Legasthenie / Lese- Rechtschreibschwäche


Seminararbeit, 2001

21 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung

3. Erscheinungsbilder und Symptome

4. Ursachen

5. Diagnose

6. Förderung

7. Aufgaben der Lehrerinnen und Lehrer

8. Schluss

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Legasthenie, bzw. Lese-Rechtschreibschwäche, ist ein weites und in vieler Hinsicht ein noch relativ unerforschtes Gebiet.

Trotzdem man sich seit vielen Jahren mit den Symptomen, Ursachen und Fördermaßnahmen beschäftigt, kommt man immer wieder zu neuen Erkenntnissen und die Forschungsarbeiten sind noch lange nicht abgeschlossen. In meiner Hausarbeit habe ich versucht die Schwierigkeiten und Erfolge, die man im Laufe der Jahre verzeichnen konnte, aufzuzeigen und zu kommentieren.

Zuerst habe ich mich mit der Begriffsbestimmung beschäftigt und habe untersucht, seit wann man sich eigentlich Gedanken darüber macht, dass es immer wieder Personen gibt, die das Lesen und Schreiben nur mit viel Arbeitsaufwand und Mühe erlernen.

Desweiteren stelle ich Erscheinungsbilder und Symptome der LRS dar und betrachte die möglichen Ursachen, bevor ich versuche zu erklären, wie man die Legasthenie diagnostizieren und feststellen kann.

Das nächste Kapitel umfasst die möglichen Fördermaßnahmen in der Arbeit mit Personen, insbesondere mit Kindern, die an der LRS leiden. Zuletzt habe ich mir Gedanken über die Aufgaben von Lehrerinnen und Lehrern gemacht. Sie sind diejenigen von denen die Eltern erwarten, dass sie ihren Kindern helfen und das nötige Wissen haben, was man gegen die Legasthenie unternehmen kann.

Zuvor möchte ich allerdings noch eine Studie zur Häufigkeit der LRS anführen, um überhaupt zu zeigen wie wichtig es ist, dass die Legasthenie immer weiter erforscht wird und alles getan wird, um den betroffenen Personen zu helfen. Ebenso wie viele Angaben im Bereich der Legasthenie, beruhen auch die Angaben zur Verbreitung auf Schätzungen und können nur als Mittelwert genommen werden, da sie von mehreren Variablen, wie z.B. den Abgrenzungskriterien abhängen.

Laut Biglmaier (1965) leiden 2-5% an schwerem Versagen der LRS, SchenkDanziger (1971) geht davon aus, dass man bei ca. 18% der Bevölkerung leichte Störungen feststellen kann.1

Wir sehen also, dass die Legasthenie kein Problem ist welches nur höchst selten und in Ausnahmefällen auftritt, sondern dass wir davon ausgehen können, dass gerade Lehrerinnen und Lehrer immer wieder damit konfrontiert werden.

Deshalb ist es wichtig, dass sich die Forschung weiter mit der LRS beschäftigt und wir dahin kommen, dass erfolgreiche Fördermaßnahmen entwickelt werden.

2. Begriffsbestimmungen

Von LRS oder Legasthenie spricht man, wenn ein Kind das Lesen oder Schreiben in der dafür vorgesehenen Zeit nicht, oder nur sehr unzureichend erlernt hat. Zunächst waren es ausnahmslos Mediziner die sich mit Lese-Rechtschreib- Schwierigkeiten befassten. Sie nannten das Phänomen allerdings „Wortblindheit“. Bildliche Darstellungen konnten von den betroffenen Personen nämlich ohne weiteres beim Namen genannt werden, sollten sie allerdings Buchstaben oder einfache Wörter benennen, war dies mit Schwierigkeiten verbunden.2

Der Begriff Legasthenie wurde 1916 von Ranschburg entwickelt, er war der erste Pädagoge, der sich mit der LRS bei Schulkindern befasste. Für Ranschburg stand fest, dass Schüler mit Lernschwierigkeiten dieser Art auf Hilfsschulen gehörten. Leider wirken diese Vorurteile bis in die heutige Zeit und Erwachsene Analphabeten werden vielfach für dumm gehalten.3 Lange Zeit fand die Legasthenie dann keine weitere Bedeutung, sondern sie wurde eher verschwiegen und nicht weiter beachtet.

Erst 1951 griff die Psychologin M. Lindner das Thema wieder auf. Sie widerlegte Ranschburgs Behauptung, dass Legastheniker dumm seien mit Hilfe von Intelligenztests und definierte:“ Legasthenie ist eine spezielle und aus dem Rahmen der übrigen Leistungen fallende Schwäche im Erlernen das Lesens (und indirekt auch des selbstständigen orthographischen Schreibens) bei sonst intakter oder (im Verhältnis zur Lesefähigkeit) relativ guter Intelligenz."4

Viele Autoren schlossen sich Lindners Begriffsbestimmung an, auch wenn sie in ihren Definitionen nicht 100% mit ihr übereinstimmen, jeder grenzt das Feld in dem man von Legasthenie sprechen kann anders ein.

Für Lindner selbst gehören z.B. Lese-Rechtschreibschwächen die durch körperliche Behinderungen oder Schwachsinn hervorgerufen werden nicht zur Legasthenie.

Biglmaier zählt Schwierigkeiten die durch Organfehler, Minderbegabung und ungünstige Umweltverhältnisse entstehen nicht dazu und Kern unterscheidet Legastheniker von noch schulunreifen Kindern, die sich langsamer entwickeln und dadurch Probleme beim Lesen und Schreiben haben.5

Man kann allerdings sagen, dass der Grundsatz gilt:" Legastheniker ist, wer Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen hat und zugleich mindestens durchschnittlich intelligent ist."6

Die Frage bleibt natürlich, wer nun als intelligent gilt. Um eine Standardisierung festzulegen hat man Tests entwickelt.

