Bedeutung aktiver Managementstrategien im internationalen Vergleich


Bachelorarbeit, 2021

47 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Formelverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise der Untersuchung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Neoklassische Kapitalmarkttheorie
2.1.1 Charakteristika der Investoren und die Effizienzmarkttheorie
2.1.2 Das Capital Asset Pricing Model
2.1.3 Arbitrage Pricing Theory
2.2 Verhaltensorientierte Kapitalmarkttheorie
2.2.1 Ausgewählte Heuristiken
2.2.2 Prospect Theory
2.2.3 Limits to Arbitrage
2.3 Managementstile
2.3.1 Passives Management
2.3.2 Aktives Management

3 Methodik
3.1 Art der Forschung und Vorstellung der Märkte
3.2 Datenerhebung
3.3 Verlauf der Forschung

4 Diskussion und Ergebnisse
4.1 Performanceanalyse Industrieländer
4.2 Performanceanalyse Schwellenländer
4.3 Das Agieren in Industrieländer
4.4 Das Agieren in Schwellenländer

5 Fazit

Anhangverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

µ. durchschnittliche Rendite

AA Ausgabeaufschlag

APT Arbitrage Pricing Theory

BRICS Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika

BVI-Methode Bundesverband für Investment und Asset Management

CAPM Capital Asset Pricing Model

EM Emerging Markets

EMH Effizienzmarkthypothese

ETFs Exchange Traded Funds

Libor London Interbank Offered Rate

MSCI Morgan Stanley Capital International

PT Prospect Theory

Rf risikoloser Zinssatz

Ri individuelle Fondsrendite

Rm Rendite der Benchmark

Rp Rendite des Portfolios

Rt Rendite im Zeitpunkt t

SR Sharp-Ratio

α….. Jensen-Alpha

β…. Beta-Faktor

σ Volatilität

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Entwicklung des in ETFs verwalteten Vermögens in Europa

Abb. 2: Beziehung der drei Abstufungen von Informationseffizienz untereinander

Abb. 3: Kapitalmarktgerade

Abb. 4: Die Wertfunktion aus der Prospect Theory

Abb. 5: Gewichtungsfunktion aus der Prospect Theory

Abb. 6: Vergleich Industrieländer

Abb. 7: Vergleich Schwellenländer

Abb. 8: Marktphasen in Industrieländern

Abb. 9: Marktphasen in Schwellenländern

Formelverzeichnis

Formel 1: Volatilität

Formel 2: Sharp Ratio

Formel 3: Beta

Formel 4: Jensen Alpha

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Exchange Traded Funds (ETFs) befinden sich bei Anlegern seit Jahren im Trend. Aus dem starken Wachstum von passiven Investmentprodukten und der anhaltenden aktiv vs. passive Debatte rührt auch die besonderen Relevanz des Themas.1 Im Jahr 2020 wuchs allein in Europa das Volumen an Indexfonds um netto 91 Milliarden Euro. So wurde auch erst vor kurzem zu Beginn des Jahres 2021 die markante Rekordmarke von eine Billion Euro Marktvolumen überschritten. Aus Abbildung 1 geht das rasante Wachstum hervor, seitdem der Handel in Europa startete. Vor allem Märkte wie internationale Industrie- und Schwellenländer sind dabei unter Anlegern gefragt.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Entwicklung des in ETFs verwalteten Vermögens in Europa.3

Gründe für den Erfolg von ETFs sind, dass bei Fonds andere Regeln gelten als bei herkömmlichen Waren. Derjenige, der mehr bezahlt, bekommt nicht gleich das qualitativ hochwertigere Produkt. Je mehr Gebühren für die aktive Anlage vereinnahmt werden, desto schmaler wird der Ertrag für den Investor. Passive Indexfonds kommen hingegen mit geringen Kosten aus.4 Oftmals enttäuschte die Wertentwicklung des aktiv verwalteten Vermögens. Zu selten gelang den Fondsmanagern eine langfristige Outperformance der dazugehörigen Benchmark durch Stock-Picking und Timing.5

