Die Gesellschaft mit jener Problematik, welche ich mithilfe von Eva Kreisky und Alexander Demirovic betrachten möchte, ist ein einzigartiges und eigenartiges Phänomen. Wir bewegen uns durch einen höchst unüberschaubaren Alltag, durchzogen von komplexen Debatten auf den unterschiedlichsten Ebenen, welche wir wiederum mit abstrakten Konzepten und undurchsichtigen Strukturen belegen, in dem Versuch, uns diesen damit zu erklären, zu analysieren oder zu optimieren. Wozu also diese Komplexität?
Die politische Wissenschaft hat sich schon gefragt wozu wir diese erläuternden Grundlagen, wie Begriffe und Theorien benötigen und ist zu logischen und vernünftigen Erklärungen mit positiven Absichten gekommen, dass unsere Gesellschaft und unser praktischer Alltag sie essentiell benötigt, da wir ihn damit greifbarer und verständlicher machen. Dabei verschleiern wir diese ironischer Weise gleichzeitig bis zu solchen Dimensionen, dass wir jene unabdingbaren Gerüste und Strukturen anfangen zu entwerten, sie erscheinen uns so fern von der Wirklichkeit, dass sie mehr als mühsame und langweilige Hürde betrachtet werden als wie eine analytische Hilfe.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.2 PROBLEMATIK
2 ENTWERTUNG VON THEORIEARBEIT
2.1 THEORIE
2.2 THEORIE UND PRAXIS
2.3 THEORIE UND ABSTRAKTION
2.4 GESELLSCHAFTLICHE ENTWERTUNG
3 SCHLUSS
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen politischer Theorie und deren zunehmender gesellschaftlicher sowie akademischer Entwertung. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, ob die gesellschaftliche Entwertung von Theoriearbeit maßgeblich durch die hohen Anforderungen an die Abstraktionsfähigkeit und die damit einhergehende empfundene Unnahbarkeit der Theorie entsteht.
- Das Verhältnis zwischen politischer Theorie und praktischer Anwendung.
- Die Problematik der Abstraktion als Hürde für den wissenschaftlichen Nachwuchs.
- Psychologische und ökonomische Mechanismen der Theorieentwertung.
- Die Notwendigkeit einer kritischen Reflexion für die moderne Politikwissenschaft.
- Das Erbe großer Theoretiker im Kontext aktueller Bildungsanforderungen.
Auszug aus dem Buch
1.2 Problematik
Politische Praxis und Theorie sind nicht trennbar, und da Politik wesentlich den gesellschaftlichen Alltag gestaltet, auch untrennbar die Auseinandersetzung mit jener. Politische Theorien hegen also eine weitreichende Allgegenwärtigkeit mit dem Nutzen und Zweck politische Wirklichkeit und ihre Prozesse durch begriffliche Arbeit begreiflich zu erläutern (Demirović, 1995, p. 209) . Theorie soll uns durch ebenbürtige Elemente wie Begriffe, Bedeutungen und Werte helfen die Realität politischer Praxis zu erfassen und die dahinter liegenden komplexen Strukturen alltagstauglich auszurüsten, damit ihre Strategien und Strategen ausreichend beraten für die Bewältigung politisch komplexer Debatten sind. Ansonsten verirrt man sich in den Dimensionen der „Eiswüste der Abstraktionen“, wie Walter Benjamin die teilweise mühsame und sperrige Arbeit der Theorie beschreibt (Kreisky, 2012, p. 21) .
Gefährlich wird diese Wanderung eben, wenn wir unsere Realitätsgriffe aus dem Blick der Forschung verlieren und Begriffs- und Bedeutungsdebatten fallen lassen. Einfach haben es uns die großen Theoretiker auch nicht gemacht, denn die hinterlassenen verblümten Wegbeschreibungen mitunter schwieriger und langwieriger erkenntnistheoretischer Arbeit, haben ein verzerrtes und beängstigendes Bild vor allem der nachfolgenden studierenden und an der Wissenschaft interessierten Generation vermacht. Diese Verzerrung hat ein abstraktes Feld der Theoriearbeit hinterlassen, in das sich so keiner richtig wagen möchte und wie der Mensch aus rein psychologischer Perspektive mit solchen Sachverhalten umgehen mag, ist jener Forschung nur allzu gut bekannt – Entwertung. Die Problematik gestaltet sich also aus der Notwendigkeit Theoriedebatten allein zur Bewältigung des Alltags und der geschaffenen Abstraktion, welche eine „beschwerliche Schwelle“ darstellt und die Gesellschaft dazu verleitet die Debatte über ihre Griffe des Alltags zu entwerten (Kreisky, 2012, p. 21) .
