Über die Rolle der Schule als Instanz sozialer Kontrolle


Seminararbeit, 2000
18 Seiten, Note: sehr gut

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Inhalt

0. Ziele dieser Arbeit

1. Zur Relevanz des Themas

2. Eine erste Annäherung an den Begriff " abweichendes Verhaltens"

3. Perspektiven und Konzepte "abweichenden Verhaltens"
3.1 Das Anomieparadigma
3.1.1 Entstehung und Entwicklung
3.1.2 Erklärungslücken der Anomietheorie
3.2. Der Paradigmenwechsel: Die Labeling-Perspektive
3.2.1 Grundzüge des labeling approach
3.2.2 Die Grenzen des labeling approach

4. Zwei Thesen über die Rolle der Schule bei "abweichendem Verhalten" von Kindern und Jugendlichen

Literaturangaben

0. Ziele dieser Arbeit

In ihrer momentanen Verfassung ist Schule (als Instanz sozialer Kontrolle) nicht in der La- ge, dem „abweichendem Verhalten“ von Kindern und Jugendlichen, das oft in scheinbar völlig unverständlichen Gewaltakten Ausdruck findet, angemessen zu begegnen. Ich be- haupte sogar, daß die Schulen einen entscheidenden Anteil an der zunehmenden Brutalisie- rung des (schulischen) Alltags haben. Dies sind die Kernaussagen meiner Arbeit. Argumentativ belegen werde ich sie hauptsächlich mit Hilfe der Anomietheorie und des Labeling-Ansatzes, zweier wichtiger wissenschaftlicher Sichtweisen, die die Ursachen „abweichenden Verhaltens“ zu erklären versuchen. Die Darstellung der beiden Standpunkte, die heute längst nicht mehr miteinander konkurrieren, sondern sich ergänzen, sollen auch verdeutlichen, welche Prozesse und Dynamiken bei dem Phänomen „Abweichung“ wirksam werden und wie relational das Konzept „abweichenden Verhaltens“ eigentlich ist.

Presseberichte, Klagen von Lehrern und auch Äußerungen der Schulbehörden machen deutlich, daß die Problematik längst keine schulinterne mehr ist.

1. Zur Relevanz des Themas

Das Landesschulamt Berlin teilt in einem aktuellen Rundschreiben an die Berliner Schulen mit:

„Gewalt gegen Kinder, alltägliche Regelverletzungen und Straftaten in der Gesellschaft stehen zu Beginn des Jahrzehnts im Zentrum öffentlichen Interesses. In dieser Situation fordern wir die Schulen auf, im Rahmen ihrer Verantwortung ihren Beitrag zur Minderung menschenverachtender und verletzender Verhaltensweisen zu leisten und damit zur Förderung der demokratischen Kultur beizutragen“.1

In einer neueren Bestandsaufnahme des Bundesministeriums des Innern (insbesondere über rechtsextremistische Gewalttaten) konstatieren die Autoren, daß „sich die polizeilich registrierte Gewaltkriminalität Jugendlicher zwischen 1984 und 1997 in Westdeutschland um das 3,3-fache erhöht“2 habe.

Schließlich berichtet die Tagespresse seit mehreren Jahren regelmäßig über zum Teil extre- me Gewaltakte von Kindern und Jugendlichen in Schulen und über verunsicherte, veräng- stigte und ratlose Lehrer. Es ist vom „Burn-out-Effekt“ die Rede, von dem ein Großteil der Lehrer betroffen sei, und von auffälligen Kindern und Jugendlichen, die eigentlich nicht mehr beschulbar seien. Bei dieser Ausgangslage drängen sich zwei grundsätzliche Fragen auf:

1. Wie wird „abweichendes Verhalten“ eigentlich definiert? Diese Frage stellt sich, weil die Bestimmung dessen, was unter Abweichung verstanden wird, Grundlage nicht nur beim Umgang mit derartigen Verhaltensweisen ist, sondern auch bei der Prävention dieser rele- vant wird.

2. Welche Rollen spielen die Schulen und damit die Lehrer innerhalb dieser Problematik? Dieser Aspekt ist deshalb von Bedeutung, weil beiden, neben den Eltern, eine zentrale Rolle bei der Erziehung von Kindern und Jugendlichen - insbesondere hinsichtlich einer Vermittlung und Vorbereitung auf gesellschaftliche Normen - zukommt.

2. Eine erste Annäherung an den Begriff „abweichendes Verhalten“

LOTHAR BÖHNISCH versteht unter „abweichendem Verhalten“ einen „Konstruktionsprozeß, der vielfältigen sozialen, psychischen und institutionellen Einflußfaktoren unterliegt“.3 Diese Definition, der ich mich anschließe, vereint zwei wissenschaftliche, ehemals konkurrierende Sichtweisen: Die „Anomietheorie“ und den „labeling approach“. Die Vertreter der Anomietheorie gingen von der sozialen Bedingtheit individuellen Handelns aus. Aus dieser Perspektive sind strukturelle gesellschaftliche Bedingungen auch die Ursache für Devianz. Gegen Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts erfolgte (auch in der BRD) ein Paradigmenwechsel4 hin zu der in den USA entwickelten Labeling-Theorie, die „abweichendes Verhalten“ aus der sozialen Reaktion, also auch situativ bzw. kontextuell, zu erklären versuchte.5 Die Labeling-Theoretiker gingen von der grundsätzlichen Annahme aus, „dass es keine ‘an sich’ devianten Akte gibt [...]: Devianz ist keine aus dem Verhaltensakt selbst hervorgehende Tatsache, sondern wird erst durch die gesellschaftliche Reaktion konstituiert“.6

In den folgenden Teilen meiner Arbeit referiere ich die Grundzüge beider Orientierungen, um die Notwendigkeit ihrer sinnvollen Zusammenführung zu veranschaulichen und die eingangs erwähnte Definition von BÖHNISCH zu begründen.

