Grass, Günther - Hundejahre


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
13 Seiten, Note: 14 Punkte

Gratis online lesen

Hundejahre von Günther Grass

Günter Grass

Günter Grass wurde am 16. Oktober 1927 als Sohn eines kleinen Ladenbesitzers und seiner Frau Helene Grass, welche genauer gesagt eigentlich selber den Laden, ein Kolonialwarengeschäft, führte, in der freien Stadt Danzig geboren. Sein Vater hatte zuvor in einer Papierfabrik gearbeitet und war dort arbeitslos geworden.

Günter Grass ist Sohn einer gemischt nationalen Ehe. Sein Vater war Deutscher, seine Mutter Kaschubin. Bei den Kaschuben handelt es sich um eine kleine slawische Volksgruppe, welche im Danziger Raum lebte und alle Wanderungsbewegungen überstanden hat. Diese neben den Deutschen und Polen dritte Nationalität spielt eine große Rolle in Grass’ Werk, soweit es sich auf Danzig bezieht. Grass sagte selbst einmal in einem Interview „diese beiden Elemente (also die deutsche und die kaschubische Nationalität) rivalisieren in mir“.

Günter Grass wuchs in relativ kleinbürgerlichen Verhältnissen in dem Danziger Vorort Langfuhr auf. Dort besuchte er zunächst die Volkschule und dann das Gymnasium Conradinum. Schon in seiner Schulzeit war Grass Mitglied einer Buchgemeinschaft und ging des öfteren mit der Mutter ins Theater. Mit 10 Jahren wurde Grass Mitglied des Jungvolkes, mit 14 wurde er in die Hitlerjugend eingegliedert und mit 15 war er Luftwaffenhelfer. Das Kriegende erlebte er nicht mehr in Danzig, denn noch 1944 zog man ihn, den17 jährigen Jungen, als Soldat, genauer gesagt als Panzerschütze, in den 2. Weltkrieg ein.

Günter Grass war nie ein richtiger Hitler- Anhänger oder ein

fanatischer Nationalsozialist, doch so absolut dagegen schien er allerdings seinerzeit auch noch nicht gewesen zu sein. Denn er machte seine „Karriere“ während der NS- Zeit nicht widerwillig und seine politische Einsicht wuchs erst nach dem Krieg, wenn auch erste Ansätze schon vorher vorhanden gewesen sein müssen. So las er neben Ernst Jüngers “In Stahlgewittern“ während der Kriegsjahre auch Remarques streng verbotenes „Im Westen nichts Neues“, welches in einem Bücherschrank seines Onkels Verbot und Verbrennung überlebt hatte.

Günter Grass wurde 1945 an der Ostfront bei Cottbus verwundet und gelangte von dort in ein Lazarett nach Marienbad in Böhmen. Somit geriet er hier in amerikanische Kriegsgefangenschaft. In einem bayrischen Gefangenenlager begann für Grass die Bewältigung der Vergangenheit.

Aus Bayern ließ sich Günter 1946 in ein britisches Gefangenenlager, das Munsterlager in der Lüneburger Heide, verlegen. Aufgrund einer Schulterverletzung wurde er vor einer längeren Kriegsgefangenschaft als Bergarbeiter in Großbritannien bewahrt. Nach seiner Entlassung ging er mit einem Mitgefangenem nach Köln zu dessen Mutter, da er von seinen Eltern noch keine Nachricht erhalten hatte. Dort stieg er erst einmal auf die Vermittlung der Mutter seines ehemaligen Mitgefangenen in kleinere Schwarzmarktgeschäfte ein. Er war seinerzeit unentschlossen, ob er wieder aufs Gymnasium gehen sollte um das Abitur zu machen. An die von ihm angestrebte Ausbildung als Bildhauer war in dieser Zeit, welche vom täglichen Kampf gegen den Hunger bestimmt war, nicht zu denken. Nach einem kurzfristigen Aufenthalt, er fühlte sich nicht sehr wohl und verließ die Schule bald wieder, wurde er dann Bergarbeiter in einem Kalibergwerk bei Hannover. Nachdem er dort schon fast ein knappes Jahr gearbeitet hatte, erhielt er endlich eine erste Nachricht von seinen Eltern.