Doch es gibt auch Anleger, welche bei ihren Anlageentscheidungen ganz bewusst auf aktiv gemanagte Aktienfonds setzen.6 Dafür sprechen passgenaue Anlagestrategien und das Potenzial den Markt zu schlagen.7

In verschiedenen Studien wird erläutert, dass informationseffiziente Märkte es dem aktiven Management erschweren, eine Überrendite zu generieren. Hingegen wird auf Märkten, welche von Ineffizienzen und Informationsasymmetrien geprägt sind, Fondsmanagern größeres Outperformance-Potenzial suggeriert.8 Es scheint daher forschungswürdig, in welchen Ländern durch Management Vorteile generiert werden können.

Ziel der vorliegenden Forschungsarbeit ist es, empirisch zu untersuchen, welche Bedeutung aktive Investmentstrategien im Vergleich zu passiven im internationalen Kontext haben. Für die Performancemessung werden als Stichprobe für sehr informationseffiziente Märkte Aktienfonds weltweiter Industrieländer gewählt. Als Stichprobe für weniger informationseffiziente Märkte werden Aktienfonds weltweiter Schwellenländer gegenübergestellt. Folgende drei Schwerpunkte werden dabei als Forschungsfragen untersucht:

- Welche theoretischen Annahmen aus dem Bereich der neoklassischen und verhaltensorientieren Kapitalmarktheorie begünstigen aktive oder passive Managementkonzepte?
- Inwieweit gelingt dem aktiven Investment eine attraktivere Performance in Hinblick auf Rendite, Risiko und Risiko-Rendite-Verhältnis?
- Wie agieren die Managementstile in unterschiedlichen Marktphasen?

1.2 Vorgehensweise der Untersuchung

Die vorliegende Bachelorarbeit ist in fünf Abschnitte unterteilt. Nach der Einführung werden im zweiten Kapitel die theoretischen Grundlagen behandelt. Zunächst wird auf die kapitalmarkttheoretischen Rahmenbedingungen eingegangen. Zum einen auf den Ansatz der neoklassischen Kapitalmarkttheorie und zum anderen auf den Ansatz der verhaltensorientierten Kapitalmarkttheorie. Beide Konzepte stehen im Spannungsverhältnis untereinander und bilden somit die Grundlage für aktives Management. Darauf aufbauend werden die unterschiedlichen Managementansätze voneinander abgegrenzt und die Strategie, welche der aktive und der passive Ansatz verfolgt, erläutert. Im Weiteren Gang der Arbeit erfolgt in Kapitel drei eine Vorstellung der zu untersuchenden Märkte. Im Zuge dessen werden die Forschungsobjekte Industrie- und Schwellenländer beleuchtet. Als Fundament der Untersuchung wird eine valide und repräsentative Stichprobe erhoben und das weitere methodische Vorgehen beschrieben. Im vierten Schritt wird in Bezugnahme zur Forschungsfrage eine risikoadjustierte Performanceanalyse auf den unterschiedlichen Märkten durchgeführt. Daraufhin wird das Agieren der passiven und aktiven Strategie während eigendefinierten Marktphasen betrachtet. Im abschließenden fünften Kapitel erfolgt eine Implikation für Investoren sowie eine Zusammenfassung der gewonnenen Ergebnisse.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Neoklassische Kapitalmarkttheorie

