Vergleich "Vier Seiten einer Nachricht" mit "Transaktionsanalyse"


Seminararbeit, 2000
17 Seiten, Note: 1,3

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1. Einleitung

In meiner folgenden Hausarbeit im Bereich Kommunikation möchte ich zwei Theorien untersuchen. Es handelt sich dabei um die „Vier Seiten einer Nachricht“ und um die „Transaktionsanalyse“. Beide befassen sich mit der Funktion und den Merkmalen eines Gespräches oder einer Nachricht. Ich werde versuchen, beide anhand eines selbst gewählten Dialoges zu erklären.

2. Hauptteil

2.1. Dialog

A hat die Aufgabe von B bekommen eine Akte eines Klienten zu prüfen, und bestimmte Daten heraus zu suchen.

A: „Ich bin fertig und kann nichts mehr finden.“

B: „Hier steht doch noch was. Ich dachte sie können lesen.“ A: „Ich kann lesen. Ich habe es nur übersehen.“ B: „Aha?! Komm, ich erkläre es dir noch einmal.“

Dieser Dialog wird mein Behandlungsobjekt für die folgende Niederschrift sein. Ich werde an ihm, und mit Hilfe von ihm zwei Theorie in der Kommunikation erklären.

2.2. Vier Seiten einer Nachricht

Die Theorie der „Vier Seiten einer Nachricht“, von Schulz van Thun, baut auf das „Organonmodell der Sprache“ von Bühler auf. Nach Bühler hat die Sprache bei jedem Gespräch drei Funktionen. Sie stellt den Sachverhalt dar, sie drückt etwas vom Sender aus und richtet einen Appell an den Empfänger.

Schulz van Thun jedoch betrachtet an der Sprache einen weiteren Aspekt. Er sieht ebenfalls die Beziehung zwischen dem Sender und dem Empfänger. Demzufolge hat bei Schulz van Thun die Nachricht vier Seiten. Zum einen sagt sie etwas über die Beziehung zwischen Sender und Empfänger aus, zum anderen wird etwas über den Inhalt berichtet. Es wird auch eine Selbstdarstellung des Senders deutlich, also was er von sich persönlich in das Gespräch einbringt, was er von sich preis gibt. Der vierte Punkt ist der Appell an den Empfänger.

Die Theorie der „Vier Seiten einer Nachricht“ möchte ich nun konkret am Beispiel des vorangegangenen Dialoges näher erläutern.

Wie schon erwähnt betrachtet Schulz van Thun bei einer Nachricht die Sachebene, die Ebene der Selbstdarstellung oder Selbstoffenbarung, die Appellebene und die Beziehungsebene. Ich möchte jetzt jede Aussage von A und B nach diesen vier Aspekten analysieren.

Als A sagt. „Ich bin fertig und kann nichts mehr finden.“, kann er das ganz unterschiedlich gemeint haben, als es auf den ersten Blick scheint. Nach dem ersten Aspekt, der Sachebene, informiert er B lediglich, daß er seine Aufgabe erfüllt hat, und keine weiteren Daten finden kann. Er äußert sich neutral und sachlich. Wenn man die Aussage jedoch nach dem Aspekt der Selbstdarstellung betrachtet, kann er etwas ganz anderes gemeint haben. Er will vielleicht damit zum Ausdruck bringen, daß er sich der Sache gewachsen fühlt, froh über seine vollbrachte Leistung und stolz auf seine Fähigkeiten ist. Zum dritten, nach dem Appellaspekt, will er vielleicht auch sagen, daß noch mehr machen möchte, und B auffordert, ihm mehr Arbeit zu geben. Wenn man jedoch die Aussage in der Beziehungsebene betrachtet, würde der Satz wie folgt zu verstehen sein. A könnte meinen, daß er schon fertig ist und B immer noch arbeitet, also in seinen Augen viel zu langsam ist, und seine Fähigkeiten viel höher einschätzt, als die von B.

Wie ich eben zeigte, daß A einen Satz mit „vier Mündern“ sagen kann, will ich nun zeigen, daß B diesen Satz mit „vier Ohren“ hören kann.

