Geschichte Südamerikas und Analyse der Situation heute


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
4 Seiten

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Geschichte Südamerikas und Analyse der Situation heute

1,1) Geschichtlicher Abriss der Entwicklung in Süd- und Mittelamerika Seit 1492 führt die Unterdrückung und Ausrottung ganzer Völker in der neuen Welt zu Widerstand, der schon von Anfang an religiös motivierte Züge zeigte. Ein gutes Beispiel hierfür ist der „Vater der Indios“, Las Casas, zuerst Großgrundbesitzer auf Kuba, nach seiner Bekehrung ein unermüdlicher Kämpfer für die Rechte der Indios, später auch Bischof von Mexiko. Gegen Ende seines Lebens zog er eine ernüchternde Bilanz (vgl.7, S 190ff):

„Ich hinterlasse unseren Herrn Jesus Christus in diesem Westindien nicht einmal, sondern tausendfach gegeißelt, geschlagen und gekreuzigt, wie es durch die Spanier geschieht, die jene Völker niederwerfen und zerstören.(7, S 197)“

Durch die Gesetzgebung Karls V. waren die Indigenen Völker in Spanisch-Amerika zwar formell frei, was jedoch nicht das Ende der Unterdrückung durch die europäischen Eroberer bedeutete, diese verfeinerten die Methoden der Ausbeutung und des Ethnozites, auch hierzu kann Las Casas zitiert werden (vgl. 7, S 190ff):

„Die Spanier schleppten die verheirateten Männer 60 bis 400 km zum Goldgraben fort, und die Frauen blieben in den Häusern und auf den Farmen zurück, um dort Feldarbeit zu verrichten. So kam es, dass die Geburten fast aufhörten. [...] Als Ergebnis kann man annehmen, dass in den vierzig Jahren mehr als 12 Millionen Männer, Frauen und Kinder getötet worden sind. (in 10, S 197)“

Diese Situation führte dazu, dass die Indios gänzlich auszusterben drohten, um dem vorzubeugen wurden die Gesetze zum Schutz der Indios ernster genommen, was die Europäer in diesen Breiten jedoch nicht davon abhielt die Kultur und den Lebensraum dieser „Indigenas“, so der spanische Name für die indigenen Völker, planmäßig zu zerstören, dies passierte vielfach auch mit Unterstützung der Amtskirche.

Durch eben diese Schutzgesetze und durch den Glauben an die physische Stärke von Menschen aus Schwarzafrika kam es im 16. Jhdt. Verstärkt zu Sklavenimporten aus eben dieser Region, diese Sklaven brachten ihre eigenen religiösen Vorstellungen und Praktiken in die Gesellschaft „Neuspaniens“ und Brasiliens mit ein, wo sie noch heute, auch in der katholischen Kirche spürbar sind.

Diese Sklaven wurden hauptsächlich, so wie die Indios vor ihnen, in der Landwirtschaft und im Bergbau eingesetzt. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Neuspanien und Brasilien waren zum größten Teil für den Export bestimmt, als Beispiel dieser Güter sei Kaffee und Kakao in Südamerika, sowie Zuckerrohr in der Karibik genannt, die Produktion dieser Güter stellt noch heute den größten Teil der agrarischen Produktion in diesen Breiten dar. Die Hauptexportgüter waren (aus Sicht der Kolonialherren) aber jene aus dem Bergbau und hier wiederum Gold und Silber. Das Gold wurde zum größten Teil geraubt, die Kunstschätze der Eingeborenen Kultur nach Europa exportiert. Silber wurde zum Hauptexportgut Lateinamerikas im 16. und 17. Jhdt. nach Europa und in Minen in sehr großen Mengen abgebaut, die Bedingungen für die Sklaven, welche in Potosí (Peru) und Zacatecas (Mexiko), dies waren die größten Silberminen sowohl Neuspaniens, als auch der Welt, dieses Silber abbauten, waren jedoch nichts als unmenschlich. Anhand des Beispiels der Silberförderung und des Silberexportes lässt sich erkennen, in welchem Ausmaß dieser Kontinent von den europäischen Mächten ausgepresst wurde:

„Der Wert der Erträge im Zeitraum von 1492 bis 1803 belief sich bezüglich des Gold- und Silberabbaus auf schätzungsweise über 5,7 Milliarden Pesos, die jedoch nur zum geringsten Teil in Südamerika verblieben.“

Als Napoleon I. in Spanien einmarschierte und das spanische Königshaus stürzte kam es in den Kolonien zu bewaffneten Widerstand gegen die spanische Besatzungsmacht, dieser Kampf wurde von der kleinen Oberschicht spanischer Herkunft propagiert und von der Masse der Bevölkerung mitgetragen. Als Hauptprotagonist dieses Kampfes ist Simon Bolívar zu nennen, er gründete im Norden Südamerikas die Republik Kolumbien, diese brach allerdings nach dem Tod Bolívars in Kolumbien, Equador, Venezuela und Panama auseinander.