3. Perspektiven und Konzepte "abweichenden Verhaltens"

3.1 Das Anomieparadigma

3.1.1 Entstehung und Entwicklung

Die Anomietheorie wurde von dem französischen Soziologen ÉMILE DURKHEIM gegen En- de des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund einer sich machtvoll durchsetzenden und ex- pandierenden kapitalistischen Industrialisierung begründet.7 Ausgehend von diesem Zu- sammenhang wird die zentrale These der Theorie formuliert: Der Modernisierungsprozeß wirkt auf einzelne und Gruppen desintegrativ, weil mit ihm der Zusammenbruch bisher ge- wohnter Sozialformen, Werte, Normen und Hierarchien verbunden ist. Die Desintegration wiederum ruft den Zustand der Anomie (also den der Gesetzlosigkeit) hervor. DURKHEIM nahm an, daß sowohl unerwartete Prosperität als auch unvorhergesehene Rezession - und diese Gegensätze kennzeichneten ja die wirtschaftliche Situation des ausgehenden 19. Jahr- hunderts in Frankreich und auch Deutschland8 - Desintegration und damit anomische Zu- stände herbeiführen können. Dies sei zumindest dann der Fall, wenn Rezession „für be- stimmte Menschen so etwas [...] wie eine Deklassierung [bedeutet, J.R.]“.9 Werde eine Ge- sellschaft mit unerwarteter wirtschaftlicher Prosperität konfrontiert, verhalte es sich umge- kehrt: „Wegen des steigenden Wohlstands steigen auch die Bedürfnisse. Sie werden ange- stachelt durch die reichere Beute, die ihnen vorgehalten wird, und die althergebrachten Re- geln verlieren ihre Autorität, weil man ihrer überdrüssig ist“.10 In beiden Situationen ist demnach das Fehlen der die Situation bewältigenden Lernprozesse entscheidend.11 Aus dieser Perspektive entsteht „abweichendes Verhalten“ oder Anomie also vor allem „aus der Struktur der modernen Arbeitsteilung, die einer ökonomisch-technischen Rationalität folgt, die sozial nicht einholbar sein bzw. die sozial desintegrativ wirken kann“.12

ROBERT K. MERTON, der das Anomiekonzept (zuerst 1938) entscheidend weiterentwickelte und zu dessen wissenschaftlicher Etablierung beitrug, bezeichnete „abweichendes Verhal- ten“ „als Symptom für das Auseinanderklaffen von kulturell vorgegebenen Zielen und sozial strukturierten Wegen, auf denen diese Ziele zu erreichen sind“13 und erweiterte die Theorie in zwei Punkten:

1. Es wird unterschieden zwischen „kultureller“ und „sozialer Struktur“. Unter kultureller Struktur verstand MERTON „den Komplex gemeinsamer Wertvorstellungen, die das Verhal- ten von Mitgliedern einer gegebenen Gesellschaft oder Gruppe regeln“. Mit sozialer Struk- tur „ist der Komplex sozialer Beziehungen gemeint, in der die Mitglieder der Gesellschaft oder Gruppe unterschiedlich einbezogen sind“. Anomie werde durch „eine scharfe Diskre- panz [...] zwischen kulturellen Normen und Zielen einerseits und den sozial strukturierten Möglichkeiten, in Übereinstimmung hiermit zu handeln, andererseits“14 erzeugt.

2. Im Spannungsfeld zwischen kultureller und sozialer Struktur entstünden verschiedene Arten individueller Anpassung (hinsichtlich einer Wiederherstellung der Ziel-Mittel-Über- einstimmung). Die daraus resultierenden Verhaltenstypen werden differenziert in Konformität, Innovation (Neuerung), Ritualismus, Apathie (Rückzug) und Rebellion.15

Die kulturellen Ziele, die es zu erreichen gelte, seien „in erster Linie ökonomische Aktivitäten, in dem weiten Sinn von ‘Produktion, Austausch, Verteilung und Konsum von Gütern und Dienstleistungen’ in unserer Wettbewerbsgesellschaft [...], in der Wohlstand einen erhöhten symbolischen Charakter trägt“.16 Der stärkste Druck laste dabei auf den „niedrigeren [sozialen] Schichten“, weil sie kaum über Möglichkeiten verfügten, die kulturell vorgegebenen Ziele auf legitime Weise zu erreichen und insofern zu illegitimen Mitteln griffen bzw. sich abweichend verhielten.17

Demnach kann eine von kulturellen Normen geprägte Sozialstruktur, die nach MERTONS Auffassung in erster Linie an der Vermehrung von Wohlstand orientiert ist, parallel Kon- formität und „abweichendes Verhalten“ produzieren. MERTONS Argumentation ähnelt der DURKHEIMS, der feststellte, "daß Verbrechen notwendig sind [...], daß die grundlegenden Bedingungen der gesellschaftlichen Organisation, wie wir sie kennen, sie logisch voraussetzen".18 Der Begriff „abweichendes Verhalten“ ist in MERTONS Konzept jedoch insofern relativer, als er den biographischen Hintergrund (im Sinne der heute nicht mehr so gebräuchlichen Kategorie der „Schichtzugehörigkeit“) des einzelnen stärker berücksichtigt. Der Anpassungstyp Innovation beispielsweise umfaßt deshalb auch recht unterschiedliche Verhaltensweisen, die von Reformbestrebungen bis zu revolutionärem Handeln reichen können.19

