Ein Vergleich: Die Stellung der Frau in der sogenannten dritten Welt und der Frau in Industrienationen


Skript, 2000

7 Seiten, Note: sehr gut


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Manuela Rottensteiner

Ein Vergleich: Die Stellung der Frau in der sogenannten dritten Welt und der Frau in Industrienationen

1.Einleitung

Auf der Suche nach einem geeignetem Thema für das Seminar Handlungsfeld Entwicklungsarbeit kam mir spontan die Idee, die Stellung der Frau in verschiedenen Religionen /Kulturkreisen zu untersuchen und zu vergleichen. Die Literaturrecherche zu diesem Thema gestaltete sich jedoch ziemlich erfolglos. Dennoch wollte ich an diesem Thema festhalten und in Anbetracht der Literatur, die ich zuvor sammeln konnte, entschloss ich mich zu dem Thema: „Ein Vergleich: Die Stellung der Frau in der sogenannten ersten und dritten Welt in Gesellschaft und Kultur“

Die Arbeit bezieht sich nun nicht auf die unterschiedlichen Religionen und Kulturkreise, in denen Frauen leben, sondern auf die Lebensumstände der Frauen in Industrienationen und in Entwicklungsländern. Dies soll kein streng feministischer Exkurs über die weltweit nicht vollzogene Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sein, sondern aufzeigen, dass es trotz des geographischen und vor allem wirtschaftlichen Nord-Süd-Gefälle sehr viele Gemeinsamkeiten in den Lebensumständen der Frauen gibt. Am Ende der Arbeit möchte ich weiters Projekte anführen, die speziell die wirtschaftliche Situation von Frauen in Entwicklungsländern verbessern sollen, während Frauen in den Industrienationen Projekte zur Verbesserung der rechtlichen Situation anstreben.

Mein Interesse für dieses Thema teilte auch Roswitha Stockinger, die sich in ihrer Arbeit speziell mit der Religion des Islam beschäftigt hat, und die Situation der Frau in jeder Hinsicht in dieser Religion beleuchtet hat.

2. Gemeinsamkeiten von Frauen in Industrienationen und Entwicklungsländern

Auf der ganzen Welt erfährt die von Frauen geleistete Arbeit ein chronische Unterbewertung. Dies spiegelt sich nicht nur in dem nahezu alle Staaten durchziehenden unterschiedlichen Lohnniveau bei gleicher Leistung und Qualifikation wider. Vielmehr gipfelt diese Abwertung in dem Versuch der Aberkennung der geleisteten Frauenarbeit außerhalb der sogenannten Lohnarbeit. Arbeit, die nicht in die Berechnung eines Bruttosozialproduktes herangezogen wird, wird jedwede Produktivität strittig gemacht.

Die Arbeit von Frauen bildet jedoch die Basis jeder Art von Produktion. Mies beschreibt diese Basis als Unterwasserteil eines Eisberges, der unsichtbar ist und dennoch Grundlage des Ganzen bildet (Mies, 1990, S. 95). Dieses Bild umschreibt umfassend die Situation der Unterdrückung der Frau in der gesamten Welt. Ohne eine profunde Grundlage kann ein System jedoch nicht funktionieren.

Der Umfang der typisch weiblichen Form von Produktivität, nämlich der unbezahlten Arbeit ist weltweit auf mehr als ein Viertel der gesamten menschlichen Arbeit beziffert worden:

„Die unbezahlte Frauenarbeit, die nicht gegen Geld, sondern gegen Überlebenssicherheit oder gar Liebe getauscht wird, nämlich die Erziehungs - und Beziehungsarbeit, die Pflege an Mensch und Natur, die Haus und Feldarbeit zur Selbstversorgung - diese Arbeit beziffern die UN auf 25 bis 30 Prozent der gesamten menschlichen Produktivität. (Wichterich, 1995, S. 143)

Diese Form der Bewertung birgt eine massive Form der Ausbeutung in sich und prägt den Begriff der „Hausfrauisierung“. Dieser Begriff meint zum einen eine Abdrängung der Frauen n den Arbeitsbereich des Hauses, die klassische Hausarbeit, zum anderen aber jegliche Form der Nutzbarmachung weiblicher Arbeitskraft bei gleichzeitiger Ausbeutung bzw. der Zuordnung in Niedriglohngruppen. Nicht zu vergessen ist sicherlich, dass die Form der Hausarbeit, wie sie in Industrieländern verrichtet wird, sich von der Subsistenzproduktion in Entwicklungsländern unterscheidet. Dennoch sollen „die internationalen Gemeinsamkeiten der verschiedenen Ausprägungen der weiblichen Reproduktionsarbeit, sei es in Form der Hausarbeit oder der marginalen Überlebensproduktion in der dritten Welt“ (Jacobi/Nieß, 1980, S.97), deutlich gemacht werden.