Die neoklassische Kapitalmarkttheorie entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Finanzmarktlehre. Kernelemente der Theorie stellen die Grundannahmen der vollkommenen Rationalität der Marktteilnehmer sowie die Vollkommenheit der Finanzmärkte dar. Selbst wenn Investoren zwischen Handlungen wählen, deren Ergebnisse unbekannt sind, so formulieren sie aufgrund ihrer Rationalität realistische Erwartungen. Die Erwartungshaltung resultiert aus der Random Walk Theorie. Demnach lassen sich künftige Aktienkursentwicklungen nicht vorhersagen. Die Wahrscheinlichkeit für relativ kleine Kursbewegungen um den Mittelwert ist allerdings am höchsten. In der Realität kommen jedoch immer wieder auch größere Volatilitäten (σ) vor. Anhand der rationalen Informationsverarbeitung wird auch verdeutlicht, wie sich die Erwartungshaltung eines Marktteilnehmers verändern sollte, wenn neue Informationen bekannt werden.9 Nachfolgend wird auf die Kernannahmen der neoklassischen Kapitalmarkttheorie und deren Weiterentwicklungen eingegangen.

2.1.1 Charakteristika der Investoren und die Effizienzmarkttheorie

Der vollkommen rational denkende und handelnde Mensch, im Weiteren Homo oeconomicus genannt, bildet das Fundament des neoklassischen Denkansatzes. Dabei handelt es sich um ein vereinfachtes Modell eines Menschen, das rational, nutzenmaximierend, frei von Emotionen und fehlerfrei bei der Aufnahme von Informationen handelt. Durch diese Annahmen wird die ökonomische Analyse des menschlichen Verhaltens deutlich vereinfacht und zudem quantifizierbar.10 Neben den Vorteilen ist ein Kritikpunkt des Modells, dass die Individualität des realen Menschen keine Beachtung findet. Die wirtschaftlichen Entscheidungen des Homo oeconomicus beruhen auf den drei zentralen Prinzipien der unbegrenzten Rationalität, der unbegrenzten Willenskraft und dem unbegrenzten Eigennutzstreben.11

Neben der Annahme des Homo oeconomicus spielt für die neoklassische Kapitalmarkttheorie die Effizienzmarkthypothese (EMH) von Eugen Fama eine entscheidende Rolle. Ausgangspunkt des Denkansatzes ist die Überlegung aus vergangener Wertentwicklung die zukünftige abzuleiten und so eine Überrendite zu erzielen.12 In seiner Theorie beschäftigt sich Fama mit der Informationseffizienz der Kapitalmärkte. Ein Markt wird als informationseffizient angesehen, wenn die Preise stets alle verfügbaren Informationen vollständig widerspiegeln.13 Infolgedessen kann die Hypothese mit den drei nachfolgenden Elementen beschrieben werden:

- Alle Investoren denken und handeln rational. Ihnen wird somit auch die Fähigkeit unterstellt, Wertpapiere fundamental angemessen zu bewerten.
- Unter der Annahme, dass einige Investoren nicht rational denken und handeln, wird unterstellt, dass deren Fehlbewertungen neutralisiert werden.
- Arbitrage ist unbegrenzt. Arbitrage basiert auf dem simultanen Kauf und Verkauf eines Wertpapiers an unterschiedlichen Märkten, um Preisdifferenzen zu nutzen. Durch die Transaktionen der Arbitrageure wird die Bewertung dem fundamental fairen Preis angeglichen.14

Unter der Voraussetzung eines informationseffizienten Marktes reagieren die Preise rasch und rational auf neue Nachrichten. Sämtliche vergangenen und gegenwärtigen Informationen sind somit in den Kursen eingepreist. Vorhandene Informationen beschreibt Fama deshalb als veraltet. Daraus folgt, dass auf effizienten Märkten aktive Anlagestrategien keinen konsistenten risikoadjustierten Mehrwert gegenüber passiven Anlagestrategien erzielen können. Auf ineffizienten Märkten sind hingegen nicht alle Neuigkeiten eingepreist. Diese Gegebenheit eröffnet dem aktiven Management das Potenzial, Marktineffizienzen zu nutzen und dadurch überdurchschnittliche Renditen gegenüber dem passiven Management zu erzielen. Unterschieden wird daher in Abhängigkeit der Informationen, welche in den Preisen verarbeitet sind, zwischen drei Ausprägungen des Effizienzgrades.

