Der Eintritt Italiens in den ersten Weltkrieg


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
20 Seiten, Note: 1

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Inhaltsverzeichnis

1. Die politische Situation in Europa vor dem ersten Weltkrieg
Bündnissysteme

2. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges

3. Der Eintritt Italiens
Der Londoner Vertrag

4. Der Verlauf des Krieges
Die Isonzoschlachten
Die Piaveschlacht

5. Der Waffenstilstand und die Folgen

1.: Die politische Situation in Europa vor dem ersten Weltkrieg: Bündnissysteme

Die Grundlage der deutsch-österreichischen Zusammenarbeit war immer noch der 1879 abgeschlossene Zweibund. Der Vertrag war als Defensivbündnis gegen einen Angriff Frankreichs auf Deutschland oder im Falle eines Angriffes Russlands auf Österreich-Ungarn gedacht. Das geheimgehaltene Bündnis hatte zunächst nie aktiviert werden müssen.

Am 20. Mai 1882 wurde der Zweibund über die Initiative Italiens um dieses erweitert und nannte sich von nun an Dreibund. Italien hatte aus mehreren Gründen Interesse an diesem Bündnis. Der Hauptgrund doch war zunächst Schutz eines Angriffes von französischer Seite her. Italien verstärkte später in einem 2. und 3. Vertrag die Bindung zum deutschen Reich. Wichtig waren vor allem die zahlreichen Nebenabkommen und Geheimverträge. In einem für Österreich-Ungarn geschriebenen Paragraphen des 2. Vertrages sicherten sich die Donaumonarchie und der Appeninnenstaat das Gegenseitigbekanntgeben jedes Eingreifens im Orient. Weiters sollte der eine Partner, wenn es territoriale Veränderungen auf dem Balkan gäbe entsprechende Kompensationen Bekommen. Italien hätte zunächst nur an Dalmatien gedacht, während Österreichs Außenminister Kalnoky den ganzen Balkan im Visier hatte. Man war sich trotz aller Verträge aber immer misstrauisch. Als später Italien in den Neunzigern des 19. Jahrhunderts den Dreibund dazu verwenden wollte seine kolonialen Bedürfnisse zu befriedigen distanzierten sich aber das deutsche Reich sowie Österreich- Ungarn. Der Dreibund sei keine ,, Erwerbsgesellschaft " hieß es. 1902, nach der Abklärung seiner Kolonialpolitik mit Frankreich und Großbritannien richtete Italien seine Interessen auch auf den Balkan und bekräftigte dies mit dem Vertrag von Raconiggi mit Russland, ohne den zwei weiteren Bündnispartnern davon mitzuteilen. Im Fall Italiens hieß es : ,, Entweder man ist mit ihnen oder sie gehen zum Feind über."

Auch die anderen europäischen Großmächte hatten sich formiert. Vor allem das Bündnis von 1902 zwischen Frankreich und Großbritannien die Entente Cordiale" das später durch den Beitritt Russlands zur ,,Triple- entente" wurde ist hier zu nennen. Die Schwachpunkte dieser Systeme waren die militärischen Abmachungen. Man hatte zwar ein grobes Gerüst doch hatte man sich wegen dem großem Misstrauen nur vage Einblicke in die eigenen Militärsrategien zugestanden. So wurde sogar dem Generalstabchefs der k. u. k. Armee Conrad von Hötzendorf der Vertrag nie gezeigt. Zu den neu zu kalkulierenden Faktoren zählte nun auch die englische Flotte im Mittelmeer, die vor allem für Italien Folgen haben musste. Italien tat nun alles um Großbritannien nicht als Feind zu haben. Ein weiteres grosses Problem war , dass man die mögliche Neutralität Italiens nicht diskutiert hat. Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass Hötzendorf schon 1908 von einem Präventivkrieg gegen das ,,perfide Italien" wie er es nannte, sprach um einem späteren Dreifrontenkrieg auszuweichen. Doch seine Argumente drangen nicht durch und man verwies dauernd auf den Schliefen-plan der den Angriffskrieg in Frankreich und das Verteidigen in Russland vorsah.

2.:Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges

Der Hauptgrund für den Ausbruch des Krieges war zunächst die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 bei einer Truppeninspektion in Sarajevo. Daraufhin forderte man in Wien die unverzügliche ,,Züchtigung" Serbiens. Am 23. Juli wurde den Serben ein Ultimatum überreicht, das binnen 48 Stunden in allen Punkten angenommen werden musste - ansonsten drohte die Kriegserklärung. Das Ultimatum wurde abgelehnt. Am 28. Juli wurde dann in Serbien die Kriegsnachricht überreicht. Nun traten die vielen Bündnisse und Abkommen in Kraft. Russland machte mobil und daraufhin erklärten die Deutschen dem Zarenreich den Krieg. Schließlich folgten die Kriegserklärungen Frankreichs und Großbritanniens an die Habsburgermonarchie.

3.: Der Eintritt Italiens

Der Kriegseintritt Italiens auf Seiten der Entente kann schließlich als jene Wende im Ersten Weltkrieg angesehen werden, die die Entscheidung im Krieg brachte. Was wäre gewesen, wenn Italien zum Dreibund gestanden hätte?

Am 23. Juli 1914 wurde Italien davon in Kenntnis gesetzt, dass Österreich-Ungarn eine befristete Demarche an Serbien gerichtet hatte, 24 Stunden später wurde in Rom der Text der Demarche übergeben. Dieses lediglich nachträgliche Informieren machte deutlich, dass die Habsburgermonarchie wie schon während der gesamten Julikrise kein Interesse daran hatte, Italien in die Entscheidungsfindung der Donaumonarchie oder in jene des Deutschen Reichs einbezogen zu wissen. Die vom Ballhausplatz gegebene Erklärung, der k. u. k. Botschafter beim Quirinal, Kajetan von Mérey, sei gerade im ungeeignetsten Augenblick krank geworden und daher wäre die Panne der späten Übergabe passiert, war leicht zu durchschauen. Doch kaum war die Ablehnung der Demarche erfolgt und der Krieg da meldete sich Italien mit der Forderung, dass es für die auch nur temporäre Besetzung serbischen Territoriums Kompensationen erhalten wollte. Dabei berief sich Rom auf den Artikel VII des Dreibundvertrags. Graf Berchtold, Außenminister der k.u.k. Monarchie wies dies aber zurück. In Berlin aber war man der Ansicht, jetzt wäre nicht der Zeitpunkt, um sich über die Interpretation des Dreibundvertrags zu unterhalten - Österreich-Ungarn sollte Italien entgegenkommen. Das Verhältnis der Donaumonarchie, des Deutschen Reichs und Italiens entwickelte sich aber nicht erst dadurch zu einem ausgesprochen schwierigen Dreiecksverhältnis.