Die folgenden Jahre brachten keine Veränderung der sozialen, ökonomischen und politischen Struktur Süd- und Mittelamerikas, es herrschten Militärdiktaturen unterstützt von den privilegierten Klassen und im Dienste dieser. Einen Sonderfall stellte Brasilien dar, nach der Wiederherstellung der alten Ordnung in Europa konnte das portugiesische Herrscherhaus auch in der neuen Welt Fuß fassen, der älteste Sohn des portugiesischen Königs würde als Kaiser eines nominell unabhängigen Brasiliens eingesetzt.

Die engen wirtschaftlichen Beziehungen zu Europa blieben allerorts bestehen, und auch die Wirtschaftsstruktur Südamerikas blieb unangetastet. Wieder investierten Europäer in die aufblühende Wirtschaft in Südamerika, es fand auch so etwas wie ein wirtschaftlicher Aufschwung statt, die Infrastruktur wurde ausgebaut und es kam zu einer stärkeren Konzentration der Bevölkerung und des Kapitals in den Städten. Das Wirtschaftswachstum in dieser Periode (ca. 1880-1930) vergrößerte jedoch das Gefälle zwischen arm und reich weiter, und so kam es zu sozialen Spannungen, die das politische Klima in Südamerika bis heute beeinflussen. Als Beispiel der Entladung solcher Konflikte ist die mexikanische Revolution von 1910 zu nennen, 1917 kam es zur Ausarbeitung einer Verfassung, die auch soziale Reformen beinhaltete. Die neuen Machthaber verabsäumten es jedoch auf die Probleme seit 1945 einzugehen und diskreditierten sich so in den Augen vieler Mitglieder der unteren Schichten, was zur Abwahl der seit 1917 regierenden „Partei der institutionalisierten Revolution“ führte.

Ganz anders verlief die politische Entwicklung der meisten Staaten Südamerikas, hier konnten sich die Militärdiktaturen trotz aller Probleme bis in die Achtzigerjahre hinein halten. Der deklarierte und praktizierte Antikommunismus dieser Diktaturen führte zu einem Engagement der USA für diese und gegen die Widerstandbewegungen in Südamerika, die dadurch noch weiter nach links rückten. Das Beispiel hierfür ist Kuba, die Revolution 1959 beendete die Diktatur der Rechten und brachte Fidel Castro, einen Protagonisten der Revolution an die Macht, er band Kuba außenpolitisch an die Sowjetunion und provozierte durch seine Erlaubnis für die Aufstellung von Raketen auf kubanischem Gebiet einen internationalen Konflikt.

Durch die dauernde politische und ökonomische Unterdrückung der Mehrheit der Menschen in diesen Staaten entwickelten verschiedene Teile der Kirche, gestützt auf eine große Anhängerschaft in der Basis, ende der Sechzigerjahre die sogenannte Theologie der Befreiung. Verschiedene

Theologen dieser Richtung waren aktiv daran beteiligt, die Militärdiktaturen in Südamerika zu stürzen.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion und ihrer Satelliten ist Mittel- und Südamerika in das System des globalen Kapitalis mus eingebunden. Die ungleiche Verteilung des Reichtums, sowie das Fehlen einer Sozialgesetzgebung bzw. das Nichteinhalten dieser führt jedoch bis heute zu Konflikten innerhalb der Lateinamerikanischen Gesellschaft.

1,2) Die soziale, politische und ökonomische Situation in Südamerika heute am Beispiel Brasiliens

„Die Sklaven hatten früher ein besseres Leben als heute die Arbeiter in der Dritten Welt, denn sie bekamen genug zu essen, um ihre Arbeit verrichten zu können. Zwei Drittel aller Arbeiter hier in Brasilien verdienen zwischen 30 und 90 Dollar im Monat - damit kann man nur hungern.“

So sieht ein Priester aus Brasilien die Realität in dem Land und in dem Kontinent seines pastoralen Wirkens.

