Klinische Psychologie Vorlesungen 1 + 2


Skript, 1998

60 Seiten


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INHALTSVERZEICHNIS

1 GEGENSTAND DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE
1.1 FACHDEFINITION

2 GEGENSTAND DER PSYCHIATRIE

3 AUSBILDUNG KLINISCHE PSYCHOLOGIE
3.1 AUSBILDUNGSZIELE
3.2 RAHMENBEDINGUNGEN
3.3 PERSÖNLICHE BEDINGUNGEN

4 HISTORISCHER ÜBERBLICK
4.1 STEINZEIT
4.2 ALTE SCHRIFTEN: GRIECHEN, JUDEN UND ÄGYPTER, DÄMONEN UND EXORZISMUS
4.2.1 BEISPIELE FÜR PSYCHISCHE STÖRUNGEN IM ALTEN TESTAMENT
4.3 HIPPOKRATES
4.3

4.3.1 VERSCHIEDENE KRANKHEITSBILDER UND IHRE ERKLÄRUNG
4.3.2 THERAPIE BEI HIPPOKRATES
4.4 ASKLEPIADES (GESTORBEN 124 V. CHR.)
4.4

4.4.1 TÄUSCHUNG
4.4.2 HALLUZINATION
4.4.3 WAHN
4.5 ARETAEUS (ENDE DES 1.JH. NACH CHRISTUS)
4.5 11

4.6 GALEN (CA. 200 NACH CHRISTUS) 4.6
4.7 ISLAMISCHE LÄNDER
4.8 EUROPA IM MITTELALTER
4.8.1 EXORZISMUS
4.8.2 INQUISITION
4.8.2.1 Gegner des Exorzismus und der Inquisition
4.9 ABSOLUTISMUS, 17. UND 18. JAHRHUNDERT

5. ENTWICKLUNG DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE 1

6 ENTWICKLUNG DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE 2
6.1 STANDBEINE DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE
6.1.1 DIE PSYCHOANALYSE
6.1.2 DIE DIAGNOSTIK IM KLINISCHEN BEREICH
6.1.2.1 Binet/Simon mit ihrem Intelligenztest
6
6.1.2.2 Rorschachtest (psychoanalytisch)
6.1.2.3 TAT Der thematische Auffassungstest
6.1.2.4 Faktorenanalyse
6.2 VERÄNDERUNGEN IN DER NACHKRIEGSZEIT
6.2.1 ENTWICKLUNG PSYCHOLOGISCHER THERAPIEVERFAHREN
6.2.1.1 Carl Rogers
6
6.2.1.2 Anwendung von Ergebnissen der Lernpsychologie von Experimentalforschern
6.3 MODELLVORSTELLUNGEN PSYCHISCHER STÖRUNGEN

7 DAS KRANKHEITSPARADIGMA
7.1 DEFINITION VON KRANKHEIT UND GESUNDHEIT
7.2 KRANKHEITSKONZEPTE
7.2.1 DREITEILUNG DES KRANKHEITSKONZEPTS
7.2.2 ÄHNLICHE DREITEILUNG FÜR DAS KONZEPT DER GESUNDHEIT
7.2.3 MERKMALE DES GESUNDSEINS
7.2.4 KRANKHEITSPARADIGMEN
7.2.5 KRANKHEITSURSACHEN
7.2.6 GESUNDHEITSFÖRDERNDE FAKTOREN
7.2.7 FUNKTIONEN EINES KRANKHEITSPARADIGMAS
7.2.8 KRANKHEITSPARADIGMA ALS LEITFIGUR DER FORSCHUNG
7.2.9 ANWENDUNG DES KRANKHEITSPARADIGMAS AUF PSYCHISCHE STÖRUNGEN
7.2.9.1 Abnorme Spielarten seelischen Wesens
7.2.9.2 Unterschiedliches Verständnis von Normalität
7.2.9.3 Folgen von Krankheiten und Mißbildungen
7.3 PSYCHISCHE STÖRUNGEN SIND KEINE KRANKHEITEN
7.3.1 LABELLING-ANSATZ
7.3.2 STÖRUNGSMODELL DER KLINISCH-PSYCHOLOGISCHEN FORSCHUNG (VERHALTENSTHERAPIE)
7.3.3 HUMANISTISCHE PSYCHOLOGIE
7.3.4 ANTIPSYCHIATRIE
7.3.5 INTERPERSONELLE MODELLE
7.4 SECHS GRUNDPOSITIONEN PSYCHISCHER STÖRUNGEN