Es ist möglich, daß B, nachdem er die Aussage von A vernommen hat, denkt: „Er hat seine Aufgabe soeben erfüllt.“ B hat also die Information von der sachlichen Seite aufgenommen. Nach der Selbstdarstellung jedoch hat er gehört, daß B so stark von sich überzeugt ist, daß nur er die Aufgabe so schnell erfüllen konnte und mit Sicherheit keinen Fehler gemacht hat. Wenn B den Satz mit dem „Appell-Ohr“ verstanden hat, denkt er vermutlich: „Was will der jetzt von mir. Soll ich etwa nachschauen, ob ich noch etwas finde, will er die nächste Aufgabe oder will er gelobt werden?“ Es kann aber auch sein, daß er den Satz auf der Beziehungsebene verstanden hat. Demzufolge denkt er wahrscheinlich: „Wie redet der denn mit mir, glaubt der etwa, nur er konnte diese Aufgabe lösen? Wie kann man nur so egozentrisch sein?“

Um zu zeigen, wie kompliziert und unverständlich ein kurzes Gespräch sein kann, werde ich das restliche Gespräch genauso darstellen, wie diesen ersten Satz. Am Ende der Analyse werde ich eine Zusammenfassung geben, um wieder Ordnung in das Gespräch zu bringen und mögliche Ursachen aufzuzeigen.

Nach der Aussage von A stellt B fest, daß er etwas vergessen hat und sagt: „Hier steht doch noch was. Ich dachte sie können lesen.“ Den ersten Satz der Aussage könnte B ganz sachlich gemeint haben. Er möchte A lediglich darauf hinweisen, daß er etwas übersehen hat. Die Überlegung, daß der zweite Satz auch sachlich gemeint ist, wäre etwas unwahrscheinlich, da ich vermuten muß, daß A lesen kann. Sonst hätte er ja nicht die Akte durchsehen können. Hier muß ich also fortfahren und auf den zweiten Aspekt, der Selbstdarstellung, schauen. Wenn B mit dem „zweiten Mund“ gesprochen hat, könnte er folgendes gemeint haben. B sieht sich kompetent genug, um A zu sagen, daß er etwas vergessen hat. Außerdem könnte ich vermuten, daß B sich für witzig hält und deswegen als Scherz sagt: „Ich dachte sie können lesen.“ Ich kann natürlich diese beiden Sätze auch mit dem Appellaspekt betrachten. Auf dieser Ebene will B vermutlich A dazu auffordern, alles noch mal zu überprüfen, und seinen Fehler zu korrigieren. Wenn ich es nach dem letzten Aspekt analysiere, könnten die Sätze ganz anders gemeint sein. B will vielleicht damit sagen, daß er von A nicht viel hält, und schon im Vorfeld wußte, daß A die Aufgabe nicht zufriedenstellend erfüllen konnte. B hält A nach diesem Aspekt vermutlich als unfähig.

Wie schon beim ersten Satz kann A die Aussage mit „vier Ohren“ aufnehmen. Nach dem Sachaspekt denkt er: „B hat recht, im habe etwas vergessen.“ Mit dem Aspekt der Selbstdarstellung denkt er: „Wie ist der denn drauf? Muß der gleich den großen Boss spielen?“ Wenn A es als Appell hört, denkt er vermutlich: „Ich glaube er verlangt von mir, daß ich alles noch einmal mache.“ Mit dem vierten Aspekt betrachtet, könnte er ganz anders denken. Er würde sich vermutlich darüber ärgern, daß B ihn für unfähig oder dumm hält. Er fühlt sich plötzlich ganz klein, weil B über ihn lacht, und ihm nicht zutraut, lesen zu können.

Mit den Gedanken einer dieser Interpretationen sagt A: „Ich kann lesen. Ich habe es nur übersehen.“ Auch diesen Satz kann er verschieden gemeint haben. Er will vielleicht nur sagen, daß er die fehlenden Daten übersehen hat. Nach dem Aspekt der Selbstdarstellung meint er, daß er es nach bestem Wissen und Gewissen erledigt hat, und sonst nicht solche Fehler macht. Es ist aber auch möglich, daß er auf der Beziehungsebene diesen Satz geäußert hat. Damit will er dann ausdrücken, daß er seine Position gegenüber von B verteidigen will. Er rechtfertigt sich. Er will nicht unter ihm stehen, sondern auf gleicher Ebene.

