Über Cyrano de Bergerac und seine Utopie L'histoire comique contenant les états et empires de la lune.


Hausarbeit, 2000
22 Seiten, Note: 1,2

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1. Einleitung

Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Utopie L’histoire comique contenant les etats et empires de la lune, die Cyrano de Bergerac verfasste, vorzustellen und dabei auf die Umstände der Zeit und das Leben Cyranos Bezug zu nehmen. Nach einer kurzen Biographie über Cyrano de Bergerac und das Vorstellen seiner wichtigsten Werke werde ich auf die gleichnamige Komödie Rostands zurückgreifen und dabei die Bezüge auf die historische Figur im Stück hervorheben. Im Zusammenhang mit der Aufgabe dieser Hausarbeit werden in diesem Kapitel hauptsächlich die Anspielungen Rostands auf die Utopie Cyranos aufgezeigt. Danach wird die Entwicklung von Utopien im Allgemeinen beschrieben und die Bedeutung und Aufgabe von eben diesen dargelegt, um schließlich zu zeigen, welche besonderen Züge Cyranos Utopie trägt und weshalb man sie zu den technischen Utopien zählen kann. Gleichzeitig wird dabei deutlich, wie viel mehr die sagenumwebte Figur Cyrano de Bergeracs war, als nur ein Degenheld und Frauenverehrer, denn die revolutionären Gedanken des Libertins können bei der Beschäftigung mit der Utopie nicht übersehen werden. Dies wird auch im vierten Kapitel noch einmal gezeigt, wo ich Cyranos Mondreise in den Kontext der Zeit stellen werde und aufzeigen möchte, wie er mit seiner Utopie Kritik an der Gesellschaft beziehungsweise am Menschengeschlecht übt. Danach wird in Kapitel 5.2. deutlich gemacht, wie man Cyranos Rolle in der Utopie als die eines Narren interpretieren kann und was sich daraus für Konsequenten für die Sicht des Lesers ziehen lassen. Dieses Kapitel habe ich eingefügt, da ja auch im Theater zu Cyranos Lebzeiten der Narr eine wichtige Rolle spielte. Um den Bezug zum Theater noch deutlicher herstellen zu können, werde ich diesem vor allem das letzte Kapitel widmen. Ich möchte hervorheben, dass man auch Theater als Utopie ansehen kann und mit den Aussagen von berühmten Vertretern dieser Ansicht die Aufgaben eines utopischen Theaters darlegen.

Meine hauptsächlich angewandte Forschungsmethode bei der Erstellung dieser Arbeit war eine ausführliche Literaturstudie. Außerdem habe ich nach passenden Material im Internet geforscht. Im Quellenverzeichnis sind alle Bücher, Aufsätze und Internetseiten, auf die ich mich stütze, aufgelistet.

2. Der historische Cyrano de Bergerac:

Die Beantwortung der Frage, wer die historische Figur Cyrano de Bergerac war, ist nach nun 300 Jahren schwer zu beantworten. Das liegt aber nicht nur an der langen Zeitspanne zwischen seinem Tod und der heutigen Zeit, sondern auch an den vielen Legenden, Anekdoten und Heldentaten, die über seine Person schon zu seinen Lebzeiten kursierten und die man heute noch kennt. Seine Zeitgenossen schreiben ihm mehrere aufsehenerregende und burleske Heldentaten zu, deren Wahrheitsgehalt jedoch fraglich und schwer überprüfbar ist. So erhielt er zu Lebzeiten von seinen Bewunderern Beinamen, wie der „Illustre“, der „Teufelskerl“, der „Unerschrockene“.1

2.1. Eine kurze Biographie:

In diesem Kapitel bezieht sich mich hauptsächlich auf das Nachwort von Tschöcke und die Ausführungen von Dübi.2 Cyrano de Bergerac entstammt dem Pariser Bürgertum und wurde 1619 als 4. Sohn des Abel und Advokaten beim Pariser Gerichtshof de Cyrano und dessen Gattin Espérance Bellanger, geboren. Ursprünglich hatte er den Namen Savinien de Cyrano inne. Sein Großvater war ein angesehener und wohlhabender Bürger, der sich die Ämter eines Sekretärs des Königs kaufte. So erbte Cyranos Vater die Hochburgen de Mauvières und de Bergerac, der sich darauf den Titel eines Adeligen und Seigneurs von Mauvières zulegte. Nach Lebret, den Biographen Cyranos, war der Vater ein alter Edelmann, dem die Erziehung seiner Kinder gleichgültig war und sich eher für Geld und Reichtum interessierte. Im Alter von sieben bis acht Jahren wurde Cyrano auf das Land zu einem Pfarrer geschickt, der ihn erziehen sollte und zu seinem Pflegevater wurde. Schon in diesem zarten Alter zeigte Cyrano große Abneigung gegen Dogmatismus und so hatte es der Pfarrer schwer mit seinem „ungebärdigen Zögling“.3

1632, mit zwölf Jahren, kommt Cyrano in das Collège de Beauvais, auf dessen Prinzipal, ein damals berühmter Gelehrter und Erzieher namens Jean Grangier, Cyrano in seiner Komödie Le pédant joué (1645/46) auf spöttische Weise Bezug nimmt. Von Cyranos Kindheit und Jugend ist bis heute kaum etwas bekannt. Man erzählt sich, dass es sich bei Cyrano um einen ungestümen Jugendlichen handelte, der mit großem Tatendrang, die Jugendjahre mit Eskapaden, Jugendstreichen und Duellen verbrachte. In dieser Zeit fügte er an seinen Namen, den des Besitzes der Familie hinzu, nämlich de Bergerac. Er liebte es wohl seine Benennungen zu variieren, denn angeblich ersetzte er seinen Voramen mit verschiedensten Varianten wie Hercule oder Alexandre und er kombinierte seinen Familiennamen mit unterschiedlichen Phantasienamen. Im Jahre 1638, nachdem Cyrano seine Studien abgeschlossen hat, kann Lebret seinen Freund überreden mit ihm in die Gascogner Garden des Herren de Carbon de Casteljaloux einzutreten. Nach den Überlieferungen handelte er sich hier für kurze Zeit den Beinamen „Démon de la Bravoure“ ein. „Lebret schreibt er habe schon bald so viele Kämpfe durchgefochten, wie Tage seit seinem Eintritt verflossen waren.“4 In dieser Zeit standen Duelle auf der Tagesordnung. Lebret stellt Cyrano in seiner Biographie zwar als friedliebenden Menschen vor, aber dagegen spricht das Gerücht, dass er mehr als 10 Menschen auf Grund seiner Nase getötet haben soll, die ja bekanntlich sehr groß war. Er reagierte auf Anspielungen anscheinend sehr gereizt. Während des Dreißigjährigen Krieges5 kämpfen die Gascogner Garden in Ostfrankreich, wo Cyrano bei der Belagerung von Mouzon 1639 durch deutsche und kroatische Truppen von einem Musketenschuss schwer verletzt wird. Kaum genesen, wird er kurz darauf bei der Belagerung von Arras durch einen Säbelhieb an der Kehle schwer verwundet. Daraufhin entschließt sich Cyrano den Militärdienst zu quittieren.

Nun ändert sich sein Leben und er beginnt sich für soziale und kulturelle Fragen zu interessieren. Um 1641 kehrt Cyrano nach Paris zurück und möchte sich hier dem Studium widmen. Einer der zahlreichen Anekdoten zufolge verschafft er sich mit der Waffe Zugang zum Schülerkreis des Philosophen Gassendi. Der Einfluss der Lehren dieses Philosophen und Naturforschers auf das Leben und das Werk Cyranos sind unbestreitbar.6 Zwischen 1642 und 1648 lebt Cyrano in bitterer Armut und verliert in dieser Zeit immer mehr den Kontakt zu seiner Familie.

1645 ist das Todesjahr seiner Mutter, in dem Cyrano sehr krank wird. Den Überlieferungen nach hat er wohl an Syphilis gelitten. Nach dieser Krankheit beginnt er mit der Niederschrift von L’histoire comique contenant les etats et empires de la lune. Im Jahre 1648 starb der Vater Cyranos. Angeblich machten sich die beiden Söhne Cyrano und Abel die Krankheit des Vaters zunutze, um wertvolle Objekte aus dem Haus des Vaters zu entwenden, von dessen Verkauf Cyrano zunächst leben kann. Im gleichen Jahr beginnen auch die Fronde-Aufstände7. „1651 ergreift Cyrano mit seinem brillanten politischen Brief La Lettre contre les Frondeurs die Partei Mazarins und stellt sich auf die Seite der absoluten Monarchie“8 Der eigentlich die Unabhängigkeit liebende Freidenker sucht sich schließlich doch einen Förderer und tritt in die Dienste des Herzogs von Arpajon. Vermutlich ist das der einzige Weg für den unbekannten Schriftsteller, dass jemals etwas von seinen Werken gedruckt wird.

