Nach der bedingungslosen Kapitulation am 08. Mai 1945 war das Deutsche Reich als Staat nicht mehr existent. Die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, die Vereinigten Staaten von Amerika, die Sowjetunion und England teilten es in Zonen auf, die von Militärregierungen verwaltet wurden. Auch das im Krieg von Hitler geschlagene Frankreich erhielt eine Zone zur Besetzung.
Nach vier Jahren Militärregierung und Existenz der Zonen, die eigene Verwaltungen in sich selbst aufgebaut hatten, wurde am 23. Mai 1949 das in monatelanger Arbeit ausformulierte Grundgesetz verkündet, das die Geburt der Bundesrepublik Deutschland implizierte. Jedoch entließ man den jungen Staat nicht in die unmittelbare Selbständigkeit, stattdessen setzen die Alliierte eine Kontrollbehörde ein, der beinahe unbeschränkte Handlungsbefugnisse in der Bundesrepublik eingeräumt wurden: die Alliierte Hohe Kommission.
Diese Arbeit beschäftigt sich im ersten Abschnitt mit der historischen Entstehung der Kommission und zeigt ihre inneren, stark militärischen geprägten Strukturen auf. Darüber hinaus erörtert sie den symbolischen Charakter, den diese Institution auszudrücken versuchte. Der zweite Teil thematisiert ausführlich die drei Hohen Kommissare und Adenauers Beziehungen zu diesen. Erst dadurch wird das Klima zwischen den Verhandlungsparteien verständlich, das ein Unterpunkt in Kapitel drei beschreibt. Nicht in breiterem Umfang, selbst wenn ihnen das dritte Kapitel gewidmet wurde, werden dagegen die eigentlichen Verhandlungen und ihre Ausgänge thematisiert, ein Überblick reißt die Themen kurz an, ein weiterer Unterpunkt stellt das Petersberger Abkommen dar, ein wichtiger Schritt in Richtung Autonomie der Bundesrepublik. Vertiefte Außenpolitik, die Revision des Besatzungsstatuts und andere Verhandlungsschwerpunkte werden von weiteren Arbeiten in diesem Proseminar tiefer gehend behandelt. Diese möchte sich auch in Anbetracht der gebotenen Kürze auf eine Beschreibung und Darstellung der Alliierten Hohen Kommission und ihres Führungspersonals beschränken, ohne politische Sachverhalte in ihrer Tiefe zu untersuchen oder eine historische Entwicklung in den Jahren der Kommission, 1949 bis 1954, aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Entstehung und Struktur der Alliierten Hohen Kommission
1.1 Das Besatzungsstatut
1.2 Struktur und Organisation der Alliierten Hohen Kommission
1.3 Die Standortfrage: Hoch über den Köpfen der deutschen Behörden
1.4 Blankenhorn, Adenauers Verbindungsmann
2. Die Hohen Kommissare und Adenauers Verhältnis zu ihnen
2.1 John Jay McCloy (Vereinigte Staaten von Amerika)
2.2 Sir Brian Robertson (Großbritannien)
2.3 André Francois-Poncet (Frankreich)
3. Die Verhandlungen zwischen dem Kanzler und den Kommissaren
3.1 Das Verhandlungsklima
3.2 Hauptsächliche Verhandlungsschwerpunkte
3.3 Das Petersberger Abkommen
Abschließende Betrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entstehung, die inneren Strukturen und das Führungspersonal der Alliierten Hohen Kommission in den frühen Jahren der Bundesrepublik Deutschland. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der intensiven Arbeitsbeziehungen zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer und den drei alliierten Hohen Kommissaren, um das politische Verhandlungsklima der Nachkriegszeit zu beleuchten.
- Historische Entstehung und Kompetenzumfang des Besatzungsstatuts
- Strukturelle Organisation und die symbolische Standortwahl auf dem Petersberg
- Biografische Profile und persönliche Arbeitsebenen von McCloy, Robertson und Francois-Poncet
- Analyse des Verhandlungsklimas und zentrale diplomatische Schwerpunkte
- Der Bedeutungsinhalt des Petersberger Abkommens als Schritt zur Autonomie
Auszug aus dem Buch
Die Standortfrage: Hoch über den Köpfen der deutschen Behörden
Grundsätzlich legte die Charta der Alliierten Hohen Kommission fest, dass sich ihr Hauptquartier in der Nähe der neuen westdeutschen Bundeshauptstadt Bonn befinden solle. Zur Auswahl standen das Hotel Dreesen in Bad Godesberg sowie der Petersberger Hof auf dem Petersberg. Man entschied sich, vor allem der britische Hohe Kommissar Sir Brian Robertson favorisierte diese Lösung, schlussendlich für den Petersberger Hof.
