Amerikaauswanderung von Deutschen nach 1945


Ausarbeitung, 2001

9 Seiten


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Amerikaauswanderung von Deutschen nach 1945

1. Wichtige Informationen zum besseren Verständnis

Seit 1941 besteht für alle Ausländer, die in den USA leben, Registrierungspflicht.

Die Auswertung ergab, dass 315.004 ihr Geburtsland mit dem Deutschen Reich und 402.857 mit Österreich-Ungarn angaben. Knapp fünf Millionen bekannten sich als Sprachdeutsche.

Seit dem Jahre 1980 werden US-Bürger bei Volkszählungen, die alle 10 Jahre stattfinden, nicht nur nach dem Geburtsort, sondern auch nach einer ethnischen1 Herkunft befragt. Das Ergebnis der Volkszählung aus dem Jahre 1990 besagt demnach, dass sich hochgerechnet 57,9 von 240 Millionen Amerikanern zu deutschen Vorfahren bekannten, was bedeutet, dass jeder 4. Amerikaner nach eigener Einschätzung, damit deutscher Abstammung ist. Im Vergleich dazu, und das könnte für manch einen überraschend sein, geht man im Verhältnis dazu aus, dass jeder 6. irischer und jeder 8. englischer Abstammung ist.

Den Zeitraum der Amerikaauswanderung, die zweifelsohne nicht erst seit 1945 besteht, den ich aber dennoch mit dem Zeitraum ab 1945 beschränkt habe, möchte ich Euch/Ihnen anhand von Rahmenbedingungen und Verlaufsformen näher bringen, damit ein besseres Verständnis bei Euch/Ihnen übermittelt werden soll, ob die so viel gepriesenen „Unbegrenzten Möglichkeiten“ auch für jedermann, und wenn ja, in welcher Form, zugänglich waren.

2. Die Nachkriegssituation

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs bietet sich für viele Deutsche ein erschreckendes Bild. Deutschland hatte den Krieg verloren und war im wahrsten Sinne des Wortes am Boden zerstört. In der „Konferenz von Potsdam“ wurden von den drei großen Siegermächten (USA, Großbritannien, Sowjetunion), die Folgen für Deutschland beschlossen, wie z. B. Entmilitalisierung, Entnazifizierung, Dezentralisierung der Wirtschaft, sowie die Neustrukturierung des öffentlichen Lebens.

Durch Gebietsabtritte, wie z. B. Schlesien, Sudetenland, Elsaß hatten die Deutschen nach Kriegsende ein großes Bevölkerungsproblem, weil man nicht so recht wusste, wie man sich der Problematik stellen sollte, jetzt auf der einen Seite weniger Lebensraum, auf der anderen Seite jedoch mehr Vertriebene aus ehemals deutschen Gebieten zu haben. Außerdem waren viele Wohnungen und Häuser aufgrund der Bombenangriffe nicht bewohnbar, und somit mussten sich teilweise zu viele Menschen Wohnraum auf engstem Raum teilen, was zu sozialen Spannungen führte.

Als Folge dieses Dilemmas entstand bei vielen Deutschen der Auswanderungs- Wunsch aus dem Zusammenwirken von Push2 - und Pull3 -Faktoren, der dann gegeben ist, wenn das Bild vom Zielland (USA) positiver als das der Heimat (Deutschland) erscheint.

Fernab vom krisengeschüttelten Europa, glaubten daher viele Auswanderungswillige, würden sich für sie mehr Zukunftsperspektiven bieten, was einem auch nur als allzu logisch erscheint bei der Anbetrachtung der vielen Probleme, auf die ich bereits weiter oben eingegangen bin und die unmissverständlich nicht aus der Welt zu diskutieren sind.

3. Das Flüchtlingsproblem und die internationalen Organisationen

Bei der Bewältigung seiner Bevölkerungsprobleme war Deutschland auf sich alleine gestellt. Dies wird somit begründet, dass Deutschland keine Unterstützung von den gerade gegründeten internationalen Flüchtlingsorganisationen erhielt. Die Isolation der Deutschen in der Welt war also deutlich bemerkbar.

