Das Bildungskonzept des European Round Table of Industrialists


Hausarbeit, 1998

12 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1. WAS IST DER ERT?
1.1. Allgemeines
1.2. Die Einflußmöglichkeiten des ERT

2. DAS ENGAGEMENT DES ERT IM BILDUNGSBEREICH
2.1. Thesen des ERT zur Bildung
2.2. Unangemessenheiten im Bildungssystem nach dem ERT
2.3. Welche Art von Mensch will die Industrie einstellen?
2.4. Handlungsperspektiven des ERT im Bildungsbereich
2.4.1. Die Bildungskette
2.4.2. Die Rolle der Hochschulen im „Lebenslangen Lernen“

3. ZUSAMMENFASSUNG UND BEWERTUNG
3.1. Zusammenfassung
3.2. Bewertung

LITERATUR:

Einleitung

Auf verschiedenste Art und Weise nehmen wirtschaftliche Lobbygruppen Einfluß auf die Politik der staatlichen Regierungen. Dieses Engagement, die wirtschaftliche Komponente in der Politik nicht zu kurz kommen zu lassen - soweit gehend, ein Primat der Wirtschaft über die Politik entstehen zu lassen, insofern dies noch nicht der Fall ist - schlägt sich auch im Bereich der Bildungspolitik nieder. Verschiedenste wirtschaftliche Gruppen und Institutionen, wie z. B. die Weltbank1, veröffentlichen zu diesem Thema und sind häufig in der Lage, ihre aus marktwirtschaftlichen „Sachzwängen“ resultierenden Wünsche - nicht nur im Bildungsbereich - auch verwirklicht zu sehen.

Die einflußreichste Industrievereinigung im europäischen Bereich ist der European Round Table of Industrialists (ERT), um dessen Engagement im Bildungsbereich es im Folgenden gehen soll. Dabei handelt es sich um eine Betrachtung der ERT-Publikation „Bildung für Europäer. Auf dem Weg zur Lerngesellschaft.“, aus der die Vorstellung, die der ERT von einem zukünftigen Bildungssystem hat, zu ersehen ist.

1. Was ist der ERT?

1.1. Allgemeines

1983 wurde der ERT von Pehr Gyllenhammer, dem damaligen Leiter des Volvo-Konzerns, und Umberto Agnelli von der Fiat-Gruppe gegründet. Der ERT setzt sich aus den höchsten Vertretern der 45 größten europäischen Industriekonzerne zusammen.2 In regelmäßigen Abständen veröffentlicht der ERT allgemein zugängliche Schriften zu Themen wie dem europäischen Binnenmarkt, Beschäftigung, Technik und Umwelt, Verkehrswesen, dem Nord/Süd-Konflikt und auch zur Bildung3.

Gemeinsam ist diesen Veröffentlichungen ein einheitliches Bild der zukünftigen Wirtschaft in Europa: Der ERT, bzw. die von ihm beschäftigten in Think-Tanks zusammenarbeitenden Experten, propagieren eine Aufteilung in „Hardware“ und „Software“, die bezeichnenderweise auch „Human Ware“ genannt wird. Bei der „Hardware“ handelt es sich hier um die Infrastruktur der EU, die „Software“ betitelt den arbeitenden und konsumierenden Menschen4.

Der ERT geht hier davon aus, daß es sich bei den Menschen um die einzige natürliche Ressource handelt, die dem wirtschaftlichen Europa auf Dauer zur Verfügung steht. Aus dieser These ergibt sich das Interesse der Industrie an der Bildung: Damit der Mensch zur „Humanressource“ wird, muß er zu dieser gefertigt, muß er aus-gebildet werden.

1.2. Die Einflußmöglichkeiten des ERT

Wie schon erwähnt, sind die industriellen Lobbygruppen mit ihrem Engagement auf politischer Ebene durchaus erfolgreich. So basiert etwa der Verkehrswegeplan der EG auf den ERT-Publikationen „Missing Links“ und „Missing Networks“, das EG-Memorandum zur Hochschulpolitik, um ein Beispiel aus dem Bildungsbereich zu nennen, auf der ERT-Publikation „Education and European Competence“5.

