Buenos Aires - Metropole zwischen Nostalgie und Moderne


Hausarbeit, 2000
12 Seiten, Note: 2,3

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Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Entwicklung von Buenos Aires
2.1.Entstehung und Geschichte
2.2.Entwicklung zu Groß-Buenos Aires
2.2.1. Urbanisierung
2.2.2. Segregation
2.2.3. Suburbanisierung
2.2.4. Mehrkernbildung
2.2.5. Edge City
2.2.6. Die Innenstadt als Central Business District
2.2.7. Umweltbelastung

3. Resume

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang

1. Einleitung

Bei der Themenwahl für die Hausarbeit entschied ich mich für die argentinische Hauptstadt Buenos Aires. Auf den folgenden Seiten werde ich auf Seminarthemen wie Urbanisierung, Segregation, Suburbanisierung, Mehrkernbildung, Edge City und Gentrification eingehen. Des weiteren sind im Anhang Grafiken zu finden, die die verschiedenen Teilgebiete besser hervorheben.

„Buenos Aires - „Paris des Südens“. Die Stadt strahlt eine eigenartige Mischung aus einer Großstadt mit ihrer Hektik einerseits und von Melancholie, Verlorenheit und Einsamkeit anderseits aus. Den sichtbarsten Ausdruck für diese eigenartige Stimmung findet man im ehemaligen, von Genueser Matrosen und Hafenarbeitern geprägten Hafenviertel La Boca. Hier entstand der Tango mit seiner wehmütigen Stimmung.“ (Quelle: Gerd Kokles, Arbeitsberichte, Geographisches Institut - Humbolt-Universität zu Berlin, 1995; S.98) Buenos Aires (BA) ist das unangefochtene Gravitationszentrum von Argentinien. Etwa ein Drittel der Argentinier lebt in der Region von Groß-Buenos Aires. Der Kontrast der Metropole zum Rest Argentiniens, welcher mit seinen 2.780.092 km² nicht gerade klein erscheint, drückt sich verstärkt im Stolz und der Überheblichkeit der Bewohner, auch portenos genannt, aus.

Geprägt wurde BA durch die vielen Einwanderer im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Spanier, Portugiesen, Italiener, Franzosen, Engländer und Deutschen machten BA somit zur europäischsten Metropole jenseits des Atlantik.

„Es heißt der porteno sei „ein Spanier, der wie ein Italiener spricht, sich wie ein Franzose kleidet und sich selbst für einen Engländer hält“ (APA-Guide, S.68). Europa wird hier nicht so sehr als Religion verstanden, sondern als eine besondere Geisteshaltung. Eduardo Crawley bemerkt, „Buenos Aires tut so, als würde es eigentlich in die Nördliche Hemisphäre gehören, und obwohl es irgendwie in die südliche Erdhalbkugel verschlagen wurde, ist es immer durch eine imaginäre Nabelschnur mit dem Mutterleib im Norden verbunden“ (APA-Guide, S.68).“ (Quelle: Gerd Kokles, Arbeitsberichte, Geographisches Institut - Humbolt-Universität zu Berlin, 1995; S.98)

Dieses multikulturelle Erbe macht BA heute zu einer interessanten Metropole, die mit ihren 12,8 Mio. Einwohnern die 2. größte Stadt Südamerikas ist und unter den Millionenstädten an der 7. Stelle steht.

2. Entwicklung von Buenos Aires

2.1. Entstehung und Geschichte

BA wurde 1536 zum ersten Mal gegründet. Am Fluss La Plata, der das große Einfallstor der Spanier im östlichen Südamerika war, legte man unter Pedro de Mendoza eine Niederlassung, namens „Ciudad de la Santisima Trinidad y puerto de nuestra senora la virgen Maria de los buenos aire“, an. Doch auf Grund der Nahrungsmittelknappheit und der dort ansässigen kriegerischen Pampa-Indianer, welche von den Spaniern unterschätzt wurden, ging die Siedlung 1541 verloren.

Unter Juan de Garay versuchten es die Spanier ein zweites Mal, an der Mündung des Rio de la Plata in den Atlantik, einen Stützpunkt zu errichten, da dieses Gebiet eine wichtige politisch-militärische Aufgabe zu erfüllen hatte. Es galt dem Vordringen der Portugiesen zum La Plata einen Riegel vorzuschieben und einen ersten spanischen Seehafen am Atlantik zu schaffen. Also entstand 1580 BA erneut.

