Der durch BSE verursachte Preisverfall in der landwirtschaftlichen Produktion


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
5 Seiten, Note: 10 P

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Der durch BSE verursachte Preisverfall in der landwirtschaftlichen Produktion

1.1.2.Mastbetriebe:

Rindermast

Die Rindermäster sind von der BSE- Krise wahrscheinlich am stärksten betroffen. Sie beziehen ihre Einkünfte überwiegend oder fast ausschließlich aus der Produktion von Rindfleisch, Milcherzeugung kommt hier ehr selten vor. Wenn beispielsweise von diesem Typ ein Betrieb mit jährlich 200 verkauften Tieren betroffen wäre, hätte er eine Einnahmeverminderung von etwa 120.000, 1 DM hinzunehmen. Dieser Verlust könnte zwar durch die gesunkenen Preise für Tiere, die zur Mast zugekauft werden, kompensiert werden, eine Gewinnerwirtschaftung ist jedoch unwahrscheinlich. Der Rückgang betrifft zudem die Haupteinnahme, so dass die Liquidität erheblich eingeschränkt wäre. Würde die Krise also länger anhalten, so müssten in diesen Betrieben dringend Maßnahmen ergriffen werden, um schwerwiegende Folgen zu vermeiden.

Rinder- und Schweinemast

Neben den Rindermastbetrieben gibt es noch Betriebe, die zusätzlich Geflügel- oder Schweinemast betreiben. Diese Betriebe werden trotz der BSE- bedingten Nachteile die Gewinner der Krise sein. Denn hier können die Verluste aus der Rindermast durch die inzwischen stark gestiegenen Schweinepreise ( siehe Anhang,,, Schweinepreise2 „) ausgeglichen werden. Obwohl der BSE- bedingte Verlust in der Rindermast trotz der geringeren Kosten für die Kälberzukäufe sehr hoch ist, steigert sich der Gewinn enorm. Die Gewinnsteigerung geht auf den stark gestiegenen Preis für Schweinefleisch zurück, da dieses von den Verbrauchern seit der BSE- Krise stark bevorzugt wird. Da auch dieser Produktionszweig in einem großen Umfang betrieben wird, kann der Verlust aus der Rindfleischerzeugung durch den Gewinn aus der Schweinemast ausgeglichen werden.

Sekundärer Faktor

1.2.1 Schlachthöfe und Fleischwarenindustrie:

Nicht nur die Landwirte haben schwere wirtschaftliche Schäden durch die BSE Krise, auch die Beschäftigten der Schlachthöfe und Fleischwarenindustrie haben finanzielle Einbußen. Die deutschen Metzger setzten vom 25. November bis zum 31. Dezember 2000 rund 58 % weniger Rindfleisch als im Vorjahr um. Im Lebensmitteleinzelhandel und in den Supermärkten betrug das ein Minus zum Jahresende sogar 75%.3

Auf den Schlachthöfen besteht die Gefahr, das ein BSE befallendes Rind zur Schlachtung kommt, was zur Folge hätte, dass die gesamte Tagesproduktion vernichtet und der Schlachthof komplett und desinfiziert werden muss, was mit enormen Kosten verbunden wäre. Wenn der Einbruch im sekundären Bereich einen Ausgleich durch Zuwächse in anderen Fleischsorten erfährt, auf die zur Zeit vom Verbraucher verstärkt zurückgegriffen wird, ist die deutsche Rindfleischbranche sehr betroffen. Sie befürchtet bei längerer Konsumeinschränkung eine Gefährdung von 10000 Arbeitsplätzen, 5000 stehen bereits in Kurarbeit.

1.2.2. Futtermittelindustrie:

Wie die Schlacht und Fleischwarenindustrie ist auch die Futtermittelindustrie eng mit dem landwirtschaftlichen Primärsektor verbunden. Auch sie ist von der BSE- Krise stark betroffen, da wegen der möglichen Übertragung der Krankheit durch die Verfütterung von Tiermehl seit Dezember 2000 Tiermehle weder verfüttert noch hergestellt werden dürfen. Vorhandene und nicht mehr absetzbare Altbestände müssen deshalb entsorgt werden. Die Kosten werden bundesweit auf 190 DM geschätzt.

Tiermehl fällt in Deutschland in einer Menge von bis zu 700 000 t an. 85 % des Tiermehls stammt aus Schlachtabfällen, die restlichen 25 % von verendeten oder getöteten Tieren, die für den menschlichen Verzehr nicht geeignet sind. Die Herstellung von Tiermehl hatte also eine Entsorgungsfunktion. Das Tiermehlverbot führt nun dazu, dass Tierkörperbeseitigungsanstalten und Schlachthöfe ein sehr teures Entsorgungsproblem haben. Während die Tierkörperbeseitigungsanstalten bislang für 450 DM / t an Mischfutterwerke absetzen konnten, müssen sie jetzt 200 DM / t für die Beseitigung zahlen. Die Schlachthöfe kalkulieren für die Entsorgung der Schlachtabfälle 20 DM pro Schwein und 100 DM pro Rind. Diese Kosten sollen durch eine Vorkostenpauschale auf die Landwirte übertragen werden. Dazu kommt, dass das Verbot der Tiermehlverfütterung nur in Deutschland herrscht. Die EU dagegen gestattet weiterhin die Verfütterung tierischer Fette an Schweine und Geflügel. Dadurch haben Schweinemaster in anderen EU- Ländern Produktionsvorteile von knapp 0,10 DM / kg. Das ist eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung!