Diese offensichtliche Einflußnahme findet auf verschiedenen Wegen statt: Regelmäßig treffen sich Vertreter des ERT mit dem amtierenden Kommissionspräsidenten der EU und in halbjährlichen Treffen berät sich der ERT mit der Regierung, die den Vorsitz der EU inne hat.6 Des weiteren ist auch der Einfluß der einzelnen Konzerne auf die jeweiligen nationalen Regierungen zu erwähnen7. Es sei auch bemerkt, daß in hochqualifizierten

Think-Tanks ausgearbeitete Konzepte, die sowohl Öffentlichkeit als auch Regierende als Hochglanzbroschüren erreichen, seriöser wirken als protestierende Studenten und Studentinnen sowie ihren kopierten Gazetten.

2. Das Engagement des ERT im Bildungsbereich

2.1. Thesen des ERT zur Bildung

Nach dem ERT sind es „äußere Wirtschaftszwänge“, die alle gesellschaftlichen Bereiche zu einem schnellen Wandel zwingen. Die gesellschaftlichen Bereiche passen sich diesem für gewöhnlich an, dies gilt für Management, Produktion, Vertrieb und Verbraucher. Der Bildungsbereich dagegen gilt dem ERT als „reaktionsträge“.8 Zu beachten ist hier, daß der ERT nur Bereiche der Wirtschaft nennt, mit Ausnahme der ebenfalls relevanten Technik, und damit nur einen Ausschnitt aller gesellschaftlichen Bereiche. Daß hier die Bildung in denselben Kontext wie Management, Produktion, Vertrieb und Verbraucher gestellt wird, läßt schon auf die Definition der Bildung durch den Industriekreis schließen. Aus der Reaktionsträgheit des Bildungssektors und damit seiner Unangepaßtheit an die sich stetig verändernde Gesellschaft - auch hier ist wieder insbesondere der ökonomische Bereich der Gesellschaft gemeint9 - hinaus versteht der ERT die Fehler des Bildungssystems: Hier sieht er die Gründe dafür, daß Studierende „aus dem Bildungssystem ausbrechen“10 - also entweder ihr Studium, z.B. aus mangelnden Berufschancen, abbrechen, oder nicht nach den ihnen vorgegebenen Ordnungen studieren (hier sei das Schlagwort des „Langzeitstudenten“ erwähnt) - oder „mit minimalen Fähigkeiten durchkommen“.11 Ebenfalls soll in dieser Unangepaßtheit die Schuld daran zu suchen sein, daß SchülerInnen sich gegen das Schulsystem auflehnen.

Beunruhigend ist dies für die Industrie, „da dadurch das Humanpotential verschwendet wird.“12 Aufgrund des reaktionsträgen Bildungssektors stehen nur sehr wenige junge Leute für den Arbeitsmarkt bereit. Gemeint sind vom ERT hier junge Leute, die in seinem Sinne auf den Arbeitsmarkt vorbereitet worden sind.

2.2. Unangemessenheiten im Bildungssystem nach dem ERT

Konkret kritisiert der ERT eine zu enge Anbindung der Bildung an das nationale System und die entsprechende Politik. Das Bildungssystem ist Teil des Staatssystems. Hier ist laut ERT der Grund dafür zu suchen, daß das System der Bildung zu bürokratisch strukturiert ist, was als ein Grund für die schon mehrfach erwähnte Reaktionsträgheit gelten soll. Dadurch wird z.B. verhindert, daß neue Lehrmethoden Einzug erhalten. Einhergehend damit bemängelt der Industriekreis die Verschiedenheit der nationalen Bildungssysteme, die somit europaweit nicht kompatibel seien, obwohl an anderer Stelle betont wird: „Wir sind keine Verfechter eines einzigen harmonisierenden Bildungssystems für ganz Europa [...].“13

Des weiteren kritisiert der ERT massiv, daß eine Anbindung der Bildung an Alltag und Berufsleben fehlt. Das Lehrmaterial sei häufig qualitativ schlecht, sowohl in schulischer Bildung als auch im Studium sei eine Spezialisierung zu früh möglich.14

2.3. Welche Art von Mensch will die Industrie einstellen?

Die Frage, welche Art von Mensch die Industrie einstellen will, sollen sich Staat und Bildungseinrichtungen stellen.15 Erwartungsgemäß liefert er die Antworten selber in seinen Publikationen.