Personen die mit ihren Ergebnissen unter einem Mittelwert liegen, also die nur einen Prozentrang von 15 und weniger erreichen gelten als Legastheniker, wenn sie dabei über eine durchschnittliche Intelligenz, also einen IQ von ca. 90 verfügen.

Natürlich kann man die Einteilung nicht grundsätzlich anwenden, sondern muss beachten, dass falsche Messungen vorliegen können, das Intelligenz veränderbar ist usw.7

Alle diese Faktoren, von der historischen Entwicklung des Legastheniebegriffs bis zu den neueren Forschungen, spielen in jedem Fall eine Rolle in den heutigen Erlassen und Definitionen zur Legasthenie, bzw. LRS.

3. Erscheinungsbilder und Symptome

Die Frage woran man erkennen kann, ob ein Kind Legastheniker ist oder nicht, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Es gibt viele Symptome die auf eine LRS hinweisen können, in der Regel zeigt sie sich deutlich zwischen dem zweiten und vierten Schuljahr.

In den ersten beiden Schuljahren sollten Kinder soweit lesen lernen, dass sie imstande sind unbekannte Einzelwörter, wie z.B. auf Geschäftsschildern, Eigennamen, Werbetexte usw., zu lesen. Bereitet ihnen dies noch Schwierigkeiten, besteht ein erster Verdacht auf Legasthenie.8 Später treten häufig Fehler beim Vorlesen auf, sie zeigen sich darin, dass die betroffenen Kinder mehrfach Wörter oder Wortteile auslassen, ersetzen, verdrehen oder hinzufügen.

Sie haben eine sehr niedrige Lesegeschwindigkeit, zögern oft lange, verlieren im Text die Zeile und können nur sehr ungenau phrasieren. Desweiteren kommt es vor, dass sie Wörter im Satz vertauschen oder auch Buchstaben in Wörtern durcheinanderbringen.

Ebenso zeigen sich Schwierigkeiten und Defizite im Leseverständnis, sie können Gelesenes oft nicht wiedergeben, können keine Schlüsse daraus ziehen, oder Zusammenhänge sehen. Sollen sie Fragen über eine gelesene Geschichte beantworten, gebrauchen sie dazu ihr allgemeines Wissen anstelle von Informationen aus der Geschichte.9

Die Leseschwierigkeiten können die meisten Legastheniker allerdings langsam und im Laufe der Jahre überwinden.

Dadurch spielt die Rechtschreibschwäche eine größere Rolle, denn hier können die Unsicherheiten noch lange, unter Umständen bis ins Erwachsenenalter hinein, andauern.10

Im Bereich Schreiben fällt es in den ersten beiden Klassen auf, dass die betroffenen Kinder sich Wortbilder schlecht merken und sie beim Abschreiben von der Tafel Fehler machen, sie vertauschen die Reihenfolge von Buchstaben, lassen Buchstaben aus oder fügen sie an falscher Stelle hinzu.

Typisch für legasthenische Kinder ist es, dass sie ähnliche Buchstaben verwechseln, z.B. m-n, h-k und o-a.

Häufig verwechseln sie auch harte und weiche Mitlaute, wie b-p, d-t oder g-k. Bei den Buchstaben b-d, p-q und g-h haben sie oft das Problem, dass sie diese durch Drehung der Längst- oder Querachse verwechseln.

Ebenso wie beim Lesen, fällt es auch beim Schreiben auf, dass betroffene Kinder nur sehr langsam und mit großer Mühe schreiben.

Wie bereits zu Anfang erwähnt, müssen diese Anzeichen allerdings nicht auf eine LRS hinweisen, nur wenn mehrere Fehlerarten gehäuft auftreten, kann man davon ausgehen, dass man es mit einem Legastheniker zu tun hat.11 Die bisher beschriebenen Erscheinungsbilder gelten als primäre Symptome, dazu kann man oft sekundäre Symptome erkennen, wie emotionale und Verhaltensstörungen.

Legastheniker werden oft als weniger begabt, fauler und unkonzentrierter eingeschätzt.12Es fällt auf, dass ihr Arbeitsstil sehr impulsiv ist. Betroffene Kinder erfüllen ihre Aufgaben oft nicht hinreichend und nur teilweise und haben eine Neigung dazu, immer wieder etwas zu vergessen. Schwierigkeiten in der Schule entstehen unter anderem dadurch, dass sie sehr unruhig sind und leicht ermüden, wodurch sie immer nur für relativ kurze Zeit aufnahmefähig sind. Sie fühlen sich schnell überfordert und die Lernblockade wird so immer weiter verstärkt.

Es ist bei diesen Symptomen sehr schwer zu erkennen, ob sich ein Kind aus Sturheit so verhält, oder ob es sich um einen Legastheniker handelt.13 Legasthenie kann zu schwerwiegenden Folgen in der Persönlichkeitsentwicklung führen, wenn sie nicht frühzeitig erkannt wird.

"Die dauernden Misserfolgserlebnisse in den schriftsprachlichen Fächern können zu einer gesenkten Leistungsmotivation und allgemeinen Schulaversion und darüber hinaus zu einem generellen Leistungsversagen führen."14 Wir sehen, dass es wichtig ist schon sehr früh auf vermutliche Symptome der LRS zu achten, um so zu verhindern, dass betroffene Kinder nicht gerecht gefördert werden und sich ihre Schwierigkeiten immer mehr verstärken und sie sich zu Außenseitern entwickeln.