Die Auswirkungen der BSE- Krise auf einen ostfriesischen Bauernhof

1.2.3 Allgemeine Beschreibung:

Bei dem von mir ausgewählten ostfriesischen Bauernhof handelt es sich um einen Mischbetrieb mit dem Schwerpunkt Milcherzeugung. Der Betrieb besitzt 50 Milchkühe bei einer Quote von 400 000 kg. Außerdem verfügt er über 100 Hektar Land, von den ca. 50 ha als Grünland ( ca. 25 ha wird von dem Jungvieh, der Rest von den Milchkühen genutzt), und 50 ha als Ackerland bewirtschaftet werden.

In einem Jahr werden ca. 25-30 Kuhkälber geboren und zu Rindern großgezogen. Von diesen Rindern werden ca. 10 Tiere für die Rehmontierung ( Nachzucht) gebraucht, die restlichen 15- 20 werden über den Auktionsplatz Leer vermarktet. Außerdem fallen in einem Jahr zusätzlich ca. 25 Bullenkälber an. 5-10 werden als Zuchtbullen großgezogen, die restlichen werden, wenn sie drei Wochen alt sind, an Spezialbetriebe z. B. Mastbetriebe verkauft.

Der Einfluss der BSE- Krise auf den ostfriesischen Bauernhof Milcherzeugung:

Die allgemeine positive Entwicklung des Milchpreises im Jahre 2000 gegenüber dem Vorjahr 1999 ist einerseits auf die günstige Relation zurückzuführen. Der Eurokurs ist gegenüber dem Dollarkurs sehr schwach, sodass die Absatzchancen auf dem Weltmarkt gestiegen sind. Andererseits steiget der Milchpreis aufgrund der größeren Nachfrage nach Milchprodukten durch die BSE- bedingte Verunsicherung der Verbraucher. Durchschnittlich wird dem Betrieb etwa 3 Pf/kg mehr gezahlt ( siehe Anhang). Bei einer Anlieferung von 30000 l ist das ein zusätzlicher Gewinn von 1000 DM monatlich.

Bullenkälber:

Die Auswirkungen der BSE- Krise verspürt der Betrieb bei dem Verkauf von Bullenkälber wesentlich deutlicher: Vor dem ersten BSE- Fall in Deutschland wurde für ein Bullenkalb 350 DM gezahlt. Durchschnittlich fiel der Preis jedoch auf 180 DM pro Tier. In diesem Zeitraum hat der Betrieb ca. 15 Bullenkälber vermarktet. Die Differenz zum Vorjahr beträgt somit 2550 DM. Vermarktung der Rinder:

Auch hier wird die Auswirkung der BSE- Krise deutlich: Die Rinder werden hauptsächlich von November bis März vermarktet. Doch ein Geschäft mit Drittländern kommt aufgrund der BSE- Krise ( und MKS ) nicht zustande. Von den ca.20 Rindern, die der Betrieb normalerweise vermarktet, werden nur 10 abgesetzt und mussten aufgrund der Verunsicherung des Inlandmarktes für 500 DM weniger verkauft werden. Der nicht verkaufte Bestand verursachte zusätzlich Futterkosten und einen höheren Arbeitsaufwand. Zudem fehlt der Betrag des sonstigen Verkaufes und schränkt somit die Liquidität des Betriebes ein. Zwar produzieren diese Rinder zusätzlich Milch, diese führt jedoch zu einer Übersteigerung der Milchquote, woraufhin nur 25 Pf/kg ausgezahlt werden. Dadurch entsteht wieder ein Verlust.

Altkühe:

Es fallen pro Jahr ca. 10 Altkühe ( Schlachtkühe) an. Im Zeitraum der BSE- Krise wurden 5 Stück verkauft, mit einem Preisrückgang von 500 DM pro Stück.

Fazit: Durch den Schwerpunkt der Milcherzeugung ist der Berieb nicht sehr stark betroffen. Die Mehrweinnahmen fangen die Mindereinnahmen jedoch ncit auf. Hinzu kommt, dass die Anzahl der Tiere im Stall deutlich gestiegen ist. Das führt zu einem stärkeren Futteraufwand, außerdem hat sich der Arbeitsaufwand um ein vielfaches erhöht.

Mindereinnahme von November 2000 bis Mai 01

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. Landwirtschaftsblatt

2 Vgl. Material Landwirtschaftskammer OL -7-

3 Vgl. NWZ vom 13.03.01 -8-

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Details

Titel
Der durch BSE verursachte Preisverfall in der landwirtschaftlichen Produktion
Note
10 P
Autor
Jahr
2001
Seiten
5
Katalognummer
V104815
Dateigröße
331 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dies ist nur ein Teil der ganzen Arbeit. Es liegen noch Grafiken, Vorwort, Nachwort und viele andere Informationen vor. Wer genaueres wissen möchte, soll sich bei mir melden: antje667@gmx.de
Schlagworte
Preisverfall, Produktion
Arbeit zitieren
Antje Smidt (Autor), 2001, Der durch BSE verursachte Preisverfall in der landwirtschaftlichen Produktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104815

Kommentare

  • Gast am 8.10.2003

    Tolle Arbeit.

    Gefällt mir!

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