Der Versuch, die These von der Hausfrauisierung als verbindendes Glied aller Frauen, sei es in Industrienationen oder in Entwicklungsländern, in den sogenannten „entwickelten“ oder „nichtentwickelten“ bzw. „unterentwickelten“ Ländern darzustellen, ist mit der Gefahr verbunden, die Situation der Frau überall als identisch bezeichnen zu wollen. Dem ist jedoch nicht so. Es ist bekannt, dass selbst innerhalb eines Staates die Stellung der Frau aufgrund ihrer Schichtzugehörigkeit, Religion, Bildung und kulturellem Hintergrund starken Differenzen unterworfen ist. Deshalb sind auch die Unterschiede, die das Nord-Süd-Gefälle für sich in der Welt geltend macht, die die Lebensumstände der Frauen betreffen enorm. Die soziale Situation entzieht sich dadurch einer einheitlichen Bewertungsmöglichkeit.

Daher möchte ich im folgenden Teil an einzelnen Beispielen Alltag und Realität von Frauen in ihren unterschiedlichen Bedingungen aufzeigen. Vorweg jedoch das Fazit dieser Arbeit: Die Gleichberechtigung der Frau ist nirgendwo auf der Welt verwirklicht. Die Frauen sind in der Pflicht und die Männer an der Macht.

3. Frauen in Industrienationen

Um die unterschiedliche Bedeutung der Pflicht, in der sich die Frauen befinden, zu beschreiben, bedarf es einer Darstellung der Situation von Frauen in den Industrienationen und in den ehemaligen Kolonien, die zahlreichende trennende aber auch verbindende Elemente aufweist. Es waren vor allem Feministinnen, die seit der Mitte der 70er Jahre im Rahmen der Diskussion um den sogenannten Privatbereich anfingen, auch die private Arbeit der Frauen im Haus nach ihrer historischen Entwicklung, aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung zu analysieren und nach den Folgen der Situation für Frauen zu fragen.

Bei allen nach wie vor bestehenden Unterschieden in der Einschätzung der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung von Hausarbeit, ihres Stellenwertes für die Situation der Frau im Erwerbsleben, in der Beziehung zu Mann und Kindern, ist die positive Folge auszumachen, dass die Lebenssituation von Frauen genauer, auch in ihrer Widersprüchlichkeit wahrgenommen werden kann.

3.1. Die Hausfrau als soziale Kategorie

Hausfrauen sind keine homogene soziale Gruppe. Unterschiede ergeben sich nach der wirtschaftlichen und sozialen Lage, die vor allem vom Beruf und Einkommen des Mannes abhängig ist. Hausfrauen unterscheiden sich nach ihrer Herkunft, ihrer Schulbildung und ihrem erlernten Beruf.

Dennoch macht sie Aufgabe der ständigen unbezahlten Arbeit rund um Männer, Gesellschaft uns System zu einer gemeinsamen sozialen Kategorie. Es ist wichtig festzuhalten, dass die Zuschreibung der Hausarbeit als weiblicher Geschlechtscharakter sich erst im Zuge der Konstituierung der bürgerlichen Gesellschaft herausgebildet hat.

