Meyer, Conrad Ferdinand - Der römische Brunnen


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

7 Seiten


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Der römische Brunnen

-Conrad Ferdinand Meyer

-lebte von 1825 bis 1898

-schweizerischer Schriftsteller ˜ bedeutender Balladendichter

-stammt aus Zürich - Sohn eines Staatsbeamten und Historikers ˜ seine Werke sind von der Spätromantik geprägt

-mit Dinggedichten wie „Der Römische Brunnen“ und „Zwei Segel“ gilt er heute als bedeutender Wegbereiter des Symbolismus

-durch den intellektuellen Bekanntenkreis seines Vaters konnte er sich schon früh universal bilden

-Reisen nach München und Rom weckten sein Interesse für die spanische und niederländische Malerei sowie für Michelangelo

-problematisches Verhältnis zur Mutter - kommt in einigen Werken zum Ausdruck

-deshalb dienten Werke wie „Das Leiden eines Knaben“ und „Die Richterin“ Sigmund Freud als Anschauungsmaterial

-er war von Jugend auf schwermütig und litt unter psychischen Problemen ˜ 1891 erfolgte durch Überarbeitung sein geistiger Zusammenbruch

-er arbeitete sein Leben lang an seinen Gedichten

-er kürzte und kristallisierte, bis das reinste Bild zurückblieb ˜ Persönliches wird zurückgedrängt

-Liebesgedichte sind selten - Naturgedichte sehr häufig ˜ sehr genaue Darstellung eines Gegenstandes ˜ man spricht hier von einem Dinggedicht

-unter Dinggedicht versteht man ein Gedicht, das intensiv wahrgenommene Gegenstände der äußeren Wirklichkeit wiedergibt

-erste Entwürfe hat der Dichter während eines Aufenthalts in Rom 1858 unter dem Eindruck eines Brunnens in der Villa Borghese skizziert

-elf Jahre vergehen, bis das Gedicht erstmals publiziert wurde

-weitere dreizehn Jahre vergehen, bis es im Oktober 1882 im Rahmen des vierten Teils von Meyers „Gedichte“-Band seine endgültige Gestalt erhielt ˜ diese Version veränderte er auch für Neuauflagen nicht mehr

-auch beim „Römischen Brunnen“ war er mit der ersten Fassung nicht vollkommen zufrieden

-hat nur minimale Änderungen vorgenommen

-ein Vergleich der Fassungen zeigt, dass Meyer sein Gedicht immer weiter auf das Wesentliche reduziert hat

-die zweite Fassung wirkt jedoch plastischer und dynamischer ˜ hat ständig am sprachlichen Detail gefeilt

Angela Wieser Disposition Seite 2

Erstfassung Zweitfassung

Der Springquell plätschert und ergießt sich in der Marmorschale Grund,

die, sich verschleiernd, überfließt in einer zweiten Schale Rund. Und diese gibt, sie wird zu reich,

der dritten wallend ihre Flut, und jede nimmt und gibt zugleich

und alles strömt und ruht.

Aufsteigt der Strahl, und fallend gießt er voll der Marmorschale Rund,

die, sich verschleiernd, überfließt in einer zweiten Schale Grund; die zweite gibt, sie wird zu reich,

der dritten wallend ihre Flut, und jede nimmt und gibt zugleich

und strömt und ruht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

-Resultat seiner Arbeit ist die außergewöhnliche Übereinstimmung von Dargestelltem und Darstellung

-das Gedicht widmet sich primär der scheinbar bloßen Beschreibung eines Brunnens

-der Brunnen zählt zum gängigen Inventar der romantischen Lyrik

-achtzeiliges Gedicht

-Darstellung des römischen Renaissancebrunnens

-beschreibt einen Brunnen aus drei übereinanderstehenden Marmorschalen, die von einer Fontäne gefüllt werden

Aufbau

-in sechs Verszeilen werden die einzelnen Schalen von oben nach unten betrachtet

-jeder Schale sind zwei Verse gewidmet

-Vers 2 und 3 beschreiben das Nehmen und Geben der ersten ˜ Vers 4 und 5 analog der zweiten Schale

-die dritte Schale wird in Zeile 6 gefüllt

-die dritte Schale muss auch eine gebende sein ˜ in Zeile 7 heißt es „jede nimmt und gibt“

-deshalb muss man den aufsteigenden Strahl im ersten Vers des Gedichtes gleichermaßen auf sie beziehen

-in der sechsten Verszeile schließt sich der Kreislauf des Wassers

-der Kreislauf des Wassers wird dadurch unterstrichen, dass sich die erste Zeile mit der sechsten reimt: fallend - wallend (Endreim)

-die beiden Schlusszeilen fassen den Kreislauf des Wassers zusammen und runden das Gedicht ab

Angela Wieser Disposition Seite 3

Metrik

-vierhebiger Jambus

-ständiger Wechsel von Senkung und Hebung => steigendes Versmaß

-das steigende Versmaß verdeutlicht das Ansteigen des Wassers, das mit der Pumpe nach oben befördert wird