Diese waren aus Danzig geflüchtet, hatten sich dann kurze Zeit in der sowjetischen Besatzungszone aufgehalten und waren dann bei einem Bauern im Rheinland untergekommen. Günter Grass zog zu seinen Eltern und zu seiner 16 jährigen Schwester ins Rheinland. In den Jahren 1946 und 1949 machte er eine Steinmetz- und Steinbildhauerlehre.

Ab dem Wintersemester 1949 studierte Grass an der Kunstakademie in Düsseldorf und lebte dort bescheiden in einem Caritasheim. 1951 unternahm Grass eine Reise nach Italien und 1952 gelangt er das erste Mal nach Paris. Diesen Reisen sollten dann in den darauffolgenden Jahren viele, meist beruflich begründete, in alle Teile der Welt folgen.

So unternahm Grass beispielsweise 1955 eine Reise nach Spanien, 1957 und 1959 reist er nach Polen und in den Jahren1961 und 1962 zu Vorträgen nach Skandinavien und England. Im Jahre 1952 verlegt Günter Grass seinen Wohnsitz aus dem „Wirtschaftswunder- Düsseldorf“ nach Berlin(West), wo die Auswirkungen des Krieges deutlicher sichtbar blieben, und wurde dort Schüler des Bildhauers Karl Hartung.1954 starb Grass’ Mutter im Alter von 56 Jahren. Im selben Jahr heiratete Günter Grass seine erste Frau Anna Margaretha Schwarz, welcher der Roman „Die Blechtrommel“ gewidmet ist.

Erst Annerkennung als Schriftsteller erhielt Günter Grass bei einem Lyrikwettbewerb des Stuttgarter Rundfunks, bei welchem er im Jahre 1955 den Hauptpreis für das Gedicht „Lilien aus dem Schlaf“ gewann. Sein erster Lyrikband „Die Vorzüge der Windhühner“ erschien 1955/56. Dramatische Werke, welche in den Jahren entstanden, als Günter Grass durch ein Stipendium eines Verlages über Wasser gehalten wurde, fanden zwar teilweise gute Kritiken jedoch keinen Intendanten. Von 1956 lebte Günter Grass mit seiner Familie in Paris. Hier begann er mit seiner Arbeit an der Blechtrommel.

Als Günter Grass 1958 auf einer Tagung der „Gruppe 47“, einer Vereinigung deutscher Schriftsteller, Teile seines derzeit noch unfertigen Romans „Die Blechtrommel“ vorlas, wurde ihm der mit 3000 DM dotierte Literaturpreis verliehen. Das Manuskript des Romans beendete Günter Grass im Frühjahr 1959. Der Roman wurde noch im Herbst des selben Jahres veröffentlicht. Er wurde zu einem großen Welterfolg, der Günther Grass auch von materiellen Sorgen befreite.

Im Jahre 1963 veröffentlichte Grass einen neuen Gedichtband mit dem Namen „Gleisdreieck“. Im gleichen Jahr erhielt Grass den Literaturpreis des Verbandes deutscher Kritiker. 1961 folgte dann Grass’ nächstes größeres und bedeutendes Werk, die Novelle „Katz und Maus“. Ein Jahr darauf wurde Grass ein französischer Literaturpreis verliehen.

Nach dem weltweiten Erfolg der „Blechtrommel“ war der Weg auch für Grass’* dramatischen Arbeiten geebnet. Nach kleineren Stücken wie „Hochwasser“ ( Uraufführung 1957in Frankfurt/M.), „Onkel, Onkel“ (Uraufführung 1958 in Köln), „Noch zehn Minuten bis Buffalo“ (Uraufführung 1959 in Bochum) und „Goldmäulchen“ wurden 1961 „Die bösen Köche“ als ein abendfüllendes Stück im Werkstatt- Theater des Schillertheaters Berlin uraufgeführt.