8 NOSOLOGIE
8.1 KRAEPELINS EINTEILUNG DER SEELENSTÖRUNGEN (1920)
8.1

8.2 PRÄVALENZ UND INZIDENZRATE (JASPERS)
8.2

8.3 UNTERSCHIED ZWISCHEN "PSYCHOSEN" UND NICHT-PSYCHOTISCHEN STÖRUNGEN
8.4 EIN VERGLEICH DER KATEGORISIERUNGEN BEI VERSCHIEDENEN AUTOREN
8.4.1 EIN WEITERER VERGLEICH VON DIAGNOSENSTELLUNGEN USA UND UK
8.4.2 MÖGLICHE FEHLERQUELLEN BEI NICHTÜBEREINSTIMMUNG DER DIAGNOSEN
8.5 KLASSIFIKATIONSSYSTEME
8.6 BEWERTUNG UND NORMEN

9. DSM-IV UND DSM-III-R UND STANDARDISIERTE INTERVIEWS
9.1 BEISPIEL AUS DEM DSM-IV PANIKATTACKE
9.2 DSM-IV: GENERALISIERTE ANGSTSTÖRUNG 300.02
9.3 DSM-III-R BEURTEILUNG DES SCHWEREGRADES
9.4 DIE ACHSEN DES DSM-IV
9.4.1 LISTE DER ZWEISTELLIGEN KATEGORIEN, F0-F
9.4.2 BEISPIELE FÜR DIE AUFZEICHNUNG DER MULTIAXIALEN BEURTEILUNG NACH DSM-IV
9.4.3 PROBLEME BEI DER ABGRENZUNG UNTERSCHIEDLICHER TYPEN VON PSYCHISCHEN STÖRUNGEN
9.5 STANDARDISIERTE INTERVIEWS
9.5.1 VERLAUFSBEISPIEL DES CIDI (STANDARDISIERTES INTERVIEW)
9.6 SIND KLINISCHE DIAGNOSEN VALIDE?
9.6.1 EXPERIMENT

10 ÄTIOLOGIE
10.1 BEISPIEL: POSTTRAUMATISCHE BELASTUNGSSTÖRUNG
10.1.1 HAUPTKRITERIEN NACH DSM-IV
10.1.2 URSACHEN DER POSTTRAUMATISCHEN BELASTUNGSSTÖRUNG
10.1.3 ANSATZMODELLE BEI DER POSTTRAUMATISCHEN BELASTUNGSSTÖRUNG
10.1.4 THERAPIE BEI DER POSTTRAUMATISCHEN BELASTUNGSSTÖRUNG
10.2 PROTEKTIVE FAKTOREN BEI DER ENTWICKLUNG VON PSYCHISCHEN STÖRUNGE
10.3 AUFRECHTERHALTENDE BEDINGUNGEN BEI PSYCHISCHEN STÖRUNGEN
10.3.1 VERHINDERUNG DER EXTINKTION
10.3.2 FEEDBACKSCHLEIFEN KÖNNEN ZUR AUFSCHAUKELUNG DER SYMPTOME FÜHREN
10.3.2.1 Biochemische Aufschaukelungsprozesse:
10.3.2.2 Kognitiv-emotionale Aufschaukelung
10.3.2.3 Kognitives Modell der Emotionskontrolle
10.3.2.4 Motivational-volitionale Aufschaukelung
10.3.2.5 Psychologischer Störungsgewinn
10.3.2.6 Äußerer Störungsgewinn
10.3.2.7 Emotionsregulierende Interaktion (Soziale Verstärkung)
10.3.2.8 Soziale Etikettierung (Labeling)
10.3.2.9 Schaubild der Aufschaukelungsfaktoren
10.4 KONTINUUM VON NATÜRLICHEN SYSTEMEN
10.5 SCHLUßFOLGERUNGEN HYPOTHESEN FORSCHUNGSFRAGEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 GEGENSTAND DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE

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1. 1 FACHDEFINITION

- Die klinische Psychologie ist ein Teilbereich der angewandten Psychologie und beschäftigt sich vorwiegend mit psychischen Störungen, den Entstehungsbedingungen und der Modifikation solcher Störungen in Forschung, Lehre und Praxis und auch mit der Prävention.

