Übersicht zum Architektur-Wettbewerb der Universität Bochum


Hausarbeit, 2001

10 Seiten


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Vorwort

In der folgenden Ausarbeitung werden sechs Hauptpunkte der Ausschreibung um die Ruhr-Universität-Bochum (RUB) aufgegriffen, und es wird betrachtet, wie die Architekten diese in ihrem Entwurf eingebracht haben. Hierbei wird der ausgeführte Entwurf behandelt, da man annehmen sollte, daß das realisierte Projekt den Erwartungen des Bauherrn am nächsten kam. In diesem Fall wurde der erste Platz nur bedingt realisiert, da nach dem Wettbewerb der erste Platz mit dem außer Konkurrenz laufendem Entwurf des Staatshochbauamts verbunden wurde. Die Realisierung soll hier aber nicht architekturkritisch behandelt werden, da der Stil aus der Zeit hervorging und somit eher subjektiv ist. Vielmehr sollen Entscheidungen der Architekten aufgrund des Umfangs der gestellten Bauaufgabe verständlicher werden.

1. Klärung der äußeren Erschließung des Geländes

Da um die geplante Universität Bochum in einem Radius von 60 km ca. 10 Millionen Menschen wohnten und die RUB die erste Universität im Ruhrgebiet werden sollte, rechnete man mit mindestens 10.000 Studenten. Dabei erwartete man, daß nur rund 3.000 Studenten auch vor Ort wohnen würden, so daß eine Anbindung des öffentlichen und individuellen Verkehrs sehr wichtig war.

Die Haupterschließung erfolgte über die Querenburgerstraße, welche eine direkte Anbindung an die A 43 erhielt. Durch die Lage der Uni im nördl. Bereich des Planungsgebietes konnten die Wege für die äußere Erschließung kurz gehalten werden, so daß nur eine kurze Stichstraße von der Querenburgerstraße aus das Gelände durchbrach.

Dieses galt auch für den öffentlichen Verkehr, der über die zwischen der doppelspurigen Querenburgerstraße liegenden S-Bahn erfolgt. Diese wurde an dieser Stelle überbaut, so daß gleichzeitig eine Verbindung zur gegenüber liegenden Hustadt erfolgte. Die Brücke kam zugleich noch einem Eingangszeichen nach, was durch einen Turm auf der Seite der RUB noch unterstrichen wurde. Wie ein Ausrufezeichen, ein Signal der Technik lenkt die Komposition den Blick des Betrachters in Richtung der Universitätsgebäude (Abb. 1).

2. Planung der inneren Erschließung, wobei das Wettbewerbsgebiet von jeglichem Durchgangsverkehr freizuhalten ist

Aufgrund der zu erwartenden 7.000 Pendler war es nicht zu vermeiden, daß auch eine große Anzahl an Autos von dem Gelände aufgenommen werden mußte. Um aber nicht in Konflikt mit den Fußgängern zu geraten, trennten die Architekten beide Systeme strikt voneinander (Abb. 2). Der Individualverkehr wurde deshalb auf die unterste Ebene gelegt. Parallel zu den Institutsbauten wurden Straßen geplant, die das ganze Gelände im Bereich der Hauptgebäude erschlossen. Die einzelnen Institutsgebäude wurden mit eigenen Parkflächen in den untersten Etagen versehen, so daß der Besucher das gewünschte Gebäude direkt erreichen konnte, ohne nach dem Parken noch weite Wege überwinden zu müssen. Zusätzlich plante man ein Parkhaus unter dem Forum, so daß bei einer erhöhten Zahl des Individualverkehrs noch genügend Parkraum an einer zentralen Stelle vorhanden war.

Die Haupterschließung des Universitätsgeländes legte man auf das gleiche Niveau wie die Brücke über die Querenburgerstraße. Betrat man von der Brücke aus kommend nun das Universitätsgelände, spannte sich das Panorama für den Betrachter weit auf und man wurde mit der geballten Macht der Universität konfrontiert. Vorbei an kleineren zentralen Einrichtungen erreichte man das Forum, eingebettet auf eine abgesenkten Ebene zwischen Bibliothek und Audimax (Abb. 2). An dieser Stelle lagen auch die Ausgänge des oben genannten Parkhauses. Von diesem Zentrum aus verliefen nun die Haupterschließungen zu den Institutsgebäuden, die in zwei parallelen Strängen vom Forum aus sich nach Westen und Osten ausdehnten. Zwischen den Strängen war eine tiefere Ebene in Form einer Grünfläche ausgebildet, so daß die Verbindung nur über eine der beiden Brücken pro Seite erfolgen konnte, wollte man sich nicht auf die Ebene der Grünfläche begeben. Der Grünbereich diente hierbei nicht nur der Auflockerung, sondern er stellte auch eine nicht dem Raster entsprechende Verbindung zwischen den Gebäuden dar.