3.1.2 Erklärungslücken der Anomietheorie

Ausgangspunkt der Überlegungen DURKHEIMS - von denen zweifellos wichtige Impulse ausgingen - war die Störung der gewohnten Ordnung durch Desintegration. Dieser Sach- verhalt führte ihn allerdings zu keiner Hinterfragung von Regeln, Normen und Werten20 im Sinne ihrer Berechtigung oder Entstehung. Statt dessen wird unterstellt, Normen seien ob- jektiv vorhanden und von Individuen sozusagen als unabhängige Daten erfaßbar.21 DURKHEIM blieb offensichtlich aus seiner bürgerlichen und vor allem „rein krisentheoreti- schen Sicht [...] der Blick darauf verstellt, daß in der desintegrativen Tendenz auch Interes- sen und Optionen auf eine andere Gesellschaft stecken und daß diese antibürgerlichen und antikapitalistischen Interessen eigene Ziele und Integrationsvorstellungen haben“.22 Deshalb konstatierte er auch keinen Konflikt, sondern plädierte im Grunde für eine altruistische Norm, die es durch Wiederherstellung „der Grenzen und Zwänge der gesellschaftlichen Strukturen“23 zu erreichen gilt, weil er vermutete, daß nur diesen Strukturen die notwendige Integrations- und normative Verpflichtungskraft innewohnen: Die dem einzelnen überlegene Gesellschaft soll in diesem Modell bestimmen, „was jemand in den Grenzen seiner Klasse darf und was ihm verboten ist“.24 Aus dieser Perspektive konnte DURKHEIM nur zu dem Ergebnis gelangen, eine Kontrolle von außen müsse dem einzelnen eine „Beschränkung seiner Begierden“ vorschreiben, „die er respektiert und vor der er sich spontan verneigt. Nur die Gesellschaft ist in der Lage, diese mäßigende Rolle zu spielen, sei es direkt und als Ganzheit oder vermittels eines ihrer Organe“.25 Die Argumente heutiger Anhänger einer Law-and-Order-Politik sind ihrem Wesen nach also nicht die neuesten. Auch wenn die historische Rückgebundenheit26 dieser Theorie deutlich hervortritt, gelang es DURKHEIM trotzdem, ein bemerkenswertes und vor allem sich wiederholendes Phänomen zu beschreiben, das auch in aktuellen Zusammenhängen wiedererscheint: Extreme gesellschaftsstrukturelle Wandlungsprozesse gehen in der Regel mit „abweichendem Verhalten“ (zum Teil sogar in Form vermehrter Kriminalität) einher. Recht plausibel läßt sich mit der Anomietheorie beispielsweise in den neuen Bundesländern ein Zusammenhang herstellen zwischen Statusbedrohungen, Verlust von Sicherheiten, Schwächungen und Auflösungen von Bindungen einerseits und rechtsextremistischen Gewalttaten andererseits infolge der Durchsetzung eines kapitalisti- schen Wirtschaftssystems, welches bis dahin geltende Wert- und Normvorstellungen außer Kraft setzte.27 Teile des von MERTON modifizierten Ansatzes finden sich deshalb auch noch heute in Erklärungsversuchen anderer Autoren über „abweichendes Verhalten“ Jugendlicher.28 Jugendliche Devianz wird (analog zu der der „niederen [sozialen] Schichten“ in MERTONS Theorie) als Resultat einer Differenz zwischen kulturellen Zielen und sozialen Mitteln interpretiert. Problematisch ist der von MERTON vorausgesetzte Zugang zu illegitimen Mitteln, der so wahrscheinlich nicht besteht, worauf CLOWARD schon hinwies.29 Das Modell erklärt auch nicht, warum sich nicht alle Angehörigen minderprivilegierter Schichten oder Milieus deviant verhalten. Und: Es ist nicht bewiesen, „daß ‘Kultur’ durch allgemein geltende handlungsorientierte Werte strukturiert sei“.30 Vor allem vernachlässigt MERTONS Argumentation eine entscheidende Variable bei der Erklärung von Abweichung, den Interaktionsprozeß, ohne den Devianz (besonders in Schulen) gar nicht zustande kommen kann. Entscheidend beeinflußt wurde die Forschung hinsichtlich des Aspekts der Interaktion im Zusammenhang mit „abweichendem Verhalten“ durch den Labeling-Ansatz.