- Erweitert beschäftigt sich die klinische Psychologie mit somatischen Krankheiten, da z.B. die Psyche einen nachweisbaren Einfluß auf das Immunsystem hat

Frey I Bei Unfallpatienten wurden als abhängige Variablen die Dauer des Klinikaufenthalts und die Dauer bis zur völligen Genesung in Abhängigkeit vom Attributionsstil (Eigenverantwortung für Unfall und Genesung vs. Opferrolle) erhoben. Unfallpatienten, die sich selbst verantwortlich fühlten wurden im allgemeinen schneller wieder gesund. Man schlußfolgerte, daß eine kognitive Umstrukturierung (des Attributionsstils) die Genesung unterstützen würde.

- Im DSM 4, einem allgemein anerkannten Klassifikationssystem für psychische Störungen sind über 400 verschiedene Störungen einschließlich ihrer Symptomatik dokumentiert.

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2 GEGENSTAND DER PSYCHIATRIE

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- Klinische Psychiatrie I - Klassifikation der psychischen Störungen (Nosologie)
- Die Lehre von den Ursachen der psychischen Störungen (Ätiologie)
- Symptomatologie
- Allgemeine Psychopathologie I - Die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten von
psychischen Störungen
- Biopsychiatrie I -Forschungsmethoden auf biologischer Basis (Neurotransmitter, Psychopharmakalogie)
- Sozialpsychiatrie I - Betonung der sozialen Ursachen
- Kinder- und Jugendpsychiatrie
- Gerontopsychiatrie
- Forensische Psychiatrie
- Man kann also sagen, daß der Gegenstandsbereich der klinischen Psychologie und der Psychiatrie derselbe ist, allerdings ist der Zugang oder die Annäherung an den Gegenstandsbereich verschieden.
- Psychotherapeutengesetz
- Die Psychiatrie ist eher psychoanalytisch orientiert. Wenn ein Mediziner psychotherapeutisch arbeitet, dann meist psychoanalytisch.
- Die Psychologen arbeiten eher verhaltenstherapeutisch

Münsterberg I prägte den Begriff der Pathopsychologie. Dieser Begriff soll fließende Übergänge von gesund zu krankhaft aufzeigen, im Gegensatz zum Begriff Psychopathologie.

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3 AUSBILDUNG KLINISCHE PSYCHOLOGIE

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- Vermittelt werden Wissen, Methoden und Forschungsergebnisse, Praxis und Vorgehensweisen der klinischen Psychologie

Schulte I erwähnte eine Studie (ohne Namen), in der Berufsanfänger der klinischen Psychologie in Fragebögen (80 Aspekte) zur Zufriedenheit mit ihrer Ausbildung Stellung nahmen. (Nachfragen!)

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3.1 AUSBILDUNGSZIELE

1. Psychodiagnostische Methoden
2. Methoden der psychologischen Intervention
3. Psychische Störungen
4. Gesundheitssystem und psychosoziale Versorgung
5. Personale Bedingungen klinisch-psychologischen Handelns
6. Evaluation des eigenen klinisch-psychologischen Handelns
7. Beurteilung von Forschungsliteratur

Genannte Ausbildungsziele beziehen sich auf das theoretische Wissen, die Methoden und Fertigkeiten als auch auf die praktische Anwendung.

Schulte gab ein Beispiel einer Mutter, die in die Erziehungsberatungsstelle kommt und über den Ungehorsam ihres Kindes klagt.

Der Beratende steht vor einer großen Verantwortung, weil viele mögliche Ursachen für diese Klage der Mutter in Betracht gezogen werden müssen.

Eine Problemanalyse steht an.

Ein Hirnschaden muß ausgeschlossen werden Normprobleme der Mutter

Die Familieninteraktion usw.

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3.2 RAHMENBEDINGUNGEN

Auch die Rahmenbedingungen haben einen Einfluß auf die Ausbildung, Forschung und Praxis und somit auch auf die Psychotherapie.

Das Psychotherapeutengesetz, das dato noch nicht verabschiedet ist, wird einige der Bedingungen eventuell verbessern.

Wirtschaftliche und politische Bedingungen beeinflussen Ausbildung, Forschung und Praxis.

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3.3 PERSÖNLICH E BEDINGUNGEN

Die eigene Erfahrung, das eigene Wissen, die eigenen Interessen und auch eigene Störungen, Tabus, Abneigungen, Sympathien und Antipathien beeinflussen den Prozeß der Psychotherapie.

Der Therapeut sollte sich seiner eigenen Stärken und Schwächen bewußt sein, um nötigenfalls den Patienten zu einem anderen Therapeuten überweisen zu können.

