Dieser Text behandelt die Bedeutung von Subkulturen für die entwicklungspsychologische und identitätsbildende Entwicklung von Jugendlichen. Durch die beispielhafte Betrachtung der Techno-Szene mit der ihr eigenen Musik, ihren speziellen Symbolen und Kennzeichen sowie den in dieser Subkultur üblichen Praktiken zeigt sich aus soziologischer Perspektive einerseits die Rezeption dieser Szene als Stilisierung des Selbst, andererseits aber auch die generelle Bedeutung jugendlicher Subkulturen in der modernen Gesellschaft.
Gliederung
1. Subkulturen als wesentlicher Untersuchungsgegenstand der Jugendsoziologie
2. Zur Bedeutung von Subkulturen für die Entwicklung von Jugendlichen anhand des Beispiels der Techno – Szene
2.1 Allgemeine Grundlagen zur Jugendkultur
2.1.1 Entwicklungspsychologie
2.1.2 Identitätsbildung
2.1.3 Wandel der Jugendkultur
2.2 Die Techno – Szene als jugendliche Subkultur
2.2.1 Sub- und Musikkultur
2.2.2 Musikstil und Kennzeichen der Techno-Szene
2.2.3 Rezeption als Stilisierung des Selbst
2.3 Selbstverwirklichungsaspekte der Techno-Szene
3. Subkulturen als immer mehr an Bedeutung gewinnende gesellschaftliche Institution
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Subkulturen für die Entwicklung Jugendlicher in der modernen Gesellschaft, wobei die Techno-Szene als zentrales Fallbeispiel dient. Dabei wird analysiert, wie diese Subkultur als Kompensationsraum für gesellschaftliche Herausforderungen fungiert und Jugendlichen bei der Identitätsbildung hilft.
- Soziologische Grundlagen der jugendlichen Sozialisationsphase
- Einfluss von Individualisierung, Kommerzialisierung und Mediatisierung
- Charakterisierung des Techno-Musikstils und der Subkultur-Stilisierung
- Rolle von Drogenkonsum und Kleidung als Ausdrucksmittel
- Selbstverwirklichung und Stresskompensation in der Techno-Szene
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Musikstil und Kennzeichen der Techno-Szene
Wie bereits kurz erwähnt entstand die Techno-Musik aus der amerikanischen House-Bewegung (vgl. Meyer, 2000: 48ff.), die sich im Kontext der urbanen Schwulen-Szene in Amerika etablierte und zunächst in der namengebenden Diskothek „Warehouse“ als Mix aus europäischem Pop und amerikanischer Disco-Musik von den DJs (DiscJockeys) aufgelegt wurde. Als in dem auf HipHop und House zurückgehenden Genre des Elektro immer mehr die Maschinen zur Musikerzeugung in den Mittelpunkt rückten, entstand schließlich das Genre des Techno. Techno ist gekennzeichnet als elektronische (Tanz-)Musik, die größtenteils mit dem Computer oder anderen musikerzeugenden technischen Geräten fabriziert wird. Kennzeichnend ist weiterhin, dass ein DJ, die Hauptperson bei dieser Musik, durch Wiederholung verschiedener Musikpassagen, sogenannte Samples, und das Ineinanderlaufen von mehreren Vinylplatten, diese Musik inszeniert.
Der Rhythmus variiert zwar nicht besonders stark, sticht aber durch seinen sehr hohen Takt von mindestens 150 bpm (beats per minute) heraus. Bei allem steht immer die Stimmung und Tanzfreudigkeit der an den Technoveranstaltungen teilnehmenden Raver im Vordergrund, die auch als „Gütezeichen“ für den DJ gelten können und dem allgemeinen Motto: „Wir feiern eine Party“ (Nolteernsting in: Baacke, 1998: 279) entsprechen. Ein weiteres, bekanntes Motto, das von „Love, Peace & Unity“, treibt Jugendliche beiden Geschlechts zu den meist sogar mehrtägigen Raves, den großen Tanzveranstaltungen, die bis vor kurzem noch z.B. in den ausgedienten Flughafenhallen in München-Riem stattfanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Subkulturen als wesentlicher Untersuchungsgegenstand der Jugendsoziologie: Einleitung in die Bedeutung der Jugendphase für die menschliche Entwicklung und die soziologische Betrachtung von Subkulturen als Bewältigungsstrategien.
2. Zur Bedeutung von Subkulturen für die Entwicklung von Jugendlichen anhand des Beispiels der Techno – Szene: Untersuchung der soziologischen Grundlagen wie Entwicklungspsychologie und Identitätsbildung im Kontext der Technokultur.
3. Subkulturen als immer mehr an Bedeutung gewinnende gesellschaftliche Institution: Fazit über die wachsende Relevanz von Subkulturen als informelle Hilfsinstanzen bei individuellen Krisen in der modernen Leistungsgesellschaft.
Schlüsselwörter
Jugendsoziologie, Subkultur, Techno-Szene, Identitätsbildung, Individualisierung, Sozialisation, Musikstil, Rave, Selbstverwirklichung, Stresskompensation, Ekstasekultur, Peer-Group, Gesellschaftskritik, Stilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die soziale Funktion von Jugend-Subkulturen im Kontext einer sich wandelnden Gesellschaft, wobei der Fokus auf der Techno-Szene liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Entwicklungspsychologie, Identitätsfindung Jugendlicher, die Auswirkungen der Globalisierung und Individualisierung sowie der Einfluss von Musikstilen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Beitrag der Techno-Szene zur psychischen Entlastung und Identitätsbildung Jugendlicher als Reaktion auf die Anforderungen der modernen Gesellschaft zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte soziologische Analyse, die auf bestehenden Theorien der Jugendsoziologie und spezifischen Studien zur Techno-Kultur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen zur Jugendkultur, die spezifischen Merkmale der Techno-Szene (Musik, Drogen, Stilisierung) und deren Funktion für das Individuum dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Jugendsoziologie, Identitätsbildung, Techno-Szene, Individualisierung, Stresskompensation und gesellschaftliche Institution.
Warum spielt die Love Parade eine wichtige Rolle in der Argumentation?
Die Love Parade dient als Indikator für die massenhafte Verbreitung der Szene und als Beispiel für die Transformation eines subkulturellen Events in eine Demonstration mit politischem Anspruch.
Welche Rolle spielt der Drogenkonsum laut der Autorin?
Der Drogenkonsum, insbesondere von MDMA/Ecstasy, wird als Mittel interpretiert, um eine Atmosphäre der Empathie und tranceartigen Gemeinschaft zu erzeugen, die das Bedürfnis nach emotionaler Verbundenheit im Alltag stillt.
- Quote paper
- Nina Müller (Author), 2002, Zur Bedeutung von Subkulturen für die Entwicklung von Jugendlichen am Beispiel der Techno-Szene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10516