3.2 Der Paradigmenwechsel: Die Labeling-Perspektive

3.2.1 Grundzüge des labeling approach

Der entscheidende Unterschied des labeling approach zu den traditionellen strukturalisti- schen Ansätzen, die „abweichendes Verhalten“ zu erklären versuchen, besteht in der An- nahme, daß „Devianz zur Wirklichkeit wird nur durch die Konstruktion, die Thematisierungen und Zuschreibungen derer, die mit ihr umgehen“.31 Im Gegensatz zur Anomietheorie und anderen Perspektiven, einige adaptierten lediglich Teile des labeling approach, geht der wirkliche Labeling-Ansatz davon aus, daß es Normverletzungen in einem objektiven Sinne eben nicht gibt.32 Aus dieser Perspektive gelangt HOWARD S. BECKER, einer der prominentesten Vertreter dieser Theorie, zu dem Ergebndß gesellschaftliche Gruppen abweichendes Verhalten dadurch schaffen, daß sie Regeln aufstellen, deren Verletzung abweichendes Verhalten konstituiert und daß sie diese Regeln auf bestimmte Menschen anwenden, die sie zu Außenseitern abstempeln. [...] Der Mensch mit abweichendem Verhalten ist ein Mensch, auf den diese Bezeichnung erfolgreich angewandt worden ist; abweichendes Verhalten ist Verhalten, das Menschen so bezeichnen“.33

Diese These wird nachvollziehbar, wenn man den Ursprung der Labeling-Theorie34, die sich als eigenständige Alternative der Erklärung von Devianz gegenüber anderen Ansätzen begreift, berücksichtigt: Der labeling approach ist am Symbolischen Interaktionismus orientiert, dessen drei Grundsätze HERBERT BLUMER formulierte:

„Die erste Prämisse besagt, dass Menschen 'Dingen' gegenüber auf der Grundlage der Bedeutungen handeln, die diese Dinge für sie besitzen [...]. Die zweite Prämisse be- sagt, dass die Bedeutung solcher Dinge aus der sozialen Interaktion, die man mit sei- nen Mitmenschen eingeht, abgeleitet ist oder entsteht. Die dritte Prämisse besagt, dass die Bedeutungen in einem interpretativen Prozess, den die Person in ihrer Auseinandersetzung mit den ihr begegnenden Dingen benutzt, gehandhabt oder abgeändert werden“.35

Damit ist nun freilich nicht gemeint, daß jede Definition täglich neu getroffen bzw. ausgehandelt wird, sondern daß „eine Gruppe von Individuen, die einige Werte miteinander teilen und an einer Reihe sozialer Normen hinsichtlich Verhaltens und hinsichtlich persönlicher Attribute fest- halten, [...] auf jedes individuelle Mitglied, das nicht an diesen Normen festhält, als auf ein deviantes Bezug nehmen, und auf seine Eigenart als auf eine Deviation“.36

Diese mehr oder weniger feststehenden Werte und Normen aber auch Erwartungen, die in ihrer Gesamtheit so etwas wie „gesellschaftliche Normalität“ (Konformität) konstituieren, werden unter dem Begriff der „sozialen Kontrolle“ subsumiert. Soziale Kontrolle bzw. so- ziale Prozesse, die „abweichendes Verhalten“ verhindern sollen, werden einerseits institutionell - insbesondere durch Schule, Justiz, Sozialarbeit, Psychiatrie, seit einigen Jahren aber auch in verstärktem Maß durch die Medien (beispielsweise durch Talksendungen im Fernsehen) - ausgeübt. Andererseits ist auch jeder an sozialer Kontrolle beteiligt, der normative Erwartungen - welcher Art auch immer - durch sein Handeln stützt.

Eine interaktionistische Soziologie „abweichenden Verhaltens“ fragt nach der gesellschaftlichen Konstruiertheit „abweichenden Verhaltens§. Sie versucht Gründe dafür anzugeben, wie bestimmte Verhaltensweisen, die gesellschaftlich als „abweichend“ etikettiert sind, sich als Themen konstituieren. „Thematisierungen sind Versuche, die Themen, die die Arten abweichenden Verhaltens darstellen, durch Formulierungen von Ansprüchen, Klagen oder Forderungen zur Geltung zu bringen“.37 Ein weiteres Interesse besteht in der Klärung der Frage, warum sich diese Themen überhaupt konstituieren können. Und schließlich werden die Kontexte (das sind in erster Linie die sogenannten „Lebenswelten“ der als „Abweichler“ stigmatisierten) die für Devianzzuschreibungen relevant sind, untersucht bzw. in ein Verhältnis zu einem bestimmten normativen Erwartungshorizont gesetzt. Eine wichtige Annahme in diesem Zusammenhang, die ja schon in den drei Prämissen BLUMERS implizit anklingt, ist die einer möglichen Divergenz der Interpretationen bestimmter (devianter) Verhaltensweisen zwischen Regelverfasser(n) und „Abweichler(n)“. Grundsätzlich sind die Interaktionisten übrigens von dem gleichen Erkenntnisinteresse geleitet, wie diejenigen Sprachwissenschaftler, die sich in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts dem Forschungsgebiet „schichtspezifischer Sprachgebrauch“ widmeten und die „Defizithypothese“ formulierten.38 Die Perspektive des labeling approach ist also auf diejenigen gerichtet, die „abweichendes Verhalten“ als solches wahrnehmen, darauf reagieren und gegebenenfalls die „Abweichler“ sogar sanktionieren. Im interaktionistischen Labeling-Modell wird unterschieden zwischen „primärer“ und „sekundärer Devianz“. Über primäre Devianz (die die Theoretiker weit weniger im Sinne einer Analyse interessiert als die sekundäre) werden reichlich allgemeine und unscharfe Aussagen getroffen: Soziale, kulturelle, physische und psychische Faktoren kommen ebenso in Betracht wie eine mangelhafte Internalisierung von Normen. Die sekundäre Abweichung entsteht durch Verhaltensweisen, „mit denen Menschen auf Probleme reagieren, die durch die gesellschaftliche Reaktion auf ihr abweichendes Verhalten geschaffen werden“.39 Die erfolgenden sozialen Reaktionen auf ein Verhalten werden aus Sicht des labeling approach als solche interpretiert, die abweichende Rollen zuweisen, die den Betroffenen unter Umständen dazu veranlassen, mit neuen Regelverletzungen zu reagieren. Schlimmstenfalls übernimmt er die „abweichende“ Rolle und verhält sich entsprechend den Erwartungen, die mit dieser verbunden sind.

