Lessing, G. E. - Nathan der Weise - Interpretation Ringparabel


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
3 Seiten, Note: 2+

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Interpretation Ringparabel

G.E. Lessing schrieb das Werk „Nathan der Weise“ in Wolfenbüttel, es wurde 1779 fertiggestellt und 1781 erstmals aufgeführt. Lessing, einer der führenden Aufklärer in der deutschen Literatur, studierte in Leipzig Theologie, Philosophie und d Medizin. Er war ein angesehener Theater- und Literaturkritiker und arbeitete für einige kritische Zeitschriften, wie z.b. für die „Berliner privilegierten Zeitung“. Er starb 1781 in Wolfenbüttel vor der Erstaufführung von „Nathan der Weise“.

Seit 1774 veröffentlichte er Teile aus Reimarus Manuskript als „Fragmente eines Ungenannten“. Dadurch entwickelte sich der sogenannte „Fragmentenstreit“ zwischen Lessing und Vertretern der orthodoxen lutherischen Kirchenlehre. Lessings Gegner konnten auch den Herzog Carl auf ihre Seite ziehen und er verbot am 3. August 1778 Lessings Schriften in Zukunft ohne Zensur drucken zu lassen. Daraufhin beschloss Lessing ein Drama zu schreiben, welches nicht unter der Zensur des Herzogs stand. In seinem entstanden Drama, „Nathan der Weiße“ gibt er aber trotzdem, wenn auch mit anderen Mitteln, seine theologische Meinung bekannt.

In der Vorgeschichte der Ringparabel (lehrhafte Darstellung an einem Beispiel) ist von einem Ring die Rede der die „geheim Kraft vor Gott Und Menschen angenehm zu machen, wer In dieser Zuversicht ihn trug“ Dieser Ring wird immer vom Vater auf den jeweils liebsten Sohn vererbt. Nach einiger Zeit kommt der Ring zu einem Vater, der drei Söhne hat, die er alle drei gleich liebt. Allen dreien hat er bereits ohne das Wissen der beiden Anderen den Ring versprochen. Um keinen der drei Söhne enttäuschen zu müssen, geht er zu einem Goldschmied und lässt zwei weitere, dem Original vollkommen gleichen Ringe anfertigen. Das gelingt dem Goldschmied so gut, dass nicht einmal der Vater selbst die Ringe auseinander halten kann. Daraufhin ruft er jeden seiner drei Söhne einzeln zu sich und übergibt jedem einen Ring; Kurz darauf stirbt er. Hier unterbricht Nathan seine Erzählung und vergleicht die Ringe mit den Religionen beziehungsweise den (einzigen) echten Ring mit dem (einzigen) wahren Glauben. Diese Art der bildhaften Darstellung wird Allegorie genannt. Auf den Einwurf Saladins, dass die Religionen sehr wohl zu unterscheiden seien, antwortet Nathan, dass diese Unterschiede nur rein äußerlich und Ergebnisse einer geschichtlichen Entwicklung seien. Anschließend fährt Nathan mit der Erzählung fort: Nach dem Tod des Vaters geraten die Söhne in Streit, welcher Ring denn nun der echte sei. Sie gehen zu einem Richter, der zunächst ratlos ist, sich dann aber an die Wunderkraft des Ringes erinnert und jeweils zwei der drei Söhne fragt, wen von ihnen sie am meisten lieben, aber keiner weist diese Eigenschaft auf, die ursprünglich den Träger des Rings ausgezeichnet hat. Der Richter vermutet nun, dass der echte Ring verloren ging, gibt den drei Söhnen aber folgenden Rat:

„Wohlan!

Es eifre jeder seiner unbestochnen

Von Vorurteilen freien Liebe nach!

Es strebe von euch jeder um die Wette,

Die Kraft des Steins in seinem Ring’ an Tag Zu legen!“

Er fordert sie also auf, sich immer so zu verhalten, als sei ihr Ring der Richtige. Des Weiteren erwähnt er, dass es später einen weiseren Richter, als ihn, geben wird.

Der Streit der drei Brüder, wer denn den echten Ring habe, findet sich im Streit um die wahre Religion wieder. Welche Religion, beziehungsweise welcher Ring der Richtige ist, ist nicht herauszufinden. Laut Nathans Erzählung (und damit auch nach Lessings Meinung) kommen alle drei Religionen, wie die drei Ringe, vom Vater - also Gott - und sind, als „Gabe Gottes“, echt. Ein Streit um den echten Ring ist daher sinnlos und lenkt vom Sinn und Zweck der Religion ab. Er meint, dass es möglich sei, „dass der Vater nun Die Tyrannei des einen Rings nicht länger In seinem Hause dulden wolle“ , dass also Gott gewollt habe, dass die drei Religionen sich nicht unterscheiden, was zur Konsequenz hätte, dass alle, die ihre Religion für die einzig wahre halten, Gott zuwider handeln. Wer aber könnte sich schon zutrauen, Dinge zu unterscheiden, die Gott so gemacht hat, dass sie nicht zu unterscheiden sind? Genau das ist die Aufgabe, die Nathan von Saladin erhalten hat und die, wie Nathan durch die Ringparabel deutlich macht, unlösbar ist. Nathan dreht am Ende seiner Erzählung den Spieß um und fragt Saladin, ob er denn von sich glaube, der weisere Richter zu sein, der die Religionen unterscheiden kann, worauf Saladin entgegnet:

„Ich Staub? Ich Nichts O Gott!“

Saladin wird also, wie die drei Brüder, durch den Richterspruch beziehungsweise Nathans Aussage, erzogen und erkennt die Wahrheit in Nathans Worten.