Die Schlüsselrolle, welche BA heute hat, erreichte die Stadt, die 1776 zur Residenz des Vizekönigs von Rio de la Plata wurde, erst 1778 nachdem die Spanier den Handel zwischen allen südamerikanischen Häfen und der Iberischen Halbinsel freigaben. Nach der Mairevolution von 1810 wurde BA Mittelpunkt der argentinischen Unabhängigkeitsbewegung, 1816 mit der Unabhängigkeitserklärung gegenüber Spanien zur Hauptstadt der „Vereinigten Provinzen am Rio de la Plata“, 1853 mit eigener Verfassung zum Zentrum eines selbstständigen Bundesdistrikts und 1862 Regierungssitz der „Argentinischen Konföderation“.

2.2. Entwicklung zu Groß-Buenos Aires

2.2.1. Urbanisierung

„Die Orientierung des Handels, insbesondere von viehwirtschaftlichen Produkten, auf dem Weltmarkt und das starke Anwachsen der Bevölkerung wirkten sich auch auf die Stadtentwicklung aus.“ (Quelle: Gerd Kokles, Arbeitsberichte, Geographisches Institut - Humbolt-Universität zu Berlin, 1995; S.105)

Der nun beginnende Aufstieg der Stadt ist einerseits bedingt durch den Einwanderer-Zustrom, im Jahr der Unabhängigkeitserklärung lebten erst 46000 Menschen in BA, vier Jahrzehnte später waren es 100.000, doch die mit der landwirtschaftlichen Erschließung der Pampa kam es zu einer Masseneinwanderung aus Europa mit der man schon vor 1890 die halbe Million erreichte, andererseits verbunden mit dem Ausbau des Verkehrswesens. Diese Bevölkerungsexplosion verursachte ein derartig großes Wohnungsproblem, dass ein Großteil der eingewanderten Familien nur ein Zimmer behausen konnten.

2.2.2. Segregation

Mit steigenden Einwohnerzahlen und der sich vergrößernderen Stadtfläche wurde auch die Differenzierung der Wohngebiete entsprechend der sozialen Zugehörigkeit der Bevölkerung immer deutlicher. Durch das Einsetzen der sozialen Segregation, Segregation nach Bildungsstand, Vermögen, Einkommen- und Berufsgruppen, bildete sich im Norden das Gebiet der Oberschicht, im Westen die Stadtviertel der wachsenden Mittelschicht und südlich im Bereich der älteren Wohnsiedlungen konzentrierten sich die untersten Einkommensgruppen. Die sozial untere Schicht blieb also in den Conventillos, in den großen Wohnhäusern im Zentrum die an mehrere Haushalte vermietet werden und deren Besitzer bzw. vormalige Bewohner im Zuge der Vergrößerung der Stadt in neue randliche Wohngebiete umzogen. So verließen viele wohlhabende Familien den südöstlichen Innenstadtbereich von BA, wo zu jener Zeit immer wieder Typhus- und Gelbfieber- Epidemien auftraten. Später wurden auch neue Wohngebäude so angelegt, dass sie sich für eine Vermietung in der Form von Conventillos eigneten. Heute sind in diesen Bereichen um den Stadtteil La Boca (Hafenviertel) Conventillos am meisten konzentriert. Mehr als ein Fünftel der Bevölkerung lebt hier in solchen Wohnungen. Zwar hat die Stadt nach den Epidemien veranlasst die Häuser insgesamt mit Elektrizitäts- und Wasseranschluss sowie auch mit Abwasser-Entsorgung auszustatten, nicht jedoch die einzelnen Wohnungen oder Zimmer, von denen ein Gebäude bis zu mehreren Dutzend enthalten kann. Eine ethnische Segregation der Wohngebiete wird stellenweise deutlich. Entweder die Straßennamen oder die Namen der Stadtteile geben Anhaltspunkte: Palermo, Lugano, Villa Mazzini oder Hurlingham. In diesen und auch in weiteren Vierteln leben Italiener, Engländer, Deutsche, Skandinavier, Griechen und Spanier. Sie wohnen in Häusern heimischer Bauweise und führen ein kulturell selbständiges Leben.