Ein Jahr danach ereignet sich das, worin alle Cyrano-Legenden und Lebensdeutungen zusammenlaufen. Am 3. oder 10 Januar zieht sich Cyrano eine Kopfverletzung zu, von der man nicht weiß, ob sie die Folge eines Anschlags war oder lediglich die eines Unfalls. Cyrano muss auf jeden Fall das Haus des Herzogs verlassen und ist bis kurz vor seinem Tode bei den Angehörigen der „Gemeinschaft des allerheiligsten Altarsakraments“ untergebracht. Unter den Schwestern befindet sich wohl auch seine Cousine, die Baronin von Neuvillette. Letztere findet sich angeblich in der Rolle der Roxane in Rostands Komödie wieder.

Nach ca. 14 Monaten Krankheit stirbt Cyrano schließlich im Alter von 36 Jahren. Man sagt er sei kurz vor seinem Tode zu seinem Cousin Pierre de Cyrano geschafft worden. Nicht klar ist, ob er an den Spätfolgen der Kopfverletzungen starb oder an den Nachwirkungen der Syphilis.

2.2. Zu seinen wichtigsten Werken:

Cyrano hat in den unterschiedlichsten Gattungen gewirkt. Er schrieb sowohl Prosa, wie auch Theaterstücke. „Die literarische Landschaft der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bietet ein recht verworrenes Bild. Sie ist gekennzeichnet durch eine gewisse Artenvielfalt, die sich in Begriffen préciosité, burlèsque und libertinage zusammenfassen lässt.“9 Cyrano hat zu allen drei Richtungen seinen Teil beigetragen.

1653 löst seine Tragödie La mort d’Agrippine einen Skandal aus der von kirchlichen Kreisen aus geschürt wird. Unter dem Mantel der Historie versuchte Cyrano die bestehende Ordnung zu blasphemieren. Er wird als Atheist diffamiert, wodurch sich das Verhältnis zu seinem Förderer, den Herzog von Aparjon, dem das Stück gewidmet war, natürlich abkühlt. Auch beim Publikum ist das Stück ein Flop, aber es wird bereits bei seinem ersten Werk sein freiheitliches Denken und das In-Frage-Stellen der Gesellschaft deutlich. Er selbst nennt dieses Trauerspiel „eine philosophische (gassendistische) Tragödie“.10

Über einen großen Teil seines Lebens erstreckt sich die Produktion seiner Briefe, von denen oben schon welche erwähnt wurden. Man kann hauptsächlich von satirischen Briefen, die meist Typensatiren waren und den Liebesbriefen, unterscheiden.11 „Die Briefe wurden 1654 bei ihrem ersten Erscheinen vom Publikum der Salons12, bei dem Gesellschaftsspiele wie Stegreifgedichte, Wort- und Rätselspiele um Begriffe [...] im Schwange waren und das für die Extravaganz und Kühnheit seiner Wortschöpfungen sehr empfänglich war, begeistert aufgenommen.“13 Aufgrund dieser Briefe wurde Cyrano als Autor bekannt.

Die Utopie sollte ja ursprünglich als Doppelroman unter dem Namen L’autre monde erscheinen. Letztendlich erschienen jedoch beide teile getrennt voneinander: Die Reise zum Mond (Le voyage dans la lune) und Die Reise in die Sonne. Während Cyranos Krankheit wurde der zweite Teil seiner Utopie gestohlen, denn seine Koffer wurden geplündert, wobei die Motive für diese Tat bis heute unbekannt sind. Dieser wurde erst 1662 wiedergefunden, dabei ist nicht nachzuweisen von wem. Der zweite Teil wurde so nie vollendet und ist nur als Fragment vorhanden. Der erste Teil, um den es in dieser Hausarbeit hauptsächlich geht, entstand zwischen 1648 und 1649 und wurde bereits 1650 als Manuskript bekannt. 1657 wurde dieser Teil offiziell veröffentlicht allerdings gekürzt und zensiert durch Lebret, der ohne diese Kürzungen mit Schwierigkeiten mit der Kirche rechnete.14 Dieses Werk gilt als Gipfelpunkt der utopischen Literatur des Barock und wird auch heute noch als höchst lebendiges und geistvolles Buch bezeichnet. Vielleicht wäre es ebenso wie Cyranos andere Werke in Vergessenheit geraten, hätte nicht Rostand seine Komödie geschrieben. Seither sind die Utopien auch in deutscher Sprache in Neuauflagen erschienen.

3.Das Stück Cyrano de Bergerac von Rostand:

Das Thema des Stückes wählte Rostand sehr gut in einer Epoche, in der dringend nach einer „sinnstiftenden nationalen und historischen Identifikationsfigur“15 gesucht wurde. Deshalb war, wenn man den Zeitzeugen glauben darf, die Uraufführung des Stückes, die am 28. 12. 1897 stattfand, ein Höhepunkt in der Theatergeschichte.16 Ulrike Brilli- Kalb bezeichnet die positiven Reaktionen des Publikums als eine Erleichterung „nach einer Durststrecke, in der es in erster Linie naturalistische, aber auch symbolistische Werke - nicht nur auf der Bühne - ertragen musste.“17 Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts nämlich wurde die Romantik von Naturalismus und Realismus abgelöst: Die „Hinwendung zum Irrationalen, die Schätzung des Unbewussten, Traumhaften und Erdbezogenen“ wurde durch eine „sozialkritische, desillusionistische und antibürgerliche Haltung“ ersetzt.

Erst Rostand löste diese naturalistische Strömung, die auch im Theater stattfand18, durch seine Komödie, ab. Das Stück entsprach dem Geschmack des nach Romantik dürstenden bürgerlichen Publikums, da es aus einem Guss besteht und Verstand und Gefühl in gleicher Weise anspricht.19 Der Stoff eines Freidenkers und Degenheldens der sich ein einer so glänzenden Epoche wie der des 17. Jahrhunderts präsentiert, war natürlich äußerst geeignet für einen Bruch mit der damaligen Kunstrichtung und der Hinwendung zur Romantik.

3.1. Bezüge auf die legendären Heldentaten Cyranos:

Mit Rostands Komödie Cyrano de Bergerac wurde diese Heldenfigur wiederbelebt und eine zweite Cyrano-Legende geschaffen. Rostand greift einige Anekdoten, die um die Person Cyranos schwirren auf und spinnt sie in sein Theaterstück ein. Zum Beispiel verwendet Rostand in der Komödie, die Anekdote von der Schlacht beim Nesle-Turm, wo Cyrano seinen Freund Linières, einen Satiriker, gegen hundert Bewaffnete verteidigte, weil sich ein Adeliger an dem Poeten für ein Epigramm rächen wollte20: Linières sagt in der siebten Szene des ersten Aktes: „[...] cent hommes contre moi à cause de Chanson...Grand danger me menace...Porte de Nesle...Il faut, que j’y passe...Permets-moi donc d’aller coucher sous...sous ton toit!“ Cyrano antwortet darauf nur: „Cent hommmes m’as-tu dis? Tu coucheras chez toi!“

In dem Stück wird auch der burleske Konflikt am Pont Neuf mit dem Puppenspieler Brioché angesprochen. Angeblich hat der Puppenspieler einen dressierten Affen Fagotin als Cyrano verkleidet und ihn so zur Belustigung einer Gruppe von Lakaien auftreten lassen. Bis Cyrano selbst an dem Schauspiel vorbeikam und wutentbrannt auf Schauspieler und Publikum einhieb und erfolgreich die zwanzig bis dreißig Lakaien in die Flucht schlug.21

3.2. Bezüge auf die Utopie:

Rostand greift in dem Theaterstück, aber nicht nur auf wirklich kursierende Anekdoten über die historische Figur zurück, sondern er bezieht sich auch auf andere Weise immer wieder auf die Realität. Zum Beispiel gibt es einige Textpassagen, in denen Rostand auf das von Cyrano de Bergeracs bekanntesten Werke anspielt, nämlich L’histoire comique contenant les etats et empires de la lune.

