Die Bedeutung der Wilden Leute im Mittelalter


Seminararbeit, 2001

26 Seiten


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1. Einleitung

Die Wilden Leute tauchen im Mittelalter in einer nahezu unüberschaubaren Zahl von Darstellungen und literarischen Verwendungen auf. Gerade zum Ende dieser Epoche trifft man auf Verewigungen der Wilden Gestalten sogar auf Tassen und Leuchtern und ähnlichen Gegenständen des täglichen Gebrauches. Woraus erklärt sich diese Popularität? In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, Aspekte dieser Beliebtheit zu klären.

Die Literatur zu den Wilden Leute im Mittelalter kann noch immer als äußerst begrenzt angesehen werden. Zudem bauen die meisten Arbeiten auf vorherige auf und behandeln nur Teilaspekte des Themas, so dass ein ausgiebiger Vergleich unterschiedlicher Autoren kaum möglich ist. Dieser Arbeit liegt primär das umfassende Werk Richard Bernheimers zugrunde, da es einen in dieser Vollständigkeit einzigartigen Überblick über das Phänomen der Wilden Leute bietet.1 Es liefert eine wahre Fundgrube an Beispielen für das Vorkommen und die Darstellung des Wilden Volkes im Mittelalter. Im Hinblick auf die Zeitlosigkeit dieser Gestalt im Mittelalter steht Bernheimers Ansicht aber im Widerspruch zu einer Arbeit der Kunsthistorikerin Leonie von Wilckens über die Wilden Leute; sie betont die chronologische Entwicklung des Phänomens.2 Es soll hier nicht der Versuch unternommen werden eine Entwicklung aufzuzeigen, sondern vielmehr eine Verzweigung der Begrifflichkeit, die mit diesem Phänomen im Mittelalter verbunden wurde. Die daraus resultierende Bedeutung der Wilden Leute soll verdeutlicht werden. Demnach spielt Chronologie nur insofern Rolle, die zeitweise Parallelität der beschriebenen Bedeutungsfelder zu zeigen.

Hermann Bausinger äußert einen weiteren Vorwurf in seiner Besprechung des Werkes von Bernheimer: der von diesem verwendete Begriff der ‚connotations‘ sei gefährlich, da er von klaren Definitionen zu befreien scheine.3 Dem soll hier entgegen gesetzt werden, dass die scheinbar unscharfe ‚Silhouette‘ der Bedeutungsinhalte das Phänomen der Wilden Leute ausmacht, und sich dieses Phänomen erst durch die Erfassung der verschiedenen Konnotationen in seiner Bedeutung fassen lässt.

Es soll nun versucht werden, die Bedeutungsinhalte der Wilden Leute im Mittelalter anhand von verschiedenen Darstellungen zu erläutern. Hierfür ist es jedoch nicht notwendig, und darüber hinaus in dem gegebenen Rahmen auch nicht zu leisten, die Kunstwerke auf kunsthistorische Weise bis ins letzte Detail zu beschreiben und zu deuten; vielmehr sollen nur die durch sie abgebildeten Bedeutungsinhalte und Eigenschaften des Wilden Volkes offengelegt und analysiert werden. Aufgrund der Mannigfaltigkeit der Bedeutungsinhalte dieses Phänomens wurden zwei Bedeutungsfelder gewählt, die verschiedene, im Gegensatz zueinander stehende Hauptcharakteristika beinhalten, und somit eine wichtige Eigenschaft des Verständnisses des Wilden Volkes offenbaren.

Die Unterteilung der Analyse in die Untersuchung des mythischen und fiktionalen Verstehens beruft sich auf Whites Einteilung der verschiedenen Formen, in denen das Phänomen im Mittelalter zu finden ist.4 Der Glaube der ländlichen Bevölkerung an mythische Gestalten der Wälder und der Wildnis und die daraus resultierenden Charakteristika werden unter dem ‚mythischen Verständnis‘ untersucht. Die Entmythifizierung des Phänomens führte zu einer abweichenden allegorischen Bedeutung.5 Die Vorstellung und Darstellung der Wilden Leute wurde als fiktiv erkannt und verlor ihre Bedrohlichkeit. Diese Einteilung wurde in dieser Arbeit übernommen, aufgrund der durch sie gebotenen Möglichkeit chronologische und bedeutungsanalytische Elemente parallel behandeln zu können. Darüber hinaus lassen sich anhand dieser Kategorisierung Gründe für die Veränderung des Verständnisses des Phänomens erarbeiten, die für die Untersuchung seiner Popularität interessante Erkenntnisse versprechen.

2. Eigenschaften von Wildheit im Mittelalter

2.1 Der Begriff der ‚Wildheit‘

Um sich dem Phänomen der Wilden Leute zu nähern, ist es erforderlich den Begriff der ‚Wildheit‘, dessen Verständnis und Konnotationen im Mittelalter genauer zu klären. Leider trägt das ansonsten sehr umfassende Werk Bernheimers kaum zu einer engeren Ausdeutung bei, so dass hier auf andere Arbeiten zurückgegriffen werden muss. Zunächst gibt das Wörterbuch der Brüder Grimm erste Anhaltspunkte über den Bedeutungsbereich: hier wird der Ausdruck über die heutige Bedeutung hinaus mit ‚seltsam‘ und ‚unerhört‘ in Verbindung gebracht.6 Desweiteren wurden auch psychisch - kranke Menschen oder Ausgestoßene als ‚Wilde Männer‘ bezeichnet. Es hat den Anschein, dass Wahnsinn oder Schwachsinn und Wildheit im Mittelalter nahezu austauschbare Begriffe waren.7 Dies geht wohl auf das Verständnis von ‚Wild sein‘ als „sich nicht beherrschen, außer sich sein, die Kontrolle über sich verlieren“8 zurück. Überhaupt scheint ‚wild‘ alles bezeichnet zu haben, „was außer[-halb] menschlicher Kultur, Gemeinschaft und Sitte stand“9. Hier ist somit eine Grundlage für die später zu beschreibenden Bedeutungsinhalte des Phänomens der Wilden Leute enthalten.

Grundlegend ist zu bemerken, dass Wildheit im Sinne dieser Zeit ebenfalls als ein theologisch - moralischer Zustand begriffen werden muss.10 In diesem äußert sich die Position der Kreatur zu Gott. Da Wildheit mit Verwirrung und sogar Wahn gleichgesetzt wurde, verlor das Subjekt durch diese Verwirrtheit sein Wissen von Gott und wendete sich von ihm. Dies impliziert die Unkenntnis der Sünde und damit die Unfähigkeit, die Sünde zu vermeiden.

„Wildness is what a normal human being takes on as a result of losing his humanity“11. Demnach ist Wildheit im Fall der Wilden Leute als ein degenerierter Zustand des Menschseins zu begreifen. Der ‚wild gewordene‘ Mensch nähert sich dem animalischen Wesen der Bestien, sinkt aber keinesfalls auf deren unschuldige Stufe herab und verliert auch nicht ein letztes, essentielles, innerstes Menschsein.12 In diesem Stadium verliert er nicht nur grundsätzliche zivilisierte Fertigkeiten wie das Sprechen, sondern, wie oben schon angesprochen, auch die Fähigkeit rational zu denken. Somit ist in der Bedeutung des Begriffes ‚wild‘ der Grundstein für das verruchte, trieblastige und unbeherrschte Verhalten der Wilden Leute in der mittelalterlichen Vorstellungswelt gelegt. In ihm schlägt sich das mittelalterliche Verständnis des ewigen Gegensatzes zwischen der ‚zahmen Welt‘ und der ‚wilden Welt‘, zwischen der Entsagung und dem Verlangen, zwischen der Tugend und dem Laster nieder.13

2.2 Position zwischen Mensch und Tier

Die Menschen des Mittelalters betrachteten die sie umgebende Welt als ganzheitlich und eindeutig14. In dieser Welt hatte jede Kreatur der Schöpfung ihren festen, von Gott zugewiesenen Platz; vor allem der Mensch als deren Krönung. Inwiefern implizierte der Begriff der Wildheit die Animalität der Wilden Leute in diesem System? Verstand man sie als Menschen oder Tiere? Der Status der Wilden Leute zwischen Mensch und Tier lässt sich in der Tat schwer bestimmen, und hier kann nur eine annähernde Betrachtung geleistet werden, diese ist jedoch zum Verständnis des Phänomens vonnöten.