Wie nun B auf diesen Satz reagiert, hängt wieder davon ab, mit welchem „Ohr“ er die Reaktion von A auffaßt. Versteht er A mit dem „ersten Ohr“ denkt er sich nur, daß A wirklich nur die Daten übersehen hat. Wenn er ihn jedoch mit dem „Ohr der Selbstdarstellung“ versteht, denkt er vermutlich: „Wie reagiert der denn? Denk er, daß er perfekt ist?“ Es ist aber auch möglich, daß er vermutet, daß er sich für seinen vorherigen Satz entschuldigen soll, also als Appell von A versteht. Die letzte Möglichkeit, wie B A versteht ist, daß er es auf der Beziehungsebene auffaßt. Wo ihm Gedanken, wie: „ Was hat er denn jetzt? Ist er etwa beleidigt?“ kommen könnten.

Auch beim letzten Satz werde ich noch einmal die Aussage mit den Metaphern der „vier Münder“ und der „vier Ohren“ erklären.

Als er sagt: „Aha?! Komm, ich erkläre es dir noch einmal.“, kann er dies wieder ganz unterschiedlich gemeint haben. Zum einen will er nur sagen, daß er A verstanden hat und es ihm nur noch einmal erklären will, um ihm zu helfen. Sagt er es jedoch als Selbstdarstellung, meint er, daß er diesen Fehler nicht gemacht hätte, daß er also klüger als A ist. Wenn er es als Appell gemeint hat, will er sagen, daß er es ihm noch einmal erklärt, damit A es üben kann, um diesen Fehler nicht zu wiederholen, also eine Aufforderung, es noch mal zu probieren. Eine letzte Möglichkeit, wie er es gemeint haben könnte ist die, daß er es auf der Beziehungsebene ausgedrückt hat. B sieht A vermutlich als Schüler, und will ihm als sein Lehrer erziehen und berichtigen.

Auch bei diesem Satz kann A ihn verschieden verstehen. Er könnte lediglich denken, daß B ihm behilflich ist. Nach dem Aspekt der Selbstoffenbarung jedoch, könnte er sich angegriffen fühlen, weil er vielleicht denkt: „Wie spielt der sich denn auf?“ Faßt er es als Appell auf, würde er eventuell vermuten, daß B ihn auffordern will alles noch einmal zu tun. Wenn man es jedoch in der Beziehungsebene betrachtet, würde er denken, daß B ihn für ein kleines Kind hält, dem man alles mehrmals erklären muß.

Dieses Spielchen könnte man mit jedem Gespräch durchführen. Theoretisch gesehen kann man jede Äußerung nach diesen „vier Seiten“ betrachten, und um noch einmal die Metapher zu gebrauchen, mit „vier Mündern“ sagen und mit „vier Ohren“ hören..

Um es besser zu verdeutlichen möchte ich dazu ein paar Fragen formulieren. Bei den „vier Mündern“ würde es wie folgt heißen. Worüber informiere ich dich? (Sachaspekt) Was gebe ich von mir persönlich preis? (Selbstdarstellung) Wozu möchte ich dich veranlassen? Was sollst du tun? (Appellaspekt) Was halte ich von dir und wie stehe ich zu dir? (Beziehungsaspekt)

Auch für die „vier Ohren“ kann man Fragen formulieren. Wie ist der Sachverhalt zu verstehen? Was willst du mir sagen? (Sachaspekt) Was ist das denn für einer? Was ist eigentlich mit dem? (Selbstdarstellung) Was will der von mir? Was erwartet er von mir, was ich tun soll? (Appellaspekt) Wie redet der eigentlich mit mir? (Beziehungsaspekt)

Um die Sache noch zu verkomplizieren werde ich die einzelnen Aspekte näher erläutern.