Für Deutschland war es nicht so wichtig ob das Trentino bei Österreich bleibt und meinte man soll es den Italienern überlassen um einer dritten Front aus dem Wege zu gehen. Kaiser Franz Joseph erklärte daraufhin, lieber abdanken zu wollen als das Trentino herzugeben.

Damit waren fürs erste einmal die Positionen abgesteckt. Bei der Darlegung seiner Wünsche und Forderungen wählte Rom aber nicht nur den direkten Weg des Gesprächs mit Wien, sondern auch den Umweg über Berlin. Dass sich die deutsche Reichsregierung die Auffassung Italiens zu eigen machte, wurde schon im gemeinsamen Ministerrat am 31. Juli 1914 kritisiert. Berchtold erwähnte, dass im Verlauf der vorangegangenen Woche fast täglich Demarchen der deutschen Regierung bei ihm eingegangen seien, ,,um zu erreichen, dass sich die k. u. k. Regierung der Auffassung der Kompensationsfrage der zwei anderen verbündeten Mächte anschließe", also der Auffassung des Deutschen Reichs und Italiens. Auch der Kriegsminister, Baron Krobatin, wusste, dass man ihn diesbezüglich ,,weichzuklopfen" versucht habe, und zwar niemand Geringerer als Kaiser Wilhelm persönlich. Graf Stürgkh, der österreichische Ministerpräsident, aber meinte, Italien hätte überhaupt kein Anrecht darauf, irgendwelche Kompensationsforderungen zu erheben, wenn es nach Ausbruch des großen Krieges seine Bündnispflicht nicht erfülle.

Der gemeinsame Ministerrat in Wien war sich in der Ablehnung der italienischen Kompensationsforderungen einig, beauftragte aber schließlich Berchtold, für den Fall einer dauernden Besetzung serbischen Gebiets Italien einen territorialen Ausgleich in Aussicht zu stellen, allerdings nur dann, wenn Italien seine Bündnispflicht tatsächlich erfüllen sollte. Das lehnte Italien ab, und erklärte sich Italien trotz zahlreicher Appelle Kaiser Wilhelms als neutral.

Die Mittelmächte und vor allem Österreich-Ungarn waren zwar zutiefst enttäuscht. Doch man glaubte einen Ausweg gefunden zu haben: Wie, wenn man Italien anderswo Territorien anbot? Der Vorschlag verfing jedoch nicht. Am 3. August lehnte der italienische Außenminister Marchese Antonino di San Giuliano das Angebot ab, Nizza, Korsika, Tunesien und Albanien dem Apeninnenstaat zu geben. Dabei handelte es sich, mit Ausnahme von Albanien um französische Besitzungen, die erst nach einer kompletten Niederwerfung Frankreichs verfügbar gewesen wären. Das von Italien erwartete Angebot, nämlich die Abtretung des österreichischen Trentino, kam hingegen nicht.

In der Folge stiegen nicht nur die Befürchtungen wegen eines italienischen Angriffs so stark, dass die Befestigung Wiens, Budapests und der Donauübergänge auch unter diesem Gesichtspunkt erfolgte. Es wurden auch Grenzbeobachtungs- und Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Monarchie keine territorialen Veränderungen auf dem Balkan anstrebte, also Serbien nicht verkleinern wollte, daher müsste es überhaupt keine entsprechenden Kompensationsvereinbarungen geben. Sollte es aber aus noch nicht absehbaren Gründen zu Veränderungen auf dem Balkan kommen, so würden selbstverständlich die Wünsche Italiens berücksichtigt werden.

Es blieb nicht nur bei den verbindlichen Äußerungen. Es gab auch anderes, das schon deutlicher darauf hinwies, dass die Haltung Italiens und Österreich-Ungarns militärische Faktoren einschloss. Wie erwähnt war Conrad von Hötzendorf bei Beginn der Mobilmachung für einen Kriegsfall Balkan auch darangegangen, das III. Korps in Graz zu mobilisieren, nicht zuletzt, da er sich der Haltung Italiens nicht sicher war. Auch nach der Neutralitätserklärung Italiens und nachdem Österreich- Ungarn sowohl auf dem Balkan wie gegen Rußland voll engagiert war, wurde die italienische Grenze nicht aus den Augen gelassen.

Beide Staaten ergriffen an den Grenzen militärische Maßnahmen, die allerdings noch nicht sehr weitreichend waren. Eine Mobilmachung der italienischen Armee, wie sie vom italienischen Generalstabschef Luigi Conte Cadorna verlangt worden war, wurde von der italienischen Regierung abgelehnt. Am 19. August 1914, beim nächsten gemeinsamen Ministerrat in Wien, der vom Kaiser selbst geleitet wurde, kam der Beschluss zustande, die Konversation mit Italien fortzusetzen und den Bruch möglichst lange hinauszuschieben, in der Zwischenzeit allerdings die erforderlichen Maßnahmen an der italienischen Grenze zu treffen. Italien begann ebenfalls mit militärischen Vorbereitungen, die der italienische Botschafter in Wien, Herzog Giuseppe von Avarna, ein Dreibundanhänger, der schließlich zum Briefträger der Politiker degradiert wurde, damit zu begründen hatte, dass er bekanntgab, diese Maßnahmen dienten zur Beruhigung der italienischen Öffentlichkeit und zur Aufrechterhaltung der Ordnung.

Dieses Argument hatte einen realen Hintergrund, als sich in Italien tatsächlich eine antiösterreichische Stimmung herausbildete, die von der Regierung nicht ignoriert werden konnte. Österreich tat alles, um gegenzusteuern. Prominente österreichische Sozialisten fuhren nach Italien und suchten italienische Sozialdemokraten auf eine gemäßigte und dreibundfreundliche Linie einzuschwören. Geld floß nach dem Süden, um Zeitungen wie ,,Mattino", ,,Popolo Romano", ,,Il Giorno" und andere zu einer Schreibweise zu veranlassen, die für die Neutralität sein sollte. Zehn Millionen Kronen stellte das k. u. k. Kriegsministerium dem Außenministerium zu diesem Zweck zur Verfügung.

Die Haltung Italiens interessierte aber naturgemäß nicht nur die Länder des Zweibunds, sondern mindestens ebenso die Staaten der Entente. Auch hier entwickelten die Dinge eine gewissen Eigendynamik. Aus Gesprächen, die der italienische Botschafter in St. Petersburg, Marchese Andrea Carlotti, führte, der auch in der Julikrise und als Informant der Russen gelegentlich eine Rolle gespielt hatte, wurde schon deutlich, daß Rußland für den Fall eines Ententesiegs bereitwillig eine Abtretung des Trentino, aber auch anderer Territorien ins Auge fasste. Dabei wurde freilich nicht viel anders gehandelt als wenige Wochen zuvor in Österreich-Ungarn, als man Italien Nizza und Korsika offeriert hatte.