Daß dieser Zustand jedoch nicht tragbar sei, wurde dem Ausland bewusst, und aufgrund der berechtigten Angst, in Deutschland könne aufgrund der besonderen Schwierigkeiten, die sich aus der Situation ergab, dass Millionen von entwurzelter Menschen in einem zerstörten Land integriert werden mussten, sah man sich gezwungen, diesem Unruheherd entgegenzuwirken, damit keine potentielle Bedrohung von Deutschland ausgehen sollte (die Wunden waren noch zu frisch!)

Die Amerikaner, die maßgebend an der Besetzung Deutschlands beteiligt waren, wurden daher als erstes Land aktiv. Dies taten sie, indem sie sich zunächst für eine Verbesserung der europäischen Displaced Persons4 einsetzten. Den verantwortlichen Hilfsorganisationen wurde schnell klar, dass Deutschland sein Flüchtlingsproblem nicht alleine lösen konnte. Im Rahmen des Displaced-Persons-Gesetzes von 1948 öffneten sie daher ihre Einwanderungsquote für Deutsche und reservierten hierbei 50 % der Quote für Volksdeutsche (Sudetendeutsche, Schlesier).

Schön und gut, die Quote war somit fortan geöffnet, dennoch zeigte sich aber, dass die Deutschen nur in seltensten Fällen von der Auswanderungsmöglichkeit Gebrauch machten, weil ihnen das Geld dafür fehlte. Im Displaced-Persons-Gesetz von 1950 wurden ihnen deshalb die selben Privilegien wie den Displaced Persons zugesprochen, obwohl die Volksdeutschen eigentlich nicht dieser Gruppe zugeordnet wurden. Dies hatte zur Folge, dass die Displaced-Persons-Komission mit ihrer Auswanderung betraut wurde und diese finanzierte. Die Displaced-Persons-Komission schloß einen Vertrag mit der IRO5, die nun auch für den Transport der Volksdeutschen verantwortlich war. Jetzt profitierten also auch die Deutschen von der Arbeit der IRO.

Bei Gründung von ICEM6 im Jahre 1951, bei dem auch Deutschland Gründungsmitglied war, zeigte sich jetzt, dass ICEM nicht mehr ausschließlich für Fragen für Flüchtlinge bereit stand, sondern seine Zuständigkeit auf auswanderungswillige Europäer ausdehnte. Ohne diese Hilfsorganisationen, die wahrlich vielen Auswanderungswilligen Unterstützung angeboten haben, hätten viele Auswanderungswillige in den fünfziger Jahren ihren Entschluß nicht verwirklichen können.

In der deutschen Auswanderungsgeschichte ist festzustellen, dass der Auswanderungsdrang in Krisenzeiten besonders groß war. Dieser Auswanderungsdrang setzte sich auch nach dem verlorenen Krieg und den damit verbundenen Sorgen und Nöten im eigenen Land weiter fort.

4. Das Thema Auswanderung in der öffentlichen Diskussion

Die Thematik über die Auswanderung wurde in Deutschland ambivalent7 und durchaus zurückhaltend diskutiert. Die Presse sah sich darauf beschränkt, über eventuelle Auswanderungsmöglichkeiten zu informieren, die jedoch unmittelbar nach Kriegsende kaum vorhanden waren. Da das Interesse der Öffentlichkeit an Auswanderungsfragen bestand, wurde dem Thema größere Beachtung geschenkt, als es manch Einem hierzulande Recht wäre. Weil nämlich die USA als erstes Land wieder deutsche Auswanderungswillige aufnahmen, gab es eine kontroverse Diskussion über das Pro und Contra einer Auswanderungsbewegung, was unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden muß.

Einerseits gab es eine Überbevölkerung in des westlichen Zonen Deutschlands, die schwer zu integrieren war, andererseits jedoch benötigte die Wirtschaft zur Gesundung eine große Zahl von Arbeitern, die man nur ungern wollte abwandern sehen.

Chronologisch kann man sagen, dass die zweite Hälfte der vierziger Jahre von Zurückhaltung geprägt war, da im Grunde genommen keine Auswanderungsmöglichkeit bestand. In den fünfziger Jahren wurde dem Thema Auswanderung sehr viel Beachtung geschenkt. Auf die Gründe werde ich im Einzelnen noch eingehen, damit ein besseres Verständnis bei Euch/Ihnen entsteht. In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre und in den sechziger Jahren beruhigte sich die Diskussion um die Auswanderung wieder, was man unter dem Aspekt des Wirtschaftsaufschwungs unter Erhardt hierzulande nur allzu gut verstehen kann.