Durch konsequente Planung der inneren Erschließung gab es also keine Berührungspunkte zwischen Individualverkehr und Fußgänger, ohne dabei eine Erschließungsform nachteiliger ausgeführt zu haben.

3. Zuordnung der verschiedenen Universitätsdisziplinen zueinander unter Berücksichtigung des erwähnten Zuordnungsschemas und der erwünschten engen Verflechtung

Im Vorfeld zu dem Wettbewerb hatte das Staatshochbauamt das Gebiet, den Universitätsbau und verschieden Studiengänge analysiert. Aus dem Ergebnis stammte das Zuordnungsschema, in dem die Anzahl der Abteilungen und die geforderten Einrichtungen der Zentralstellen aufgeführt waren. Vergleicht man dieses Schema mit dem ausgeführten Entwurf, so sieht man, daß die Architekten es fast eins zu eins umgesetzt haben. Daß das nicht die logische Konsequenz war, zeigten die anderen eingereichten Entwürfe.

Die Verflechtung der einzelnen Bereiche miteinander war schon am „Eingang“ der Universität ausgedrückt. Durch die zentrale Haupterschließung über die Brücke waren alle Studenten die über die öffentlichen Verkehrsmittel die Hochschule erreichten gezwungen, das Areal über den selben Weg zu betreten. Damit sollte in abgeschwächter Form die Auseinandersetzung mit anderen Kommilitonen erreicht werden, da Kontakte nicht erst in den Gebäuden entstehen sollten. Daß dies nur der Auftakt für den Campus war, wird im folgenden dargestellt.

Wie in dem Zuordnungsschema angedeutet, bildeten die Architekten einen zentralen Raum aus, der zwischen den schon oben genannten parallelen Institutssträngen lag. Zur Mitte hin wurde die Wichtigkeit der Gebäude gesteigert, so daß das Forum als Zentrum durch die nördlich liegende Bibliothek und das südlich liegende Audimax eingeschlossen war. Westlich und östlich davon wurden die Hörsaalzentren angesiedelt. Hier sollte ein Treffpunkt aller Fachbereiche entstehen, ein hochfrequentierter Ort an dem man Kommilitonen anderer Studiengänge unkompliziert begegnen konnte. Durch die Verknüpfung der Haupterschließung mit dem Forum wurde die Wichtigkeit des Ortes zusätzlich verstärkt.

Die Ausbildung der Abteilungen erfolgte ähnlich dem Schema klar um das Zentrum gruppiert, wobei die Ingenieurswissenschaften den Naturwissenschaften und die Geisteswissenschaften den medizinischen Wissenschaften gegenüber gesetzt wurden. Die Anordnung der Fachbereiche war vor dem Hintergrund der Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen entstanden, so daß man durch die geplante Lage der Fachbereiche zueinander die Distanz schon minimieren wollte. Wenn die Nähe zu einem anderen Bereich schon so gering war, so sollte dieser auch nicht mehr als ein Fremdkörper, sondern mit dem eigene Institutsgebäude verglichen werden. Dieses „Wir“-Gefühl verstärkte die Planung der einzelnen Baukörper, denn damit sich die Gebäude in ihrer architektonischen Qualität nicht voneinander abheben konnten, wurden alle Gebäude in einem ähnlichen Stil entworfen, was die Gleichstellung der einzelnen Fachbereiche unterstreichen sollte.

