Lernen an Stationen


Seminararbeit, 2001
13 Seiten, Note: 1,0

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was versteht man unter Offenem Unterricht?

3. Die Unterrichtsform „Stationenlernen“

4. Ablauf des Stationenlernens
4.1 Einstiegsphase
4.1.1 Inhaltlicher Aspekt
4.1.2 Organisatorische Aspekte
4.2 Stationenarbeit
4.3 Abschlussgespräch

5. Ein Unterrichtsbeispiel für das Lernen an Stationen
5.1 Zum Thema
5.2 Unterrichtlicher Zusammenhang
5.3 Einstiegsphase
5.3.1 Laufzettel
5.4 Arbeiten an den Stationen
5.5 Schlussgespräch

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

In der pädagogischen Literatur findet man viele Begriffe wie Übungszirkel, Lernzirkel oder Stationenbetrieb, die die Unterrichtsform Stationenlernen beschreiben. Im Folgenden verwende ich die Begriffe „Stationenlernen“ oder „Lernen an Stationen“.

Das Stationenlernen ist im Gegensatz zum Projektunterricht, Gruppenunterricht, Unterrichtsgespräch oder zur Freiarbeit eine neue Form des offenen Unterrichts. Vorformen des Stationenlernens treten schon bei den Reformpädagogen wie Célestin Freinet und Helen Parkhurst auf.

Freinet schuf ortsfeste Stationen mit Materialien und Arbeitsanleitungen. Diese konnten die SchülerInnen selbständig, frei und zu unterschiedlichen Zeiten bearbeiten. Bei dieser Arbeit gab es aber kein durchgängiges gemeinsames Thema und Lernziel.

Helen Parkhurst richtete Ecken im Klassenzimmer ein, in denen sich die SchülerInnen selbständig beschäftigen konnten. Sie konnten sich ihren Arbeitsplatz selbst suchen, wobei die eigenen Lerninteressen und -fähigkeiten mit berücksichtigt wurden.

Beim Stationenlernen stellt der Lehrer eine Lernumgebung und ein Materialangebot bereit. Die SchülerInnnen übernehmen hierbei die Initiative und sind für ihr eigenes Lernen verantwortlich. Bei dieser Lernform gibt es einen ständigen Wechsel von offenen und gelenkten Phasen. Dieser Wechsel verdeutlicht, dass die Entwicklung von Selbständigkeit und Handlungsfähigkeit nicht ohne Hilfe in stärker gelenkten Unterrichtsphasen gelingen kann.1

Die vorliegende Hausarbeit ist in zwei Teile gegliedert. Der erste theoretische Teil befasst sich mit dem pädagogischen Hintergrund des Stationenlernens und mit der Unterrichtsform Stationenlernen. Im zweiten praktischen Teil werde ich einen möglichen Stationenlauf vorstellen, den man mit einer ersten oder zweiten Kla sse durchführen könnte.

2. Was versteht man unter Offenem Unterricht?

Nach Wallrabenstein ist der Begriff „Offener Unterricht“ eine Sammelbezeichnung für verschiedene pädagogisch - didaktische Konzepte.2

Offener Unterricht ist eine Unterrichtsform, die gegenüber dem Unterrichts- verständnis die Selbsttätigkeit der SchülerInnen beim Lernen und ihre Mitwirkung bei der Planung und Gestaltung des Unterrichts zu fördern versucht. Das Lernen soll durch die Veränderung der Schule im Hinblick auf die folgenden Aspekte verbessert werden:

1) Methoden, Formen und Mittel des Lernens
2) unterrichtliche Lerninhalte
3) institutionelle Organisationsformen

Schüleraktive Unterrichtsverfahren und Arbeitsweisen wie beispielsweise entdeckendes und problemlösendes oder handlungsorientiertes Lernen, didaktische Spiele oder Projektunterricht sollen SchülerInnen nicht nur zum besseren Lernen motivieren, sondern ihnen auch praktische Hilfen beim Erschließen komplexer Zusammenhänge der Lebenswirklichkeit sein.

