Attributionstheorie: Ort der Kontrolle


Seminararbeit, 2002

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Erläuterung zentraler Begriffe
2.1. „Locus of Control- Orientierung“
2.2. Internals versus Externals
2.3. Unterschiedliche Verwendungen des Begriffs

3. Rotters Konzept der Kontrollwahrnehmung
3.1. Erweiterung zu einer Persönlichkeitsdimension
3.2. Diagnostikum
3.3. Experimentelle Untersuchungen
3.4. Verbindungen mit anderen psychologischen Variablen

4. Ort der Kontrolle versus Ort der Verursachung

5. Verknüpfung und Parallelen zu anderen Konzepten
5.1. Heider (1958)
5.2. Weiner (1971)
5.3. Seligmann (1975/78)

6. Anwendung und Bewertung des Konzeptes
6.1. Kulturelle Unterschiede
6.2. Soziale Klassenunterschiede

7. Ausblick

Literaturverzeichnis

Attributionstheorie

- Ort der Kontrolle -

1. Einführung

Attribution ist „der meist unbewußte Prozeß, durch den Wirkungen von proximalen Reizen unmittelbar erlebnismäßig den distalen Objekten zugeschrieben werden.“

(Häcker & Stapf, 1998, S. 76) Die Attributionsforschung hat Meinungen über Kausalzusammenhänge, sowie das Zustandekommen und deren Auswirkungen zum Gegenstand. Laienhafte Kausalwahrnehmungen aus dem täglichen sozialen Leben sind die Untersuchungsobjekte der Attributionsforschung. Rotter hat den ersten empirisch prüfbaren attributionstheoretischen Ansatz im Rahmen seiner sozialen Lerntheorie formuliert. Er postulierte, daß das Verhalten nicht direkt von den Verhaltenskonsequenzen beeinflußt wird, sondern daß dafür vermittelnde kognitive Prozesse verantwortlich sind. (vgl. Herkner, 1980, S. 53- 54)

Im Rahmen dieser Arbeit soll das Konstrukt „locus of control“ beleuchtet werden. Das damit verbundene Konzept der generalisierten Kontrollerwartung nimmt im Gesamtkonzept von Rotters sozialer Lerntheorie nur eine periphere Rolle ein, ist aber losgelöst von der eigentlichen Theorie schon Gegenstand zahlreicher empirischer Untersuchungen gewesen.

2. Erläuterung zentraler Begriffe

2.1. „Locus of Control- Orientierung“

Gegenstand dieser Arbeit ist die „locus of control- Orientierung“. Diese Kontrollüberzeugung „ist der Glaube, daß die Ereignisse unserer Handlungen entweder von Ereignissen außerhalb unserer persönlichen Kontrolle (externer locus of control) liegen oder davon abhängen, was wir tun (interner locus of control).“ (Zimbardo, 1995, S. 417)

2.2. Internals versus Exernals

Wenn eine Person also glaubt, daß das Eintreffen oder Ausbleiben des Ereignisses von ihrem Verhalten und/oder von ihren Eigenschaften abhängt, so befindet sich das Ereignis für diese Person unter interner Kontrolle. Diese Personen werden als Internals bezeichnet.

Glaubt eine Person hingegen, daß das Eintreffen oder Ausbleiben des Ereignisses von externen Faktoren, wie zum Beispiel dem Zufall abhängt, wird das Ereignis von ihr als extern kontrolliert wahrgenommen. Personen, die Ereignisse als extern kontrolliert wahrnehmen, werden in der Literatur als Externals bezeichnet.

2.3. Unterschiedliche Verwendungen des Begriffs

Rotter hat den Begriff „locus of control“ verwendet, um damit die wahrgenommene Nichtzufälligkeit von Ergebnissen auszudrücken.

Levenson (1972,1973) verwendete den Ausdruck, um sich auf die Wahrnehmung zu beziehen, daß entweder mächtige Andere oder der Zufall die Folgen und Ergebnisse von Personen kontrollieren. Er hat das Konzept von Rotter ausgedehnt und drei Dimensionen einbezogen: die internale Kontrolle, die Kontrolle durch einflußreiche Andere und Zufall oder Glück.