Wenn man vorwiegend auf der Sachebene kommuniziert, ist die Verständlichkeit sehr wichtig. Man sollte deshalb einfache, gegliederte, kurze und prägnante Sätze bilden, die durch zusätzliche Stimulanzen noch unterstützt werden. Das kann Mimik und Gestik sein, aber auch bildhafte Erklärungen können hilfreich sein. Redet man jedoch in komplizierten und zusammenhanglosen Sätzen, und schweift dabei noch weit aus, wird die Sache unverständlich.

Auch bei der Selbstoffenbarung kann man Unterschiede aufzeigen. Redet man vorwiegend von Dingen, über die man bescheid weis und benutzt einen bestimmten Sprachgebrauch, bezeichnet man dies als Imponiertechnik. Schweigt man jedoch meistens oder spricht über andere, baut man eine Fassade auf.

Wenn man einen Appell an jemanden richtet, kann der ganz unterschiedlicher Art sein. Entweder es ist ein offener Appell, da sagt man direkt, was man vom anderen erwartet. Fängt einer an zu weinen, oder will mit jemandem reden, ohne jedoch das Thema anzusprechen, richtet er einen verdeckten Appell an sein Gegenüber. Er hofft dann, daß sein Gesprächspartner allein darauf kommt, was er von ihm erwartet. Als letztes gibt es den paradoxen Appell. Er kommt vorwiegend bei Machtspielen zum Ausdruck. Beide Gesprächspartner sagen zwei entgegengesetzte Appelle.

Ob nun ein Appell ein Erfolg oder ein Mißerfolg wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wenn die Vorbilder vorleben, was sie im Appell gesagt haben, oder wenn der Appell mit Assoziationen und Konsequenzen verbunden wird, kann ein Appell ein Erfolg werden. Ein Mißerfolg kommt zustande, wenn der andere den Appell nicht verstanden hat. Es kann aber auch sein, daß es die Beziehung gar nicht erlaubt, Appelle zu stellen. Es ist möglich, daß der Appell deswegen nicht zum Erfolg führt, weil gerade eine bestimmte Person ihn ausgesprochen hat. Wenn es ein versteckter Appell ist, kann es sein, daß der andere ihn nicht als einen solchen erkannt hat, und deshalb anders reagiert. Eine letzte Möglichkeit, warum ein Appell ein Mißerfolg wird, ist, daß der angesprochene autonom entscheiden will und nicht nach Appellen handeln will.

Als letztes möchte ich noch die Beziehungsebene näher betrachten. Die Beziehung zwischen zwei Personen kann ganz unterschiedlicher Natur sein. Wenn der eine Gesprächspartner denn anderen stark lenkt und ihn nur gering schätzt, bezeichnet man ihn als autoritär. Lenkt er ihn jedoch und schätzt ihn, ist er ein Patriarch. Schätzt er ihn gering, räumt ihm aber Entscheidungsfreiräume ein, bezeichnet man dies als Laissez faire. Die letzte Art einer Beziehung in einem Gespräch ist die demokratische. Dabei schätzt man sein Gegenüber und räumt ihm Entscheidungsfreiräume ein.

In diesem Teil meiner Arbeit habe ich nun gezeigt, auf wie viele verschiedene Arten man eine Person verstehen kann. Mit dem Wissen über die „Vier Seiten einer Nachricht“ könnte die zwischenmenschliche Kommunikation einfacher werden. Denn es liegt an jedem selbst, wie er den anderen und dessen Nachrichten wahr nimmt.

2.3. Transaktionsanalyse

In den folgenden Seiten werde ich die Transaktionsanalyse als Erklärungsmuster für meinen Dialog heranziehen. Ich werde jedoch anders vorgehen. Bei der Theorie der „Vier Seiten einer Nachricht“ habe ich erst den Dialog genannt, und dann erklärt, wie man die Sätze interpretieren kann. Bei der Transaktionsanalyse werde ich die verschiedenen Formen erklären, und dann den Dialog damit erklären.

