Die Anfänge der Zeitung - Eine Analyse des Zeitungswesen in München im 16. und 17. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des Postboten


Hausarbeit, 2002
13 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Was ist eine Zeitung und wie sehen die Anfänge der Zeitung aus?
II.1. Zeitung heute
II.2. Geschichte der Zeitung
II.3. Zeitung-Postwesen

III. Das Münchener Zeitungswesen
III.1. Zeitungsbriefe und Briefzeitungen
III.2. Von der gedruckten Gelegenheitszeitung zur periodischen Presse
III.3. Periodische Presse

IV. Ausgabe Nr. 51 des „Postboten“
IV.1. Beschreibung der Quelle
IV.2. Inhaltliche Untersuchung
IV.3. Auswertung des Artikels

V. Fazit

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

I. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit „Die Anfänge der Zeitung- Eine Analyse des Zeitungswesen in München im 16. und 17. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des ,Postboten‘ “ möchte ich versuchen darzustellen, was die Charakteristika der ersten Zeitungen waren.

Dazu möchte ich dem Leser zunächst einen Überblick über die „Entstehungs-geschichte“ der ersten Zeitungen verschaffen und erläutern was wir heute unter einer Zeitung verstehen. Weiterhin werde ich einen Überblick über das besondere Verhältnis zwischen dem Zeitungs- und Postwesen geben (II.).

Im Anschluss daran möchte ich am konkreten Beispiel der Anfänge des Zeitungswesens in München die Merkmale einer „frühen“ Zeitung deutlich machen (III.). Hierdurch soll dem Leser die Möglichkeit gegeben werden, sich anhand Münchens, auch wenn sich München nicht wie seine Nachbarstadt Augsburg eine Zeitungsmetropole nennen konnte, eine Vorstellung zu machen, wie die Zeitungen Schritt für Schritt Einzug in das Leben der Menschen erhalten haben.

Hierbei werde ich abschließend einen Bericht des „Postboten“ von 1628 exemplarisch genauer untersuchen (IV).

Zuletzt werde ich in einem Fazit meine Erkenntnisse nochmals zusammenfassen (V.)

II. Was ist eine Zeitung und wie sehen die Anfänge der Zeitung aus?

II.1. Zeitung heute

„Unter einer „Zeitung“ verstehen wir im Sprachgebrauch des modernen Alltags eine jedermann zugängliche, in kurzen Zeitabständen regelmäßig erscheinende Druckschrift, die eine Zusammenstellung des „Neuesten“ aus allen Gebieten des täglichen Lebens bringt.“[1] Im Lexikon findet man den folgenden Eintrag:

„Zeitung, üblicherweise werktägliche oder täglich („Tages-Z.“) erscheinende Druckschrift; enthält Nachrichten u. Berichte über (aktuelle) Neuigkeiten aus aller Welt u. aus nahezu allen Lebensbereichen...“[2]

Eine Zeitung ist also ein regelmäßig, meistens täglich erscheinendes Druckerzeugnis mit Nachrichten. Diese Nachrichten sind zumeist Informationen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport.

Vier Merkmale zeichnen eine Zeitung aus: Publizität, Universalität, Periodizität und Aktualität. Publizität ist die Zugänglichkeit der Öffentlichkeit zu Informationen, Universalität die umfassende Information, Periodizität die “periodisch wiederkehrende“ (also regelmäßige) Information, und Aktualität die unmittelbare Information.[3]

Doch was unterscheidet die heutigen Zeitungen mit den allerersten Zeitungen und was für Gemeinsamkeiten gibt es? Hierzu ist es sinnvoll, sich mit der „Entstehungsgeschichte der Zeitung“ auseinanderzusetzen.

II.2. Geschichte der Zeitung

Noch vor der Erfindung des Buchdrucks, nämlich bei den handgeschriebenen, regelmäßig verfassten Korrespondentenberichten, die jede Woche auf der Postlinie zwischen Rom oder Venedig und Brüssel bzw. Antwerpen liefen, ist der Ursprung der periodischen Presse zu suchen. Dabei handelte es sich um Sammlungen regelmäßiger Zeitungsbriefe (z.B. die sogenannten „Fugger-Zeitungen“, 1568-1605) von privaten Korrespondenten, die u.a. das Fuggerische Handelshaus über Neuigkeiten informierten.[4] Diese Zeitungsschreiber, auch Novellanten genannt, konnten, da per Hand geschrieben, pro Woche nicht mehr als 15-20 Zeitungen versenden. Der Leserkreis der ersten Zeitungen, die avvisi oder Neuen Zeitungen hießen, beschränkte sich daher nur auf wohlhabende und einflussreiche Personen, wie der Kaiser, Herzöge oder Kaufleute wie die Fugger.[5]

In Köln wurden seit den 1580er Jahren halbjährlich die “Meßrelationen“ von einem Verfasser Namens Michael von Aitzinger veröffentlicht, wobei es sich um Bücher handelte, die die Neuigkeiten der letzten Wochen und Monate beinhalteten.[6] Ähnlich wie andere Druckschriften des 16. Jahrhunderts handelte es sich bei Aitzingers Schriftwerken um unkommentierte Schriften, die lediglich das Geschehene referierten. So stellten die „Meßrelationen“ eine weitgehend unparteiliche Betrachtung der Geschehnisse dar.[7]

Wenn überhaupt eines der vier Merkmale einer Zeitung bis zu diesem Zeitpunkt erreicht worden ist (s.S.2), dann nur das der Universalität, und dies, verglichen mit den Ansprüchen von heute, auch nicht ausreichend. Gesammelte und in schneller Folge als Druckschrift veröffentlichte Nachrichten, die unserem heutigen Zeitungsbegriff am ehesten nahekommen, gibt es seit 1609: „Relation“ (Straßburg) und „Aviso“ (Wolfenbüttel). Als erste Tageszeitungen erschienen die „Einkommenden Zeitungen“ 6 Tage in der Woche in Leipzig.[8]