3.2.2 Die Grenzen des labeling approach

Eine bestimmte Handlungsweise läßt variable Bedeutungen zu. Dieser Aspekt bei der Beurteilung des (devianten) Handelns wird von den Labeling-Theoretikern zu Recht betont. Denn je nach soziokulturellen und historisch-kulturellen Bedingungen werden Handlungsakten unterschiedliche Bedeutungen zugeschrieben. Insofern ist auch die in Teil 3.2.1 meiner Arbeit zitierte These BECKERS grundsätzlich plausibel: Es ist selbstverständlich nur dasjenige Verhalten bzw. Handeln deviant, welches eine Gesellschaft als solches definiert. Und: Gesellschaftliche Stigmatisierungsprozesse wird niemand ernsthaft in Frage stellen. Zweifelsohne treten etwa Lehrer Kindern aus „sozial benachteiligten Familien“ anders entgegen als solchen aus familiär „intakten Milieus“.40 Die Labeling-Perspektive überzeugt dennoch aus mindestens vier Gründen nicht:

1. Die sogenannte primäre Devianz wird praktisch nicht erklärt, sondern quasi als ubiquitär vorausgesetzt.41

2. Die These, Sekundärdevianz sei die Antwort des Individuums auf Etikettierungsprozesse seiner Umwelt, impliziert eine determistische Auffassung des Verhältnisses zwischen Umwelt und Individuum. - Andere Reaktionen, die man als Entstigmatisierungsprozesse bezeichnen kann, wie Kampagnen zur Legalisierung von Haschisch und Marihuana (zur Zeit aktuell in der Schweiz), des Schwangerschaftsabbruchs, Emanzipierungsbestrebungen von Homosexuellen usw. werden vom labeling approach nicht oder nur unzureichend wahrgenommen. Der einzelne erscheint in dieser Theorie als passives Objekt.

3. Es ist nicht bewiesen, daß fortdauernde Devianz stets das Ergebnis von stigmatisierenden Reaktionsprozessen ist. Sie kann ebenso aus strukturellen Zusammenhängen hervorgehen oder multifaktoriell bedingt sein.

4. Der labeling approach setzte sich zwar mit verschiedenen Phänomenen wie Drogenkonsum, Eigentumskriminalität, Vergewaltigung, Prostitution usw. auseinander. In keinem Bereich wurden allerdings - und dies war ja der ursprüngliche Anspruch - die Kontexte aufgrund derer „abweichendes Verhalten“ zugeschrieben wird, wirklich erklärt.42

Diese scheinbar negative Zwischenbilanz soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Labe- ling-Ansatz einen wichtigen Zusammenhang aufdeckte: Untersuchungen zeigten, „daß sich Deutungsschemata von Delinquenten deutlich von den Fremdeinschätzungen der Instanzen sozialer Kontrolle unterscheiden“.43 So werden strafbare Verhaltensweisen von Tätern nicht unbedingt als solche interpretiert, in der Folge werden dann strafrechtliche Maßnahmen von ihnen auch als willkürlich empfunden und stellen sich dementsprechend oft als völlig wirkungslos heraus. Diese Konstellation gescheiterter Interaktion bzw. Kommunikation dürfte sich auf die schulische Situation übertragen lassen. Insofern ist das Argument, Instanzen sozialer Kontrolle (also auch die Schule!) produzierten Devianz - u.a. bedingt durch eine regelrechte kommunikative bzw. interpretative Lücke, die die Interaktionspartner entweder nicht schließen können oder wollen - durchaus ernst zu nehmen. Der Labeling-Ansatz ist als eine wichtige Ergänzung strukturalistischer Perspektiven zu begreifen, die eben diesen Aspekt beinahe vollständig ausblenden Gleichwohl sei auf andere Untersuchungsergebnisse hingewiesen, die dafür sprechen, daß wenigstens gegenüber wahrnehmbaren physischen Akten, die als deviant gelten, wie Gewaltdelikte oder Eigentumskriminalität, „durchaus konkrete Bedeutungen bei den meisten Gesellschaftsmitgliedern vorausgesetzt wurden“.44 Allerdings dürfte die Aussagekraft solcher Untersuchungen auch in einem gewissen Maße eingeschränkt sein, weil sie außerhalb des vom Labeling-Ansatz betonten situativen Zusammenhangs stattfinden. Dagegen spricht beispielsweise auch, daß Jugendliche, die einerseits selbst nie durch nennenswerte deviante physische Akte aufgefallen sind, sich andererseits in zunehmender Zahl (besonders in ostdeutschen Schulen) mit rechtsradikalem Gedankengut identifizieren. Auf diese Weise liefern sie den Hintergrund, vor dem diejenigen, die tatsächlich Gewalt gegen Menschen und Sachen anwenden, sich rechtfertigen können, in- dem sie ihre Taten als von der Mehrheit gewollt interpretieren. Ob sich die (nicht in Er- scheinung tretenden) „Mitläufer“ der Bedeutung ihrer Einstellung und ihres Verhaltens be- wußt sind, ist sicher nicht eindeutig zu beantworten. Eine gefährliche Dynamik hat in vielen Schulen (übrigens auch in Gymnasien) bereits eingesetzt. „Vor allem, wenn die Rechten nicht als gewalttätige Glatzen daherkommen, sondern smart und adrett als ver- meintliche Verbündete im stressigen Schulalltag. Wenn sie sich zum Klassensprecher wählen lassen, den Schülerclub organisieren und auch im Unterricht mit Eifer ('Ein deutscher Schüler kommt nicht zu spät') für Disziplin und Ordnung sorgen. Darauf fallen auch Lehrer rein“.45 Devianz, die sich hinter Ritualen einer vermeintlichen Konformität verbirgt, wird gerade in Schulen als solche oft nicht erkannt bzw. wahrgenommen.