Als Schlagworte nennt der ERT hier z. B. „Selbstdisziplin“, „Anpassungsfähigkeit“, „Polyvalenz“ - in diesem Zusammenhang wird von „Allround-Individuen“ gesprochen -, „Charakterbildung“, „Kulturbewußtsein“ und „soziale Verantwortung“.16

Die letzteren drei Schlagworte verdienen hier eine genauere Betrachtung: Der Begriff „Allround-Individuen“ vereinigt in sich gesellschaftliches Bewußtsein durch die Aneignung eines Allgemeinwissens, bzw. durch einen hohen Wissensstand in möglichst vielen Lern- und Arbeitsfeldern sowie die Betonung des Individuums. Diese Kombination kann als klassisches Menschenbild der modernen Industriegesellschaft betrachtet werden, da hier das autonome - im Sinne des für sich selbst verantwortlichen - Individuum als Träger des gesamtgesellschaftlichen Zusammenhangs dargestellt wird. „Kulturbewußtsein“ muß in den Zusammenhängen, die der ERT sieht, auch „Nationalbewußtsein“ bedeuten.17 Da es sich hier um wirtschaftliche Thesen handelt, ist ein Bewußtsein der westlichen - hier explizit der europäischen - Zivilisation vorausgesetzt. An anderer Stelle spricht der ERT davon, daß es keineswegs eine europäische „Gleichmacherei“ wünscht, sondern die nationalen Besonderheiten bewahren will.18

Das Schlagwort „soziale Verantwortung“ ist insbesondere als „wirtschaftliche Verantwortung“ zu lesen. Es handelt sich hier um die Verantwortung jedes Einzelnen, den „Wirtschaftsstandort Europa“ zu erhalten und zu fördern. Gleichzeitig ist hier auch ein Hinweis darauf gegeben, daß sich der Staat als solcher gegenüber der freien Wirtschaft zurückziehen soll und somit die soziale Absicherung vom Einzelnen privat geregelt werden muß.

Neben den allgemeinen Fähigkeiten, die der in der Industrie arbeitende Mensch haben soll, nennt der ERT auch eine ganze Reihe von Kenntnissen, die im Bildungssystem vermittelt werden sollen, z. B. „Beherrschung der Muttersprache“, „Verständnis von Mathematik und [Natur]wissenschaft“, „kritisches Denkvermögen (unter Trennung von Tatsachen und vorgefaßten Meinungen)“, „Technik“, „Kommunikation“, „Teamgeist“, „Disziplin“, „Pflichtbewußtsein, Entscheidungs- und Risikofreudigkeit“, „Motivation“, „Professionalität“ und „staatsbürgerliches Denken“.19

Wenn der ERT von „kritischem Denkvermögen unter Trennung von Tatsachen und vorgefaßten Meinungen“ spricht, verkennt er hier zum einen, daß er selber eine vorgefaßte Meinung im Bereich der Wirtschaft vertritt, wenn diese auch einem breiten Konsens entspricht, zum anderen geht er von einer Objektivität der Wissenschaft aus, die sich nur daraus erklären kann, daß Wissenschaft beim ERT immer synonym mit Naturwissenschaft steht. Gerade der wirtschaftliche Bereich jedoch besteht aus komplexen Komponenten, die nicht rein mathematisch-naturwissenschaftlich erfaßbar sind.

2.4. Handlungsperspektiven des ERT im Bildungsbereich

Um diese Art von Mensch herzustellen, propagiert der ERT eine „Bildungskette“.20 Auf dieses Konzept soll in einem eigenen Kapitel noch gesondert eingegangen werden.