Jeder Strang war durch die Flachbauten untereinander verbunden, größtenteils sowohl an der Nord- als auch an der Südseite. Augenscheinlich blieben die einzelnen Institutsbauten selbständig, doch durch die Verknüpfung im Sockelbereich verschwammen die Grenzen - gebäudeübergreifende Kommunikation wurde stark erleichtert - war dadurch fast schon unausweichlich (Abb. 3). Dazu trug auch noch die gleichartige Ausbildung der Gebäude bei, da eine lange Suche nach bestimmten Räumen erleichtert wurde, schließlich war es fast identisch mit dem eigenen Institutsbau. Das gleiche galt auch für die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen, da aufgrund der Kompaktheit der Anlage die Wege minimal waren. Kurze Wege und Kompaktheit waren die Zauberworte der Planung, doch durch die Länge der Gebäude von über 100 m mußte intern mit größeren Wegen gerechnet werden.

Diese „demokratische“ Ausbildung des Campus steigerte sich sogar bis in die Anzahl der Einzelgebäude. Lediglich der naturwissenschaftliche Bereich erhielt einen Baukomplex mehr, da das Raumprogramm zu umfassend war, um ihn in drei Hochbauten unterzubringen. Vor diesem Hintergrund wirkte das Zentrum fast schon verspielt und war trotz der eher spartanischen Formensprache ein klar definiertes Zeichen für den Betrachter. Denn wie bereits erwähnt, maß man dem zentralen Areale große Bedeutung für fachübergreifende Kontakte zu, die sich auch in der Architektur wieder spiegeln sollten. Die Aussage der Planer war klar - Gleichheit aller Institute, um damit das demokratische Gefühl aller Bereiche zu stärken und um so eine Zusammenarbeit mit Anderen zu erleichtern. Grenzen sollten abgebaut werden und diesem Ziel sollte die Architektur nicht im Wege stehen.

4. Erhaltung der Landschaft, insbesondere der Waldbestände

Durch die Lage im nördlichen Bereich des Geländes war der Konflikt mit den Waldbeständen von Anfang an minimal, da sich dort kaum Bäume befanden. Doch durch ihre Ausrichtung war die RUB damit keine Universität mehr im Grünen, sondern die Begrenzung einer städtischen Bebauung am Rande einer Grünzone. Aber nicht nur die Lage des Campus erleichterte den Umgang mit den gestellten Forderungen, sondern auch die kompakte Ausführung des Hochbaus.

Daß die Erhaltung für den Wettbewerb so wichtig war, muß vor dem Hintergrund der Umgebung gesehen werden. Dieses Gelände war nämlich eine der so seltenen „Grünen Lungen“ des Ruhrgebiets der damaligen Zeit und gleichzeitig diente es den Bürgern Bochums als Naherholungsgebiet.

5. Ausweisung entsprechender Reserveflächen für eine 100% Erweiterung der Universität

...Durch die prognostizierten Zahlen ging man von einem kontinuierlichen Zuwachs der Studenten aus. Der Gedanke „Bildung für Alle“ löste eine wahre Euphorie in den Köpfen der Bauherrn aus, so daß man sich schon bald an den Grenzen der Universitätskapazität wähnte. Um also bei drohender Überfüllung eine qualitativ gleichwertige Erweiterung entwerfen zu können, forderte man eine Ausweisung über genügend Restraum auf dem Campus. Hier kam den Planern wieder die Kompaktheit der Baumasse und deren lineare Ausrichtung entgegen. So waren kleinere Erweiterungen in Richtung der West-Ost-Achse möglich, als auch größere über eine neue Achse im Süden, parallel zu den schon bestehenden Achsen.

6. Berücksichtigung industrieller Vorfertigung durch Typisierung der Bauten

Durch die geforderte Größe der Universität und dem geringen Zeitraum zur Realisierung war klar, daß man nicht in herkömmlicher Weise den Komplex errichten konnte. Die prognostizierte Zeit für die Errichtung hätte dann bei rund 20 Jahren gelegen und das bei einer geforderten Verfügung der kompletten Kapazität innerhalb von ca. sieben Jahren. Außerdem vollzog sich schon seit mehreren Jahren ein Umbruch im Bauwesen - man wollte nicht mehr Stein auf Stein bauen wie vor 3.000 Jahren.