Die Transaktionsanalyse wurde von Eric Berne, ein Arzt, Psychiater und psychoanalytisch ausgebildeter Psychotherapeut, entwickelt. Eric Berne war darauf bedacht, Verhalten bewußter zu steuern und zu gestalten. Ziel war eine möglichst offene und authentische Kommunikation.

Es gibt vier verschiedene Arten der Transaktionsanalyse, oder auch transaktionale Analyse genannt. Als erstes wäre die strukturale Analyse zu nennen, die sich mit den unterschiedlichen Ich-Zuständen beschäftigt. Auf diese Form werde ich ausführlich eingehen. Auf die Skriptanalyse, die Skripte und Eltern-Botschaften behandelt, die Transaktionsanalyse, die sich speziell mit der Transaktion und deren Formen beschäftigt, und die Spielanalyse, die sich mit Gefühlsmaschen und psychologischen Spielen auseinandersetzt, werde ich mich nur kurz beziehen.

Wie schon erwähnt, befaßt sich die strukturale Analyse mit den verschiedenen Ich- Zuständen im Menschen. „Ich-Zustände sind Bewußtseinszustände und die damit verbundenen Verhaltensmuster, die durch Wertvorstellungen und Normen, wertfrei verarbeitete Erfahrungen und Informationen sowie Gefühle ausgelöst werden.“ (Rolf Rüttinger 1992, Seite 18) Mit den Ich-Zuständen soll die menschliche Persönlichkeit erklärt werden. Eric Berne unterscheidet das Kindheits-Ich, das Eltern-Ich und das Erwachsenen-Ich, daß in jedem Menschen vorhanden ist, und aus denen heraus er sich verhält.

Das Kindheits-Ich umfaßt alle gefühlsmäßigen Reaktionen, die ein Kind von Natur aus hat. Hier unterscheidet man zwischen drei Formen.

Beim natürlichen Kindheits-Ich werden alle Gefühle unkontrolliert und frei geäußert.

Adjektive, wie spontan, impulsiv, direkt, egozentrisch, rebellisch, aggressiv und authentisch, sind typisch für diesen Kindheits-Zustand.

Hier kommt auch mein Dialog zur Anwendung. Im ersten Satz sagt A: „Ich bin fertig und kann nichts mehr finden.“ Ich bin der Meinung, daß die Person A aus dem natürlichen Kindheits-Ich heraus gesprochen hat. A erledigte, wahrscheinlich sehr zügig, seine Aufgabe, und ist stolz, sie bewältigt zu haben. Die Äußerung wird spontan und direkt entgegen gebracht. Im ersten Teil vom dritten Satz sagte A: „Ich kann lesen.“ Auch hier denke ich, daß A sich im natürlichen Kindheits-Ich befindet. Er spricht völlig ungeniert, und vielleicht auch ein bißchen rebellisch und aggressiv, weil er sich womöglich in seiner Ehre gekränkt fühlt.

Eine andere Ausdrucksform ist das angepaßte Kindheits-Ich. In diesem Ich-Zustand versucht man sich unauffällig zu benehmen und möglichst das zu tun, was von einem erwartet wird. In diesem Kindheits-Ich fühlt man sich meist hilflos und unsicher, orientiert sich an Normen, ist ängstlich, gibt nach und traut sich nichts.

Ich glaube, daß auch hier ein Teil meines Dialoges zutreffend ist. Im zweiten Satz von A heißt es: „Ich habe es nur übersehen.“ In meinen Augen hört sich das sehr unsicher an. Es ist auch möglich, daß A ein wenig Angst hat wieder beleidigt zu werden. Eine dritte Erklärung wäre, daß A sich hilflos fühlt, weil er es aufgrund seiner Fähigkeiten nicht besser machen kann, weil er einfach nicht das Wissen oder die Erfahrung dazu hatte.

Die letzte Form des Kindheits-Ich ist der kleine Professor-Kind-Ich. In diesem Zustand reagiert man intuitiv richtig und besitzt viel Einfühlungsvermögen. Hier kann man Wörter, wie schlau, listig, manipulierend und kreativ aufzählen.

Hier konnte ich kein Beispiel in meinem Dialog erkennen.