Ihre Menschlichkeit wurde schon allein durch ihre äußere Gestalt nahegelegt. Die Animalität zeigte sich im Fellkleid und impulsiven Wesen. Aber sie legten zugleich eine gewisse Zielstrebigkeit in ihrem Handeln an den Tag und dies unterschied sie von der Tierwelt.15 Die Kombination aus tierischem Wesen und menschlicher Charakteristika, die sich im Wilden Volk äußert, führte im Mittelalter zu der Vermutung, dass es sich in diesem Fall um Menschen handelte, die sich von Gott entfernt hatten. In ihnen zeigt sich die Vorstellung des Zustandes, in den der Mensch absinken könne, sollte er sich von Gottes Gnaden entfernen.16 White schließt daraus, dass die Wilden Leute aus mittelalterlicher Sicht zu weit von Gott entfernt sind, um noch von Gott errettet werden zu können, und demnach wohne ihnen eine animalische Seele inne.17 Dem steht aber die Überlegung Heinrich von Hesslers entgegen, dass es nur Gottes Gnaden obliege, ob die Wilden Leute gerettet werden oder verloren seien und zum Teufel niederfahren sollen.18 Hier wird den Wilden Leuten eine Seele zugesprochen, die vor Gottes Gericht bestehen muss und demnach menschlich ist. Der menschliche Charakter der Wilden Leute hat allem Anschein nach überwogen, und die animalischen Eigenschaften ihrer Existenz sind auf ihre Entfernung von Gott zurück zu führen. Ihre Position zu Gott hat aber nicht die völlige Verdammnis zur Folge, sondern zeigt die außergewöhnliche Position, die das Wilde Volk im Mittelalter innehatte.

3. Die verschiedenen Ebenen der Vorstellung von den Wilden Leuten

Auf welche Weise die Rezeption und Vorstellung des Phänomens der Wilden Leute in weiten Teilen des Mittelalters zu beschreiben ist, ist in der Literatur umstritten. Richard Bernheimer entwickelt in seinem Buch aus verschiedenen Konnotationen die umfassende Skizze der Charakteristika der Wilden Leute19. Ihr Äußeres beschreibt Bernheimer als dem menschlichen Körperbau entsprechend und bis auf Gesicht, Hände, Ellenbogen, Knie und Füße mit einem dichten Haarkleid bzw. Fell bedeckt. Ausgestattet ist er meist mit einer Keule und einem Kranz oder Gürtel aus Blättern o.ä. um die Hüfte20. Neben dieser Beschreibung entwickelt Bernheimer aus dem Vergleich von bildlichen Darstellungen und verschiedenen Textquellen den Schluss, dass im Mittelalter vielleicht keine zentrale Vorstellung der Wilden Leute existiert hat, jedoch ist es möglich einen Kernbereich auszumachen, der zwar im Verlauf dieser Epoche Veränderungen erfahren hat, aber immer als Ausgangspunkt für unterschiedliche Bedeutungsinhalte gesehen werden kann.

Im Rahmen seiner Untersuchung der wilden Natur in deutschen Minnedarstellungen bezeichnet Christian Müller diesen relativ fest umrissenen Begriff der Wilden Leute als „Mythos“ und Vereinfachung.21 Für ihn sind die Erscheinungsformen und die oben angesprochenen diversen Bedeutungsinhalte des Phänomens zu zahlreich und unterschiedlich, um unter einem Begriff zusammengefasst werden zu können. Müller erklärt sich diese Fehleinschätzung Bernheimers und anderer Autoren aus deren Auswertung von Bildern „unterschiedlichster Verwendung gleichwertig neben Überlieferungen des Brauchtums oder des Volksglaubens [...]“.22 Bernheimer sieht in den sich im Darstellungsprinzip ähnelnden Abbildungen die Bestätigung für seinen Begriff des Wilden Mannes, der in literarischen Quellen und der mittelalterlichen Vorstellungswelt mit vielfältigen Inhalten in Verbindung gebracht wurde. Bei dem Einwand Müllers, dass hier verschiedenste Bedeutungsebenen zu einem Bild verschmolzen werden, übersieht dieser die Möglichkeit, dass es sich bei den Wilden Leuten um ein Phänomen der mittelalterlichen Imagination handelt, in welchem sich die verschiedensten symbolischen und inhaltlichen Konzepte vereinigen und sich gewissermaßen zu einer hybriden Gestalt zusammenfügen23. Dieses Phänomen lässt sich zwar in verschiedene Bedeutungsinhalte aufteilen, sie gehen jedoch allesamt auf ein zentrales Element zurück. All jene Konnotationen finden ihre Personifikation in dem Phänomen der Wilden Leute. Wie oben schon erwähnt, muss dabei aber zwischen dem mythischen Phänomen und dem eher fiktionalen Begreifen dieser Erscheinung unterschieden werden24. Die Entwicklung zwischen diesen beiden Stadien - „vom Imaginären, Nichtgreifbaren, vom erzählten Sagenhaften mit seinen vielfältigen Varianten“25 zur fiktiv begriffenen Deutung soll in den folgenden Kapiteln nachgezeichnet werden. Hierbei sollen auch einige der oben beschriebenen verschiedenen Bedeutungsinhalte heraus gearbeitet werden.

3.1 Das mythische Verstehen der Wilden Leute

Im Früh- und Hochmittelalter ist die Vorstellung von den Wilden Leute mythisch geprägt. Sie beruht auf der Herkunft der Vorstellung des Wilden Volkes aus dem noch weit verbreiteten Heidentum der ländlichen Bevölkerung.

In dieser Epoche wurden den Wilden Leuten über ihr schon erwähntes Erscheinungsbild hinaus übermenschliche Kräfte und beispielsweise die Macht über das Tierreich zugeschrieben.26 Desweiteren nahmen sie aber auch eine Art Beschützer- oder Hirtenrolle für die wilden Tiere der Landschaft, in der sie leben, ein. Sie waren dämonische Kreaturen der Wälder, die in einigen Erwähnungen sogar in einer so starken Abhängigkeit vom Wald standen, dass ihr Leben von der Existenz bestimmter Bäume abhing. Wälder werden hier aber nur als das typischste Gebiet genannt, in dem das Wilde Volk angesiedelt war. Prinzipiell glaubte man sie in abgelegenen Gebieten wie Gebirgen, Karstlandschaften und zum Teil sogar Wüsten anzutreffen.27 Dort lebten sie vermeintlich in Höhlen oder unter dichtem Gebüsch; Orte die für menschlich Besiedlung ungeeignet erscheinen und außerhalb der Siedlungsbereiche und somit der Erlebniswelt der Menschen liegen. Sie unterstreichen den wilden Charakter ihrer Bewohner und ihre Position außerhalb der Zivilisation. Hierin ist auch die Begründung zu finden für den Glauben an die hohe Verbreitung der Wilden Leute besonders in alpinen und bergigen Gegenden.

Die Wilden Leute galten als unberechenbar, teilweise sogar als gewalttätig, streitlustig28 und vor allem als aufbrausend. In jeder Beziehung ließen sie ihren sinnlichen Bedürfnissen freien Lauf.29 Ihre Impulsivität wurde durch die ihnen nur teilweise zugesprochenen rationalen Fähigkeiten noch unterstrichen. Im weitestgehenden Verlauf des Mittelalters fehlte ihnen die Fähigkeit zu sprechen und sie verständigten sich mit unakzentuierten Lauten.30

Die Bedeutungsinhalte, die mit dieser mythischen Gestalt in Verbindung gebracht wurden, umgab eine unheimliche Aura; man kann diese Ausprägung des Phänomens dem Bereich der Dämonen zurechnen.31 Es finden sich aber auch Berichte über diese unheimliche Kreatur der Wildnis, in denen sie verlorengegangenes Vieh zurück bringt oder Teile ihres Wissens über die Geheimnisse der Natur preisgibt, wie etwa über medizinisch wirksame Kräuter, Wetterkunde oder Ernteaussichten.32 Dies lässt sich mit ihrer Position als Bestandteil der Natur und als Kenner eben dieser erklären. Es verwundert jedoch die Fähigkeit zu sprechen, die ihnen in diesen Fällen zugesprochen wird und zumindest für Wetter- und Ernteprognosen unabdingbar erscheint. Hier deutet sich insofern eine Verschiebung des Verständnisses und der Vorstellung von den Wilden Leuten an, als das sie mit positiven Eigenschaften in Verbindung gebracht werden.