Brasilien als Beispiel der Problematik in Süd- und Mittelamerika: Dieses Land ist heute der achtgrößte Industriestaat der Erde, die Wirtschaft in ganz Brasilien boomt und ausländische Firmen, vor allem aber multinationale Konzerne investieren in ein Land, das seit 1986 demokratisch regiert wird. Trotzdem lebt die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung in wirtschaftlichem Elend und politischer Unterdrückung. Das Elend der Massen ist zum Teil auf die Korruptheit der Regierung zurückzuführen, die bereits beschlossene Sozialgesetze nicht oder nur teilweise exekutiert und allzu oft auf der Seite der Mächtigen steht. Die Unterdrückung erfolgt sowohl durch staatliche (Polizei) als auch durch private Organisationen (Gruppierungen im Dienste der Großgrundbesitzer, allen voran die UDR, was für „Uniao Democratica Ruralista“ steht), die in den meisten Fällen zusammenarbeiten. Diese Unterdrückung wurde seit der sogenannten Demokratisierung immer schwieriger zu entlarven, da sie nicht mehr wie früher rohe Gewalt einsetzt, sondern von den existentiellen Ängsten der Bevölkerung insofern profitiert, als den Unterdrückern im freien Markt Brasiliens das Mittel des Gesinnungsdruckes ermöglicht wird, d.h. die Wahlen sind nicht wirklich frei, was bisher eine politische Wende in Brasilien verhindert hat. Ein weiteres Problem ist die Aufteilung des Bodens; die offiziellen Zahlen der brasilianischen Regierung aus dem Jahre 1986 sprechen Bände:

„Sehen wir uns einige dieser [...] Daten an:

- Die landwirtschaftlichen Betriebe erstrecken sich auf einer Flächevon 602 Millionen Hektar.

Davon entfallen 416,5 Millionen (alsomehr als zwei Drittel) auf den Großgrundbesitz.

- Der Großgrundbesitz beschäftigt durchschnittlich pro 1570 Hektar eine Arbeitskraft
- 50% der Betriebe sind kleiner als 100 Hektar. Ihnen gehören jedoch nur 3% des Bodens
- Nur ein Bruchteil (1,8%) der Betriebe besitzen über 1000 Hektar, damit aber 58,6% des

Bodens.

- Noch viel weniger, nur 0,1% aller Landwirtschaftsbetriebe, umfassen mehr als 10.000 Hektar
- sie besitzen damit aber 24% des Bodens von Brasilien.“

Trotz Abschwächungen, vor allem auf Grund des Engagements der Landlosenbewegung, ist ein Trend in Richtung Konzentration des Grund und Bodens in den Händen Weniger zu verspüren.

Dieses Problem stellt die brasilianische Gesellschaft von heute vor eine Zerreißprobe, die durch die

Inflation noch weiter verschlimmert wird. Die brasilianische Regierung veröffentlichte 1987 eine Auflistung der Lebensmittel, die eine durchschnittliche Familie pro Woche benötigt, bzw. wie lange ein(e) ArbeiterIn welche(r) einen Mindestlohn (zum damaligen Zeitpunkt 46,85 US$) pro Monat verdient für die einzelnen Lebensmittel arbeiten muss:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Man sollte sich noch einmal vor Augen führen, dass Brasilien heute die achtgrößte Industrienation auf Erden ist, umso schwerer wiegt es in den Augen der betroffenen Bevölkerung, dass die Regierung momentan nicht imstande ist, alle Menschen ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen, bzw. sicherzustellen, dass der Kalorienbedarf für alle gedeckt ist.

Brasilien ist nur ein Beispiel für die momentane Situation in den meisten Ländern Südamerikas, ja den meisten Ländern dieser Welt.

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Details

Titel
Geschichte Südamerikas und Analyse der Situation heute
Autor
Jahr
2001
Seiten
4
Katalognummer
V105247
Dateigröße
333 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Südamerikas, Analyse, Situation
Arbeit zitieren
Christian Planteu (Autor), 2001, Geschichte Südamerikas und Analyse der Situation heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105247

Kommentare

  • Gast am 22.2.2003

    mail addi .....

    kann man den author pe mail irgendwie erreichen ?

  • Gast am 7.10.2006

    antwort.

    gar nicht gewusst, dass das jemand gelesen hat

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Titel: Geschichte Südamerikas und Analyse der Situation heute


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