Des weiteren plädiert der ERT für ein „breites statt tiefes Wissen“, das auf jeden Fall Grundlagenkenntnisse in den Bereichen Mathematik, Wissenschaft und Technologie, Geisteswissenschaften sowie Wirtschaftsund Sozialwissenschaften umfassen soll.21

In Klassenzimmer und Seminarräume sollen verstärkt Managementtechniken, Multimedia und Computer Einzug erhalten.22

Der ERT verlangt eine Überwachung und Kontrolle der Bildungsqualität. Bildung soll zu einer „Dienstleistung für Studierende, Geschäftswelt und Gesellschaft werden. Um einen Wettbewerb zwischen diesen - dann entsprechenden - „Dienstleistungsbetrieben“ im Bereich der Bildung zu garantieren, sind Vergleichswerte und eine Evaluation von außen zu empfehlen23, sowie die Dezentralisierung der Verwaltung und Lehrplangestaltung und einem „kreativen Management der Human- und Finanzressourcen“.24

Der ERT fordert eine erhöhte Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und der Industrie, besonders im lokalen Bereich. Diese Forderung richtet sich insbesondere an die nationalen Regierungen, welche dafür sorgen sollen, daß die Industrie aktiv in die Bildungspolitik einbezogen wird.25

Letztendlich verfechtet der ERT ein Konzept des „lebenslangen Lernens“: Als Reaktion auf die Informationsgesellschaft muß diese in eine Lerngesellschaft transformiert werden. Zu diesem Zweck muß das Lernen - innerhalb Europas - über nationale Grenzen hinweg geschehen, dafür propagiert der ERT ein angeglichenes Leistungsniveau in ganz Europa. Des weiteren soll der Zugang zu allen Bildungseinrichtungen offen sein. Dies soll durch eine ständige Rücksprache mit Trägern, Lehrenden und Arbeitgebern garantiert werden.26 Auch hier fehlt wieder die im wesentlichen betroffene Gruppe der Arbeitnehmer.

2.4.1. Die Bildungskette

Das Konzept des „lebenslangen Lernens“ soll durch die oben schon erwähnte Bildungskette erreicht werden.27 Diese Bildungskette besteht aus fünf Gliedern:

Glied I besteht in Vorschulen und Kindergärten. Hier soll das Fundament für Sprache und soziales Verhalten erlernt werden.

Glied II, betitelt mit „Grundbildung“, beinhaltet die Schulbildung bis zum 9. Bzw. 10. Schuljahr. Hier soll der zukünftige mündige Bürger gebildet werden und es sollen Allround-Fähigkeiten geschult werden, also die Wissen und Fähigkeiten in den vom ERT genannten Bereichen Mathematik/ Wissenschaft/ Technologie, Geisteswissenschaften, sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (s.o.).

Die Allgemein- und Berufsbildung wird als Glied III bezeichnet. Es handelt sich hier um die letzten zwei bis drei Schuljahre z.B. auf dem Gymnasium oder aber auch um die Berufsschulen. Hier sollen spezifische Fähigkeiten gefördert werden. In Bezug auf die Berufsausbildung spezifiziert der ERT dies folgendermaßen:

„1. Fortwährende Allgemeinbildung - um Flexibilität und zukünftige Anpassungsfähigkeit sicherzustellen;

2. Erwerb des theoretischen Wissens, das für die Praxis der gewählten Laufbahn erforderlich ist;

3. Erwerb praktischer Arbeitserfahrung anhand von:

a) speziellen Ausbildungskursen
b) Praktika in der Industrie
c) Einsatz von Simulatoren und hochentwickelter Software.“28

Glied IV der Bildungskette besteht in der Hochschulbildung, dem sogenannten tertiärem Sektor. Auch diese soll zur Arbeitsausbildung und zur Vertiefung des Allgemeinwissens bzw. auch zur Spezialisierung im Wissensbereich dienen. Die Rolle des Hochschulsektors soll im nächsten Kapitel genauer betrachtet werden.