-die Anfangsverse ahmen die Bewegung des Steigens und Fallens im Sprechrhythmus nach

Reimschema

-zwei Kreuzreime ˜ ab ab cd cd

- eine Zäsur in Form eines Strichpunktes findet man lediglich in der Mitte des Gedichts nach der vierten Verszeile

- da die vierte Zeile die zweite Brunnenschale beschreibt, könnte man sich

vorstellen, dass sich hier die Fließgeschwindigkeit des Wassers verlangsamt ð ein Punkt findet sich nur am Ende des Gedichtes

- da der Brunnen ein in sich geschlossener Körper ist, darf der Kreislauf nicht durch Einschnitte unterbrochen werden

- dadurch wird die Geschlossenheit dieses Vorganges angedeutet

Wortwahl

trotz der Kürze des Textes treten Mittelwortgruppen gehäuft auf

fallend (Zeile 1)

verschleiernd (Zeile 3) wallend (Zeile 6)

- ein Mittelwort drückt stets eine andauernde, gegenwärtige Bewegung oder auch stets andauerndes immerwährendes Geschehen aus

- gerade ein Mittelwort verdeutlicht den Kreis, der in sich geschlossen ist und immer andauert

Verben

aufsteigen, fallen, gießen, verschleiern, überfließen, geben, werden, wallen, nehmen, geben, strömen, ruhen

- die verwendeten Verben beschreiben immer Bewegungen

- mit dem Verb „aufsteigen“ beginnt der Kreislauf des Wassers ð „ruhen“ schließt den Vorgang ab

Angela Wieser Disposition Seite 4

- wir erfahren nichts über die Farbe und Größe der Schalen oder die Umgebung des Brunnens

- lediglich der Kreislauf des Wassers wird geschildert

- die beiden Schlusszeilen lenken den Blick von den einzelnen Schalen

- sie beziehen sich auf den ganzen Brunnen und verdeutlichen das

Entscheidende: das ständige Geben und Nehmen und das gleichzeitige Ruhen und Strömen

- in den beiden Schlusszeilen kommt viermal das Bindewort „und“ vor ð dies unterstreicht die Dynamik des Vorganges

Was verbirgt sich hinter dem Brunnen?

Abbildung des Lebens

-der Kreislauf des Lebens

-das Lebens des Menschen ist ein geschlossener Kreislauf => Lebenszyklus ˜ Kreislauf von Geburt und Tod

-der Kreislauf des Blutes Analogie zum Brunnen:

- Die rechte Herzhälfte pumpt das aus dem Körper kommende sauerstoffarme Blut in die Lunge, wo es wieder mit Sauerstoff angereichert wird.

- Von dort aus fließt das Blut in die linke Herzhälfte, die es durch die Arterien in alle Körperteile befördert.

Das Leben ist Geben und Nehmen.

-im Geben erfahren wir Widerhall

-das Übermaß des Brunnens

-er wird so reich, dass er abgeben muss

-jeder Abschnitt des Lebens ist somit gleich viel Wert

Die Phasen des Lebens

-das Leben vollzieht sich in Höhen und Tiefen

-das Leben in Phasen des Glücks und der Enttäuschung

Angela Wieser Disposition Seite 5

-gäbe es kein Glücksgefühl, würden wir den Weg nicht weiterfinden ˜ wenn es keine Tiefen gäbe, wüssten wir die Höhen nicht zu schätzen

-wenn wir Leistung erbracht haben, bedarf es eines neuen Kräftesammelns ˜ Höchstleistung setzt die Sammlung aller Kräfte voraus

-der Strahl steigt auf durch die Kraft der anderen

-die drei Schalen sind dadurch voneinander abhängig

Lebensabschnitte

-die Schalen könnten mit den Lebensabschnitten in Verknüpfung gebracht werden

-die erste Schale steht für die Jugend und die Größe jeder Schale für die jeweilige Lebenserfahrung

-in der Jugend „sprudeln“ wir voller Energie und Tatendrang

-je älter der Mensch, desto größer ist die Lebenserfahrung

-die dritte Schale, die auch die größte ist, gibt dem Strahl die Kraft die erste Schale zu füllen

-erfahrene ältere Menschen geben ihre Lebenserfahrung an die Jugend weiter

-so wie diese Schalen immer wieder mit Wasser gefüllt werden, gewinnen wir immer mehr an Wissen und Erfahrung

-im ersten Lebensabschnitt können wir diese vielen neuen Eindrücke (der Wasserstrahl) noch nicht verwerten oder wissen sie nicht zu schätzen ˜ doch wir nehmen diese Eindrücke mit in den nächsten Lebensabschnitt

(Weiterfließen des Wassers)

- Harmonie von Tätigkeit und absoluter Ruhe

Tag-Nacht-Zyklus

-die Phase der Bewegung wird von der Phase des absoluten Ruhebedürfnisses abgelöst