- Die schwache Form der Markteffizienz besagt, dass alle vergangenen Kursdaten in Wertpapierpreisen verarbeitet sind. Den Markt anhand von Preishistorien zu übertreffen ist nicht möglich.
- Die mittelstarke Form der Markteffizienz besagt, dass alle öffentlichen Nachrichten in Wertpapierkursen verarbeitet sind. Den Markt anhand von öffentlich verfügbaren Informationen zu schlagen ist nicht möglich.
- Die starke Form der Markteffizienz besagt, dass alle relevanten Informationen, auch die öffentlich nicht zugänglichen, im Wertpapierkurs enthalten sind. Der Markt kann nicht geschlagen werden.15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Beziehung der drei Abstufungen von Informationseffizienz untereinander.16

Die jeweils höhere Form der Informationseffizienz schließt die Annahmen der niedrigeren Form bzw. Formen mit ein, dies wird in Abbildung 2 noch einmal verdeutlicht. Untersuchungen haben gezeigt, dass Wertpapiermärkte grundsätzlich als mittelstark informationseffizient anzusehen sind. Als Beweis dafür gilt auch, dass professionelle Anleger wie Fondsmanager in der Vergangenheit keine Outperformance erzielen konnten. Doch verschiedene Märkte weisen durchaus unterschiedliche Effizienzgrade auf. Digital entwickelte Industrieländer dürften beispielsweise deutlich effizienter sein als neuaufkommende Schwellenländer. Dauerhaft erfolgreiche Managementstrategien konnten in der Vergangenheit trotzdem nicht entwickelt werden. So lässt sich ungeachtet der Kritik, dass psychologische Faktoren nicht berücksichtigt werden, festhalten, dass laut Theorie auf effizienten Märkten keine Outperformance durch aktive Anlagestrategien möglich ist.17

2.1.2 Das Capital Asset Pricing Model

Die Grundlagen des Capital Asset Pricing Model (CAPM) bilden die Annahmen der EMH sowie die Erkenntnisse der Portfoliotheorie von Harry Markowitz.18 In seiner Arbeit untersuchte Markowitz die Auswirkung von Diversifikation auf Rendite und Risiko. Rendite wird dabei als erwünscht, σ als unerwünscht betrachtet. Als optimal werden Depotzusammensetzungen angesehen, welche die maximale erwartete Rendite für jede einzelne Risikoeinheit aufweisen oder umgekehrt das minimale Risiko für jede einzelne Renditegröße aufweisen. Besagte Portfolios liegen nach Markowitz auf dem effizienten Rand. Je nach Sicherheitsbedürfnis der Investoren können jedoch unterschiedliche effiziente Portfolien entstehen. Das Gesamtrisiko hängt neben der Gewichtung und der Schwankungsbreite der einzelnen Anlagen auch von der Korrelation ab, welche die Beziehung zwischen den Bewegungen der Wertpapiere misst. Eine positive Korrelation bedeutet, dass sich die Kurse mehrheitlich in dieselbe Richtung bewegen. Ist die Korrelation negativ, bewegen sich die Kurse grundsätzlich entgegengesetzt, dadurch wird das Portfoliorisiko reduziert. Die so entstandene Risikominderung bezeichnet man als Diversifikationseffekt. Dieser entsteht immer dann, wenn die Korrelation zweier Anlagen kleiner eins ist.19

Der Kerngedanke der Portfoliotheorie, das Risiko von Wertpapieren durch Diversifikation zu eliminieren, wird im CAPM aufgegriffen. Da die Portfoliotheorie jedoch keine Antwort auf die Frage liefert, welcher Teil des Risikos nicht durch Diversifikation beseitigt werden kann und deshalb im Marktgleichgewicht zu vergüten ist, erweitert das CAPM von Sharpe, Lintner und Mossin die Theorie. Für diesen Zweck werden zwei weitere grundlegende Annahmen hinzugefügt.

