Was ist eigentlich eine Volkspartei? Gibt es diese überhaupt und wenn ja, ist die AfD eine?
Zunächst soll einmal geklärt werden, was Parteien eigentlich sind und wie diese in der Bundesrepublik entstanden sind. Es soll kurz beleuchtet werden unter welchen Umständen die AfD entstanden ist und wie sie sich entwickelt hat. Das zweite Kapitel setzt sich dann intensiver mit dem Begriff Volksparteien auseinander. Was sind Volksparteien? Welche Merkmale zeichnen eine Volkspartei aus und gibt es unterschiedliche Ansichten dazu? Haben wir das geklärt, so können wir die Merkmale nehmen und schauen, wie diese sich auf die AfD münzen lassen.
Das Fazit und der Ausblick zum Schluss sollen die festgehaltenen Ergebnisse noch einmal zusammenfassend reflektieren und einen Überblick darüber geben, ob die AfD eine Volkspartei ist oder sich auf dem Weg zu einer befindet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Parteien
2.1 Parteiendefinition
2.2 Deutsche Parteiengeschichte von 1945-2013
2.3 Gründung und Entwicklung der AfD als Zäsur
3. Volkspartei
3.1 Kirchheimer
3.2 Weitere Vertreter
4. Ist die AfD eine Volkspartei?
4.1 Organisatorische Dimension
4.2 Elektorale Dimension
5. Fazit und Ausblick
6. Quellen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, auf Basis politikwissenschaftlicher Kriterien zu untersuchen, ob die Alternative für Deutschland (AfD) als Volkspartei klassifiziert werden kann. Dabei wird analysiert, inwiefern die Partei Merkmale von Volksparteien erfüllt, wobei insbesondere die organisatorische und elektorale Dimension in den Fokus rücken.
- Grundlagen und Definition des Parteienbegriffs
- Entwicklung des deutschen Parteiensystems seit 1945
- Theoretische Merkmale von Volksparteien nach Kirchheimer, Lösche und Hofmann
- Analyse der AfD hinsichtlich ihrer Organisationsstruktur und Wählerschaft
- Evaluation der Eignung des Volkspartei-Konzepts für die AfD
Auszug aus dem Buch
3. 1 Kirchheimer
Spricht man über Volksparteien und was diese eigentlich ausmacht, so ist eine Betrachtung der Ausführungen des deutsch- amerikanischen Staats- und Verfassungsrechtlers Otto Kirchheimer unumgänglich. Erstmalig schreibt er in den 60er- Jahren in einem Essay über die „Allerweltspartei“ beziehungsweise „Catch- All Party“15. Ein neuer Typ von Parteien, welche erst in der Nachkriegszeit entstanden und das Gegenteil zu Klientelparteien (damalige Zentrumspartei überwiegend für Katholiken und damalige SPD überwiegend für Arbeiter) darstellen. Kirchheimer definiert Allerweltsparteien als Parteien, welche versuchen:
„[…] sich die Massen geistig und moralisch einzugliedern, und lenkt ihr Augenmerk in stärkerem Maße auf die Wählerschaft; sie opfert also eine tiefere ideologische Durchdringung für eine weitere Ausstrahlung und einen rascheren Wahlerfolg.“16
Dadurch erfahren wir jetzt schon drei Dinge. Volksparteien, nach Kirchheimer, verlieren also den einzelnen Wähler aus den Augen und es geht darum große Gruppen an Wählern zu generieren. Damit einhergehend, weil man nur durch Ideologiefreiheit große Wählergruppen für sich gewinnen kann, sind ideologiefreie Inhalte, denn die Partei möchte keine Gruppen abschrecken. Logisch ist damit das große Ziel, schnell bei Wahlen Erfolge zu erzielen. Neben der Entideologisierung und dem Ziel die ganze Bevölkerung zu erreichen und nicht nur eine Gruppe, gibt es noch drei weitere Faktoren, welche für Kirchheimer eine Volkspartei ausmachen. Da wäre die Stärkung der Parteispitze.17 Aktionen und Worte, welche von Spitzenpolitikern der Parteien kommen, werden bedachter gewählt und mit Wirkung auf den Wähler ausgewählt. Dadurch rücken die Parteimitglieder erstmal in den Hintergrund. Wahlwerbung wird so angepasst, dass man alle Wählergruppen zielgerichtet anspricht. Als letztes Merkmal erwähnt Kirchheimer das „Streben nach Verbindungen zu den verschiedensten Interessenverbänden“18. Gerade bei den großen Interessensverbänden kann man viele neue Wähler für sich gewinnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die Relevanz der Thematik sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Parteien: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Partei im rechtlichen Sinne und skizziert die historische Entwicklung des deutschen Parteiensystems von 1945 bis 2013 sowie die Genese der AfD.
3. Volkspartei: Hier werden theoretische Ansätze von Politikwissenschaftlern wie Kirchheimer, Lösche und Hofmann vorgestellt, die definieren, welche Merkmale eine Volkspartei kennzeichnen.
4. Ist die AfD eine Volkspartei?: In diesem Hauptteil wird die AfD anhand der organisatorischen und elektoralen Dimension auf ihre Übereinstimmung mit den zuvor erarbeiteten Volkspartei-Kriterien geprüft.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die AfD aus wissenschaftlicher Sicht gegenwärtig nicht als Volkspartei zu bezeichnen ist.
6. Quellen: Dieses Kapitel listet die für die Untersuchung herangezogene Literatur und Quellen auf.
Schlüsselwörter
AfD, Volkspartei, Parteiensystem, Deutschland, Politische Willensbildung, Parteiendefinition, Otto Kirchheimer, Catch-All-Party, Parteienentwicklung, Organisatorische Dimension, Elektorale Dimension, Wählerschaft, Parteimitglieder, Parteiführung, Parteienlandschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Einordnung der Alternative für Deutschland (AfD) in das politikwissenschaftliche Konzept der "Volkspartei".
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Definition politischer Parteien, die historische Entwicklung des deutschen Parteiensystems sowie die spezifischen Merkmale, die eine Volkspartei nach gängiger Politikwissenschaft auszeichnen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, ob die AfD aus politikwissenschaftlicher Perspektive bereits als Volkspartei betrachtet werden kann oder ob sie davon abweicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch klassische Parteienforschung (z.B. Kirchheimer) und einer empirischen Analyse aktueller Daten zu Mitgliederstrukturen und Wahlergebnissen der AfD.
Welche inhaltlichen Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird das Konzept der Volkspartei theoretisch hergeleitet und anschließend an der AfD gespiegelt, unterteilt in eine organisatorische Dimension (Mitglieder/Führung) und eine elektorale Dimension (Wählerschaft/regionale Verteilung).
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören "Volkspartei", "Parteienwettbewerb", "Catch-All-Party", "Mitgliederstruktur" und "Parteienlandschaft".
Welche Rolle spielt Otto Kirchheimer in dieser Analyse?
Kirchheimer liefert mit seinem Konzept der "Allerweltspartei" (Catch-All-Party) eine der zentralen theoretischen Grundlagen, um die Struktur von Volksparteien und deren Strategien zur Wählergenerierung zu verstehen.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der AfD?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass die AfD aufgrund ihrer internen Struktur, ihrer Wählerbasis und der politischen Dynamik gegenwärtig nicht die Kriterien einer klassischen Volkspartei erfüllt.
- Arbeit zitieren
- Marc Püschel (Autor:in), 2020, Ist die AfD eine Volkspartei?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1045109