Weitgehend unabhängig davon entwickelten Frankreich und Großbritannien ihre Angebote, die ebenso das Trentino und überdies Valona in Albanien zum Gegenstand hatten. Der britische Außenminister Sir Edward Grey ging aber noch einen Schritt weiter und wollte noch Triest hinzugefügt wissen. Der russische Außenminister Sazonov konnte da anscheinend nicht zurückstehen und bot Italien aus eigenem noch die Erwerbung Dalmatiens an.Die anfänglichen militärischen Erfolge Deutschlands in Belgien und Frankreich ebenso wie die österreichisch-ungarischen auf dem Balkan und in Rußland ließen die Gespräche zwischen Italien und den Ententemächten zunächst nicht in Gang kommen, denn man war sich über den Verlauf des Kriegs zum damaligen Zeitpunkt noch mehr als unklar.

Zunächst war aber ein Klärungsprozeß innerhalb der italienischen Regierung vonnöten, und der setzte noch Mitte August ein. Nachdem Außenminister San Giuliano am 9. August in einem Schreiben an den italienischen Ministerpräsidenten Salandra die Möglichkeit eines Kriegseintritts Italiens an der Seite der Entente angesprochen hatte, wurden einmal die Dimensionen deutlicher. San Giuliano verschwieg dem Ministerpräsidenten auch nicht seine persönliche Einschätzung der Folgen eines solchen Schritts, weil er geschrieben hat : ,,Wir dürfen uns jedoch nicht verhehlen, dass ein solcher Krieg ... in ganz Europa als ein Akt der Unehrlichkeit betrachtet würde ... auch von Seiten jener, die unsere neuen Verbündeten werden könnten." Trotzdem begann Italien mit Sondierungen in London.

San Giuliano wollte einen unverzüglichen Angriff der britischen Seestreitkräfte auf die österreichisch-ungarischen Flottenverbände in der Adria.

Am 16. Oktober 1914 starb San Giuliano. Anfang November übernahm Baron Sidney Sonnino das Außenministerium. Seine halbenglische Abkunft wurde sofort kommentiert.

Zwischenzeitlich hatte aber für zwei Wochen Ministerpräsident Salandra das Außenamt selbst geführt. Und er verwendete am 18. Oktober 1914 zwei Worte, die für Italien prägend werden sollten: ,,sacro egoismo".

Italien blieb in den Verhandlungen mit den Entente- wie mit den Mittelmächten ein sehr geduldiger Kontrahent und verfolgte unterdessen mit aller Aufmerksamkeit das Kriegsgeschehen. Als es von Epirus aus zu Einfällen von Epiroten in das südliche Albanien kam, Einfällen, von denen Italien seine eigenen Interessen im albanischen Raum bedroht sah, besetzte Italien über Albanien den Hafen von Valona und die vorgelegene Insel und hatte damit die Meerenge von Otranto unter seiner Kontrolle. Von Valona nach Otranto sind es nur etwa 60 Kilometer, und wer die Straße von Otranto beherrscht, hat eine strategische Position. Österreich nahm die Besetzung Valonas hin.

Der deutsche Vormarsch war in Frankreich ins Stocken geraten, die Westfront musste zurückgenommen werden; der Stellungskrieg begann. Die ersten Offensiven gegen Serbien waren gescheitert, und im Osten fielen Teile Galiziens in russische Hände. Der Vormarsch der Russen schien unaufhaltsam. In dieser Situation machten Großbritannien, Frankreich und Rußland deutlich, dass sie nicht wollten, für den Fall ihres Siegs Italien territoriale Zugeständnisse auf Kosten der Besiegten zu machen, oder, Italien wäre bereit den Mittelmächten den Krieg zu erklären. Später erhielt Italien fast unerwartet einen Verbündeten, nämlich Rumänien.

Der rumänische Ministerpräsident Ionel Bratianu nahm Gespräche mit dem italienischen Botschafter auf und ließ die rumänische Auffassung nach Rom weiterleiten: Beide Staaten, Italien und Rumänien, sollten gemeinsam an die Auflösung Österreich-Ungarns schreiten. Am 23. September 1914 unterzeichneten Rumänien und Italien einen Vertrag, der beide Staaten verpflichtete, sich wechselseitig zu informieren und nicht ohne achttägige Vorankündigung aus der Neutralität herauszutreten. Zudem sicherten sie sich die Wahrung der jeweiligen Interessen zu und verpflichteten sich ausdrücklich zur absoluten Geheimhaltung des Vertrags. Auch Rumänien hatte von den Ententemächten ein Angebot bekommen. Für den Fall der Teilnahme Rumäniens am Krieg an der Seite der Entente versprachen diese dem Balkanstaat Siebenbürgen und die Bukowina, und das von Rumänen bewohnte Gebiet Ungarns zwischen Siebenbürgen und der Theiß.

Nun, nach der Einigung mit Rumänien, nahm Italien die Londoner Verhandlungen wieder auf. Ministerpräsident Salandra sagte dem italienischen König , dass das italienische Heer noch nicht in den Krieg eintreten kann denn man wäre nicht für den Kampf im winterlichen Hochgebirge vorbereitet .

Nun erkannten auch die Ententemächte die Hintergedanken der Italiener.

Die italienischen Hoffnungen erhielten zusätzlichen Auftrieb, als der deutsche Botschafter in Rom, Baron Flotow, durch den früheren Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow abgelöst wurde, der mit einer Italienerin verheiratet war. Bülow führte sich damit ein, daß er meinte, über das Trentino könnte gesprochen werden, Triest aber sei die ,,Lunge Österreichs" und müsse daher aus den Gesprächen ausgeklammert werden.

Der Druck auf Österreich wegen der Abtretung des Trentino und zusätzlicher territorialer Zugeständnisse verstärkte sich.

Italien weitete mittlerweile die Kompensation aus. Nach der Auffassung des neuen Außenministers Sidney Sonnino ging es nicht mehr nur darum, für etwaige territoriale Veränderungen zugunsten Österreichs Kompensationen zu verlangen; er forderte auch für Vorteile politische, ökonomischer und moralischer Art einen Ausgleich. Allerdings konnte Italien sagen, dass es für seine Forderungen auch aus oppositionellen Menschen der Habsburgermonarchie Unterstützung erhielt.

Österreich aber verwies Italien auf Albanien. So meinte man, dort könnte Italien einen Ausgleich für seine Interessen finden. Doch das war Italien zu wenig. Es forderte immer wieder die Abtretung des Trentino.

Man aber meinte die Abtretung des Trentino würde auch die anderen Nachbarn der Monarchie zu Gebietsansprüchen verleiten. Zur staatlichen Existenz Italiens sei aber das Trentino ebensowenig unbedingt erforderlich wie der Tessin, Nizza, Savoyen oder Tunis.

