Die Interaktion zwischen Wissen und dem wirtschaftlichen Erfolg eines Landes


Hausarbeit, 2001

63 Seiten, Note: n.a.


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Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 VORBEMERKUNGEN

2 WAS IST WISSEN, UND WIE IST ES ZU BEWERTEN
2.1 DIE ENTSTEHUNG VON WISSEN
2.2 DIE ARTEN VON WISSEN
2.3 DIE BAUSTEINE DES WISSENS
2.4 VERGLEICHENDER ANSATZ ZWISCHEN DEN SYSTEMEN
2.5 VERGLEICH ZUM WISSENSMANAGEMENT IN UNTERNEHMEN

3 EINORDNUNG DES FAKTORS WISSEN IN DIE PRODUKTIONSFUNKTION
3.1 EINORDNUNG IN DIE PRODUKTIONSFUNKTION
3.2 DER ZUSAMMENHANG MIT DEM WACHSTUM

4 EINORDNUNG DES FAKTORS WISSEN IN VOLKSWIRTSCHAFTLICHE GESAMTRECHNUNG
4.1 WAS IST DIE VOLKSWIRTSCHAFTLICHE GESAMTRECHNUNG
4.2 DIE KREISLAUFANALYSE
4.3 WO KANN DIE WIRKUNG DES FAKTORS WISSEN NUN GESEHEN WERDEN?

5 UNTERSCHIEDE IM WISSEN UND DEREN ABBAU
5.1 GLOBAL ABBAU VON WISSENS UND SOMIT WOHLFAHRTSGEFÄLLEN
5.2 NATIONALER ABBAU VON WISSENS UND SOMIT WOHLFAHRTSGEFÄLLE

6 INFORMATION ALS EIN TEIL DES WISSENS UND ABBAU VON INFORMATIONSPROBLEMEN

7 DER STAAT ALS NATIONALER WISSENSMANAGER
7.1 WISSENSVERTEILER
7.2 SCHAFFUNG VON GRUNDLAGEN
7.3 WISSENSVERWALTER

8 RELATION ZWISCHEN DEM ERFOLG UND DEM WISSEN EINES LANDES
8.1 DAS BALANCED SCORE CARD SYSTEM
8.1.1 Die Finanzperpektive
8.1.2 Die Prozessperspektive
8.1.3 Die Kundenperspektive
8.1.4 Die Lernen und Wissensperspektive
8.2 DARSTELLUNG DER RELATION ZWISCHEN DEM ERFOLG UND DEM WISSEN MIT DER BSC

9 ABSCHLIEßENDE STELLUNGNAHME

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Das Kontinuum von Daten, Informationen zum Wissen

Abbildung 2 : Die Zusammenhänge zwischen den Wissenskategorien

Abbildung 3 : Die Bausteine des Wissensmanagement

Abbildung 4 : Die Hauptprozesse des Wissensmanagements

Abbildung 5 : Wettbewerbsvorteile durch Business Intelligence

Abbildung 6 : Die Produktionsfunktion

Abbildung 7 : Auswirkungen des technischen Fortschritts auf die PF

Abbildung 8 : Die Bestimmungsgründe des Wachstums

Abbildung 9 : Gründe für erhöht Arbeitsproduktivität

Abbildung 10 : Entwicklung des Sozialprodukts, der Erwerbstätigen, der Arbeitszeit, der Arbeitsproduktivität und des Realeinkommens in der BRD von 1950 bis 1990

Abbildung 11 : Varianten volkswirtschaftlicher Netto-Produktionsmaße

Abbildung 12 : Kreislaufbild der ökonomischen Aktivität einer Volkswirtschaft

Abbildung 13: F&E Ausgaben und BIP pro Kopf

Abbildung 14 : Vom divergenten zum konvergenten System

Abbildung 15 : Barrieren beim Wissensmanagement

Abbildung 16 : Die Todesspirale einer Wissensbasis

Abbildung 17 : internationaler Vergleich der Bildungsausgaben

Abbildung 18 : Wissensmatrix

Abbildung 19 : klassische Darstellung des BSC-Modell, nach Kaplan/Norton

Abbildung 20 : Erweiterte Darstellung des BSC-Modells

Abbildung 21 : Die Prozess-Wert-Kette der internen Perspektive

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Vorbemerkungen

In der hier vorliegenden Arbeit soll untersucht werden in wie weit ein Zusammenhang zwischen dem Wissen eines Landes, respektive einer Volkwirtschaft, und dessen/deren wirtschaftlichem Erfolg vorliegt, und in wie weit dieses nicht nur als eine Einbahnstraße, sondern als eine Interaktion zu sehen ist. Es sind durch die Aufgabenstellung bedingt also verschiedene Sichtweisen und Aspekte zu berücksichtigen.

Zuerst einmal werde ich versuchen zu klären was Wissen überhaupt ist und wie es zu bewerten ist. Ist diese Grundvoraussetzung erst einmal definiert muss logischerweise überlegt werden, ob Wissen ein Faktor für eine Volkswirtschaft ist. Wenn es ein Faktor ist, dann muss der Faktor Wissen folgerichtig in die Produktionsfunktion eingefügt werden und die Auswirkungen dieses Faktors auf diese dargestellt werden.

Im Anschluss hieran werde ich dann die den Punkt hinterfragen, ob und wie groß der Einfluss von Wissen auf die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ist. Wenn diese Schritte abgehandelt sind, wird es ein weiteres Ziel dieser Arbeit sein sich mit Wissen selbst zu beschäftigen. Hierbei möchte ich auf die Unterschiede im Wissen und deren Abbau eingehen.

Dieses führt zu der Fragestellung in wie weit man die Informationsprobleme, welche zur Störung des Informationsflusses führen u.U. abbauen kann.

Nach Klärung dieser Fragestellung ist die Frage nach der Rolle des Staates hierbei zu stellen. In wie weit hat er Einfluss? In wie weit muss oder sollte er Einfluss nehmen? Wie ist seine Rolle hierbei definiert. Kann er eine Art Volkswirtschaftlicher Wissensmanager sein?

Schließlich und endlich möchte ich die Relation zwischen dem Erfolg und dem Wissen eines Landes herausarbeiten. Dieses soll in Anlehnung an moderne betriebswirtschaftliche Konzepte stattfinden, hierbei speziell das Konzept der Balanced Scorecard (BSC).

2 Was ist Wissen, und wie ist es zu bewerten

Unter diesem Punkt möchte ich die Teilbereiche Entstehung, Arten und Bausteine des Wissens definieren sowie einen vergleichenden Ansatz zwischen den Systemen vornehmen. Abschließend werde ich noch einen Vergleich zum Wissensmanagement in Unternehmen ziehen.

2.1 Die Entstehung von Wissen

Um diese Frage zu beantworten möchte ich auf die Entstehung von Wissen eingehen.

Hierzu zunächst einmal ein bei Probst/Romhardt gefundener Ansatz. Hierbei wird von einer Entwicklung ausgegangen, welche von Daten über Informationen schließlich und endlich zu Wissen führt. Hierzu fand ich folgende Darstellung welche diesen Prozess in meinen Augen recht klar darstellt:1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Das Kontinuum von Daten, Informationen zum Wissen

Wir gehen also von einer Menge x an Daten aus. Diese Daten sind zwar verfügbar aber noch in keinerlei Zusammenhang. Sie sind nicht sortiert und können somit auch nur einzeln also nur Bruchstückhaft abgerufen werden. Es somit auch nicht gewährleistet, dass ein vorhandenes Datum auch nur Ansatzweise bei einer Problemlösung oder dem Verständnis eines Problems behilflich sein kann.

Um aus diesem Datenuniversum Informationen zu erhalten, müssen diese erst einmal nach einem oder mehreren Schemata sortiert werden. Es muss sozusagen eine Indizierung vorgenommen werden. Hierdurch können erste Grundzusammenhänge erkannt werden. In diesem Stadium findet aber noch keine Bewertung und kein Abgleich statt.

Hat man nun aus diesen Daten abrufbare Informationen gemacht, kommt man zu dem Schritt aus den Informationen Wissen zu erstellen, zu filtern. Hierbei werden die Informationen in einen Zusammenhang zueinander gebracht, es wird eine Struktur aufgesetzt und es erfolgt ein Abgleich der Informationen inkl. Bewertung. Dieses Wissen kann dann für die Entscheidungsfindung und/oder für die Entwicklung von neuem Wissen, welches häufig auch aus der Analyse und Kombination von vorhandenem Wissen entsteht, verwand werden. Es ist nun in seinem Zusammenhang und im ganzen Verfügbar, inkl. der Querverbindungen.

2.2 Die Arten von Wissen

Auch muss man bei dem Begriff Wissen in verschiedene Arten von Wissen differenzieren. Grundsätzlich kann Wissen in folgende Teilbereiche differenziert werden:

- Wissen um Technik (im originären Sinne wie z.B. wie wird etwas hergestellt, aus welchen Komponenten besteht etwas)
- Wissen um Abläufe respektive Prozesse
- Wissen über Ethik
- Wissen über Kultur

Hierbei sollte gleichzeitig die Frage gestellt werden, ob es zwischen den o.g. Kategorien direkte oder indirekte Zusammenhänge gibt oder ob die o.g. Kategorien unabhängig von einander sind.

Um einen Gesamtzusammenhang darzustellen reicht es völlig aus das die verschiedenen Kategorien Abhängigkeiten aufweisen oder eine Kategorie auch nur indirekt stärker respektive schneller/effektiver gesteigert werden kann wenn eine der anderen Kategorien gestärkt wird. Es muss nicht notwendigerweise jede Kategorie mit jeder verbunden sein.

Als zentrale Aufhänger für den wirtschaftlichen Erfolg sind prinzipiell und direkt die Kategorie Technik und Prozesse zu sehen, da diese bei besserer Beherrschung einen ökonomischen Vorteil bedeuten. Die beiden anderen Kategorien, Ethik und Kultur, sind demzufolge als begleitende und unterstützende Faktoren zu sehen. Dieses soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ohne diese beiden Faktoren die Hauptfaktoren ungemein schwieriger zu erreichen sind. Es muss aber auch gleichzeitig darauf geachtet werden, dass das Wissen nicht nur vorhanden ist, sonder auch auf breiter Ebene umgesetzt wird. Brachliegendes Wissen ist genauso wenig wert wie nichtvorhandenes.

Dieses kann durch folgende Abbildung veranschaulicht werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Die Zusammenhänge zwischen den Wissenskategorien

Einmal an dem Punkt angelangt Wissen vorliegen zu haben, muss man sich nun auch Gedanken um „Verwaltung“, also das Management dieses Wissens kümmern.