- Geld kann zu einem risikolosen Zinssatz aufgenommen oder angelegt werden. Dieser Zins ist für alle Investoren gleich und hängt nicht vom Betrag ab.
- Anleger haben homogene Erwartungen bezüglich der Rendite und des Risikos aller Wertpapiere.

Die erweiterte Fragestellung untersucht daher: Welche Rendite von einem Portfolio erwartet werden kann, wenn neben den Anlagen mit Risikokomponenten auch Anlagen ohne Risikokomponenten existieren. Die CAPM beantwortet die Frage durch die Kapitalmarkt- und Wertpapierlinie. Die Initiierung einer risikofreien Anlagemöglichkeit in das Modell hat weitreichende Auswirkungen. So müsste es zu einer Mischung der individuellen Depots der Anleger mit der risikofreien Anlagemöglichkeit kommen. Dabei können die Portfolien der Anleger überall auf der Effizienzkurve liegen. Wie Abbildung 3 zeigt, ergeben sich die Portfoliogeraden, wenn der Achsenabschnitt risikofreier Zinssatz mit den individuellen Portfolien der Anleger auf der Effizienzkurve verbunden wird.20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Kapitalmarktgerade.21

Hervor geht auch die Existenz einer Effizienzgeraden, die alle anderen Portfoliogeraden in Bezug auf Risiko- und Renditegesichtspunkte dominiert. Diese Gerade stellt die Kapitalmarktlinie dar. Der Punkt, an dem sich Kapitalmarktlinie und Effizienzkurve tangieren, wird als Marktportfolio bezeichnet.22 Das Marktportfolio ist im Modell somit das effizienteste Portfolio. Ein Investor kann eine höhere erwartete Rendite nur durch zusätzliches Risiko erkaufen. Rational handelnde Anleger werden deshalb immer das Marktportfolio anstreben.23

Nach dem CAPM spielt ein Investor, der dauerhaft vom Marktportfolio abweicht, ein Nullsummenspiel. Diese Logik führt zur theoretischen Überlegenheit des passiven Investments.24

2.1.3 Arbitrage Pricing Theory

Das CAPM wurde im Laufe der Jahre zunehmend kritisiert, da weitere Untersuchungen eine positive lineare Beziehung zwischen Marktrisiko und Rendite empirisch nicht belegen konnten. Aufgrund dessen etablierte sich die Arbitrage Pricing Theory (APT) von Stephen Ross.25 Auch die APT beschreibt ein Kapitalmarktgleichgewicht, welches durch eine lineare Beziehung zwischen erwarteter Rendite und Risiko gekennzeichnet ist. Doch im Unterschied zum CAPM, das nur einen Risikofaktor berücksichtigt, handelt es sich beim APT um ein multiples Risikofaktormodell. Das APT basiert auf drei grundlegen Prämissen.

- Das Faktormodell erklärt die Aktienrenditen, wobei die unterschiedlichen Faktoren nicht spezifiziert werden.
- Investoren halten gut diversifizierte Portfolios, in denen das aktienspezifische Risiko eliminiert ist.
- Aufgrund informationseffizienter Märkte besteht keine Arbitragemöglichkeit.26

Für die APT sind damit weit weniger Annahmen als für das CAPM erforderlich. So wird beispielsweise kein Risiko-Rendite effizientes Marktportfolio benötigt. Trotz der Vorteile der APT bestehen gegenüber dem CAPM wesentliche Nachteile. Die APT geht davon aus, dass keine Arbitrage-Möglichkeit vorhanden ist. Daher ist es mit dem Modell nicht möglich, eine Verletzung der Beziehung zwischen der erwarteten Rendite und der Faktorintensivität zu identifizieren. Gleichwohl sind die Risikofaktoren im APT-Modell nicht definiert, während das CAPM diesen Faktor mit dem Marktportfolio festgelegt hat. Vor diesem Hintergrund kann man das CAPM nicht ohne Weiteres durch die APT ersetzen.27

