Hesse, Hermann - Das Glasperlenspiel


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

4 Seiten, Note: 1


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Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel

„Der eigenartige Dichter, der erst am Anfang seiner Laufbahn steht, wird noch viel von sich reden machen.“ So konnte man es 1905 in einer Aarauer Tageszeitung lesen, die einen Bericht über eine Lesung des 30jährigen Hesse brachte. Diese Prognose sollte sich im Laufe der Jahre bestätigen. Hermann Hesse wurde für seine Werke, zweifelsohne ein Meilenstein der zeitgenössischen Literatur, unter anderem 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Nun möchte ich euch einen bekannten Bildungsroman Hesses vorstellen: Das Glasperlenspiel, 1943 erschienen.

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt:

- als Einleitung eine Beschreibung des Glasperlenspiels
- dann die Lebensbeschreibung der Hauptperson Magister Ludi Josef Knecht
- und Josef Knechts hinterlassene Schriften

Als erstes möchte ich die Einleitung kurz zusammenfassen:

Dem historischen Abriss über Entstehung, Geschichte und Sinn des Glasperlenspiels ist ein von Hesse formuliertes Motto vorangestellt. Es macht klar, dass Kastalien, eine Art autarkes Eliteinternat für Glasperlenspieler ohne Kontakt zur Aussenwelt, und das Glasperlenspiel nicht real existieren. Die Absicht Hesses ist es, einiges aus dem Leben Josef Knechts, des späteren Ludi Magister Josephus III. und das Bild seiner Persönlichkeit zu skizzieren. Das Glasperlenspiel wird als sublime Universalwissenschaft, die alles, was der menschliche Geist im laufe seiner Geschichte geschaffen hat, von Musik über Mathematik bis hin zur Philologie, in sich vereint, um mit den unterschiedlichen Ausdrücken der gleichen sich dahinter verbergenden Wahrheit spielerisch artifiziell umzugehen. Eine Anleitung oder genaue Beschreibung gibt Hesse allerdings nicht.

Nun zum Hauptteil:

Die Berufung

Josef Knecht wird von der Erziehungsbehörde adoptiert, über seine Eltern ist nichts bekannt. Mit zwölf Jahren ist er Lateinschüler in der Kleinstadt Berolfingen, und der kastalischen Behörde schon mehrfach empfohlen worden. Aus diesem Grund kommt der Musikmeister, einer der zwölf Magister der kastalischen Eliteschulen den Vorgeschlagenen zu prüfen. Für Knecht wird diese Begegnung zu einem unvergesslichen Erlebnis. Er kommt nach Eschholz, in dessen Schulbetrieb er sich ohne Mühe einordnet. Wiederbegegnungen mit dem Musikmeister und am Ende seiner Schulzeit ein Aufenthalt bei diesem in Monteport, wo er in Meditationsübungen und Anfänge des Glasperlenspiels eingeweiht wird, prägen ihn nachhaltig.

Waldzell

Josef Knecht wird nach Waldzell versetzt, dies bedeutet für ihn eine hohe Auszeichnung. Sein Interesse für Musik läßt Knecht dem Glasperlenspiel erst kühl gegenüberstehen, wegen der Vernachlässigung der Einführung in das Glasperlenspiel wird er sogar vom Schulvorstand gerügt. In Waldzell schließt Knecht Freundschaft mit Carlo Ferromonte, der später Vertreter des Musikmeisters wird. Bedeutsamer aber wird die Begegnung mit dem Hospitanten Plinio Designiori, der gastweise in der Eliteschule erzogen wird. Plinio bekennt sich in Waldzell zu seiner nichtkastalischen aber weltlichen Gesinnung. Als gewandter Redner bildet er in der Schülergruppe den anziehenden Mittelpunkt. Auch Knecht spürt Plinios Werbung, erkennt aber zugleich die Gefahr die er für ihn bedeutet. Der Musikmeister fordert ihn allerdings auf, die Freundschaft anzunehmen und Kastalien gegen seine Kritiker zu verteidigen. Zur gleichen Zeit erfährt Josef Knecht seine zweite Berufung: ihn beglücken, stärken und bestätigen seine ersten Vorstöße in die Welt des Glasperlenspiels.

Studienjahre

Mit der Entlassung aus Waldzell ist seine Schülerzeit abgeschlossen und es beginnen die Jahre des freien Studierens. Von den Studenten wird jedes Jahr die Abfassung einer fiktiven Selbstbiographie, die am Ende des Buches in dem Kapitel Lebensläufe zusammengefasst sind, verlangt. Er widmet sich den Glasperlenspielstudien, zieht sich dafür monatelang zurück und wird vom Musikmeister beauftragt, als Lehrer des Glasperlenspiels an das Benediktinerkloster Mariafels zu gehen.

Zwei Orden

Knecht gelingt es durch sein Auftreten Pater Jakobus, einen bedeutenden Gelehrten und Diplomaten der römischen Kirche für Kastalien einzunehmen.