Im Jahre 1963 veröffentlichte Grass dann den Roman „Hundejahre“, welcher seinerzeit in der Kritik auch für erhebliche Diskussionen sorgte. Gemeinsam mit der „Blechtrommel“ und der Novelle „Katz und Maus“ bilden die Hundejahre Grass’ „Danziger Trilogie“. In Berlin wo Grass Mitarbeiter des „Spandauer Volksblattes“ war, versuchte er gemeinsam mit Wolfgang Neuss und Uwe Johnson einen Durchbruch durch die Uniformität der Berliner Presse zu erkämpfen. Dieser gesellschaftspolitischen Aktion folgten sowohl Proteste gegen die Unterdrückung der Freiheit in der DDR als auch Proteste gegen die Politik der Bundesrepublik. In diese Linie passt sein Theaterstück „Die Plebejer proben den Aufstand“, welches das Verhalten Brechts während des Berliner Aufstandes am 17.06.1953 behandelt. Von 1964 bis zuletzt März 1970 reiste Grass jährlich in die USA um aus Arbeiten zu lesen. Im Jahre 1965 wurde Günther Grass der Georg- Büchner-Preis verliehen. Es folgte 1968 der Fontane- und der Theodor- Heuss- Preis. In den Jahren 1967- 1969 erschien Grass’ dritter Lyrikband „Ausgefragt“, ein Band von Reden, Aufsätzen, offenen Briefen und Kommentaren, welcher „Über das Selbstverständliche“ betitelt wurde, das Buch „Über meinen Lehrer Döblin und andere Vorträge“ und schließlich sein dritter großer Roman „Örtlich betäubt“(1996).

Dieser, welcher vor allem in den USA zu einem Riesenerfolg wurde und ein Protest gegen den Vietnamkrieg ist, gehört zu den Büchern, in welchen Grass sowohl soziale als auch politische Themen behandelt. Dies ist typisch für seine Bücher ab dem Ende der 60er Jahre.

Weitere Bücher dieser Art sind „Der Butt“(1977), eine Interpretation der Beziehungen der Geschlechter während der Geschichte, „Die Rättin“(1986), eine Vision über das Ende der Menschheit, welches Grass’ Angst vor dem nuklearen oder einem Umweltdesaster widerspiegelt bzw. ausdrückt, und „Unkenrufe“(1992), ein Buch welches die deutsch- polnischen Beziehungen behandelt. Im Frühjahr des Jahres 1970 schrieb Grass das Libretto zu einem neuen Ballet Aribert Reimanns. 1973 unternahm Grass eine Reise nach Israel. Im Jahre 1976 wurde Günter Grass Ehrendoktor der Harvard- University in den USA. Des weiteren ist er auch Ehrendoktor der Kenyon- University in Ohio. 1978 erschien, wie schon erwähnt, Grass umfangreicher Roman „Der Butt“. Es folgten 1979 „Das Treffen in Telgte“ und ein Jahr darauf „Kopfgeburten“. 1982 wurde Günter Grass für seine Arbeit in Rom der Feltrinelli- Preis verliehen. Im Jahre 1986 veröffentlichte Grass dann den Roman die „Rättin“. Von 1986 lebte Günter Grass für einige Monate in den Vororten von Kalkutta in Indien. Schon 1975 hatte er eine erste Reise in dieses Land unternommen. Aus Indien brachte Günter Grass 1987 sein Tagebuch „Zunge zeigen“ mit, in welchem er die abendländische Mitschuld am Elend der indischen Bevölkerung darstellt. Günter Grass’ bisher letztes bedeutendes Werk war „Ein weites ‚Feld“, welches 1995 erschienen ist und von der Kritik mit sehr gemischten Gefühlen aufgefasst wurde. Das Thema dieses Buches ist die Deutsche Wiedervereinigung, welche anhand der Person des Treuhand- Mitarbeiters Wuttke dargestellt wird.

1999 wurde Günter Grass der Nobelpreis für Literatur in Kopenhagen verliehen.

Hundejahre

„Erzähl Du. Nein, erzählen Sie! Oder Du erzählst. Soll etwa der Schauspieler anfangen? Sollen die Scheuchen, alle durcheinander? Oder wollen wir abwarten, bis sich die acht Planeten im Zeichen Wassermann geballt haben? Bitte, fangen Sie an! Schließlich hat ihr Hund damals. Doch bevor mein Hund, hat schon Ihr Hund, und der Hund vom Hund. Einer muss anfangen: Du oder Er oder Sie oder Ich... Vor vielen vielen Sonnenuntergängen, lange bevor es uns gab floss, ohne uns zu spiegeln, tagtäglich die Weichsel und mündete immerfort.“ So fängt die Geschichte der Hundejahre an.