2.3 Die Bausteine des Wissens

Wie schon von Probst/Romhardt im Managementbereich ausgeführt, kommt es im Bereich Wissen nicht nur auf die einmaligen Erwerb oder den einmaligen Aufbau von Wissen an, sondern vor allem auch auf die Bewahrung und die Pflege des Wissens. Auch ist Art der zur Verfügungsstellung, also auch die Verteilung und somit der Nutzung, entscheidend. Dieses führt dann zu einer kontinuierlichen Bewertung die wiederum einen starken Einfluss auf die zukünftigen Wissensziele haben. Dies kann in der nachfolgenden Abbildung nochmals klar erkannt werden.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 : Die Bausteine des Wissensmanagement

In einer Volkswirtschaft muss also ein Weg gefunden werden das vorhandene Wissen nicht nur zu verwalten sondern auch möglichst breit zu verteilen und zugänglich zu machen um durch diese breite Basis das vorhandene Wissen weiter ausbauen zu können. Bezüglich dieser Frage werde ich versuchen unter Punkt

Der Staat als nationaler Wissensmanager mögliche Ansätze zu definieren und aufzuzeigen.

2.4 Vergleichender Ansatz zwischen den Systemen

Der Zusammenhang lässt sich vielleicht durch folgenden Gedankenansatz verdeutlichen:

Ausgehend von zwei Volkswirtschaften auf relativ gleichem Niveau, wobei die erste ein totalitäres Gesellschaftssystem besitzt und die zweite ein demokratisches. Des weiteren wird davon ausgegangen, dass beide Volkswirtschaften miteinander kommunizieren.

Es kann des weiteren auf Grund der verschiedenen Gesellschaftsordnungen von verschiedenen ethischen und kulturellen Vorstellungen auf Seiten der Führungsebenen ausgegangen werden. In der wohl offeneren Gesellschaftsform wird das vorhandene Wissen über die verschiedenen Institutionen breit verteilt und ist im Prinzip allen zugänglich, kann also von allen genutzt und weiterentwickelt werden (offenes interdisziplinäres querdenkenken). In der totalitären Gesellschaftsform wird aller Wahrscheinlichkeit nach das Wissen als absoluter Machtfaktor behandelt und somit nur den von Seiten der Führung ausgewählten Menschen zugänglich gemacht. Hieraus folgt, dass ein wahrscheinlich großes Potential nicht genutzt wird. Aus dieser Kette kann demzufolge geschlossen werden, dass die technische und prozessliche Weiterentwicklung in der offenen respektive demokratischen Gesellschaftsform schneller und effektiver vonstatten gehen wird als in der totalitären. Als historische Parallele seien hierzu die ökonomischen wie auch technischen Entwicklungen der zwei Blöcke in der Vergangenheit anzuführen. Hier zeigte sich ganz klar, dass die offenen Systeme des Westens einen sehr großen Vorsprung herausarbeiten konnten, welcher u.a. auch auf die Innovationskraft des Systems fußte.

Auch kann man in dieser Hinsicht eine Parallele zum Wissensmanagement von Unternehmen ziehen.

Informationen sind eine wesentliche Voraussetzung für das Treffen rationaler Entscheidungen. Zugleich ist die Bereitstellung von Informationen mit oftmals nicht unerheblichen Kosten verbunden. Folglich stellt sich in der Praxis die wichtige Frage nach dem Wert von Informationen. Die Quantifizierung des Informationswertes erweist sich jedoch als äußerst schwierig. Denn eine Isolierung des Einflusses von Informationen auf das Ergebnis eines Entscheidungsprozesses oder einer Entwicklung ist in der Regel nicht möglich. Aus diesem Grunde ist die Beschaffung von Informationen eine Aktivität, deren konkreter Nutzen zumeist weder unmittelbar sichtbar noch quantifizierbar ist.

Dessen ungeachtet haben Informationen einen ökonomischen Wert, der allerdings erst dann entsteht, wenn diese Informationen verwendet werden. Daraus folgt unmittelbar, dass der Wert von Informationen nicht als absolute Größe gemessen werden kann, sondern von dem konkreten Nutzer bzw. der Verwendung der Informationen abhängt. Diese Relativität des Informationswertes wird im Gedanken des Wissensmanagements explizit berücksichtigt.

Bei einer Beschränkung auf die Beschaffung von Daten handelt es sich nicht um Wissensmanagement, sondern um eine einfache Form der Datensammlung, wie z.B. die Marktforschung. Von Wissensmanagement kann erst dann gesprochen werden, wenn durch die systematische Ver- und Bearbeitung von Daten relevanten Informationen sowie deren gezielter Bereitstellung für die Nutzer der Informationswert optimiert wird.

2.5 Vergleich zum Wissensmanagement in Unternehmen

Um das ganze hier deutlicher zu machen möchte ich dieses nun einmal aus Unternehmenssicht betrachten. Diese Sichtweise kann durchaus auch in etwas abgewandelter Form auch für eine Volkswirtschaft gelten, wenn man eine Volkswirtschaft als ein großes zusammenhängendes Unternehmen betrachtet.

Das Marktverständnis vitaler Unternehmen entsteht nicht durch die kostenintensive Anhäufung von Daten aus Marktforschungsstudien, sondern durch einen effizienten Prozess der Informationsgenerierung und - verarbeitung. Vitale Unternehmen haben die Bedeutung dieses Prozesses erkannt und setzen ihn gezielt ein, um aus dem Markt- und Wettbewerbsumfeld zu lernen.

Ein für die Führung von Unternehmen sehr wichtiger Lernprozess ist in der strategischen Planung institutionalisiert. Dieser Prozess kann durchaus mit der Erarbeitung und Herausgabe von mittel- und langfristigen politischen Vorgaben, Richtlinien, gesetzlichen Rahmenbedingungen, Regulierungen und Deregulierungen verglichen werden. Durch die kritische Reflektion über das Wettbewerbsumfeld wird in strategischen Plänen versucht, auf Erfolgsfaktoren der Unternehmensentwicklung Einfluss zu nehmen. Der wohl wichtigste Erfolgsfaktor des Planungsprozesses ist das qualifizierte Treffen von Annahmen, die die pragmatische Antwort auf die Unsicherheit über zukünftige Entwicklungen des Wettbewerbsumfelds sind. Je besser die Informationsgrundlage der strategischen Planung ist, desto höher ist die Eintrittswahrscheinlichkeit der in der Planung prognostizierten Entwicklung. Wissensmanagement unterstützt die Formulierung von Annahmen über Kunden, Wettbewerber und regulatorische Rahmenbedingungen systematisch. Bei zunehmender Unsicherheit über externe Faktoren steigt die Bedeutung von Wissensmanagement für die Erhöhung der Qualität von Annahmen.

Strategische Investitionsentscheidungen, wie sie z.B. in Innovationsprozessen getroffen werden müssen, stellen höchste Ansprüche an die ihnen zugrundeliegenden Pläne und Annahmen. An diesem Punkt können durchaus direkte Parallelen zu einer Volkswirtschaft gezogen werden, da in dieser genauso Entscheidungen über strategische Investitionen getroffen werden müssen, wie z.B. Bildungswesen, Infrastruktur, etc.. Denn Entscheidungen, die z.B. zu Produktionskapazitätsveränderungen führen, haben nicht nur einen sehr langfristigen und somit naturgemäß unsicheren Zeithorizont, sondern müssen auch die vorhandenen und geplanten Kapazitäten und Strategien der Wettbewerber berücksichtigen. Manche Konzepte wie z.B. das der Er- fahrungskurve sind nur dann sinnvoll einsetzbar, wenn bestimmte Informationen über Wettbewerber oder die Branche vorhanden sind. Durch Wissensmanagement werden diese Informationen systematisch bereitgestellt.

Konventionelle Marktforschungsstudien mit der Beschreibung von Zuständen und Trends können der Interaktivität strategischer Entscheidungen nur sehr begrenzt Rechnung tragen. Erst durch den Einsatz innovativer Analysemethoden wie z.B. strategischer Simulationen können die Zusammenhänge zwischen den im Markt wirkenden Kräfte adäquat untersucht werden. Da sich vitale Organisationen der Interaktivität strategischer Entscheidungen bewusst sind, nutzen sie gezielt die innovativen Analysemethoden, die das Wissensmanagement bereitstellt.

Zusammenfassend kann man das Wissensmanagement in folgende Hauptprozesse untergliedern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 : Die Hauptprozesse des Wissensmanagements

Die Offenheit, mit der das Wissensmanagement innovativen Analysemethoden gegenübertritt, darf nicht zu der Annahme verleiten, dass das Wissensmanagement ein Maximum an Daten und Informationen anstrebt. Zusätzliche Informationen führen nicht zwangsläufig zu besseren Entscheidungen.

Nicht selten stehen Führungskräfte vor einer kaum zu bewältigenden Daten- und Informationsflut. Wissensmanagement ist ein Ansatz, um aus den verfügbaren Daten, die jeweils entscheidungsrelevanten herauszufiltern und zu verdichten, sie zu Informationen zu verarbeiten und diese aufbereitet schnell an die Verwender in der Organisation weiter- zuleiten. Die systematische Informationsverarbeitung des Wissensmanagement befreit die Nutzer von aufwendigen Analysearbeiten, ohne jedoch die sachliche Entscheidungskompetenz der Nutzer zu beeinträchtigen. Der Bürokratismus, der vor allem in Großunternehmen die interne Kommunikation lähmt, kann durch Wissensmanagement allein nicht überwunden werden. In einem guten Wissensmanagement-Konzept werden jedoch Informationswege gezielt kurz gehalten, um die Aktualität und Entscheidungsrelevanz der Informationen zu gewährleisten.

Effektive Kommunikation ist mit starren Informationsprozessen nicht möglich, sondern bedarf menschlicher Netzwerke. Vitale Organisationen fördern die Bildung flexibler menschlicher Netzwerke, die das Medium für die Beschaffung von Daten und die Verbreitung von Informationen sind.

Neben der Vernachlässigung der internen Kommunikation leiden Großunternehmen (und somit in der Schlussfolgerung noch potenzierter die Volkswirtschaften) häufig auch an einem schleichenden Verlust an Wettbewerbsorientierung. Die Marktführerschaft zahlreicher Großunter- nehmen ist in der Regel das Ergebnis intensiver Bemühungen um die Befriedigung von Kundenbedürfnissen, jedoch keine Erfolgsgarantie für die Zukunft. Marktbeherrschende Großunternehmen laufen ständig Gefahr, den vorsichtigen Blick für neu aufkommende Wettbewerber zu verlieren.