4. Zwei Thesen über die Rolle der Schule bei "abweichendem Verhalten" von Kindern und Jugendlichen

These 1:

Schule ist eine Institution sozialer Kontrolle, die Etikettierungen vornimmt.

Erläuterung:

Es steht außer Zweifel, daß Schule ein Mittel der Systemintegration von Kindern und Ju- gendlichen ist.46 Diese Systemintegration muß sich notwendigerweise an Normalitätskon- strukten bzw. normativen Erwartungen (die in ihrer momentanen Konzeption aus Variablen wie „Disziplin“, „Leistung“, „Konkurrenz“, unterrichtsinhaltlichen, methodischen Entscheidungen usw. bestehen) orientieren. Damit wird die Grundvoraussetzung für (die von Lehrern oft unbewußt vorgenommenen) Etikettierung von Schülern geschaffen:

Statt einer angemessenen Berücksichtigung der unterschiedlichen Voraussetzungen (Le- benswelten) der Schüler, die ja evident sind, wird einerseits eine Schülerrolle definiert, an die die oben skizzierten Erwartungen geknüpft werden. Andererseits wird gewissermaßen als Gegenpol eine Lehrerrolle installiert, die einen reibungslosen Ablauf des Schulalltags durch standardisierte Verhaltensweisen des Lehrpersonals gewährleisten soll, die eben auch in der Einforderung der Erfüllung der Schülerrolle bestehen. Fast schizoid erscheinen bei- spielsweise in diesem Zusammenhang die von Lehramtskandidaten geforderten „klas- sischen“ Unterrichtsvorbereitungen nach lerntheoretischer oder bildungstheoretischer Ori- entierung, in denen zuerst die anthropogenen Voraussetzungen (die auch in anderen be- grifflichen Verkleidungen dargeboten werden) zu postulieren sind, um sie anschließend faktisch zu negieren, wenn ein strikt an Artikulationsstufen orientierter Stundenverlauf ge- fordert wird. Eine strukturelle Problematik der Schule besteht in der nichtvorhandenen Schicht- und Geschlechterneutralität. Normative Erwartungen, Unterrichtsinhalte und Themen sind in allgemeinbildenden Schulen an den Interessen bzw. der „Lebens- und Sozialwelt der Mittelschicht“47 orientiert. Für Kinder und Jugendliche, die anders als nach diesem idealtypischen Schema sozialisiert wurden, sind sie vielfach nicht einsehbar. Auf diese Weise werden also die Voraussetzungen für eine Dynamik geschaffen, die von vornherein eine gewisse Anzahl von Kindern und Jugendlichen als „Abweichler“ etikettiert. Schule bedient übrigens nicht nur Schicht- und Geschlechterstereotype bestens, sondern nimmt auch ethnische Etikettierungen vor, wie der Vorläufige Rahmenplan für die Berliner Grundschule 1987/88 zeigt: In der 1. Klasse sollen Kinder „soziale Erfahrungen“ sammeln, indem sie Unterschiede „im Aussehen, in der Sprache, im Tagesablauf, in der Ernährung, in den Festen und Gebräuchen" und "in der Nationalität“ ihrer Mitschüler aufzählen.48 Hier geborene und aufgewachsene Kinder, deren Eltern jedoch die deutsche Staatsangehörigkeit nicht besitzen, werden so als „Fremde“ oder „Ausländer“ etikettiert.

These 2:

Schule ist in ihrer aktuellen Form ungeeignet, Devianz zu verhindern; im Gegenteil: Sie produziert Abweichung.

Erläuterung:

Eines der größten Probleme stellt das zum Teil äußerst brutale Verhalten von Kindern und Jugendlichen dar, worauf ja auch das eingangs dieser Arbeit erwähnte Rundschreiben des Landesschulamtes Bezug nimmt. Brutalität von Jugendlichen ist allerdings keineswegs ein Phänomen dieses Jahrzehnts. Auch wenn es heute vielleicht nicht mehr en vogue ist, einen Autor wie HANS-JOCHEN GAMM zu zitieren, ich halte einige seiner Äußerungen für weitsichtig. Vor fast dreißig Jahren bemerkte er:

„Die Jugendkriminalität wächst unaufhaltsam, weil die Kriminalisierung des Spät- kapitalismus selbst unaufhaltsam ist. Da die Gesellschaft als Ganzes immer weniger erzieherisch-moralisches Potential glaubwürdig bereitstellt, ist es durchaus bemer- kenswert, daß die Kinder und Jugendlichen, die solchen Umständen ausgeliefert sind, nicht weit aggressiver reagieren als sie tatsächlich tun. Daß dies nicht geschieht, hängt vermutlich mit einigen Dauerkomponenten besonders der familiären Sozialisation der Mittel- und Oberschicht zusammen. Für Kinder dieser Schichten ist das herrschende System so belohnend, daß sie weniger Anlaß haben, darauf mit Gewalt zu antworten. Brutalisiert werden vornehmlich Kinder aus der sozialen Unterschicht, und zwar durch ihre Familien als Agenten der Gesellschaft, die sie ihrerseits brutalisiert“.49

Diese von GAMM angesprochene strukturelle Problematik hat sich nicht nur bestätigt, son- dern verschärft. Die Kluft zwischen den gesellschaftlichen Leitprinzipien (in erster Linie sind das nach wie vor „Leistung“, „Konkurrenz“ und „Konsum“) und ganzen Gruppen, die diese Prinzipien durch mangelnde Sozialchancen (in erster Linie Bildung) nicht erreichen können und dadurch immer weiter an den gesellschaftlichen Rand gedrängt werden, wächst stetig weiter.