5. Die Auswanderungspolitik Deutschlands

5.1. Grundzüge der deutschen Auswanderungspolitik

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Auswanderungsangelegenheiten von den deutschen Einzelstaaten geregelt, die sich unter Einfluß des Merkantilismus8 bemühten, eine Abwanderung ihrer Bürger zu verhindern. Ab 1815 setzte eine Lockerung ein. Nun war es lt. Bundesakte möglich, unter bestimmten Voraussetzungen, wie z. B. nach Ableistung des Militärdienstes und Schuldenbegleichung, innerdeutsch zu wandern. Seit 1830 ist die USA das beliebteste Auswanderungsland für Deutsche. Davor waren es vor allem Länder im Osten, wie z. B. Ungarn und Russland. Es bestand die Vorstellung, durch Auswanderung unliebsame Bevölkerungsteile loszuwerden. Außerdem gab es die Vorstellung, dass deutsche Auswanderer im Ausland als Antrieb der deutschen Wirtschaft dienen könnten. Dies waren Gründe, warum sich die Behörden finanziell an der Auswanderung der Auswanderungswilligen beteiligt haben.

5.2. Die Auswanderungspolitik seit 1945

Nach Ende des 2. Weltkriegs war aufgrund der Tatsache, dass die Alliierten Kriegsverbrecher dingfest machen wollten, nicht möglich, die Grenzen zu Überschreiten. Außerdem sollte ja das zerstörte Deutschland von den benötigten Arbeitskräften hierzulande aufgebaut werden. Die Alliierten übertrugen den deutschen Behörden Kompetenzen auf dem Gebiet der Auswanderungspolitik, so dass sich 1946 erstmals die Ministerpräsidenten der fünf norddeutschen Länder trafen, um sich mit bevölkerungspolitischen Gesichtspunkten auseinanderzusetzen.

Im Dezember 1946 wurde in Hamburg der „Ausschuß der Regierungsvertreter für Wanderungsfragen“ gegründet, welcher als Maßnahme durchsetzte, dass fortan Auswanderungsangelegenheiten auf überregionaler und nicht auf Länderebene geregelt werden und dass deutsche Stellen dafür die Verantwortung tragen sollten.

19. März 1947: Gründung des „Ständigen Sekretariats für das Auswanderungswesen“ in Bremen. Akzeptiert wurde dessen Tätigkeit sowohl von britischen als auch von amerikanischen Besatzungsbehörden, die im Sommer des Jahres 1949 auch auf die Französische Besatzungszone ausgedehnt wurde.

Ziel der Behörde: Aufklärung der Bevölkerung über Auswanderungsmöglichkeiten.

Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde die Behörde 1950 in eine „Bundesstelle für das Auswanderungswesen“ umgewandelt, welche ab 1952 dann „Bundesamt für Auswanderung“ hieß. Seit 1959 führt es die Bezeichnung, die auch heute noch aktuell ist, nämlich „Bundesverwaltungsamt - Amt für Auswanderung“. Der Sitz dieser Bundesbehörde ist in Köln.

Die Zurückhaltung des Gesetzgebers ist in engem Zusammenhang mit der Aufbauphase der Bundesrepublik Deutschland und den besonderen wirtschaftlichen Problemen jener Zeit zu sehen, so dass eine staatliche Förderung der Auswanderung größeren Ausmaßes nicht stattfand.

Finanzielle Unterstützung erhielten demnach nur Gruppen, wie z. B. Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsfolgenhilfeempfänger, was so gedeutet werden kann, dass man diese Gruppe nicht ungern abwandern sah, da sie Kosten für den ohnehin angeschlagenen Staat verursachten. Soziale und humanitäre Gründe spielten aber auch eine Rolle bei der Unterstützung, da viele dieser Menschen in Not waren. Wieso trotzdem viele auswanderten, zeigt im nachfolgenden Punkt 6, die Stellung der Vereinigten Staaten zum Thema Auswanderung.