Zum ersten mal findet man einen Bezug zu Cyrano de Bergeracs Roman in der zweiten Szene des ersten Akts. Hier stellt die Figur des Cuigy folgende Frage über Cyrano de Bergerac: « Ne c’est pas que cet homme est de moins ordinaires? ». Auf die Lebret antwortet22: « Ah! C’est le plus exquis des êtres sublunaires. » Eine weitere Anspielung findet man in der vierten Szene desselben Akts. Cyrano sagt zur Verteidigung seiner großen Nase: «[...] un grand nez est proprement l’indice d’un homme affable, bon, courtois, spirituel, liberal, courageux, tel que je suis, [...]. » Hier bezieht sich Rostand deutlich auf die Textstelle in der Mondreise, wo erklärt wird, dass die Mondbewohner denjenigen, die große Nasen besitzen höhere moralische Qualitäten zuschreiben. Dies geht sogar soweit, dass sie Kinder mit kleinen Nasen kastrieren lassen: « [...] aussitôt qu’une femme est accouchée, la matrone porte l’enfant au prieur du séminaire; et justement au bout de l’an les experts étant assemblés, si son nez est trouvé plus court qu’une certaine mesure que tient le syndic, il est censé camus, et mis entre les mains des prêtres qui les châtrent. »23 Im zweiten Akt in der zweiten Szene schließlich gibt Lise, eine Bäckersfrau, folgenden Kommentar von sich, nachdem ihr Mann sich erbost darüber geäußert hat, dass sie die niedergeschriebenen Verse seiner Freunde zum einwickeln der Gebäckstücke benutzt: «N’ai-je pas le droit d’utiliser vraiment ce que laissent ici, pour unique paiemant vos méchants écriveurs de lignes inégales! » In Cyranos Utopie bezahlen die Mondbewohner durch selbstgeschriebene Verse.24

Besonders hervorstechend wird in der dreizehnten Szene des dritten Aktes auf den Roman Cyrano de Bergeracs angespielt. Hier versucht Cyrano De Guiche aufzuhalten, der auf dem Weg ist, die Hochzeit zwischen Christian und Roxanne zu verhindern. Cyrano springt von einem Balkon in den Weg De Guiches. Nachdem sich dieser wundert, woher der Mensch nur kommen mag, der wie aus dem Nichts vom Himmel gefallen zu sein scheint, frägt er Cyrano, woher er komme. Cyrano antwortet: «De la lune. » Auch in der Utopie fällt Cyrano ohne Fluggerät vom Mond zurück auf die Erde. Er klammert sich dabei an einen Freigeist der Gott geleugnet hat und zur Strafe in die Hölle befördert wird. Mit ihm durchfliegt er das All und lässt sich fallen, bevor der Missetäter durch einen Vulkan in die Hölle gezogen wird.

Ein weiteres Indiz könnte man in der Frage an De Guiche finden: «Est-ce dans une lune ou bien dans une terre [...]?» Genau diese Frage nämlich stellt sich Cyrano auch vor seinen Freunden in der Utopie. « [...] la lune est une monde comme celui-ci, à qui le nôtre sert de lune. » Als seine Freunde diese Aussage Cyranos belachen antwortet er: « Ainsi peut-être, leur dis-je, se moque-t-on maintenant dans la lune, de quelque autre, qui soutient que ce globe-ci est un monde. »25

Später im Stück während des Versuchs Cyranos De Guiche aufzuhalten sagt er schließlich: «Mais je compte en un livre écrire tout ceci et les étoiles d’or que’en mon manteau roussi je viens de rapporter à mes périls et risques, quand on l’imprimera, serviront d’astérisques ! »

Insgesamt könnte man fast sagen, dass Cyrano in dieser Szene die Rolle eines Narren inne hat. Sein Auftritt, der Sprung vom Balkon führt ihn deutlich in die Rolle ein. In der Szene zeichnet sich Cyrano durch spontanen Einfallsreichtum, Witz und Schlagfertigkeit aus, um De Guiche aufzuhalten. Cyrano wird zum listig-durchtriebenen Schalk, so wie der Narr bei Hofe.26

4. Die Utopie, ein Exkurs:

Der Begriff Utopie kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Nirgendwo- Land“, allgemeiner bezeichnet man damit einen unerfüllbaren Wunschtraum oder einen nicht zu verwirklichenden Plan.

Utopisches Denken ist ungefähr so alt, wie das Menschengeschlecht selbst. Man kann es anhand literarischer Zeugnisse weit zurückverfolgen und bis in die heutige Zeit nachvollziehen. Zum ersten mal nimmt es im Denken Platos einen größeren Raum ein. Das größte Bestreben der Utopie ist es die beste Organisationsform der Menschen, den Staat, zu finden. Bis in die heutige Zeit bleibt der Utopiebegriff mit diesem Streben eng verbunden und somit ist es leicht zu erklären, dass Utopie im literarischen Sinne in erster Linie das meint, was seit Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Begriff „Staatsroman“ umschrieben worden ist.27

Während des Emporkommens der christlichen Religion gab es eine Stagnation, was das utopische Denken betrifft, denn die Utopie mit ihren irdischen Bestrebungen wurde durch heilsgeschichtliche Erwartungen ersetzt. Erst mit der Rückbesinnung auf die Antike, mit dem Humanismus in der griechischen Literatur und die neuen Entdeckungen, erfuhr die Utopie eine neues Aufleben während der Renaissance. Natürlich spielten hier auch die aufkommenden Zweifel an der Institution der Kirche durch die Reformation eine Rolle, die ein neues Auftreten an utopischen Gedanken gewährten.28

4.1. Vom Staatsroman zur technischen Utopie:

Thomas Morus war der Begründer der neuzeitlichen Utopie. Sein Roman Utopia (1516) war namensgebend für diese Gattung, die damals vor allem die bestehende Gesellschaftsordnung durch den Vergleich mit einem Ideal kritisierte. Die frühneuzeitlichen Utopien dienten meist dem Ausdruck bürgerlicher, gesellschaftlicher und politischer Vorstellungen. Neben Thomas Morus Werk sind vor allem Campanellas Sonnenstaat (1602) und Francis Bacons Nova Atlantis (1627) zu nennen. An diese Werke anschließend entwickelte sich im 17. und 18. Jahrhundert vor allem in England und Frankreich ein breites utopisches Schrifttum.29

„Mit Francis Bacon nimmt die Technik und das naturwissenschaftliche Experiment, das zu einem Spezifikum unserer modernsten Zeit werden sollte, in der Utopie die zentrale Stellung ein.“30 Entsprechend seinem Satz, dass Wissen Macht sei, hat er die Ideale des technischen Zeitalters auch für die Neugestaltung der Gesellschaft in seinem Werk Nova Atlantis zur Geltung gebracht. Auch Cyrano de Bergeracs Mond- und Sonnenreisen gehören zu solchen technisch-wissenschaftlichen Utopien. „Die Inanspruchnahme der Technik als ein Mittel zur Beherrschung der Natur und damit zur Erleichterung des menschlichen Schaffens und seiner Effektivität erlangt erst seit der Renaissance größere Bedeutung.“31 Männer wie Leonardo da Vinci, Kepler und Galilei legten den Grundstein für die Aufnahme von technischen Erfindungen und deren Details in literarische Werke. Cyrano lässt in seinem Roman keine Gelegenheit ungenutzt, „sich mit den naturwissenschaftlichen Problemen seines Jahrhunderts, mit Astronomie, Mechanik Wärmelehre, Atomlehre, Magnetismus, Physiognomik auseinander zusetzen.“32

Ein utopischer Traum der bereits seit der Antike bei den Menschen vorhanden war, auch wenn in dieser Zeit naturwissenschaftliche Forschung verboten war, ist der Traum vom Fliegen, mit dem sich Cyrano in seinem Roman auseinandersetzt. Cyrano beschäftigt sich mit den für die damalige Zeit raffinierten technischen Erfindungen, mit denen dann der Held seines Romans die Reise zum Mond beziehungsweise zur Sonne bewerkstelligt. Die Maschinen werden in seiner Utopie detailgetreu beschrieben und Cyrano de Bergerac achtet darauf einer einleuchtenden physikalischen Beweisführung zu folgen und greift nur selten auf die eigene Phantasie zurück.33

Man könnte Cyrano de Bergeracs Mondreise als ein Beispiel von einer zur Realität gewordenen Utopie bezeichnen.34 Mit seinem Roman ist die technische Utopie in Frankreich geboren und die große Auseinandersetzung mit der Mondfahrt beginnt.