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4 HISTORISCHER ÜBERBLICK

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4.1 STEINZEIT

- Es gibt Hinweise darauf, daß schon die Steinzeitmenschen psychische Störungen kannten. Es wurden Schädel gefunden, deren Schädeldecke geöffnet worden waren und die Heilungsspuren aufwiesen, so daß man sicher war der betroffene Mensch hatte überlebt I Schädelrepanation

- Man vermutet, daß der Schädel geöffnet wurde, um bösen Geistern einen Ausweg zu geben.

4.2 ALTE SCHRIFTEN: GRIECHEN, JUDEN UND ÄGYPTER, DÄMONEN UND EXORZISMUS

- Unerklärliches Verhalten von Menschen wurde durch Dämonen erklärt, die in die Menschen gefahren sind.
- Aus dieser Art der Vorstellung (Dämonen) resultierte der Exorzismus durch Priester, Zauberer, Medizinmänner, Schamanen usw.. Den Geistern und Dämonen mußte der Aufenthalt ungemütlich gemacht werden durch Gebete, Beschwörungen, Abführmittel (aus Schafskot und Wein z.B.)
- Frühe Berichte zeugen von zum Teil sehr humanen Formen von Exorzismus. In Griechenland wurden die Kranken in einen Tempel gebracht, wo man dann mit Suggestionen in freundlicher, harmonischer Atmosphäre arbeitete. Die Leute wurden mit Theateraufführungen, Spaziergängen und Reiten beschäftigt. In sehr extremen Fällen wurden die Leute allerdings auch ausgepeitscht, an Ketten gelegt und mußten hungern.
- Bei den alten Griechen , in China und auch in Ägypten gab es keine Trennung zwischen psychischen und körperlichen Krankheiten.

- Jahrtausende lang glaubte man an Dämonen.

4.2.1 BEISPIELE FÜR PSYCHISCHE STÖRUNGEN IM ALTEN TESTAMENT

- Jemand glaubte, er sei ein Wolf
- König Saul: Er litt an Depressionen und beauftragte einen Sklaven ihn zu töten. Der tat es nicht. Zur Aufheiterung ließ er sich etwas auf der Laier vorspielen.

4.3 HIPPOKRATES

- Mit Hippokrates (gestorben 377v.Chr.) fand eine entscheidende Veränderung statt.
- Er entwarf ein generelles Erklärungsmodell für Krankheit:

Auffälligkeiten

Störungen der Körpersäfte

Blut Wasser Galle Schleim

Ursache

4.3.1 VERSCHIEDENE KRANKHEITSBILDER UND IHRE ERKLÄRUNG

Hippokrates hat für einzelne Krankheiten die Mißverhältnisse der Körpersäfte genau beschrieben.
- Verhaltensauffälligkeiten erklärte er z.B. durch eine übergroße Trockenheit des Gehirns, welches er schon als zentrales Organ für intellektuelle Fähigkeiten ansah.
- Er führte derartige Verhaltensauffälligkeiten also nicht mehr auf Geister und Dämonen zurück.
- Unter Umständen wurden Krankheiten sogar als "Geschenk der Götter" betrachtet, wie z.B. Epilepsie. Hippokrates aber erklärte diese Krankheit durch eine übergroße Feuchtigkeit des Gehirns.
- Die Tollwut war nach Hippokrates die verbreitetste geistige Krankheit. Bedroht sah er sowohl Menschen, als auch Tiere. Er wußte, daß sie durch Bisse übertragen wird, nahm aber an, daß nur Menschen mit einer verschlechterten Atmung infolge von Trockenheit auch daran erkranken.
- Die Hysterie erklärte Hippokrates durch ein Herumwandern des Uterus im Körper. Hier wird schon die sexuelle Ätiologie der Hysterie, die Freud aufgriff, deutlich.

4.3.2 THERAPIE BEI HIPPOKRATES

- Hippokrates empfahl ein ruhiges Leben, kein Alkohol, kein Fleisch, keine Exzesse und Leibesübungen bis zur Ermüdung.
- Die Vernunft war für ihn das Maß aller Dinge und das größte Ziel war, die Vernunft als solche zu erkennen. Die Leute sollten wieder zur Vernunft kommen.
- Zusätzliche Maßnahmen, um die Körpersäfte wieder ins Gleichgewicht zu bringen, waren z.B. Aderlaß und Medikamente.
- Hippokrates Ideen wurden in Griechenland und im Römischen Reich aufgegriffen. In Alexandria wurde der Saturntempel eingerichtet, ein Sanatorium für Kranke. Dort feierte man, tanzte, ruderte auf dem Nil usw.. Des weiteren wurden Diäten verabreicht, Massagen, Hydrotherapie, Aderlaß, o.ä.. Bei Tobsuchtsanfällen wurde eine Zwangsjacke angelegt.