Diesen Anfang macht jemand namens Brauxel, der sich auch Brauksel oder Brauchsel schreibt und einem Bergwerk vorsteht. Er fordert andere zum Erzählen auf. Das Bergwerk fördert weder Kali, Erz noch Kohle es produziert Scheuchen, Vogelscheuchen, als Automaten nachgestaltet aus dem Geist natürlicher und geschichtlicher Schrecken und zu vielerlei Zwecken verwendbar. Brauxel hat zwei weitere Autoren unter Vertrag: den Funkautor Harry Liebenau und den Schauspieler Walter Matern.

Brauxel erzählt zunächst selbst, betont ständig, dass er dem Bergwerk vorsteht, und beginnt mit dem ältesten Teil der Geschichte, die in den Weichselniederungen spielt, es ist die Geschichte einer Freundschaft zwischen den Jungen Eduard (Eddi) Amsel, Sohn des jüdischen Händlers Albrecht Amsel, und Walter Matern, Sohn des Besitzers der Luisenmühle zu Nickelswalde.

Brauksel teilt seinen Teil des Buches nach Frühschichten ein. Er stellt die Jungen vor und bald schon ist die Rede von der Hündin Senta. Auch stellt er Eddi als Vogelscheuchenbauer vor, der schon als Fünfeinhalbjähriger seine erste nennenswerte Scheuche baute. Nach 33 Frühschichten überlässt er dem jungen Harry Liebenau das Wort.

Harry Liebenau gestaltet seinen Teil des Buches ganz anders als Brauxel. Er erzählt die Geschichte seiner Jugend indem er ständig seine Cousine Tulla anredet, es soll der Eindruck von „Liebesbriefen“ entstehen. Er schildert die gemeinsame Zeit auf dem Hof der Tischlerei Liebenau in Danzig- Langfuhr. Er erinnert Tulla an die dicke Jenny, Adoptivkind des Studienrats Oswald Brunies, die gleichberechtigten Anteil an der gemeinsamen Vergangenheit hat.

In diesen „Briefen“ wird ein Kolonialwarenhändler namens Matzerat und ein gewisser, „die Blechtrommel rührender Gnom“ beiläufig erwähnt. Beide Figuren sind Teil des Romans „Die Blechtrommel“.

Dann taucht bei seiner Schilderung noch der Hofhund der Tischlerei auf. Harras ist ein deutscher Schäferhund, schwarz, Deckrüde, der im Zuchtbuch steht. Er ist der Sohn von Senta, was wiederum ständig erwähnt wird. So kommen auch die Kinder zusammen: Eddi Amsel und Walter Matern sind schon Danziger Gymnasiasten, Tulla, Jenny und Harry etliche Jahre jünger.

Tulla verbringt wegen dem unerwarteten Tod ihres taubstummen Bruders sieben Tage in Harras’ Hundehütte. Dieser wird als Deckrüde eingesetzt und zeugt mit der Hündin Thekla von Schüddelkau fünf Welpen, von denen wird einer, Prinz, „im Namen der Partei und der deutschen Bevölkerung der deutschen Stadt Danzig dem Führer und Reichskanzler, anlässlich seines sechsundvierzigsten Geburtstages“ zum Geschenk gemacht. So wird Harry durch Harras berühmt, denn dieser wird für viele Zeitungen fotografiert und von vielen Menschen besucht.

Noch in den „Liebesbriefen“ erfährt der übrigens schon als Kind fettleibige Vogelscheuchen fabrizierende, zeichnende, singende Eddi Amsel eine tiefgreifende Verwandlung. Gleichzeitig mit der dicken Jenny, die schon lange und vergeblich, um nicht so dick zu bleiben, die Ballettschule besucht.

Eddi wird nach einem Kampf mit neun SA-Männern, bei dem ausgerechnet Matern ihm die Zähne ausschlägt, in einen Schneemann verwandelt, um, wie auch Jenny, bei dem folgendem Tauwetter rank und schlank entlassen zu werden, dann aber als Herr Haselhoff zum Ballettmeister zu avancieren und mit der als Tänzerin immer erfolgreicheren Jenny nach Berlin zu gehen. Die Verwandlung (schließlich ist er Halbjude) rettet ihn. Ein geplantes Vogelscheuchenballett aber kommt nicht mehr zustande, da bei einem Luftangriff alles zerstört wird, Jenny wird verletzt und kann danach nicht mehr tanzen.