4.2. Die Reise Zum Mond als Enzyklopädie zeitgenössischen Denkens:

„Mit seinem Glauben an die Möglichkeit eines Fluges zum Mond steht er in der französischen Literatur des 17. Jahrhunderts allein.“35 Aber viel wichtiger ist, dass Cyrano den Schauplatz des Mondes und im zweiten Teil den der Sonne in seinem Roman gut gewählt hat, denn zum damaligen Zeitpunkt waren dies beliebte Themen in der Gesellschaft. Man setzte sich mit der Frage auseinander, ob es Leben auf anderen Planeten gibt. Höchstwahrscheinlich gaben die Vorlesungen bei Gassendi, dem Philosophen der Avantgarde, die Cyrano de Bergerac um 1641 besuchte, die unmittelbare Anregung zu seinem Werk, denn auch dort wurde natürlich viel über das Lieblingsthema, nämlich das Leben auf dem Mond diskutiert.

Cyrano de Bergerac war zwar nicht der erste, der solche utopischen Romane die sich mit Mond- und Sonnenreise und Leben auf anderen Planeten beschäftigten, schrieb36, aber dennoch zeichnet sich dieser Roman durch einige Besonderheiten aus: Das eigentliche Thema ist durch die ungewöhnlichen Schauplätze auf effektvolle Weise verfremdet. Eigentlich will Cyrano mit seinen beiden Werken nämlich eine Enzyklopädie des zeitgenössischen Denkens in romanhafter Form bieten und dabei die Gedanken der Zeit unterhaltsam darbieten. Man könnte auch sagen, dass er eine Einführung in die Philosophie, die Astronomie und in die Physik für Laien abgeben möchte. Es werden Gedanken von Größen der damaligen Zeit verwendet, die ein Umdenken in der Gesamtgesellschaft bewirkten und deren Gedankengut teilweise, vor allem durch die Kirche, noch nicht so recht akzeptiert wurde. Erwähnt sei hier nur der Astronom Galilei, dessen Prozess erst 10 Jahre zurücklag und die Bevölkerung immer noch beschäftigte. Außerdem greift Cyrano de Bergerac Ideen des Kopernikus auf und Gedanken von Descartes, sowie seines Lehrers Gassendi: „Cyrano ist nicht nur Gassendist im Allgemeinen, verficht nicht nur epikuerische Grundsätze, auch den Sensualismus des Meisters, sondern er benutzt viele seiner Gedanken fast wörtlich. Ja die Mondreise ist in vielen Teilen kaum etwas anderes als ein Kompendium der Gassendischen Philosophie, gibt die Lehre von Atomen, vom leeren Raum, von der Schwere im Gassendischen Sinne zu einer Zeit, wo dieser seine Hauptwerke noch gar nicht veröffentlicht hatte.“ (L.Jordan) Der Unterschied zu Gassendi jedoch ist, dass Cyrano ein noch größerer Materialist und Atheist ist. Er ist der Meinung, dass die körperliche Beschaffenheit der Seele durch den Tod vernichtet wird.37 «[...]ton âme n’est pas immortelle [...] tu peux bien juger quand tu meurs, que tout meurt avec toi.

[Les âmes] ne sont faites que d’atomes lumineux. »38 Mit dieser Ansicht lehnt sich Cyrano de Bergerac deutlich an die Meinung Epikurs, nach dem letztlich alles aus Atomen besteht, sogar die menschliche Seele und diese deshalb auch zum sterben verurteilt ist.39

Was Cyrano darüber hinaus an naturwissenschaftlichen Erkenntnissen in seinen Roman einfließen lässt, sind diejenigen des Kopernikus, mit dem das Weltbild des Aristoteles40 völlig umgeworfen wurde. In der Zeit der Renaissance, in dem sich, nicht zuletzt durch Kopernikus, eine neue und freie Wissenschaft entwickelte, kristallisierte sich dann ein ganz neues Weltbild heraus: Letzterer verkündete, dass nicht die Erde, sondern die Sonne Mittelpunkt des Alls sei, und dass sich die Erde als ein Planet um dieses zentrale Gestirn bewege. Später glaubten Galilei und Kepler an einen Mechanismus in der Welt, indem sie ein Kräftespiel unter den Himmelskörpern vermuteten und Newton schließlich bestätigte durch seine Gravitationstheorie die Mechanik des Kosmos.41

Natürlich stellt sich dieser Versuch, die neue heliozentrische Astronomie von Kopernikus bis hin zu Galileis „Dialog“, in romanhafter Form darzulegen, sich als besonders risikoreich heraus. Das neu aufkommende Weltbild stellte eine Gefahr für die Glaubhaftigkeit und Autorität der Kirche dar. So wurde Kopernikus von Luther als Narr beschimpft, der die ganze Astronomie umdrehen wolle. Die Folge war, dass die Lehren Kopernikus’ als gottlos angesehen wurden, denn mit diesen wurde die Vorstellung des göttlichen Himmel, zu dem der Mensch des Mittelalters ehrfurchtsvoll aufschaute, zerstört. Außerdem verlor die Erde durch den Verlust ihrer zentralen Stellung und durch der Titulierung „Planet“ ihre Bedeutung.42 Wenn man bedenkt, dass die Erinnerungen an Scheiterhaufen der Inquisition noch sehr wach waren und Anhänger der kopernischen Lehre auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, erweist sich das Schreiben eines derartigen Romans wie der Cyranos, als besonders gefährlich: Die Dunkelmänner in Kirche und Staat, die vor keinem Mittel zurückschreckten ihre Ziele durchzusetzen, waren durchaus noch existent. Man kann also davon ausgehen, dass Cyrano de Bergerac Probleme bekommen hätte, wenn seine Romane noch zu seinen Lebzeiten veröffentlicht worden wären.43 Aber Cyrano de Bergerac bringt seine Meinung offen zum Ausdruck und lässt sich durch keine Androhungen seitens der Kirche davon abbringen. Im Roman stellt Cyrano bei der Ankunft in Kanada, nach seinem ersten missglückten Flugversuch, fest, „[...] que la terre eût tourné pendant mon élévation; puisque ayant commencé de montrer à deux lieues de paris, j’étais tombé par une ligne quasi perpendiculaire en Canada.“44

Dies lässt deutlich erkennen, dass Cyrano de Bergerac keineswegs dem Bild des liebenswert, unschuldigen Phantasten, des Frauenverehrers und Degenheldens, wie er im Allgemeinen in den Anekdoten und auch im Stück Rostands dargestellt wird entspricht. Seine Kompromisslosigkeit und sein persönlicher Mut, mit dem er auf Redefreiheit und Unabhängigkeit im Denken besteht wird an einem Zitat aus einem seiner Briefe deutlich.45 Dort schreibt er: „[...] ich unterwerfe mich keiner Autorität, wenn sie nicht mit der Vernunft einhergeht oder wenn sie nicht von Gott kommt. [...] Weder der Name des Aristoteles, der gelehrter war, als ich es bin, noch der jener Platos oder der des Sokrates, überzeugen mich, wenn mein Verstand nicht überwiesen ist, von dem, was sie sagen: Die Vernunft allein ist meine Königin [...].“46

5. Die Mondreise im Kontext der Zeit:

In der Zeit als Cyrano de Bergerac seinen Roman verfasste, war die Sehnsucht der Menschen nach Frieden besonders groß. Nach den Wirren und Verheerungen, den die Religionskriege in Frankreich angerichtet hatten, sehnte man sich nach Freude und Glück.

Die Romane entstanden zwischen 1640 und 1655, die auch in jeder Hinsicht von Unruhe erfüllt waren. 1648 beginnen die Fronde-Aufstände47 in Paris: „Die politischen Auseinandersetzungen zwischen dem Kardinal Mazarin und der „Fronde“ brachten [...] beträchtliche Unsicherheit in den Alltag.“48 So versuchen viele zeitgenössische Autoren das Bedürfnis nach Frieden und Glück der Leser wenigstens mit Adamís-Abenteuern oder der entrückten Bukolik zu befriedigen und sie aus der Wirklichkeit des Daseins zu führen. Die von Cyrano de Bergerac gewählte Form eines utopischen Romans ist zu diesem Zwecke natürlich ein besonders gutes Mittel.49

5.1. Die „besseren“ Mondbewohner:

Die Welt, die er auf dem Mond darstellt ist eine utopische und bessere Welt. Die Mondbewohner haben Sitten und Gebräuche, die denen der Menschen einiges voraus haben. Im folgenden möchte ich einige von den Vorteilen des Lebens auf dem Mond aufzählen.

