Soziale Wahrnehmung. Eindrucksbildung. Wahrnehmung und Beurteilung von Personen, Intergruppenbeziehungen, depressive Störungen Jugendlicher, Depressionen


Hausarbeit, 2002

18 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhalt

1. Soziale Wahrnehmung. Eindrucksbildung. Wahrnehmung und Beurteilung von Personen
a.) Unterschiede und Gemeinsamkeiten beim Primacy-Effekt und der Überbewertung eines zentralen Merkmals
b.) Urteilsstabilisierende Kognitionen und urteilsstabilisierende Interaktionen
c.) Der Mechanismus urteilsstabilisierender Interaktionen im Zusammenhang sozialpädagogischer Teamarbeit

2. Alltagspsychologie versus wissenschaftliche Psychologie
a.) Definition depressiver Störung im Jugendalter
b.) Erklärungsmodell einer depressiven Störung
c.) Definition einer Erklärung zweiter Ordnung
Einfluss dieser Erklärung auf das Verhalten depressiver Jugendlicher
d.) Erläuterung der zirkulären Kausalität
e.) Prognose
f.) Ansatzpunkte für sozialpädagogisches Handeln

3. Intergruppenbeziehungen
a.) Bedingungen, die die Wahrscheinlichkeit der Feindseligkeit zwischen Gruppen erhöhen bzw. reduzieren
b.) Möglichkeiten für den Sozialpädagogen im Rahmen öffentlicher Kinder- und Jugendarbeit Feindseligkeit abzubauen und Kooperation zu fördern

4. Pro soziales Verhalten. Soziales Netzwerk – soziale Unterstützung.
a.) Fallbeispiel: Schulwechsel
b.) Sozialpädagogische Handlungsmöglichkeiten

5. Literaturverzeichnis

1. Soziale Wahrnehmung. Eindrucksbildung. Wahrnehmung und Beurteilung von Personen.

a.) Primacy-Effekt (Effekt des ersten Eindrucks)

Der erste Eindruck gewinnt hier an übermäßiger Bedeutung bei der Bildung des Gesamteindrucks einer Person. Demgegenüber erhalten die weiteren Informationen weniger Gewicht. Mit der ersten Information wird ein Bild über eine Person aktiviert. Die weiteren Informationen werden so wahrgenommen, daß sie zu der ersten Information passen.

Überbewertung eines zentralen Merkmals

Auch Informationen, die zu einem späteren Zeitpunkt eingeführt werden, können eine übermäßige Bedeutung erlangen, wenn sie in den subjektiven Persönlichkeitsmerkmalen des Beurteilers als zentrale Merkmale verankert sind. Als zentral bezeichnet man solche Persönlichkeitsmerkmale, anhand denen der Betrachter anhand denen der Betrachter andere Merkmale fest assoziiert. Beim Betrachter werden subjektive Persönlichkeitstheorien zu Konstellationen von Eigenschaften und zu möglichen Personentypen aktiviert. Diese zentralen Merkmale können eine solche Bedeutung erlangen, dass sie auch vorausgehende Informationen in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Wenn man diese beiden Wahrnehmungsverzerrungen miteinander vergleicht, stellt man fest, daß bei der Überbewertung eines zentralen Merkmals - anders als bei dem Primacy-Effekt - Informationen, die dem Betrachter zu einem späteren Zeitpunkt zugänglich werden, überwiegende Wichtigkeit für die Urteilsbildung über die betreffende Person gewinnen können. Demgegenüber erhält bei der dem Effekt des ersten Eindrucks die erste Information die dominierende/tragende Gewichtigkeit.

Bei den zentralen Persönlichkeitsmerkmalen werden diese vom Betrachter fest mit anderen Merkmalen assoziiert. Dem durch den Primacy-Effekt entstandenen Bild werden die folgenden Informationen wie passende Puzzle-Teile „anmontiert“, so daß aus dem maßgebenden Hauptteil (erste Information) und den folgenden Nebenteilen ein Gesamtbild entsteht.

Beide Wahrnehmungsverzerrungen dominieren den Gesamteindruck einer Person und werden selten revidiert. Da man sich nicht eindringlicher mit der betreffenden (beurteilten) Person auseinandersetzt, führt dies oft zu der Bildung bzw. der Verfestigung von Vorurteilen. Bei beiden Wahrnehmungsverzerrungen ist eine Information ausschlaggebend für die Urteilsbildung über eine Person. Im Falle des Primacy-Effekts ist es die erste Information, bei der Überbewertung des zentralen Merkmals die im Mittelpunkt stehende.

b.)

Wahrnehmungsverzerrungen sind nicht genau zu differenzieren und treten oft zusammen auf. Dadurch kann sich der Effekt des ersten Eindrucks potenzieren. Werden uns in einer schlechten Stimmung (Stimmungskongruenzeffekt) über eine Person zuerst (Primacy-Effekt) negative Informationen (Negativverzerrung) bekannt, veranlaßt uns dies, die Person zu stereotypisieren. Die Person wird in eine „Schublade gesteckt“. Selten hat man die Möglichkeit, das gefällte Urteil noch einmal zu revidieren. Hierbei spielen urteilsstabilisierende Kognitionen und Interaktionen eine Rolle.