4. Ursachen

Fragt man nach den Ursachen die zur Legasthenie führen, lassen sich diese nur schwer benennen, da die Forschung immer wieder neue Möglichkeiten ins Auge fasst.

Zur Zeit als Ranschburg den Legastheniebegriff entwickelte und die LRS bekannt wurde war es noch einfach, es wurde kurzum gesagt, dass Legastheniker dumm seien und es wurde nicht weiter nach Ursachen geforscht.

Doch nach Lindners Behauptung, Personen mit Lese- Rechtschreibschwierigkeiten seien durchschnittlich intelligent, konnte man diese These nicht mehr halten.

Woran liegt es also, dass es Personen gibt, die das Lesen und Schreiben nicht richtig lernen können?15

Ich möchte nun einige Ursachen, die im Laufe der Jahre als bedeutsam erklärt wurden, aufgreifen und näher auf sie eingehen.

Zur Gliederung helfen mir Besonderheiten, die die Kinder nach einer Studie von Robinson (1946) aufzeigten und die damals als verursachend angesehen wurden.

In den Untersuchungen fiel auf, dass viele Kinder eine gestörte visuelle Wahrnehmung hatten und lange Zeit suchte man in der Legasthenieforschung hier die Ursachen. Forscher beobachteten z.B., dass Legastheniker Wortgestalten nur schwer aufnehmen und verarbeiten konnten oder sie visuelle Perzeptionsschwierigkeiten aufwiesen.16

"Frostig (1964) fand in ihren Untersuchungen, dass visuelle Wahrnehmungsschwierigkeiten bei weitem den größten Anteil an Lernschwierigkeiten besäßen."17

Für sie waren die Bereiche, Augen-Hand-Koordination, Figur- Grundunterscheidung, Formkonstanz-Beachtung, Erkennen der räumlichen Lage und Erfassen der räumlichen Beziehung die grundlegenden Voraussetzungen für das Erlernen des Lesens und Schreibens. Lagen in diesen fünf Bereichen Störungen vor, waren das Ursachen für die LRS.18

Neue Untersuchungen und Tests ergaben allerdings, dass Legastheniker keine oder nur selten Schwächen in der visuellen Wahrnehmung aufwiesen und es Anzeichen für Störungen des visuellen Gedächtnisses gab. Heute sieht man, dass das Lese-Rechtschreibversagen unabhängig von visuellen Wahrnehmungen steht.19

Viele Kinder in Robinsons Studie hatten auch Sprach- und Diskriminationsschwierigkeiten und man setzte mit der Ursachenforschung im sprachlichen Bereich an und zunehmend wurden auditiv-sprechmotorische Mängel als Grundlage der Legasthenie gesucht.

In den Untersuchungen fand man heraus, dass Personen mit LRS nur eine mangelhafte Artikulations- und Lautdiskriminationfähigkeit besaßen und sich ihre Merkfähigkeit bei akustisch-sprachlich homogenem Material herabsetzte. Bei vielen Legasthenikern traten Fehler in den artikulatorischen Funktionen auf, man beobachtete Symptome wie Stammeln, Stottern, die Unfähigkeit bestimmte Konsonanten zu sprechen und einen unvollständigen Betonungsrhythmus.20 Auch in vielen neueren Untersuchungen beobachtete man eingehend Sprachstörungen und Störungen der Sprachentwicklung als Ursache der Legasthenie. Man betrachtet vor alle m die Probleme, dass Kinder sich oft schwer tun Wörter in Sprachlaute zu zerlegen und sprachliche Informationen zu codieren.21

Nachdem nach neusten Untersuchungen Schwächen der visuellen Wahrnehmung bei LRS eher selten zutreffen, deutet auch heute noch alle s darauf hin, dass Legastheniker Störungen in ihren sprechmotorischen und auditiven Differenzierungsfähigkeiten besitzen und hier eine Ursache liegt.22Eine weitere Besonderheit die ich nennen möchte, ist der Sachverhalt, dass mehrere der untersuchten Kinder an allgemeinen körperlichen Schwierigkeiten litten. Das Ergebnis wurde zwar zunächst als eher unwichtig erachtet, doch viele Mängel schienen sich nach und nach doch auf die LRS auszuwirken. Zunächst betrachte ich die Seh- und Hörschwäche.

Es ist sicherlich einsichtig, dass eine Beeinträchtigung des Sehvermögens das Lesenlernen erschwert, doch kann es als Ursache für die LRS gesehen werden?

Nach vielen Untersuchungen kann man den Schluss ziehen, dass sie nicht zur Legasthenie führen, aber dennoch nicht ignoriert werden dürfen.23 Es ist so, dass Sehstörungen dennoch die ein oder andere Lesestörung verursachen können.24

"Vermindertes Hörvermögen ist ein weiterer Faktor, der als gemeinsame Ursache für Lese- und Sprachschwierigkeiten angesehen wird."25

Doch auch hier verhält es sich so, dass man zu der Einsicht gekommen ist, dass Zusammenhänge zwischen Legasthenie und Hörstörungen nur in Einzelfällen und unter ungünstigen Unterrichtsbedingungen bestehen.26 Zu den allgemeinen körperlichen Schwierigkeiten möchte ich auch Hirnschäden zählen, "nach T.T.S.Ingram (1964), einem der führenden englischen Forschern auf diesem Gebiet, treten eine Lesestörung (dyslexia) und eine Schreibstörung (dysgraphia) relativ häufig bei Kindern mit Hirnschäden auf."27

Nach seinen Untersuchungen kann z.B. eine halbseitige Lähmung zu beträchtlichen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben führen.28

Man muss die Legasthenie allerdings von dem Verlust des bereits erlernten Lese- und Schreibvermögens unterscheiden, dass meist mit einer Hirnstörung zusammenhängt. Ein Hirnschaden kann nur Ursache für die LRS sein, wenn er in der sehr frühen Kindheit aufgetreten ist.29

Eine früher nicht selten genannte Ursache die angeblich zur LRS führt, war die Lateralität, d.h. die Dominanzfaktoren wie Linkshändigkeit oder Linksäugigkeit. Heutzutage ist man sich allerdings so gut wie sicher, dass diese Faktoren mit der LRS nicht im Zusammenhang stehen.