6. Die Einwanderungspolitik der USA

6.1 Grundzüge der amerikanischen Einwanderungspolitik

Allgemein kann man sagen, dass eine Zuwanderung von Arbeitskräften in ein Land mit großen Ressourcen9 und Entwicklungsmöglichkeiten begrüßt wurde. Restriktionen10 wurden erstmals gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt, was zur Folge hatte das Chinesen, ehemalige Sträflinge, Verarmte, Geisteskranke,Epileptiker, Bettler, Anarchisten und Personen, die dem Staat gefährlich werden könnten, nicht mehr einreisen durften. Seit 1885 wurde auch die Zuwanderung von Kontraktarbeitern aus dem Ausland verboten. Die 1907 eingesetzte Einwanderungskommission stellte fest, dass die Einwanderer bis 1880 hauptsächlich aus Mittel- und Nordwesteuropa kamen, während dies sich ab 1890 änderte, und die Einwanderer überwiegend aus Ost- und Südeuropa stammten.

6.2 Grundlegende Einwanderungsbestimmungen für Deutsche

Wie bereits in Punkt 5.2 erwähnt, war Deutschen nach dem Ende des 2. Weltkriegs grundsätzlich untersagt, deutsches Gebiet zu verlassen. Eine Ausnahme war nach dem Kontrollratsbefehl Nr. 161 von einer schriftlichen Erlaubnis, dem sogenannten „Exit Permit“ abhängig. Eine Einwanderung von Deutschen war demnach nur in seltenen Fällen möglich.

Seit dem 20. September 1948 ermöglichten die Amerikaner den Deutschen wieder die Möglichkeit zur Immigration ins „Land der Unbegrenzten Möglichkeiten“. Gemäß Gesetz, dass im Jahre 1924 verabschiedet wurde, wurde für Deutschland eine Jahresquote von 25957 festgesetzt, mit dem Hinweis, dass die Hälfte dieser Zahl für die nächsten beiden Jahre auf Volksdeutsche entfallen sollten, die man in größter Not in Deutschland wähnte.

Bei der Quotenfestlegung gab es jedoch Ausnahmen und Präferenzen. So z. B. wurden Opfer des Nazi-Regimes und Verwandte von amerikanischen Bürgern, beziehungsweise rechtmäßig in den USA lebenden Personen, bevorzugt behandelt, während ehemalige Mitglieder der deutschen Wehrmacht und Angehörige von faschistischen Gruppierungen von der Immigration ausgeschlossen wurden.

Welche Personen außerhalb der Quotenregelung einreisen durften, wurde im November 1948 vom „Ständigen Sekretaritat für das Auswanderungswesen“ festgelegt, und zwar:

1. Der Ehemann (falls vor dem 1. Januar 1948 verheiratet), die Ehefrau oder unverheiratete Kinder unter 21 Jahren eines amerikanischen Bürgers, bzw. Bürgerin.
2. Eine Frau, die Bürgerin der USA gewesen ist, aber die amerikanische
Staatsangehörigkeit verloren hat (durch Heirat mit einem Nichtamerikaner oder infolge des Umstandes, dass ihr amerikanischer Gatte diese Staatsangehörigkeit verlor oder durch Aufenthalt im Ausland).
3. Personen, die schon gesetzlich zur Einwanderung in die USA zugelassen waren, dies Land aber für einen kurzfristigen Aufenthalt verlassen haben und nun wieder zurückkehren wollen.
4. Geistliche und Lehrer an Hochschulen, Akademien, Seminaren und höheren Schulen, die mind. 2 Jahre vor dem Zeitpunkt des Antrages auf Einwanderung ununterbrochen diesen Beruf ausgeübt haben und ihn auch in den USA ausüben wollen, ebenso ihre Frauen und Kinder, die sie begleiten.
5. Studenten über 15 Jahre, die gutgläubig versichern, in die USA zu immigrieren zu dem ausschließlichen Zweck, an einer höheren Schule, Akademie, Seminar oder Universität studieren zu wollen.
6. Der Ehegatte (falls vor dem 1. Januar 1948 verheiratet) oder die Eltern eines amerikanischen Bürgers, der über 21 Jahre alt ist.
7. Ausgebildete Landwirte, die ihre Fachkenntnisse und Geschicklichkeit belegen können und die beabsichtigen, in den USA ihren landwirtschaftlichen Beruf auszuüben.