4.4 ASKLEPIADES (GESTORBEN 124 V. CHR.)

- Er unterschied zwischen akuten und chronischen Krankheiten.
- Er war der Erfinder der Hängematte für Patienten. Sie sollte eine beruhigende Schwingung vermitteln.
- Des weiteren unterschied er zwischen Täuschung, Halluzination und Wahn

4.4.1 TÄUSCHUNG

- Z.B. "Optische Täuschung". Eine entsprechende Reizgrundlage ist zwar vorhanden, wird aber falsch wahrgenommen.

4.4.2 HALLUZINATION

- Wahrnehmung ohne entsprechende Reizgrundlage. Z.B. das Hören von Stimmen wo keine sind.

4.4.3 WAHN

- Ein ganzes System von Annahmen, Überzeugungen, die ev. nur auf Halluzinationen beruhen.

4.5 ARETAEUS (ENDE DES 1.JH. NACH CHRISTUS)

- Er sah in psychischen Auffälligkeiten eine Übersteigerung von Charaktereigenschaften, die die Person sowieso hat. Diese Annahme ist z.T. noch in der heutigen Psychologie relevant.
- Er sah einen Zusammenhang zwischen Manie und Melancholie, die er als verschiedene Auswirkungen ein und derselben Krankheit betrachtete.

4.6 GALEN (CA. 200 NACH CHRISTUS)

- Er beeinflußte die Medizin bis etwa ins 18.Jh.
- Er war sehr naturwissenschaftlich orientiert und nahm Obduktionen vor, um das Gehirn und die Anatomie des Nervensystems zu studieren. (Bei den Christen war das später nicht mehr möglich).
- Psychische Störungen hatten bei Galen sowohl physikalische (Verletzungen des Kopfes, Schock) als auch psychische Ursachen (Angst, ökonomische Rückschläge, Enttäuschungen in der Liebe, usw.).
- Später, nach Galen, war aufgrund der Trennung zwischen Körper und Geist die Kirche für den Bereich der Seele zuständig. Galen und Hippokrates waren weiterhin nur für körperliche Krankheiten interessant.

4.7 ISLAMISCHE LÄNDER

- Sie blieben bei der Tradition von Galen und Hippokrates.
- Die erste Psychiatrie entstand 792 nach Christus in Bagdad.
- Der Arzt Avicenna, 980-1037 nach Chr., behandelte psychische Störungen und taucht unter einem anderen Namen im Roman "Der Medicus" auf.

4.8 EUROPA IM MITTELALTER

- Das Mittelalter in Europa war mehr metaphysisch als religiös geprägt, so gab es eine Renaissance der alten Dämonenlehre, allerdings mit anderen Begriffen.
- Die Seele ist das Schlachtfeld für Engel und Teufel, die die Erlaubnis von Gott hatten, um die Menschen für ihre Sünden zu bestrafen.
- Es entstanden auch Heiligenlegenden, durchaus psychiatrische Phänomene, die aber als "Besessenheit durch gute Geister" gedeutet wurden.

4.8.1 EXORZISMUS

- Der Exorzismus tauchte als Maßnahme gegen den Teufel erneut auf.
- Zu anfangs waren auch die Sünder noch Kinder Gottes, so daß die Behandlung entsprechend human ausfiel:
- Handauflegen, Gebete, Salbungen, Wallfahrten, Berühren mit Reliquien und
z.T. auch Medikamente.
- Zuständig war ein neu gegründeter Orden für alle, die in Not geraten waren (Asyle, Hospitäler)
- Mit der Zeit wurden die Methoden immer härter und strenger. Die Mittel sollten am Stolz der Geister und Dämonen ansetzen. Der Teufel wurde z.B. beschimpft. Z.T. waren diese Maßnahmen wirklich erfolgreich; es ist ein Fall bekannt, bei dem 5 aus einer Person entwichene Teufel ein Papier unterzeichneten, daß sie die Person nicht länger quälen wollen.