Wie dies im Vergleich hierzu mit Volkswirtschaften passieren kann ist u.a. am Beispiel Japans zu sehen. Hier waren die großen traditionellen Industrienationen respektive Volkswirtschaften, so in einer Art Selbstzufriedenheit versunken, dass sie den aufkommenden Wettbewerb Japans nicht wahrnahmen oder unterschätzen. Die damit verbundene Trägheit bietet den neuen Wettbewerbern zusätzliche Angriffsflächen, die mit zunehmender Marktdynamik schwer beherrschbar werden. Großunternehmen, die nicht schnell auf Veränderungen des Wettbewerbs- umfelds reagieren können, haben nur geringe Chancen, technische Innovationen auf dem Markt in erfolgreiche Geschäftsmöglichkeiten zu überführen. Das Informationsnetzwerk, das eine effektive Kommunikation im Unternehmen ermöglicht, darf daher nicht an den Grenzen der Organisation enden. Vielmehr muss es Kunden, Wettbewerber, Institutionen wie Behörden oder Universitäten, etc. einbeziehen, um den Aufbau einer sehr breitangelegten Wissensbasis zu gewährleisten.

Vitale Organisationen stützen nicht nur die interne Kommunikation, sondern auch den Informationsaustausch mit dem Wettbewerbsumfeld auf zwischenmenschliche Informationsnetzwerke. Diese Netzwerke sind nicht nur das Rückgrat des Frühwarnsystems vitaler Organisationen, sondern auch das Immunsystem, das schnelle und zielgerechte Reaktionen auf Veränderungen des Wettbewerbsumfelds sicherstellt.

Die nachfolgende Abb. fasst wesentliche Wettbewerbsvorteile, die mit der Unterstützung von Wissensmanagement- respektive Business Intelligence - Prozessen erlangt werden können, zusammen.3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 : Wettbewerbsvorteile durch Business Intelligence

Diese Überlegungen führen nun folgerichtig zu der Frage wie dieses Phänomen in die wissenschaftliche Basis zu überführen ist. Hierzu sei im folgenden Kapitel detailliert ausgeführt wie der Faktor Wissen in die volkswirtschaftliche Produktionsfunktion eingefügt werden kann respektive wird.

3 Einordnung des Faktors Wissen in die Produktionsfunktion

Wie ich im vorhergehenden Kapitel dargestellt habe kann Wissen in verschiedene Kategorien unterschieden werden. Um nun den Faktor Wissen in die Produktionsfunktion einzufügen ist es wohl die nachfolgende Darstellung am geeignetsten.

Bei dieser Darstellung wird der Faktor „technisches Wissen“ in die klassische Produktionsfunktion eingefügt. Die Frage hierbei muss also auch lauten, was ist unter dem Faktor technisches Wissen zu verstehen. Ich denke, dass man hier durchaus nicht nur das technische Wissen im engen Sinne sehen kann, sondern auch das Wissen um Prozesse. Wie zuvor dargestellt ist dieses wiederum im Zusammenhang mit den weiteren Wissenskategorien zu sehen.

3.1 Einordnung in die Produktionsfunktion

„Bevor Güter auf den Märkten ver- und gekauft werden, müssen sie in aller Regel unter Einsatz von Produktionsmitteln wie Arbeit, Boden, Kapital, Material, Energie und technisches Wissen produziert werden. Da der Ein- satz der Produktionsmittel (im folgenden auch kurz "Faktoren" genannt) Kosten verursacht, muss man sie wirtschaftlich einsetzen. Hierzu muss der Produzent zunächst wissen, wie die technische Beziehung zwischen den Faktoreinsatzmengen und der Produktionsmenge aussieht, d.h. er muss die sog. Produktionsfunktion kennen.

Im Gegensatz zum Nutzen, der nach herrschender Auffassung nur ordinal gemessen werden kann, ist die Produktionsmenge mit sogenannten Kardinalzahlen (kardinal) messbar, d. h. es werden absolute Beträge gemessen. Das liegt daran, dass man das Produktionsergebnis genau zählen, wiegen oder abmessen kann, während dies beim Nutzen nicht möglich ist.

Die Produktionsfunktion kann man sich als ein Verfahrenshandbuch vorstellen, in dem angegeben ist, welche verschiedenen Möglichkeiten bestehen, z B. Getreide, Stahl oder Automobile zu produzieren. Mit wachsendem technischen Fortschritt ändern sich die Verfahren und damit die Produktionsfunktionen. Es ist wichtig, dass der Leser den Charakter der Produktionsfunktion als nützliche und einfache Gedankenkonstruktion erkennt. So ist es für manche Fragestellungen sinnvoll, sich die Produktion z.B. der Bundesrepublik Deutschland an Hand einer Produktionsfunktion vorzustellen:

Y = f (A, B, K, TW),

d. h. die maximal mögliche Produktion der Bundesrepublik pro Jahr (Y) ist

Die Produktionsfunktion gibt an, welche Produktionsmenge (welchen Output) man maximal erstellen kann, wenn die Faktoreinsatzmengen (Inputs) vorgegeben sind.

eine Funktion (f) der zur Verfügung stehenden Produktionsfaktoren Arbeit

(A), Boden (B), Kapital (d. h. Maschinen und Gebäude und Anlagen einschließlich des Bestandes an Zwischenprodukten) (K) und technisches Wissen (TW).4

Die Produktionsfunktion stellt sich also als ein Output aus der Kombination von verschiedenen Inputfaktoren wie folgt dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 : Die Produktionsfunktion5

Nun ist stellt sich die Frage, wie sich nun z.B. eine positive Veränderung im Faktor technisches Wissen auf diese auswirkt. Hierzu führt Neubäumer/Hewel wie folgt aus:

„Eine Erweiterung der Produktionsfunktionsmöglichkeiten durch Prozessinnovation führt zu einer Verschiebung der Produktionsfunktion nach oben. Mit dem gegebenen Input (x´) kann jetzt ein höherer Output (q´´´) erzielt werden bzw. die Herstellung des bisherigen Outputs (q´) erfordert einen geringeren Input (x´´´).“6

Bei dieser Ausführung unterstelle ich das eine Prozessinnovation mit einer Steigerung des Wissen gleichzusetzen ist.

Dies führt dann zu folgender graphischen Darstellung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7 : Auswirkungen des technischen Fortschritts auf die PF7

3.2 Der Zusammenhang mit dem Wachstum

Wie aus diesen Darstellungen gefolgert werden kann geht es also bei dieser Einordnung in die Produktionsfunktion insgesamt um das Wachstum der Volkswirtschaft. Dieses führte zu der welches die Gründe für ein Wachstum sind und wie dieses gesteuert und gesichert werden kann.

Baßler führt hierzu im Bereich Investitionen und technischer Fortschritt wie folgt aus:

„Das Wissen um die Bestimmungsgründe des Wachstums ist keineswegs vollständig, doch können einige einfache Überlegungen angestellt werden. Die Produktionsmöglichkeiten einer Gesellschaft hängen ab von Menge und Qualität der vorhandenen Produktionsfaktoren Kapital, technisches Wissen, Arbeit und natürliche Ressourcen, wie in nachfolgender Abbildung dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8 : Die Bestimmungsgründe des Wachstums

Da der Bestand an natürlichen Ressourcen gegeben ist und eine Bevölkerungsvermehrung zur Förderung des Wachstums ausgeschlossen wird letztlich soll ja das Sozialprodukt pro Kopf erhöht werden, bleiben Kapitalstock und technisches Wissen, das seinerseits die Qualität von Kapital und Arbeit bestimmt, die entscheidenden Bestimmungsgründe des wirtschaftlichen Wachstums.

Das technische Wissen vermehrt sich durch den technischen Fortschritt. Sichtbar wird der technische Fortschritt in der- Produktinnovation (Erstellung neuartiger Güter) und -Prozessinnovation (Anwendung neuartiger Produktionsmethoden). Dabei trägt die Produktinnovation ganz wesentlich zur Steigerung der materiellen Wohlfahrt bei. Der Leser denke z.B. an Geschirrspülmaschinen, Farbfernseher, Taschenrechner, Kassettenrecorder etc. Nur sind die Vorteile der Produktinnovation mengenmäßig nicht erfassbar.

Die Vorteile der Prozessinnovation sind prinzipiell leicht zu erfassen. Die Prozessinnovation erlaubt, bei gleichbleibendem Einsatz der Produk- tionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden eine größere Gütermenge zu erstellen oder eine gleiche Gütermenge mit einem geringeren Faktoreinsatz produzieren zu können. Der Leser denke an computergesteuerte Drehbänke, an die bessere Ausnutzung der Energie in Fahrzeugen usw. Der Kapitalstock vergrößert sich durch Investitionen (Kapitalakkumulation), und bei gegebener Arbeitsbevölkerung und gegebenem Stand des technischen Wissens wird eine Vergrößerung des Kapitalstocks die Pro- duktionsmöglichkeiten erhöhen: Mit mehr Kapital kann ein höheres Sozialprodukt erzeugt werden. Es steigt die mögliche Produktion pro Kopf der Erwerbstätigen und damit die mögliche Güterversorgung pro Kopf.

Nicht sicher ist, ob es einen proportionalen Zusammenhang zwischen der Erhöhung des Kapitalbestandes und der Erhöhung der Produktions- möglichkeiten gibt. In diesem Zusammenhang ist an das Ertragsgesetz zu denken, also an die Möglichkeit, dass die zusätzliche Produktivität des Kapitals mit wachsendem Einsatz abnimmt. Dies würde bedeuten, dass unter sonst gleichen Umständen eine Nettoinvestition im Werte von 1000,- DM nicht mehr wie zur Zeit eine zusätzliche jährliche Produktion von etwa 250-500 DM ermöglicht, sondern eine kleinere. Es würde immer teurer, die künftigen Produktionsmöglichkeiten zu erhöhen. Bisher aber hat der technische Fortschritt offenbar dazu beigetragen, dass abnehmende Grenzerträge in nennenswertem Umfang noch nicht zu beobachten waren.

Technischer Fortschritt und Kapitalakkumulation bewirken beide eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität, erhöhen also die durchschnittliche Produktion pro Arbeitsstunde. Und hohe Arbeitsproduktivität ist die Basis für die Erhöhung des materiellen Lebensstandards oder für die Verlängerung der Freizeit, also Verkürzung der Arbeitszeit, Verlängerung des Urlaubs oder Herabsetzung des Rentenalters.