Weiner (1972) und andere Attributionstheoretiker verwendeten den Begriff um damit den Glauben der Menschen auszudrücken, daß ihre Handlungsfolgen von einigen externen Faktoren bestimmt werden. (vgl. Deci & Ryan, 1985, S. 168)

3. Rotters Konzept der Kontrollwahrnehmung

Nach Rotter wird die Wahrscheinlichkeit dafür, daß eine Person ein bestimmtes Verhalten ausübt, durch die Erwartung, daß deren Ziel durch Aktivität erreicht wird und durch den persönlichen Wert dieses Zieles bestimmt. Die Verstärkungsgeschichte einer Person trägt dazu bei eine Kontrollüberzeugung aufzubauen. Die Lernprozesse einer Person werden weitgehend durch deren Annahme beeinflußt, ob das Ereignis unter interner Kontrolle liegt oder dessen Kontrolle als extern wahrgenommen wird. Ein bestimmtes Verhalten wird von einer Person ausgeführt, wenn sie mit großer Wahrscheinlichkeit angenehme Folgen dieses Verhaltens erwartet.

Die Variable Ort der Kontrolle beeinflußt die Entwicklung von Erwartungen. Diese entwickeln sich in Übereinstimmung mit dem Verlauf des Lernprozesses bei interner Kontrolle. Hier wird die Erwartung zukünftiger Belohnungen für dasselbe Verhalten um so stärker, je öfter das Verhalten belohnt wird. Bei externer Kontrolle entwickeln sich die Erwartungen unsystematisch und gegensätzlich zu den Ereignissen. Hier wird beispielsweise die Erfolgserwartung nach einem Mißerfolg größer und nach einem Erfolg kleiner. (vgl. Herkner, 1980, S. 54)

3.1. Erweiterung zu einer Persönlichkeitsdimension

Das Konzept der Kontrollwahrnehmung wurde von Rotter zu einer Persönlichkeitsdimension erweitert. Der Ort der Kontrolle ist demnach ein Persönlichkeitsmerkmal. Er stellt ein hypothetisches Kontinuum zwischen den Polen totaler interner und externer Kontrolle dar. (vgl. Herkner, 1980, S. 55) Rotter hat dafür einen Fragebogen entwickelt. (vgl. Rotter, 1966, S. 11- 12) Er postulierte, daß die meisten Menschen generalisierte Kontrollwahrnehmungen ausbilden.

3.2. Diagnostikum

Das Diagnostikum für individuelle Unterschiede ist die I- E Skala (internal- external- control scale), die sich aus einer Serie von vielen Verbesserungen und Verfeinerungen entwickelt hat. Durch Rotters (1966) Auswahlfragebogen, der I- E- Skala, kann feststellt werden, in welchem Ausmaß eine bestimmte Person dazu neigt, interne bzw. externe Ursachen anzunehmen. Dieser Test wurde entwickelt, um allgemeine Erwartungen messen zu können. Die 29 Items bestehen aus Wahlalternativen, wie zum Beispiel: 9.a. „ I have often found that what is going to happen will happen.“ 9.b. Trusting to fate has never turned out as well for me making a decision to take a definite course of action.“ Die Items sind auf die Erwartungen der Subjekte bezogen, wie deren Verstärkung kontrolliert ist. Des weiteren enthält der Test sechs „filler items“, wie beispielsweise: 14.a. „There are certain people, who are just no good.“ 14.b. „There is some good in everybody.“ (Rotter, 1966, S. 11) . Diese sollen die Absicht des Tests für die Testpersonen doppeldeutiger erscheinen lassen. Die Iteminhalte sind über weite Lebensbereiche, wie zum Beispiel schulischer Erfolg, soziales Ansehen, Liebe und Zuneigung, Dominanz, sozialpolitische Überzeugungen und allgemeine Lebensphilosphie, gestreut. (vgl. Heckhausen, 1989, S. 391)

3.3. Experimentelle Untersuchungen

Der Ort der Kontrolle kann experimentell manipuliert werden, indem den Versuchspersonen unter einer Bedingung (interne oder externe Kontrolle) gesagt wird, daß deren Erfolg bzw. Mißerfolg von ihrer Fähigkeit oder vom Zufall abhängt. Eine der ersten Untersuchungen dazu wurde von Phares (1957) durchgeführt, welche aufzeigen konnten, daß es möglich war die Verstärkung zu kontrollieren. Des weiteren konnte gezeigt werden, daß die Versuchspersonen die Instruktionen akzeptieren, in denen der einen Gruppe gesagt wurde, daß Erfolg bzw. Mißerfolg für das Gelingen der Aufgabe von ihren Fähigkeiten abhängt. Die Instruktion der anderen Gruppe verwies darauf, daß das Abschneiden der Aufgaben per Zufall geschieht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Attributionstheorie: Ort der Kontrolle
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (FB Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Seminar Attributionstheorien und verwandte Konzepte
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V10509
ISBN (eBook)
9783638169103
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Attributionstheorie, Kontrolle, Seminar, Attributionstheorien, Konzepte
Arbeit zitieren
Yvonne Kasten (Autor:in), 2002, Attributionstheorie: Ort der Kontrolle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10509

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