Sicher kann man jedoch sagen, dass es zu Lese- und Rechtschreibstörungen führt, wenn man Linkshänder dazu bringen will mit rechts zu schreiben.30Als letzte Ursache, die aus den Untersuchungen von Robinson hervorgeht, möchte ich den Faktor der sozialen Probleme nennen.

Valtin stellte 1974 z.B. die Thesen auf, dass man Zusammenhänge zwischen Legasthenie und Schulbildung der Eltern, Zugehörigkeit zu einer Sozialgruppe, Zahl der Bücher im Hause, Einkommen der Eltern, Zahl der Zimmer im Haus und Geschwisterzahl sehen könne.

Sicherlich ist es plausibel, dass gewisse Zusammenhänge zwischen dem sozialen Milieu und LRS bestehen, aber man kann eindeutig sagen, dass es keine Ursachen sind. Es ist nämlich nicht unmöglich einem Kind, das aus einem nicht sonderlich reichen Elternhaus kommt, das Lesen beizubringen. Auch wenn ein Kind aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommt, bleibt es Aufgabe der Schule, ihm das Lesen und Schreiben zu lehren. Sie kann nicht sagen, dass Kind sei Legastheniker und habe dadurch keine Chance sich zu einem guten Rechtschreiber zu entwickeln.31

Ein mit Sicherheit belegter Faktor im Bereich der Legasthenie ist der, dass die LRS bei Jungen weitaus häufiger vorkommt als bei Mädchen. In Tests erreichten die Mädchen fast durchgängig bessere Ergebnisse als die Jungen. Sie lasen deutlich besser, obwohl sie durchschnittlich einen etwas geringeren IQ aufwiesen.32

"Die Mädchen waren den Jungen überlegen in der Fähigkeit der auditiven und visuellen Unterscheidung von Wortelementen, in Artikulation und den meisten sprachlichen Leistungen."33

Es gibt noch viele weitere Faktoren, die als Ursachen galten und daraufhin untersucht wurden, doch bereits jetzt ist zu sehen, dass es nahezu unmöglich ist eine umfassende Wertung aller Ergebnisse vorzunehmen.

Die Legasthenieforschung ist noch lange nicht abgeschlossen und es gibt nur vier Faktoren die wir sicher wissen:

1. Es gibt keine organische, psychische oder soziale Bedingung die in jedem Fall zur LRS führt.
2. Es gibt keine Bedingung, die als einzige zu Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten führt.
3. Es gibt mehr Jungen als Mädchen die Lese-Rechtschreibschwierigkeiten entwickeln.
4. LRS entwickelt sich bei Kindern in allen Kulturen mit Schriftsprache.34

5. Diagnose

Zum generellen diagnostischen Prinzip gehört ein individuell durchgeführter Lesetest. Durch den Test ist eine direkte Beobachtung der Leseschwierigkeiten möglich.

Bedeutend ist dabei eine frühzeitige Diagnose von Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen. Man sollte besonders darauf achten, ob das Kind Probleme mit der Lautsynthese beim Lesen oder mit der lautorientierten Schreibung hat.

Dabei muss man allerdings die Art es Anfangsunterricht miteinbeziehen. Wird ein Kind möglichst früh gefördert, können die Gefahren großer Rückstände und schwerwiegender emotionaler und motivationaler Beeinträchtigungen vermieden werden.35

Ich möchte nun zwei diagnostische Verfahren vorstellen, mit deren Hilfe es möglich ist, eine Legasthenie zu diagnostizieren.

Zur Prüfung der Rechtschreibleistung hat beispielsweise R. Müller verschiedene Tests für unterschiedliche Klassen entwickelt.

Es sind in gewisser Weise Lückentexte und die fehlenden Wörter sollen von den Kinder nach einem Diktat eingesetzt werden.

Die qualitative Fehleranalyse kann mit Hilfe einer Schablone erfolgen. Man ist sich allerdings nicht gewiss, ob sie dadurch zuverlässig ist.

Kritiker bemängeln, dass exakte Normen für die Fehleranalyse fehlen.

Desweiteren stelle ich einen Lesetest vor und zwar den Zürcher Lesetest von M.Lindner und H.Grissemann, er kann etwa ab der zweiten Klasse zum Diagnostizieren verwendet werden.

Die Kinder sollen nur einen Teil der Wörter, bzw. Texte des gesamten Tests lesen, der aus mehreren Abschnitten besteht. Auf eine qualitative Auswertung der Fehler wird völlig verzichtet, so dass sie objektiv ist und man zurecht kritisiert, dass die Normen zu weitläufig sind und der Test eher mangelhaft ist.36Wir sehen schon durch diese beiden Testverfahren bestätigt, dass es bei der Diagnose von LRS oftmals eher ungeeignet ist standardisierte Verfahren anzuwenden und sich auf Tests zu stützen.

"In der Regel reicht es, wenn Sie sich bei der Analyse auf die beiden wichtigsten Diagnoseverfahren stützen:

- die Erfahrung aufgrund kontinuierlicher Beobachtung und - die gezielte Beobachtung bei auftretenden Schwierigkeiten."37

Nur selten und zwar, wenn die eigene Erfahrung nicht mehr ausreicht, ist es nötig dass man auf standardisierte Testverfahren zurückgreift. Zumeist ist es allerdings so, dass Erfahrung, Intuition und das pädagogische Gespür ausreichende oder sogar die wichtigsten Grundlagen jeder Diagnostik sind.