Damit wird ein Aspekt der Kapitalakkumulation und des technischen Fortschritts sichtbar, der nicht immer positiv bewertet wird: die mögliche Freisetzung von Arbeitskräften. Wenn der Produktivitätszuwachs nicht für eine Mehrproduktion von Gütern genutzt wird, weil die Nachfrage das Produktionspotential nicht ausschöpft, dann werden die Produktivitäts- zuwächse dazu benutzt, die gleiche Produktionsmenge mit weniger Arbeit zu produzieren. Investitionen sind dann nicht mehr Erweiterungs- investitionen, sondern Rationalisierungsinvestitionen. Die beiden Mög- lichkeiten, Produktivitätszuwächse zu nutzen, gilt es klar zu erkennen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9 : Gründe für erhöht Arbeitsproduktivität

In der Praxis werden meist beide Möglichkeiten kombiniert: Der Leser denke z. B. an die Verkürzung der Arbeitszeit und die Zunahme der Realeinkommen in der Bundesrepublik von 1950 bis 1990 (vgl. Abbildung 10 : Entwicklung des Sozialprodukts, der Erwerbstätigen, der Arbeitszeit, der Arbeitsproduktivität und des Realeinkommens in der BRD von 1950 bis 1990).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10 : Entwicklung des Sozialprodukts, der Erwerbstätigen, der Arbeitszeit, der Arbeitsproduktivität und des Realeinkommens in der BRD von 1950 bis 1990

Wenn die Verringerung der durchschnittlich notwendigen Arbeitszeit im Zuge von Kapitalakkumulation und technischem Fortschritt die Bevölkerung eines Landes auch langfristig dem Traum vom Paradies näherrückt, so bedeutet die Arbeitslosigkeit als unfreiwillige Verringerung der Arbeitszeit für den einzelnen Menschen doch Rückgang seines Lebensstandards und psychische Not. Arbeit ist der Wert, der Selbstachtung und Selbstbewusstsein der Arbeiter trägt, wie es der katholische Sozial- wissenschaftler OSWALD VON NELL-BREUNING formulierte. Wenn die Nachfrage das Produktionspotential langfristig nicht ausschöpft, wäre es mithin notwendig, die Arbeitszeit für alle zu verringern, nicht aber Überstunden und Arbeitslosigkeit zugleich zu haben. Auf Kapitalakku- mulation und technischen Fortschritt zu verzichten, wäre indes so lange nicht sinnvoll, wie Freizeit einen größeren Wert als Arbeit an sich hat.

Wesentliche Vorbedingung für die Investitionstätigkeit privater Unternehmer ist die Infrastruktur, auch Sozialkapital genannt, die in der Regel vom Staat bereitgestellt werden muss. Sehr weit gefasst beinhaltet der Begriff Infrastruktur

- die institutionelle Infrastruktur

als Summe der gesellschaftlichen Normen, Einrichtungen und Verfahrensweisen wie: Rechtsordnung, Verwaltung, Eigentumsordnung, Berufsordnung etc.;

- die materielle Infrastruktur

als Teil des Kapitalstocks einer Volkswirtschaft, der aus noch zu erörternden Gründen von der öffentlichen Hand bereitgestellt wird und insbesondere Vorleistungen für Produktion und Konsum erbringt, wie: Verkehrswesen, Kommunikation, Energieversorgung, Wasserversorgung, Erhaltung der Bodenschätze usw.:

- die personelle Infrastruktur,

die im wesentlichen die Qualifikation der Menschen beinhaltet, wie: Gesundheit, Ausbildungsstand, Leistungsmotivation usw.

Infrastrukturinvestitionen sind für das Wachstum einer Volkswirtschaft von grundlegender Bedeutung, da sie z. T. Voraussetzung, z. T. notwendige Begleiterscheinung des Wachstumsprozesses sind. Sollen z. B. an der schleswig-holsteinischen Westküste neue Produktionsanlagen entstehen, so muss zuvor für Verkehrswege, allgemeine Kommunikations- möglichkeiten und Energieproduktion gesorgt werden. Zudem müssen gesunde und ausgebildete Arbeitskräfte vorhanden sein, und begleitend muss für den Bau von Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten gesorgt werden.8

Da ein Großteil der vorgenannten Maßnahmen und Aufgaben zumindest zu einem Großteil der Obliegenheit und Hoheit des Staates unterliegt werde ich auf diese Punkte noch unter dem Punkt

Der Staat als nationaler Wissensmanager genauer eingehen.

4 Einordnung des Faktors Wissen in Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

Eine weitere unter Volkswirtschaftlichen Gesichtpunkten interessante Frage, ist die, ob der Faktor Wissen eine Auswirkung auf die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) hat.

4.1 Was ist die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

Hierzu habe ich folgende recht kompakte Definition gefunden:

„Auch in marktwirtschaftlichen Systemen, in denen Haushalte und Unternehmen ihre Wirtschaftspläne eigenverantwortlich aufstellen, werden zahlenmäßige Informationen über den Ablauf und das Ergebnis des Wirtschaftsprozesses benötigt. Die wichtigsten Nutzer dieser Informationen sind:

- Die Träger der Wirtschaftspolitik, vor allem die verschiedenen staatlichen Stellen und die Deutsche Bundesbank: Sie müssen wissen, inwieweit die Ziele des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes (Stabilität des Preisniveaus, hoher Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches Gleichgewicht, stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum) erreicht bzw. verfehlt wurden. In Prognoserechnungen versuchen sie, die zukünftige Entwicklung abzuschätzen und durch aufeinander abgestimmte wirtschafts- politische Maßnahmen, insbesondere im Bereich der Geld- und Fiskalpolitik, zu einer stetigen Wirtschaftsentwicklung beizutragen. Damit liefern sie auch den anderen Trägern der Wirtschaftspolitik -z. B. den Tarifparteien -Grundlagen für eine sachliche Diskussion und Daten für die eigenen Entscheidungen.

- Unternehmen und Verbände, die gesamtwirtschaftliche Zahlen z. B. als Basis ihrer Lohn- und Investitionspolitik benötigen: Sie können die gesamtwirtschaftlichen Zahlen allerdings nicht blindlings übernehmen, sondern müssen zusätzlich differenzierte Untersuchungen für die jeweiligen Branchen und Teilmärkte durchführen.

- Die Wirtschaftsforscher, denen zahlenmäßige Informationen die Aufstellung und Überprüfung von Hypothesen, Erklärungen und Prognosen ermöglichen. Umgekehrt ist aber auch darauf zu verweisen, dass das Volkswirtschaftliche Rechnungswesen stark geprägt ist vom aktuellen Stand der Wirtschaftstheorie, wie man z. B. am Einfluss der keynesianischen Theorie auf unser heutiges Konzept der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung erkennen kann.

Das Volkswirtschaftliche Rechnungswesen ist ein Teil der Amtlichen Statistik. Es vermittelt ein zahlenmäßiges Gesamtbild des Wirtschaftsablaufs in einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum

Zum besseren Verständnis ist es sinnvoll, das Volkswirtschaftliche Rechnungswesen in verschiedene Teilgebiete zu gliedern:

- Die Kreislaufanalyse ist die konzeptionelle Basis. Sie entwickelt ein Modell des Wirtschaftsprozesses, in dem sie die Geld- und Güterbewegungen in einer Volkswirtschaft in komprimierter Form darstellt. Ihre Definitionen und ihre Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen den Sektoren und Transaktionen in einer Volkswirtschaft spielen sowohl in der Wirtschaftstheorie als auch in der Wirtschaftspolitik eine wichtige Rolle.
- Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung füllt das Tableau, das die Kreislaufanalyse vom Wirtschaftsprozess entwirft, mit Zahlen. Sie erfasst die Transaktionen zwischen den Sektoren einer Volkswirtschaft und mit dem Ausland in Form einer Einnahmen- /Ausgabenrechnung und hat große Ähnlichkeit mit dem System der betrieblichen Buchführung ("Nationale Buchführung "). Die englische Bezeichnung "National Income Accounting" macht deutlich, dass es Aufgabe der Gesamtrechnung ist, das Sozialprodukt bzw. Volkseinkommen, also das Ergebnis des Wirtschaftsprozesses, in einer bestimmten Periode zu ermitteln.
- In ergänzenden Rechnungen werden z. B. die Vermögensbestände einer Volkswirtschaft, die Kreditverflechtungen zwischen den Sektoren, die Geldbestände sowie die Transaktionen mit dem Ausland (Zahlungsbilanz) vertieft dargestellt.“9

Auch muss hierbei ein Augenmerk auf die verschiednen Arten der Nettoproduktionsmaße gelegt werden, welche wie folgt dargestellt werden können :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11 : Varianten volkswirtschaftlicher Netto-Produktionsmaße10

4.2 Die Kreislaufanalyse

Um nun zu der Verknüfung des Faktors Wissen mit der VGR zu gelangen fehlen zur Erklärung noch einige Bausteine. Zuerst einmal ist der Begriff Kreislaufanalyse zu klären. Hierzu folgende Definition:

„Moderne Volkswirtschaften sind durch eine sehr weitgehende Arbeitsteilung in der Produktion - und als Folge davon - durch eine Vielzahl von Tauschvorgängen gekennzeichnet. Diese Tauschvorgänge kann man unter bestimmten Voraussetzungen in einer Kreislaufdarstellung veranschaulichen.

Die Kreislaufanalyse ist Teil der Makroökonomik, die das Zusammenwirken volkswirtschaftlicher Globalgrößen betrachtet. Dazu werden die Wirtschaftssubjekte, zu Gruppen (Sektoren) zusammengefasst (aggregiert) und ihre Beziehungen zueinander dargestellt

Die Tätigkeiten einzelner Wirtschaftssubjekte innerhalb der Gruppen und ihre gegenseitigen wirtschaftlichen Verflechtungen werden nicht sichtbar, weil diese Einzelinformationen zu einem zwar vollständigen und genauen, aber nicht mehr überschaubaren Gesamtbild führen würden. Erst durch die Gruppenbildung entsteht ein überschaubares Bild der Volkswirtschaft.