Ende Januar tauchte im Deutschen Reich erstmals der Gedanke auf, Österreich-Ungarn für die Abtretung des Trentino an Italien durch das polnische Kohlengebiet und Sosnowice zu entschädigen. Man wusste aber nicht ob Österreich diese Angebot überhaupt wollte. Am 3. Februar befaßte sich der erste von Burián geleitete gemeinsame Ministerrat mit Italien. Anschließend nahm der Minister die Gespräche mit dem italienischen Botschafter, dem Herzog von Avarna, wieder auf und zeigte ihm eine Auflistung von Gegenforderungen; Burián meinte, für die temporäre Besetzung des Dodekanes und Valonas durch Italien hätte Österreich das Recht, Kompensationen zu fordern. Das war eine Wendung, die man in Rom ganz sicher nicht erwartet hatte. Italien brach daraufhin die Gespräche mit Wien ab und begann erstmals zu drohen. Obwohl dieser Abbruch nicht das Ende der Gespräche bedeutete, war dennoch deutlich geworden, dass man an einem Wendepunkt angelangt war. Der österreichische Botschafter in Rom, Karl Freiherr von Macchio, wusste, dass die militärischen Vorbereitungen Italiens erst Ende April 1915 beendet sein würden. Dann aber sei mit dem Kriegseintritt zu rechnen. Der kam etwas später am 20.Mai wurde in Italien die Generalmobilmachung für den 23. verkündet. Dann am Nachmittag des 23. wurde dem österreichischen Botschafter die Kriegserklärung überreicht.

Der Londoner Vertrag

Anfang März 1915 nahm Italien die Gespräche mit der Entente in London wieder auf. Die Forderungen Roms waren in mehreren Punkten zusammengefasst: Die Entente sollte sich verpflichten, keinen Sonderfrieden mit den Mittelmächten zu schließen. Eine Militärkonvention sollte gewährleisten, dass Österreich-Ungarn nicht seine ganze Kraft gegen Italien konzentrieren könnte. Eine Flottenkonvention sollte sicherstellen, dass die britische und französische Flotte zusammen mit den Italienern bis zur Vernichtung der österreichisch- ungarischen Flotte im Mittelmeer kämpfen würde. Weiters wurde die Abtretung des Trentino an Italien und des cisalpinen Teils von Tirol gefordert, ebenso Triest, die Grafschaften Görz und Gradiska und das ganze Istrien bis zum Quarnero einschließlich Voloscas. Schließlich verlangte Außenminister Sonnino noch Dalmatien von seiner Nordgrenze bis zur Narenta. In weiteren elf Punkten wurden die übrigen italienischen Wünsche für einen Kriegseintritt zusammengefasst, und es waren darin ebenso der Anteil an einer Kriegsentschädigung enthalten wie eine britische Garantie der Unabhängigkeit des Jemen, eine Neutralisierung der heiligen Stätten des Islam oder auch die Nichtzulassung des Papstes zu den Friedensverhandlungen.

Alles das sollte unter strengster Geheimhaltung, eine der Bedingungen Sonninos, zu Ende verhandelt werden. Man war jetzt bereit für das Eingreifen Italiens fast jeden Preis zu zahlen. Italien wollte auch Dalmatien und stand dadurch den Serben im Wege. Der russische Außenminister Sazonov versuchte daher, die Italiener nach Albanien hin abzudrängen und den Serben Hoffnungen auf Teile Siebenbürgens zu machen. Doch das reizte weder die Italiener noch Serbien, das sich ja in Siebenbürgen mit Rumänien um die Vorherrschaft hätte streiten müssen. Daraufhin neigte der russische Außenminister dazu, den Kriegseintritt Italiens überhaupt nicht mehr zu betreiben. Die Ententemächte, Großbritannien und Frankreich, glaubten, nicht auf eine Teilnahme Italiens am Krieg verzichten zu können, und suchten daher nach einer Möglichkeit, den Wünschen der Verbündeten entgegenzukommen.

Für die Ententemächte ging es dabei nicht um die ursprünglichen Kernfragen, nämlich die Abtretung des Trentino oder des Raums Triest, sondern ausschließlich um Dalmatien. Der britische Außenminister Grey schlug vor, Italien sollte zumindest auf Spalato verzichten.

Dazu erklärte sich Sonnino am 27. März bereit. Schwierigkeiten ergaben sich auch bei der mit Serbien zu verhandelnden Aufteilung der Inseln, die Dalmatien vorgelagert waren, doch das waren letztlich nicht so große Probleme, denn g Serbien war natürlich an einem zusätzlichen Gegner Österreich-Ungarns ungeheuer interessiert. Am 14. April gelangte man zu einem endgültigen Wortlaut des die dalmatinischen Inseln betreffenden Artikels des Vertrages:

§ 5. In gleicher Weise erhält Italien die Provinz Dalmatien in ihrer jetzigen Gestalt mit Einschluss von Lissarik und Trebinje und alle Besitzungen bis zu einer von der Küste bei Kap Planka nach Osten auf der Wasserscheide gezogene Linie im Süden, so dass auf diese Weise alle an dem Laufe der Sebinco mündenten Flüsse wie Cikol. Kerka und Budisnica mit allen an ihren Quellflüssen gelegenen Tälern in den italienischen Besitz fallen..."

Die Ententemächte forderten den 15. April. Die italienische Regierung aber konnte diesen Termin nicht akzeptieren, weil die militärischen Vorbereitungen bis dahin noch immer nicht abzuschließen waren. Jetzt ging es aber wirklich nur mehr um ein Datum und um nichts anderes mehr.

Inzwischen verhandelte Italien auch mit Wien weiter und ließ Österreich-Ungarn wie Deutschland im Glauben, dass eine dreibundkonforme, freundschaftliche Lösung noch möglich wäre. Man wusste ja nichts von Vertrag in London.

Währenddessen war man in Wien dabei, die Haltung gegenüber Italien komplett zu ändern. Im gemeinsamen Ministerrat am 8. März war man gemeinsamer von der Notwendigkeit der Abtretungen überzeugt. Auch Kaiser Franz Joseph, der an diesem gemeinsamen Ministerrat teilnahm, war zum Nachgeben bereit, was das Trentino betraf.

Später wollte man sogar Italien für den Fall der Aufrechterhaltung seiner Neutralität einen Milliardenkredit in Aussicht stellen. Daher blieben auch Conrads Auslassungen gegen Italien völlig wirkungslos, und Tisza und Burián glaubten sogar, es würde möglich sein, mit der Abtretung Trients Italien wieder fest an den Dreibund zu binden. Nur über Abtretungen im Isonzogebiet wollte man nicht verhandeln, da dann die italienische Grenze zu nahe an Triest herangerückt wäre. Außerdem war der Kaiser dagegen.