Die Mission

Erst Jahre später erfährt er den Grund seiner Mission: er soll Pater Jakobus dafür gewinnen, dass dieser in Rom die Errichtung einer ständigen Vertretung des kastalischen Ordens befürworte. Seine Mission soll ihm gelingen.

Magister Ludi

Als Knecht nach Waldzell zurückkehrt, verstirbt der Magister Ludi Thomas von der Trave, nach wenigen Tagen wird er überraschend zu seinem Nachfolger bestellt.

Im Amte

Mit Eifer, Freude und Geschick erfüllt Knecht seine Amtspflichten. Das Glasperlenspiel als sublime Kunst immer auf der Höhe der neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft zu halten, ist sein Anliegen. Der Altmusikmeister, das große Vorbild Knechts, verstirbt.

Die beiden Pole

Erfolgreich verläuft Knechts erstes Jahresspiel. Er weiß Kastalien der Geschichte, der Vergänglichkeit unterworfen, er erkennt auch die Gefahren, die dem Spiel und der Provinz drohen. In seinem Wirken treten deutlich zwei Grundtendenzen hervor: einerseits die Tendenz zum selbstlosen Dienst an der Hierarchie, andererseits die Tendenz zum Ausbrechen aus dem goldenen Käfig.

Vorbereitungen

Viele Jahre lang verwaltet er sein Amt gewissenhaft, glaubt sich aber am Ende der Möglichkeiten der freien Entfaltung. Er begegnet Plinio Designori, der in die Regierungskommission zur Kontrolle des kastalischen Haushaltes gewählt worden ist. Bald wird er wieder enger Freund Knechts.

Das Rundschreiben

In Knecht wächst der sehnliche Wunsch, Kastalien zu verlassen, durch Besuche bei Plinio in der Stadt wird dieser Wunsch bestärkt. Er fasst den Beschluss, sein Amt niederzulegen und ein neues Leben als Lehrer an einer normalen Schule zu beginnen. Sein Gesuch wird mit den Worten: “Was würde aus Kastalien, wenn jeder seine Person, seine Gaben und Eignungen selber einschätzen und sich seinen Posten danach aussuchen wollte!“ abgelehnt.

Die Legende

Knecht aber gibt sich nicht geschlagen, er verlässt Kastalien Knall auf Fall. Er reist in die Stadt, wo Plinio Designiori ihn erwartet; Knecht soll der Erzieher seines Sohnes Tito werden. Gemeinsam reisen sie ins Gebirge. Bei dem Versuch mit Tito einen Bergsee zu durchschwimmen, stirbt Josef Knecht. Dieser Anruf zur Mutprobe war für ihn stärker war als das Gefühl der Unsicherheit und Schwäche.

Der dritte Buchabschnitt sind die drei Lebensläufe Knechts, der Regenmacher, der Beichtvater und der indische Lebenslauf, verfasst in seiner Studienzeit in Waldzell. Auf sie möchte ich nicht näher eingehen, da sie den Verlauf der Geschichte nicht nachhaltig beeinflussen. Die Gedichte des Schülers und Studenten Josef Knecht dagegen lassen sich auf zwei Arten interpretieren: einmal als Äusserung Knechts und damit als Ergänzung, Erweiterung und Bereicherung der Glasperlenspielhandlung, zum anderen als unabhängiges, selbstständiges Gedicht.

Nun zur Personencharakteristik Knechts:

Plinio Designiori hat ihn einmal treffend charakterisiert: „Er war ein viel größerer Schelm, als seine Leute ahnten, voll Spiel, voll Witz, voll Durchtriebenheit, voll Spaß am zaubern, am Sichverstellen, am überraschenden Verschwinden und Auftauchen... Ich glaube, Menschen von seiner Art tun das meiste unbewusst, wie reflektorisch, sie fühlen sich vor eine Aufgabe gestellt, hören sich von einer Not angerufen und geben sich dem Anruf ohne weiteres hin.“

Josef Knecht ist zeit seines Lebens ein Dienender, Hesse hat seinen Namen wahrlich treffend ausgewählt. Er dient Kastalien, als er es gegen die Angriffe Plinios verteidigt und er wächst dabei über seine bis dahin erreiche Lebensstufe hinaus. Er dient Kastalien in Mariafels und schließlich als Magister Ludi, und gerade dieses Dienen ist es, das ihn emporhebt und aus Kastalien hinausführt. Gleichsam symbolhaft kommt dabei ein musikalisches Motiv ins Bild: Musik hat ihm die Tore Kastaliens geöffnet, als der Musikmeister mit ihm zwei-, drei- und vierstimmig spielte; Musik steht am Ende seiner kastalischen Epoche, als er, seine Flöte blasend, die Provinz verlässt. Auch im Hause Designiori bleibt er Dienender. Josef Knecht bleibt es auch in der Bergeinsamkeit mit Tito; und auch hier führt ihn gerade das Dienen wiederum auf eine neue Stufe in anderen Räumen. Dieses Dienen wird Symbol zugleich für den Versuch Knechts, Kastalien und die Welt zu versöhnen.