Als nächstes möchte ich das Eltern-Ich beschreiben. Es ist eine zweite Form der IchZustände. Im Eltern-Ich sind alle in der Kindheit übernommene Normen, Gebote und Verbote, Prinzipien und Maxime enthalten. Sie sind alle ungeprüft übernommen worden, und werden automatisch abgespult.

Beim Eltern-Ich gibt es zwei Formen, das kritische und das unterstützende Eltern-Ich.

Das kritische Eltern-Ich wertet negativ, verallgemeinert, befielt, kritisiert, moralisiert, bestraft und enthält Vorurteile. Es ist vergangenheitsorientiert und denkt in schwarzweiß-Kategorien. Beim ihm ist etwas entweder gut oder schlecht, richtig oder falsch, oder es werden Wörter, wie nie oder immer ausgesprochen.

Ich glaube, daß ein Teil meines Dialoges hier zur Anwendung kommt. Im zweiten Satz heißt es: „Hier steht doch noch was.“ B weist A zurecht und verhält sich schulmeisterisch. Im zweiten Teil steht: „Ich dachte sie können lesen.“ B stellt eine rhetorische Frage, die typisch für das kritische Eltern-Ich ist.

Das unterstützende Eltern-Ich hört zu, hat Verständnis und Geduld, wertet positiv, tröstet und ermutigt. Es versucht vor allem jemanden vor körperlichen und seelischen Schaden zu schützen. Es benutzt Wendungen, wie „sei aber vorsichtig“, „warte ich helfe dir“ und „Machen sie sich keine Sorgen.“ .

Auch hier habe ich etwas passendes in meinem Dialog gefunden. Im vierten Satz sagt B: „Aha! Komm, ich erkläre es dir noch einmal.“ Meiner Meinung nach spricht hier das unterstützende Eltern-Ich. B bietet seine Hilfe an, das Problem zu lösen.

Der dritte Ich-Zustand ist das Erwachsenen-Ich. Es entwickelt sich ungefähr ab dem 5. Lebensjahr, und dauert bis zum Lebensende. Es ist auf das Hier und Jetzt gerichtet, und handelt aufgrund von gesammelten Informationen und gemachten Erfahrungen. Die getroffenen Entscheidungen sind sachlich oder auf Wahrscheinlichkeiten begründet. „ Es ist anpassungsfähig und intelligent.“ (Rüttinger 1992, Seite 21) Das Erwachsenen- Ich ist ein guter Problemlöser, denn es stellt Fragen, bevor es eine Entscheidung trifft. Das könnten Fragen, wie „Woher haben Sie diese Zahlen?, Wie sind die Kosten entstanden?, Was können wir jetzt unternehmen?“ (Rüttinger 1992, Seite 21) sein. Zusammenfassend kann man für das Erwachsenen-Ich sagen, daß es zu hört, beobachtet, Fakten sammelt, wertfrei formuliert, in Alternativen denkt, eigene Normen und Gefühle überprüft und versucht, Probleme konstruktiv zu lösen.

Hierzu habe ich kein Beispiel in meinem Dialog gefunden, sondern schon alle Sätze mit den vorhergegangenen Ich-Zuständen erklärt.

Aufgrund der Vollständigkeit möchte ich jetzt noch auf die drei verbleibenden Arten der Transaktionsanalyse kurz eingehen.

Als erstes erkläre ich die Skriptanalyse, die man auch Eltern-Botschaften nennt. Bei einem Skript handelt es sich um einen unbewußten Lebensplan, der meist durch Eltern- Botschaften entstanden ist. In der frühsten Kindheit werden, zuerst von den Eltern, deswegen auch Eltern-Botschaften, verbale und nonverbale Verbote und Gebote, Prinzipien und Maximen gezeigt, wie sich das Kind zu verhalten hat, was es zu tun und zu lassen hat. Später können das auch Lehrer und Vorgesetzte sein. Die Eltern- Botschaften unterscheidet man noch einmal in die kritischen und die unterstützenden Eltern-Botschaften. Bei den kritischen Eltern-Botschaften werden die Normen absolut verstanden. Man „muß“, „soll“ oder „darf nicht“ etwas tun. Wenn man von den unterstützenden Eltern-Botschaften spricht, hat man die Erlaubnis, etwas zu dürfen oder nicht zu müssen.