Zum Beispiel findet dort die Bezahlung nicht in Form von Geld statt, sondern man verwendet auf dem Mond Verse als Zahlungsmittel: «Quand on en a composé, l’auteur les porte à la Cour de monnaies, où les poètes jurés du royaume font leur résidence. Là ces versificateurs officiers mettent les pièces à l’épreuve, et si elles sont jugées de bon aloi on les taxe […] »50 An dieser Stelle wird auch angemerkt, dass ein solches Verfahren größere Gerechtigkeit erlaubt: « [...] de cette sorte, quand quelqu’un meurt de faim, ce n’est jamais qu’un buffle, et les personnes d’esprit font toujours grande chère. » Außerdem findet das Essen auf dem Mond lediglich durch das Einatmen von Gerüchen statt: «L’art de la cuisinière est de renfermer dans de grands vaisseaux moulés exprès l’exhalaison qui sort de viandes, et en ayant ramassé plusieurs sortes et de différents goûts [...] on débouche le vaisseau où cette odeur est assemblée [...] jusqu’à ce que la companie soit tout à fait repue. »51 Durch eine solche Art der Nahrungsaufnahme wird natürlich die Gesundheit gefördert, denn : «Aussi les personnes de ce monde-ci jouissent d’une santé bien moins interrompue et plus vigoureuse, à cause que la nourriture n’engrendre presque point d’excréments, qui sont l’origine de quasi toutes les maladies. »52 Die niedrigen körperlichen Reaktionen, von denen auf der Erde nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird, sind bei den Mondbewohnern nicht vorhanden. Auch die Sprache des Mondvolkes hat etwas Besonderes für sich. Die Mondbewohner kommunizieren akustisch oder optisch.53 Die Sprache der Vornehmen ist eine Art Musik, wobei sonderbare Melodien während ihrer Kommunikation entstehen. Der Pöbel hingegen versteht es lediglich sich durch Gesten verständlich zu machen.

Des weiteren haben die Mondbewohner äußerst hochentwickelte Geräte zur Verfügung. Sie lesen die Bücher nicht, sondern bedienen sich eines Phonographen mit dessen Hilfe sie Bücher abhören können: «Quand quelqu’un souhaite lire, il bande [...] cette machine, puis il tourne l’aiguille sur le chapitre qu’il désire écouter [...]»54 Durch diese Art zu lernen haben die Jugendlichen auf dem Mond bereits so viel Wissen, wie „les barbes grises“55 auf der Erde. Es gibt außerdem eine Waffe, die das Wild nicht nur tötet, sondern es in Windeseile gleich rupft, brät und Gewürze darunter mischt, so dass nach einem Schuss das fertige Gericht vom Himmel fällt.56 Sie besitzen drüber hinaus Raketen, können Reisen ins Universum unternehmen und es existieren auf dem Mond fahrende Städte57. Dem Menschen haben die Bewohner des Mondes, was sowohl ihre Lebensart als auch die technische Entwicklung betrifft, also einiges voraus.

Mit seinem Roman übt Cyrano, wie sich jetzt schon erkennen lässt, Kritik an den Menschen: „Im 17. Jahrhundert sind die utopischen Romane an ein politisch-soziales Programm gebunden, welches meistens eine Oppositionsbewegung als Ursprung erkennen lässt.“58 Utopien eignen sich natürlich sehr gut, um bestehende Zuständen zu kritisieren, gerade in einer Zeit, in der das In-Frage-Stellen von bestehenden Normen, schwere Folgen haben kann. Denn durch Utopien wird eine gewisse Distanz zur Wirklichkeit bewahrt. Cyrano de Bergerac reiste auf den Mond, „um von dort aus seine aggressive Kritik an menschlichen Meinungen und Zuständen zu objektivieren.“59 Cyrano übt Kritik durch die Aussagen und Taten der Mondbewohner, die weit weg von der Erde leben. Er äußert, diese noch nicht einmal selbst, sondern legt sie in den Mund der Mondbewohner. Dadurch entsteht, die schon oben erwähnte Distanz zu den teilweise auch gefährlichen Meinungen Cyrano de Bergeracs. Die Utopie wird hier auf ähnliche Weise eingesetzt, wie die Narren im Theater oder die Hofnarren. Das entscheidende Konstitutens eines Narren ist schließlich die Narrenfreiheit. Sie erfreuen sich der ungestraften Kritik an dem Höherstehenden. Die Wahrheit des Narren kann Einschnürung abhold ist. Wie ideologiebeladen jedoch dieser Fragenkomplex tatsächlich ist, wird deutlich, wenn man einräumt, dass mit der Konsolidierung des Staates Kräfte mobilisiert werden, die sich die Schaffung einer Nationalsprache zur Aufgabe machen.“ (Weber 1997, S. 122.) Eben diesem Dissens geht Cyrano aus dem Weg. toleriert werden, weil sie sich mit der Dummheit maskiert. So kann der Herrscher seine Lehren aus der sonst unausgesprochenen Wahrheit ziehen, ohne sich beleidigt zu fühlen. Und die Wahrheit des Cyranos kann toleriert werden, weil sie sich als Meinung der Mondbewohner maskiert.

Durch das Verhalten der Mondbewohner ihm gegenüber zeigt Cyrano, wie eingebildet und hochmütig die Menschen eigentlich sind. Sie glauben ja, dass sie allein eine unsterbliche Seele haben und, dass ihnen die Tiere und Pflanzen untergeordnet seien. Sie schreiben sich als einzige Lebewesen die Vernunftsbegabung zu. Die Mondbewohner legen ein ganz anderes und wesentlich respektvolleres Verhalten gegenüber der Natur an den Tag. Zum Beispiel enthalten sie sich der Verspeisung von Kräutern60, wenn diese durch Gewalt sterben würden, da ihrer Meinung nach auch Pflanzen die Fähigkeit haben zu fühlen und zu denken: „Ne croyez-vous pas en vérité, si cette pauvre plante pouvait parler quand on la coupe, qu’elle ne dit: «Homme mon cher frère, que t’ai-je fait qui mérite la mort? Je ne croîs que dans tes jardins, et l’on me ne trouve jamais au lieu sauvage où je vivais en sûreté […]. Je me lève de terre, je m’épanouis, je te tends les bras, je t’offre mes enfants en graine, et pour récompense de ma courtoisie, tu me fait trancher la tête ! »61

Cyranos große Liebe zur Natur kommt in dieser Passage zum Ausdruck. Er geht damit über die Lehren Gassendis hinaus, denn er erklärt die Seele der Tiere für unsterblich und schreibt dem Menschen eine sterbliche Seele zu. Darüber hinaus ist Cyrano, ebenso wie sein Lehrer der Meinung, dass jedes Tier eine Sprache spricht, die für den Menschen eben nur unverständlich ist. So wie auch seine Sprache für die Mondbewohner nicht zu verstehen ist, die seine Unterhaltung im Käfig mit dem anderen Menschen für ein Grunzen halten.62 Sehr gut lässt sich an dieser Stelle erkennen, für wie hochmütig er die Menschen hält, da sie der Meinung sind, Tiere könnten nicht sprechen, nur weil der sie nicht die Gabe besitzen diese zu verstehen. Cyrano dagegen vernimmt auf dem Mond ganz deutlich „aus dem Gesang eines Vogels „les sillabes, les mots, et les discours.“63

Die Tiere und Pflanzen bekommen in Cyranos Utopie einen wichtigen Platz und scheinen ein wesentlich moralischer und ethischeres Verhalten zu besitzen als die Menschen. In einem Textteil beschreibt er zum Beispiel sehr schön, dass fast alle Konzerte, die die Vögel aufführen, zum Lobe der Bäume komponiert sind und die Bäume dafür die Nester der Vögel schützen. Außerdem führt Cyrano de Bergerac den Kohlkopf als Beispiel an, der ja viel mehr Nachkommen erzeugen kann als der Mensch. Der Mensch kommt mit der Erbsünde auf die Welt, wohingegen der Kohlkopf Gott im Paradies nicht beleidigt hat. Daher kommt Cyrano zu dem Schluss, dass der Mensch bestimmt nicht nach dem Abbild Gottes geschaffen sei, da er durch seine Sünde zu starke Schuld auf sich geladen hat.64 Mit dieser Aussage stellt Cyrano die Tiere nicht nur auf gleiche Stufe mit den Menschen, sondern entzieht dem Menschen gleichzeitig die Rolle des Beherrschers der Natur. «Puisque Dieu, le Père commun de toutes choses, chérit également ses ouvrages, n’est-il pas raisonnable qu’il ait partagé ses bienfaits également entre nous et les plantes. Il est vrai que nous naquîmes les premiers, mais dans la famille de Dieu, il n’y a point de droit d’aînesse. »

In seinem Roman kommt deutlich zum Vorschein, dass Cyrano de Bergerac davon überzeugt ist, dass der Mensch sich die Macht, über alles geschaffene zu herrschen, widerrechtlich angeeignet hat und diese schändlich missbraucht. Seiner Meinung nach könnten die übrigen Lebewesen friedlich und konfliktlos auf der Erde leben, wenn nicht der Mensch diese Harmonie zerstören würde.