Ebenso verhält es sich mit dem Widerspruch, der aus der Tatsache resultiert, dass das Wilde Volk auf der einen Seite aufgrund ihres schrecklichen Äußeren und Angst einflößenden Temperaments gefürchtet wurde, auf der anderen Seite aber als gütiger Hüter der Bewohner und Pflanzen der Natur und Ratgeber fungierte. Beide Deutungen gehen wohl auf die übernatürlichen Eigenschaften der Wilden Leute zurück, wobei aber der destruktive Charakter ihrer Fähigkeiten zu überwiegen scheint.33 Hier offenbart sich die durch die Vielschichtigkeit dieses Phänomens hervorgerufene Anfälligkeit für Widersprüche. Diese Vielschichtigkeit soll aber gerade hervor gehoben werden, und etwa auftretende Widersprüche sind der Analyse des Wilden Volkes als eine Kernidee mit zahlreichen Bedeutungsinhalten nicht hinderlich.

3.1.1 Verwendung in Minnedarstellungen

Gerade aufgrund ihrer Unbeherrschtheit in sinnlichen Belangen, ihrer Aggressivität und Destruktivität fand das Wilde Volk vielfache Verwendung in Minnedarstellungen des 14. und 15. Jahrhunderts.

In den Minnedarstellungen dienten die Wilden Leute und vor allem die Wilden Männer als geeignetes Medium für den Ausdruck von unterdrückten Gefühlen und durch das höfische Ideal der Selbstbeherrschtheit nicht auszulebender Triebe. Im Gegensatz zum höfischen Ritter konnte der Wilde Mann Frauen mit „raw lust, or with bleak hatred“34 begegnen, zwei Formen des Umgangs mit der Affektsituation der Liebe, die am Hofe in dieser Unmittelbarkeit undenkbar waren. Die Impulsivität des Wilden Mannes verbot ihm, sich Frauen in der durch die Minne gebotenen devoten, anbetenden Verherrlichung zu nähern. Dies erweiterte die Möglichkeit, ihn als Antagonisten des höfischen Ritters zu verwenden. So konnten anhand des Wilden Mannes sowohl sublimierte Triebe kompensiert werden, als auch das ritterliche Verhalten durch einen Gegenentwurf, die Projektion auf ein Gegenbeispiel, hervorgehoben werden.

In der auf einem niederrheinischen Minnekästchen des 14. Jahrhunderts35 beschriebenen Szenerie begibt sich ein Wilder Mann zu einer Werbung eines jungen Ritters um ein höfisches Fräulein36. Nachdem der Ritter im Rahmen der höfischen Sittsamkeit seine Zuneigung zu der Dame mit einem Ringes bekundet hat, raubt der Wilde Mann die Frau und entführt sie in den Wald. Ihm ist es aus schon genannten Gründen nicht möglich, in anderer Weise seinem Begehren Ausdruck zu verleihen. Er wird von mehreren Rittern verfolgt, kann sich aber mit Hilfe eines Gefährten erfolgreich verteidigen. Im letzten Bild sitzen nun die geraubte Dame und der Wilde Mann beim Schachspiel. Im Hintergrund schwingt noch der vorher zu Hilfe geeilte Gefährte seine Keule. Der vormals ungestüme Entführer hat die Beine in kontrollierter Haltung übereinandergeschlagen und trägt einen Falken auf der Hand, ein Zeichen höfischer Etikette. Müller wertet diese Darstellung als sublimierte Wunschvorstellungen des Mannes und Ausdruck eines „durch Entsagung gesteigerten Verlangens“37, sich über die gesellschaftlich üblichen Umgangsweisen hinwegzusetzen, welches sich in dem Wilden Mann manifestiert und nur durch die Tugend und Liebe der Angebeteten zu zähmen ist. Hier wird also sowohl bestimmten Wunschvorstellungen Ausdruck verliehen, als auch die Anbetung der Dame geäußert. Es kommen in diesem Kästchen zwei Motivationen zum Vorschein. Zum einen drückt der Mann ein unterdrücktes Triebempfinden in Gestalt des die Frau entführenden Wilden Mannes aus, zum anderen ‚verspricht‘ er aber auch, sich der durch die Minne gebotenen Domestizierung durch die Frau hinzugeben.

Die Verwendung des Reliefs als Gegenentwurf zum höfischen Ideal zeigt ein weiteres Kästchen, vermutlich aus derselben Werkstatt wie das zuvor behandelte.38 Die Schnitzereien beschreiben die Werbung eines Wilden Mannes und eines Ritters um eine Frau, diese lehnt den Wilden Mann ab, worauf er sie entführt. Der Ritter stellt den Entführer und beginnt mit ihm zu kämpfen, wobei er den Wilden Mann besiegt. Er hebt die Dame auf sein Pferd und wird in der letzten Szene von ihr mit einem Kranz für die erfüllte Erwartung an einen Ritter geehrt.39 Die unbeherrschte Leidenschaft des Wilden Mannes wird in diesem Beispiel von dem besonnen Mut und der Sittsamkeit des Ritters besiegt. Der Sender diese Kästchens an eine Frau wollte anhand der geschilderten Begebenheit die Seriosität und Achtbarkeit seiner Absicht klarstellen und deutlich machen, dass er anstatt unbedachten Begehrens gegenüber seiner Erwählten ihr tugendhafte Verehrung entgegenbringt.40 Die Zügellosigkeit des Wilden Mannes dient hier als erhebendes Gegenbeispiel zum Verhalten des sittsam Werbenden.

In beiden beschriebenen Fällen wird die Funktion des Wilden Mannes als Identifikationsfigur der unterdrückten Wünsche und Triebe des Werbenden deutlich41. Im ersten Beispiel werden diese jedoch von der Zuneigung der Frau aufgefangen und in sittsame Bahnen gelenkt, während im zweiten Fall der Mann seine Selbstbeherrschung aus sich heraus verspricht und damit verdeutlicht, dass er dem ritterlichen Ideal entsprach. Die geschilderten Minnekästchen bringen demnach einen Aspekt der diesem Phänomen zugesprochenen Unbeherrschtheit des Wilden Mannes deutlich zum Ausdruck. Sie dienten explizit zur Verdeutlichung und Untermauerung der Werbung eines Mannes um eine auserwählte Dame. Aus diesem Grund war der Sender sehr wahrscheinlich genau darauf bedacht die Botschaft auf dem Minnekästchen eindeutig zu formulieren und darzustellen. Das Heranziehen des Wilden Mannes veranschaulicht, dass die dieser Gestalt nachgesagte Unbeherrschtheit als allgemein bekannt vorausgesetzt und als gegensätzlich zur höfischen Disziplin empfunden wurde. Somit scheint diese Eigenschaft des Wilden Volkes eine zu dieser Zeit gut bekannte und wichtige Rolle eingenommen zu haben.

Der innere Kampf um Selbstbeherrschung der Menschen in der höfischen Gesellschaft findet sehr deutlich in der Darstellungen der Erstürmung einer Burg Ausdruck.42 Es handelt sich hier um elsässische Wandteppiche vom Beginn des 15. Jahrhunderts.43 Auf diesen Teppichen wird ein Handlungsverlauf abgebildet, in dem Wilde Männer nach einer Art Picknick, bei dem sie eine bekrönte Wilde Frau mit Speise und Trank versorgen, eine Burg angreifen. Auffällig sind ihre Waffen, Armbrüste mit Rosenpfeilen und Lanzen, die in Rosenblüten enden, und die Fabelwesen, auf denen sie reiten. Bei einigen der Wilden Männer ist ihre Animalität und damit ihre Unzivilisiertheit mit beachtlichen Hauern betont, ähnlich den Eckzähnen eines Ebers. Ihnen gegenüber stehen die Verteidiger der Burg, ebenfalls mit Armbrüsten und Bögen bewaffnet, schießen sie mit Lilien auf die Angreifer.

