Glauser, Friedrich - Wachtmeister Studer


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

3 Seiten


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Wachtmeister Studer

Am 6. November 1935 las Friedrich Glauser in Zürich aus dem „Wachtmeister Studer“ vor, der damals noch den Titel „Schlumpf Erwin, Mord“ hatte.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Textstück 1 (Seite 7, ganze Seite)

So beginnt der Roman Glausers. Ein ungewohnter Anfang für einen Kriminalroman. Ein unbekannter Wachtmeister, besucht einen unbekannten Häftling, der sich aus unbekannten Gründen zu erhängen versucht hat. Doch schon bald kommt Licht in die Angelegenheit. Erwin Schlumpf heisst der Häftling, der knapp vor dem Selbstmord bewahrt wurde den er offensichtlich begehen wollte, weil er des Mordes an einem Kaufmann in Gerzenstein beschuldigt wird.

Ein völlig klarer Fall übrigens: Der Kaufmann Witschi wurde erschossen und ausgeraubt. 300 Franken habe er bei sich gehabt, meinte seine Frau und prompt am Abend nach dem Mord wechselte Erwin Schlumpf eine Hunderternote in einem Restaurant des Dörfchens Gerzenstein. Eigentlich nichts ungewöhnliches, doch Schlumpf ist ein armer Schlucker, der zu einem Stundenlohn von 60 Rappen in einer Gärtnerei arbeitet und ausserdem vorbestraft ist. Ein perfekter Mörder: Der Abschaum der Gesellschaft. Als die Polizei dann bei ihm noch die restlichen Hunderternoten findet, war der Fall praktisch gelöst und konnte zu den Akten gelegt werden.

Doch der ach so klare Fall wirft einige Schatten. Wie konnte der vermeintliche Mörder 3 Hunderternoten besitzen, wenn der Tote seinen Rechnungen zufolge 2 Hunderter und 2 Fünfzigernoten besessen haben sollte? Als Studer auch noch weitere unklare Punkte aufdeckt, die ihn dazu veranlassen den Fall noch einmal zu untersuchen, setzt er sich endgültig in den Kopf die Unschuld des Erwin Schlumpf zu beweisen.

Doch wer ahnt welch schwierige Ermittlungen ihm bevorstehen. Das Morddorf, Gerzenstein ist ein kleines verschlafenes Dorf auf dem Lande, in dem jeder jeden kennt und alle irgendwie miteinander verwandt oder bekannt sind. Die Schweigsamkeit der Gerzensteiner macht Studer zu schaffen. Das ganze Dorf weiss scheinbar was passiert ist und doch kann oder will niemand Auskunft geben. Der Landjäger Murmann, der zuständige Polizist in Gerzenstein gibt sich alle Mühe Studer zu helfen aber gegen „Tschugger“ sind die Gerzensteiner allgemein nicht sehr mitteilsam eingestellt. Ein Kollege von Studer drückte dies so aus:

Textstück 2 [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Seite 87, Zeile 4 - 12

Und doch gelingt es Studer durch seine geschickten verhöre, Licht in das Dunkel des Falles zu bringen. Auch unvorsichtig zurückgelassene Beweisstücke bringen den Wachtmeister Schritt für Schritt dem Ziel entgegen. Der Mord beginnt komplizierte Ausmasse anzunehmen. Alle wiedersprechen sich. Aber es gibt ein paar Hauptverdächtige. Da wären einmal Schlumpf und seine Arbeitskollegen,lauter kleinkriminelle. Studer ist jedoch von deren Unschuld überzeugt. Weiter wäre da die Familie des Toten. Sie sind scharf auf die Lebensversicherung. Auch wäre da, Ellenberger, der Chef der ehemaligen Sträflinge, weil er Gläubiger des toten Witschi war, der seine Schulden nie begleichen konnte. Selbstmord kommt nicht in Frage, da das Gerichtsmedizinische Institut dies für unmöglich hält.

Aber Studer gelangt zu einer anderen Erkenntnis. Es kann nur Selbstmord sein. Und wieder liegt der Fall völlig klar vor dem Wachtmeister. Witschi beging Selbstmord um die Schulden mit seiner Lebensversicherung zahlen zu können und um das Vermögen seiner Frau, dass er verspekuliert hatte zurückzugewinnen. Die Pulverspuren an seinem Schädel, die einen Selbstmord verraten hätten, verhinderte er mit Papier im Lauf. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ein weiteres Verhör mit dem inhaftierten Erwin Schlumpf ergibt, das er nur den Sündenbock hätte spielen sollen um den Selbstmord zu decken.

Die Familie, im speziellen der Sohn des toten Kaufmanns wussten von dem Selbstmord, also fragte Studer bei Armin, so hiess der Sohn, weiter. Er gestand mit dem Vater den Selbstmord geplant zu haben. Doch da war ein Haken. Vor dem Ereignis kam ein Auto durch den Wald und nach dem ersten Schuss, fiel sofort ein zweiter, was fast nicht möglich sein konnte, da der Kaufmann wieder Papier hätte in den Lauf stopfen müssen. Es wäre also möglich, dass ein zweiter Mann oder eine Frau am Werk war. Ein Auto war gehört worden und das einzige Auto das in Frage kam gehörte dem Gemeindepräsident. Also stattete Studer dem Herrn Aeschbacher einen Besuch ab.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Textstück 3 Seite 164 zweitletzte Zeile - Seite 177, Ende Kapitel.