Es bestand die Forderung an die Auswanderer, dass die Überfahrt von einer Person oder Organisation außerhalb Deutschlands bezahlt werden musste, um die deutsche Volkswirtschaft nicht zu belasten. In den USA mussten alle Einwanderer zehn Dollar Bargeld vorweisen können.

7 Der Umfang der Wanderung

Nur 1260 Personen war es 1945 möglich in die USA einzuwandern. 1946 wurden bereits 4010 und 1947 14674 deutsche Einwanderer gezählt. Bei den Ausgewanderten handelte es sich bis zum Jahr 1948 hauptsächlich um Verfolgte des NS-Regimes und um Verwandte von amerikanischen Staatsangehörigen. 1948 gab es dann schon 25038 Personen, was damit begründet wurde, dass die deutsche Quote wieder geöffnet wurde. Die Quote wurde jedoch in den Jahren 1948-49 nicht ausgenutzt, was einerseits an den strikten Sicherheitsbestimmungen lag, und andererseits wegen der Mittellosigkeit der Auswanderungswilligen. Der Höhepunkt der Amerikaauswanderung nach 1945 wurden in den fünfziger Jahren erreicht. In diesem Jahr wanderten pro Jahr 65000 Deutsche aus, von denen 34500 in die USA einwanderten. Dies ist damit zu begründen, dass in diesem Jahrzehnt mehrfach Gesetze erlassen wurden, die deutschen Vertriebenen und Flüchtlingen die Einwanderung ermöglichte Besonders wichtig war das „Displaced11 -Persons-Gesetz“ von 1950, in dem bestimmt wurde, dass den Volksdeutschen die Überfahrtskosten von den USA finanziert wurden, was in vielen Fällen eine Auswanderung erst ermöglichte. Es ist klar und unmissverständlich festzustellen, dass deutsche Einwanderer wesentlich bessere Perspektiven hatten, als zum Beispiel Farbige im eigenen Land, die oftmals vehement gegen einen verstärkten Rassismus anzukämpfen hatten. Die Deutschen waren willkommene Gäste im Land der Unbegrenzten Möglichkeiten.

An der Spitze der deutschen Amerikaauswanderung stand das Jahr 1952 mit 50283 Einwanderern. Die zweitgrößte Zahl wurde 1957 mit 45230 Einwanderern erzielt, was auf das in diesem Jahr erlassene Einwanderungsergänzungsgesetz zurückzuführen war.

In den sechziger Jahren fiel die durchschnittliche Einwanderung Deutscher deutlich mit 22200 Personen jährlich, wobei die höchste Zahl mit 31768 Einwanderern im Jahre 1960 zu verzeichnen war. Im Jahr 1968 wanderten noch 15920 Deutsche in die USA ein, danach sank die Kurve. Als Grund muß hierbei genannt werden, dass ab 1968 eine festgeschriebene Quote von jährlich 20000 Einwanderern griff. 1975 war das Jahr mit den wenigsten Auswanderungsbewegungen, denn in diesem Jahr reisten nur noch 5154 Personen in die USA aus, was damit zusammenhängt, dass es Deutschland wirtschaftlich sehr gut ging. Heutzutage liegt die Zahl der Amerikaauswanderungen bei durchschnittlich 6000 Personen, was vor allem an der restriktiven Einwanderungspolitik der USA liegt.

Deutschen ist eine Einwanderung praktisch nur dann möglich, wenn sie nächste Angehörige in den USA haben, einen dort gesuchten Beruf ausüben oder aus anderen Gründen dem Land von Nutzen sein könnten, z. B. weil sie über spezielle geistige, künstlerische oder materielle Vorzüge verfügen.

8 Die Auswanderer in die USA

Die Auswanderer setzten sich aus verschiedenen Gruppen zusammen. Den kleinsten Anteil machten dabei die der Studenten und ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen aus. Weder demographisch12 noch volkswirtschaftlich war die Immigration der jungen Kriegs- und Besatzungsbräute von Bedeutung, da es in Deutschland in der Nachkriegszeit einen Frauenüberschuß gab. Deutsch-amerikanische Paare hatten jedoch große bürokratische Hürden zu überwinden.