Der offene Unterricht sollte auch eine inhaltliche Öffnung des Unterrichts anstreben. Die Interessen und die Alltagswelt der SchülerInnen ist hierbei zu berücksichtigen. Natürlich gibt es fachlich orientierte Lernbereiche, die für die SchülerInnen weniger interessant sind und die trotzdem im Unterricht behandelt werden müssen, damit die an ihnen gewonnenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Einsichten für die Heranbildung eines Erwachsenen erworben werden.

3. Die Unterrichtsform „Stationenlernen“

Das Stationenlernen ist eine offene Unterrichtsform und eine Form von Freiarbeit, die sich Anfang der 90er Jahre behauptet hat und hauptsächlich in der Grundschule angewendet wird.

1952 entwickelten die Engländer Morgan und Adamson das Zirkeltraining. Dieses Training ist auf ein bestimmtes Lernziel fixiert. Im Vergleich zu anderen Trainingsmethoden übten alle Lernenden gleichzeitig und jedes Lernniveau konnte unterstützt werden.

In den 90er Jahren wurde diese aus der Sportpädagogik kommende Trainingsform in einer neuen Form des spielerischen Lernens auf andere Fächer übertragen. Das Stationenlernen umfasst nicht die gesamte Unterrichtsstruktur. Diese Unterrichtsform, die den SchülerInnen ermöglicht, ein Thema über mehrere Zugänge zu erarbeiten und zu vertiefen, ist überschaubar und zeitlich begrenzt. Es werden didaktisch aufbereitete Unterrichtsmaterialien in Stationen aufgeteilt, die den SchülerInnen angeboten werden. Die SchülerInnen beschäftigen sich mit diesen Unterrichtsmaterialien über einen längeren Zeitraum eigenständig und eigenverantwortlich. Die äußere Gliederung geschieht in Stationen. Diese müssen nicht kreisförmig angeordnet oder unbedingt in einer vorgegebenen Reihenfolge zu bearbeiten sein. Der Lehrer sollte darauf achten, dass handelndes Lernen und die Aktivierung der verschiedenen Sinne im Vordergrund stehen. Außerdem ist es wichtig, dass das Material der einzelnen Stationen so aufbereitet ist, dass langsam sowie schnell Lernende je nach ihrer individuellen Ausgangslage gefördert oder gefordert werden. An zusätzlichen Stationen mit besonders kreativen oder schwierigen Aufgaben haben motivierte oder begabte SchülerInnen die Gelegenheit, diese zu lösen. Alle SchülerInnen sind zur selben Zeit mit unterschiedlichen Aufgaben beschäftigt, aber sie arbeiten auf dasselbe Lernziel hin. Das Stationenlernen kann als Erarbeitung eines Themas, als Einführung in einen Themenbereich, als Wiederholung oder Festigung des Gelernten genutzt werden.3

4. Ablauf des Stationenlernens

4.1 Einstiegsphase

In der Einstiegsphase müssen der inhaltliche und der organisatorische Aspekt beachtet werden.

4.1.1 Inhaltlicher Aspekt

Unter dem inhaltlichen Aspekt ist zu verstehen, dass die SchülerInnen den Anschluss an ihr bisheriges Wissen oder an ihre Lebenssituation finden müssen. Mit Hilfe von Liedern, Geschichten, Rätseln, Brainstorming etc. kann das Interesse für das Thema geweckt werden.

4.1.2 Organisatorische Aspekte

Bevor die Klasse das erste Mal einen Stationenlauf mitmacht, sollte der Lehrer mit den SchülerInnen in einem Sitzkreis bestimmte Regeln festhalten. Die SchülerInnen erhalten die Aufgaben:

- sich die Arbeitsanweisungen genau durchzulesen,
- beim Beenden einer Arbeit an einer Station den Tisch aufzuräumen,
- sich mit den MitschülerInnen im Flüsterton zu unterhalten, damit die anderen MitschülerInnen in Ruhe und konzentriert arbeiten können und
- sich nur die vorher vereinbarte Zeit an einer Station aufzuhalten und anschließend zu wechseln.

Vorbereitend werden die einzelnen Materialien der Stationen im Sitzkreis vorgestellt und gesichtet, so dass eventuelle Unklarheiten vorab geklärt werden können.