2.2 Verhaltensorientierte Kapitalmarkttheorie

Die neoklassische Kapitalmarkttheorie setzt voraus, dass der Markt informationseffizient ist, Investoren rational handeln und risikoavers agieren. Eine sichere Aussicht wird einer unsicheren vorgezogen. Das menschliche Verhalten lässt jedoch darauf schließen, dass die Annahmen das tatsächliche Verhalten nur unzureichend erklären. Im Mittelpunkt der verhaltensorientierten Kapitalmarkttheorie steht deshalb das Handeln von Menschen unter psychologischen Motiven und deren Verhaltensweisen, die im Widerspruch zu den genannten Modellannahmen stehen.28 Zielsetzung muss daher sein, die Entscheidungsfindung von Marktteilnehmer auf Anomalien zu analysieren und dadurch Muster zu erkennen. Im Idealfall entstehen so Hinweise auf bessere Finanzentscheidungen.29

Besonders bei extremen Kursschwankungen lassen sich irrationale Verhaltensweisen von Anlegern feststellen. Es kann jedoch ebenfalls davon ausgegangen werden, dass auch an ruhigen Börsentagen irrationale Entscheidungen getroffen werden.30 Tatsächlich wird das Risiko einer Anlage als asymmetrisch wahrgenommen. Auf Verluste reagieren Anleger deshalb oftmals mit Überreaktionen. Statt rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, wird in der Hoffnung, dass der Preis einer Aktie sich wieder erholt, die Position zu lange gehalten. Demgegenüber werden Wertpapiere mit Gewinnen oft zu schnell veräußert. In die Vermeidung von Verlusten wird folglich mehr Energie und Zeit investiert als in die Erzielung von Gewinnen.31

Ein Ansatz zur Problemlösung ist die Erkenntnis, dass Menschen in Entscheidungssituationen daraus kein mathematisches Problem machen, sondern mentale Abkürzungen verwenden. Dies geschieht mittels sogenannter Heuristiken.32 In den folgenden Unterpunkten wird auf ausgewählte Heuristiken sowie auf weitere Hypothesen der verhaltensorientierten Kapitalmarkttheorie eingegangen.

2.2.1 Ausgewählte Heuristiken

Das Wort Heuristik wird im Sinne von verbesserter Problemlösung verwendet. Vor allem bei Entscheidungen unter Unsicherheit müssen Menschen die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Ereignisse abschätzen. Es wird möglich, komplexe Probleme einfach zu lösen, obwohl komplexere Lösungswege gefordert wären. Die Einfachheit macht Heuristiken effizient, so lassen sich diese auch als Faustregel bezeichnen. Grundsätzlich sind Heuristiken geeignet, um einfache und gute Lösungen zu finden, doch sie können auch zu Verzerrungen im Urteil des Entscheiders führen, so genannten Biasses. Nachfolgend wird auf die drei klassischen Heuristiken Repräsentativität, Verfügbarkeit und Verankerung eingegangen.33

Wenn es darum geht, die Wahrscheinlichkeit zu schätzen, mit der ein Objekt zu einer bestimmten Kategorie gehört, spricht man von der Repräsentativitätsheuristik. Ist etwas Bestimmtes repräsentativ für eine Kategorie, so wird die Wahrscheinlichkeit einer Zugehörigkeit zu der entsprechenden Kategorie als hoch eingeschätzt. So wird beispielsweise eine Person in der Frankfurter Innenstadt, welche einen Anzug trägt, rasch als Bankangestellter angesehen. Eine weitere Form ist die Verfügbarkeitsheuristik. Bei dieser wird die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach eingeschätzt, wie leicht die Erinnerung an ein entsprechendes Ereignis fällt. Die mentale Verfügbarkeit von Beispielen entscheidet also über unser Urteil von Wahrscheinlichkeiten. So schätzt beispielsweise ein Mensch, der noch nie einen Autounfall erlebt hat, die Wahrscheinlichkeit einen Autounfall zu erleiden niedriger ein, als ein Mensch der erst einen Unfall erfahren hat.34 Als Verankerungseffekt wird die Tatsache beschrieben, dass Menschen sich bei der Schätzung unbekannter Größen an Ausgangswerten orientieren. Die Schätzungen werden also grundlegend von einem Ausgangswert beeinflusst. So hat beispielsweise der zuerst genannte Preis für ein Gut den entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis der Preisverhandlungen.35