Burián ließ die Haltungsänderung des Wiener Kabinetts im Umweg über Berlin sofort in Rom bekanntmachen, verlangte jedoch, daß bei der Abtretung des Trentino die Sprachengrenze als äußerste Grenze für die italienischen Forderungen herangezogen werden müßte. Am 10. März erklärte sich Italien bereit, auf Basis der aus Wien gekommenen Vorschläge verhandeln zu wollen. Auch dafür wurde absolute Geheimhaltung verlangt. Während Burián und die österreichische Regierung an eine Abtretung erst nach einem Friedensschluß gedacht hatten. Es aber auch darum der Bevölkerung eines Jahrhunderte bei Österreich gewesenen Landstrichs begreiflich zu machen, daß sie sofort ihre Staatszugehörigkeit zu wechseln hatte. Es kämpften zudem in den Tiroler Regimentern auch Zehntausende Soldaten aus diesen Gebieten, so daß es zu einer Schwächung der k. u. k. Armee kommen musste.

Der Minister und der für Italien zuständige Gesandte Pogatscher hofften, nach einer Abtretung des ethnisch italienischen Gebiets die bestehenden Differenzen mit Italien ein für allemal aus der Welt geschafft zu haben. Also sollte ein möglichst großzügiges Angebot gemacht werden. Der Chef der kaiserlichen Militärkanzlei, Arthur von Bolfras, hatte eine andere Karte gezeichnet, die nicht ganz so weit ging wie jene des Außenministers. In alle Karten waren aber nur neue Tiroler Grenzen eingezeichnet worden. Wegen des Friaul sollte also noch zugewartet werden.

Conrad v. H. meinte, es sei ausgeschlossen, gleichzeitig gegen Rußland, Serbien und Italien Krieg zu führen. Mit einem Gegner müsse man daher unverzüglich zu einer friedlichen Einigung kommen. Die Einigung mit Italien sah Conrad nicht mehr. Anfang April sah sich Rußland auf der Höhe des Erfolgs und dachte nicht daran, einen Sonderfrieden zu schließen. Rußland wusste, dass der Kriegseintritt Italiens unmittelbar bevorstand, und tat erst recht nichts, um Frieden zu schließen. Außerdem wurde in Österreich kein Versuch unternommen, mit den Russen ins Gespräch zu kommen. Das waren alles nur papierene Überlegungen, ebenso wie die wenig später von Conrad erhobene Forderung, mit Serbien eine Einigung zu erzielen, die er sich zwar nicht leicht, aber machbar vorstellte.

Im Deutschen Hauptquartier schien man davon nicht viel zu halten. Conrad wurde dringend nach Berlin gebeten, um ihm die Sache auszureden.

In Wien wurde dem italienischen Botschafter, dem Herzog von Avarna, schließlich eine zwischen den Politikern und den Militärs abgestimmte Karte gezeigt, in welche die österreichischen Vorschläge zu Gebietsabtretungen eingezeichnet waren. Dann, am 5. April, wusste man in Wien, daß Italien viel mehr verlangen würde, als man ihm zugestehen wollte. Die Brennergrenze, Friaul und das Gebiet um Triest wurden gefordert.

Der einzige Kompromiss, zu dem sich Sonnino in den Verhandlungen mit Österreich noch bereitfinden wollte, war der, dass Italien einwilligen wollte, den Raum Triest zu einer entmilitarisierten Zone und zu einem Freihafen werden zu lassen. Schließlich unterbreitete Italien noch einmal konkrete Forderungen, die sogar etwas unter jenen blieben, über die parallel dazu in London schon fast Einigung erzielt worden war.

Burián aber konnte bei der Erfüllung der italienischen Wünsche bei weitem nicht so viel zugestehen, wie gefordert wurde. Er war an die Entscheidung des Kaisers und an das gebunden, was immer wieder als öffentliche Meinung beschworen wurde. Aus Tirol trafen schärfste Proteste gegen jegliche Art von Nachgeben gegenüber Italien ein. Die unverzügliche Abtretung von Gebieten bezeichnete Burián als undurchführbar. Aber auch der Kaiser plädierte dafür, den Schacher mit abzutretenden Gebieten nicht fortzusetzen, sondern die Italiener notfalls einmarschieren zu lassen.

Jetzt wurde nochmals mit dem deutschen Generalstabschef verhandelt. Falkenhayn traf Conrad am 24. April in Teschen. Er erzählte ihm, dass er dem italienischen Militärattaché in Berlin gesagt habe, das Deutsche Reich würde Österreich-Ungarn im Fall eines Kriegs mit Italien sofort mit 20 Divisionen zur Seite stehen. Ob der Italiener das geglaubt habe, wäre jedoch mehr als fraglich; die Realität sehe jedenfalls anders aus. Deutschland habe nichts, um zu Hilfe zu kommen und wollte auch gar nicht zu Hilfe kommen!

Noch aber hatte Italien den Krieg nicht erklärt. Da Italien aber in den Parallelverhandlungen von den Ententemächten mehr zugestanden worden war, als sich Österreich im günstigsten Fall abringen ließ, war es weiter kein Wunder, dass nicht Österreich-Ungarn der Bestbieter war, sondern die Entente. Noch dazu hatte Italien allen Grund, gegenüber den österreichischen Angeboten misstrauisch zu sein, da ja immer in Rechnung gestellt werden musste, die Monarchie würde sich das Abgetretene bei passender Gelegenheit wieder zurückholen.

Auch im Deutschen Reich dachte man so, und Falkenhayn sandte Conrad am 29. April ein Telegramm mit der Bitte um Weiterleitung an Graf Burián, in dem es hieß: ,,Meiner Ansicht nach müssen für unser Handeln die einfachen Tatsachen maßgebend sein, dass das Eingreifen Italiens und Genossen den Krieg nach menschlichem Ermessen ungünstig für uns entscheidet, dass wir ohne das Eingreifen den Sieg mit großer Zuversicht erhoffen dürfen, dass der Sieger über das Bild Europas entscheiden wird und damit in der Lage ist, jedes Opfer für den Sieg wieder einzubringen, dass endlich der Geschlagene nicht nur etwa so gebrachte Opfer, sondern auch sein ganzes Reich verliert." Conrad sandte das Telegramm ohne Kommentar nach Wien weiter.

In Italien gab es währenddessen Prügeleien und regelrechte Straßenschlachten zwischen Befürwortern und Gegnern der Intervention. 60 katholische Bischöfe unterzeichneten ein Manifest gegen eine Teilnahme Italiens am Krieg.

Am 25. April war der endgültige Vertragstext fertiggestellt. Am Tag darauf wurde dieser ,,Londoner Vertrag" unterschrieben. Der Londoner Vertrag von 1915 bildete die Grundlage für den Kriegseintritt Italiens. Italien verpflichtete sich, in möglichst naher Zukunft - und in jedem Fall nicht später als einen Monat nach Unterzeichnung des Vertrages - aktiv in den Krieg einzugreifen.