Studer und Aeschbacher brachen auf. Nach der verhängnisvollen Frage, was eigentlich Aeschbachers Frau zu der ganzen Sache meine, wurde Studer aus dem fahrenden Auto geschickt. Studer sprang mit einem Todesmutigen Sprung aus dem Auto. Das Auto steuerte auf den, neben der Strasse verlaufenden See zu und wurde von den Wassermassen verschlungen. Studer, der allein die ganze Wahrheit kannte, wurde ins Spital eingeliefert und behielt die Geschichte für sich. Stattdessen erzählte er die Story vom Selbstmord und alle waren Glücklich. Die Familie Witschi wurde nicht des Versicherungsbetrugs und die Frau Aeschbachers nicht des Mitwissens beim Mord beschuldigt, Erwin Schlumpf kam frei und auch die Justiz war zufrieden, denn Aeschbacher war ein Einflussreicher Mann und wäre als Mörder denkbar unpassend gewesen, weil er einen Skandal ausgelöst hätte. Ein Skandal hätte viele Unannehmlichkeiten gebracht, und welcher Beamte hat schon gerne Unannehmlichkeiten

Diskussion

- Was haltet ihr von Wachtmeister Studer? Ist er euch sympathisch? Wie gefällt euch seine Art mit Leuten umzugehen? Wie würdet ihr ihn charakterisieren?
- Was kritisiert Glauser in seinem Roman? Ist Gerzenstein nur Teil der Geschichte oder möchte Glauser etwas besonderes aussagen? Wie bezieht Glauser die Personen des Romans in seine Kritik ein?
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Meinung

Selten finden wir Kriminalromane, die in der Schweiz spielen. «Wachtmeister Studer» ist einer davon. Glauser versteht es, den Schweizer Dialekt mit der deutschen Sprache des Romans zu verbinden, dass der Leser dem Autor, die schweizerische Umgebung sofort abnimmt. Auch Gerzenstein, das verschlafene Dorf im Kanton Bern verstärkt die echte wirkende Atmosphäre der Geschichte. Friedrich Glauser hat mit «Wachtmeister Studer» einen Roman mit wesentlichem sozialen Gehalt geschaffen. Die Durchleuchtung des typisch schweizerischen Dorfs Gerzenstein mit seinen unmitteilsamen Bewohnern, ist eine für die 30er Jahre sehr heftige Kritik an der Schweiz. Das Buch ist ein Spiegel seiner Zeit, dass ohne Schmeichelei und ohne Hass das Bild dem Leser offenlegt.

Auch Anspielungen auf das Polizeisystem zeigen den kritischen Geist des Romans. Die Kunst Personen glaubhaft zu Charakterisieren beherrscht Glauser zweifelsohne. Neben den Bewohnern von Gerzenstein ist Wachtmeister Studer eine hervorragend beschriebene Charaktere, die man im Laufe des Romans gut kennenlernt. So kann man sagen, Wachtmeister Studer ist ein Berner Fahnder, ein grosser Mann in grauem Flanell unter dem weiten Regenmantel, ein Filzhut auf dem Schädel, ein Brissago - Raucher. Ein Mann der geduldig zuhören kann, beharrlich ist, stur. Der Studer verurteilt nicht. Er hat Verständnis für die Gestrauchelten, die »armen Hunde«. Studer ist der Gegenentwurf zum übermächtig strengen Vater Friedrich Glausers.

Studer selbst war mit seinem Roman ganz und gar nicht zufrieden. So schreibt er 1936 an einen gewissen Kleiber:

„ Ich komme so langsam dahinter, wie schwer es ist, einen passablen Kriminalroman zu schreiben - und sie tun mir viel Ehre an, den >Studer< zu goûtieren. Wie schlecht konstruiert ist er - ich bemerke es voll Scham, jetzt wo ich ihn gedruckt wieder gelesen habe. Ich habe gemeint, dass man mit ein paar gelungenen Details einen Roman auf die Beine stellen könne. Das stimmt nich, leider gar nicht. Und wenn den Leuten das Buch gefällt, so lassen sie sich bluffen, weiter nichts. Das ist, was ich in Selbsterkenntnis und Selbstkritik festgestellt habe - und darum macht mir die Umarbeitung des zweiten Studerromans soviel Mühe. Ich möchte die Fehler des ersten Buches vermeiden.“

Trotz der schlechten Selbstkritik sind die Bücher von Friedrich Glauser, insbesondere seine Studer - Romane, sehr zu empfehlen. Neben seiner, von den Buchkritikern vielgerühmten Art in seinen Romanen zu kritisieren, trumpft Glauser mit detailreichen Erzählungen, unerwarteten Wendungen der Geschichte und einem klaren Faden durch die ganze Geschichte auf.

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Details

Titel
Glauser, Friedrich - Wachtmeister Studer
Autor
Jahr
1999
Seiten
3
Katalognummer
V104564
Dateigröße
328 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich, Glauser, Wachtmeister, Studer
Arbeit zitieren
Sorin Marti (Autor), 1999, Glauser, Friedrich - Wachtmeister Studer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104564

Kommentare

  • Gast am 27.5.2017

    Ich fürchte ich habe eine andere Version des Buches, könnten sie mir die Textstellen auf andere Weise zukommen lassen?

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Titel: Glauser, Friedrich - Wachtmeister Studer



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