Die Blumensymbolik betont hier den Charakter des Kampfes, der „maze“ gegen die „unmaze“ im Essen und Trinken und vor allem in der Liebe.44 Die Lilie „als Symbol der Keuschheit und Reinheit“45 dient als Waffe der Verteidiger gegen die mit Rosen bewaffneten wilden Angreifer. Die Rose ist Symbol mit Venus und Aphrodite und damit der Liebe verknüpft. Diese grotesk dargestellte Auseinandersetzung zeigt den inneren Konflikt in einer derartig das Geschehen überhöhenden Weise, dass es dem zeitgenössischen Betrachter ermöglicht wird sich in einem „Bewusstseinsvorgang [des Lachens] von der Bedrohung durch solche Wesen [zu befreien]“46 und damit ebenso die durch sie symbolisierten Frustrationen zu verarbeiten. Auch in diesem Beispiel ist die Verwendung der Wilden Männer als Symbol für die „unmaze“ prägnant. Es werden sogar noch die Aspekte der Unbeherrschtheit auf Essen und Trinken ausgeweitet und somit zeigt diese Eigenschaft der Wilden Leute ihre Position als generelles Antonym zur Zivilisiertheit.

3.1.2 Wilde Frauen

Eine weitere Ausprägung der mythischen Gestalt der Wilden Leute findet sich in der Wilden Frau. Sie tritt meist alleine auf und ist nur in späteren Darstellungen des 14. und 15. Jahrhunderts zusammen mit Wilden Männern dargestellt, dann zumeist in einer Form von Familien- oder Clansituation. Die Vorstellung von dieser Gestalt ist in ihrem Hauptverbreitungsgebiet sogar öfter vertreten als die von ihrem männlichen Verwandten, da sich ihr Vorkommen nicht auf die bergigen und alpinen Regionen Europas beschränkt, sondern auch in angrenzenden Gebieten zu finden ist. Mit der Wilden Frau zeigt sich eine noch mannigfaltigere Ausprägung des Wilden Volkes. Sie wird nicht minder Furcht einflößend beschrieben als der Wilde Mann, außerordentlich hässlich, z.T. mit Brüsten so groß bzw. lang, dass sie diese zum Laufen über die Schulter legen muss.47 In manchen Berichten wird ihr sogar nachgesagt, sie ernähre sich vom Fleisch junger Kinder. Nach Bernheimer erschließt sich die bedeutsamste Eigenschaft der Wilden Frau aus ihrem Verhalten in erotischen Zusammenhängen. Sie erscheinen „obsessed with a craving for the love of mortal men“48. Um an dieses Ziel zu gelangen, pflegten Wilde Frauen ihre Opfer zu betören. Dies geschah, indem sie sich das Ausehen junger, schöner Frauen gaben und dies teilweise sogar bis zu einer etwaigen Hochzeit aufrecht erhielten oder ihr Erscheinungsbild erst während des erotischen Aktes enthüllten.

In verschiedenen Geschichten des europäischen Raumes versuchen Wilde Frauen Männer zu verführen. So etwa im bayrischen Epos ‚Wolfdietrich‘, hier gesteht „die Raue Else“, eine haarige, auf allen Vieren gehende Kreatur, dem Protagonisten ihre Liebe und, als dieser abwehrt, verzaubert sie ihn, auf dass er ohne Verstand im Wald lebe.49 Ebenso wie in skandinavischen und englischen Versionen dieses Elementes hat das Ablehnen der Liebe einer Wilden Frau den Wahn zur Folge. In dem Werk Wirnt von Gravenbergs „Wigalois“ trägt sie das Opfer ihres Begehrens sogar zu ihrem Versteck.50

Obwohl auf die weite Verbreitung der Wilden Frau hingewiesen wurde, muss bemerkt werden, dass es sich bei ihr um kein grundsätzlich anderes Phänomen als dem des Wilden Mannes handelt. In ihr findet sich vielmehr die Transformation der Eigenschaften ihres männlichen Gegenparts auf die weibliche Seite, um die Tugendhaftigkeit von Männern in ähnlicher Weise zu prüfen, wie es schon über den Wilden Mann beschrieben wurde.51 Die Wilde Frau diente in der gleichen Weise wie ihr männlicher Verwandter als Kompensation unterdrückter Triebe und der Furcht vor Bestrafung für das Ausleben eben dieser. Diese Kompensation wurde durch die Projektion auf einen Gegenentwurf erreicht. Wichtig ist auch noch festzuhalten, dass dem mythischen Verständnis nach Wilde Frauen und Wilde Männer fast ausschließlich getrennt vorkamen. Sie dienten als Antipoden zur höfischen Gesellschaft und konnten vermutlich aus diesem Grunde nicht gemeinsam auftreten, da die sozial strukturierte Beziehung zwischen Mann und Frau in diesem Gegenentwurf keinen Platz hatte.

3.1.3 Die Funktionen der mythischen Personifikation

Woraus lässt sich die mythische Existenz dieses Phänomens erklären? Welchem Zustand oder Denken verleiht diese Gestalt Ausdruck? Sie bot der mittelalterlichen Welt eine Möglichkeit das eigene Verhalten und den Standard der Gesellschaftsordnung durch einen Gegenentwurf zu bestätigen, in dem die Prinzipien dieser Ordnung in Frage gestellt wurden. Hierbei war allerdings unverzichtbar, dass die Kreatur, die diese Regeln herausforderte, scheitern musste. Wenn auch der durchschnittliche Mensch nicht beschreiben konnte was Zivilisiertheit bedeutete, so konnte man den Begriff durch das Gegenteil, durch ein negatives Beispiel eingrenzen, die Wilden Leute.52

White definiert die Bedeutung von Mythen folgendermaßen: „Myths provide imaginative justifications of our desires and at the same time hold up before us images of the cosmic forces that preclude the possibility of any perfect gratification of them.“53 Demnach bot die Darstellung des Wilden Volkes dem mittelalterlichen Menschen die Möglichkeit Verlangen und gleichzeitig die hierauf zu erwartende Bestrafung, sowie Chaos und Unheil durch Entfernung von Gott abzubilden. Die Wilden Leute sind als eine Projektion unterdrückten Verlangens, aber auch unbewusster oder bewusster Sorge zu verstehen. Diese Sorge rührt aus der Verunsicherung der mittelalterlichen Welt über die möglichen Folgen des freien Auslebens des triebhaften Wesens und dem ungezwungenen Ausdruck des Begehrens (im sexuellen wie allgemeinen Sinne). Die Bedrohung der Gesellschaft durch Triebhaftigkeit und Regellosigkeit fand in dieser Symbolik der Wilden Leute ihren Ausdruck. Das Wilde Volk wurde zum Gegenentwurf der mittelalterlichen Welt: Einer in hohem Maße geregelten Umgebung, die durch den Glauben an Gott und die von ihm gegebene Ordnung gestützt wurde.54

Neben dem oben genannten Funktionselement in dem Gesellschaft oder die Gemeinschaft als Ganzes bedrohten waren, repräsentieren die Wilden Leute gleichermaßen eine Bedrohung für das Individuum und sein Seelenheil. Sie lässt sich aus dem Verständnis der mittelalterlichen Gesellschaft als „shame orientated“55 ableiten, d.h. der mittelalterliche Mensch in christlicher Tradition war sich seiner Schuld aufgrund der Erbsünde bewusst und fürchtete seine Position noch zu verschlimmern und auf den Status einer von Gott verstoßenen, wilden Kreatur abzusinken, sollte er seinen Trieben nachgeben. Dies wird noch betont durch die zwar in unzivilisierten, ‚wilden‘ Gegenden geglaubte Wohnstätte der Wilden Leute, welche aber doch in der Nähe der menschlichen Behausungen und nicht in fernen Landen war, betont.

Es war um so leichter, in Wilden Leuten unerfüllte Triebe und Befürchtungen abzubilden, da ihnen im Mittelalter die Fähigkeit abgesprochen wurde rational zwischen Gut und Böse zu unterscheiden; sie wußten nicht, dass sie sich versündigten.56 Sie haben aufgrund ihrer in der Wildheit verwurzelten Verwirrtheit den menschlichen Status verloren und haben sich so von Gott entfernt. Sie können nicht als die Verkörperung des Bösen gesehen werden, wie von Wilckens schließt57, eher als eine Personifikation des Lasterhaften. Sie versündigten sich aus dem Unverständnis des Prinzips der Sünde. Dies ermöglichte ihnen eine Form von unschuldiger Existenz „beyond good and evil“58 und ließ sie zu einer Chiffre für unterdrücktes Verlangen und die damit verknüpfte Furcht vor göttlicher Bestrafung avancieren. In dieser moralischen Unschuld und relativen Freiheit ist aber auch die Wurzel zu finden für die positivere Belegung des Bildes des Wilden Volkes im Verlauf seiner Entmythifizierung im 14. und 15. Jahrhundert. Diese soll im nächsten Abschnitt einer näheren Betrachtung unterzogen werden.