Die Art der Aggregation ist abhängig von der Fragestellung der Analyse. So ist z. B. die Gliederung der Wirtschaftssubjekte in Haushalte, Unternehmen und öffentliche Verwaltung sinnvoll, wenn es um die Untersuchung der Nachfrageströme Konsum und Investitionen an den Gütermärkten geht. Sie ist jedoch ungeeignet, wenn die Verteilung des Volkseinkommens auf die Produktionsfaktoren oder auf die Wirtschaftssubjekte analysiert werden soll. Für diese Fragestellung werden z. B. die Haushalte in Arbeitnehmer- haushalte und Unternehmerhaushalte eingeteilt. Zusätzliche Informationen über die Struktur einer Volkswirtschaft erhält man z. B. dadurch, dass man die globale Größe "Wertschöpfung der Unternehmen" nach Wirtschaftszweigen, Regionen und/oder Betriebsgrößenklassen aufteilt.

Das Grundschema der Kreislaufbetrachtung besteht aus drei Elementen, den Kreislaufpolen, den Kreislaufströmen und dem sogenannten Kreislaufaxiom. Das bedeutet für die Darstellung des Wirtschaftsprozesses:

- Die Sektoren, das sind im allgemeinen die Gruppen der Wirtschaftssubjekte, sind die Kreislaufpole.
- Die wirtschaftlichen Aktivitäten der Gruppen führen zu Transaktionen, bei denen Wirtschaftsobjekte (Güter, Faktorleistungen oder Forderungen) zwischen den Sektoren bewegt werden, die durch Ströme dargestellt werden.
- Ein lückenloses Bild entsteht nur dann, wenn das Kreislaufaxiom erfüllt ist. Es besagt, dass die Summe der zufließenden und die Summe der abfließenden Ströme für jeden Sektor übereinstimmen muss.

Ein weiteres Merkmal der Kreislaufanalyse ist ihre zeitliche Dimension. Da es sich um Stromgrößen handelt, werden sie für einen bestimmten Zeitraum -z. B. ein Monat, ein Quartal oder ein Jahr erfasst.

Die Kreislaufanalyse kann ex-post oder ex-ante erstellt werden, je nachdem, ob die Kreislaufströme vergangenheitsbezogen für eine abgeschlossene Periode oder in Form einer Prognose für eine zukünftige Periode dargestellt werden.“11

Zur weiteren Vertiefung ist folgende Definition der angesprochenen Sektoren recht hilfreich:

„Unternehmen, zu denen alle Wirtschaftssubjekte gehören, die Güter und Dienstleistungen produzieren mit der Absicht, mindestens kostendeckende Umsatzerlöse zu erzielen. Dazu zählen auch die Freien Berufe und die Unternehmen, die sich im Eigentum des Staates befinden. Ebenso gehören zu diesem Sektor alle Wirtschaftssubjekte, die Wohnraum vermieten oder als Eigentümer selbst nutzen. Der Gesamtsektor Unternehmen wird häufig unterteilt in Landwirtschaft/Urerzeugung/Fischerei, Warenproduzierendes Gewerbe, Handel und Verkehr sowie Dienstleistungsunternehmen. Um noch differenziertere Informationen zu erhalten, kann man aber auch unterteilen in die einzelnen Branchen des Produzierenden Gewerbes oder in Produktionsunternehmen, Banken, Versicherungen u. ä.

- Staat, der in die Gebietskörperschaften (Bund, Länder, Gemeinden) und die sogenannten Parafisci (Sozialversicherungen, Hochschulen, Zweckverbände usw.) unterteilt wird. Dieser Sektor erstellt Dienstleistungen für die Allgemeinheit und finanziert sich überwiegend aus Zwangseinnahmen. Die Abgrenzung zum Unternehmenssektor ist in Einzelfällen schwierig (z. B. wenn Kommunen Leistungen gegen Gebühren verkaufen). Sie erfolgt nach den Definitionen, die in der Finanzstatistik festgelegt sind. Danach zählen z. B. Krankenhäuser zum Sektor Staat.
- Private Haushalte, die neben den privaten Ein- und Mehrpersonenhaushalten auch die Privaten Organisationen ohne Erwerbscharakter (z. B. Kirchen, Parteien und Verbände) umfassen, die ihre Leistungen im allgemeinen nicht gegen Entgelt verkaufen, sondern ihre Finanzmittel zum Teil aus freiwilligen Beiträgen und Spenden, zum Teil aus öffentlichen Zuwendungen erhalten.
- Ausland, das alle Wirtschaftssubjekte außerhalb der eigenen Volkswirtschaft umfasst, ohne dass eine weitere Untergliederung in Sektoren stattfindet. Die Verflechtungen zwischen In- und Ausländern werden detailliert in der Zahlungsbilanz erfasst, die als besonderes Teilsystem des Volkswirtschaftlichen Rechnungswesens anzusehen ist.

Die oben angeführten Sektoren beteiligen sich am Wirtschaftsgeschehen mit unterschiedlichen Transaktionen:

- Güter produzieren:

Die Faktorleistungen Arbeit, Boden und Kapital werden kombiniert, um Güter und Dienstleistungen zu erstellen; nur aus dieser Produktionstätigkeit entsteht die Wertschöpfung einer Volkswirtschaft.

- Einkommen erzielen und verwenden:

Aus der Bereitstellung von Faktorleistungen für dic Produktion fließt den Sektoren Einkommen zu, das sie für die Zahlung von Steuern, zum Kauf von Konsumgütern (und damit für Zahlungen an den Staat bzw. die Unternehmen) oder zur VermÖgensbildung (Sparen) verwenden.

- Vermögen bilden oder verzehren:

Wird ein Teil der produzierten Güter nicht für Konsumzwecke verwendet, sondern investiert, so führt dies zur Erhöhung des (Real- )Kapitalstocks. Es entsteht also (Produktiv- )Vermögen. Dem stehen in gleicher Höhe Ersparnisse, d. h. nicht für Konsumausgaben verwendete Einkommensteile, gegenüber. Umgekehrt wird Vermögen verzehrt, wenn die Konsumausgaben höher sind als das laufende Einkommen bzw. der Konsum höher ist als die laufende Produktion.

- Forderungen bzw. Verpflichtungen eingehen:

Hier wird erfasst, wie die Sektoren untereinander ihre Aktivitäten finanziert haben. und welche Kreditbeziehungen zwischen ihnen in der Untersuchungsperiode entstanden sind.

Im allgemeinen werden nur solche Transaktionen erfasst, die über Märkte abgewickelt werden, wie der Kauf bzw. Verkauf von Gütern, Dienstleistungen, Faktorleistungen und Forderungen. Sie werden als zweiseitig bezeichnet, d. h., jeder Leistung (z. B. Lieferung eines Konsumgutes) steht eine direkte Gegenleistung (Zahlung des Kaufpreises) gegenüber. Ein zweites Merkmal dieser Transaktionen ist, dass Leistung und Gegenleistung zu Marktpreisen bewertet werden. Der Güter- bzw. Leistungsstrom entspricht in seinem Wert genau dem Geldstrom aus der Gegenleistung. Damit reicht es aus, nur einen -und zwar den Geldstrom zu erfassen.

Es gibt jedoch auch Transaktionen,

- für die es keine Marktpreise gibt. Dies gilt z. B. für öffentliche Dienstleistungen, die den Haushalten und Unternehmen im allgemeinen unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden (z. B. Schulen oder Straßen). Hier hilft man sich, indem man sie mit den Faktorkosten bewertet, d. h. mit dem Betrag der zu ihrer Herstellung erforderlichen Kosten bzw. Ausgaben;
- die einseitig sind, bei denen einer Leistung also keine direkte Gegenleistung gegenübersteht und die nicht über Märkte abgewickelt werden. Dies ist z. B. der Fall bei Steuerzahlungen an den Staat oder bei der Zahlung von Transfereinkommen des Staates an Haushalte bzw. Subventionen an Unternehmen;
- die nur unterstellt sind, wie z. B. der Eigenverbrauch in der Landwirtschaft oder die Abschreibungen, bei denen es keine Marktvorgänge gibt;
- die überhaupt nicht erfasst sind, weil sie nicht über Märkte abgewickelt werden bzw. weil man sie gar nicht erfassen kann, wie die "Schwarzarbeit". Auch die Arbeit in Haushalten ist nicht als Produktion definiert, da sie nicht über Märkte weitergegeben wird und es keine Marktpreise für ihre Bewertung gibt.“12

Dieser ganze Zusammenhang wird wohl durch folgende Grafik verdeutlicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12 : Kreislaufbild der ökonomischen Aktivität einer Volkswirtschaft13

4.3 Wo kann die Wirkung des Faktors Wissen nun gesehen werden?

Nun bleibt noch zu klären, wo der Faktor Wissen nun auf diese Rechnungen Einfluss nimmt. In allen vorgenannten Definitionen und Ansätzen haben wir es im Grunde immer mit Einnahmen und Ausgaben zu tun. Insbesondere haben wir hier 2 Punkte besonders zu berücksichtigen.

Zum ersten die Zahlungen und Einnahmen des Staates und zum zweiten den Output der Volkswirtschaft. Letzterer untergliedert sich in die Güter die im Inland abgesetzt werden und solche die im Ausland abgesetzt werden. Wenn wie untere dem Punkt Einordnung des Faktors Wissen in die Produktionsfunktion dargestellt der Faktor Wissen den Output einer Volkswirtschaft erhöht ohne einen proportional höheren Einsatz der anderen Faktoren zu erfordern, dann wird sich dies auf die Exportmöglichkeiten in sofern auswirken können, dass die nationale Volkswirtschaft nun zu günstigeren Preisen ihre Produkte im Ausland absetzten kann. Dieses führt dann zu einem verstärkten Kapitalzufluss in die nationale Volkswirtschaft, d.h. einem Wachstum des Kapitalstocks. Das durch höhere Absätze der Wirtschaft resultierende höhere Steuereinkommen des Staates, kann nun wiederum für die Stärkung der Volkswirtschaft und/oder der Steigerung der Wohlfahrt verwandt werden.

5 Unterschiede im Wissen und deren Abbau

Auf der einen Seite kann man unter dieser Fragestellung die Unterschiede im Wissen zwischen einzelnen Volkswirtschaften betrachten, zum anderen die Wissensunterschiede innerhalb einer Volkswirtschaft.

5.1 Global Abbau von Wissens und somit Wohlfahrtsgefällen

Betrachtet man diese Fragestellung unter dem globalen Aspekt, dann ist das Ziel global so weit wie möglich einen insgesamt hohen Lebenstandart zu erreichen. Dieses erfordert dann eine Angleichung der verschiedenen Volkswirtschaften oder in einem ersten Schritt eine Angleichung innerhalb der verschiedenen Wirtschaftsräume.