Anhand der vorgestellten wie auch weiteren Biasses kann die Urteilskraft eines Individuums verzerrt werden. Die Prospect Theory (PT) von Kahneman und Tversky hilft, Verzerrungen und Heuristiken besser einzuordnen.36

2.2.2 Prospect Theory

Das Fundament der PT bildet die Überzeugung, dass Menschen sich ständig irrational verhalten. Eine zentrale These lautet daher, dass Menschen nicht ihr gesamtes Vermögen in Entscheidungssituationen berücksichtigen, sondern die Veränderung von einem frei bestimmbaren Referenzpunkt aus wird als wesentlich angesehen. Die aus einer Entscheidung resultierende Veränderung verbuchen Menschen sodann in die Kategorien Gewinne oder Verluste. Wobei die Einstellung gegenüber Gewinnen und Verlusten völlig verschieden ist.37 Welcher Zustand als Referenzpunkt definiert wird, bleibt zudem offen. Am häufigsten handelt es sich dabei jedoch um den Zustand des Status quo oder einen Soll-Zustand. Wie Abbildung 4 verdeutlicht, schlägt die PT eine S-förmige Wertefunktion zur Abbildung des Risikoverhaltens vor.38

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Die Wertfunktion aus der Prospect Theory.39

Die Wertefunktion zeichnet zum einen aus, dass die Kurve im Bereich der Gewinne konkav und im Bereich der Verluste konvex ist. Eine Begründung dafür finden Kahneman und Tversky darin, dass die psychologische Wahrnehmung von der Größe der Reize abhängt. So wird der Unterschied zwischen einem Gewinn von 100 Euro und einem Gewinn von 200 Euro stärker wahrgenommen als der Unterschied zwischen einem Gewinn von 1.100 Euro und 1.200 Euro. Der persönliche Nutzen wird also mehr gesteigert, wenn man seinen Gewinn von 10 Euro auf 20 Euro verbessert, als wenn man seinen Gewinn von 200 Euro auf 210 Euro erhöht. Zum anderen zeichnet die Wertefunktion aus, dass sie im Bereich der Verluste steiler als im Bereich der Gewinne ist.40 Menschen scheinen Verlusten ein größeres Gewicht beizumessen als Gewinnen. Der Ärger über eine verlorene Geldsumme ist also größer als die Freude, die mit dem Gewinn des gleichen Betrags verbunden ist.41 Diese verstärkte Abneigung gegenüber Verlusten wird als „Loss Aversion“ bezeichnet. Das erklärt auch, warum sich Menschen im Bereich möglicher Gewinne risikoscheu und im Bereich möglicher Verluste risikogeneigt verhalten.42 So empfinden die meisten Menschen eine faire Wette als unattraktiv, beispielsweise den Münzwurf. Bei Kopf wird der Betrag x gewonnen und bei Zahl der gleiche Betrag x verloren. Derjenige, der den Gewinnen und Verlusten den gleichen Wert beimisst, ist indifferent gegenüber der Wette. Derjenige, der die Wette scheut, gibt Verlusten ein höheres Gewicht. Je größer der Betrag ist, umso unattraktiver werden faire Wetten zudem empfunden. In einer fairen Wette wird ungern um einen Euro gewettet, allerdings noch kleiner ist die Bereitschaft, eine faire Wette um 100 Euro einzugehen.43 Aus den genannten Komponenten des Referenzpunktes, des Prinzips der abnehmenden Empfindlichkeit und der Verlustaversion ergibt sich die in Abbildung 4 aufgezeigte Wertefunktion.44

[...]