Ausgelöst durch die Verbreitung des Buchdrucks, wodurch die Zeitungsauflagen enorm gesteigert werden konnten (Publizität) und der Stückpreis sank, etablierten sich die Zeitungen zunehmend in großen Teilen der Bevölkerung. Mit Einkunft der Post konnten so seit 1605 in Antwerpen und 1609 in Straßburg (s.o.) und Augsburg die neuesten Nachrichten gedruckt werden (Amsterdam,Frankfurt (1615), Hamburg (1618), Danzig (1619), Köln (1620).

Aufgrund des Dreißigjährigen Krieges war der Bedarf und das Interesse an Nachrichten von Krieg und Politik zu Beginn des 17. Jahrhunderts ausserordentlich hoch, so dass es zu einer erhöhten Erscheinungsequenz kam (Periodizität). Das letzte Merkmal, das der Aktualität, konnte ebenfalls verbessert werden: Beispielsweise konnte die Nachricht des Frieden von Breda zwischen England und den Niederlanden (1667) in der Amsterdamer Zeitung in einer für damalige Verhältnisse kurzen Zeit veröffentlicht werden: z.B. 30 Tage Übermittlungsdauer von Neapel oder Madrid nach Amsterdam, 20 von Venedig, und 6 Tage von Paris, London, oder Hamburg.[9]

Durch die nun für jeden zugänglichen Zeitungen wurde das Interesse an das Weltgeschehen mehr und mehr geweckt. Man wollte wissen, was in der Welt geschieht, und hatte nun erstmals die Möglichkeit, das Wichtigste in regelmäßigen Abständen zu erfahren. Die Zeitung gewann an Attraktivität und war nicht mehr fort- zudenken. Es äußerte sich der Philologe Kaspar Stieler am Ende des 17. Jh. über das Zeitungswesen wie folgt:

„Das meiste jedoch ist, daß ich die Welt und ihren Zustand daraus erforsche,

die viele Ratschläge, deren Fort- und Ausgang zur Wissenschaft bringe, und

dadurch im Reden und Urteilen klüger und geschickter werde. Was kommen

dar nicht vor listige Stats-Ränke, und verschmitzte Stellungen an den Tag?

Daß auch die beste Statisten täglich in den Zeitungen etwas zu merken und

nachzudenken antreffen. Wo jener bekannte Hofmann recht geredet hat:

Reisen sey der politischen Leute Filosofieren, so ist wol mit besserm Recht

zu bejahen, daß Zeitungen lesen nicht weniger dergleichen Wirkung habe,

indem man dabey auf allerhand Zeug zu reden und zu gedenken kommet,

und wegen der Mannigfaltigkeit der sachen darüber nicht müde wird.“[10]

[...]


[1] Freiberger,Maria: Die Anfänge der Zeitung in München (bis zur Entstehung der periodischen Presse 1627/32), München 1962, S. 7

[2] Bertelsmann Universal Lexikon in 20 Bänden, Band 20, Gütersloh 1990, S. 94

[3] North, Michael: Medien und Kommunikation in der Frühen Neuzeit, in: Elkar, R.S., Neutsch, C., Roth, K.J. und Schawacht, J.H. (Hrsg.) „Vom rechten Maß der Dinge“, Festschrift für Harald Witthöft zum 65. Geburtstag, 2. Teilband, St. Katharinen 1996, S. 685

[4] Behringer, Wolfgang,: Veränderung der Raum-Zeit-Relation, Zur Bedeutung des Zeitungs und Nachrichtenwesens während der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs, in: Krusenstjern, B. von und Medick, H. (Hrsg.), Zwischen Alltag und Katastrophe, Der Dreißigjährige Krieg aus der Nähe, Göttingen 1999, S. 40

[5] Vgl. North, Medien und Kommunikation in der Frühen Neuzeit, S.685

[6] Bender, Klaus: Relationes Historicae, Ein Bestandsverzeichnis der deutschen Meßrelationen von 1583 bis 1648, Berlin usw. 1994; zitiert nach Behringer, Veränderung der Raum-Zeit-Relation, S. 45

[7] Vgl. Freiberger, Die Anfänger der Zeitung, S. 20

[8] Vgl. Bertelsmann Universal Lexicon, S. 97

[9] Vgl. North, Medien und Kommunikation in der Frühen Neuzeit, S.685-686

[10] Hagelweide, G.: Zeitungs Lust und Nutz oder: derer so genannten Novellen oder Zeitungen Wirckende Ergetzlichkeit... Ndr. der Originalausgabe, Bremen 1969, S. 42-46; zitiert nach North, Medien und Kommunikation in der Frühen Neuzeit, S. 688

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Anfänge der Zeitung - Eine Analyse des Zeitungswesen in München im 16. und 17. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des Postboten
Hochschule
Universität Bielefeld  (Geschichtswissenschaft und Philosophie)
Veranstaltung
Die Kommunikationsrevolution in der Frühen Neuzeit
Note
2,3
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V10477
ISBN (eBook)
9783638168885
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anfänge, Zeitung, Eine, Analyse, Zeitungswesen, München, Jahrhundert, Berücksichtigung, Postboten, Kommunikationsrevolution, Frühen, Neuzeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2002, Die Anfänge der Zeitung - Eine Analyse des Zeitungswesen in München im 16. und 17. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des Postboten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10477

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