2.2.3. Suburbanisierung

Kurz vor der Jahrhundertwende setzte mit dem wirtschaftlichen Aufschwung des Landes die Entwicklung zur modernen Metropole ein. 1905 erreichte BA , nachdem sich die Bevölkerung in nur zwei Jahrzehnten verdreifacht hatte, die erste Million, 1926 die zweite, 1947 die dritte, die höchste Zahl die innerhalb des Bundesdistriktes gelegenen Capital Federal je registriert worden ist. In den drei Jahrzehnten bis 1975 ist mit minimalen Schwankungen ein leichter Rückgang auf 2,97 Mio. eingetreten, was auf Umsiedlungen eines Teils der Wohnbevölkerung aus der Innenstadt in die randlichen Bezirke beruht. Man spricht von einer Suburbanisierung der Bevölkerung, was zum einen die Folge der unhygienischen Verhältnisse und der Kriminalität im Bereich nahe des Stadtkerns, zum anderen die vorausgehende Industriesuburbanisierung und die durch neue Büroflächen entstandenen höheren Mietpreise im Central Business District (CBD).

2.2.4. Mehrkernbildung

Groß-BA ist aus vielen, unter sich sehr verschiedenen Siedlungskernen zusammengewachsen. Der Plan, nach dem BA im Jahre 1580 gegründet wurde, war ein genau nach den Himmelsrichtungen orientiertes Rechteck. Es umfasste 16 Baublöcke in nordsüdlicher und 9 in ostwestlicher Richtung. Jeder Block hatte eine Seitenlänge von 150 varas (=120 m) und wurde von 9,5 m breiten geraden Parallelstraßen begrenzt. Das Areal erstreckte sich damit rund 2 km in nordsüdliche Richtung und war 1 km breit. Dieser Kern wurde im Laufe der Zeit so erweitert, dass man die Straßen in der alten Richtung nach außen hin fortsetzte. So fügte sich eine Quadratreihe zur anderen, wie man es aus spanischen Städten kennt. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts erweiterte sich BA in diesem Schachbrettgrundriss. Allmählich verwuchs die Stadt mit einer Reihe selbstständig entstandener Siedlungskerne zu einer Mehrkernstadt.

2.2.5. Edge City

Parallel zur modernen Verkehrsentwicklung (z.B. 14-spurige Autobahnen) lief der Aufschwung der Stadt zum bedeutendsten Industriezentrum Argentiniens. Im Großraum von BA liegen 45% aller argentinischen Industriebetriebe, 26.500 allein im Federal Distrikt und mindestens die doppelte Zahl in den Randstädten.

Industrielle Hauptstandorte sind die südöstlichen Stadtbezirke, besonders Avellaneda und Lanus. Dort enden auch die großen Erdgasleitungen aus Patagonien. Wegen der Umweltverschmutzung ist die Stadtverwaltung bemüht, Fabriken aus der Innenstadt in die Randbereiche zu verlegen, wo einige Industrie- und Gewerbeparks entstanden sind. Die Beschäftigten der ausgesiedelten Industrie zogen auf Grund der jetzt langen Arbeitswege ihren Arbeitgebern nach.

Vor allem aber wachsen die Randstädte infolge des Zuzugs von Binnenwanderern ( Abb. 3) und deren relativ hohen natürlichen Wachstumsraten der dort lebenden vorwiegend jungen Familien. Die Einwohnerzahlen von Florencia Varela an der südöstlichen und General Rodriguez an der westlichen Wachstumsspitze weisen z.B. jährliche Zuwachsraten von 8,3% und 7,7% auf. Während 1947 erst 1,7 Mio. Menschen in den zur Area Metropolitana gehörenden Randstädten lebten, waren es 1975 bereits 6 Mio., so dass sich heute die Gesamtbevölkerung von Groß-BA zu einem Drittel auf „La Capital“ und zu zwei Dritteln auf die Außenstädte verteilt. (Abb. 2, Abb. 5)

2.2.6. Die Innenstadt als Central Business District (CBD)

Im Zentrum von BA gab es 1927 fünf Hochhäuser, heute jedoch werden die Straßenzüge der City von Hochhäusern gezeichnet. Der etwa 3 km² umfassende Großstadtkern liegt etwas nördlich der Plaza de Mayo, des alten Mittelpunkts von BA. Hier hat sich ein CBD mit allen Kennzeichen der City einer Weltstadt herausgebildet: Büro- und Bankhochhäuser, Versicherungen, Zeitungen, gehobener Dienstleistungsbereich, modernen Ladenpassagen, Vergnügungsviertel, Fehlen von Grünflächen, Verkehrschaos und Abwanderung der Wohnbevölkerung. (Abb. 1)