Eine große Auswanderungsgruppe bildeten die Flüchtlinge- und Vertriebenen, bei denen die Push-Faktoren, also die schlechten Faktoren in Deutschland, besonders groß waren. Da es von den Flüchtlingen und Vertriebenen zahlenmäßig sehr viele gab, waren sie wegen ihrer Berufs- und Altersstruktur sehr schwer in der BRD zu integrieren. Ihr Fortzug wurde deswegen auch finanziell unterstützt.

Verfolgte des NS-Regimes konnten außerhalb der Quote in die USA auswandern, doch aufgrund der bedauernswerten Tatsache, dass die meisten dieser Minderheiten während der NS-Zeit zu Tode kamen, war der Anteil von diesen Minderheiten, die in die USA auswanderten, nicht groß.

Eltern, deren Kinder amerikanische Staatsbürger waren, konnten zunächst außerhalb der Quote einwandern. Die Älteren hatten jedoch mehr und mehr Probleme mit Anpassungsschwierigkeiten und ihren Englischkenntnissen.

Nach Inkrafttreten des „McCarran-Walter-Acts“ im Jahre 1952, wurde besonders Fachkräften die Immigration erleichtert, da die Hälfte der Quote für sie reserviert wurde. Ihre Zahl richtete sich jeweils nach den Bedürfnissen des amerikanischen Arbeitsmarktes.

8.1 Wissenschaftler und Spezialisten

Der Anteil der deutschen Wissenschaftler an der deutschen Auswanderungsbewegung in die USA war relativ gering, und wird in den Jahren 1949 bis 1958 auf ungefähr 2 % beziffert. Das in Großbritannien geprägte Schlagwort vom Brain Drain13 traf auf Deutschland nur begrenzt zu, da deutsche Wissenschaftler oft mit Sprachbarrieren konfrontiert zu werden drohten. Mit Sicherheit jedoch sind diese Einwanderer für die USA von erheblichem Nutzen gewesen. Hier muß jedoch darauf hingewiesen werden, dass viele von ihnen ihre Fähigkeiten in Deutschland nicht in gleichem Maße hätten entfalten können, wie z. B. Wernher von Braun, der in Deutschland mit einem mehrjährigen Berufsverbot hätte rechnen müssen oder aber, weil ihnen hier aus wirtschaftlichen Gründen nicht die gleichen Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung standen, da das Geld hier anderweitig, wie zum Beispiel für den Wiederaufbau Deutschlands benötigt wurde.

Die USA machten sich vor allem das industrielle Know-how der Deutschen zunutze, was wiederum darauf schließen lässt, dass die Deutschen willkommene Einwanderer waren. Wernher von Braun genoß in den Vereinigten Staaten große Popularität, weil durch seine Weitergabe von Wissen, es erst möglich wurde, dass ein Amerikaner als erster den Mond betreten konnte.

9 Die Auswandererhäfen

Bremen war nach Beendigung des 2. Weltkriegs der größte deutsche Auswanderungshafen, und das blieb auch so bis gegen Ende der fünfziger Jahre. Durch den Auswandererverkehr erhoffte man sich, den Hafen und allgemein gesagt, die Wirtschaft hierzulande zu beleben, was auch auf die Unterstützung der amerikanischen Besatzungsmacht zurückzuführen ist. Als zunächst Displaced Persons und später Flüchtlinge und Vertriebene auf Kosten der amerikanischen Regierung in die USA transportiert wurden, wurde Bremen zum Auswandererhafen bestimmt. Gegenüber Hamburg, das auch gerne etwas vom gewinnbringenden Geschäft abbekommen hätte, war Bremen deshalb im Vorteil, weil es Nachschubhafen der amerikanischen Truppen und somit auch für die Verschiffung von Auswanderern der kostengünstigste Standort war.