3.2 Das fiktionale Verstehen der Wilden Leute

Im Verlauf des 14. Jahrhunderts erfuhr der Mythos der Wilden Leute eine Wandlung. Diese Entwicklung bezeichnet einen wichtigen Schnitt in dem Verständnis der Wilden Leute. In der sich entwickelnden Bedeutung verlor dieses Phänomen die Aura des Schreckens und Symbolik des Chaos weitestgehend und diese wurde durch eine Erhöhung ihrer primitiven und ursprünglichen Lebensumstände ersetzt. „[...] the Wild Man became gradually transformed from an object of loathing and fear (and only secret envy) into an object of open envy and even admiration“.59 Die Vorstellung vom Wilden Volk als Herr über das Tierreich änderte sich vollends zum Verständnis dieser Spezies als Partner oder vielmehr Beschützer der Tiere. Der enge Kontakt zur Natur, bzw. das Leben im direkten Einklang mit dieser, traten in den Vordergrund. Die Wilden Leute wurden auf idyllische Weise in einer unbeschadeten, unverdorbenen Umgebung beschrieben, abseits der korrumpierten menschlichen Gesellschaft.60 Sie verlieren nicht nur ihren chaotischen Symbolcharakter, sondern werden - im Gegenteil - als Sinnbild für geordnete Lebensweise und ‚wahre‘ Treue verwendet. Sie erschienen als Spiegelbild des menschlichen Alltags, zumeist als freundliche, unschuldige Wesen.61

3.2.1 Die positive Lebenssituationen Wilder Leute

Die Verwendung des Wilden Volkes als positiver Lebensentwurf soll in den folgenden Exempeln untersucht werden. Da aus dem 14. Jahrhundert nur sehr wenige Werke erhalten geblieben sind, wurden spätere, aber dafür prägnante Objekte ausgewählt.

Ein Minnekästchen aus dem späten 15. Jahrhundert illustriert den Wandel der dem Wilden Volk zugeschrieben Charakteristika eindrucksvoll.62 Es zeigt sich in den episodenhaften Darstellungen die Veränderung in der Auffassung vom Wilden Volk.

Auf der Stirnseite sehen eine Wilde Frau und ihr Nachwuchs mit Schrecken zu wie ein Greif ein Kind entführt. Ein Wilder Mann hat bereits seine Keule schwingend die Verfolgung aufgenommen. Auf der linken Seite der Schnitzerei kämpft ein Paar Wilder Leute gegen einen großen Bären. Hier werden die Wildheit und das Chaos der Welt dieses Volkes noch klar wiedergegeben, es herrschen Kampf und Leid vor. Ebenso sind die Schnitzereien auf den beiden Seitenteilen zu verstehen. Auf einem Relief verteidigt ein Wilder Mann eine Wilde Frau und ein Kind gegen einen Löwen, auf der gegenüberliegenden Tafel kämpft ein Wilder Mann gegen einen Drachen. Ganz anders hingegen wird auf der Rückseite ein eher ruhiges Bild vom Leben im Wald gezeichnet. Im Zentrum der Schnitzerei säugt eine Wilde Frau ihr Kind, während ein zweiter Sprössling über ihre Schulter schaut. Links davon ist ein Wildes Paar abgebildet, das innig umarmt durch den Wald spaziert. Im rechten Teil der Tafel liegt ein Wilder Mann entspannt unter einem Baum und ein zweiter jagt mit Pfeil und Bogen einen Vogel. Die angenehme, harmonische Atmosphäre des Lebens der Wilden Leute tut sich in dieser Darstellung besonders hervor63. Auf dem Deckel des Kästchens sind vier Wilde Männer dargestellt, die allem Anschein nach von der Jagd zurückkehren. Sie sind mit Hörnern und Speeren ausgerüstet und einer von ihnen trägt erlegte Hasen. Begleitet wird diese Gruppe von einigen Jagdhunden und einem fünften Wilden Mann, ein Einhorn mit einer Wilden Frau an der Hand führend.

Gerade an der veränderten Darstellung der Wilden Frauen auf diesem Kästchen offenbart sich eine Veränderung der Wahrnehmung der Wilden Leute. In ihnen manifestiert sich ein romantisierender Aufruf zum Familiensinn und nicht, wie zuvor, eine Bedrohung der familiären Gemeinschaft durch Verführung des Mannes.

Die Aufteilung der Pflichten unter den Geschlechtern wird auf diesem Kästchen deutlich. Diese sind zwar klar unterschieden, die partnerschaftliche Ergänzung wird aber nicht zuletzt durch das Wilde Paar im Kampf mit einem Bären betont. Somit ist dieses Kästchen als ein Plädoyer für die Ehe zu sehen, die in bürgerlichen Kreisen, im Unterschied zur höfischen Ehe, durchaus mit sexuellen Annehmlichkeiten und hauptsächlich mit Familiengründung in Verbindung gebracht wurde anstatt mit politischem Kalkül wie dies bei der höfischen Ehe oft der Fall war.64 Folglich dient die Darstellung Wilder Leute in diesem Fall der Unterstreichung einer positiven Idee und kann nicht als Personifikation des Chaos verstanden werden. Vielmehr lässt das Verständnis neben der Konnotation des wilden Lebens im Wald auch eine idealisierende Vorstellung der Treue unter den Wilden Leuten zu, die geeignet war den Status der Ehe zu bekräftigen.

Ein weiteres eindeutiges Beispiel für das veränderte Verständnis der Wilden Leute findet sich in der Darstellung eben dieser bei der Landarbeit auf einem Basler Wandteppich aus dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts.65 Auf diesem werden, ebenfalls mit episodenhaftem Charakter, verschiedene Szenen des Getreideanbaus und der -ernte geschildert. Die Szenen werden von Spruchbändern kommentiert, von denen hier einige signifikante Beispiele wiedergegeben werden sollen. Hierbei werden die Übersetzungen aus der Arbeit Müllers benutzt.66

Zu Beginn sieht man zwei Wilde Männer beim Pflügen eines Feldes; der eine den Pflug führend, der andere auf einem Pferd reitend, die Zugtiere antreibend. Dies ist mit dem Satz „mit Arbeit muss auch Mühe sein, darum mein Pflug nicht soll müßig stehn“ kommentiert. Hinter dem Pflug sät eine Wilde Frau ein, und ein Mann setzt die Feldarbeit mit einer Egge fort. Im nächsten Teil erntet ein Wildes Paar das reife Korn, und ein Wilder Mann bringt es mit den Worten „mit Treue bringe ich das Korn, binde es, damit es nicht verloren geht“ zum Bündeln zu einem weiteren Akteur. Im folgenden holen mehrere Wilde Leute, eine Frau und zwei Männer, den Arbeitenden Essen und Getränke aus einer einfachen Hütte. Über dieser Szene befindet sich das Spruchband „ich will euch das Essen bringen, Untreue sollt ihr gegen mich vergessen“. In der Hütte bewacht ein weiterer Mann das Feuer. Im letzten Teil ist das Einbringen der Ernte durch Stapeln der Garben auf einem Pferdewagen abgebildet. Ein Wilder Mann hebt diese an, und ein Paar lagert sie auf dem Wagen. Auch diese Aktion ist kommentiert: „wir führen heim das Korn, Untreue ist ganz verloren“. Ein weitere Mann hält das Pferd am Zügel.