Glied V der Bildungskette ist die Erwachsenenbildung. In der Erwachsenenbildung sollen erlernte Fähigkeiten wieder aufgefrischt und erweitert werden, ebenfalls sollen neue Fähigkeiten erworben werden. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um eine Weiterbildung im jeweiligen Berufsfeld, die den Interessen der Arbeitgeber (z.B. Verlust an Arbeitszeit) nicht entgegenstehen soll.29

2.4.2. Die Rolle der Hochschulen im „Lebenslangen Lernen“

Die Universitäten sollen sich den „Erfordernissen der Gesellschaft“ anpassen. Insbesondere sollen sie ihren Schwerpunkt auf die Forschung setzen und nicht auf die Vermittlung von berufsbezogenem Wissen.30 Insbesondere werden als Aufgaben der Hochschulen zwei Bereiche herausgestellt: die Verbreitung neuer Technologien, was einhergeht mit der oben genannten Forderung, und zum zweiten die Lehrerausbildung.31 In diesem zweiten Bereich propagiert der ERT eine Prüfung der Lehrmethoden sowie die Voraussetzung gewisser Fähigkeiten und Wissensstände von Schulabgängern.32

Besonders betont der ERT den Bedarf einer Partnerschaft zwischen Hochschulen und Industrie. Diese Partnerschaften seien zwar vorhanden, jedoch liefe die Zusammenarbeit bisher höchst einseitig, da die Industrie finanziell ausgenutzt werde. Die Mittel für die Hochschulen sollten dem Nutzen für die Industrie entsprechen.33 Eine aktivere Rolle soll der Industrie durch Runde Tische und eine Evaluation von außen zukommen.

Außerdem schlägt der ERT vor:

„Universitäten sollten, genau wie die Schulen, dazu ermutigt werden, ihre Hauptfächer breiter zu gestalten, indem sie Kursprofile erstellen, die dem Studenten eine gewisse Auswahl bei der Zusammenstellung verschiedener Module läßt, die einen ausgewogenen Abschluß bilden. Eine enger gefaßte und tiefergehende Spezialisierung eignet sich mehr für die Dissertation und Habilitation fortgeschrittener Studenten und Akademiker.“34

3. Zusammenfassung und Bewertung

3.1. Zusammenfassung

Zusammengefaßt läßt sich sagen, die Industrie - als deren Sprachrohr der ERT sich offensichtlich versteht - verlangt eine Partnerschaft zwischen Bildungsanstalten und Industrie, in denen jeder Einfluß auf Lehrpläne und Bewertungssysteme nehmen kann. Zum zweiten möchte der ERT das „Lebenslange Lernen“ fördern, insbesondere, indem die Industrie in europaweiten Initiativen integriert wird.

3.2. Bewertung

Der ERT beurteilt die Bildung nicht als eigenständigen Wert, sondern als Mittel zur Herausbildung einer „Humanressource“, die den Zielen der Industrie entspricht.

Das zentrale Konzept des „Lebenslangen Lernens“ ist infolge dessen kein Konzept, das versucht, das „Recht auf Bildung“ zu etablieren, sondern vielmehr ein versuch, die Ressource Mensch so lange wie möglich arbeitsfähig zu erhalten. Dies geht in der gewandelten Gesellschaft nur durch stetiges Weiter- und Umlernen, das den Menschen auf den neuesten Stand von Technik, Management und Kommunikationsstrukturen bringt. Das Alter erfährt dadurch eine neue Definition: Alt - und damit arbeitsunfähig - geworden ist, wer nicht mehr fähig ist, dazuzulernen.

In den Modellen der Zusammenarbeit im Bildungsbereich fehlt ein Personenkreis vollständig, und zwar eben jener, um den es dem ERT primär geht: Die Arbeitnehmer, die sich im Glied V der Bildungskette weiterbilden sollen. In den Vom ERT vorgeschlagenen Modellen haben sie keine Einflußmöglichkeiten.

Literatur:

The World Bank: Priorities and Strategies for Education: A World Bank Review. Publication and ordering instructions. Washington, D.C. 1995. fzs, newsletter: Bildungsvisionen der europäischen Großindustrie. Bonn, Hannover o.J.

The European Round Table of Industrialists: Bildung für Europäer. Auf dem Weg zur Lerngesellschaft. Brüssel 1994.

Rocker, Rudolf: Nationalism and Culture. London 1937.

[...]