Aus Teschen aber kamen Tag für Tag Telegramme Conrads nach Wien, in denen er forderte, den Krieg mit Italien unbedingt zu vermeiden. Notfalls wären sämtliche italienischen Forderungen zu erfüllen. Man kann somit Conrad und den österreichisch-ungarischen Spitzenmilitärs alles mögliche vorwerfen, ihre Präventivkriegsforderungen genauso wie den schlampigen Umgang mit dem Verbündeten. Doch ebenso ist eines sicher: Seit Kriegsbeginn schien ihnen und besonders Conrad jedes Mittel und jede Konzession recht zu sein, um zumindest Italiens Neutralität zu erhalten.

Am 3. Mai übersandte Sonnino dem italienischen Botschafter in Wien, dem Herzog von Avarna, einen Brief mit der der Dreibundvertrag gekündigt wurde. Die Note wurde bald darauf Burián übergeben. Eingleichlautender Brief wurde drei Tage später auch in Berlin überreicht. Im Deutschen Reich war man geschockt und glaubte, Österreich-Ungarn schwere Vorwürfe machen zu müssen, dass es zu spät und zu wenig Konzessionen gemacht habe - der Krieg müßte ganz einfach vermieden werden. Conrad ließ in diesem Augenblick wieder einmal der Realitätssinn im Stich, und er reagierte nur mehr emotional. Denn selbst wenn man berücksichtigt, dass er sich sorgte, nach Italien würde auch Rumänien in den Krieg eintreten und die soeben erfolgreich begonnene Offensive bei Tarnów müsste womöglich vorzeitig abgebrochen werden, war es für Konzessionen gegenüber Italien zu spät. Ein Vorschlag kam vom ehemaligen österreichischen Ministerpräsidenten Max Vladimir Baron von Beck, der Burián vorschlug, in der Adria eine deutsche Flottenstation einzurichten, um den Italienern noch im letzten Augenblick den Mut zum Krieg zu nehmen. Burián forderte auch sofortige militärische Vereinbarungen mit dem Deutschen Reich für den Fall eines italienischen Angriffs. Denn angesichts der Nachrichten über die militärischen Vorbereitungen Italiens und über die Angebote der Entente war man in Wien nun doch darauf vorbereitet, daß der Bruch mit Italien unmittelbar bevorstand. Doch der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, von Jagow, hatte ebenso einen Realitätsverlust zu verzeichnen und verlangte, die Verhandlungen mit Italien noch mindestens vier Wochen hinauszuziehen; erst dann wären deutsche Truppen gegen Italien verfügbar.

Conrad und Falkenhayn trafen sich in immer kürzeren Abständen und zuletzt fast täglich. Es ging darum, die italienische Gefahr zu bewerten und das Kräfteverhältnis zu berechnen. Es ließen sich an der russischen Front so viele Divisionen herauslösen, dass zumindest eine Defensive im Südwesten möglich wurde. Sollte die Tiroler Front nicht unter deutsches Kommando kommen? Allerdings nur, um dort defensiv zu bleiben. Statt dessen wollte Falkenhayn alle irgendwo disponiblen Kräfte gegen Serbien verwendet wissen, um den Kriegseintritt Rumäniens und Bulgariens auf Seiten der Mittelmächte zu erreichen und die Verbindung zur Türkei herzustellen. Conrad war sich da nicht so sicher..

Am 8. Mai kam es über deutschen Wunsch in Teschen zu einer Besprechung, Burián, Tisza, Stürgkh, Conrad und andere teilnahmen. Hauptthema war Italien. Kaiser Franz Joseph und Kaiser Wilhelm hatten an König Vittorio Emanuele geschrieben und an seine Ehre und die Moral appelliert. Es war darauf hinzuweisen, dass in der Presse der Mittelmächte die Frage Italien bis dahin nicht sehr ausführlich und vor allem nicht feindselig behandelt worden war. Es ging um die militärische Situation und um allerletzte Angebote und Einflussnahmen. Es wurde aber auch über die Möglichkeit gesprochen, in Italien nicht nur eine Regierungskrise auszulösen, sondern die Regierung zu stürzen und mit Hilfe des früheren Ministerpräsidenten Giolitti dem neutralistischen Flügel in der italienischen Politik zum Durchbruch zu verhelfen. Der Entschluß zum Krieg war in Italien nicht einmütig gewesen. Vor allem die dreibundfreundliche, zumindest aber neutralistische Gruppe um Giolitti wollte noch nicht klein beigeben.

Um der Konfrontation mit Giolitti auszuweichen, verschob Ministerpräsident Salandra das Zusammentreten der Kammer auf den 20. Mai. An diesem Tag sollte - nach Auskunft des italienischen Generalstabschefs - das Heer kriegsbereit sein. Salandra geriet aber auch noch von anderer Seite unter Druck. Der Ballhausplatz hatte alles darangesetzt, um über den österreichisch-ungarischen Botschafter beim Vatikan auf Papst Benedikt XV. einzuwirken. Tatsächlich konnte damit erreicht werden, dass der der Papst zugunsten der Neutralen in Italien eingriff. Die Mehrheit derAbgeordneten der Kammer und des Senats schien Giolitti zu unterstützen. Salandra musste eine Abstimmungsniederlage gewärtigen. Österreich-Ungarn machte letzte Zugeständnisse: ganz Tirol, soweit es italienisch war, sowie Gradiska; volle Gemeindeautonomie in den bei Österreich verbleibenden gemischt italienischen Gebieten; italienische Universität und Freihafen für Triest, das schließlich freie Stadt werden sollte; Valona in Albanien; Desinteresse Österreich-Ungarns an Albanien; Schutz der nationalen Interessen der italienischen Untertanen Österreich- Ungarns; wohlwollende Prüfung der Wünsche Italiens betreffend Görz und die dalmatinischen Inseln; Garantien des Deutschen Reichs für die Durchführung eines zwischen Italien und Österreich-Ungarn zu schließenden Vertrags. Der k. u. k. Botschafter in Rom, Baron Macchio, und der deutsche Botschafter, Fürst Bülow, gingen in ihren Angeboten schließlich noch über das hinaus, was sie in ihren Sprachregelungen und in ihren Unterlagen mitbekommen hatten.