An dem weitestgehenden Fehlen von Bärten der Wilden Männer, nur zwei sind mit diesem Altersindikator abgebildet, zeigt sich, dass eine jugendliche Darstellung der Akteure bezweckt ist.67 Dies unterstreicht die geradezu kindliche Einfachheit, mit der das Bestellen der Felder hier geschildert ist. Die Wilden Leute scheinen eine einfache, freie Existenz zu genießen.68 Die organisierte Produktivität grenzt dieses Werk klar ab von den ungeordneten und unbeherrschten Eigenschaften die mit der mythischen Gestalt des Wilden Volkes verbunden wurden. Dem Charakter der Wilden Leute als Spiegelbild der menschlichen Gesellschaft wurde wie schon auf dem zuvor beschriebenen Kästchen die Form der Ausrüstung und Gerätschaften angepasst. Desweiteren ähnelt dieses Beispiel dem Vorherigen in seiner Hervorhebung der eheähnlichen Gemeinschaft von Wilden Männern und Frauen. Auffällig ist hier, wie sehr Treue anhand der Spruchbänder mit den Wilden Leuten in Verbindung gebracht wurde. Darüber hinaus wird die Wildheit offenbar in diesen Zusammenhängen als Ideal des steten Handelns gegenüber der unsteten Welt begriffen.69

Allerdings dürfte es sich bei diesem Werk nicht um eine Form von bäuerlichem Lebensentwurf handeln. Der ländliche Arbeitsalltag wird entgegen seiner realen Mühen ‚romantisiert‘ bzw. idealisiert abgebildet. Darüber hinaus sind keinerlei Anzeichen des Grund- bzw. Leibeigenensystems zu erkennen. Es handelt sich vielmehr um den Ausdruck sozialer Kritik an eben diesen ständischen Systemen70. Durch die ‚Romantisierung‘ ist ebenfalls ein Gegenentwurf zum städtischen Leben eingefasst, in dem sich ein Überdruss der dort lebenden Menschen an den Lebensumständen in den wachsenden Städten manifestierte.71 Die Landarbeit erschien dem Städter als konkurrenzlos in Bezug auf miteinander rivalisierende Händler und Handwerker im Gegensatz zu seiner Tätigkeit als Kaufmann o.ä. und wird der Bedrohung durch Missernten oder anderen Widrigkeiten entzogen.72 Aus diesem Primitivismus73 entsteht das Bild der Wilden Leute als arbeitsame, ‚edle‘ Wilde. Kombiniert mit dem Fehlen jeglichen Anzeichens für ein feudales System zeigt sich in diesem Wandteppich aber auch das neue Selbstbewusstsein der städtischen Bürger.

3.2.2 Parodien

Aus der beschriebenen Verwandlung des Bildes der Wilden Leute von „der Verkörperung des Bösen, des Verwerflichen, des Wilden [...] zu einem freundlichen Wesen, einem Spiegelbild des Menschen in seinem Alltag“ resultierte, dass sie „dann endlich zu Spott und Ironie, zu Parodie von allzu menschlichen Verhaltensweisen imstande ware[n]“74. In dieser Symbolik ist der Begriff der Wilden Leute schon fast nicht mehr als fiktional zu erkennen, da sein Charakter durch die Verwendung als Spottbild sehr verzerrt erscheint. Deutlich abgrenzen kann man ihn aber auf jeden Fall von dem des mythischen, mit bedrohlichen Bedeutungsinhalten belegten Verständnisses.

In den Parodien äußert sich entschiedene Kritik am feudalen System und seinen Vertretern. So zeigt z.B. ein Holzschnitt Israhel van Meckenems zwei Wilde Männer auf Pferden, gepanzert mit Rüstungen und Helmen aus Blättern mit Gemüse anstatt mit Wappen geschmückt, die sich gemäß dem ritterlichen Vorbild duellieren.75 Sie reiten jedoch nicht mit Lanzen gegeneinander, sondern mit ausgerissenen Ästen oder jungen Bäumen; die Blattrüstungen machen zwar einen pompösen Eindruck, lassen aber Füße und Hände absurder Weise ungeschützt. Da ebenfalls die Rüstungen der Reittiere aus Blättern bestehen, scheinen sowohl Rösser wie Reiter in ihrer Sicht eingeschränkt und runden das lächerliche Bild ab. Eine direkte Gegenüberstellung von Rittern und diesen parodierenden Wilden Männern ist in einem Meßbuch der Sammlung des Dukes of Northumberland zu finden.76 Hier werden zwei turnierenden Rittern auf der einen Seite der Rahmenleiste zwei Wilde Männer gegenüber gestellt. Diese reiten auf der Rahmenleiste statt auf einem Pferd, und fechten in einem Fall mit dem eigenen ausgerissenen Bein als Lanze und im anderen mit dem eigenen Kopf als Schild.

Diese Form der Parodie des ritterlichen Standes war im 14. und bis ins 16. Jahrhundert weit verbreitet.77 Da es sich im Mittelalter zumeist um Auftragskunst gehandelt hat, ist als Auftraggeber das aufstrebende Bürgertum der Städte zu nennen, das seinen Unmut über die immer noch privilegierte Position der feudalen Herren artikulierte. Die oben beschriebenen Werke können somit als repräsentativ für die Parodie von Idealen verstanden werden, die von der Bürgerlichkeit als überholt aufgefasst wurden und zum Teil schon im Niedergang begriffen waren wie beispielsweise das Rittertum. Hier soll aber nur kurz auf die Verwendung Wilder Leute als Parodie bestimmter Lebensumstände eingegangen werden. Damit zum einen die Entschärfung und Veränderung der Bedeutungsinhalte dieses Phänomens gezeigt wird - diese musste der Verwendung in belustigenden Konstellationen voraus gegangen sein - zum anderen, weil sich in der Verwendung als parodistisches Mittel eine Motivation verbirgt, die viele Darstellungen der Wilde Leute aus dieser Zeit prägt: der oben schon erwähnte Primitivismus, anhand dessen sich eine Form von Zivilisationsdepression zum Ende des Mittelalters erkennen lässt. Ermöglicht wurde das Mittel der Verwendung Wilder Leute zu Parodie und Belustigung aber erst durch die Verharmlosung dieser Gestalt und dem damit einher gehenden Verlust der Bedrohlichkeit. Somit erschließt sich hier ein Phänomen, dessen Ausprägung aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen einer Wandlung unterworfen ist. Die enge Verbundenheit einer mythischen Gestalt mit der gesellschaftlichen Ordnung der Gemeinschaft, die sie prägt, wird am Beispiel der Wilden Leute deutlich. Sie erlangten neue Bedeutungsinhalte und -ausprägungen als die Ordnung, in der sie entstanden waren, zerfiel.

3.2.3 Entstehen und Bedeutung der fiktionalen Auffassung

Im Rahmen der Ausweitung menschlicher Siedlungsräume im ausgehenden Mittelalter und der weitgehenden Christianisierung der Bevölkerung Mitteleuropas verlor die Vorstellung der in tiefen Wäldern lebenden, dämonischen Wilden Leute an Prägnanz. Der Glaube an diese dämonischen Gestalten wurde vor allem in der städtischen Oberschicht langsam verdrängt und durch den Wandel dieser Gestalten in eine realistisch aufgefasste primitive Gegenwelt aufgefangen. Mit dieser Entwicklung ging die Verschiebung der dieses Phänomen gestaltenden Bevölkerungsgruppe einher. War der Mythos des Wilden Volkes noch vom bäuerlichen Glauben an Naturdämonen geprägt, so wurde das hier als fiktiv beschrieben Element der Vorstellung vor allem von der städtischen wie auch ländlichen Oberschicht geformt.78

Die veränderte Sichtweise der Wilden Leute zeigt sich in ihrer Abbildung als Vertreter einer dem Menschen verwandten, jedoch unschuldigen, idealen Rasse, die in Harmonie untereinander und mit der Natur lebt. Sie gehen einfacher Arbeit nach und haben nicht mit den Widrigkeiten des Alltags zu kämpfen, sie sind unbelastet von dessen Verantwortung und Pflichten. Die Möglichkeit, die Wilden Leute in dieser Weise zu verstehen, resultiert aus dem zuvor beschrieben Verständnis ihrer Entfernung von Gott und der damit verbundenen Unkenntnis der Sünde. Wurde dies im Mittelalter noch als schreckliche Verdammnis gewertet, war es zum Ende dieser Epoche möglich, diese Unwissenheit als Befreiung zu empfinden und den Status der Wilden Leute zu Gott als primär unschuldig zu idealisieren.