War es zunächst dem kapitalistischen Bürgertum vorbehalten, sich den Luxus der Hausfrau zu leisten, so ging nachfolgend die Einführung der Sozialpolitik in der westlichen Welt mit der Etablierung der patriarchalischen Kernfamilie Hand in Hand. Daraus folgte die „Definition des Mannes als Haupt der dieses Haushaltes und Ernährers der nicht - verdienenden Ehefrau und ihrer Kinder.“ (Mies, 1990, S. 130)

Durch diesen Aufstieg in die bürgerliche Zivilisation für das Proletariat vollzog sich ein gleichzeitiger Abstieg für die Rechte der Frau. Politisch oder menschlich erfolgte keinerlei Befreiung - im Gegenteil: „ihre Kolonisierung, Entmachtung und Verlust ihrer Autonomie“ (Mies, 1990, S.120) waren die Folgen für bis dahin selbstverantwortlich handelnden Frauen. Ausbeutung und Unterordnung folgten aus dem „Privileg““ der Hausfrauisierung.

Das im Prinzip geschlechtsneutrale System der Absicherung der Familie durch sozialpolitische Maßnahmen verkehrt sich in ein die Frauen diskriminierendes System durch ungleiche Bedingungen im Zugang zur Erwerbsarbeit und die Tatsache, dass ein an den Normen der Sozialpolitik orientiertes Erwerbsverhalten nur möglich ist, wenn jemand anderes die Haus- und Familienarbeit erledigt. Frauen befinden sich in der paradoxen Situation, dass ihre Nicht- Erwerbstätigkeit staatlich höher alimentiert wird als ihre Gleichbehandlung in den Sozialversicherungssystemen.

In ihren Kernbestandteilen bleibt die Sozialpolitik westlicher Industrienationen an den Vorstellungen der Hausfrauenehe orientiert. Die Vorteile liegen auf der Hand, wird doch der weitaus größte Teil der Arbeit in Haushalt und Familie somit unentgeltlich geleistet.

Die Nutznießer dieses Systems sind die Männer als herrschende Klasse der Gesellschaft.

„Schließlich bilden die Frauen de facto eine eigene Klasse von billigen Arbeitskräften, die gegen Kost und Logis eine Vielzahl von Dienstleistungen erbringen, für die man auf dem Arbeitsmarkt teuer bezahlen müsste.“ (New Internatioanalist, S. 16)

Lediglich in Ausnahmesituationen, etwa in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, wird die Erwerbstätigkeit der Frau hingenommen. Frauenerwerbsarbeit wird zwar als ökonomisch notwendiger, aber dennoch bedauerlicher Ausnahmezustand charakterisiert. Frauen mit unvollständigen Familien (sprich: ohne Ernährer) gelten als Kategorie, denen diese Ausnahme gewährt sei, zumindest wird jedoch betont, „dass es sich dabei um eine vorübergehende Erscheinung handle, da bei ausreichenden Familieneinkommen die Erwerbstätigkeit der Frauen wieder zurückgehen werde.“ (Maier, 1993, S. 273)

Die Ambivalenz der herrschenden Politik gegenüber Frauenerwerbstätigkeit kann man an vielen Einzelbestimmungen und Gesetzen ablesen. „ dass die Erwerbstätigkeit nur in einem Maße sinnvoll sein könnte, wie die Frau noch in der Lage sei, ihren häuslichen Pflichten nachzukommen. Vorrang der häuslichen Verpflichtung und Nachrang der Erwerbstätigkeit - dies galt umso mehr, wenn Kinder in der Familie waren.“ (Maier, S. 275)

Der Staat schlägt mit der Sozialgesetzgebung und der Arbeitsmarktpolitik gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: auf der einen Seite schafft er Betreuungseinrichtungen für Kinder und ist somit aus der Pflicht genommen, andererseits fallen Frauen im immer enger werdenden Arbeitsmarkt nicht mehr in vollem Umfang ins Gewicht.

4. Frauen in der dritten Welt

In der dritten Welt tritt das Problem der doppelten Ausbeutung der Frau in Wirtschaft und Haushalt in verschärfter Form auf. Frauen stellen etwa 50 Prozent der Erwerbstätigen und sind zu 100 Prozent für die Reproduktion und Ernährung zuständig. Selbst wenn der Ehemann oder Familienvorstand nicht erwerbstätig ist, ist meist keine Unterstützung im diesen Bereichen zu erwarten. Die Stellung der Frau ist in den meisten Ländern der dritten Welt sowohl in der Wirtschaft als in der Gesellschaft den Männern untergeordnet. Die vielfältigen Formen der Frauenarbeit, die sich außerhalb der abhängigen Lohnarbeit befinden werden in den offiziellen Statistiken selten dokumentiert.