2.2.7. Umweltbelastung

Besonders in der Nähe der Industriebetriebe im Süden von BA ist die Belastung erheblich. Man spricht von einer extrem hohen Lungenkrebs-Gefährdung. Ein Problem aller Stadtbereiche ist die Luftverschmutzung durch Autoabgase. Katalysatoren oder Abgaskontrollen sind bisher unbekannt, und da große Teile des Fahrzeugbestandes bereits ein hohes Alter erreicht haben, ist der Schadstoff-Ausstoß beträchtlich. In erheblichen Maße tragen hierzu die vielen Busse bei (allein im Kern von BA, etwa 20.000 Fahrzeuge). In den meist engen, von hohen Häuserfronten gesäumten Straßen ist zudem die Frischluftzufuhr (z.B. vom Meer) sehr gering.

Es gibt Ansätze zu Untersuchungen über Stadtklima und Luftverschmutzung. Doch bis zu den, verbunden mit den entsprechenden gesetzlichen Grundlagen, gebotenen Abhilfemaßnahmen ist es noch ein weiter Weg.

3. Resume

„Weltstadt und Argentiniertum, Fortschritt und Altertümlichkeit, Bodenständigkeit und modernes Nomadentum, Selbstbewusstsein und Weltoffenheit, wirtschaftliche und kulturelle Vorherrschaft und leidenschaftlicher Widerstand des Landes verleihen der argentinischen Hauptstadt ihren widerspruchsvollen Charakter. Buenos Aires ist nicht mit Argentinien gleichzusetzen, aber es bildet einen wichtigen Bestandteil dessen, was Argentinien ist.“ (Quelle: Wilhelmy und Rohmeder, Die La Plata-Länder, Georg Westermann Verlag, Braunschweig, 1963, S. 340)

4. Literaturverzeichnis

Bünstorf, J. (1992): Argentinien, 1. Auflage, Ernst Klett Verlag für Wissen und Bildung, Stuttgart

Gans, P. (1990): Die Innenstädte von Buenos Aires und Montevideo, Kieler Geographische Schriften, Band 77, Geographisches Institut Kiel

Keeling, D.J. (1996): Buenos Aires - Global Dreams, Local Crises, John Wiley & Sons Ltd, West Sussex

Kokles, G. (1995): Buenos Aires. Zur Entwicklung einer Weltstadt,

Arbeitsberichte Geographisches Institut, Humbolt-Universität Berlin, Heft 6, S. 98-114

Statistisches Bundesamt (1992): Länderbericht Argentinien 1992, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden

Wilhelmy und Rohmeder (1963): Die La Plata-Länder, 1. Auflage, Georg Westermann Verlag, Braunschweig

Zapata, F. (1978): Argentinien, Buchreihe Ländermonographien, Band 10, Horst Erdmann Verlag, Tübingen und Basel

5. Anhang

Abb. 1: Entwicklung der Einwohnerzahlen der Capital Federal

Abb. 2: Entwicklung der Einwohnerzahlen in der Zona Metropolitana Buenos Aires Quelle: Länderbericht Argentinien 1992, S. 28

Abb. 3: Zuwanderung nach Groß-Buenos Aires 1965-70 (siehe Seite 10 oben) Quelle: Bähr 1979, verändert

Abb. 4: Ausdehnung von Buenos Aires 1943 und 2000 (siehe Seite 10 unten) Quelle: Difrieri, Horacio A., Atlas de Buenos Aires, S. 485,

Abb. 5: Bevölkerungsveränderung in Groß-Buenos Aires 1970-91 Quelle: Bünstorf, J., Argentinien, 1992

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Buenos Aires - Metropole zwischen Nostalgie und Moderne
Note
2,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
12
Katalognummer
V104883
Dateigröße
792 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buenos, Aires, Metropole, Nostalgie, Moderne
Arbeit zitieren
Frank Schneider (Autor), 2000, Buenos Aires - Metropole zwischen Nostalgie und Moderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104883

Kommentare

  • Gast am 9.7.2002

    Nada y fraco.

    schwach!

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