Weiterentwicklung von Basel I zu Basel II


Essay, 2020

9 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Weiterentwicklung von Basel I zu Basel II
2.1 Begriffsbestimmung und Zielsetzung Basel I
2.2 Begriffsbestimmung und Zielsetzung Basel II

3 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die drei Säulen von Basel II

1 Einleitung

„Eigenkapital in einem Unternehmen ist zwar nicht alles, aber ohne Eigenkapital ist alles nichts.“1 Mit anderen Worten bedeutet das, dass ein Unternehmen liquide bleiben muss, um handlungsfähig zu sein. Hierbei wird der Finanzbedarf der Unternehmen bis heute in der Regel durch klassische Bankkredite gedeckt. Eine geringe Eigenkapitalquote kann jedoch die Möglichkeit auf Bankkredite deutlich erschweren.2 Somit haben Kreditinstitute einen bedeutenden Charakter als Finanzintermediäre, denn sie dienen als Mittler zwischen Kreditnehmer und Kreditgebern. In der Vergangenheit wurde bei der Kreditvergabe eine sogenannte Buy and Hold -Strategie verwendet. Die Vergabe von Krediten wurde bis zu ihrer Fälligkeit in Büchern der Institute überwacht und Managementprozesse beschränkten sich nur auf das Wesentliche, wie beispielsweise auf die Einflussnahme nach Art der Besicherung. Diese Strategie erwies sich oftmals als unvorteilhaft, und so hat „[b]eim Umgang mit Kreditrisiken .. in den zurückliegenden Jahren ein Prozess des Umdenkens begonnen[,]“3 denn Risiken wie Kredit- und Liquiditätsrisiken führen schnell zu einer Instabilität im Finanzsektor und können folglich negative Auswirkungen auf die Beziehung zwischen Kunden und Banken führen oder gar auch zu Abzügen von Einlagen. „Die Stabilität des Finanzsystems stellt deshalb ein Hauptziel der staatlichen Bankenaufsicht dar und eine gut funktionierende Bankenaufsicht gehört zu den Eckpfeilern jedes Finanzsystems.“4 Mit zunehmend liberalisierten Finanzmärkten ergeben sich zunehmend neue Geschäftsmöglichkeiten für Banken und daher ist eine Risikovorsorge durch die Bankenaufsicht unumgänglich. Wegen einer immer weiter fortschreitenden Globalisierung und der Erfahrung durch den Konkurs des Bankhauses Herstatt im Jahr 1974 wurde der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht von den Präsidenten der Zentralbanken der G10-Staaten gegründet.5 Konzeptionelle Grundrahmen für eine Kreditwürdigkeitsprüfung wurden mit Basel I ins Leben gerufen. Über die Jahre veränderte sich das Regelwerk des Baseler Ausschusses und so wurde Basel II begründet. Im Folgenden wird die Weiterentwicklung von Basel I zu Basel II näher erläutert.

2 Weiterentwicklung von Basel I zu Basel II

Der Baseler Ausschuss erklärte mit seinem Regelwerk zu Basel I die Bedeutung von Eigenkapital bei der Kreditvergabe durch Kreditinstitute. Durch international gültige Regelungen soll das Insolvenzrisiko bei der Vergabe von Krediten reduziert werden. Die zunehmende Globalisierung und Liberalisierung der Finanzmärkte führte zu „erhöhte[n] Anforderungen an das Risikoprofil von Banken.“6 Der Baseler Ausschuss sah sich gezwungen, das Regelwerk mithilfe von Basel II zu überarbeiten. Doch um verstehen zu können, warum eine solche Überarbeitung des Regelwerks notwendig war, ist eine Begriffsbestimmung von Basel I und Basel II sowie die Erläuterung der Zielsetzungen wichtig.