Sonnino berief am 12. Mai einen Ministerrat ein. Die Lage war an diesem Tag für jene, die sich für einen Kriegseintritt Italiens einsetzten, nicht günstig. Die Russen waren bei Gorlice geschlagen, die Flotten- und Landungsaktion der Ententemächte in den Dardanellen so gut wie gescheitert, und auf dem Balkan war nichts zu hoffen. Die italienische Presse veröffentlichte das österreichisch-ungarische Angebot, das den Italienern, die ja über die Details des Londoner Vertrags nicht Bescheid wußten, als außerordentlich großzügig erscheinen musste. Das Kabinett trat zurück. Die Interventionisten hatten eine Schlappe erlitten; die Neutralisten waren jedoch auf die Regierungsübernahme nicht vorbereitet. Der König nahm den Rücktritt der Regierung Salandra nicht an. Damit gab König Vittorio Emanuele II. den Ausschlag: Giolitti wollte nicht gegen den König auftreten und verließ Rom. Der neutralistische Kurs war gescheitert.

Die Sitzung des Parlaments fand, wie vorgesehen, am 20. Mai statt. Wesentlichster Punkt war die Übertragung außerordentlicher Vollmachten an die königliche Regierung im Kriegsfall. Der Senat stimmte fast einstimmig dafür, und auch in der Kammer fiel die Abstimmung mit 407 : 74 mehr als eindeutig aus..

Österreich-Ungarn antwortete auf die Vorgänge in Italien nicht - wie man vielleicht in Rom erwartet hatte - mit der Kriegserklärung. Vielmehr antwortete Burián auf die Aufkündigung des Dreibundvertrages damit, dass er die angeführten Gründe als irrelevant zurückwies und vor allem auch anführte, dass der Dreibund 1912 über Vorschlag Italiens bis 1920 verlängert worden war. Eine Kündigung könne daher erst bei Ablauf dieses Termins ausgesprochen werden. Die Italiener veröffentlichten in einige Dokumente aus den Verhandlungen mit Österreich-Ungarn über Kompensations- und Abtretungsfragen, nicht aber die Dokumente zu den parallel dazu geführten Verhandlungen mit der Entente. Am 20. Mai wurde in Italien die Generalmobilmachung für den 23. verkündet. Allerdings hatte das nicht zu bedeuten, dass erst mit diesem Tag die Mobilmachung eingeleitet worden wäre. Sie lief schon durch Wochen und Monate. Tatsächlich waren die Italiener bereits am Tag nach der Mobilmachung operationsbereit.

Am Nachmittag des Pfingstsonntags, dem 23. Mai, wurde Baron Macchio in Rom die italienische Kriegserklärung an Österreich-Ungarn überreicht und parallel dazu Minister Burián in Wien durch den Herzog von Avarna. Darin hieß es mit entwaffnender Ehrlichkeit: ,,Fest entschlossen, mit allen Mitteln, über die sie verfügt, für die Wahrung der italienischen Rechte und Interessen Sorge zu tragen, kann die königliche Regierung sich nicht ihrer Pflicht entziehen, gegen jede gegenwärtige und zukünftige Bedrohung zum Zwecke der Erfüllung der nationalen Aspirationen jene Maßnahmen zu ergreifen, die ihr die Ereignisse auferlegen.

Seine Majestät der König..." erklärt, daß er sich von morgen an als im Kriegszustand mit Österreich-Ungarn befindlich betrachtet."

Am 20. August 1915 erklärte Italien der Türkei und am 19. Oktober 1915 auch an Bulgarien den Krieg. Die italienische Kriegserklärung an das Deutsche Reich erfolgte jedoch erst im Jahr darauf, am 28. August 1916.

Österreich-Ungarn antwortete auf den italienischen Schritt mit einem kaiserlichen Manifest, das vom Gesandten Mateschko vorbereitet worden war:

,,Der König von Italien hat Mir den Krieg erklärt. Ein Treuebruch, dessen die Geschichte nicht kennt, ist von dem Königreiche Italien an seinen beiden Verbündeten begangen worden ... Wir haben Italien nicht bedroht, sein Ansehen nicht geschmälert, seine Ehre und seine Interessen nicht angetastet ... Wir haben mehr getan: Als Italien seine begehrlichen Blickeüber Unsere Grenzen sandte, waren Wir, um das Bundesverhältnis und den Frieden zu erhalten, zu schmerzlichen Opfern entschlossen ... Aber Italiens Begehrlichkeit ... war nicht zu stillen. Und so muss sich das Schicksal vollziehen ... Der neue heimtückische Feind im Süden ist kein neuer Gegner ... Novara, Mortara, Custoza und Lissa ... Ich grüß e Meine kampfbewährten, siegerprobten Truppen, ich vertraue auf sie und ihre Führer! Ich vertraue auf Meine Völker, deren beispiellosem Opfermute Mein väterlicher Dank gebührt ... Franz Joseph m. p."

4.: Der Verlauf des Krieges

Bereits am 24.Mai 1915, nur einen Tag nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich- Ungarn, wurde die bisherige Stille der Bergwelt an der Grenze von heftigem Gewehrfeuer gestört. Innerhalb weniger Tage schoss dann auch italienische Artillerie auf Befestigungsanlagen und Feldstellungen der Streitkräfte der Donaumonarchie. Der Dreifrontenkrieg war für Österreich Wirklichkeit geworden. Mitte Mai 1915 standen entlang der Grenze Landwehrverbände. Durch den zügigen Antransport der 5. Armee wurden Erzherzog Eugen, der den Oberbefehl über die Soldaten hatte, 225 000 Mann unterstellt. Die quantitative Unterlegenheit war dann nicht mehr so groß. Das divisionsstarke deutsche Alpenkorps ( 23 000 Mann ) traf bald darauf ein, obwohl Deutschland erst ab August 1916 mit Italien im Kriegszustand war. Etwa eine halbe Million Mann mit etwa 1 900 Geschützen waren bis Ende Juni in der venezianischen Tiefebene aufmarschiert. Die italienischen Absichten waren rasch zu erkennen. Während die erste und die vierte Armee vorerst nur Fesselungsangriffe gegenüber Tirol durchführen sollten, war vom italienischen Generalstabschef Cadorna der Karnischen Gruppe ein Vorstoß nach Kärnten sowie der zweiten und der dritten Armee das Erreichen des Laibacher Beckens bzw. des Raumes Triest und Istrien befohlen worden. Den Kern der italienischen Gebirgstruppen stellten schon im Frühjahr 1915 55 Alpini-Bataillone . Der Personalstand dieser Verbände betrug im Herbst 1918 fast 90 000 Mann und war somit ein Grund dafür, dass Österreich nur verteidigen konnte. Teile Judikariens, der Raum an der Etsch, der Abschnitt nördlich des Pasubiomassives wurden aufgegeben, da sie von der k.u.k. Armee nicht zu halten waren.