4.8.2 INQUISITION

Gegen Ende des Mittelalters fielen der Inquisition viele Menschen zum Opfer.
- Besessenheit wurde z.T. auch anders erklärt, nämlich das betroffene Personen freiwillig einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben, um Zugang zu übernatürlichen Kräften zu erlangen (Goethes Faust), z.B. aus der Ferne ein Feuer zu legen, Personen aus der Entfernung Schmerzen oder Schaden zufügen (vor allem, wenn man ein Stück aus dem persönlichen Besitz des Opfers hat), Unwetter erzeugen oder sexuelle Impotenz bei einem Feind und ähnliches.
- Zu anfangs wurde noch zwischen 2 Typen von Besessenen unterschieden:
-Den Freiwilligen
- Den Opfern

Diese Unterscheidung wurde jedoch mehr und mehr zuungunsten der Opfer aufgegeben.

- Papst Innozenz VIII forderte, daß man sich vermehrt dem Phänomen der Hexen anzunehmen habe.

- Zwei Inquisitoren schrieben ein Buch, wie man mit den Hexen zu verfahren habe "Malleus maleficarum"

Im 1.Teil geht es um die Beweisführung für Hexen und Hexenmeister.

Der 2. Teil ist der Diagnostik gewidmet. Wie erkennt man Hexen und Hexenmeister?

Z.B. durch unempfindliche Hautstellen, Punkte am Körper usw., so daß in letzter Konsequenz die Betroffenen nicht einmal Verhaltensauffälligkeiten zeigen mußten,

um als Hexe oder Hexenmeister verurteilt zu werden. Im 3. Teil des Buches wird die Verurteilung erläutert.

- Verhöre: Nur wer seine Schuld bekannt, konnte verurteilt werden. Die Betroffenen wurden aber so lange gefoltert, bis sie alles zugaben, oft gaben die so gequälten dann noch Komplizen an. Wer eine Hexe anzeigte, konnte die Hälfte ihres Besitzes behalten, was viele veranlaßte, irgendwelche Personen anzuzeigen. Die Ankläger bzw. Zeugen wurden z.T. maskiert, wenn sie der angeblichen Hexe gegenübertraten.

- Wasserproben: Hexen schwimmen auf dem Wasser. Wer schwimmen konnte, wurde als Hexe identifiziert, wer nicht so "glücklich" war, ertrank eben.
- Für Hexen war ausschließlich die Todesstrafe durch Verbrennen vorgesehen, die Frage war nur, was vor dem Verbrennen mit ihnen angestellt wurde.
- Häufig wurden Hebammen, die sich gut mit Verhütungsmitteln auskannten als Hexen verurteilt und verbrannt.
- Die meisten Opfer der Hexenverbrennung würde man heute als psychisch gestört einstufen.
- In der Hexenverbrennung sah man eine gute Tat, denn wenn der Teufel noch zu Lebzeiten aus der betroffenen Person entweicht, dann gewinnt sie zumindest ihr "ewiges Leben" zurück.
- Die Opfer glaubten z.T. selber an ihre Schuld, ein Glauben, der auch oft bei Depressionen auftritt.

4.8.2.1 Gegner des Exorzismus und der Inquisition

- Obwohl die Kritiker aufpassen mußten, nicht selbst als Hexe oder Hexenmeister betrachtet zu werden, hatten dennoch einige den Mut sich dagegen zu wenden.

- Paracelsus z.B. stellte die Besessenheit in Frage und führte derartige Phänomene auf den Einfluß der Gestirne zurück.

Einem Bericht zufolge:

Es war der Höhepunkt der Sommerhitze. Die Menschen spürten plötzlich einen akuten Schmerz, rannten auf die Straße und tanzten in größter Erregung. Sie redeten von einem Tarantelstich, waren z.T. nackt und peitschten sich gegenseitig aus. Sie rollten sich im Dreck und tranken Unmengen von Wasser.

Dieses Phänomen wurde als Besessenheit gedeutet. Paracelsus führte es aber auf den Einfluß der Gestirne zurück.