Schule in ihrer jetzigen Verfassung setzt die Brutalität von Kindern und Jugendlichen, die sich vor allem in unspezifischen Gewaltakten äußert (z.B. durch das grundlose Zusammen- schlagen eines Mitschülers oder die Zerstörung von Einrichtungsgegenständen) erst frei. Denn sie reagiert nicht oder unzureichend auf die veränderten gesellschaftlichen und damit familiären Bedingungen vieler Kinder und Jugendlicher. Die "kausale Verbindung zwischen der Stellung der Eltern im Produktionsprozeß, ihren Erziehungsmethoden und der Persönlichkeitsstruktur der Kinder" und der Sachverhalt, „daß die Eltern ihren Kindern nur jeweils diejenigen kognitiven und motivationalen Fähigkeiten vermitteln, die für die Bewältigung der durch ihre gesellschaftliche Stellung bestimmten Probleme relevant sind“50, geht in die schulische Erziehung in viel zu geringem Maße ein. "Familien sind nicht mehr so ohne weiteres in der Lage, SchülerInnen für die Schule vorzubereiten und zu begleiten. Kinder wachsen vereinzelter auf und nicht alle Jugendlichen finden Anschluß oder sozialemotionale Geborgenheit in Gleichaltrigencliquen“.51 Vielen Kindern fehlt heute die Fähigkeit, sich überhaupt „in die institutionell-funktionale Welt der Schule einfinden zu können“.52 Die Schule müßte endlich realisieren, daß „Abweichung“ auch immer ein Bewältigungsverhalten darstellt und daß der „Abweichler“ durch die Ausübung von Brutalität und Vandalismus nicht selten nach Handlungsfähigkeit strebt.53 In einer von Medien dominierten Welt, die Konsum als höchstes Gut propagiert und schlimmstenfalls sogar für Kinder als Ersatz der Wirklichkeit der Welt fungiert54, ist gewaltsames Handeln oft auch Probehandeln. Diese Diskrepanz zwischen außerschulischer und schulischer Realität wird von der Schule nicht ausreichend berücksichtigt. Kinder und Jugendliche, „die aus ihrer sozialen Herkunft heraus oder/und im Verlaufe ihrer Biografie nicht die Chance hatten, soziale und kommunikative Fähigkeiten der Emphatie und Selbstkontrolle zu erlernen, die sie befähigt hätten, in kritischen Lebenssituationen, d.h. in solchen, in denen die eigenen Ressourcen zur nonkonformen Problemlösung nicht ausreichen oder blockiert sind“55, neigen zu Gewalttätigkeit. Letztlich übt Schule auf diese Kinder und Jugendliche strukturelle Gewalt aus, indem vielen von ihnen diejenigen Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten vorenthalten werden, die ihren Voraussetzungen entsprechen. Viele treibt das in die angeblich so unverständlichen zum Teil höchst brutalen und aggressiven Verhaltensweisen, die von den Lehrern dann vorschnell als „Verhal- tensstörung“ abgetan werden und die nicht selten ihren Ursprung in dem eigentlich ver- ständlichen Bedürfnis der Selbstbehauptung haben.

Lehrer haben innerhalb des herrschenden (Schul)Systems nicht zuletzt auch wegen ihrer unangemessenen Ausbildung kaum Chancen, sich dieser Problematik wirklich zu stellen. Letztlich werden sie als Verwalter einer schleichenden Verwahrlosung funktionalisiert. Auf diese Weise setzt Schule nicht nur Gewalt frei, sie reproduziert sie, indem sie nach dem Prinzip der Auslese gesellschaftlichen „Ausschuß“ und damit die nachfolgenden Generationen von Verlierern hervorbringt.

Aus eigener Kraft wird sich die Schule aus diesem Dilemma nicht befreien können. Dies könnte nur eine Bildungspolitik leisten, die die desintegrativen Tendenzen des momentanen globalen kapitalistischen Konkurrenzkampfes angemessen berücksichtigen würde. Die herrschende (Schul)Politik orientiert sich allerdings vorwiegend an ökonomischen Aspekten im Sinne einer weltweiten Wettbewerbsfähigkeit, ihre Reformbestrebungen machen diese Orientierung deutlich (Verkürzung der Schulzeit im Gymnasium, Unterricht mit neuen Medien usw.).

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SENATOR FÜR SCHULWESEN (1987): Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Grundschule, Klasse 1 bis 4, Vorfachlicher Unterricht, Sachkunde. Berlin.

SACK, F./ KÖNIG, R. (Hrsg.) (1968): Kriminalsoziologie. Frankfurt/M.

WISWEDE, G. (1973): Soziologie abweichenden Verhaltens. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz.

[...]