Die Schülerinnen erhalten einen „Laufzettel“, der ihnen während der

Stationenarbeit hilft ihr Lernen zu organisieren und den Überblick über die angebotenen Stationen zu behalten. In der Rubrik „Erledigt“ können die bereits bearbeiteten Stationen von den SchülerInnen markiert werden.

4.2 Stationenarbeit

Die SchülerInnen bilden selbständig Paare und suchen sich die Stationen selbst aus, an der sie anfangen möchten. Der Lehrer sollte darauf achten, dass nicht alle Paare an der gleichen Station beginnen wollen. Wenn dies der Fall ist, könnten die Anfangsstationen ausgelost werden.

Das Arbeiten an den Stationen wird nicht von dem Lehrer geleitet. Der Stationenwechsel erfolgt bei einem abgesprochenen Signal.

4.3 Abschlussgespräch

Am Ende eines Stationenlernens muss ein Abschlussgespräch stattfinden, in dem die SchülerInnen über ihre Arbeit und Lernergebnisse sprechen oder diese vorstellen.

5. Ein Unterrichtsbeispiel für das Lernen an Stationen

Der Apfel

In dem von mir vorgestellten Beispiel handelt es sich um das Thema „Apfel“. Der Schwerpunkt liegt im sachkundlichen Bereich. Das Thema „Apfel“ könnte man in einer ersten oder zweiten Klasse einsetzen. Das Stationenle rnen bietet hier die Möglichkeit, die bewusste Wahrnehmung mit nur einem Sinn an einer Station zu thematisieren. So werden die einzelnen Aspekte wie Aussehen, Geschmack, Geruch und Beschaffenheit der Schale hervorgehoben, betrachtet und reflektiert.

5.1 Zum Thema

Der Apfel ist in der kindlichen Lebenswirklichkeit als Vertreter einer Obstsorte bekannt.

Viele SchülerInnen werden Äpfel auch in verarbeiteter Form als Apfelmus, Apfelsaft oder Apfelkuchen kennen. Es ist möglich, dass die SchülerInnen nicht wissen, dass es verschiedene Apfelsorten gibt und dass diese sich in Bezug auf ihre Farbe, Größe, Form, Beschaffenheit der Schale und Geschmack unterscheiden. Für den Stationenlauf zum Thema „Apfel“ sollte die Lehrperson darauf achten, dass die oben genannten Merkmale deutlich zu unterscheiden sind.

5.2 Unterrichtlicher Zusammenhang

Dieses Stationenlernen zum Thema Apfel kann am Anfang einer Unterrichtseinheit stehen. Es ist aber auch wichtig, die bisherigen Kenntnisse der SchülerInnen zum Thema (eventuell durch ein Brainstorming) zu ermitteln.

Weiterhin ist ein kleiner Unterrichtsgang, bei dem die SchülerInnen Apfelbäume

sehen und Äpfel pflücken könnten, sinnvoll. Die Kinder kommen dann direkt in der Natur mit dem Thema in Kontakt und bearbeiten motiviert das Thema.

5.3 Einstiegsphase

Als Einstieg gibt es verschiedene Möglichkeiten, z.B. Lieder singen, Geschichten vorlesen etc., die an das Vorwissen der Kinder anknüpfen und Interesse der Kinder hervorrufen. Eine andere Möglichkeit ist das Vor- und Mitlesen der SchülerInnen des Buches „Pony, Bär und Apfelbaum“ von Sigrid Heuck.

Da das Stationenlernen in der ersten oder zweiten Klasse bestimmt noch geübt werden muss, sollten die Regeln in einem Sitzkreis noch einmal besprochen werden.

Als Hilfe bekommen die Schüler einen Laufzettel, damit sie einen Überblick über die angebotenen Stationen und die bereits erledigten Stationen haben.

5.3.1 Laufzettel

Name:

Erledigt?

1. Station: Wie sieht ein Apfel aus?

Betrachte die Äpfel. Suche dir einen Apfel aus und male ihn ab!

2. Station: Wie riecht ein Apfel?

Finde heraus, in welchem Behälter sic h der Apfel befindet!

3. Station: Wie fühlt sich ein Apfel an?

Finde mit verbundenen Augen heraus, welche Äpfel

zusammenpassen! Es gehören immer zwei Äpfel zusammen.