Traditionell hatten Frauen in den ursprünglichen Gesellschaften ihren eigenständigen Wirtschaftsbereich in der landwirtschaftlichen und handwerklichen Produktion oder im Handel und erzielten so zum Teil eine dominante oder zumindest gleichrangige Stellung mit den Männern der Gesellschaft. Mit der Kolonialisierung fand die besondere Stellung der Frauen in diesen Gesellschaften schnell ein Ende. Der Prozess der abhängigen kapitalistischen Entwicklung zerstörte die letzten Reste matriarchalischer Tradition und verschlechterte die soziale und ökonomische Situation der Frauen gegenüber den Männern drastisch. Das Kolonialsystem schaffte so erst die klare Trennung zwischen Subsistenz - und Warenproduktion und damit einhergehend die Geschlechterdifferenzierung. Die Subsistenzproduktion erscheint als „zurückgeblieben“ im Vergleich mit der modernen Form der Warenproduktion und der Anpassung an die kapitalistischen Marktwirtschaft.

Die Haupttätigkeit der Frau in der dritten Welt umfasst mit dem Begriff Überlebensproduktion all das, was zur Sicherung einer Existenz der Familie unabdingbar ist. In diesen Begriff fällt auch jene Subsistenzproduktion, selbst wenn die Männer über ein geregeltes Arbeitsverhältnis in unmittelbarer Nähe zur Heimatstatt der Familie verfügen. Meist jedoch ist die Notwendigkeit der Überlebensproduktion zusätzlich mit dem Verfall der Familie verknüpft, indem die Männer zum Geldverdienen in die Zentren, zur Wanderarbeit oder ins Ausland abwandern und die Frauen mit der Landwirtschaft, Kindern und Haushalt zurücklassen. Dabei lässt die Zahlungsbereitschaft für die zurückgelassene Familie beim größten Teil der abgewanderten Männer nach einiger Zeit nach bzw. erfolgt nur in unregelmäßigen und immer größer werdenden Abständen.

Hinzufügen lassen sich als Gründe für die hohe Anzahl „alleinstehender“ Frauen noch die verschiedenen Formen des Eherechts in einigen Dritte-Welt-Staaten, die z.B. das Verstoßen der Frau beinhalten; die unterschiedlichste Auslegung der Polygamie und der Umgang mit Witwen. All diese Situationen könne zur absoluten Rechts- und Anspruchslosigkeit der betroffenen Frauen führen.

Die zweitwichtigste Aufgabe der Frauen besteht in der „Produktion“ zukünftiger Arbeitskräfte. Die in den Entwicklungsländern übliche hohe Kinderzahl ist unter anderem Ausdruck der ökonomischen Notwendigkeit, den Familienunterhalt und die Altersversorgung abzusichern. Traditionelle Praktiken der Geburtenkontrolle sind in dem Maßzurückgetreten wie sich die Form des Zusammenlebens von der Großfamilie auf die einzelnen Familien verlagert hat. Die Verkürzung der Entwicklungsproblematik auf die Bevölkerungsexplosion greift eindeutig zu kurz und enthält eine Wertung in Bezug auf erwünschter und unerwünschter Bevölkerungszunahme.

Dennoch ist in den letzten Jahrzehnten ein Trend von zunehmender Erwerbstätigkeit von Frauen weltweit zu beobachten. „In den industrialisierten Ländern stellen Frauen inzwischen 41 Prozent der Beschäftigten, weltweit 34 Prozent.“ (Wichterich, 1995, S. 145). Die Vereinten Nationen sprechen bereits von einer Feminisierung der Beschäftigung (UN, 1995, S. 48). Obwohl diese Aussage vollkommen wertfrei ist, darf nicht vergessen werden,

- Dass eine noch größere Anzahl von arbeitenden Frauen nicht in den Statistiken auftaucht
- Unter welchen Bedingungen Frauen am Arbeitsplatz ausgebeutet werden Dass finanzielle Notlagen vieler Familien die Frauen zur Erwerbstätigkeit zwingen

Die einzelnen Arbeitsbereiche von erwerbstätigen Frauen in der dritten Welt sollen im folgenden dargestellt werden:

4.1. Arbeitsplatz Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist der Arbeitsplatz mit dem größten Frauenanteil. Zur Anschauung einige Zahlen:

- 1980 waren 71% der wirtschaftlich aktiven Frauen in der Landwirtschaft tätig
- die Hälfte aller Nahrungsmittel auf der erde werden von Frauen produziert
- lediglich 5 der multilateralen Kredite zur Förderung der Agrarwirtschaft gehen in die Hände von Frauen
- in Lateinamerika leisten 40%, in Asien nahezu 60% und in Afrika 80% der Frauen Feldarbeit
- weltweit besitzen Frauen weniger als 1% des Landes

Im landwirtschaftlichen Bereich wird der für den Verkauf und Export bestimmte Anbau von den Männern dominiert, die Zugang haben zu den landwirtschaftlichen Beratungsstellen und Kreditmöglichkeiten, von denen Frauen meist ausgeschlossen sind.

4.2. Arbeitsplatz Industrie

Dank der sogenannten Globalisierung der Märkte findet in den Industrienationen eine Auslagerung der Fertigung in die dritte Welt statt. Die letzten Jahre waren geprägt vom Ab-und Umbau der multinationalen Konzerne, die ihre Produktionsstätten in wachsendem Maße aus den hochindustrialisierten Ländern in die Entwicklungsländer verlagerte, um die dort herrschenden Niedriglöhne und Steuervorteile, den geringen Organisationsgrad der Arbeiterschaft, arbeitsrechtlichen Privilegien und neue Absatzmärkte zu nutzen. Transnationale Unteernehmen beschäftigen sowohl in der Chip- als auch in der Bekleidungsindustrie hauptsächlich junge Frauen. Sie werden nach Bedarf eingestellt, und nach ein paar Jahren, meist nach Heirat oder vor der Geburt des ersten Kindes, wieder entlassen. Bedingt durch den meist kurzen Verbleib in einem Unternehmen gelingt den Frauen nur selten bis gar nicht das Erreichen einer Lohnsteigerung.

4.3. Arbeitsplatz Handel und Handwerk

Die Tätigkeit von Frauen in Handwerk und Handel durch die Expansion kapitalistischer Unternehmen wurde in den informellen Sektor abgedrängt. Die Verdienstmöglichkeit für Frauen im traditionellen Handwerk und Handel, in den meisten Ländern zu den klassischen Domänen der Frau zählend, erfahren mit Durchdringung des kapitalistischen Systems auch in diesem Bereich eine Zerstörung der ursprünglichen Selbständigkeit.

4.4. Heimarbeit

In vielen Ländern der Erde verrichten Frauen neben der anfallenden Arbeit im Haus auch ihre Lohnarbeit innerhalb der eigenen vier Wände. Dies kann zum einen mit kulturellen Restriktionen zusammenhängen, die den Frauen den Aufenthalt außerhalb des Hauses, bzw. auf der Strasse oder ganz allgemein in der Öffentlichkeit, nicht ohne Begleitung eines (männlichen) Familienangehörigen gestatten, zeigt aber zum anderen, wie sehr Frauen auch ohne derartige Strukturen ans Haus gefesselt sind.

Da Hausarbeit und Kinderbetreuung die Frauen nahezu den ganzen tag in Anspruch nehmen, ist ihnen ein zusätzliches Einkommen nur durch die Verrichtung handwerklicher Tätigkeiten nebenbei möglich.

Gerade diese Form der Einkommensaufbesserung der Familie durch die Frau wird von den Männern oft nicht als Arbeit anerkannt. Der Arbeitsplatz zu Hause erweckt den Anschein, dass die Frauen ihre Arbeit als „Freizeitbeschäftigung“ verrichten, sich nach der Hausarbeit „zur Entspannung“ einer anderen Tätigkeit widmen. Heimarbeit ist mittlerweile in die unterschiedlichsten Bereiche vorgedrungen. Neben dem klassischen Sektor von Handarbeiten werden in Indien „beedis“, kleine Zigarillos von Frauen in Heimarbeit gerollt .