Gemeinsam mit der Literatur, vor allem durch Eva Kreiskys Ermutigung dieses Feld dennoch zu betreten und Alexander Demirovic’s Antwort auf die Frage nach dem wozu mit logischer Vernunft, möchte ich versuchen den Bruch zwischen dem Zugang der wissenschaftlichen Nachwuchses und politischen Theoriearbeit zu finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik der Abstraktion von Theoriearbeit ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach den Ursachen der gesellschaftlichen Entwertung theoretischer Auseinandersetzungen.
1.2 PROBLEMATIK: Dieses Kapitel erläutert die untrennbare Verbindung von Theorie und Praxis sowie die Schwierigkeiten, die durch ein verzerrtes Bild von Theorie bei nachfolgenden Generationen entstehen.
2 ENTWERTUNG VON THEORIEARBEIT: Hier wird die Schwierigkeit der Theoriearbeit und die subjektive Wahrnehmung ihrer Langwierigkeit thematisiert, die zu einer Distanzierung vom Fach führen kann.
2.1 THEORIE: Das Kapitel definiert den Kanon der klassischen und modernen politischen Theorie sowie deren Rolle als Analyseinstrument der Politikwissenschaft.
2.2 THEORIE UND PRAXIS: Hier wird die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Theorie und politischer Praxis sowie die Bedeutung kritischer Reflexion untersucht.
2.3 THEORIE UND ABSTRAKTION: Dieser Abschnitt behandelt die Herausforderung, die durch das hohe Abstraktionsniveau der Theorie entsteht und wie dies den Zugang für Nicht-Fachleute erschweren kann.
2.4 GESELLSCHAFTLICHE ENTWERTUNG: Es wird analysiert, inwiefern ökonomische Bildungsanforderungen und psychologische Abwehrmechanismen zur Entwertung kritischer Theorie beitragen.
3 SCHLUSS: Das abschließende Kapitel resümiert die Notwendigkeit, trotz der beschriebenen Schwierigkeiten an der theoretischen Arbeit festzuhalten und diese als essenziell für eine reflektierte Politikwissenschaft zu begreifen.
Schlüsselwörter
Politische Theorie, Theoriearbeit, Abstraktion, Entwertung, Politikwissenschaft, Praxisbezug, Kritische Theorie, Ideengeschichte, Gesellschaft, Wissenschaftlicher Nachwuchs, Reflexion, Bildungsmanagement, Ökonomisierung, Erkenntnistheorie, Politische Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen politischer Theorie und ihrer gesellschaftlichen Relevanz sowie den Gründen für eine wahrgenommene Entwertung von Theoriearbeit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Verhältnis von Theorie und Praxis, der Rolle der Abstraktion, den psychologischen Aspekten der Theorieablehnung und dem Einfluss ökonomischer Bildungskriterien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, warum Theoriearbeit heute oft als "beschwerliche Schwelle" wahrgenommen wird und wie der Bruch zwischen Theorie und politischer Praxis überwunden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie der Reflexion von Theorienansätzen renommierter Autoren wie Demirović und Kreisky basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die begriffliche Definition von Theorie, die Wechselwirkung zur politischen Praxis, die Problematik hoher Abstraktion und die gesellschaftlichen Trends, die zur Entwertung theoretischer Arbeit führen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Politische Theorie, Entwertung, Abstraktion, Kritische Reflexion und das Verhältnis von Theorie und Praxis definieren.
Inwiefern beeinflusst der "Bildungsmainstream" die Theoriearbeit?
Laut der Arbeit führt die ökonomische Ausrichtung des Bildungsmanagements dazu, dass Theorie als weniger verwertbar oder "nutzlos" eingestuft wird, was die kritische Forschung unter Druck setzt.
Warum wird Abstraktion in der Arbeit als problematisch für den wissenschaftlichen Nachwuchs identifiziert?
Abstraktion erzeugt eine hohe Schwelle, die, wenn sie nicht durch klare Vermittlung ergänzt wird, als unüberwindbar oder unnötig mühsam empfunden wird, was letztlich zu einer Distanzierung vom Fach führt.
- Arbeit zitieren
- Shirin Kallenbach (Autor:in), 2020, Politische Theorie und gesellschaftliche Entwertung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1045659