2.1 Begriffsbestimmung und Zielsetzung Basel I

„Der Begriff Basel [I] bezeichnet Vorschläge und Rahmenvereinbarungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht über die Regulierung von Kreditinstituten. Dieser Ausschuss besteht heute aus Vertretern der Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden der führenden Industriestaaten und Schwellenländer.“7 Ziel des Baseler Ausschusses ist eine globale Verbesserung der Qualität der Finanzaufsicht durch die Einführung eines international geltenden Regelwerks. Mit der „Veröffentlichung eines Konsultationspapiers im Dezember 1987 wurde im Juli 1988 der erste Basler Akkord (Basel I bzw. Basel Capital Accord) veröffentlicht, der bereits einen risikoorientierten Eigenkapitalansatz verfolgt.“8 Durch Basel I wurden Richtlinien festgesetzt, die den Kreditinstituten ein Portfolio vorgaben, mithilfe dessen kalkuliert wurde welchen Prozentsatz an Eigenkapital sie vorweisen müssen. Bankgeschäftliche Risiken, vor allem im Risikoaktiva, sollten so reduziert werden.9 Denn das Insolvenzrisiko entstand vor allem durch Forderungsverluste, die bei Bankgeschäften durch das Ausbleiben von Rückzahlungen entstehen konnten. „Basel I sieht [hierbei] vor, dass eine Bank für jeden Kredit, …, 8% der Kreditsumme an Eigenkapital zur Deckung von Verlusten … bereithalten muss.“10 Allerdings erwies sich das Regelwerk von Basel I als zu ungenau in der Art und Weise, wie die Risiken bewertet wurden, also in der zu geringen Differenzierung der Risikoaktiva, denn alle privaten Haushalte und Unternehmen flossen unabhängig von ihrer Tätigkeitsgröße mit demselben Bonitätsgewicht in die Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen. Das führte letztlich dazu, dass sich risikoreichere Kreditportfolien negativ auf den Finanzsektor auswirkten und so dem Grundgedanken des Basel I entgegenwirkten.11 Die Arbeit an einem neuen und flexibleren Regelwerk, Basel II, begann 1996 und wurde für international tätige Banken konzipiert. Basel II musste von allen Banken in der Europäischen Union umgesetzt werden. Nur so konnte garantiert werden, dass alle Banken einheitlich behandelt werden können, so wie es das europäische Recht verlangt.12

2.3 Begriffsbestimmung und Zielsetzung Basel II

„Der Begriff „Basel II“ bezieht sich auf bestimmte Kreditvergaberichtlinien, welche der Baseler Ausschuß für Bankenaufsicht im Juni 2004 veröffentlicht hat.“13 Ziel des Baseler Ausschusses ist weiterhin die Stabilisierung und Stärkung des Finanzsystems. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, muss allerdings eine erhöhte Risikosensitivität vorhanden sein. Hierbei hilft eine Modifikation der bestehenden Regelungen des Baseler Akkords. Mit Basel II wurden drei sich gegenseitig ergänzende Säulen implementiert.14

Abbildung 1: Die drei Säulen von Basel II

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: in Anlehnung an Griesbeck, Markus, 2013, S. 22

Wie in Abbildung 1 gekennzeichnet, unterscheiden „[die] als Säule 1 bezeichneten Mindestkapitalanforderungen .. drei Bereiche der Kreditrisiken, der Marktrisiken und der operationellen Risiken[. Diese Säulen] .. lassen den Kreditinstituten die Wahl zwischen standardisierten Risikomessverfahren und feiner differenzierenden bankinternen Schätzverfahren zur Berechnung des vorzuhaltenden haftenden Eigenkapitals.“15 Das Kreditrisiko hat zum Ziel die Bonität der Unternehmen, denen ein Kredit gewährt werden soll, vorher mithilfe bestimmter Rating-Verfahren zu bestimmen. Durch die Bestimmung der Bonität fällt es den Kreditinstituten leichter, eine Kreditvergabe einzuschätzen, um möglichen Forderungsausfällen entgegenzuwirken. Bei Unternehmen mit einer schlechten Bonität muss das Kreditinstitut mehr Eigenkapital bereitstellen als bei Unternehmen mit einer guten Bonität.16 Das Marktpreisrisiko, das im Jahr 1996 in Basel I ergänzt wurde, bleibt in seinen Regelungen unverändert. Dieses Risiko berücksichtigt „Aktienkurs-, Fremdwährungs- und Rohstoffrisiken sowie Zinsänderungen stärker in der Bewertung der Eigenkapitalhinterlegung.“17 Mit dem operationellen Risiko wurden Banken zunehmend in ihrer inneren Beständigkeit geschützt, damit die Überlebensfähigkeit trotz beispielsweise „ausfallender interne[r] Verfahren, [ausfallender] Mitarbeiter, .. oder infolge bankexterner Ereignisse“18 gesichert ist. Die in Säule 2 gekennzeichneten bankaufsichtlichen Überprüfungsverfahren haben zum Ziel, die nationalen und internationalen Wettbewerbsbedingungen durch optimierte Aufsichtspraktiken, zu harmonisieren. Hierbei stehen die Fähigkeiten der Banken im Vordergrund, Risiken geeignet zu identifizieren und zu kontrollieren. „Der dabei entstehende Dialog zwischen Banken und Aufsicht soll Letzterer eine Gesamtbeurteilung und eine ständige Weiterentwicklung der bankenaufsichtlichen Regelungen ermöglichen.“19 Zuletzt dient die dritte Säule, gekennzeichnet als Marktdisziplin, zu einer umfassenden Offenlegungspflicht. Das Risiko der Banken soll durch die Veröffentlichung von Informationen bezüglich der Eigenkapitalausstattung sowie Messverfahren und Risikopositionen den Marktteilnehmern transparenter sein. Somit werden Banken nicht nur durch die Aufsichtsbehörden überwacht, sondern auch durch den Markt.20 Durch die Einführung von Basel II nahm die Bedeutung des Ratings zu, weshalb dieses auch bei der Unternehmensfinanzierung von zentraler Bedeutung ist. Allerdings traten mit der Implementierung und Erweiterung von Basel I zu Basel II neue Schwierigkeiten auf, in deren Folge eine erneute Weiterentwicklung stattfand und Basel III eingeführt wurde.