Trotzdem ist es natürlich wichtig, dass man sich vorher bewusst macht was man beobachten möchte und die Beobachtungen anschließend protokolliert. Nur so kann man sich im Nachhinein Gedanken über eine gezielte Förderung und eine Hilfe für die betroffene Person machen.

Liegen unsere Hauptkriterien für eine Diagnose also bei uns selbst und verlassen wir uns nicht auf bereits entwickelte Testverfahren, können wir viel eher zu Ergebnissen kommen und dadurch schneller und erfolgreicher mit speziellen Förderungen für Legastheniker beginnen.38

6. Förderung

Auch nach einer erfolgreichen Diagnose bleibt es schwer wirkungsvolle Fördermaßnahmen für die betroffenen Personen zu finden und zu entwickeln. Man muss darauf achten, dass es nicht nur darum geht einem Kind das Lesen und Schreiben zu lehren, sondern dass Legastheniker oft eine ganz eigene Lernstruktur haben.39

"Um Schülerinnen und Schüler bei Lese- oder Rechtschreibschwierigkeiten (LRS) gezielt fördern zu können, ist es hilfreich das Bedingungsgefüge der LRS möglichst genau zu kennen."40

Genauer gesagt, reicht es nicht aus die Ausmaße des Versagens zu kennen, sondern man muss sich ebenso mit den schulischen, sozialen, emotionalen, kognitiven und physiologischen Bedingungen, sowie dem Lern- und Arbeitsverhalten des Kindes auseinandersetzen.41

Natürlich stehen bei der Förderung von Legasthenikern das Lesen und Schreiben im Vordergrund, aber auch pädagogische Beiwerke werden als immer wichtiger erachtet und sollten nicht außen vor gelassen werden.42 Die Behandlungsmethoden sind meist eine Kombination von allgemeinen Lernhilfen, einem speziellen Lese- und Rechtschreibtraining und gezielten Übungen für die weiteren Funktionen, die beim Legastheniker als gestört angesehen werden.43

In den Anfängen der Förderung sollte man sich allerdings auf die Lese- und Schreibvoraussetzungen konzentrieren und das Interesse am Lesen und Schreiben wecken, um überhaupt Erfolgsaussichten zu haben.44 Beim Leseförderunterricht ist es demnach sinnvoll Kinder überhaupt zum Lesen zu motivieren. Hierzu ist es z.B. hilfreich eine Leseecke einzurichten und eine Lesekiste bereitzustellen.

Um Schülern zu verdeutlichen, dass Lesen etwas motivierendes und die Sprache etwas lebendiges ist, kann man Übungen anwenden in denen die Kinder Bilder versprachlichen, Texte ergänzen oder aus einzelnen Wörtern eine Geschichte bilden sollen. So sehen sie, wie wichtig ihre eigene Sprache ist, um sich mitzuteilen und Erfahrungen zu vermitteln.45

Der Legasthenie -Erlass Nordrhein-Westfalens sieht für die Forderung folgendes vor:

"Leseübungen, die in Verbindung mit der allgemeinen Sprachförderung geeignet sind, die Lesefertigkeit und Lesefähigkeit zu fördern. Systematische Ergänzungen des Leselehrganges (wie z.B. die Lautgebärden) gehören ebenso zur Leseförderung wie die Benutzung motivierenden Lesematerials, das zu selbständigem Lesen anregen kann und die Lesefreuden wecken kann..."46 In diesem Bereich mögliche Übungen herauszusuchen ist nicht einfach. Deshalb möchte ich noch Strategien vorstellen, um den Kindern das richtige Lautieren beim Lesen beizubringen.

Es kann z.B. hilfreich sein in drei Schritten vorzugehen:

a) Lautübungen (sprechen - nachsprechen)
b) Sprache und Schriftbild (zeigen - sprechen - nachsprechen)
c) Sprache und Schreiben (zeigen - sprechen - nachsprechen - schreiben, hierbei mitsprechen)47

Die Übungen zur Förderung sind zahlreich und es würde zu weit führen sie alle zu benennen.

Beim Rechtschreiben muss man ähnlich vorgehen wie beim Lesen, d.h. die betroffenen Kinder müssen zum Schreiben motiviert werden, sie sollen Spaß und Gefallen daran finden.

Es ist z.B. sinnvoll, wenn sie ihre eigenen Geschichten, ihre Lieblingswörter und Texte frei aufschreiben dürfen.

Bei den Korrekturen kann man dann sehen, wo Fehler gemacht werden und an welchen Stelle n mit zukünftigen Übungen angesetzt werden muss.48 Auch hier möchte ich wieder einfügen, welche Arten von

Rechtschreibübungen der Legasthenie -Erlass Nordrhein-Westfalens vorsieht: "Rechtschreibübungen, die geeignet sind, die Rechtschreibsicherheit zu verbessern. Sie umfassen unter anderem:

- Schaffen sinnvoller Schreibsituationen
- systematisches Üben und konsequentes Wiederholen, damit die Wörter des Grundwortschatzes beherrscht werden,
- systematisches Üben von Rechtschreibmustern, damit die Wörter des Grundwortschatzes auch in ihren Modellfunktionen wirksam werden,
- Sichern rechtschreibspezifischer Arbeitstechniken

(Entspannungsübungen, Strategien zum Erkennen und Vermeiden von Fehlern,

Nachschlagen, Korrekturtechniken)"49

Für die Förderung lassen sich vier Strategien bestimmen:

1. Die Schreibstrategie: sie sollte am Anfang stehen, falls der Schüler Fehler bei der schriftsprachlichen Gliederung macht.