4.5. Prostitution - Dienstleistung oder Ware?

Gerade junge Frauen im asiatischen Raum bleibt als einzige Erwerbsmöglichkeit der Verkauf ihres Körpers. Dass die Frauen sich in einer auswegslosen Situation befinden, ist nicht allein in dem vermuteten Zwang zur Prostitution zu sehen, sondern auch in der Tatsache, dass von dem Einkommen der Mädchen in den Zentren ganze Familien auf dem Land ihr Überleben sichern. Denn wenn auch die meist jungen Mädchen unter dubiosen Versprechungen in die Ballungszentren und Touristenhochburgen gelockt werden, ist das Ziel der reise meist bekannt und wird aufgrund mangelnder Alternativen dennoch in Kauf genommen. Viele Länder in der dritten Welt arrangieren eigens ihr Image als Sextourismusland und entwickeln Kampagnen, die den Charme der jungen Frauen in die Schönheit des Landes unverhohlen mit einbinden.

Dass die Prostitution oft genug offiziell verboten ist, kommt den Männern in diesem Bereich mehr als gelegen. Arbeitsschutz oder gar -rechte bleiben den Frauen verwehrt, die Behörden machen sich die Lage der Frauen und Mädchen dadurch gleichsam zu nutzen, wie sie die Geld - und Devisenflüsse in ihr Land kontrollieren. Neben der Illegalität, die den Frauen gegenüber oft als Druckmittel der Zuhälter und Behörden eingesetzt wird, kommt das wachsende Gesundheitsrisiko durch AIDS als zusätzliches Dilemma auf die Frauen zu.

5. Projekte, die die Lebensumstände von Frauen in der dritten Welt verbessern sollen

5.1. Terre des femmes

Terre des femmes unterstützt weltweit derzeit 7 Selbsthilfeprojekte und Initiativen von Frauen für Frauen. Dabei sind die Ziele, die solidarische Zusammenarbeit mit Frauen in Entwicklungsländern zu verstärken. Zu den Projekten gehören derzeit:

- Das Frauennetzwerk „Prerana Bharati“ in Bihar, Indien, welches Seminare zur Gesundheitsvorsorge und Alphabetisierungskurse durchführt
- Zwei Projekte geegn Genitalverstümmelung in Burkina Faso und Tanzania, bei denen es vor allem um Aufklärungsarbeit gegen die sexuelle Verstümmelung von Frauen und Mädchen geht
- Die „Foundation for Women” in Thailand, die das Frauennetzwerk “Empowerment for women” initiiert und dabei besonders durch gezielte Entwicklungsarbeit in den ländlichen Regionen Thailands eine neue Perspektiven außerhalb der Migration eröffnen möchte
- Das Selbsthilfeprojekt „My sister´s place“ in Süd-Korea, das eine Anlaufstelle für koreanische Prostituierten ist, und Frauen den Ausstieg aus der Prostitution ermöglichen soll. Zudem wird eine rechtliche, therapeutische oder medizinische Beratung für Frauen geboten, die wegen einer Heirat in die USA emigrieren wollen

5.2. Grihini-Projekte

Entwicklungsarbeit aus einer Stiftung der „Schwestern des heiligen Kreuzes“ einem Schweizer Klosterorden heraus. Mit dem Ziel der Dorfentwicklung setzen sich indische Frauen in Hazaribagh, Bihar (Indien) für ihre Existenzsicherung ein.

Mit einem Untersuchungs - und Bildungszentrum für Landwirtschaft, Gartenbau,Viehzucht und Obstbau, sogar Süßwasserfischerei tragen sie zu einer aktiven Dorfsentwicklung bei. In den Dörfern arbeiten die Holy Cross Sisters mit den Frauen, von denen mehr als 80% analphabet sind. Die Entwicklung im Dorf fängt mit der Stiftung eines Sparklubs: Frauen, die davon Mitglied werden wollen, müssen zunächst ihren Namen und ihre Adresse schreiben können. Anschließend müssen die Grundbegriffe des Rechnens beherrschen. Weil die Armut sehr großist, können die Dorfbewohner nicht in neue Technologien zur Einkommenserwerbung investieren. Durch ihren Sparklub können die Frauen sich kleine Beträge für niedrige Zinsen borgen. Schulden werden leichter zurückgezahlt und die Investierung lohnt sich auch später noch. Nur arme Menschen dürfen sich Geld borgen, weil sie es dringender brauchen als reiche, außerdem zahlen sie besser als reiche zurück.