-Schlaf ist ein normaler, regelmäßig wiederkehrender Ruhezustand vieler Lebewesen

-Schlaf ist bedeutend für die Regeneration von Körper und Gehirn ˜ wir sind nur zwanzig Minuten fähig uns zu konzentrieren

- wir brauchen eine Phase der Regeneration

- eine Phase des Kräftesammelns ist notwendig um jeden Tag Energie zu haben

Angela Wieser Disposition Seite 6

Tagesrhytmus

-wir täglich schöpfen aus den Kräften, die wir beim Schlafen gesammelt haben ˜ dieser ist immer wiederkehrende Wechsel von Bewegung und Ruhe ist wichtig für das Funktionieren unserer biologischen Uhr

-Biologische Uhren sind Systeme, mit deren Hilfe Lebewesen im Einklang mit den Rhythmen der Natur leben können, zum Beispiel mit dem Zyklus von Tag und Nacht oder mit den Jahreszeiten

-solche biologischen Zeitgeber findet man in der Tier- und Pflanzenwelt für fast jeden periodisch wiederkehrenden Vorgang

-in der Regel sorgen dieser Rhythmen für täglich wiederkehrende Verhaltensweisen

Nahrungskette

-Zwischen den einzelnen Lebewesen des Ökosystems bestehen

Austauschbeziehungen, ähnlich wie bei den Brunnenschalen, bei denen Sonnenenergie verschiedene Male umgewandelt wird

-die Sonne speist sozusagen alle Lebewesen, sowie der immer wiederkehrende Strahl des Brunnens die Schalen speist

-durch die Abfolge von Fressen und Gefressenwerden fließt Energie von einer Ebene zur nächsten ˜ beim Brunnen: Bewegungsenergie überträgt sich von Schale zu Schale

-man kann den Brunnen als Kreislauf betrachten

-jedoch kann der Brunnen auch in drei Ebenen unterteilt werden: in drei Schalen, die voneinander abhängig sind

-auch das Nahrungsgesetz kann nicht nur als Geflecht von Nahrungsketten betrachten, sondern auch als Abfolge von Ebenen

Ebenen der Nahrungskette:

grobe Einteilung:

-die erste Ebene im Nahrungskreislauf sind die Pflanzen ˜ auf zweiter Ebene stehen die Pflanzenfresser

-Fleischfresser, die sich als Räuber von den Pflanzenfressern ernähren, bilden die dritte Ebene

-Ähnlichkeit zu den drei Schalen des Brunnens

-die drei Ebenen der Nahrungskette sind voneinander abhängig, da sie einander als Nahrungsquelle dienen

Angela Wieser Disposition Seite 7

Ergänzung

-so wie sich die Schalen des Brunnens ergänzen, ergänzen sich auch die Menschen

-beispielsweise harmonieren zwei grundverschiedene Menschen, weil sich ihre Eigenschaften ergänzen

-sowie beim Brunnen Bewegung und Stillstand zur Einheit, zur Harmonie gelangen, ergänzen sich zwei vollkommen unterschiedliche Charaktere

Yin und Yang

- Parallelen zum altchinesischen Symbol

- ein Kreis mit zwei aneinandergeschmiegten schwarzen und weißen Elementen ˜ Symbolik der Poliarität und des Wechsels

- Yang, das schwarze Element, repräsentiert das männliche Prinzip und steht für hell, stark, schöpferisch, fest, Bewegung

- hingegen Yin, das weiße Element, steht für das weibliche Prinzip und entspricht den Qualitäten: dunkel, schwach, ruhig, nachgiebig

- das Symbol Yin und Yang verdeutlicht die Harmonie von Frau und Mann

- es zeigt uns, wie Bewegung und Ruhe harmonieren, so wie dies beim Brunnen der Fall ist

- Männlich und weiblich sind keine absoluten Gegensätze, vielmehr enthalten beide den Kern des jeweils anderen in sich

- daher enthält die schwarze Fläche des Symbols einen kleinen weißen Kern und die weiße umgekehrt einen Schwarzen

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Meyer, Conrad Ferdinand - Der römische Brunnen
Autor
Jahr
2001
Seiten
7
Katalognummer
V104955
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Disposition
Schlagworte
Meyer, Conrad, Ferdinand, Brunnen
Arbeit zitieren
Wieser Angela (Autor), 2001, Meyer, Conrad Ferdinand - Der römische Brunnen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104955

Kommentare

  • Gast am 1.6.2006

    Theologischer Aspekt.

    Nur eine kurze Anmerkung:
    Der Brunnen symbolisiert ebenfalls - und vielleicht sogar primär, beachtet man seinen Standort -
    die christliche Trinität. Es gab in der Kirche Diskussionen über die Kohärenz von Vater, Sohn und heiligem Geist und jener Brunnen ist Gestalt gewordene Antwort auf eine der Hypothesen, wobei das Wasser den hl. Geist symbolisiert.

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