2. Grundwortschatz: werden einfache Wörter noch falsch geschrieben, ist es hilfreich mit einer Lernkartei zu arbeiten. Dadurch ist es möglich eine langfristige Verbesserung zu erzielen.

3. Schriftsprachgefühl: es ist wichtig darauf zu achten, wobei die Fehler gemacht werden. (Dehnung, Schärfung, Groß- Kleinschreibung, Ableitungen)

4. Korrekturstrategien: kann man keine spezifischen Fehler feststellen, ist es sinnvoll eine individuelle Lernkartei zu erstellen.50

Auch für die Rechtschreibung gibt es ein vielfältiges Übungsangebot, wobei allerdings zu sagen ist:

"Es ist sinnvoller, sich auf einige wenige effektive Übungsformen zu konzentrieren, als durch immer neue Methoden Schüler zusätzlich zu verunsichern."51

Es ist also wichtig ein Programm, das für die Förderung von Legasthenikern gedacht ist, mit Training und Übungen im Lesen und Rechtschreiben zu beginnen.

Als nächstes sollte man dazu übergehen, sich näher mit den Persönlichkeitsmerkmalen des Kindes zu beschäftigen und sich an verhaltenstherapeutischen und spieltherapeutischen Methoden zu orientieren. In dieser Phase der Förderung heisst es, ganz auf Übungen zum Lesen und Rechtschreiben zu verzichten.

Hat man sich nun näher mit dem Kind beschäftigt und weiß man etwas über seine psychischen Probleme und Schwierigkeiten, ist es von enormer Bedeutung, bei der Förderung auch diese zu beachten.

Nur wenn sich ein Kind öffnet und wir einen Weg finden ihm Selbstvertrauen und Sicherheit zu geben, kann es sich auch in seinen Lese- und Rechtschreibleistungen verbessern.

Erst als letzten Punkt sollte man dann wieder das funktionelle und gezielte Üben sehen und versuchen das Kind in seiner Sprach- aber auch Konzentrationsfähigkeit zu fördern.

Diese Kombination aus gezielten Lese- und Rechtschreibübungen und spielerischen, sowie psychologischen Aspekten, ist ein Verfahren das helfen kann, eine erfolgreiche Förderung von Personen mit der LRS zu erreichen.52 Ich habe es extra vermieden spezielle Übungen zur Förderung vorzustellen, denn bei der Legasthenie ist es wichtig individuelle Förderungsprogramme zu entwickeln.

Ich wollte nun zeigen, worauf man dabei achten muss und wie schwierig es ist, ein erfolgreiches Programm zu erstellen.

7. Aufgaben der Lehrerinnen und Lehrer

Die Aufgaben, die die Lehrer in der Schule haben, sind sehr vielfältig.

Sie müssen einerseits den leseschwachen Kindern etwas beibringen und andererseits auch die hochbegabten hinreichend fördern. In ihren Klassen sitzen Kinder mit Verhaltensschwierigkeiten, andere die motorisch unruhig veranlagt sind und außerdem ausländische Kinder, die nur gebrochen Deutsch sprechen.

Lehrer sollen nicht nur Lesen und Rechtschreiben lehren, sondern genauso qualifizierten Unterricht in Rechnen, Musik, Sport, Religion, Geschichte und Sachkunde abhalten.

Viele sehen sich aus diesen Gründen überfordert, in der Aufgabe sich intensiv mit dem Problem der LRS auseinanderzusetzen.

Allerdings ist das Lesen und Schreiben die wichtigste Grundlage des schulischen Lernens und von daher ist es nötig, dass sich alle Lehrer mit der Legasthenie und den betroffenen Schülern hinreichend beschäftigen.53 Gerade in der Grundschule ist es wichtig, dass man gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer hat, die günstige Lernbedingungen schaffen und denen es möglich ist beim Prozess des Lesen- und Schreibenlernens gezielte Hilfestellungen zu geben.54

Besonders im Anfangsunterricht muss man sehr individuell und differenziert arbeiten. Je vielfältiger er ist, um so weniger Kinder müssen scheitern. Ich möchte einige didaktisch-methodische Maßnahmen benennen, mit deren Hilfe eine Unterrichtsverbesserung möglich ist:

-Lehrer müssen die Lernausgangslagen der Schüler berücksichtigen.
- Zunächst scheint es sinnvoll einen begrenzten und klasseneigenen Grundwortschatz zum Arbeiten anzuwenden.
- Für viele Kinder ist es auch hilfreich, wenn die Lehrer mit ihnen gemeinsam wichtige Lernstrategien und Arbeitstechniken einüben und anwenden.
- Das Lesen- und Schreibenlernen sollte von Anfang an verbunden werden, so dass sich die Lernprozesse gegenseitig stützen können.
- Desweiteren haben viele Kinder Freude daran am Computer zu arbeiten, auch er sollte ruhig schon im Anfangsunterricht in der Grundschule eingesetzt werden.
- Gerade im Anfangsunterricht sollte man mehr Unterrichtszeit für das Lesenund Schreibenlernen verwenden, damit eine konsequente Förderung aller Kinder erreicht werden kann.

Hat man genügend Zeit und wendet man die geeigneten Fördermethoden an, können auch schwächere Kinder Erfolge beim Lesen- und Schreibenlernen haben.