5.3. Ausbildungskurse für Frauen in Kongo

Seit der Eröffnung des Kulturzentrums in Tangwa ist es den dort ausgebildeten Frauen bewusst geworden, was sie mit der Entwicklungsarbeit in ihrem Umfeld und vor allem bei den Bedürftigsten bewirken können. Es wurden soziale Aktionen in die Wege geleitet, von denen viele Familien in den Quartieren von Kombondo und Ngafani profitieren. Die wirtschaftliche Lage hat sich in den letzten Jahren weiter verschlechtert, die meisten Bewohner sind von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen. Viele Frauen müssen den Unterhalt für die Familie allein bestreiten. Um dieser Bevölkerung mit Hilfe von gut ausgebildeten Fachleuten Möglichkeiten aus ihrer schwierigen Situation aufzeigen zu können, werden im Zentrum Tangwa freiwillige Promotorinnen für die Entwicklungsarbeit ausgebildet. Die theoretischen Kurse werden am Nachmittag durchgeführt, am Wochenende besuchen die Absolventinnen mit einer Sozialarbeiterin die Leute in den Quartieren, um dort das Gelernte in die Praxis umzusetzen.

5.4. Berufsausbildung für Frauen in Kinshasa

In der Berufsschule Kibali erhalten junge Frauen Ausbildungsmöglichkeiten, die den Bedürfnissen des Landes angepasst sind und ihnen zu guten Chancen im Berufsleben verhelfen. Die erwerbstätigen Frauen suchen für ihre berufliche Laufbahn aber auch für die Unterstützung von jungen Frauen aus anderen Quartieren von Kinshasa, Weiterbildungsmöglichkeiten. Da jetzt ihre Arbeitsplätze meistens in der Stadt sind und die Berufsschule Kibali nicht mit öffentlichen Transportmitteln erreichbar ist, wäre ein Kursbesuch nach der Arbeit schwierig. Mit dem Projekt konnten für diesen Zweck Räumlichkeiten am Rande der Stadt eingerichtet werden. Für die Frauen und Mädchen aus den umliegenden Quartieren steht ein breites Kursangebot zur Verfügung, das von den ehemaligen Schülerinnen der Berufsschule Kibali organisiert wird.

6.Literaturverzeichnis

- Bennholdt-Thomsen,Veronika/Mies, Maria/von Werlhof, Claudia: „Frauen, die letzte Kolonie. Zur Hausfrauisierung der Arbeit“ , dritte unveränderte Auflage, Zürich 1992
- Jacobi, Carola/Nieß, Theresa: „Hausfrauen, Bauern, Marginalisierte: Überlebensproduktion in der dirtten und ersten Welt“ Saarbrücken 1980
- Maier Friederike: „Zwischen Arbeitsmarkt und Familie - Frauenarbeit in den alten Bundesländern, in: Helwig, Gisela: Frauen in Deutschland 1945-1992, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Band 318, Bonn 1983, S. 115-124
- New Internationalist (Hrsgb): Frauen - Ein Weltbericht, Berlin, 1986
- Schlebusch, Conny: „Bevölkerungspolitik als Entwicklungsstrategie. Historisches und Aktuelles zu einem fragwürdigen Argument“ Frankfurt a.M. 1994
- Wichterich, Christa: „Frauen in der Welt. Vom Fortschritt der Ungleichheit“ Göttingen 1995

Internet:

www.limmat.org: Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit

www.angelfire.com/az/anisha: Frauen in Indien

www.terre-des -femmes.de/projekte

www.fes.de: Berichte der Friedrich-Ebert-Stiftung über Fauenpolitische

Projekte und Tagungen

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich: Die Stellung der Frau in der sogenannten dritten Welt und der Frau in Industrienationen
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
7
Katalognummer
V105128
Dateigröße
347 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Stellung, Frau, Welt, Frau, Industrienationen
Arbeit zitieren
Manuela Rottensteiner (Autor), 2000, Ein Vergleich: Die Stellung der Frau in der sogenannten dritten Welt und der Frau in Industrienationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105128

Kommentare

  • Gast am 3.6.2002

    thx.

    danke danke danke, dieses "referat" rettet mir und co das leben!!!!! werden diesen text 1-1 übernehmen und auf eine gute note hoffen!!! thx
    mfg xxx

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