Als zweites geht es um die Transaktionen an sich. „Eine Transaktion ist der verbale und nonverbale Austausch zweier Personen, der, bestehend aus einem Reiz [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]und einer Reaktion [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], zwischen bestimmten Ich-Zuständen stattfindet.“ (Rüttinger 1992, Seite 42) Man unterscheidet drei verschiedene Transaktionsformen, die parallele, überkreuzte und verdeckte Transaktion.

Eine parallele Transaktion ist vorhanden, wenn man aus dem Ich-Zustand reagiert, aus dem man angesprochen wurde, und auch wieder den Ich-Zustand des Gegenüber anspricht, aus dem er gesprochen hat. Diese Transaktionsform kann aus allen IchZuständen heraus geführt werden.

Bei der überkreuzten Transaktion antwortet man aus einem anderen Ich-Zustand heraus, als man angesprochen wurde. Auf einen Reiz folgt also eine unerwartete Reaktion. Ich glaube, daß mein Dialog in diese Transaktionsform hinein paßt. Es wechselt sich öfters das Kindheits-Ich mit dem Eltern-Ich ab. Wobei A aus dem Kindheits-Ich reagiert, und B aus dem Eltern-Ich.

Die letzte Form ist die verdeckte Transaktion. Bei diesen Transaktionen wird etwas anderes gesagt, als gemeint war. Man spricht eine Person auf einer Ich-Zustand-Ebene an, und schickt gleichzeitig eine verdeckte Mitteilung an einen anderen Ich-Zustand. Einige Beispiele für verdeckte Transaktionen sind ironische Bemerkungen, vage Unterstellungen und verdeckte Drohungen. Die Gefahren solcher Transaktionen sind Mißverständnisse.

Die letzte Form der Transaktionsanalyse ist die Spielanalyse. Sie wird auch als „Gefühlsmaschen und psychologische Spiele“ bezeichnet. Bei Gefühlsmaschen handelt es sich um unechte, taktische Gefühlsreaktionen zur Beeinflussung anderer. Erlernt wurden sie in der Kindheit. Dabei kann man in die Retter-, Opfer- oder Verfolger-Rolle gehen. In diesen Rollen spielt man dann die psychologischen Spiele. Merkmale der psychologischen Spiele sind, daß eine Reihe verdeckter Transaktionen ablaufen,

„[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] die den eigentlichen Zweck des Spiels darstellen, nämlich zu beweisen, daß man selbst oder der andere nicht o.k. ist.“ (vgl. Rüttinger 1992, Seite 51) All diese Spiele sind unbewußt. Die Gefühlsmaschen sollen die Beachtung der anderer nach sich ziehen. Ein Kind lernt also in seiner Kindheit, daß es selbst nur o.k. ist, wenn es bestimmte Gefühle zeigt. Man spielt dann psychologische Spiele, um die Beachtung und Bestätigung anderer zu erreichen, die Zeit auszufüllen und wahrscheinlich einem vernünftigen Gespräch aus dem Weg zu gehen.

Ich glaube, daß ich auch hier Parallelen zu meinem Dialog ziehen kann. Zwischen A und B könnten verdeckte Transaktionen abgelaufen sein. Das Ziel von B ist vermutlich, A zu zeigen, daß er o.k. ist und A nicht. Außerdem ist es möglich, daß B die Bestätigung und Beachtung von A haben will. Er will sich gut und o.k. fühlen.

2.4. Zusammenfassung

Nun möchte ich zusammenfassend die „Vier Seiten einer Nachricht“ und die „Transaktionsanalyse“ nebeneinander stellen.