- Ioannes Wierus, 1525-1588 schrieb ein Buch gegen den Hexenglauben. Er meinte, die meisten seien körperlich oder geistig krank. Das Buch wurde abgelehnt und nur wenige schlossen sich seiner Meinung an. Das Buch wurde erst in diesem Jahrhundert wieder von der Kirche freigegeben.
- Raginat (?) Scott erklärte die Phänomene durch Melancholie. Sein Buch wurde verbrannt.
- Heilige Theresa von Avila, 1515-1582: Auch in ihrem Kloster trat Massenhysterie auf. Eine Nonne fing an zu beißen, was dann um sich griff. Die Inquisition drohte, aber Theresa rettete ihr Kloster indem sie berichtete, daß die betroffenen Nonnen ausgesehen hätten, als wären sie krank.
- Ganz langsam nur setzte sich eine andere Vorstellung derartiger Phänomene durch. Das abweichende Verhalten wurde Störungen in der Person erklärt, Störungen der Vernunft oder des Geistes.
- Mit dem Rückgang des kirchlichen Einflusses wurde der Begriff "Seele" durch den Begriff "Psyche" ersetzt.
- Neu entstand das "als ob krank", der Geist, die Psyche war krank. Gemütskrankheiten wurden zu einer eigenen Kategorie.
- Das städtische Bürgertum gewann an Macht. Aber man wollte die Gemütskranken los sein, deshalb gab es in den Stadtmauern häufig sogenannte "Narrentürme", in denen man die Betroffenen versteckt hielt.

4.9 ABSOLUTISMUS, 17. UND 18. JAHRHUNDERT

- Es herrschte das Vernunftideal der Aufklärung. Abweichungen im Verhalten wurden als Abweichungen der Vernunft betrachtet. Unvernünftige wurden mit Torturen behandelt. Krankheitskategorien waren nur an der Vernunft orientiert.
- Fürsten, die man als die ersten Unternehmer bezeichnen kann, hatten einen großen Bedarf an Arbeitern. Bald setzte die Wehr- und Schulpflicht ein. Durch das große Interesse an arbeitsfähigen Untertanen konnten die auch die psychisch Kranken, solche, die sich gerade noch anpassen konnten, gebraucht werden.
Konnten sie die Anpassung nicht mehr leisten, wurden sie in eine Art Lager gesteckt.
- Es gab staatliche Asyle für alle, die den bürgerlichen Vorstellungen nicht entsprachen. Unvernünftige, alte Leute, entjungferte Töchter,.(je nach Staat gab es "Narrenhäuser", "Arbeitshäuser",...) - Heinrich VII, 1547 gründete das erste dieser Häuser. Ein ehemaliges Kloster in London wurde zum ersten Asyl.
- Schwergestörte wurden z.T. ausgestellt wie in einem Zoo. Andere wurden gezwungen betteln zu gehen.
- Ähnliche Einrichtungen entstanden auch in Mexiko, Paris und Moskau.
- Die Menschen sollten zur Vernunft gezwungen werden. Z.T wurden sie wie in einem Konzentrationslager gehalten. Sie wurden als Tiere betrachtet, da sie ja angeblich keine Vernunft besaßen. Sie wurden gefesselt und angekettet, so z.B., daß sie nur auf ihrem Bett sitzen und sich nicht niederlegen konnten, nur die Hände und Füße waren frei, damit sie essen und trinken konnten. Sie saßen auf Stroh, das nie gewechselt wurde und sie wurden äußerst schlecht ernährt.
- Jemand kam auf die Idee eines "Beruhigungsstuhles". Dadurch sollte der Schrankenlosigkeit der Betroffenen Grenzen gesetzt werden.

5 ENTWICKLUNG DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE 1

- Fehlende nachzutragende Vorlesung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6 ENTWICKLUNG DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.1 STANDBEINE DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE

6.1.1 DIE PSYCHOANALYSE

6.1.2 DIE DIAGNOSTIK IM KLINISCHEN BEREICH

6.1.2.1 Binet/Simon mit ihrem Intelligenztest
6.1.2.2 Rorschachtest (psychoanalytisch)

- Tinten- oder Farbklecksbilder werden vom Klienten betrachtet und gedeutet. Die Deutungen werden vom Kliniker aufgelistet und ausgewertet nach relativ objektiven Kriterien.
- Form, Detail, Helligkeit, Farben, Originalität usw. der Deutungen werden dabei herangezogen.
- Der Test sagt etwas aus über den Neurotizismusgrad der getesteten Person, und zwar ebensogut wie Eysencks Fragebogen.
- Der Test wird heute immer noch, wenn auch selten, verwendet.