Die Ausstattung mit technischem Wissen ist in Entwicklungs- und Industrieländern sehr unterschiedlich und der Abbau dieses als ,,Wissensgefälle" bezeichneten Zustands ein wichtiger Schritt der wirtschaftlichen Entwicklung und damit bei der Bekämpfung von Armut. Wissen ermöglicht die effizientere Nutzung von Ressourcen und dadurch auf längere Sicht einen höheren Lebensstandard.

Die Verringerung des Wissensgefälles ist allerdings schwierig, da die Schaffung von Wissen sehr kosten- und ressourcenintensiv ist und weil die Ausstattung mit diesen benötigten Ressourcen und Mitteln in Industrie- und Entwicklungsländern sehr unterschiedlich ist. Die Ressourcenausstattung ist dabei sogar noch gravierender, als das Wissensgefälle zwischen diesen Ländern selbst.14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Weltentwicklungsbericht 1998/99 S.2

Abbildung 13: F&E Ausgaben und BIP pro Kopf

Wenn man also von dem Ansatz ausgeht, dass Wissen erst erstellt werden muss und dieses jeweils national geschieht, dann sind natürlicherweise Entwicklungs- und Schwellenländer gegenüber den etablierten Industrienationen stark benachteiligt, da sie die erforderlichen Mittel hierfür in der Regel nicht aufbringen können.

In diesem Fall kann ein Land durchaus auf den Import von Wissen zurückgreifen. Dieser kann durch verschiedenste Maßnahmen wie z.B.:

- Investitionen aus dem Ausland für den Aufbau von Produktionen. Hierdurch wird Know-How über Produktionsverfahren in das eigene Land geholt und müssen nicht selbst entwickelt werden. Diese können dann durch Fluktuation zu nationalen Unternehmen in diese eingebracht werden und dort ggf. weiterentwickelt werden.
- Auslandstudien- oder Ausbildungsprogramme für Teile der eigenen Bevölkerung. Dies hat zur Folge, dass die geförderten Personen im besser ausgestattete Einrichtungen im Ausland nutzen können und das Wissen dann im eigenen Lande weiterreichen können. Wird dieses Wissen dann genutzt kann es zu Verbesserung der Produktion des Landes Beitragen und somit neue Resourcen schaffen, welche dann wiederum zur Verbesserung der Bildungssituation sowie der Wohlfahrt dienen können.

und/oder ihrer Kombination erfolgen.

5.2 Nationaler Abbau von Wissens und somit Wohlfahrtsgefälle

Betrachtet man diese Fragestellung auf der anderen Seite aber unter einem nationalen Volkswirtschaftlichen Aspekt dann wird man sich immer mehr der Fragestellung der Verteilung und Verwaltung von Wissen innerhalb einer Volkswirtschaft zuwenden müssen. Das heißt, es muss eine Art nationalen Wissensmanagements entwickelt werden. Dieses kann und sollte sich and den Methoden des Wissensmanagement der Unternehmen orientieren.

Exemplarisch sei hier die schon mit ihren Grundlagen unter Punkt Die Bausteine des Wissens beschriebene Vorgehensweise von Probst/Romhardt Methodik angeführt. Diese wird von den Autoren wie folgt definiert:

Die (Ver)teilung von Erfahrungen in der Organisation ist die zwingende Voraussetzung, um isoliert vorhandene Informationen oder Erfahrungen für die gesamte Organisation nutzbar zu machen. Die Leitfrage lautet: Wer sollte was in welchem Umfang wissen oder können und wie kann ich die Prozesse der Wissens(ver)teilung erleichtern? Nicht alles muss von allen gewusst werden, sondern das ökonomische Prinzip der Arbeitsteilung verlangt eine sinnvolle Beschreibung und Steuerung des Wissens(ver)teilungsumfanges. Nicht jede Wissensart ist für eine effiziente Wissensmultiplikation geeignet. Die Vermittlung von Standardfähigkeiten zum neuen Betriebssystem Windows 95 ist eher standardisierbar als die (Ver)teilung von Fachexpertise, welche ein Werkzeugmeister im Laufe seines Berufslebens an ‘seiner’ Maschine gesammelt hat.

Technische Infrastrukturen der Wissens(ver)teilung können den simultanen Wissensaustausch in der Organisation fördern und somit viele bisher getrennte Experten in einem elektronischen Netzwerk miteinander verbinden16. Relevante Technologien betreffen hier vor allem ‘groupware’, modernere Formen interaktiver Managementinformations- systeme sowie alle Instrumente von ‘computer supported cooperative work’.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 14 : Vom divergenten zum konvergenten System15

Die obige Abbildung zeigt, wie breit verteilte Erfahrungen und Informationen zusammengefaßt werden und in konvergierter/aggregierter Form an die Organisation zurückgespielt werden können.

Wissens(ver)teilung kann sich neben Effizienzvorteilen durch besseres Zeit-und Qualitätsmanagement auch direkt in Kundennutzen niederschlagen.

Verteilte organisationale Wissensbestände erlauben eine Nutzung des Wissens an zahlreichen Stellen des Unternehmens. Statt des Rückgriffs auf spezialisierte Stellen wird so eine effizientere und schnellere Reaktion ermöglicht. Wissens(ver)teilung kann in der Zusammenfassung also der reinen Multiplikation von Wissen, dem Zugriff auf Erfahrungen (‘lessons learned’) oder den zeitgleichen Zugriff auf organisationale Wissensbestände und deren Transformation dienen.16

Auf nationalem Niveau einen Wissensunterschied abzubauen, bedeutet also vor allem auch allen Teilnehmern den gleichen Zugang zum Wissen zu gewähren. Es muss also gewährleistet sein, dass das vorhandene Wissen in ausreichender Art, Güte, Menge und Geschwindigkeit in allen nationalen Regionen verfügbar ist. Es muss also in eine Wissensinfrastruktur investiert werden.

Dies ist vergleichbar mit den heutigen Strukturausgleichsmaßnahmen im Bereich Industrie- und Dienstleistungsansiedlung. Ein flächendeckender Wissenszugang kann u.U. auch bisher nicht genutzte Potentiale in der Bevölkerung aktivieren helfen und somit die gesamte Volkswirtschaft nach vorne bringen.

6 Information als ein Teil des Wissens und Abbau von Informationsproblemen

Wie unter Punkt Die Entstehung von Wissen dargestellt sind Informationen ein Teil des Wissens. Nun muss sich an dieser Stelle die Frage gestellt werden, ob es überhaupt Informationsprobleme in einer Volkswirtschaft gibt, und wenn ja, wie diese abgebaut werden können.

Hierbei muss zwischen zwei möglichen Problemstellungen unterschieden werden. Auf der einen Seite die möglichen technischen Probleme, wie z.B. keine, wenige, schlechte oder langsame Zugänge zu den Wissensbasen.

Auf der anderen Seite eher menschliche Barrieren. Die letztern i.d.R. die am schwierigsten zu bewältigen Barrieren. Hierzu hat das Fraunhofer Institut im Rahmen einer Einführung eines Wissensmanagementsystems in einem Großunternehmen eine Erhebung durchgeführt, welche folgendes Ergebnis lieferte:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 15 : Barrieren beim Wissensmanagement

Wenn man diese Punkte einmal hinterfragt und um ein Kernthema herum aggregiert, dann kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass der eigentliche Grund für diese Barrieren in der Abneigung oder Angst der Teilnehmer vor diesem System liegt.

Die Aufgabe beim Abbau von Barrieren liegt also neben der technischen Seite vor allem darin, die Beteiligten zur Nutzung von Informationen zu motivieren, ihnen also klar zu machen das diese Informationen für sie von Nutzen sind. Hat man die Beteiligten einmal soweit, dass sie den Nutzen für sich erkannt haben, kann man Sie auch motivieren die ihnen bekannten Informationen anderen zur Verfügung zu stellen. Geschieht dies nicht, dann ist das System über kurz oder lang zum scheitern verurteilt. Dies kann auch durch folgende Darstellung verdeutlicht werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 16 : Die Todesspirale einer Wissensbasis

Der Ausspruch „Wissen ist Macht“ hat durch den schnelllebigen Charakter der derzeitigen technischen und prozesslichen Innovationen nur einen sehr kurzlebigen Wahrheitsgehalt. Auf Grund dieser schnellen Innovationen muss Wissen also ständig weiterentwickelt werden, da alle anderen i.d.R. sehr schnell aufholen und ggf. überholen.

Die technischen Probleme sind auf jeden Fall recht einfach zu lösen. Hier können öffentliche Datenterminals, günstige und flächen- /bevölkerungsdeckende Netzzugänge auf einfache Art und Weise Abhilfe schaffen.

Nichts desto trotz ist bei all diesen Problemstellungen auch der Staat gefordert.

7 Der Staat als nationaler Wissensmanager

Ich möchte nun auf die Rolle des Staates für den Faktor Wissen eingehen. Hier muss die Frage gestellt werden welche Rolle der Staat übernehmen soll.

- Wissensverteiler
- Schaffung der Grundlagen
- Wissensverwalter / Wissensmanager

Hierbei gehe ich von einer Volkswirtschaft mit folgenden Prämissen aus:

- Demokratisch
- Marktwirtschaftlich
- Global eingebunden

7.1 Wissensverteiler

In einem solchem Umfeld kann der Staat natürlich nicht von oben herab Wissen zuteilen. Es wird sich ein jeder Teilnehmer das Recht vorbehalten das gesamte zur Verfügung stehende öffentliche Wissen nutzen zu dürfen.

7.2 Schaffung von Grundlagen

Hier kann und muss der Staat auf jeden Fall für die Grundlagen sorgen. Diese Grundlagen sind im wesentlichen im Bildungssektor zu suchen. Er muss für allgemein zugängliche qualitativ hochwertige Bildungseinrichtungen in allen Ebenen sorgen um so den Wissenserhalt und die Weiterentwicklung sicher zu stellen.

Dies bedingt das diese Einrichtungen eine qualitativ hochwertige und ausreichende Einrichtung und Ausstattung, sowohl im materiellen als auch im personellen Bereich, haben.

Sie müssen unabhängig von politischen Modeerscheinungen und Parteiproporz sein und sich nur nach der Qualität und Effektivität richten. Sie müssen des weiteren flexibel und offen in Bezug auf Veränderungen des Umfeldes sein, aber auch eine sichere Kontinuität bieten.

Gleichzeitig sollte er einen intensiven Austausch mit den Produktions- und Dienstleistungssektor fördern um so die Erkenntnisse dieser Sektoren schnellstmöglich in die Bildung einzubringen und auf der anderen Seite das neu gewonnene Wissen aus der an z.B. Hochschulen betriebenen Forschung ohne große Bürokratie und Umwege in die nationale Volkswirtschaft einzubringen, welches einen Vorteil gegenüber anderen Volkswirtschaften bieten kann.