Urteilsstabilisierende Interaktionen: Oftmals erhält man Vorinformationen, durch die ein Urteil über eine Person innerhalb kürzester Zeit gebildet wird. Das gefällte Urteil wird selten überprüft, wodurch dann auch unser Verhalten zu der Person negativ oder positiv beeinflußt wird. Meistens hat man dann nicht sofort die Gelegenheit, sich ein eigenes Urteil zu bilden. So wird unser aufgrund dieser Information verändertes Verhalten auch von der betreffenden Person wahrgenommen und interpretiert, was eine bestimmte Reaktion oder Verhaltensweise des Betreffenden nach sich zieht. Die negativen Behandlungsweisen der urteilenden Person werden sodann von der beurteilten Person übernommen, was wiederum dazu führt, daß die urteilende Person in ihrem „Vorurteil“ nur bestärkt wird. Deshalb bezeichnet man urteilsstabilisierende Interaktionen auch oft als „sich selbst erfüllende Prophezeiung“.

Urteilsstabilisierende Kognitionen: Erhält die urteilende Person über die beurteilte Person Informationen, die sie der beurteilten Person besser zuordnen kann, in ihren Augen also logisch erscheinen, erinnert sich die betreffende Person viel besser an die Einzelheiten oder Merkmale. Die Hypothese der urteilenden Person wird durch solche Einzelheiten bzw. Merkmale bestärkt. Logisch erscheinende Erinnerungen, die so erworben wurden, sind schwer aus dem Gedächtnis zu streichen und führen auch oft zu Vorurteilen, die schwerlich abgebaut werden können.

c.)

Fallbeispiel: Die Dipl.-Sozialpädagogin Susi bekommt durch ihre aus dem Betrieb ausscheidende Freundin Magret eine Stelle in der Verwaltung bei der Arbeiterwohlfahrt. Margret berichtet Susi von der arroganten und „etwas schwierigen“ Kollegin Else. An ihrem ersten Arbeitstag begegnet Else ihr auf dem Flur. Susi bringt nur ein reserviertes „Morgen“ hervor, da sie der als schwierig bezeichneten Kollegin nicht auf „den Schlips treten will“. Else denkt sich sodann: “Mensch, die ist aber arrogant! Der Schnepfe bringe ich jetzt auch keine großen Nettigkeiten entgegen“, wodurch für Susi das Bild von der sowohl arroganten als auch komplizierten Kollegin nur bestätigt wird. Aufgrund dieser Erfahrung werden die beiden in der Verwaltung der Arbeiterwohlfahrt wohl öfter aneinandergeraten. Ihre zukünftige Zusammenarbeit im Team wird sich durch dieses Ereignis bestimmt nicht positiv entwickeln.

.

2. Alltagspsychologie versus wissenschaftliche Psychologie

a.) Definition einer depressiven Störung bei Jugendlichen:

Depressionen werden in der Tiefenpsychologie als traurige Herabgestimmtheit, Niedergeschlagenheit (Def. Duden), Gefühle innere Leere, des sich „Nicht-freuen-könnens“ usw. beschrieben . Bei Jugendlichen bis siebzehn Jahren stimmen diese Gefühle und Erscheinungsformen mit denen der Erwachsenen überein. Ihre Auffassungen decken sich mit den Auffassungen depressiver Erwachsener. Genannt werden Symptome wie z.B. Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Schuldgefühle, Gewichtsverlust und Suizidgedanken. Wie bei Erwachsenen tritt die Depression bei Jugendlichen wiederholt auf. Die Jugendlichen empfinden sich überall als fehl am Platz, fühlen sich ungeliebt und können ihrem normalen Tagesablauf nur schwer nachkommen. In der Schule entstehen Probleme, sie ziehen sich immer mehr zurück und werden zu sogenannten „Einzelgängern“. Gefühle des „Nichts-wert-seins“ kommen auf. Dies geht auch oft so weit, daß der depressive Jugendliche den Wert seiner Existenz in Frage stellt und sich Gedanken über Selbstmord (Suizid) macht und dies schlimmstenfalls als Lösung seiner Probleme in Erwägung zieht. Für die Entstehung der Depression bei Jugendlichen spielen die verschiedensten Einflussfaktoren eine Rolle wie z.B. sein Umfeld, seine neu entdeckte Sexualität, die Pubertät, sein Elternhaus, der stetig ansteigende oder als stetig angsteigend wahrgenommene Leistungsdruck.(Wolfersdorf,1994 )

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Details

Titel
Soziale Wahrnehmung. Eindrucksbildung. Wahrnehmung und Beurteilung von Personen, Intergruppenbeziehungen, depressive Störungen Jugendlicher, Depressionen
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf  (Heinrich-Heine-Universität)
Veranstaltung
Psychologie Ringseminar
Note
2,2
Autoren
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V10533
ISBN (eBook)
9783638169288
ISBN (Buch)
9783656041412
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Primacy-Effekt, Soziale Wahrnehmung, Eindrucksbildung, Wahrnehmung und Beurteilung
Arbeit zitieren
Tony Majid (Autor:in)Lars Hochstrat (Autor:in), 2002, Soziale Wahrnehmung. Eindrucksbildung. Wahrnehmung und Beurteilung von Personen, Intergruppenbeziehungen, depressive Störungen Jugendlicher, Depressionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10533

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