N

4. Station: Wie schmeckt ein Apfel?

Probiere die verschiedenen Apfelsorten und entscheide, welche du am liebsten magst! Trage dein Ergebnis in die Tabelle ein!

5. Station: Wie sie ht ein Apfel von innen aus?

Schneide mit Hilfe des Lehrers einen Apfel auf und finde heraus, wie das Fruchtfleisch, das Kerngehäuse und die Kerne aussehen!

5.4 Arbeiten an den Stationen

Einen Überblick über die angebotenen Stationen zum Thema „Der Apfel“ bietet die folgende Tabelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.5 Schlussgespräch

Am Ende des Stationenlernens finden die SchülerInnen sich wieder in einem Sitzkreis zusammen. Hier werden die Lernergebnisse hervorgehoben und Unklarheiten beseitigt.

6. Fazit

Meiner Meinung nach ist das Lernen an Stationen eine abwechslungsreiche Unterrichtsform, die man als Lehrer unbedingt berücksichtigen sollte. Durch das Anbieten verschiedener Aufgaben mit unterschiedlichen Materialien und Arbeitsformen hat jeder Schüler die Möglichkeit seinen eigenen Lernweg zu wählen, das Arbeitstempo zu bestimmen, seine Interessen mit einzubringen und mit Freude zu lernen.

Mit zunehmender Übung in der Gestaltung und Durchführung des Stationenlernens werden sich mit Sicherheit positive Fortschritte in Bezug auf selbständiges Lernen bemerkbar machen.

Die Methode ist geeignet, den SchülerInnen zu selbstständigem und motiviertem Arbeiten zu verhelfen.

Gerade beim Stationenlernen kann der Lehrer sich aufgrund seiner Funktion als Beobachter einzelnen SchülerInnen mit Lernschwächen gezielt zuwenden. Die beschriebene Unterrichtsform ist geeignet für handlungsorientiertes, einprägsames und ganzheitliches Lernen sowie fächerübergreifendes Arbeiten.

Nachteilig wirkt sich gelegentlich, vor allem für schwächere SchülerInnen, die freie Zeiteinteilung aus, da diese sie überfordert. Sie können die Zeit in der Schule nicht sinnvoll nutzen, sondern vergeuden ihre Energie mit Stören der Klassenkameraden. Das Resultat ist ein erhöhter Lautstärkepegel. Bedingt durch die Lautstärke , die bei der Gruppenarbeit und beim Wechsel der Stationen entsteht, können sich manche SchülerInnen nicht konzentrieren. Sie arbeiten oberflächlich und unordentlich.

7. Literaturverzeichnis

Gauggel, Franz: Lernen an Stationen. In: Grundschule 9 (1992), S.55-57.

Hegele, Irmintraut (Hrsg.): Lernziel: Stationenarbeit. Eine neue Form des offenen Unterrichts. 3. Auflage. Weinheim 1998.

Jäger - Gutjahr, Ingrid: Unterrichtsideen. Miteinander - Wir sind Kinder aus vielen Ländern. Leipzig 1995.

Schiestl, Peter: Von Station zu Station. In: Grundschule 10 (1990), S.25-27.

Wallrabenstein, Wulff: Offene Schule-offener Unterricht. Ratgeber für Eltern und Lehrer. Reinbek 1991.

Witzenbacher, Kurt: Praxis der Unterrichtsgestaltung. München 1994.

[...]


1vgl. Hegele, Irmintraut: Lernziel: Stationenarbeit. Eine neue Form des offenen Unterrichts. 3.Auflage. Weinheim 1998. S.7-8.

2Wallrabenstein, Wulff: Offene Schule-offener Unterricht. Ratgeber für Eltern und Lehrer. Reinbek 1991.

3Jäger - Gutjahr, Ingrid: Unterrichtsideen. Miteinander - Wir sind Kinder aus vielen Ländern. Leipzig 1995.

13 von 13 Seiten

Details

Titel
Lernen an Stationen
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
13
Katalognummer
V105233
Dateigröße
371 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernen, Stationen
Arbeit zitieren
Britta Grewe (Autor), 2001, Lernen an Stationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105233

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