Deutlich wird Cyranos Haltung auch an dem Verhalten der Mondbewohner ihm gegenüber. Auf dem Mond wird Cyrano de Bergerac nicht als Mensch erkannt, man hält ihn für einen Affen oder Papageien und man wundert sich sehr über dieses komische Wesen. Zunächst wird die Kleidung der beiden Menschen lächerlich gemacht, denn man erfährt, dass die Affen, die zur Belustigung des Herrscherhauses dienen, genau die gleiche Tracht anhaben, wie der Spanier, mit dem Cyrano gefangen gehalten wird. „Il faut bien dire [...], qu’après leur avoir essayé toutes sortes d’habits, ils n’en on point rencontré de plus ridicule et que c’étai pour cela qu’ils les équipent de la sorte, n’entretenant ces animaux que pour se donner du plaisir. »65

Dann wird Cyrano von den Bewohnern des Landes als „une beste monstreuse“ und „homme sauvage“66 bezeichnet. Der aufrechte Gang, der von den Menschen ja immer als besonderer Vorteil gegenüber den Tieren angesehen wird, wird jedoch von den Mondbewohnern ganz anders beurteilt. «Nous autres nous marchons sur quatre pieds, parce que Dieu ne se voulut pas fier d’une chose si précieuse à une moins ferme assiette; il eut peur qu’il arrivât fortune de l’homme; c’est pourquoi il prit lui même la peine de l’asseoir sur quatre piliers, afin qu’il ne pût tomber [...] »67 Sie sind der Meinung, dass Gott sich bei dieser Schöpfung nicht besonders viel Mühe gegeben hat, da er es für unter seiner Würde hielt sich in diese einzumischen. Deshalb lässt er sie auf zwei Beinen laufen. Für die Mondbewohner ist der aufrechte Gang ein sehr negative und unpraktische Gabe, die den Wilden eine so flehende, unwürdige Haltung verleiht: «Voyez un peu outre cela comme ils ont la tête tourné vers le ciel ! C’est la disette où Dieu les a mis de toutes chose qui les a situés de la sorte, carposture suppliante témoigne qu’ils cherchent su ciel pour se plaindre à Celui qui les a créés et qu’ils lui demandent permission de s’accommoder de nos restes. »

Die Mondbewohner gehen auf allen vieren und sehen auf die Erde, um die prächtige Schöpfung erkennen zu können und um zu wissen, mit wie viel Glück und Güte Gott ihnen entgegengekommen ist und weil « [...] n’y ayant rien au ciel à qui notre heureuse condition puisse porter envie. »68 Sogar als Cyrano de Bergerac es endlich versteht mit den Mondbewohnern zu kommunizieren, wird er immer noch nicht von den Mondbewohnern ernst genommen. Sie schreiben ihm keine Vernunft zu, sondern bezeichnen seine Äußerungen als vom Instinkt gesteuerte. Nicht einmal durch das Aufbieten seines philosophischen Wissens, das von den Mondbewohnern teilweise nicht nachvollziehbar ist, kann er die Mondbewohner überzeugen, dass er ein Mensch ist. Nachdem er zunächst als Affe und später als Papagei bezeichnet wurde, kommen die Mondbewohner am Ende bei der Gerichtsverhandlung zu dem Schluss, dass er durch seinen aufrechten Gang eine Art Strauss sein müsste.

Cyrano will mit dem Roman zunächst mal den Menschen zeigen, wie absurd manche ihrer Meinungen sind. Ich würde sagen er will die Gesellschaft aufrütteln und sie zum Nachdenken anregen. Vermutlich will er seine Leser dazu bringen eingefahrene Ansichten noch einmal zu überdenken, indem er sie durch die Mondbewohner lächerlich machen lässt (aufrechter Gang, Pflanzen ohne Seele,...) Da die Mondbewohner Cyrano nicht als vernfunftbegabt ansehen, wird er wie ein Tier und menschenunwürdig behandelt. Obwohl er Vernunft hat, können diese die Mondbewohner nicht erkennen, ebenso wenig, wie die Menschen auf der Erde, durch, von Kindesbeinen an gelernte Haltungen, nicht erkennen kann, dass die Tiere und Pflanzen Vernunft besitzen. Mit solchen Begebenheiten in seiner Utopie übt Cyrano natürlich auch heftige Kritik an der Kirche und er untergräbt all die von ihr aufgestellten Ansichten. Es ist verständlich, dass Lebret, sein Freund, Biograph und Herausgeber, vor der Veröffentlichung einige Textstellen im christlichen Sinne redigieren musste.69

5.2. Cyranos Rolle des Narren:

Man könnte die Rolle des Cyrano, zumindest in manchen Szenen im Roman, als die eines Narren bezeichnen. Wie in Kapitel 3.2. schon erwähnt hat er auch in dem Stück Rostands in einer Szene viele Eigenschaften eines Narren inne.

Cyrano repräsentiert in der Utopie die Menschen, die niederen Wesen, die „unten“ auf der Erde leben. Ihm gegenüber steht das „bessere“ Mondvolk. Ähnlich wie der Narr bei Hofe, wo der Narr als Gegenstück des Herrschers dient. Als personifiziertes Spiegelbild trägt er zur besseren Erkenntnis des Herrschers über sich selbst und zur Erkenntnis der vanitas bei.70 Für das frühere Hofnarrentum waren geistige und körperliche Abnormitäten kennzeichnend: „Als Narren galten spätestens seit dem 15. Jahrhundert alle, die aufgrund abweichender Verhaltensformen - bedingt durch geistige Defekte, durch körperliche Anomalien [...] - dem herrschenden Normsystem nicht entsprachen.“71 Ebenso wie Cyrano auf dem Planeten Mond nicht in die Norm passt. Aus der Blickweise des Mondvolks besitzt er körperliche Abnormitäten, wie zum Beispiel der Gang auf nur zwei Beinen72 „Quand ce peuple me vit passer, me voyant si petit [...] et mon corps soutenu sur deux pieds seulement, ils ne purent croire que je fusse un homme [...].“73 Also wird Cyrano wie ein Hofnarr zur Belustigung der Betrachter benutzt: „[...] dès six heures du matin jusqu’au soir la grande foule [...] nous venait contempler à notre logis“74. Cyrano muss vor den Zuschauern verschiedenste Kunststücke vormachen: „[...] faire le godenot, passer des cubultes, figurer des grimaces [...]“75 Wie der Hofnarr dient Cyrano hier auf Grund seiner Andersartigkeit als Spaßmacher, als Zerstreuer und Erheiterer des Hofes.76

Das Verhältnis Narr-Herrscher wird durch das äußere Erscheinungsbild sichtbar: „Den Insignien der Macht, Krone Zepter, und Reichsapfel entsprechen die typischen Narrenmerkmale Kugel, Marotte und die Glaskugel oder Schweinsblase als Symbol der Nichtigkeit alles Irdischen“ So repräsentiert Cyrano mit seinen typisch „menschlichen“ Merkmalen auf dem Mond die Nichtigkeit der Erde. Man könnte fast sagen, dass Cyrano de Bergerac mit seiner Utopie die Narrheit zu einer grundsätzlichen Eigenschaft der Menschen erklärt. Er legt uns ein verkehrte Welt dar und suggeriert auf diese Weise seinen Lesern die Vorstellung, dass die Menschheit nicht so hochgestellt ist in der Natur wie er es meint. Er veranlasst den Leser sich und sein Leben mit neuen Augen zu sehen und bewirkt so einen Effekt der Verzerrung und Verfremdung, die zur Erkenntnis des Richtigen führen soll. Der Roman trägt offensichtlich auch satirische Züge und man findet Parallelen zur Narrenliteratur.77

6. Theater als Utopie

Wie oben schon erwähnt bezeichnet man mit dem Begriff Utopie einen unerfüllbaren Wunschtraum oder einen nicht zu verwirklichenden Plan. Dabei ist zu beachten ist, dass hinter jeder Utopie immer die Realität steht, und zwar eine Realität, die Unmut erzeugt, denn ansonsten wären Utopien nicht nötig.