Unter Berufung auf klassische Autoren wurden diese glorifizierten Wilden Leute zum Teil auch in einem Vorstadium des zeitgenössischen Menschen angesiedelt; hier zeigt sich eine Auslegung des Phänomens als ein archaischer, unverdorbener Vorfahr in einer vergangenen Zeit. Beiden Vorstellungen ist gemein, dass sie die Wilden Leute als in einer idealisierten Umwelt und mit einer eben solchen Lebensweise verstehen. Die Inhalte des Phänomens wurden komplexer. „The characteristic late medieval image of a free enlightened creature living in complete harmony with nature reflects not the mythic wild man as the embodiment of all men should eshew but, on the contrary, the wild man as a symbol of all that man should strive to achieve.“79 Die Veränderte Wahrnehmung der Wilden Leute und die Wandlung der rein mythischen Vorstellung in ein fiktives Konstrukt geschah somit im Rahmen der Aufklärung, deren Prinzipien ebenfalls einem mythischen Verständnis der Welt entgegentraten.

Beide oben beschriebenen Formen der Darstellung Wilder Leute in antiker Literatur fanden ihren Weg in die Vorstellungswelt des Mittelalters über die Rezeption der antiken Autoren und deren Verständnis von Wildheit, zumal selbst fiktive Texte der Antike im Mittelalter oft als historische oder geographische Berichte gewertet wurden.80 Bernheimer fand Spuren idealisierender Darstellungen dieses „Golden Age“ bei Virgil in römischer und bei Hesiod in griechischer Ausprägung.81 Die beschriebenen Wilden Leute sind ebenso primitivistisch beschrieben wie ihre mittelalterlichen Verwandten und werden unter Verweis auf die Simplizität ihrer Lebensweise glorifiziert. Ihre Darstellung dient schon in der Antike zur Kreation einer idealisierten Gegenwelt zu der zu kritisierenden realen Zivilisation. Die antiken Autoren siedelten dieses „Golden Age“ der Menschheit in ferner Vergangenheit an.82

Da die Vorstellung der Wilden Leute in einem fernen Zeitalter aber im Mittelalter mit der christliche Doktrin von Adam und Eva in Konflikt trat, wurden die Darstellungen von harmonischer Existenz des Wilden Volkes oft in ein entferntes, unbekanntes Land transferiert.83 Auch für dieses Verständnis finden sich klassische Vorbilder. So wurden beispielsweise die Äthiopier sowohl von Homer wie auch später von Agatharchides als ein edles, von Luxus nicht verdorbenes Volk erwähnt; bei Homer wird ihnen sogar eine besondere Form der Gastfreundschaft gegenüber den Göttern eingeräumt.84 Die Veränderung der Bedeutungsinhalte der Wilden Leute zu einer eher positiven bis idealisierenden Auslegung geschah im Rahmen einer generellen Wiederbelebung klassischer Kultur und humanistischer Ideale.85

In der fiktiven Auffassung und Verwendung der Wilden Leute treten demnach zwei sehr gegensätzliche Motive zu Tage. Zum einen entlädt sich in den beschriebenen Parodien die Kritik und der Unmut der entstehenden, urbanen Bürgerschaft gegenüber dem feudalen System; gleichzeitig zeigen sich in der Darstellung idyllischer Szenen der Familie und vor allem des Landlebens jedoch auch erste Anzeichen einer entstehenden Frustration über die Lebenssituation in der Stadt. In ähnlicher Weise äußern sich auch Existenzängste einer adligen Oberschicht, die ihre Position durch das aufkommende Städtewesen, und in diesem das Zunftwesen, bedroht sah und in den Wilden Leuten eine Möglichkeit fand, eine Gegenwelt zu der eigenen, bedrohlich gewordenen zu entwerfen. Hieraus lässt sich auch das Nebeneinander von deutlich die feudalen Prinzipien untermauernden Minnedarstellungen und primitivistisch geprägten Darstellungen der harmonischen Existenz der Wilden Leute erklären.

4. Schlussbetrachtung

In den aufgezeigten Bedeutungsinhalten und Darstellungsformen der Wilden Leute im Mittelalter zeigt sich eine große Vielschichtigkeit der Zustände und Charakteristika, die mit diesem Phänomen im Laufe der Zeit in Verbindung gebracht wurden. Grenzen sich die Konnotationen dieser Gestalt in ihrer mythischen Ausprägung auch stark von denen der hier fiktiv bezeichneten Form ab, so drücken sich in ihnen doch ähnliche Sorgen und Wünsche nach dem Ablegen von durch die Gesellschaft gesetzten Grenzen und Zwängen aus. Beide kann man als eine „projection of a vision of human fulfillment and the obstacles that stand in the way of that fulfillment“ verstehen.86 Durch die Darstellung extremer Möglichkeiten seiner Existenz oder seines Handelns war der mittelalterliche Mensch im Angesicht von Darstellungen Wilder Leute gezwungen, die eigene Position zu reflektieren und in Bezug zu dem Dargestellten zu stellen. Hiermit wurde im Falle des mythischen Verständnisses eine Stabilisierung der gesellschaftlichen Strukturen beabsichtigt und in der fiktiven Verwendung die etablierten Konstruktionen in Frage gestellt. Es war demnach möglich, völlig verschiedene Absichten anhand ein und derselben Gestalt abzubilden. Dies lässt sich zudem in einem relativ knapp umrissenen Zeitrahmen nebeneinander stellen, da die beschriebenen Minnedarstellungen, die aufgrund der die Wilden Leute umgebenden Fabeltiere eindeutig der mythischen Welt zu zurechnen sind, und Teppiche in einem kurzen zeitlichen Abstand entstanden sind.

Die gegen Ende des Mittelalters zu beobachtende parallele Existenz dieser beiden recht gegensätzlichen Bedeutungsinhalte ermöglichte es, dass anhand der Wilden Leute sowohl eine degradierte wie auch die idealisierte Form des Menschen oder der menschlichen Gesellschaft beschrieben werden konnte. Zudem schwingt bei der jeweiligen Darstellung aufgrund des Bewusstseins der gegenteiligen Konnotationen immer auch der andersartige Charakter des Wilden Volkes mit und ermöglicht so die Beschreibung von Übergangsstadien und Zwischenexistenzen; dies wäre, wie schon erwähnt, an einer klar umrissenen Vorstellung im Mittelalter nicht möglich gewesen. Die Popularität und vielartige Verwendung der Wilden Leute lässt sich demnach auch gerade auf ihre von Bernheimer so treffend mit ‚connotations‘ beschriebene, vielfältige, widerspruchsreiche und schwer zu fassende Eigenschaft als Sinnbild und Personifizierung sehr menschlicher Emotionen zurückführen.

5. Quellen und Literaturverzeichnis:

Quellen:

Hessler, Heinrich von, Apokalipsis, ca. 1300, in: Helm, Karl (Hg.), Deutsche Texte des Mittelalters, Bd. 8, Berlin 1907.

Minnekästchen:

Abb. 1: „Sieg eines Wilden Mannes über einen Ritter“, Rheinland, 14. Jh., Kunstgewerbe Museum Köln, A. 318, in: Bernheimer, Wild Men, fig. 32.

Abb. 2: „Sieg eines Ritters über einen Wilden Mann“, Rheinland, 14. Jh., Kunstgewerbe Museum Köln, in: Bernheimer, Wild Men, fig. 31.

Abb. 3: „Szenen des Wilden Volkes“, Rheinland, ca 1460 - 1470, Kunsthistorisches Museum Wien, PS no. 118, in: Husband, Wild Man, fig. 67,68,69.

Tapisserien:

Abb. 4: Wandteppich, Elsass (Strassbourg?), ca. 1400, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, 3807, in: Husband, Wild Man, fig. 43 und 44.

Abb. 5: Wandteppich, Basel, ca. 1480, Österreichisches Museum für angewandte Kunst, T 4940, in: Husband, The Wild Man, fig. 77.

Andere:

Abb. 6: Holzschnitt von Israhel von Meckenem, Bocholt, ca. 1480, The Art Institute of Chicago, 22.348, in: Husband, Wild Man, fig. 87.

Abb. 7: The Sherborne Missale, Alnwick Castle, Duke of Northumberland, S. 206, in: Wilckens, Wilden Leute, Abb. 10.

Literatur:

Bausinger, Hermann, Besprechung von Bernheimer - Wild Men in the Middle Ages, in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Bd. NF 8 (1954), S.174 - 176.