Jetzt eine wichtige Szene aus dem Buch, die Todesszene Josef Knechts

Textausschnitt aus „Das Glasperlenspiel“

Der See, aus Gletscherwassern gespeist und selbst im wärmsten Sommer nur für sehr abgehärtete bekömmlich, empfing ihn mit einer Eiseskälte von schneidender Feindseligkeit. Er war auf einen tüchtigen Schauer gefasst gewesen, nicht aber auf diese grimmige Kälte, die ihn ringsum wie mit lodernden Flammen umfasste und nach einem Augenblick aufwallenden Brennens rasch in ihn einzudringen begann. Er war nach dem Absprung schnell wieder emporgetaucht, entdeckte mit großem Vorsprung vor sich den Schwimmer Tito wieder, fühlte sich von dem Eisigen, Wilden, Feindseligen bitter bedrängt und glaubte noch um die Verringerung des Abstandes, um das Ziel des Wettschwimmens, um die Achtung und Kameradschaft, um die Seele des Knaben zu kämpfen, als er schon mit dem Tode kämpfte, der ihn gestellt und zum Ringen umarmt hatte. Mit allen Kräften kämpfend hielt er ihm Stand, solange das Herz noch schlug.

S. 470. Zeile 16-33

Diese Textstelle verleitet dazu, dem Autor Einfallslosigkeit oder Resignation vorzuwerfen. Betrachtet man allerdings das ganze Buch, so kann man genau verfolgen wie sich der Tod Schritt für Schritt vorbereitet wird. Er ist wohl nur eine Erlösung für Josef Knecht, der sein ganzes Leben lang an seine Grenzen gestoßen ist, gegen den Tod allerdings keine Chance hatte. Vielleicht wird er auch dafür bestraft, Kastalien ohne Erlaubnis verlassen zu haben, gegen seinen Eid, ihm immer treu zu bleiben verstoßen und die Grenzen der Institution Kastalien für sich erkannt hat. Es könnte gut sein, dass sein Unterbewusstsein ihm tiefe Schuldzuweisungen gemacht hat, die in ihm den unbewussten Wunsch nach dem Tod hervorgerufen haben.

Zum Grundgedanken des Glasperlenspiels ein Zitat Hesses:

„Es wurde der Ehrgeiz meines späteren Lebens, eine Art von Oper zu schreiben, worin das menschliche Leben in seiner sogenannten Wirklichkeit wenig ernstgenommen, sogar verhöhnt wird, dagegen seinem ewigen Wert als Bild, als flüchtiges Gewand der Gottheit hervorleuchtet. Die magische Auffassung des Lebens war mir nahe gelegen...“ Motiv des Glasperlenspiels und des kastalischen Ordens ist der Wunsch Hesses, das geheime Leben des christlichen Mittelalters zu durchleuchten. Ein Thema das ihn sehr interessierte war das gespannte Verhältnis zwischen Kirche und Kaisertum zu dieser Zeit. Die mönchische Dichtung und Kunst war für ihn ein interessanter Punkt. Die Orden und Klöster als Freistätten eines frommen Lebens sah Hesse als äusserst beneidenswert und als Kultur- und Bildungsstätte höchst vorbildlich an. Die Zeit in der das Glasperlenspiel handelt, wird allerdings nicht klar, Hesse nennt es das „feuilletonistische Zeitalter“, eine frei erfundene Epoche.

Meine Meinung zu Hesses Roman „Das Glasperlenspiel“ ist eher negativ, da das Buch sehr an die Philosophie angelehnt ist, und die endlos erscheinenden Beschreibungen der Glasperlenspielorgien nur etwas für hartgesottene Hesse-Anhänger sind, der sich für mich wirklich als eigenartig entpuppt hat. Das Buch gleicht einer Vision aus einer anderen Welt, ist zwar fantastisch gesponnen und durchdacht, und zeugt von Hesses umfangreichen Wissen, sei es philosophischer, religiöser oder politischer Art, aber da die eigentliche Beschreibung des Spieles fehlt, kann man sich nur sehr schwer ein Bild vom Geschehen machen. Obwohl es in den USA und Japan zu den Bestsellern schlechthin zählt, kann ich es nicht weiterempfehlen.

4 von 4 Seiten

Details

Titel
Hesse, Hermann - Das Glasperlenspiel
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
4
Katalognummer
V104496
ISBN (eBook)
9783640028269
Dateigröße
334 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hesse, Hermann, Glasperlenspiel
Arbeit zitieren
Carola Hoffmann (Autor:in), 2000, Hesse, Hermann - Das Glasperlenspiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104496

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