1 Vgl. Glücklich (2017), S. 24.

2 Vgl. Baudzus (2021), S. 1.

3 Vgl. Eigene Darstellung, angelehnt an statista.com (2021), S. 1.

4 Vgl. Niederländer & Kühn (2021), S. 15.

5 Vgl. Wallstabe-Watermann, Klotz, Dr. Baur & Hans (2020), S. 11-13.

6 Vgl. Deckenbach (2020), S. 1.

7 Vgl. Jordan (2011), S. 79.

8 Vgl. Fechtner, Hahn, Yakhloufi, Fischer, & Michel (2019), S 1.

9 Vgl. Daxhammer & Facsar (2017), S. 26-39.

10 Vgl. Beck (2014), S. 1-3.

11 Vgl. Beck (2014), S. 2.

12 Vgl. Daxhammer & Facsar (2017), S. 26-39.

13 Vgl. Fama (1970), S. 383.

14 Vgl. Daxhammer & Facsar (2017), S. 39-40.

15 Vgl. Mondello (2015), S. 28-32.

16 Vgl. Eigene Darstellung, angelehnt an Steiner, Bruns & Stöckl (2017), S. 42.

17 Vgl. Steiner, Bruns & Stöckl (2017), S. 42-50.

18 Vgl. Fama & French (2004), S. 25-26.

19 Vgl. Mondello (2015), S. 103-128.

20 Vgl. Steiner, Bruns & Stöckl (2017), S. 22-25.

21 Vgl. Eigene Darstellung, angelehnt an Steiner, Bruns & Stöckl (2017), S. 23.

22 Vgl. Steiner, Bruns & Stöckl (2017), S. 22-25.

23 Vgl. Sharpe (1964), S. 425-442.

24 Vgl. Grinold & Kahn (1999), S. 17.

25 Vgl. Rütsche, Stoz, & Zebiri (2018), S. 7.

26 Vgl. Mondello (2015), S. 299-309.

27 Vgl. Mondello (2015), S. 299-309.

28 Vgl. Mondello (2015), S. 37-40.

29 Vgl. Hilbert & Metzner (2021), S. 3-10.

30 Vgl. Heese (2011), S. 20-25.

31 Vgl. Mondello (2015), S. 37-40.

32 Vgl. Beck (2014), S. 25.

33 Vgl. Beck (2014), S. 25-47.

34 Vgl. Tversky & Kahneman (1974), S. 1124-1128.

35 Vgl. Burck, (2018), S. 167-188.

36 Vgl. Beck (2014), S. 47-76.

37 Vgl. Klöhn (2006), S. 90-95.

38 Vgl. Schweizer (2017), S. 56-57.

39 Vgl. Eigene Darstellung, angelehnt an Tversky & Kahneman (1979), S. 279.

40 Vgl. Beck (2014), S. 130-131.

41 Vgl. Tversky & Kahneman (1979), S. 277-280.

42 Vgl. Schweizer (2017), S. 58.

43 Vgl. Beck (2014), S. 132-133.

44 Vgl. Erb (2019), S. 1.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Bedeutung aktiver Managementstrategien im internationalen Vergleich
Note
2,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
47
Katalognummer
V1045112
ISBN (eBook)
9783346468765
ISBN (Buch)
9783346468772
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aktiv vs. passiv, informationseffizienz, Managementstrategien, Mangement, Kapitalmarkttheorie, Fonds, ETFs, aktives Management, passives Management, Capm, Vergleich, Limits to Arbitrage
Arbeit zitieren
Harald Schupp (Autor:in), 2021, Bedeutung aktiver Managementstrategien im internationalen Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1045112

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