Nun ist die Reihe an Walter Matern. Er ist der Verfasser der „Materniaden“ das dritte Buch. Er ist Müllersohn und Schauspieler, Freund von Eddi Amsel. Walter erinnert sich an die Zeit, in der er mit seinem Hund Pluto, der ihm zugelaufen ist, unterwegs durch Westdeutschland gewandert ist, um rachedurstig vielen jungen und älteren Damen mit Nazivergangenheit den Tripper zu überbringen.

Sein Vater macht Weissagungen von Mehlwürmern, die er in einem Mehlsäckchen aus Nickelswalde nach Westen herübergerettet hat, die das Wirtschaftswachstum in Gang bringen. Der alte Müller versteht seine Mehlwürmer, er braucht nur sein Ohr an das Säckchen zu halten, um den neuen westdeutschen Führungskräften, auch „Wurmpotenzen“ genannt, Rat zu geben.

Weder Liebenau noch Matern ahnen, dass Brauxel, alias Eddi Amsel, Haselhoff und auch Goldmäulchen, sein Bergwerk vervollständigt hat. Es ist sein Vogelscheuchen-Bergwerk, in das Walter Matern mit seinem Höllenhund Pluto Brauxel begleiten muss.

Wie wird die Spannung erzeugt? Die Spannung wird zum einen erzeugt, dass die wahre Identität von Brauxel, Brauksel oder Brauchsel, Amsel, Haselhoff und Goldmäulchen zwar wiederholt angedeutet, aber erst in den „Materniaden“ gänzlich aufgedeckt wird.

Brauksel, der die beiden anderen Autoren noch unter Vertrag hat, zieht die Fäden. Er bestimmt die Vorgehensweise. So überwacht er die Einzelheiten des Schreibens, zahlt Honorare, beantwortet Fragen der Mitautoren und drängt telegraphisch auf Fertigstellung vor einer bedrohlichen Planetenkonstellation am

4. Februar 1962. So werden alle Teile an diesem Tag fertig gestellt.

Durch die späte Aufklärung der Identität Brauxels wird die Erzählung ganz plötzlich zur Ich-Erzählung.

Spannung wird erzeugt durch die verschiedenen Buchüberschriften. So sind die Frühschichten doppeldeutig, da sie sich zum einen auf die erzählte Zeit beziehen (Frühschicht im Bergwerk) und zum anderen auf die früheste Schicht des gesamten Werkes (von der Geburt Amsels und Materns 1917 bis zur Geburt Tullas am 11.6.1927).

So spielt der Erzähler der „Frühschichten“ mit dem Verhältnis von Erzählzeit zu erzählter Zeit. Dies wird besonders deutlich da er das Erzählte als Rückschau des Erzählers in der genau datierten Erzählgegenwart einsetzt, so wird es als vergangen bewusst gemacht.

Ansonsten springt er in der Vergangenheit beliebig herum, doch macht er vorher auf die Sprünge aufmerksam.

In den „Liebesbriefen“ wird ganz anders Spannung erzeugt: So stellt Harry Liebenau von Anfang an fest, dass er nicht wirklich für Tulla schreibt, denn er weiß, „dass jedes Wort an Dich verloren ist,...Du hörst nicht zu.“(S.151)

Trotzdem ist man in den „Liebesbriefen“ sich nicht so sehr der Gegenwart bewusst. Man sieht die Zeit vor 1945 mit den Augen des Jugendlichen Harry Liebenau, da man eintauchen kann in die Geschichte seiner Jugend. Harry Liebenau ist Zeuge der Verwandlung Amsels und Jennys.

Die „Materniaden“ haben ihren Namen von ihrem Autor Walter Matern, diesen Titel gibt er auch in der Erzählung seinen Abenteuern und die seiner Vorfahren.