Wie umfassend die Standardisierung in die Gebäude einfloß, wird bei der Betrachtung der einzelnen Bautypen klar. Die Institutsgebäude waren hierbei mit Sicherheit die prägenden Elemente der RUB, denn in ihrer Gesamtheit ließen sie den Komplex als geschlossenen Anlage erscheinen. Man legte ihnen ein Rastermaß von 7,50 m x 7,50 m zu Grunde, was sich aus dem Einzelmaß von 1,875 ergab. Dieser Grundwert ergab sich aus der Größe eines Schreibtisches und dem benötigten Arbeitsraum. Die Ausmaße der Gebäude betrugen 15mal das Raster in der Länge und 3mal das Raster in der Breite, also 112,50 m auf 22,50 m. Durch die Größe der Platten wäre allerdings ein Anlieferung von Außerhalb nur schwer möglich gewesen, so daß man in einer Feldfabrik die Platten direkt vor Ort produzierte. Die Frage nach dem Baumaterial ergab sich somit von selbst, denn Beton erfüllte die benötigten Anforderungen als einziges Material. Nur durch den Einsatz der typisierten Elemente war es möglich, nach eineinhalb jähriger Bauphase mit der Lehre in den ersten zwei Gebäuden zu beginnen (Abb. 4).

Das Rastersystem von 7,50 m x 7,50 m kam auch im Forumsbereich zum tragen. Das Hörsaalzentrum Ost wurde nach diesen Grundmaßen errichtet, das Hörsaalzentrum West kam nicht zur Ausführung, sollte aber auf der gleichen Grundlage basieren. Die Bibliothek wurde durch Vor- und Rücksprünge aufgelockert, erhielt aber dennoch ein kompaktes Aussehen auf Grundlage des Rasters. Durch eine andere Raumaufteilung und durch andere Nutzungsansprüche konnte im Gegensatz zu den Institutsbauten allerdings auf eine strenge Ordnung im inneren verzichtet werden. Dies kam besonders bei der Mensa zum tragen, da diese, abgesehen von dem Küchenbereich, wie ein großer Raum ausgebildet wurde, lediglich durch die kaum wahrnehmbaren Säulen gegliedert.

Die große Ausnahme in der vom Raster geprägten RUB bildet das Audimax. Die Ausführung erfolgte nicht wie im Wettbewerb vorgeschlagen in Form eines Satteldachs, sondern aufgrund der aufkommenden Diskussionen um die stereotype Ausbildung der Universitätsgebäude in einer Art Muschelform. Hinzu kamen die Problem, die das Raster schon beim Bau der Bibliothek erzeugt hatte, so daß man ganz von dem ursprünglichen Entwurf abkam.

Schlußwort

Diese Ausarbeitung soll eine objektive Grundlage für das Verständnis der Bauaufgabe und des daraus resultierenden Entwurfs sein. Daß der Wettbewerb auch auf andere Art und Weise zu lösen war zeigt die Vielzahl der eingereichten Entwürfe. Durch ein anderes Verständnis von Architektur und neue Baumaterialien würde die gestellte Aufgabe in heutiger Zeit sicher anders gelöst werden, doch man muß das Ergebnis vor dem Hintergrund der Zeit sehen und verstehen.

Quellennachweis

1. Cube, Alexandra von. Die Ruhr-Universität Bochum. Bauaufgabe - Baugeschichte - Baugedanke. Eine kunsthistorische Untersuchung, Bochum 1992
2. Der Minister für Landesplanung, Wohnungsbau und öffentliche Arbeiten des Landes Nordrhein Westfalens (Hg.). Die Universität Bochum, Gesamtplanung, Stuttgart 1965
3. Meyers, Franz (Hg.). Festschrift zur Eröffnung der Universität Bochum, 1965
4. Zum Ideenwettbewerb für die neue Universität in Bochum, in: Die Bauverwaltung, Heft 6, 1963

Abbildungsnachweis

- Abb. 1,2: Der Minister für Landesplanung, Wohnungsbau und öffentliche Arbeiten des Landes Nordrhein Westfalens (Hg.). Die Universität Bochum, Gesamtplanung, Stuttgart 1965

- Abb. 3,4: Meyers, Franz (Hg.). Festschrift zur Eröffnung der Universität Bochum, 1965

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Übersicht zum Architektur-Wettbewerb der Universität Bochum
Autor
Jahr
2001
Seiten
10
Katalognummer
V104677
Dateigröße
344 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Architektur-Wettbewerb, Universität, Bochum
Arbeit zitieren
Alexander Keller (Autor), 2001, Übersicht zum Architektur-Wettbewerb der Universität Bochum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104677

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