Ich bin der Meinung, daß man bei den „Vier Seiten einer Nachricht“ jeden Satz einzeln, detailliert untersuchen kann. Ich könnte auch vom Zerpflücken eines Gespräches sprechen, das ist genau das, was ich in den ersten Seiten meiner Arbeit getan habe. Ich wollte damit nur zeigen, wie verschieden man eine Aussage einer Person auffassen kann. Es kommt natürlich auch auf die Stimmung an, in der man sich zur Zeit des Gespräches befindet. Ist man verärgert und erregt, und glaubt, die ganze Welt ist gegen einen, wird man vermutlich den Gesprächspartner als Gegner wahrnehmen, man wird seine Aussage als Angriffe deuten, und in Kampfstellung gehen. Es ist zu vermuten, daß man dann zum größten Teil auf der Beziehungsebene oder der Appellebene kommuniziert. Ist man aber heiter und vergnügt, und hat eine realistische Einstellung, wird man sich vermutlich vorwiegend auf der Sachebene unterhalten.

Die Theorie der „Vier Seiten einer Nachricht“ kann man auch dazu verwenden herauszufinden, in welcher Beziehung sich die Gesprächspartner zueinander befinden. Ist einem selbst bewußt, wie man zu seinem Gesprächspartner steht, kann man sich bewußt auf die Situation einstellen, um das Gespräch zu seinen Gunsten zu lenken. Wenn man um die Existenz dieser Theorie weiß, hat man schon einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinem Gesprächspartner.

Wo auf der einen Seite die Theorie der „Vier Seiten einer Nachricht“ nur zum sogenannten eigenen Nutzung dient, ist die „Transaktionsanalyse“ eine praktizierte psychologische Methode. Sie ist veränderungs- und ergebnisorientiert und zielt auf eine bewußte Verhaltensänderung. Das kann sowohl gegenüber sich selbst, aber auch gegenüber anderen geschehen. Diese Veränderung versucht man über die Erkenntnis der einzelnen Ich-Zustände, der Ursachen für bestimmte Reaktionen und der bestimmten Taktiken, ein Gespräch zu führen, zu erreichen. Auf mein Gespräch bezogen denke ich, daß diese Theorie gut dazu dient ,um heraus zu finden, warum Menschen bestimmte Dinge gerade so sagen, wie sie sagen.

Als letztes ist vielleicht noch zur „Transaktionsanalyse“ zu sagen, daß es in den USA mit 6000 Mitgliedern die ITAA, die International Transactional Analysis Association, gibt. Es soll mittlerweile auch eine europäische und deutsche Vereinigung geben, die diese psychologische Methode anwenden.

3. Schlußteil

Am Ende dieser Arbeit möchte ich noch sagen, daß mit der Durcharbeitung dieser beiden Theorien mein Verständnis für die zwischenmenschliche Kommunikation gewachsen ist.

Ich möchte nicht behaupten, jetzt immer zu wissen, warum Menschen bestimmte Dinge so sagen, wie sie es tun, aber ich glaube es besser verstehen zu können.

Kommunikation heißt nicht, Dinge eindeutig von sich zu geben, sondern Aussagen mit mehreren Bedeutung zu belegen. Erst wenn man versteht, daß die eigenen Äußerungen von anderen ganz verschieden interpretiert werden können, kann man auch ein besseres Verständnis für das Verhalten anderer entwickeln.

Ich hoffe, daß auch anderen dieses Wissen hilft, besser und authentischer zu kommunizieren.

4. Inhaltsverzeichnis

- Rüttinger, Rolf: Transaktionsanalyse. 5. Auflage. Sauer Verlag. München 1992

- Meininger, Jut: Transaktionsanalyse. Die neue Methode erfolgreicher Menschenführung. 4. Auflage. mi verlag moderne industrie. New York 1992

- Gray, John: Männer sind anders. Frauen auch. „Männer sind vom Mars. Frauen von der Venus.“. Bechtermünz Verlag. New York 1992

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Vergleich "Vier Seiten einer Nachricht" mit "Transaktionsanalyse"
Note
1,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
17
Katalognummer
V104506
Dateigröße
363 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hausarbeit zum Seminar "Kulturelle Kommunikation"
Schlagworte
Vergleich, Vier, Seiten, Nachricht, Transaktionsanalyse
Arbeit zitieren
Sandra Hutter (Autor), 2000, Vergleich "Vier Seiten einer Nachricht" mit "Transaktionsanalyse", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104506

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