Auf der symbolischen Seite sollte die Standortfrage der deutschen Bevölkerung verdeutlichen, dass die Siegermächte nun die „Allgewalt“ inne haben, die Bevölkerung auf sie angewiesen ist. Der Petersberg liegt zudem mitten im Siebengebirge, gut sichtbar aus der vorübergehenden Bundeshauptstadt und weit über allen neu geschaffenen Ämtern und Ministerien des deutschen Regierung. Mit aller Macht wollte man den Bewohnern des Besetzten Landes ihre Abhängigkeit verdeutlichen, sie zwingen, sich unterzuordnen.
Stets waren die Alliierten auf eine solche Symbolik bedacht. Besonders deutlich wurde dieser Sachverhalt bei der Überreichung des Besatzungsstatus. Zunächst plante man, das Statut in einer „feierlichen Zeremonie“ zu überreichen, Kanzler Adenauer erhob Einspruch. Die Kommissare ließen die Idee fallen, wollten aber trotz allem nicht auf symbolischen Charakter verzichten: die Tagesordnung sah sie auf einem Teppich stehend vor, Adenauer und seine Minister vor diesem. Doch der alte Kanzler spielt nicht mit. Als der französische Hochkommissar einen Schritt auf ihn zumacht, um in zu begrüßen, tritt er ebenfalls nach vorn. Er notiert: „Er trat, während ich vor dem Teppich halt machte, einen Schritt nach vorn, um mich zu begrüßen. Ich machte mir diese Gelegenheit zunutze, ging ihm entgegen und stand nun gleichfalls auf dem Teppich. Keiner der Hohen Kommissare wendete sich dagegen“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Ausgangslage nach 1945 und legt den Fokus auf die Alliierte Hohe Kommission als Kontrollinstanz der jungen Bundesrepublik.
1. Entstehung und Struktur der Alliierten Hohen Kommission: Dieses Kapitel beschreibt die rechtliche Basis durch das Besatzungsstatut sowie den internen, militärisch geprägten Aufbau der Kommission.
2. Die Hohen Kommissare und Adenauers Verhältnis zu ihnen: Hier werden die Persönlichkeiten McCloy, Robertson und Francois-Poncet porträtiert und ihre spezifischen Arbeitsbeziehungen zu Adenauer dargestellt.
3. Die Verhandlungen zwischen dem Kanzler und den Kommissaren: Dieses Kapitel analysiert das informelle Verhandlungsklima und die zentralen politischen Themen wie Demontagen und die Souveränitätsbestrebungen.
Abschließende Betrachtung: Eine Zusammenfassung der Ergebnisse, die Adenauers geschickten Umgang mit den Alliierten trotz des fortbestehenden Machtanspruchs würdigt.
Schlüsselwörter
Alliierte Hohe Kommission, Konrad Adenauer, Besatzungsstatut, Petersberger Abkommen, Souveränität, John Jay McCloy, Sir Brian Robertson, André Francois-Poncet, Westallierte, Demontage, Bundesrepublik Deutschland, Nachkriegspolitik, Diplomatie, Petersberg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle der Alliierten Hohen Kommission als alliierte Kontrollinstanz in den Anfangsjahren der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1949 und 1954.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Machtstrukturen der Alliierten, das Führungspersonal der Hohen Kommissare und die diplomatischen Verhandlungsprozesse mit Bundeskanzler Adenauer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung der Einflussnahme der Alliierten auf die junge Bundesrepublik sowie die Analyse der persönlichen und politischen Strategien Adenauers in diesen Verhandlungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Memoiren, zeitgenössischen Dokumenten und wissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die institutionelle Struktur der Kommission, die Charakterisierung der drei Hohen Kommissare und die konkrete Verhandlungspolitik, einschließlich des Petersberger Abkommens.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Besatzungsstatut, Souveränitätsgewinn, Alliierte Hohe Kommission, Petersberger Abkommen und die Außenpolitik Adenauers.
Welche Rolle spielte die symbolische Standortwahl des Hauptquartiers?
Die Wahl des Petersbergs sollte die „Allgewalt“ der Siegermächte unterstreichen und die räumliche sowie hierarchische Überlegenheit über die neue deutsche Regierung demonstrieren.
Wie gestaltete Adenauer das Verhältnis zu den Kommissaren?
Adenauer agierte taktisch klug, nutzte die persönlichen Unterschiede der Kommissare aus und vermied es, sich trotz der Abhängigkeit unterordnen zu lassen, um Deutschland als Verbündeten im Kalten Krieg zu positionieren.
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- Christian Pfeiffer (Author), 2002, Die Alliierte Hohe Kommision. Entstehung, Struktur und Verhältnis zu Bundeskanzler Konrad Adenauer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10490