6.1.2.3 TAT Der thematische Auffassungstest

- Den Probanden werden Bildergeschichten oder einzelne Bilder zu verschiedenen Themengehalten vorgelegt, die diese dann deuten, bzw. eine Geschichte dazu erzählen sollen.
- Ausgewertet wird dann die Geschichte des Probanden.
- Dieses ist ein projektives Verfahren I Wenn die Reizvorlage unscharf vorstrukturiert ist, dann muß der Proband um so mehr Sinn hineinbringen.
- Eine Spezialform des TAT für das Leistungsmotiv stammt von Heckhausen

6.1.2.4 Faktorenanalyse

- Thurstone schuf mit der Faktorenanalyse erst die Voraussetzung für Fragebögen.
- Fragebögen sind Selbstbeurteilungen und entsprechen nicht automatisch dem, was der Therapeut beobachten würde, sondern sind eine subjektive Sichtweise der Realität, die sehr wichtig sein kann.

6.2 VERÄNDERUNGEN IN DER NACHKRIEGSZEIT

6.2.1 ENTWICKLUNG PSYCHOLOGISCHER THERAPIEVERFAHREN

6.2.1.1 Car l Rogers

- Buch: Councelling and psychotherapy (1942)

6.2.1.2 Anwendung von Ergebnissen der Lernpsychologie von Experimentalforschern

- Zuerst nur zur Veränderung problematischer Verhaltensweisen
- Dann wurde dies auch von Klinikern aufgegriffen und weiterentwickelt.
- Alle anderen, noch existierenden Therapieformen haben sich aus der Praxis entwickelt, nicht aber die Verhaltenstherapie.
- Sie ist eine echte Anwendung der Psychologie.

6.3 MODELLVORSTELLUNGEN PSYCHISCHER STÖRUNGEN

- Alle Modellvorstellungen der Geschichte der Psychologie existieren heute noch.
- Besessenheit (Exorzismus)
- Böswilligkeit I "Der will einfach nicht, wenn man etwas wirklich will, dann schafft man es auch.
- Krankheitsvorstellungen sowohl biologisch (Gehirnkrankheit), als auch geistig (die Psyche/Seele ist krank)
- Übersteigerungen I Auffälligkeiten beruhen nicht auf qualitativen, sonder auf quantitativen Unterschieden
- usw.
- Für unser Gesundheitssystem heute ist es durchaus wichtig, als was psychische Störungen betrachtet werden. Werden sie als Krankheit gesehen, dann haben die Kassen die Pflicht zu zahlen, anderenfalls müssen sie das nicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

7 DAS KRANKHEITSPARADIGMA

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7.1 DEFINITION VON KRANKHEIT UND GESUNDHEIT

7.2 KRANKHEITSKONZEPTE

- Stubbe Er legte Personen eine Liste vor, mit zunehmend "kranken" Adjektiven. Der Begriff der Krankheit wird erst genutzt, wenn Veränderungen im Verhalten und oder der Leistungsfähigkeit auftreten, die von der Person nicht gewollt sind und auch nicht durch andere Umstände (z.B. einer durchzechten Nacht) erklärt werden können.

- Die Krankheit entspricht aber den Veränderungen im Körper und nicht den Symptomen (Verhalten).

Die Symptome sind sozial wahrnehmbar und führen zu entsprechenden Reaktionen der Umwelt I Entpflichtung und Entlastung der kranken Person.

- Die kranke Person hingegen hat die Pflicht alles zu tun, um wieder gesund zu werden

7.2.1 DREITEILUNG DES KRANKHEITSKONZEPTS

Krankheitsfolgen

Krankenrolle und Einschränkungen normalen Rollenverhaltens

Kranksein

Beschwerden, Symptome und

Befunde

Krankheit

Pathologische Veränderungen (Defekt) in der Person

Krankheitsursachen

Biologische, psychologische oder soziologische Ursachen

7.2.2 ÄHNLICHE DREITEILUNG FÜR DAS KONZEPT DER GESUNDHEIT

- Fehlen von Krankheit
- Gesundheit ist ein Zustand sozialen, körperlichen und seelischen Wohlbefindens
I Gesundsein
- Gesundheit ist ein Zustand optimaler Leistungsfähigkeit für die Rollen/Aufgaben, für die jemand sozialisiert worden ist.

I Rolle des Gesunden

7.2.3 MERKMALE DES GESUNDSEINS

- WHO I Wohlbefinden

60 von 60 Seiten

Details

Titel
Klinische Psychologie Vorlesungen 1 + 2
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Vorlesung
Autor
Jahr
1998
Seiten
60
Katalognummer
V104604
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein kompletter Abriß über die Klinische Psychologie
Schlagworte
Klinische, Psychologie, Vorlesungen, Vorlesung
Arbeit zitieren
Cornelia Kortmann (Autor), 1998, Klinische Psychologie Vorlesungen 1 + 2, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104604

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