Bernheimer, Richard, Wild Men in the Middle Ages. A study in Art, Sentiment and Demonology, Cambridge 1952.

Grimm, Jacob / Grimm, Wilhelm, s.v. wild, in: Grimm, Jacob / Grimm, Wilhelm (Hg.) Deutsches Wörterbuch, Bd. 14, 2. Leipzig 1960.

Husband, Timothy (Hg.), The Wild Man. Medieval Myth and Symbolism (Ausstellungskatalog), New York 1980.

Müller, Christian, Studien zur Darstellung und Funktion „wilder Natur“ in deutschen Minnedarstellungen des 15. Jahrhunderts, Diss. Tübingen 1982.

White, Hayden, The Forms of Wildness: Archaeology of an Idea, in: Dudley, Edward / Novak, Maximillian E. (Hg.), The Wild Man Within. An Image in Western Thought from the Renaissance to Romanticism, Pittsburgh 1972

Wilckens, Leonie von, Das Mittelalter und die >Wilden Leute<, in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst, Dritte Folge Bd. 45 (1994), S. 65 - 82.

[...]


1 Bernheimer, Richard, Wild Men in the Middle Ages. A study in Art, Sentiment and Demonology, Cambridge 1952.

2 Wilckens, Leonie von, Das Mittelalter und die >Wilden Leute<, in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst, Dritte Folge Bd. 45 (1994), S. 66.

3 Bausinger, Hermann, Besprechung von Bernheimer - Wild Men in the Middle Ages, in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Bd. NF 8 (1954), S.174.

4 White, Hayden, The Forms of Wildness: Archaeology of an Idea, in: Dudley, Edward / Novak, Maximillian E. (Hg.), The Wild Man Within. An Image in Western Thought from the Renaissance to Romanticism, Pittsburgh 1972, S. 31f.

5 Ebenda, S. 10.

6 Grimm, Jacob / Grimm, Wilhelm, s.v. wild, in: Grimm, Jacob / Grimm, Wilhelm (Hg.)

Deutsches Wörterbuch, Bd. 14, 2. Leipzig 1960, Sp. 8 - 35.

7 Bernheimer, Wild Men, S. 12.

8 Wilckens, Wilden Leute, S. 71.

9 Müller, Christian, Studien zur Darstellung und Funktion „wilder Natur“ in deutschen

Minnedarstellungen des 15. Jahrhunderts, Diss. Tübingen 1982, S. 9.

10 White, Forms of Wildness, S. 13.

11 Ebenda, S. 22.

12 Ebenda, S. 18. White beruft sich hier auf eine Aussage von Augustinus, „that these [the Wild Men] should not be denied possession of essential humanity“, macht aber keinerlei Angaben über die Herkunft dieses Zitats.

13 Müller, Minnedarstellungen, S. 9.

14 Bernheimer, Wild Men, S. 5.

15 White, Forms of Wildness, S. 19.

16 Ebenda.

17 Ebenda, S. 18.

18 „Werden sulle, daz sie genesen, Oder sie suln verlorn wesen, Oder mit dem tuvele hin gen, Daz muz an Gotes gnaden sten.“, Heinrich von Hessler, Apokalipsis, ca. 1300, Verse 20071 - 20074.

19 Bernheimer, Wild Men, S. 2.

20 Ebenda, S. 1.

21 Müller, Minnedarstellungen, S. 9.

22 Ebenda, S. 10. Neben Bernheimer behandeln in ähnlicher Weise auch von der Leyen und Spamer in ihrer Arbeit dieses Thema: Leyen, Friedrich von der / Spamer, Adolf, Die altdeutschen Wandteppiche im Regensburger Rathause, in: Dies., Das Rathaus zu Regensburg, Regensburg 1910, S. 71 - 118.

23 Husband, Timothy (Hg.), The Wild Man. Medieval Myth and Symbolism (Ausstellungskatalog), New York 1980., S. 17.

24 White, Forms of Wildness, S. 10.

25 Wilckens, Wilden Leute, S. 66.

26 Bernheimer, Wild Men, S. 22.

27 Husband, Wild Man, S. 2.

28 Bernheimer, Wild Men, S. 22.

29 Husband, Wild Man, S. 4.

30 Ebenda, S. 3f.

31 Bernheimer, Wild Men, S. 22.

32 Ebenda, S. 24f.

33 Ebenda, S. 44.

34 Ebenda, S. 121.

35 Abb. 1, Minnekästchen, Rheinland, 14. Jahrhundert, in: Bernheimer, Wild Men, fig. 32.

36 Müller, Minnedarstellungen, S. 15

37 Ebenda.

38 Abb. 2, Minnekästchen, Rheinland, 14. Jahrhundert, in: Bernheimer, Wild Men, fig. 31.

39 Ebenda, S. 123f.

40 Ebenda.

41 Müller, Minnedarstellungen, S. 14.

42 Ebenda, S. 18.

43 Abb. 4, Wandteppich, Elsass (Strassbourg?), ca. 1400, in : Husband, The Wild Man, fig. 43, 44.

44 Müller, Minnedarstellungen, S. 23.

45 Ebenda.

46 Ebenda, S. 24.

47 Bernheimer, Wild Men, S. 33.

48 Ebenda, S. 34.

49 Ebenda, S. 36.

50 Ebenda, S. 38.

51 Ebenda, S. 39.

52 Husband, Wild Man, S. 5.

53 White, Forms of Wildness, S. 30.

54 Husband, Wild Man, S. 5.

55 White, Forms of Wildness, S. 10.

56 Ebenda, S. 22.

57 Wilckens, Wilden Leute, S. 72.

58 White, Forms of Wildness, S. 22. .

59 Ebenda.

60 Husband, Wild Man, S. 15.

61 Wilckens, Wilden Leute, S. 74.

62 Abb. 3, Minnekästchen, Rheinland, ca. 1460 - 1470, in: Husband, Wild Man, fig. 67,68,69.

63 Husband, Wild Man, S. 114.

64 Ebenda.

65 Abb. 5, Wandteppich, Basel, ca. 1480, in : Husband, Wild Man, fig. 77.

66 Müller, Minnedarstellungen, S. 44f.

67 Müller, Minnedarstellungen, S. 39.

68 Husband, Wild Man, S. 125.

69 Müller, Minnedarstellungen, S. 79.

70 Ebenda, S. 49.

71 Husband, Wild Man, S. 15.

72 Müller, Minnedarstellungen, S. 44.

73 White, Forms of Wildness, S. 25.

74 Wilckens, Wilden Leute, S. 74.

75 Abb. 6, Holzschnitt v. Israhel von Meckenem, ca. 1480, in: Husband, Wild Man, fig. 87.

76 Abb. 7, The Sherborne Missale, Alnwick Castle, Duke of Northumberland, S. 206, in: Wilckens, Wilden Leute, Abb. 10.

77 Husband, Wild Man, S. 138.

78 Zwar stammen die zuvor besprochenen Darstellungen auf Minnekästchen und Wandteppichen aus einem höfischen bzw. adligen Umfeld, die Gestalt der Wilden Leute und ihre Konnotationen in der mythischen Auffassung stammen aber klar aus dem bäuerlichen Heidentum (Bernheimer bringt hier mannigfaltige Beispiele aus Karnevalsspielen oder „Wilden Männer - Tänzen“) wohingegen in dem beschriebenen fiktiven Verständnis eine Ausprägung durch die Oberschicht zu finden ist. Dies zeigt sich in der Art in der sich Darstellungen dieses Elements fast ausschliesslich auf Teppichen, Minnekästchen und ähnlichen Gegenständen des eher oberschichtlichen Gebrauches finden.

79 Husband, Wild Man, S. 13.

80 White, Forms of Wildness, S. 22f.

81 Bernheimer, Wild Men, S. 103.

82 Ebenda, S. 105.

83 Ebenda, S. 106.

84 Ebenda.

85 White, Forms of Wildness, S. 23.

86 Ebenda, S. 30.

25 von 26 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Wilden Leute im Mittelalter
Hochschule
Universität Bielefeld
Autor
Jahr
2001
Seiten
26
Katalognummer
V104697
ISBN (eBook)
9783640030071
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Wilden, Leute, Mittelalter
Arbeit zitieren
Stefan Bradt (Autor:in), 2001, Die Bedeutung der Wilden Leute im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104697

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