Die Isonzoschlachten

Gemäß den Absichten des italienischen Generalstabs begann der Großangriff im Raum Görz am 23. Juni 1915. Trotz massiven Artillerieeinsatzes gelang es der k.u.k. Armee unter General Boroevic die eigenen Stellungen zu halten. Auch die zweite Offensive am 17. Juli musste Mitte August ergebnislos abgebrochen werden. Schon nach wenigen Wochen hatte sich gezeigt, dass ein entscheidender Geländegewinn trotz enormer personeller Verluste und zunehmenden Artillerieeinasatzes nicht zu erzielen war. Ähnliche Ergebnisse brachten auch die 3. und 4. Isonzoschlacht. Die geringfügigen Geländegewinne der Italiener standen in keinem Verhältnis zu den extrem hohen Verlusten beider Seiten ( fast 120 000 Italiener, sowie 70 000 Soldaten des k.u.k. Heeres). Auch die 5. Isonzoschlacht blieb ohne Auswirkungen auf die Gesamtlage.

Die Vorbereitungen für die 6. Isonzoschlacht im August 1916 war so geschickt durchgeführt, dass die Österreicher den Angriffszeitpunkt bis zuletzt nicht wussten. Zudem hatte die Brussilov-Offensive die Verlegung starker Truppenkontingente nach Osten zur Folge.

Am 8. August 1916 gelang den Italienern die Eroberung von Görz. Auch im Bereich des Monte San Michele, drohte die hier kämpfende k.u.k. Armee abgeschnitten zu werden. Boroevic befahl daher am 8. August die Räumung des Monte San Michele und der Hochfläche von Doboredo. Auch in den 7. und 8. Isonzoschlachten gelangen den Italienern nur kleine Geländegewinne. Erst in der 9. Isonzoschlacht wurde das italienische Heer erstmals von Bombenflugzeugen des Typs ,,Caproni" unterstützt. Die Italiener konnten sich eine günstige Ausgangsposition für weitere Angriffe gegen Triest sowie einen Frontvorsprung bei Kostanjevica und damit die Möglichkeit eines Zangenangriffes erkämpfen.

Die 11. Isonzoschlacht

In der zweiten Augusthälfte gelang den Italienern ein Einbruch in das österreichische Stellungssystem. Durch Artillerieüberlegenheit der Italiener musste die Front nördlich des Monte San Gabriele nach Osten zurückgenommen werden. Schließlich konnten die Österreicher den Berg zurückerobern. Damit hatte die 11. Isonzoschlacht den Italienern trotz schwerer Verluste ( 50 000 Tote, 110 000 Verletzte ) wieder nicht den entscheidenden Durchbruch gebracht. Doch auch die Verluste der Österreicher ( 100 000 Mann ) ließen den Plan entstehen einem erneuten italienischen Angriff zuvorzukommen und im Gegenangriff die ,,Karsthölle am Isonzo" zu verlassen.

Die 12. Isonzoschlacht

Um ein offensives Vorgehen der Mittelmächte am Isonzo zu ermöglichen, waren beträchtliche Verstärkungen nötig. So schloss sich die zur Heeresgruppe Conrad gehörende k.u.k. 10. Armee an.

Die Italiener sollten über die alte Reichsgrenze über den Tagliamento zurückgeworfen werden. Die durch deutsche Jagd- und Aufklärungsstaffeln verstärkten Fliegerkräfte konnten sich ein genaues Bild der Feinde machen.

Der italienische Generalstabschef Cadorna verließ sich auf die gut ausgebauten Verteidigungsstellungen der Italiener, die aber nicht auf jenes Artilleriefeuer vorbereitet waren, das am 24. Oktober um 02. 00 Uhr begann. Vor allem mit dem Einsatz neuer Gaskampfstoffe gegen die Italiener, die keine Gasmasken besaßen, hatte niemand gerechnet. Die Gasgranaten hatten in den engen Tälern eine verheerende Wirkung. Bereits nach zweieinhalb Stunden waren bereits große Teile der italienischen Artillerie ausgeschaltet. Der Infanterieangriff begann am frühen Vormittag. Weiter südlich kämpften sich deutsche Truppen durch das Gebirge nach Westen vor.

Cadorna wollte den Widerstand zunächst in drei rückwärtigen Linien fortsetzen, die sich am Monte Maggiore anlehnten. Doch den Österreichern gelang es schon am 25. Oktober diesen Berg im Sturm zu nehmen. Bereits am 28. Oktober waren Görz und Udine in der Hand der Deutschen, die dann am 30. Oktober den Tagliamento überschritten und dann den Piave erreichten. Hier wurden die italienischen Truppen von englischen und französischen unterstützt. Der Krieg in dieser Region ging bis Ende des Jahres weiter.

Die Piaveschlacht

Ende Februar 1918 hatte sich das italienische Heer von der letzten schweren Niederlage erholt. Die italienischen Truppen wurden von den englischen und den französischen verstärkt und in dieser schwierigen Situation trat die k.u.k. Armee am 15. Juni 1918 zu ihrer letzten Offensive am Piave an. Im Süden wurde bis zum 18. Juni eine zusammenhängende Frontlinie westlich des Piave erreicht. Am 24. Juni hatte die gesamte Heeresgruppe das Westufer des Piave geräumt. Bis zum 6. Juli zogen sich die österreichisch-ungarischen Truppen auf das Ostufer zurück und somit war die letzte Offensive unter schweren Verlusten fehlgeschlagen. Der Zerfall der Armee und des Reiches bahnte sich an.

5.: Der Waffenstillstand und Folgen

Am Morgen des 24. Oktober begann die lang erwartete italienische Offensive entlang der gesamten Südwestfront. Der Fehlbestand der k.u.k. Armee war sehr groß. Am 27. Oktober übersetzten die ersten alliierten Verbände den Piave und so musste sich das Heer zurückziehen. Daraufhin wurde in Wien beschlossen einen Waffenstillstand herbeizuführen, was am 3. November 1918 in der Villa Giusti bei Padua der Fall war.

Die Österreicher verpflichteten sich zur Räumung aller besetzten Gebiete, sowie Südtirols, des Gebietes um Görz, Triests, Istriens und Dalmatiens.

Quellen:

,,Tod des Doppeladlers" ,,Österreich und der Erste Weltkrieg" ,,Conrad von Hötzendorfs private Aufzeichnungen" von Manfred Rauchensteiner

,,Tirol und der Erste Weltkrieg" von Klaus Eisterer

,,Isonzo" von Walther Schaumann

,,Südtirol im 20. Jahrhundert

19 von 20 Seiten

Details

Titel
Der Eintritt Italiens in den ersten Weltkrieg
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V105177
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eintritt, Italiens, Weltkrieg
Arbeit zitieren
Klaus Darbo (Autor), 2001, Der Eintritt Italiens in den ersten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105177

Kommentare

  • Gast am 6.1.2002

    Woooooooooow :).

    Wow...super Bericht! :o) LG, *kiki*

  • Gast am 29.5.2003

    datenfehler.

    die entente cordiale wurde 1904 geschlossen, 1902 war das einglisch-japanische bündnis gegen die russische expansion in ostasien

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Titel: Der Eintritt Italiens in den ersten Weltkrieg


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