Walter Matern will die Vergangenheit nicht zur Kenntnis nehmen, er will verdrängen. So ist er nicht ohne Grund schwach in Geschichte und ohne Gedächtnis. Walter Matern hat den Auftrag den letzten Teil des Buches zu schreiben, von 1946 bis Mai 1957. Matern ist der einzige der drei Autoren, der im Präsens schreibt, dass ist zum einen lobenswert, da er das Vergangene nicht vergangen sein lassen will, andererseits bedeutet es auch, dass er seine eigene Vergangenheit nicht anerkennt. So hat er durch die Benutzung des Präsens die Möglichkeit in eine Theaterrolle zu schlüpfen und so Abstand zu seinem eigenen Verhalten zu gewinnen. Walter ist der Täter, der seinen Rachefeldzug durch Westdeutschland führt, aber nicht wirklich dazu kommt sich zu rächen.

Amsel und Matern

Die Handlung des Romans wird durch die Spannung, die zwischen Amsel und Matern liegt, vorangetrieben. So leben die beiden nicht in ewiger Freundschaft, sondern es herrscht auch Feindschaft zwischen ihnen. Der Roman beginnt mit einer Krisensituation der beiden, Matern wirft nämlich das Taschenmesser von Amsel („das Amsel mit seinem Geld gekauft hat“) in die Weichsel. Amsel beobachtet das Geschehen und so wetten sie, ob Matern ein neues Messer von seinem Freund annehmen wird.

Diese Frage wird erst am Ende der Geschichte gelöst, wenn Matern das Messer zurückerhält, um es sofort wieder wegzuwerfen.

Ein weiterer Spannungsbogen fängt etwa in der Mitte des Buches an, da der Leser die Wette bis dahin vielleicht schon vergessen hat, denn die Wege der beiden trennen sich nach dem Attentat. Doch bei Harry Liebenau laufen die Wege wieder zusammen, indem er immer wieder Informationen zu den beiden gibt.

Sobald Matern seine „Materniaden" eröffnet, bilden die „Sawatzkis“ die Verbindung. „Goldmäulchen“ erkundigt sich des öfteren bei den Sawatzkis nach Matern und so ist das Wiedersehen der Freunde nicht von großem Zufall. Man wartet eher auf das endgültige Wiedersehen am Schluss des Romans, wobei die Rückgabe des Messers den Höhepunkt bildet.

Amsel und Matern sind sehr gegensätzlich. Amsel ist der Künstler und der Beobachter, während Matern der Täter und der Handelnde ist. Amsel erkennt und Matern prügelt. Amsel hat aber zwei Seiten, er ist nicht nur der Mann, der sich in das Bergwerk zurückzieht, ebenso ist er auch sehr weltgewandt.

Matern ist eigentlich kein Individuum, denn er versteckt sich hinter seinen vielen Schauspielrollen, er hat keinen unverwechselbaren Kern. Das sagt er auch selbst über sich, denn er bezeichnet sich als „leeren Schrank voller Uniformen“. So ist für Matern sein Schauspiel unverwechselbar, während für Amsel die Scheuchen sprechen.

Amsel baut seine Scheuchen „nach dem Bilde des Menschen“, „zwecklos und gegen nichts“, „gegen niemanden baute er, aus formalen Gründen“ und doch hat es viel auf sich mit den Scheuchen. Er kann sie gut vermarkten, denn ihren eigentlichen Zweck erfüllen sie mehr als gut. Doch ist noch etwas mit den Scheuchen, sie ahmen menschliche Eigenschaften so gut nach, indem sie isoliert, zugleich verzerrt und verdeutlicht werden, so dass sie bei ihrem Abbild „verscheucht“ werden.

Matern wird dreimal mit den Scheuchen seines Freundes konfrontiert. Beim erstenmal sieht er sein raufendes und prügelndes Ebenbild und so wandelt er sich in den Beschützer Amsels.

Das zweitemal sieht er sich als SA-Mann einem SA-Sturm aus Scheuchen konfrontiert, weigert sich aber, sich zu ändern und die Wahrheit aufzunehmen.

Beim drittenmal ist er dann im Bergwerk und sieht die Welt als Scheuchenwelt, es sind alle menschlichen Verhaltensweisen vorhanden, ebenso die Geschichte der Menschheit. Die Unterwelt entlarvt als Spiegel die Oberwelt. Matern will auch diese nicht wahrhaben und so lässt er erkennen, dass er es als Zersetzung sieht.