1 Vgl. u.a. The World Bank: Priorities and Strategies for Education: A World Bank Review. Publication and ordering instructions. Washington, D.C. 1995.

2 Vgl. fzs, newsletter: Bildungsvisionen der europäischen Großindustrie. Bonn, Hannover o.J. S.4. Im Folgenden zitiert als: fzs: Bildungsvisionen.

3 Vgl. The European Round Table of Industrialists: Bildung für Europäer. Auf dem Weg zur Lerngesellschaft. Brüssel 1994. S.37. Im Folgenden zitiert als: ERT: Bildung.

4 Vgl. fzs: Bildungsvisionen. S.4.

5 Vgl. ebd. S.4.

6 Vgl. ebd. S.4.

7 Als Beispiel sei an dieser Stelle das Engagement der Firma Bertelsmann im Zentrum für Hochschulentwicklung (CHE) und dem neugegründeten „Verein innovativer Schulen“ genannt. Bertelsmann ist Mitglied im ERT.

8 Vgl. ERT: Bildung. S.6.

9 Die unausgesprochene These, daß die Gesellschaft dem Primat der Ökonomie untergeordnet ist und schlechthin in ihrer Entwicklung nur von dieser bestimmt wird, zieht sich durch die gesamten Veröffentlichungen des ERT.

10 ERT: Bildung. S.6.

11 Ebd. S.6.

12 Ebd. S.6.

13 Ebd. S.8.

14 Die hier beschriebenen Kritikpunkte entstammen dem Kapitel „Was die Industrie in der Bildung für unangemessen hält“ in: ERT: Bildung. S.11-12.

15 Vgl. ebd. S.16.

16 Vgl. ebd. S.17.

17 Vgl. zu diesem Thema: Rocker, Rudolf: Nationalism and Culture. London 1937.

18 Vgl. ERT: Bildung. S.8.

19 Vgl. ebd. S.13.

20 Vgl. ebd. S.17-19.

21 Vgl. ebd. S.22. - Der ERT bezeichnet diese drei Bereiche an dieser Stelle als die „drei Kulturen“.

22 Vgl. ebd. S.22.

23 Man darf sich an das Konzept der Wissenschaftsbeiräte des „CHE“ erinnert fühlen!

24 Ebd. S.7.

25 Vgl. ebd. S.8.

26 Vgl. ebd. S.7/8.

27 Ausführliche Erklärungen zu dieser „Bildungskette“ gibt der ERT in: Ebd. S.21 - 28.

28 Ebd. S.24.

29 Vgl. ebd. S.27/28.

30 Vgl. ebd. S.25.

31 Vgl. ebd. S.25.

32 Vgl. ebd. S.25. - Es wird hier nicht ganz klar, ob der ERT Lehrmethoden an der Universität und Grundvorraussetzungen zum Beginn eines Studiums meint, oder aber die Entwicklung solcher Lehrmethoden und Bildungsstandarts an der Universität für die Schulbildung - aus dem Kontext heraus ist das Zweite anzunehmen.

33 Vgl. ebd. S.26.

34 Ebd. S.26.

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Das Bildungskonzept des European Round Table of Industrialists
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Hochschulreformen 1968 - 1998
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
12
Katalognummer
V104829
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Teil einer zu dritt gemeinsam geschriebenen Hausarbeit über neoliberale Bildungskonzepte
Schlagworte
Bildungskonzept, European, Round, Table, Industrialists, Hochschulreformen
Arbeit zitieren
Torsten Bewernitz (Autor), 1998, Das Bildungskonzept des European Round Table of Industrialists, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104829

Kommentare

  • Gast am 26.1.2016

    Dem ERT geht es in erster Linie nur um die "Nutzung" des Menschen für seine Zwecke, nämlich dem Prosperieren des extremen Kapitalismus. Diesem sollen alle geistigen Fähigheiten des Menschen geopfert werden, auf der Strecke bleibt das Einzelschicksal des Individuums und alle seine positiven emotionalen Bildungsziele und soziálen Kompetenzen. Die Kluft zwischen Reich und Arm hat sich bereits aufgetan ...

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