Dies alles ist nicht umsonst zu haben, doch muss es aus der Sicht des Staates als eine Investition in die Zukunft gesehen werden. Dies schon allein aus dem Grunde heraus, dass der Staat seine Einnahmen aus der Produktion der Volkswirtschaft bezieht und er sein Einnahmenniveau nur halten kann, wenn auch der Output der Volkswirtschaft sein Niveau hält, besser noch steigert.

Eines kann in diesem Zusammenhang als sicher angenommen werden, nämlich das andere Volkswirtschaften/Staaten in Bezug auf ihre Bildungsförderung wesentlich mehr Anstrengungen unternehmen als z.B. z.Z. Deutschland. Hieraus ergibt sich auf mittelfristige Sicht ein nicht zu unterschätzendes Wettbewerbspotential zu Ungunsten Deutschlands, welches mit Sicherheit zu einem späteren Zeitpunkt ungemein schwerer und kostenintensiver aufzuholen ist. In diesem Zusammenhang kann nur auf den Ausspruch „Stillstand ist Rückschritt“ verwiesen werden. Dies wird aus nachfolgender Tabelle deutlich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 17 : internationaler Vergleich der Bildungsausgaben17

Eine andere Grundlage die der Staat schaffen muss, sind innovationsfreundliche gesetzliche Rahmenbedingungen. Das heißt u.a. das die nationale Forschung durch gesetzliche Bestimmungen nicht gegenüber vergleichbaren anderen Volkswirtschaften benachteiligt werden darf. Dies könnte mehrere Folgen haben.

- Unternehmen wandern direkt ab um günstigere Rahmenbedingungen zu finden
- Wissensträger wandern ab um sich weiterzuentwickeln und zu forschen

Die letztere Folge ist die für den Faktor Wissen vielleicht gravierernste, da hierdurch langfristig Entwicklungspotential herausgedrängt wird, welches nicht ohne weiteres und in angemessener Geschwindigkeit zu ersetzen ist.

Eine weitere Grundlage die durch den Staat gefördert werden muss ist die Vernetzung der Bevölkerung, um somit jedem Mitglied der Volkswirtschaft den Zugang zum nationalen als auch globalen Wissen zu ermöglichen. Hierdurch können mit Sicherheit brachliegende Potentiale aktiviert und gefördert werden, die dann durch ihren Input wiederum das Wissen der Volkswirtschaft mehren können.

7.3 Wissensverwalter

Ein weiterer Punkt der angesprochen werden muss, ist die Frage, ob und in Wie weit der Staat ein Wissensverwalter sein kann oder soll.

Er kann in Teilbereichen durchaus ein Wissensverwalter sein, sofern es sich um öffentliches Wissen handelt. Zu dem Bereich öffentliches Wissen zählen auch die Forschungsergebnisse der Bildungseinrichtungen und sonstiger staatlicher Institutionen. In seiner Eigenschaft als Wissensverwalter muss er dieses Wissen so effektiv wie möglich allen interessierten Angehörigen der Volkswirtschaft zur Verfügung stellen.

Er muss auch das einmal erlangte Wissen der Volkswirtschaft bewahren und sich um die Sammlung von neuem öffentlichem Wissen bemühen, wobei dies kein Selbstzweck, also das Sammeln um des Sammelns willen sein darf. Er muss vielmehr versuchen strukturiert die Öffentlichmachung von relevantem Wissen fördern.

Eine weitere Aufgabe der Verwaltung respektive des Managements ist die Förderung der Motivation der Mitglieder der Volkswirtschaft, das Wissen zu nutzen und ihr eigenes Wissen, Ihre Informationen einzubringen. Hierdurch werden Wissen-/Informationsbereiche aktiviert und genutzt die ansonsten für die Allgemeinheit nicht zugänglich sind. Dies wird durch folgende Abbildung verdeutlicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 18 : Wissensmatrix

Nun stellt sich also noch die Frage in welcher Relation der Faktor Wissen zum Erfolg eines Landes steht.

8 Relation zwischen dem Erfolg und dem Wissen eines Landes

Um diese Fragestellung zu beantworten möchte auf ein modernes Management-Konzept zurückgreifen. Dieses Konzept der Balanced Score Card beruht auf der Annahme, dass kein Teil eines Unternehmens isoliert zu betrachten ist. Zur Erklärung dieses Konzepts werde ich nachfolgend auf die wesentlichen Punkte dieses Konzeptes eingehen.

8.1 Das Balanced Score Card System

Klassisch wird das Balanced Scorecard System durch 4 Scorecards definiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 19 : klassische Darstellung des BSC-Modell, nach Kaplan/Norton

Diese Pfeile in der Abbildung 19 müssen für eine vollständige Darstellung der Prozesse der BSC meines Erachtens noch um folgende Details (in Abbildung 20 eingekreist) ergänzt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 20 : Erweiterte Darstellung des BSC-Modells

Die Relation zwischen der Vision/Strategie und den einzelnen Score Cards ist in der Realität eine Wechselwirkung zwischen diesen. Die Implemetation der BSC ist nicht eine einseitige Befehlsfolge, sondern eine Top Down Planung/Weisung und in der Folge auch eine Drill up Planung/Weisung ist. Sie läuft in beiden Richtungen ab. Ohne die Beachtung der Reaktion ist Sie also wertlos. Auch wird Balanced Scorecard in dem Moment wertlos, wenn die notwendige Austarierung zwischen den einzelnen Scorecards nicht sorgfältig erfolgt.

Zur Grundsätzlichen Definition möchte ich an dieser Stelle die 4 Score Cards kurz beschreiben.

8.1.1 Die Finanzperpektive

Die Finanzperspektive ist die wohl klassischste Perspektive aus welcher ein Unternehmen betrachtet werden kann. In dieser Perspektive werden die klassischen Finanzkennzahlen betrachtet wie da z.B. sind ROI, ROCE oder auch EVA um hier nur einige zu nennen. Wir sprechen hier also über klassische Unternehmensziele wie die Erhöhung des Betriebsergebnisses, der Rentabilität und/oder der Ausschüttung von Dividenden an die Anteilseigner des Unternehmens. Sie ist letztendlich die logische Enddarstellung und das Verknüpfungsende aller nachfolgenden Perspektiven.

8.1.2 Die Prozessperspektive

Die Prozessperspektive beschäftigt sich mit den Abläufen in einem Unternehmen. Hier ist als Zielsetzung u.a. der Vergleich der eigenen Prozesse mit vergleichbaren Prozessen in anderen Unternehmen.

Grundsätzlich kann diese Perspektive in 3 Teilbereiche gegliedert werden.

1. Der Innovationsprozess, bei welchem z.B. herausgearbeitet werden kann, wie effektiv und schnell ein Unternehmen potentielle Kundewünsche identifizieren kann oder wie schnell ein Unternehmen eine Produkt entwickelt und auf den Markt bringt (Time To Market)
2. Die betrieblichen Prozesse, wobei hier u.a. die Prozessbeherschung und -effektivität sowie auch Lieferverlässlichkeit als Maßgrößen herhalten können.
3. Der Kundendienstprozess, unter welchem man beispielsweise die Art und Weise der Reklamationsbearbeitung als auch Art und Weise der anfallenden Garantie und Wartungsarbeiten definieren, valuieren und messen kann.

All diese Prozesse ziehen in der Regel auch, je nachdem wie messbar sie sind auch Kennzahlen aus u.a. der Materialwirtschaft mit sich, wie da z.B. sein können:

- Part-per-million-Fehlerquote
- Time to market
- Break-Even-Time
- Reaktionszeiten in den verschiedensten Bereichen Um hier nur einige zu nennen.18

Nachfolgend einmal schematisch Dargestellt so wie Kaplan/Norton Gesamtzusammenhänge der Prozessperspektive sehen (Abbildung 21)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 21 : Die Prozess-Wert-Kette der internen Perspektive

Aus den vorstehenden Ausführungen ist klar ersichtlich, dass Kaplan/Norton bei der Erstellung ihres Konzeptes klar auf prozeßgetreibene Unternehmen eingegangen sind respektive zu seiner primären Grundlage gemacht haben.

8.1.3 Die Kundenperspektive

In der Kundenperspektive wird auf die Beziehung des Unternehmens zu seinen Kunden eingegangen. Es wird dargestellt wie die Kunden das Unternehmen sehen. Ziel dieser Betrachtung kann u.a. sein, die höchstmögliche Kundenzufriedenheit zu erreichen.

Friedag benennt hierzu folgende Kennzahlen wie:

- Marktanteile
- Kundeakquisition
- Kundenzufriedenheit
- Kundentreue
- Kundenrentabilität

Er führt auch sog. Leistungstreiberkennzahlen an, also beschreibende Aspekte seitens der Kunden, welche für diese extrem wichtig sind aber kaum oder nur sehr schwierig in reale Zahlen gepresst werden können Diese definiert er wie folgt:

- Produkt- und Serviceeigenschaften (Funktionalität, Qualität, Preis und Zeit)
- Kundenbeziehungen (Kompetenz, Erreichbarkeit, Reaktionszeit, Service, Transparenz o.ä.)gleichzeitig aber auch Image und Reputation.19

Weber definiert dies etwas kürzer aber vielleicht auch allgemeingültiger in dem er schreibt, dass die Kundenperspektive diejenigen Ziele erfasst, bei denen das Unternehmen in Bezug auf die Kunden- und Marktsegmente konkurrieren möchte.20

8.1.4 Die Lernen und Wissensperspektive

Diese Perspektive ist die wohl am meisten auf zukünftige Ereignisse und Anforderungen ausgerichtete Perspektive der Balanced Scorecard. Gleichzeitig werden hier aber die Voraussetzungen geschaffen, welche es den anderen drei Scorecards erst ermöglichen die gesetzten Ziele langfristig und dauerhaft zu erreichen.

Sie „identifiziert diejenige Infrastruktur, welche die Organisation schaffen muss, um langfristig Wachstum und Verbesserungen zu sichern.“21

Wir müssen hier also die Lernfähigkeit eines Unternehmens sowie dessen Möglichkeit Wissen zu managen betrachten und definieren um schließlich zu Verbesserungen zu gelangen.