Zuletzt ist es außerdem wichtig, dass Lehrer und Eltern zusammen arbeiten. Eltern müssen über Erfolge und besonders über Schwierigkeiten ihrer Kinder informiert werden, um eine Überforderung zu vermeiden.55 "Wo der Anfangsunterricht differenziert, offen und konzentriert durchgeführt wird, und dort, wo Schulaufsicht, Schulle itung, Kollegium und Eltern die Probleme der betroffenen Schüler/innen ernst nehmen, hat sich die Zahl der LRS-Schüler/innen drastisch reduziert."56

Die Legasthenie ist aber nicht nur ein Thema in den Grundschulen, sondern auch auf weiterführenden Schulen bleibt es wichtig sich mit der LRS zu beschäftigen.

Obwohl überall große Bemühungen zu sehen sind, um den Anfangsunterricht zu verbessern, ist es nämlich der Fall, dass in den Sekundarstufenschulen eine große Anzahl von Schülerinnen und Schülern mit Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben zu finden sind.

Durch dieses Problem kann die gesamte Schulkarriere beeinträchtigt werden, und die Lese- und/oder Rechtschreibschwierigkeiten weiten sich oftmals schnell zu generellem Schulversagen aus.57

Gründe hierfür können sein, dass Lehrerinnen und Lehrer der weiterführenden Schulen oft von völlig falschen Lernvorraussetzungen der Kinder ausgehen und ihre Anforderungen und Erwartungen zu hoch sind.58

"Vor allem Gymnasiallehrer/innen erwarten, dass mit dem Übergang von Klasse 4 zu 5 die deutsche Orthographie weitgehend von den Schüler/innen beherrscht werde, trotz aller gegenteiligen wissenschaftlichen und didaktischen Erkenntnisse."59

Ich möchte nun noch einige Fördermaßnahmen benennen, die Lehrerinnen und Lehrer in der Sekundarstufe mit in ihren Unterricht einbeziehen und beachten sollten.

Es ist beispielsweise nicht der Fall, dass der Leselernprozess am Ende der zweiten Klasse abgeschlossen ist, auch ältere Schüler sollten sich darin noch üben und auch bei ihnen sind Lob und Bestätigung Faktoren, die sie ganz eindeutig brauchen und durch die sich ihre Bemühungen und ihr Ehrgeiz verbessern.

Sekundarstufenlehrerinnen und Lehrer sollten ebenfalls noch auf die Schreibhaltung ihrer Schüler achten, denn viele betroffene Schüler haben sich eine falsche Schreibhaltung angewöhnt.

Macht man ihnen diese bewusst und versucht man sie umzustellen, kann das ebenfalls zu Erfolgen führen.

Gerade an weiterführenden Schulen sollten Schülerinnen und Schüler mit der LRS allerdings zum Verfassen und schriftlichen Fixieren ihrer Gedanken und Erlebnisse bewegt werden. Fertige und korrigierte Geschichten können dann z.B. nicht nur vorgelesen, sondern vervielfältigt, verschenkt und verkauft werden. Dadurch steigern die Kinder ihr Selbstwertgefühl und sie werden durch ihre Erfolge ermutigt.

Mit das größte Problem ist die Rechtschreibung, hier lösen sich die Probleme ohne das unbedingt erforderliche und stetige Üben natürlich nicht in Luft auf. Es kann den betroffenen Schülerinnen und Schülern allerdings helfen, wenn man ihnen anhand von Zitaten zeigt, dass auch berühmte Persönlichkeiten Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung hatten.

(Goethe:" Ich mache in jedem Brief Schreibfehler und keine Komma!")

Desweiteren ist es oftmals sinnvoll, wenn man für eine gewisse Zeit mit der Benotung aussetzt.

Für die Lehrerinnen und Lehrer aller Klassen und Stufen sei allerdings nochmals gesagt, dass an erster Stelle immer Lob und Ermutigung stehen sollten.

Schülerinnen und Schüler die jahrelang Misserfolge und Frustationen erlebt haben, brauchen die Aussicht auf Erfolg und dass sich ihr Üben lohnt.60Die LRS ist allerdings kein Problem, das allein durch guten Unterricht und speziell ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer verbessert wird.

Wenn man Legasthenikern helfen will, ihre Leistungen zu verbessern, dann braucht man vor allem Geduld und Konsequenz. Darin tun sich viele Lehrerinnen und Lehrer schwer.

"Ohne unsere Geduld und unseren langen Atem werden sich die Schüler/innen nicht der langwierigen Knochenarbeit stellen und die unüberschaubaren Lücken abtragen können."

Diesen Grundsatz sollte man immer vor Augen haben, wenn man mit Personen zusammenarbeitet die an der LRS leiden. Nur so kann unsere Arbeit von Erfolg gekrönt werden und nur so können wir die erwünschten Verbesserungen erzielen.61

8. Schluss

Die Legasthenie und wie sie sich im Laufe der Jahre durch Forschungsarbeiten und immer neue Erkenntnisse entwickelte...

Ich denke, dass ich deutlich machen konnte, wie umfassend und weitgreifend der Bereich ist, indem man von LRS spricht und wie schwierig es ist, für betroffene Personen geeignete Fördermaßnahmen und ein geeignetes Umfeld zu finden.

Nachdem ich mich in meiner Hausarbeit umfassend mit der Hilfe und Förderung von Legasthenikern beschäftigt habe, finde ich es jetzt wichtig, überhaupt auf die möglichen Erfolge einzugehen.

Wir können schließlich noch so viele Möglichkeiten zur Therapie aufzählen und anführen, wenn wir jedoch gar nicht wissen, ob sich Aussichten auf Erfolg stellen, kommen sie uns eher sinnlos vor.

Betrachten wir die Förderung im Rahmen der Schule, die in speziellen Leseklassen oder Lesegruppen erfolgen kann.