Die Aussage, sich immer so zu verhalten, als müsse man durch Menschlichkeit beweisen, dass seine Religion die Richtige sei, ist das ultimative Mittel, um Friede, Menschlichkeit und Toleranz zwischen den Religionen aufzubauen.. Nathan (und damit Lessing) setzt sich für Toleranz ein, was in einer Erläuterung Nathans zur Ringparabel deutlich wird:

„Wie kann ich meinen Vätern weniger Als du den deinen glauben? Oder umgekehrt. -

Kann ich von dir verlangen, dass du deine Vorfahren Lügen strafst, um meinen nicht Zu widersprechen?“

Nathan betont also, dass sich alle Religionen auf Geschichte gründen, dass man alle anderen Religionen tolerieren muss, da jeder der Überlieferung seiner Vorfahren am meisten Glauben schenkt und so nie objektiv handeln und entscheiden kann. Nach Nathans Meinung unterscheiden sich die Religionen ohnehin nur im Äußeren, der „Kern“ ist immer gleich und von Gott gegeben.

Nathans Handeln entspricht auch dem aufklärerischen Gedanken vom „allgemeinen Menschen“, von der „Gleichheit“ der Menschen. Durch die Erziehung Rechas, des Tempelherrn und Saladins erzieht er jeweils einen Vertreter der drei Religionen (wenn man Recha als Jüdin zählt), außerdem nimmt er keinerlei Rücksicht auf den sozialen Rang der zu erziehenden Personen.

Wie Lessing ist auch Nathan ein Anhänger des Deismus und der Vernunft. Deismus bedeutet, dass Gott die Welt zwar erschaffen und mit vernünftigen Naturgesetzten ausgestattet hat, aber seit de Erschaffung der Welt nicht mehr aktiv in die Welt eingreift.

Ein Beleg in der Ringparabel findet sich in der Tatsache, dass der Vater, also Gott, seinen Kindern die drei Ringe überlässt und daraufhin stirbt, er kann also nicht mehr aktiv in den Streit seiner drei Söhne eingreifen, sie sind auf sich allein gestellt und es gibt keine Möglichkeit, den Vater wieder zum Leben zu erwecken und ihn um Rat zu fragen. Recha glaubt anfangs fest, ein Engel habe sie aus dem Feuer gerettet. Nathan stellt den Wunderglauben als eine sehr bequeme Möglichkeit dar, Dank und Verantwortung zu umgehen, einem Engel kann man schließlich keinen Gegendienst erweisen; ganz im Gegensatz zu einem Menschen, dem man später eine Gegenleistung erweisen kann, was Nathan für Recha abschließend noch einmal zusammenfasst:

„Begreifst du aber,

Wieviel andächtig schwärmen leichter, als Gut handeln ist?“

Lessings Stücks „Nathan der Weise“ wurde vom Publikum sehr unterschiedlichen Reaktionen aufgenommen: Während bei der Uraufführung am 14. März 1783 das Theater bis auf den letzten Platz gefüllt war, blieb schon bei der dritten Aufführung der Ansturm aus: Kritik wurde in Fachkreisen vor allem an der dramatischen Form Lessings Drama geübt: „Freilich hat das Stück nur wenig theatralisches “ Erst von der Inszenierung Schillers (Weimar, 1801) geht größerer „theatralisch Wirkung“ aus. Er verändert „Nathan den Weise“ beträchtlich, indem er allzu kritische und anstößige Textstellen, wie Sittahs Kritik am Verhalten der Christen, entschärft.

Der häufigste Kritikpunkt war allerdings, dass der „Held“ des Dramas ein Jude ist. Der materialistische Philosoph Eugen Dühring bezeichnete den „Nathan“ sogar als ein „plattes Judenstück (...) auf einem niedrigstem Geistesniveau“. Antisemitismus war auch 1933 der Grund für das Verschwinden des Dramas von der Bühne und aus dem Schulunterricht. Dabei steht es außer Frage, dass die Aussage des Stückes, Humanität und Toleranz, zu allen Zeiten aktuell war und es auch bleiben wird. Diese Werte haben gerade in den vergangenen Jahren und Monaten, in denen übertriebener Nationalismus und Intoleranz wieder aufflammten, eine besondere Wichtigkeit erlangt.

3 von 3 Seiten

Details

Titel
Lessing, G. E. - Nathan der Weise - Interpretation Ringparabel
Note
2+
Autor
Jahr
2001
Seiten
3
Katalognummer
V104812
Dateigröße
327 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nathan, der Weise, Ringparabel, Interpretation, Thema Nathan der Weise
Arbeit zitieren
Moritz Fuchs (Autor), 2001, Lessing, G. E. - Nathan der Weise - Interpretation Ringparabel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104812

Kommentare

  • Gast am 15.2.2002

    ...echt gut geschrieben !nicht schlecht !!!!!!!1

  • Gast am 24.2.2002

    wow... sehr ausführlich!.

    wow.... sehr ausführlich! Phasenweise aber noch zu sehr als Inhaltsangabe geschrieben! paul

  • Gast am 12.3.2002

    Hi.

    Da hast du nur ne 2+ drauf gegriegt?

  • Gast am 14.3.2002

    schööööönes ding.

    Schööööööööööönes ding

  • Gast am 29.4.2002

    Hey! Is echt gut!.

    HI!
    Dein Ausarbeitungen über dir Ringparabel in Lessings Werk Narthan der Weise sind echt gut. Das könnt mich sehr weiter bringen! danke
    ;-] CU Sarah

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