Kaplan/Norton führen hierzu wie folgt aus:

„Die lernende und wachsende Organisation hat drei Ursprünge: Menschen, Systeme und Prozesse. Die finanzwirtschaftlichen, internen und Kundeziele der BSC werden normalerweise große Lücken zwischen den vorhandenen Potentialen an Menschen, Systemen und Prozessen und zu den zur Höchstleistung notwendigen Faktoren aufzeigen. Um diese Lücken zu schließen, muss das Unternehmen in Weiterbildung, Informationstechnologien und Systeme investieren und Prozesse damit in Einklang bringen.“22

Laut Weber werden hier von Kaplan/Norton in dieser Perspektive 3 Hauptkategorien unterschieden.

- Qualifizierung von Mitarbeitern
- Leistungsfähigkeit des Informationssystems
- Sowie Motivation und Zielausrichtung von Mitarbeitern23

Ich würde hier noch eine implizit, vielleicht in der Folge der Motivation und Qualifizierung häufig als selbstverständlich angenommene Hauptkategorie anfügen:

- Halten der Mitarbeiter in der Organisation / Mitarbeiterbindung

Denn was nützt es einer Organisation langfristig einen Mitarbeiter zu Qualifizieren, Ihn zu motivieren, ihn mit einem leistungsfähigen Informationssystem auszustatten und auf Ziel auszurichten, wenn dieser dem Unternehmen nicht erhalten bleibt und die Investition in ihn nicht wieder einbringt sowie darüber hinaus noch hohen Ertrag erwirtschaftet.

Gerade unter dieser Voraussetzung sollte man sich allerdings auch die Warnung von Weber klar vor Augen führen:

„Wer sich auf die Balanced Scorecard einlässt, muss wissen, dass Ihre Erstellung und Verankerung in den Köpfen einen hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand erfordert.“24

Es wird hier aber von Kaplan/Norton der Bereich des Wissensmanagement nicht so stark fokussiert wie es vielleicht für viele Unternehmen von Bedeutung wäre, denn allein mit entsprechenden IT-Systemen ist das vorhandene aber Brachliegende Wissen nicht für das Unternehmen nutzbar zu machen. Unverholen deutlich macht das der verbreitete Spruch „Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß.“25 Hierzu aber an späterer Stelle unter dem Punkt Anpassung der Scorecards an projektgetriebene Dienstleistungsunternehmen mehr.

8.2 Darstellung der Relation zwischen dem Erfolg und dem Wissen mit der BSC

Ein wesentlicher Inhalt des Konzeptes der Balanced Score Card ist also die Verknüpfung der verschieden Cards untereinander sowie die Zusammenführung und Interaktion von harten und weichen Faktoren. Wird dieses System also angewandt, erhält man die sog. Performance eines Unternehmens. Die Frage lautet also, kann man dieses Konzept/System auch auf eine Volkswirtschaft anwenden. Es ist in sofern möglich, als das dieses Konzept nicht starr auf die „klassischen 4 Scorecards“ beharrt, sondern dem Nutzer die Möglichkeit gibt seine Scorecards in Ausprägung und Anzahl so zu definieren wie sie seinen Zielen und seiner Aufgabenstellung entsprechen.

Dies würde für eine Volkswirtschaft z.B. wie folgt aussehen:

- Einkommen
- Wohlstand
- Politische Stabilität
- Wissen
- Ansehen

Für jede dieser Scorecards müssen nun strategische Ziele erstellt werden. Diese wiederum müssen dann mit Messgrößen bestückt werden. Als nächsten Schritt versucht man dann die Auswirkungen der verschiedenen Messgrößen untereinander zu definieren, einmal in Bezug auf die Stärke der Auswirkung und auch in Bezug auf den ggf. zeitlichen Versatz der Auswirkung. Selten tritt die Veränderung einer Messgröße durch eine andere in der selben Periode ein.

Sind diese Arbeiten einmal abgeschlossen und sind die Scorecards mit Daten befüllt, kann man die Performance, also den Erfolg, der Volkswirtschaft als ganzes ablesen.

Um nun die Auswirkungen des Faktors Wissen zu sehen, kann man einfach zukünftige Daten projizieren und verschiedene Daten für den Faktor Wissen eingeben. Man wird dann für das jeweilige Plandatum im Bereich Wissen die entsprechende Performance in der gesamten Volkswirtschaft erhalten.

9 Abschließende Stellungnahme

Abschließend betrachtet möchte ich betonen, dass die dargestellten Möglichkeiten durchaus praktikabel wären. Leider ist aber das politische Tagesgeschäft nicht auf langfristige Planung ausgerichtet. Auch ist der Einfluss verschiedener Klientel zu bedeutend als das eine neutrale auf absoluten Gesamterfolg ausgerichtete Politik und somit Führung eines Landes möglich wäre. Nichts desto trotz bleibt die Hoffnung, dass die Politik in zumindest einigen Teilbereichen in der Lage sein wird sich auf die Gegebenheiten einer globalen Wirtschaft einzustellen und auch verlässlich längerfristige Aufgaben zur Sicherung der Volkswirtschaft mit Taten und nicht mit reinen Lippenbekenntnissen in Angriff nimmt.

Im Bereich des globalen Abbaus von Wissens- respektive Wohlfahrtsgefällen bleibt, so hart es auch klingen mag zu sagen, dass es dort wo es Gewinner gibt auch Verlierer geben muss. Die Menge der globalen Resourcen ist definitiv begrenzt und kann nur auf unterschiedliche Art und Weise verteilt werden. In dieser Situation wird jede Volkswirtschaft danach streben den größt möglichen Anteil zu erlangen. Ziel muss es aber sein, jeder Volkswirtschaft ein Mindestmass zukommen zu lassen, um somit zumindest keine Notzustände zu haben.

Literaturverzeichnis

Balanced scorecard : Strategien erfolgreich umsetzen, Robert S. Kaplan / David P. Norton

(Hrsg.), aus dem Amerikanischen übersetzt von Peter Horváth, Schäffer-Poeschel Verlag

Balanced Scorecard alter Wein in neuen Schläuchen, Herwig R.Friedag, in controller magazin 4/98, Seite 291 ff.

Bausteine des Wissensmanagements - ein praxisorientierter Ansatz, Gilbert Probst / Kai Romhardt, 1997

Der Zusammenhang zwischen Wissen und dem Wirtschaftswachstum eines Landes, Daniel Jäger, Fb. Wiwi - VWL, 2001

Gabler Wirtschafts-Lexikon, 13. vollständig überarbeitete Auflage. © Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1993

Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, Ulrich Bayeler, Jürgen Heinrich, Walter Koch, Wirtschaftsverlag Bachem, 13. Auflage, 1991

Knowledge Networking holt das Wissen aus den Köpfen, Wolfgang Berres, Chief Knowledge Officer des Siemens-Systemhauses für Kommunikation, München, in iomanagement 10/98

Knowledge Networking holt das Wissen aus den Köpfen, Wolfgang Berres, Chief Knowledge Officer des Siemens-Systemhauses für Kommunikation, München, in iomanagement 10/98, Seite 58 ff.

Macht der Zahlen, Prof. Jürgen Weber, Koblenz, in manager magazin 12/98, Seite 184 f Unternehmensvitalisierung, Booz, Allen & Hamilton, Schäffer- Poeschel Verlag, 1997 Volkswirtschaftslehre, Neubäumer/Hewel, Verlag Dr. Th. Gabler, 1994

[...]


1 vrgl. Bausteine des Wissensmanagement - ein Praxisorientierter Ansatz, G.Probst/K.Romhardt, 1998

2 vrgl. Bausteine des Wissensmanagement - ein Praxisorientierter Ansatz, G.Probst/K.Romhardt, 1998

3 Unternehmensvitalisierung, Boos, Allen & Hamilton, 1997

4 vgl. Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, Bassler, 1991

5 Quelle: Neubäumer/Hewel, Volkswirtschaftslehre, 1995

6 aus Neubäumer/Hewel, Volkswirtschaftslehre, 1995

7 Quelle : Volkswirtschaftslehre, Neubäumer/Hewel, 1995

8 Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, Baßeler, 1991

9 Volkswirtschaftslehre, Neubäumer/Hewel, 1995

10 Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, Baßeler, 1991

11 Volkswirtschaftslehre, Neubäumer/Hewel, 1995

12 Volkswirtschaftslehre, Neubäumer/Hewel, 1995

13 aus Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, Baßeler, 1992

14 vgl. Der Zusammenhang zwischen Wissen und dem Wirtschaftswachtum eines Landes, Hausarbeit von Daniel Jäger, 2001

15 Quelle: Athur Andersen

16 Bausteine des Wissensmanagements - ein praxisorientierter Ansatz, Gilbert Probst / Kai Romhardt

17 Quelle : OECD, Bildung auf einen Blick - Indikatoren, 1998

18 Balanced scorecard : Strategien erfolgreich umsetzen, Robert S. Kaplan / David P. Norton (Hrsg.), aus dem Amerikanischen übersetzt von Peter Horváth, Schäffer-Poeschel Verlag, ISBN 3-7910-1203-7

19 Balanced Scorecard alter Wein in neuen Schläuchen, Herwig R.Friedag, controller magazin 4/98, Seite 291 ff.

20 Macht der Zahlen, Prof. Jürgen Weber, Koblenz, in manager magazin 12/98, Seite 184 f.

21 Balanced scorecard : Strategien erfolgreich umsetzen, Robert S. Kaplan / David P. Norton (Hrsg.), aus dem Amerikanischen übersetzt von Peter Horváth, Schäffer-Poeschel Verlag, ISBN 3-7910-1203-7

22 Balanced scorecard : Strategien erfolgreich umsetzen, Robert S. Kaplan / David P. Norton (Hrsg.), aus dem Amerikanischen übersetzt von Peter Horváth, Schäffer-Poeschel Verlag, ISBN 3-7910-1203-7

23,

24 Prof. Jürgen Weber, Koblenz, Macht der Zahlen, erschienen in manager magazin 12/98, Seite 184

25 Wolfgang Berres, Knowledge Networking holt das Wissen aus den Köpfen, iomanagement 10/98, Seite 61

63 von 63 Seiten

Details

Titel
Die Interaktion zwischen Wissen und dem wirtschaftlichen Erfolg eines Landes
Note
n.a.
Autor
Jahr
2001
Seiten
63
Katalognummer
V104776
Dateigröße
1061 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
fand ich als Thema spannend
Schlagworte
Interaktion, Wissen, Erfolg, Landes
Arbeit zitieren
Stefan Weber (Autor), 2001, Die Interaktion zwischen Wissen und dem wirtschaftlichen Erfolg eines Landes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104776

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