Fängt man hier mit der Förderung frühzeitig an, können insbesondere die sekundären psychischen Schäden, wie z.B. Schulunlust, Entmutigung, Disziplinschwierigkeiten usw. vermieden werden.62

Die Erfolge hängen allerdings immer von der Art der Behandlung und der Ausrichtung der Behandelnden ab, von daher kann man sich als grobe Faustregel vielleicht merken, dass man für eine Behandlung etwa zwei Jahre ansetzen muss.

Mit folgenden Erfolgen darf man rechnen: -30% geheilt

- 30% gebessert
- Rest unverändert/ verschlechtert63

Wir sehen, dass die Ergebnisse eventuell noch nicht sehr positiv wirken, aber da die Forschung sich immer weiter mit der Legasthenie beschäftigt und ständig neue Erkenntnisse bekannt gemacht werden, können sich auch die Erfolgsaussichten bereits in wenigen Jahren um ein vielfaches gebessert haben. Ich denke, man darf sich nicht davon abschrecken lassen, dass in vielen Fällen eine Förderung von Personen mit der LRS erfolglos bleibt.

Es ist wichtig, dass man sich weiterhin um die betroffenen Personen bemüht, um überhaupt eine Besserung erzielen zu können.

Wie erwähnt, ist eine individuelle Zuwendung und Hilfe wichtig. Bei der Legasthenie kann man nicht nach einem bestimmten Schema vorgehen, sondern es ist Einfühlungsvermögen und eine ganz besondere Zuwendung zu den Kindern nötig.

9. Literaturverzeichnis

- ICD-10; F81.0 Lese- und Rechtschreibstörungen

- Legasthenie -Erlass Nordrhein-Westfalen; RdErl. d. Kultusministeriums v. 19.07.1991 II A 3.70-20/0-1222/91

- Naegele, Ingrid M. & Valtin, Renate (Hrsg.); LRS in den Klassen 1-10 (Band 1); Weinheim und Basel, 1997

- Naegele, Ingrid M. & Valtin, Renate (Hrsg.); LRS in den Klassen 1-10 (Band 2); Weinheim und Basel, 2000

- ÖBVL; Informationen zur Legasthenie; Dr. Adler, Eva & Mag. GötzingerHiebner, Maria

- Sommer-Stumpenhorst, Norbert; Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten: vorbeugen und überwinden; Berlin, 1993

- Valtin, Renate (Hrsg.); Einführung in die Legasthenieforschung; Weinheim und Basel, 1973

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1vgl. Valtin, 1973, S.14

2vgl. Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.10

3 ebd. S.11

4Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.12

5vgl. Valtin, 1973, S.12

6Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.12

7 vgl. Valtin, 1973, S.12ff

8vgl. ÖBVL, Informationen zur Legasthenie

9vgl. ICD-10, F 81.0, Lese-und Rechtschreibstörung

10 vgl. Valtin, 1973, S.15/16

11vgl. ÖBVL, Informationen zur Legasthenie

12vgl. Valtin, 1973, S.20

13vgl. ÖBVL, Informationen zur Legasthenie

14 Valtin, 1973, S.20

15vgl. Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.16

16vgl. Valtin, 1973, S.55

17Olson in: Valtin, 1973, S.175

18 vgl. ebd.

19vgl. Valtin, 1973, S.55/56

20ebd. S.53

21vgl. Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.22

22 vgl. Valtin, 1973, S.54

23vgl.Valtin,1973, S.60

24vgl. Lovell in: Valtin, 1973, S.83

25Artley in: Valtin, 1973, S.203

26vgl. Artley in: Valtin, 1973, S.203

27Lovell in: Valtin, 1973, S.87

28vgl. ebd.

29vgl. Valtin, 1973, S.61

30 ebd. S.64

31vgl. Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.16

32vgl. Malmquist in: Valtin, 1973, S.111

33Durrel und Murphy in: Valtin, 1973, S.193

34 vgl. Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.24

35vgl. ICD-10, F81.0, Lese- und Rechtschreibstörungen

36 vgl. Valtin, 1973, S.21ff.

37Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.56

38vgl. Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.57

39vgl. Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.71

40Legasthenie-Erlass NRW vom 19.07.1991

41 vgl. Legasthenie-Erlass NRW vom 19.07.1991

42vgl. Sommer-Stumpenhorst, 1993, S. 72

43Eggert u.a. in: Valtin, 1973, S.265

44vgl. Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.72

45vgl. Valtin, 1997, S.225/226

46 Legasthenie-Erlass NRW, 19.07.1991

47vgl. Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.99

48vgl. Naegele und Valtin in: Valtin, 1997, S.225/226

49 Legsthenie-Erlass NRW, 19.07.1991

50vgl. Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.109/110

51Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.118

52 vgl. Eggert in: Valtin, 1973, S.266/267

53vgl. Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.26/27

54 vgl. Valtin, 2000, S.35

55vgl. Naegele und Valtin in: Valtin, 2000, S.37/38

56Naegele in: Valtin, 1997, S.27/28

57vgl. Portmann in: Valtin, 1997, S.117ff

58vgl. Naegele in: Valtin, 2000, S.110

59 Naegele in: Valtin, 2000, S.111

60 vgl. Naegele in: Valtin, 2000, S.117ff.

61vgl. Sommer-Stumpenhorst, 1993, S.93

62 vgl. Kurth und Kossow in: Valtin, 1973, S.261/262

63 vgl. Eggert u.a. in: Valtin, 1973, S.265/266

21 von 21 Seiten

Details

Titel
Legasthenie / Lese- Rechtschreibschwäche
Autor
Jahr
2001
Seiten
21
Katalognummer
V105229
Dateigröße
372 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Legasthenie, Lese-, Rechtschreibschwäche
Arbeit zitieren
Cordula Oppe (Autor), 2001, Legasthenie / Lese- Rechtschreibschwäche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105229

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