Ein Utopist ist ein Vor-Denker, der schauen muss auf welches Endprodukt er hinzielt und um dies zu können, muss er genau über den Ist-Zustand der derzeitigen Situation und deren Dilemma bescheid wissen. Nur so kann er Kritik üben und einen besseren und idealeren Zustand aufzeigen. Es gibt einige Theaterregisseure, die sich dies für ihre Theaterarbeit zur Aufgabe gemacht haben. Und ist demnach nicht auch Theater ein Ort der Utopie? Schon Aristoteles sagte, dass die Geschichtsschreibung die sich an die Wirklichkeit hält verglichen, mit der Literatur wenig Bedeutung habe und lange nicht so philosophisch sei wie letztere: „Daher ist Dichtung etwas Philosophischeres und Ernsthafteres als Geschichtsschreibung; denn die Dichtung teilt mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen das Besondere mit.“78 Besonders im Theater hat man die Freiheit und Gelegenheit hinter dem Wirklichen das Mögliche und auch das verhindert Mögliche zu zeigen, sowie einen Blick auf noch nicht bestehende Zustände zu wagen. Peymann, zum Beispiel sieht sich als „Vertreter eines Traums, einer Utopie“, als „Gestalter eines Sehnsuchtsortes und einer besseren Welt“.79 Von ihm kommt der Satz: „Theater ist das schönere Leben.“ Er setzt auf das Erlebnis im Theater und ist der Meinung, dass der Zuschauer durch das Erlebnis des Theaterbesuches angeregt wird eigene Wahrheiten zu finden. Nur so kann nach Peymann Theaterarbeit tiefere Bedeutung gewinnen, denn durch sie können Veränderungsperspektiven formuliert werden und der „Traum vom Aufbruch in eine bessere Welt“80 gezeigt werden. Sowohl aus dieser Sichtweise vom Theater, als auch aus dem Zitat von Aristoteles kann man schließen, dass Theater mehr sein muss, als realistisch: Theater sollte „von der Utopie einer im Kopf oder der Seele vorhandenen humaneren Welt geprägt sein.“81

Natürlich gab es auch zwischen Aristoteles und Peymann Theatermacher, die diese Ansicht teilen. Erwähnt sei hier zum einen Lessing, für den Theater ein Ort, an dem utopische Zukunftsperspektiven aufgezeigt werden, war, und wo über Humanität und Toleranz nachgedacht werden soll. Auch Brechts optimistisches-aufklärerisches Theater, das an die Fortschrittlichkeit der Vernunft glaubte, kann man als utopisches Theater ansehen. Walter Jens formulierte einmal den Satz: „Die Kunst stellt immer der brutalen Wirklichkeit das schöne Möglichkeitsreich gegenüber.“82

[...]


1 Tschöcke, Wolfgang : „Die Vernunft allein ist meine Königin“ In: Herzstiche. Die Briefe der Cyrano de Bergerac. München 1997, S. 252. (Im Folgenden: Tschöcke 1997)

2 Siehe dazu: Bibliographie.

3 Siehe dazu: Dübi, Heinrich: Cyrano de Bergerac (1619-1655). Sein Leben und seine Werke. Bern 1906. (Im folgenden Dübi 1906)

4 Tschöcke 1997, S. 252.

5 Der dreißigjährige Krieg ist eine Sammelbezeichnung für mehrere Kriege um die Vorherrschaft in Europa von 1618-1648, verursacht durch die konfessionellen und politischen Gegensätze zwischen dem Reich und Habsburg. Der französische Krieg (1635-1648) zählt nach dem böhmisch-pfälzischen, dem dänischen und dem schwedischen Krieg, zur vierten Epoche des dreißigjährigen Kriegs. Er wurde durch das Eingreifen Richelieus ausgelöst. Frankreich stellte Bernhard von Weimar Mittel zur weiteren Kriegsführung zur Verfügung. Seit 1644 wurden Friedensverhandlungen geführt. Die letzten Phasen des Kriegs spielten sich vornehmlich in Süd-Deutschland gegen die Franzosen und in Böhmen gegen die Schweden ab. Der Westfälische Friede zu Münster und Osnabrück am 24. 10. 1648 beendete den Krieg, dessen endgültige Liquidation (Kampf gegen Söldnerbanden) allerdings noch fast ein Jahrzehnt in Anspruch nahm. Aus konfessionellen Gegensätzen entstanden, zu einem Reichskrieg um die kaiserliche Stellung gegenüber den Ständen ausgeweitet, entwickelte sich der Krieg durch das Eingreifen Schwedens und Frankreichs zu einem auf deutschen Boden geführten Machtkampf um die europäische Stellung des Hauses Habsburg. Kaiser und Reich wurden zugunsten der deutschen Territorialstaaten geschwächt. Der Krieg war eine Katastrophe für das deutsche Volk und die Volkswirtschaft (bis zu 50% Verluste der Bevölkerung). Die Notwendigkeit des Wiederaufbaus begünstigte in den Territorien die Ausbildung des absolutistischen Staats. In Europa begann sich die Ära habsburgischen Vormacht ihrem Ende zuzuneigen; Frankreich trat das Erbe an. (siehe dazu: CD-ROM: Coron: Lexiko Disk, Version 3,2, Gütersloh: 1997.)

6 Siehe dazu Kapitel 4.2.

7 Fronde ist ursprünglich der Name einer gegen Mazarin und das absolutistische Königtum unter Ludwig XIV in Frankreich gerichteten Adelsbewegung (1648-1653). Jules Mazarin, eigentlich Giulio Mazarini, war Herzog von Nevers (1659). Der gebürtige Italiener war seit 1622 im päpstlichen Dienst und trat 1640 unter Richelieu in französische Dienste, wurde 1642 auf dessen Empfehlung sein Nachfolger als leitender Minister, veranlasste durch seine absolutistische Innenpolitik den Adelsaufstand der Fronde und musste daraufhin zeitweilig ins Exil. Konnte sich 1653 durchsetzen und führte Frankreich weiter zur europäischen Vormachtstellung. (siehe dazu: CD-ROM: Coron: Lexiko Disk, Version 3,2, Gütersloh: 1997.)

8 Tschöcke 1997, S. 256. (Hervorhebung im Original)

9 Brilli-Kalb 1991, S. 24.

10 Siehe dazu: Siehe dazu: Weber, Falk Peter: „Nachwort“ In: Die Reise zum Mond. Leipzig: 1997, S.119f. (Im folgenden: Weber 1997)

11 Siehe dazu: Tschöcke 1997, S. 258ff.

12 Von Frauen geleitete Salons entstanden in Frankreich zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Häusern des Adels und des gehobenen Bürgertums. Zu den ersten, später vielfach imitierten, Salon zählt der von der Marquise de Rambouillet. Als Gäste verkehrten hier Damen und Herren der Pariser Gesellschaft, aber am wichtigsten waren die Literaten, die durch das Vorlesen ihrer neuesten Werke Stoff für die Konversation lieferten. Zu der Hauptbeschäftigung gehörten die gepflegte Konversation und das Pflegen des gesellschaftlichen Umgangs. Später entwickelte sich sogar ein Galanteriekodex bezüglich des sprachlichen Ausdrucks der Umgangsformen und des äußeren Erscheinungsbildes. Soziologisch gesehen ging es nach über dreißig Jahren Bürgerkrieg um die „Rezivilisierung“ der Menschen. (siehe dazu: Brilli- Kalb 1991, S. 26f und Duby, Georges/Michelle Perrot (Hrsg.): Geschichte der Frauen, Bd. III: -Frühe Neuzeit-, Frankfurt am Main 1994.)

13 Tschöcke 1997, S. 259.

14 Siehe dazu: Dübi 1906, S. 22 und 59ff.

15 Tschöcke 1997, S. 252.

16 Siehe dazu: Brilli-Kalb, Ulrike: die Nase als Schicksal. Edmond Rostands Bühnenwerk „Cyrano de Bergerac“ - vom historischen Vorbild zum Phänomen der Lebenslüge. Mag.Arbeit, Wien: 1991. S. 56. (Im folgenden: Brilli-Kalb 1991)

17 Brilli-Kalb 1991, S. 56. (Hervorhebung im Original)

18 Ein wichtiger Vertreter für Realismus im Theater in Frankreich war Maurice Maeterlinck. Vor allem seine frühen dramatischen Stücke zeichnen sich durch die Aufgliederung der realen Welt in Symbole und Zeichen aus. Das Publikum hatte oft Schwierigkeiten solch Stücke aufzunehmen. (siehe dazu: Brilli-Kalb 1991, S. 56)

19 siehe dazu Brilli-Kalb 199, S. 61.