Matern ist von den Scheuchen so betroffen, weil er das Gegenteil von ihnen ist. Er verdrängt eigene Eigenschaften, projiziert sie auf das Abbild und verfolgt sie darin. Das sind seine Rachefeldzüge: In Harras vergiftet er seine Nazivergangenheit, in Heidegger verfolgt er sich als den, der Liebenau zur Leugnung des zum Himmel stinkenden Knochenberges verführt hat, im Priester rechnet er mit seinem zeitweiligen Katholizismus ab, in den alten Nazis mit seiner eigenen SA-Vergangenheit. So stellt er Sawatzki wegen eines Mordes zur Rede, den er selbst begangen hat.

Aber nicht nur Matern hat gegenüber den Nazis versagt. Auch Amsel ist nicht im Widerstand gestorben, als Künstler flüchtet er sich zunächst in Musik und Zeichnung, anstatt er seine Scheuchen benutzt um aufzuklären.

Tulla und Jenny

Matern und Amsel haben mit den Mädchen viele Gemeinsamkeiten. Matern ermordet Amsel zur selben Zeit und unter denselben Umständen, wie Tulla Jenny ermordet. Jenny und Amsel sind dann durch ihre Ballettkarriere verbunden, ebenso haben ihre Namen, Goldmäulchen und Angustri (der Name ihres Silberringes), Gemeinsamkeiten. Amsel wie auch Jenny sind rassisch Verfolgte.

Tulla hat einen besonderen Stellenwert, denn sie ist der Dämon. Sie ist es, die den Mord an Jenny verübt und in dieser Szene wird die Hilflosigkeit der anderen Kinder deutlich. Dies ist eine Schlüsselszene, in der die hilflos Zusehenden entlarvt werden.

Die Hunde

Der Roman „Hundejahre“ beinhaltet nicht nur die Lebensgeschichten von Amsel und Matern, sondern ist auch die Geschichte der Hunde. So ist in jedem Buch ein Hund mit zunehmender Wichtigkeit. Grass betont immer wieder die Abstammung dieser Hundefamilie. Er weist wiederholt auf den Anfang des Stammbaums an dem eine Litauische Wölfin steht, so sieht er die Gefahr, dass das Wolfsblut noch einmal durchschlägt (Entartung).

Prinz entwickelt sich zum Repräsentanten der Nazis. Er macht eine Entwicklung vom Mittelklasse Hofhund zum Nazi durch. Für die Bürger ist der Hund ein Grund sich die Wochenschau anzusehen, er ist der einzige Zugang zur Politik. Wegen des Hundes treten die Bürger in die NSDAP ein.

Quellennachweis:

1.Günter Grass, Heinrich Vormweg, rororo Reinbek bei Hamburg, November 1986

2.Materialien Günter Grass >Die Blechtrommel<, >Katz und Maus<, Annegrit Brunkhorst-Hasenclever und Martin Brunkhorst, Ernst Klett Stuttgart 1981

3.Günter Grass >Katz und Maus<, Ingried Tiesler, Oldenbourg Verlag GmbH, München 1975

4.Günter Grass >Katz und Maus<, Alexander Ritter, Philipp Reclam jun. Stuttgart 1977

5.Günter Grass Sammlung, Volker Neuhaus, Metzler Stuttgart 1992

6.Internet: www.studentshelp.de www.grin.de

www.hausarbeiten.de

13 von 13 Seiten

Details

Titel
Grass, Günther - Hundejahre
Note
14 Punkte
Autor
Jahr
2000
Seiten
13
Katalognummer
V104811
Dateigröße
356 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grass, Günther, Hundejahre
Arbeit zitieren
Tanja Huß (Autor), 2000, Grass, Günther - Hundejahre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104811

Kommentare

  • Gast am 7.2.2002

    klasse!.

    gut geschrieben!
    es fehlen mir nur etwas genauere textstellen bezüge. :-)

  • Gast am 26.2.2002

    einfach das besstes Referat, das ich finden konnte.

    Einfach das besstes Referat, das ich zu "Hundejahre" finden konnte!!!

  • Gast am 27.5.2005

    bestens !!.

    da mir es sehr schwer g efallen ist, das buch aufmerksam zu lesen, ist dieses Referat meine Rettung !! Es klärt alle meiner Fragen und ist einfach Super =)

Im eBook lesen
Titel: Grass, Günther - Hundejahre


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden