter
Feminisierung, l'ambassadeur, l'ambassaderice, generisches Maskulinum, französische Sprache, Genus, Sexus, Diplomatie, Sprachwandel, Berufsbezeichnungen, linguistische Diskriminierung, Académie française, Geschlechtergerechtigkeit, Sprachgebrauch, Amtsbezeichnungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Feminisierung der französischen Amtsbezeichnung l'ambassadeur in einem sich wandelnden gesellschaftlichen Kontext vollzieht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Themenbereiche Sprachwissenschaft (insb. Grammatik und Genus), historische Geschlechterrollen sowie die aktuelle Sprachpraxis in französischen Medien und Wörterbüchern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, plausibel darzustellen, wie und warum sich die femininere Bezeichnung l'ambassaderice aktuell durchsetzt und welche linguistischen Barrieren sie dabei überwinden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine linguistische Analyse, die eine theoretische Fundierung durch Grammatikmodelle mit einer Untersuchung der aktuellen Sprachverwendung in Online-Lexika und Tageszeitungen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Darstellung der Argumente für und gegen die Feminisierung durch verschiedene Interessengruppen sowie eine empirische Auswertung von Zeitungsartikeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Feminisierung, generisches Maskulinum, Sprachwandel und französische Amtsbezeichnungen erschließen.
Warum spielt das generische Maskulinum bei Amtsbezeichnungen eine so große Rolle?
Das generische Maskulinum wird im Französischen traditionell als geschlechtsneutral verwendet, was jedoch bei spezifischen Ämtern oft zu einer sprachlichen Asymmetrie und der unsichtbaren Behandlung von Frauen führt.
Wie reagiert die Académie française auf den Feminisierungsprozess?
Lange Zeit lehnte die Institution den Wandel vehement ab und verteidigte das generische Maskulinum, zeigt sich jedoch in jüngerer Zeit einsichtiger gegenüber dem notwendigen Sprachwandel.
Welche Bedeutung kommt der Person Anne-Marie Descôtes im Kontext dieser Arbeit zu?
Sie dient als aktuelles Fallbeispiel, da sie als erste Frau an der Spitze der französischen Botschaft in Berlin die Notwendigkeit und den Gebrauch der weiblichen Form l'ambassaderice verdeutlicht.
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- Niklas Dückminor (Author), 2021, L’ambassadeur oder l’ambassadrice? Eine französische Amtsbezeichnung im Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1044790