3 Fazit

Eine Kreditvergabe von Banken an Unternehmen ist heutzutage kaum wegzudenken und somit sind wegen der Insolvenzgefahren für Banken angemessene Regelwerke und Eigenkapitalvorschriften notwendig. Mit der Gründung des Baseler Ausschusses und der Einführung des ersten Baseler Akkords, auch als Basel I bekannt, wurden konzeptionelle Grundrahmen für die Kreditvergabe geschaffen. Die Kreditwürdigkeitsprüfung bei der Kreditvergabe sowie eine Einschätzung der Forderungen im Risikoaktiva bilden unter anderem diesen Grundrahmen des Regelwerks durch den Baseler Ausschuss. Eine Prüfung ist gerade deshalb von Bedeutung, damit Kreditgeber Risiken und Gefahren bei der Kreditvergabe abwenden oder zumindest reduzieren können. Basel I gab bestimmte Eigenkapitalvorschriften für Kreditinstitute vor, um das Insolvenzrisiko bei ausbleibenden Rückzahlungen zu verringern. Nichtsdestotrotz zeigte ich Basel I im Laufe der Zeit als zu ungenau in seiner Einschätzung von Risiken, weshalb eine Anpassung und Erweiterung zu Basel II notwendig war. Zusammenfassend forderte Basel II, dass Banken ihre Risiken in einer glaubwürdigen, transparenten und zukunftsorientierten Art und Weise einschätzen konnten. Hierbei wurden drei wesentliche Bestandteile eingeführt, die Mindestkapitalanforderungen, die Banken geeignete Messverfahren für ihre Eigenkapitalausstattungen boten, das bankaufsichtliche Überprüfungsverfahren, sowie die Marktdisziplin, die eine quantitative und qualitative Offenlegungspflicht durch die Banken forderte. Mit den Veränderungen durch Basel II stieg die Bedeutung des Ratings, denn das Zusammenwirken von Finanzierung und Rating birgt große Chancen. Trotzdem sind wiederkehrende Anpassungen der Rahmenbedingungen in Bezug auf die Kreditvergaben unausweichlich, wie auch die Weiterentwicklung von Basel II zu Basel III verdeutlicht.

[...]


1 Griesbeck, M., 2013, S. 15

2 Vgl. Griesbeck, M., 2013, S. 15

3 Emse, C., 2005, S. 1

4 Reichling, P., et al., 2007, S. 15

5 Vgl. Reichling, P., et al., 2007, S. 16

6 Schlitt, M., 2014

7 Becker, P. H., Peppmeier, A., 2018, S. 185f.

8 Vgl. Reichling, P., et al., 2007, S. 17

9 Vgl. Vitzthum, A. S., S. 50

10 Behr, P., Fischer, J., 2005, S. 38

11 Vgl. Vitzthum, A. S., S. 51

12 Vgl. economist.com

13 Grunow, G. H.-W., Figgener, S., 2006, S. 2

14 Vgl. Griesbeck, M., 2013, S. 22

15 Donges, B. J., et al, 2011, S. 5

16 Vgl. Grunow, G. H.-W., Figgener, S., 2006, S. 2

17 Griesbeck, M., 2013, S. 21

18 Griesbeck, M., 2013, S. 23

19 Reichling, P., et al., 2007, S. 18

20 Vgl. Behr, P., Fischer, J., 2005, S. 41

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Weiterentwicklung von Basel I zu Basel II
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
9
Katalognummer
V1045264
ISBN (eBook)
9783346469007
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Basel, Finanzierung, Essay, Weiterentwicklung Basel
Arbeit zitieren
Selina Schneider (Autor:in), 2020, Weiterentwicklung von Basel I zu Basel II, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1045264

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