10 Das Auswanderungsverfahren

Nachdem für die Auswanderungswilligen die Entscheidung feststand, auswandern zu wollen, bestand das wesentliche Problem darin, ein Einwanderungsvisum zu erhalten. Voraussetzung für den Erhalt eines Visums war die Vorlage einer Bürgschaftserklärung, in der eine in den USA lebende Person die Zusicherung geben musste, für den Einwanderer zu sorgen, falls dieser nicht selbst für sich aufkommen konnte. Diese Pflicht bestand im allgemeinen bis zur Einbürgerung, also 5 Jahre. Zusammen mit dem Visumsantrag mussten persönliche Dokumente, wie Paß, Geburtsurkunde und Zeugnisse eingereicht werden. Der nächste Schritt war der Gang ins Konsulat, wo körperliche und geistige Gesundheit untersucht wurden. Außerdem wurden Fingerabdrücke abgenommen und man musste ein Eid ableisten, dass alle gemachten Angaben der Wahrheit entsprächen. Das Visum wurde dann gegen eine Gebühr ausgestellt.

Bei Personen, die mit Hilfe des Displaced-Persons- und des Refugee-Relief-Acts auwandern wollten, hatten großes Glück, dass die Bürgschaften in der Regel von amerikanischen Wohlfahrtsorganisationen ausgestellt wurden.

Weil das Einwanderungsverfahren ziemlich kompliziert war, waren viele Auswanderungswillige auf die Hilfe der öffentlichen und kirchlichen Wohlfahrtsverbände angewiesen, die die Auswanderungsbewegung der Nachkriegszeit in großem Maße unterstützten.

11 Auswandererbriefe

Aus Auswandererbriefen ist zu entnehmen, dass die Unbegrenzten Möglichkeiten nicht für jedermann zutrafen, und es in der neuen Welt sehr hart war, sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Ältere hatten oft Sprachprobleme und hatten es im Vergleich zu ihren Jüngeren oft schwerer, die Sprache schnell zu lernen. Mit Problemen wie Rassismus hatten die Auswanderer keine Erfahrungen gemacht. Die Möglichkeiten, relativ schnell zu Wohlstand zu kommen, sind durchaus gegeben, wenn man zur Erreichung dieses Ziels einiges tat und auch vielleicht das Glück hatte, einen guten Arbeitgeber zu haben, der Leistung zu honorieren bereit war. Der überwiegende Teil der Immigranten hatten sich relativ schnell in die neue Umgebung integriert und bekamen relativ schnell das Gefühl, Amerikaner zu sein.

Literaturverzeichnis

1. Aus Deutschen werden Amerikaner - Bernd G. Längin

2. Amerikaauswanderung - Nerger-Focke 45/19653

3. Informationen zur politischen Bildung - USA-Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft

[...]


1 Griech. Ethnikos = zum Volk gehörenden

2 schlechte Bedingungen in Deutschland wegen Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit usw.

3 bessere Bedingungen in den USA, aufgrund der Möglichkeit einer neuen Existenzgründung

4 Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit, die vom Hitler-Regime gezwungen wurden ihren Wohnsitz oder Nationalität zu verlassen, um in Deutschland Zwangsarbeit zu leisten. Sind ebenfalls auch Menschen, die aufgrund von rassischen, religiösen oder politischen Gründen deportiert worden waren, wie z. B. Juden, Zigeuner.

5 IRO = Abkürzung für „United Nations Refugee Organization“

6 ICEM = Abkürzung für „Intergovernment Committee for European Migration“

7 lat. Ambi = von zwei Seiten

8 frz.mercantilisme = Wirtschaftspolitik in der Zeit des Absolutismus, die besonders den Außenhandel und die Industrie förderte, um Finanzkraft u. Macht der jeweiligen Staatsmacht zu stärken.

9 Unter Ressourcen versteht man natürlich vorhandenen Bestand, welcher besonders zur Ernährung u. zur wirtschaftlichen Produktion benötigt wird.

10 Einschränkung, Beschränkung von Rechten, Befugnissen und Möglichkeiten

11 engl. Displace = verschieben, verdrängen, vertreiben

12 wirtschafts- und sozialpolitische Bevölkerungsbewegungen betreffend

13 engl. - kann übersetzt werden mit „Auszug des Geistes“

9 von 9 Seiten

Details

Titel
Amerikaauswanderung von Deutschen nach 1945
Autor
Jahr
2001
Seiten
9
Katalognummer
V104897
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Amerikaauswanderung, Deutschen
Arbeit zitieren
H., D. (Autor), 2001, Amerikaauswanderung von Deutschen nach 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104897

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