1 Landesschulamt Berlin im Rundschreiben LSA II Nr. 8/2000, S. 1.

2 PFEIFFER, CH./ WETZELS, P. (2000), S. 7.

3 BÖHNISCH, L. (1999), S. 14.

4 Der Begriff "Paradigma" wurde maßgeblich von KUHN geprägt. Unter einem Paradigma versteht KUHN "anerkannte Beispiele für konkrete wissenschaftliche Praxis - Beispiele, die Gesetz, Theorie, Anwendung und Hilfsmittel einschließen - Modelle abgeben, aus denen bestimmte festgefügte Traditionen wissenschaftlicher Forschung erwachsen" (1973, S. 28f.).

5 Die Kontroverse in der Devianzforschung zu Gunsten der Labeling-Perspektive seit Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts stellt KEUPP dar (vgl. 1976, S. 59f.).

6 BUCHMANN, M. (1983), S. 22-23.

7 Vgl. DURKHEIM, É. (1973).

8 Wenn auch umstritten und aus anderer Perspektive argumentierend, bietet KUCZYNSKI m. E. einen nach wie vor aufschlußreichen Überblick über die deutsche Wirtschaftsgeschichte und die mit ihr verbundenen Strukturveränderungen (vgl. o.J.)

9 DURKHEIM, É. (1973), S. 288.

10 Ders. (1973), S. 289.

11 Vgl. WISWEDE, G. (1973), S. 145.

12 BÖHNISCH, L. (1999), S. 31.

13 MERTON, R.K. (1968), S. 289.

14 Ders. (1968), S. 292.

15 Vgl. MERTON, R.K. (1968), S. 293.

16 MERTON, R.K. (1968), S. 293.

17 Vgl. MERTON, R.K. (1968), S. 296f.

18 DURKHEIM, É. (1973), S. 427.

19 Vgl. MERTON, R.K. (1968), S. 299.

20 Vgl. auch DURKHEIM, É. (1976), S. 106f.

21 Vgl. PETERS, H. (1989), S.18.

22 BÖHNISCH, L. (1996), S. 226f.

23 DÖRNER, K. (1973), S. XV.

24 Ders. (1973), S. XV.

25 DURKHEIM, É. (1973), S. 283.

26 Die historische Rückgebundenheit betrifft selbstverständlich nicht allein das Anomieparadigma, sondern soziologische Gesetzmäßigkeiten im allgemeinen (vgl. BÖHNISCH 1996, S. 27).

27 Vgl. z.B. HEITMEYER, W. (2000), S. 35ff.

28 Ebd., S. 32-52.

29 Vgl. CLOWARD, R.A. (1968), S. 320.

30 PETERS, H. (1989), S. 46.

31 Ders. (1989), S. 100.

32 Unter dem Begriff "labeling approach" vereinigen sich viele unterschiedliche Strömungen. Ich referiere die Gemeinsamkeiten der Ausprägungen. Einen präzisen Überblick gibt KRAIMER 1985.

33 BECKER, H.S. (1973), S. 8. Hervorhebung im Original.

34 Ob es sich beim labeling approach um eine eigenständige Theorie oder lediglich um eine Ergänzung anderer Theorien handelt, wird umstritten diskutiert (vgl. KEUPP 1976, S. 34 u. S. 106f.)

35 BLUMER, H. (1973), S. 81.

36 GOFFMAN, E. (1999), S. 172.

37 PETERS, H. (1989), S. 96.

38 Vgl. insbesondere BERNSTEIN, B. (1970), LABOV, W. (1972) und OEVERMANN, U. (1977).

39 LEMERT, E.M. (1974), S. 433f.

40 Zu ²²Typisierungsprozessen in der Schule vgl. BÖHNISCH, L. (1999), S. 165f.

41 z.B. bei LEMERT, E.M. (1974), S. 433.

42 Vgl. dazu: PETERS, H. (1989), S. 102f.

43 PETERS, H. (1989), S. 127.

44 BUCHMANN, M. (1983), S. 26f.

45 ANDRESEN, K./ LEHMANN, M. (2001), S. 77.

46 Vgl. BÖHNISCH, L. (1999), S. 169.

47 BÖHNISCH, L. (1999), S. 171.

48 Vgl. SENATOR FÜR SCHULWESEN (1987), S. 10.

49 GAMM, H.-J. (1972), S. 157. Hervorhebungen durch Kursivschrift im Original.

50 GOTTSCHALCH, W. u.a. (1971), S. 67.

51 BÖHNISCH, L. (1999), S. 176.

52 Ders., S. 176.

53 Vgl. BÖHNISCH, L. (1999), S. 179.

54 Vgl. VON HENTIG, H. (1984).

55 BÖHNISCH, L. (1999) 179f.

18 von 18 Seiten

Details

Titel
Über die Rolle der Schule als Instanz sozialer Kontrolle
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Abweichendes Verhalten in der Schule - Erscheinungsformen, Ursachen und Prävention
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
18
Katalognummer
V104520
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Schule, Instanz, Kontrolle, Abweichendes, Verhalten, Erscheinungsformen, Ursachen, Prävention
Arbeit zitieren
Jan Rochus (Autor), 2000, Über die Rolle der Schule als Instanz sozialer Kontrolle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104520

Kommentare

  • Gast am 5.11.2002

    Super!.

    Endlich mal eine Arbeit, die kritisch mit dem Thema umgeht! Schade, daß es davon nicht mehr gibt!

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Titel: Über die Rolle der Schule als Instanz sozialer Kontrolle


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