20 Siehe dazu Dübi 1906, S.15f.

21 Siehe dazu: Dübi 1906, S.16ff.

22 Cuigy wird übrigens wörtlich am Anfang in dem Roman Cyranos erwähnt, nachdem er mit seinen Freunden bei ihm gezecht hatten, geht er mit vier anderen nach Hause: «La lune ètait en son plein, le ciel était découvert, [...]. Les diverses pensées que nous donna la vue de cette boule de safran nous défrayèrent sur le chemin. » (De Bergerac 1970, S. 15.) Höchstwahrscheinlich war Lebret einer der vier Freunde Cyranos, die an dieser Dikussion über dem Mond teilhatten. Lebret war nämlich ein sehr guter Freund Cyranos, der sein erster Biograph, Nachlaßverwalter und Herausgeber seiner Schriften war, die er teilweise zensieren musste, da sie nicht immer im christlichen Sinne geschrieben zu sein schienen. (Siehe dazu: Notes: In: Rostand, Edmond: Cyrano de Bergerac, London: 1998, S. 229.)

23 Cyrano de Bergerac: Voyage dans la lune. Paris : 1970, S.107 (Im folgenden: de Bergerac 1970)

24 Siehe dazu Kapitel 5.1.

25 Cyrano de Bergerac 1970, S.2

26 Siehe dazu Kapitel 5.2.

27 Siehe dazu: Augspurger, Hans Jürgen: die Anfänge der Utopie in Frankreich und ihre Grundlagen in der Antike. Diss., Freiburg 1975, S. 1f. (Im folgenden: Augspurger 1975)

28 Augspurger 1975, S.4.

29 Augspurger 1975, S.4.

30 Augspurger 1975, S.4.

31 Augspurger 1975, S.206.

32 Rübesamen, Hans Eckart: „Einleitung“ In: die Reise zu den Mondstaaten und Sonnenreichen. München, S. 11. (Im folgenden: Rübesamen)

33 Rübesamen, S. 11.

34 Augspurger 1975, S.207f.

35 Augspurger 1975, S.233.

36 Wichtige Vorläufer Cyranos waren die schon erwähnten Francis Bacon, Campanella und auch Diogenes.

37 siehe dazu: Meder, Maria: Das Weltbild in Cyrano de Bergeracs Roman "L'autre Monde". Diss., Mannheim: 1940, S. 17. (Im folgenden: Meder 1940)

38 De Bergerac 1970, S. 97.

39 siehe dazu: Meder 1940, S. 18.

40 Nach Aristoteles ist die Erde der Mittelpunkt des Alls und der sie umgebende Himmel ist göttlich.

41 siehe dazu: Meder 1940, S. 36.

42 siehe dazu: Meder 1940, S. 36f.

43 siehe dazu: Tschö>13

44 de Bergerac 1970, S. 34.

45 siehe dazu: Tschö>46 Cyrano de Bergerac: „Wider die Hexer.“ In: Herzstiche. Die Briefe des Cyrano de Bergerac. München: 1997, S. 61.

47 Fronde ist ursprünglich der Name einer gegen Mazarin und das absolutistische Königtum unter Ludwig XIV in Frankreich gerichteten Adelsbewegung (1648-1653). Jules Mazarin, eigentlich Giulio Mazarini, war Herzog von Nevers (1659). Der gebürtige Italiener war seit 1622 im päpstlichen Dienst und trat 1640 unter Richelieu in französische Dienste, wurde 1642 auf dessen Empfehlung sein Nachfolger als leitender Minister, veranlasste durch seine absolutistische Innenpolitik den Adelsaufstand der Fronde und musste daraufhin zeitweilig ins Exil. Konnte sich 1653 durchsetzen und führte Frankreich weiter zur europäischen Vormachtstellung. (siehe dazu: CD-ROM: Coron: Lexiko Disk, Version 3,2, Gütersloh: 1997.)

48 Rübesamen, S. 9.

49 Siehe dazu: Weber 1997, S. 121.

50 de Bergerac 1970, S. 65.

51 De Bergerac 1970, S. 62.

52 De Bergerac 1970, S. 63.

53 Durch diese Eigenschaft, die Cyrano de Bergerac in seinem Roman den Mondbewohnern zuschreibt, entzieht er sich auf äußerst geschickte Weise der Sprachdebatte, die damals in Frankreich geführt wurde. „Welche herausragende Bedeutung die Sprachproblematik zu dieser zeit hatte, zeigt sich vordergründig am heftigen Streit der Puristen mit den libertinistisch gesinnten Schöngeistern, denen jegliche

54 De Bergerac 1970, S. 104.

55 De Bergerac 1970, S. 105.

56 De Bergerac 1970, S. 64.

57 Siehe dazu: De Bergerac, S. 95ff.

58 Weber 1997, S. 121.

59 Rübesamen, S. 11.

60 Siehe dazu: De Bergerac, S. 89

61 De Bergerac 1970, S. 91.

62 Siehe dazu: De Bergerac 1970, S. 66.

63 Meder 1940, S. 30.

64 Siehe dazu : De Bergerac 1970, S.88ff.

65 De Bergerac 1970: S. 66.

66 De Bergerac 1970, S. 73.

67 De Bergerac 1970, S. 73f.

68 De Bergerac 1970, S. 74.

69 Sehe dazu: Rübesamen, S. 8.

70 Siehe dazu: Greif, Annette: Online! Die mittelalterliche Narrenidee und ihre Ausprägung in Sebastian Brants Narrenschiff. URL: http://wwwpublic.rz.uniduesseldorf.de/~daffert/hypertext/narren/index.htm (Im folgenend: Greif: Online!)

71 Greif: Online!

72 Siehe dazu: Kapitel???

73 De Bergerac 1970, S. 54.

74 De Bergerac 1970, S. 56.

75 De Bergerac 1970, S. 55.

76 Siehe dazu: Greif: Online!

77 Als Narrenliteratur bezeichnet man unter anderem eine didaktisch-satirische Dichtung verschiedener Gattung und Art, in der seit der Antike menschliche Schwächen und Fehler als Narrheiten vorgeführt werden. Die Narrenliteratur blühte besonders seit Brants Narrenschiff 1494, dem Morias enkomion... (Lob der Torheit) des Erasmus von Rotterdam 1511 und seit Murners Gäuchmatt 1519. Am Ende des Barocks trat Abraham a Santa Clara (Judas der Erzschelm 1686) als Verfasser von Narrenliteratur auf. Seit Shakespeare und Grimmelshausen ist auch der „weise“ Narr eine Figur der Weltliteratur. Fortgeführt wurde die Tradition von den englischen Komödianten (Pickelhering), der Commedia dell'arte (Arleccino, Truffaldino) und der Altwiener Volkskomödie (Hanswurst), in der Folge bis in die Romantik und die Gegenwart (Beckett „Warten auf Godot“; Dürrenmatt „Die Physiker“; K. A. Porter „Das Narrenschiff“). Der Narr spielte auch als komische Figur im Fastnachtsspiel und bis ins 18. Jh. auch im Drama eine wichtige Rolle. (siehe dazu: CD-ROM: Coron: Lexiko Disk, Version 3,2, Gütersloh: 1997.)

78 Aristoteles: Poetik. Stuttgart: 1982, S. 29.

79 Sponagel-Goebel, Christel: Theater ist das schönere Leben. Utopie und Realismus - Claus Peymanns Theaterarbeit am Beispiel ausgewählter Inszenierungen. Frankfurt am Main: 1999, S. 13. (Im folgenden: Sponagel-Goebel: 1999.)

80 Sponagel-Goebel: 1999, S. 14.

81 Sponagel-Goebel: 1999, S. 15.

82 Darmstädter Echo 22 August 1992, zitiert nach: Sponagel-Goebel: 1999, S. 15.

22 von 22 Seiten

Details

Titel
Über Cyrano de Bergerac und seine Utopie L'histoire comique contenant les états et empires de la lune.
Hochschule
Universität Leipzig
Veranstaltung
Molière und die Folgen
Note
1,2
Autor
Jahr
2000
Seiten
22
Katalognummer
V104614
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cyrano, Bergerac, Utopie, Molière, Folgen
Arbeit zitieren
Angelika Stiehler (Autor), 2000, Über Cyrano de Bergerac und seine Utopie L'histoire comique contenant les états et empires de la lune., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104614

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